DE10115310A1 - Bakteriophagen-Präparation - Google Patents
Bakteriophagen-PräparationInfo
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Abstract
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Zusammensetzung, umfassend Bakteriophagen und Endotoxine sowie ein Arzneimittel, welches eine solche Zusammensetzung enthält und die Verwendung dieses Arzneimittels zur Bekämpfung von bakteriellen Erkrankungen, Pilzbefall oder/und Entzündungen. Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann weiterhin auch als Reinigungs- oder/und Desifektionsmittel eingesetzt werden.
Description
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Zusammensetzung, umfassend
Bakteriophagen und Endotoxine sowie ein Arzneimittel, welches eine
solche Zusammensetzung enthält und die Verwendung dieses Arzneimittels
zur Bekämpfung von bakteriellen Erkrankungen oder/und Entzündungen.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann weiterhin auch als
Reinigungs- oder/und Desinfektionsmittel eingesetzt werden.
In den letzten Jahren wird das Auftreten von Resistenzen zunehmend bei
vielen pathogenen Mikroorganismen, wie beispielsweise Bakterien
beobachtet. Bakterien, wie beispielsweise Staphylokokken, Streptokokken,
Pneumokokken u. dgl. bilden zunehmend Resistenzen gegenüber
herkömmlichen Antibiotika aus. Problematisch dabei ist insbesondere, dass
die Bakterien oftmals nicht nur eine Resistenz gegen ein bestimmtes
Antibiotikum ausbilden, sondern gegenüber einer Vielzahl
verschiedenartigster Antibiotika beständig werden. Diese Multiresistenz
führt dazu, dass Infektionen durch multiresistente pathogene
Mikroorganismen mit vielen bekannten Antibiotika nicht mehr behandelt
werden können bis hin zu einer Untherapierbarkeit mit Antibiotika. Dies hat
zur Folge, dass Infektionen, die vor dem Auftreten einer Resistenz oder
Multiresistenz von Bakterien mit herkömmlichen Antibiotika bekämpft
werden konnten, nunmehr nicht mehr mit Antibiotika therapiert werden
können und im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen.
Beispielsweise zeigte sich, dass auch bei Einsatz von Antibiotika in der
Chemotherapie zunehmend die bei einer Chemotherapie auftretenden
bakteriellen Entzündungen aufgrund von Multiresistenzen der Bakterien
schwer oder gar nicht zu bekämpfen sind.
Eine Multiresistenz von Bakterien wurde bereits gegenüber vielen
bekannten Antibiotikaklassen beobachtet, beispielsweise bei Kohlehydrat-
Antibiotika, makrocyclischen Lactonen, Cienonen, Aminosäuren-
Antibiotika, Peptid-Antibiotika, N-haltigen heterocyclischen Antibiotika, O-
haltigen heterocyclischen Antibiotika, alicyclischen Antibiotika und
aromatischen Antibiotika.
Um auch resistente bzw. multiresistente Bakterien bekämpfen zu können,
werden immer neue Antibiotikaklassen entwickelt. Die Entwicklung von
neuen Antibiotika ist jedoch arbeits- und zeitaufwendig und es ist zu
befürchten, dass pathogene Mikroorganismen über kurz oder lang auch
gegenüber neu aufgefundenen Antibiotika eine Resistenz oder
Multiresistenz entwickeln werden.
Ein besonders großes Problem stellen multiresistente Bakterien in
Krankenhäusern dar, wobei hier das Auftreten von resistenten oder
multiresistenten Bakterien besonders oft beobachtet wird, und Infektionen
mit solchen Bakterien, sofern sie nicht sofort therapiert werden können, zu
einer weiteren Schwächung der Patienten führen.
DE 198 28 596 A1 beschreibt ein Arzneimittel zur Behandlung von
bakteriellen Erkrankungen, welches polyvalente Bakteriophagen als
Wirkstoff enthält. Polyvalente Bakteriophagen sind in der Lage,
verschiedene Bakterienstämme zu lysieren, unabhängig davon, ob diese
Bakterien gegen Antibiotika resistent oder multiresistent sind. Auf diese
Weise ist eine wirksame Bekämpfung auch resistenter Bakterienstämme
möglich.
WO 98/51318 beschreibt pharmazeutische Zusammensetzungen, die ein
self-replizierendes Mittel gegen einen heterologen pathogenen Organismus
umfassen, beispielsweise Bakteriophagen, die spezifisch gegen einen
bestimmten heterologen pathogenen Organismus gerichtet sind.
EP 0 414 304 beschreibt wässrige antibakterielle Zusammensetzungen zur
Bekämpfung von unerwünschten Bakterien, welche ein nicht ionisches
oberflächenaktives Mittel, ein neutrales Salz und Bakteriophagen enthalten.
Eine Aufgabe der Erfindung war es, neue Zusammensetzungen
bereitzustellen, die insbesondere eine verbesserte Wirkung bei der
Behandlung von pathogenen Organismen aufweisen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Zusammensetzung
umfassend
- a) Bakteriophagen und
- b) Endotoxin.
Bakteriophagen, oft auch Phagen genannt, sind Viren, welche Bakterien
befallen und insbesondere Viren, welche Bakterien spezifisch befallen, d. h.
den Wirt, beispielsweise ein Säugetier und insbesondere einen Menschen,
nicht befallen. Eine Infektion von Bakterien oder anderen pathogenen
Mikroorganismen durch virulente Phagen führt zum lytischen Zyklus und
damit letztendlich zur Lyse und Zerstörung der Bakterien. Der lytische
Zyklus beginnt mit der Adsorption des Phagen an die Bakterienzelle. Der
Phage oder seine Nukleinsäuren dringen in das Wirtsbakterium ein und
veranlassen dessen synthetische Maschinerie phagenspezifische Proteine
und Nukleinsäuren zu synthetisieren. Phagenspezifische Proteine sind
beispielsweise frühe Proteine, wie Regulatorproteine und katalytische
Proteine sowie späte Proteine, wie etwa Capsidproteine und Lysozym.
Nach dem Zusammenbau neuer Phagen (Virionen) aus Proteinen und
Nukleinsäuren wird mit Hilfe des Lysozyms die Bakterienzellwand aufgelöst
(Lyse) und die neuen Phagen werden freigesetzt. Neben dem lytischen
Zyklus ist auch eine Infektion von Bakterien durch Phagen über den
lysogenen Weg möglich.
Endotoxine sind Bakterientoxine, die im Gegensatz zu den Exotoxinen nicht
von lebenden Bakterien ausgeschieden werden, sondern erst durch
Autolyse freigesetzt werden. Beispiele für Endotoxine sind die in der
äußeren Membran von gramnegativen Bakterien verankerte hitzestabile
Lipopolysaccharid (LPS)-Fraktion der Zellmembran. Lipopolysaccharide
bestehen aus dem Lipid A, dem Kernpolysaccharid, sowie einer O-
spezifischen Kette, wobei für die toxische Wirkung von
Lipopolysacchariden das Lipid A verantwortlich gemacht sind. Endotoxine
sind bei allen Enterobacteriaceae, z. B. Salmonella (Typhus), Shigella (Ruhr)
und vielen anderen gramnegativen Keimen zu finden. Im weiteren Sinne
werden im Cytoplasma lokalisierte Proteintoxine gramnegativer Bakterien
ebenfalls als Endotoxine bezeichnet, so z. B. Toxine von Vibrio cholerae
(Choleratoxin), die Bakteriocine (z. B. Colicine) oder die von Bacillus
thuringiensis gebildeten Gamma-Endotoxine, das sind Polypeptid-Kristalle.
Es wurde nun überraschenderweise festgestellt, dass durch die kombinierte
Verabreichung von Bakteriophagen und Endotoxinen eine
zusammenwirkende und gegebenenfalls sogar synergistische Wirkung,
insbesondere bei der Wundheilung erzielt wird. Dies wird darauf
zurückgeführt, dass viele entzündliche Erkrankungen, wie beispielsweise
der diabetische Fuß, auf drei Vorgängen basieren, nämlich einer
Veränderung der Gefäße, einer Veränderung von Nervenleitungen sowie
einer Infektion. Durch die Gabe von Bakteriophagen kann die Infektion
bekämpft werden, wodurch der Gesamtheilungsprozess in Gang gesetzt
wird. Es wurde nun festgestellt, dass die zusätzliche Gegenwart von
Endotoxinen eine positive Wirkung auf den Gesamtheilungsprozess ausübt.
Diese positive Wirkung beruht möglicherweise auf den
immunstimulatorischen Eigenschaften von Endotoxinen. Endotoxine
stimulieren Mediatoren, insbesondere Cytokine, des Immunsystems. Eine
Folge davon ist die Produktion von Interleukin-1 und Kachektin (Tumor-
Nekrose-Faktor).
Bisher wurde jedoch davon ausgegangen, dass die immunstimulierende
Wirkung von Endotoxinen für den Organismus eines Patienten nachteilige
Folgen, wie etwa eine Temperaturerhöhung (Fieber) und zahlreiche weitere
pathophysiologische Wirkungen hervorruft, wobei es bei Freisetzung hoher
Endotoxindosen sogar zu einem irreversiblen Endotoxinschock kommen
kann. Aus diesem Grund waren Endotoxine bisher in pharmazeutischen
Zusammensetzungen, wie etwa zur Bekämpfung von Bakterien
unerwünscht. Da davon ausgegangen wurde, dass Endotoxine für einen
Heilungserfolg eher schädlich und zumindest unwichtig sind, wurden bisher
zur Anwendung nur Endotoxin-freie Präparate in Betracht gezogen.
Im Gegensatz dazu wurde nun überraschenderweise festgestellt, dass
Endotoxine in Kombination mit Bakteriophagen eine positive Wirkung auf
den Heilungserfolg haben.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung weist bevorzugt mindestens 105,
insbesondere mindestens 106, mehr bevorzugt mindestens 107 und
bevorzugt bis zu 1010, mehr bevorzugt bis zu 109 und am meisten
bevorzugt bis zu 108 Bakteriophagen pro ml Gesamtvolumen der
Zusammensetzung auf. Es ist aber auch möglich,
Konzentratzusammensetzungen bereitzustellen, welche einen höheren
Anteil an Bakteriophagen, beispielsweise bis zu 1020 Bakteriophagen pro ml
Gesamtvolumen aufweisen. Weiterhin kann es für einige Anwendungen
vorteilhaft sein, Zusammensetzungen einzusetzen, die einen geringeren
Gehalt an Bakteriophagen, beispielsweise mindestens 10, mindestens 100
oder mindestens 1000 Bakteriophagen pro ml Gesamtvolumen aufweisen.
Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen enthalten weiterhin bevorzugt
mindestens 0,05 ng, insbesondere mindestens 5 ng und mehr bevorzugt
mindestens 10 ng Endotoxin pro ml Gesamtvolumen der
Zusammensetzung. Der Endotoxingehalt kann beliebig groß sein, beträgt
aber bevorzugt bis zu 100.000 ng, mehr bevorzugt bis zu 10.000 ng und
am meisten bevorzugt bis zu 1000 ng pro ml Gesamtvolumen der
Zusammensetzung. Der Endotoxingehalt kann beispielsweise mittels des
Limulus-Amoebocyt-Lysat-Testes in einer Probe nachgewiesen werden.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann spezifische, monovalente
Phagen enthalten, die in der Lage sind, nur einen spezifischen Bakteriumtyp
zu infizieren und zu lysieren. Bevorzugt ist die erfindungsgemäße
Zusammensetzung aber gleichzeitig gegen mehrere Bakterien wirksam,
beispielsweise durch einen Gehalt an mehreren verschiedenen
monovalenten Bakteriophagen oder/und einen Gehalt an einem oder
mehreren polyvalenten Bakteriophagen. Polyvalente Bakteriophagen sind in
der Lage, verschiedene Bakterientypen zu infizieren und zu lysieren.
Bevorzugt werden Bakteriophagen eingesetzt, die einen oder mehrere der
folgenden Bakterientypen infizieren bzw. lysieren können:
Enterobacteriaceae, z. B. die Vertreter Proteus, insbesondere P. vulgaris,
Salmonealla, Yersinia, insbesondere Y. pestis, Enterocolitica
(Enterokolitiden), Vibrio, Enterobacter, Escherichia, insbesondere E. coli,
Micorococcaceae, Staphylokokken, insbesondere S. aureus, S. epidermidis
und andere.
Weitere Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Phagen sind
Lysteriaphagen, insbesondere Listeriaphagen A511, B054,
Klebstellaphagen, insbesondere Klebstellaphagen K11, Klebsiella
pneumonia-Bakteriophagen, Staphylokokkusphagen, insbesondere
Staphylokokkusphagen der Gruppe II, Hefe L-A-Virus, ScVL1, ScVLa, K1-
Killervirus, K2-Killervirus, Chlamydiaphagen, wie etwa Chp 1 (Storey et al.,
Gen. Virol. 70 (1989), 1321-1327), Bazillusphagen, wie etwa phi 20 (Inal
et al., Curr. Microbiol. 32 (1996) 171-175), CP54 (Mol. Mikrobiol., Virosol.
137 (1989) 14-19) und Tg13ant (Mol. Gen. Mikrobiol. 55 (1991), 28-31),
Salmonellaphagen, insbesondere des Typs 4 und Typs 8 (Zentralbl.
Bakteriol. 285 (1997), 379-388) und die Phagen 13a, 14b, 23, 8 und 2
(Singer et al., Avian, Dis. 36 (1992) 324-333) sowie Vibriocholeraphagen,
insbesondere der Vibriocholeraphage 0139.
Insbesondere werden Phagen eingesetzt, die in der Lage sind, einen der
folgenden Wirte zu infizieren und gegebenenfalls zu lysieren: Listeriae,
Klebsiellae, Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken, Moraxellae,
Legionellae, Vibrio, Edwardstellae, Yersiniae, Escherichiae, Haemophilus
influenza, Proteus, Heliobacter, Salmonaellae, Chlamydiae, Aeromonas
salmonicida, Renibacterium salmoninarum, Candida albicans, Leishmania,
Trichomonas vaginalis, Giardia lamblia, Cryptosporidium parvum,
Plasmodium falciparum, Entamoeba histolytica, Pneumocystis carinii,
Tryanosama rhodesiense/gambiense, Trypanosoma cruzi und andere.
Beispiele von speziellen Bakterien aus diesen Klassen, die bevorzugt
infiziert werden, sind Listeriae monocytogenesor, Klebstelle (K.) ozaenae,
K. rhinoscleromatis scleromatis, K. pneumoniae, Staphylococcus aureus,
Yersinia ruckeri, Renibacterium salmoninaram, Vibrio anguillarum, Vibrio
cholerae, Vibrio salmonicida, Vibrio viscosus, Edwardstella ictalari aber
auch Pilze, wie etwa die Hefe-Candida-albicans oder Protozoen, wie etwa
Leishmania, sowie auch Chlamydien, wie etwa Chlamydia pneumoniae,
Chlamydia trachomatis und Chlamydia psittaci, Moraxella catarrhalis und
Salmonella enteritides.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann Bakteriophagen des
virulenten Typs oder/und des lysogenen Typs enthalten.
Besonders bevorzugt ist eine Zusammensetzung, welche Bakteriophagen,
beispielsweise als Gemisch oder als multivalente Bakteriophagen enthält,
die in der Lage sind, wenigstens Staphylokokkus, Streptokokkus, E. coli,
Pseudomonas und Proteus zu infizieren und zu lysieren.
Weiterhin bevorzugt werden Bakteriophagen eingesetzt, welche gegen
Klebstella, Enterococcus oder/und Acinetobacter Bakterien wirksam sind.
Eine weitere bevorzugte Zusammensetzung, welche auch als IntestiPhag
bezeichnet wird, umfasst Salmonelosephagen, Staphylokokkusphagen,
Streptokokkusphagen sowie Proteusphagen. Eine weitere, Coli-Proteus
genannte bevorzugte Zusammensetzung umfasst eine Mischung aus
E. coliphagen und Proteusphagen und wird z. B. bei Enterkolitis oder Kolpitis
eingesetzt. Weitere bevorzugte Zusammensetzungen in der Humanmedizin
umfassen Phagen gegen Streptococcen, Staphylococcen, Escherichia coli,
Pseudomonas aeruginosa, Proteus, Acinetobacter und Klebsiela oder gegen
Staphylococcen, Streptococcen, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa
und Proteus oder gegen Staphylococcen und Escherichia coli oder gegen
Proteus und Escherichia coli oder gegen Pseudomonas au. Die obigen
Mischungen sind insbesondere zur Anwendung in der Humanmedizin
geeignet. Zur Anwendung in der Veterinärmedizin sind Intestiphag,
Yersiniaphag und Salmonellephag bevorzugt.
Während es möglich ist, gentechnisch modifizierte Bakteriophagen
einzusetzen, wird erfindungsgemäß bevorzugt Bakteriophagen-Wildtyp
eingesetzt.
Da der Bekämpfungsmechanismus von pathogenen Organismen von
Bakteriophagen sich grundsätzlich von dem von Antibiotika unterscheidet,
erfolgt die Infektion und Lyse unabhängig davon, ob die Vertreter eines
Bakterienstamms eine Resistenz oder Multiresistenzen gegen Antibiotika
ausgebildet haben.
Weiterhin wurde festgestellt, dass Bakteriophagen und insbesondere die
erfindungsgemäße Zusammensetzung bei geeigneter Wahl der Phagen auch
gegen Pilze und insbesondere gegen Pilzbefall wirksam ist.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann neben den genannten
Inhaltsstoffen Bakteriophagen und Endotroxin weitere Inhaltsstoffe
enthalten, insbesondere ein Träger- oder Lösungsmittel, wie etwa Wasser
oder eine Salzlösung, insbesondere eine physiologische Kochsalzlösung.
Daneben ist es auch möglich, der Zusammensetzung weitere Wirkstoffe
hinzuzufügen, um eine für bestimmte Anwendungen weiter verbesserte
Wirksamkeit zu erzielen oder Formulierungshilfsstoffe, um eine für eine
vorgesehene Anwendung geeignete Konsistenz oder/und Beschaffenheit zu
erzielen.
Da Bakteriophagen eine Spezifität für heterologe, insbesondere pathogene
Mikroorganismen aufweisen, während sie den Wirt solcher
Mikroorganismen, z. B. einen Menschen, nicht infizieren, ist die
erfindungsgemäße Zusammensetzung insbesondere auch als Arzneimittel
geeignet. Die Erfindung umfasst deshalb weiterhin ein Arzneimittel,
welches eine erfindungsgemäße Zusammensetzung enthaltend
Bakteriophagen und Endotoxin umfasst.
Das Arzneimittel ist insbesondere zur Behandlung von Wirbeltieren, wie
etwa Vögeln, Fischen und Säugetieren, bevorzugt für die Behandlung von
Menschen vorgesehen. Es kann somit sowohl in der Humanmedizin als
auch in der Veterinärmedizin eingesetzt werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel bzw. der erfindungsgemäßen
pharmazeutischen Zusammensetzung kann eine positive Wirkung auf den
Gesamtheilungsprozess von vielen bakteriellen oder entzündlichen
Erkrankungen erreicht werden, selbst wenn Bakterien oder andere
pathogene Mikroorganismen beteiligt sind, die gegenüber herkömmlichen
Antibiotika eine Resistenz oder Multiresistenz ausgebildet haben. Darüber
hinaus kann das erfindungsgemäße Arzneimittel erfolgreich zur Behandlung
von Pilzbefall oder/und Pilzerkrankungen eingesetzt werden.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel kann sowohl ambulant als auch
stationär in Krankenhäusern eingesetzt werden, wobei es gerade bei
letzterer Anwendung aufgrund der in Krankenhäusern befindlichen
multiresistenten Bakterien besonders vorteilhaft ist. Das Arzneimittel eignet
sich sowohl zum Einsatz in der Intensiv- und Transplantationsmedizin als
auch bei symptomatischen Behandlungen.
Da bei Bakteriophagen, insbesondere vom virulenten Typ, die infizierte
Bakterienzelle dazu genutzt wird, eine Vielzahl weiterer wirksamer
Bakteriophagen zu erzeugen, kann eine wirksame Bekämpfung der
Bakterien durch weiteres Eindringen der freigesetzten Bakteriophagen in
andere Bakterienzellen und Lyse derselben erfolgen, wodurch eine
Verstärkung der gewünschten Bakterienbekämpfung gerade in
Anwesenheit von zu bekämpfenden Bakterien erreicht wird.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel eignet sich sowohl für eine Behandlung
als auch für eine Prophylaxe von bakteriellen Erkrankungen oder
Entzündungen oder Pilzerkrankungen, insbesondere aufgrund der sehr
geringen damit verbundenen Nebenwirkungen. Aufgrund des
Wirkmechanismuses, der eine Vervielfältigung der aktiven Bakteriophagen
erst bei Auftreten einer Infektion des Wirtes mit einem entsprechenden
Bakterium oder Pilz beinhaltet, ist es möglich, prophylaktisch geringe
Mengen an Bakteriophagen und Endotoxinen zu verabreichen, die den
Wirtsorganismus nicht schädigen, die aber bei Auftreten von zu
bekämpfenden Bakterien oder Pilzen in kurzer Zeit vervielfacht werden. Bei
akuten Infektionen ist die Verabreichung hoher Dosen an Bakteriophagen
möglich, da diese den pathogenen Mikroorganismus selektiv lysieren, ohne
den Wirtsorganismus, z. B. einen Säuger, zu schädigen.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel kann für verschiedene Anwendungen
formuliert werden, beispielsweise zur topischen, intravenösen, intestinalen,
oralen, rektalen, intramuskulären, subkutanen oder intraperitonalen
Anwendung. Bevorzugt wird das erfindungsgemäße Arzneimittel zur
äußerlichen Anwendung, beispielsweise als Spülung, Bewässerung,
Verband oder Tamponierung formuliert oder zur örtlichen Anwendung,
beispielsweise zur Anwendung unter der Haut, für eine
Innenhöhlenanwendung oder eine intramuskuläre Anwendung.
Beide Anwendungen gegen Pilz- oder/und Infekterkrankungen sind äußere
Anwendungen, beispielsweise als Salbe, Gel oder Lösung sowie orale
Anwendungen, beispielsweise in eine Zahnpasta inkorporiert oder als
Lösung zum Gurgeln bevorzugt.
Die jeweilige Konzentration an Bakteriophagen und Endotoxin kann an die
beabsichtige Anwendung angepasst werden. So enthalten beispielsweise
Arzneimittel zur topischen Anwendung bevorzugt mindestens 10 ng
Endotoxin, während zur intravenösen Verabreichung vorgesehene
Arzneimittel bevorzugt 0,05 ng bis 0,1 ng Endotoxin enthalten.
Die Art der Formulierung kann ebenfalls an die beabsichtige Applikationsart
angepasst werden. Das erfindungsgemäße Arzneimittel kann beispielsweise
als Lösung, als Spray, als Spülflüssigkeit, als Injektion, als Dragee, Kapsel
etc. formuliert werden, wobei in Abhängigkeit der Trägerstoffe sowohl
feste, flüssige als auch gelartige Formulierungen möglich sind.
Die Behandlung eines Patienten mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel
erfolgt im Allgemeinen über einen Zeitraum von ca. 3 bis 7 Tagen, wobei
bereits nach 24 Stunden in den meisten Fällen ein merklicher Effekt zu
erkennen ist. Die Dosis richtet sich nach der Art der Erkrankung und
Anwendung, umfasst aber üblicherweise eine ein- bis mehrmalige, z. B. bis
dreimalige Verabreichung der Arzneimittels pro Tag. Für topische
Anwendungen können beispielsweise mit dem erfindungsgemäßen
Arzneimittel getränkte Kompressen aufgebracht werden. Bei großen
Wunden kann auch eine kontinuierliche tropfenweise Aufbringung
vorteilhaft sein.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel enthält gegebenenfalls pharmazeutisch
geeignete Hilfs- oder/und Trägerstoffe. Bevorzugt enthält sie Wasser, eine
Salzlösung, insbesondere eine Kochsalzlösung oder eine Sodalösung.
Besonders bevorzugt wird als Träger eine physiologische Kochsalzlösung,
beispielsweise eine Phosphat-gepufferte physiologische Kochsalzlösung mit
einem pH von 7 bis 7,8, vorzugsweise von 7,3 bis 7,5 verwendet.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel weist bevorzugt eine örtliche
antibakterielle Wirkung auf und kann zur Wundreinigung von Eiter
eingesetzt werden.
Neben den genannten Wirkstoffen Bakteriophagen und Endotoxin kann das
erfindungsgemäße Arzneimittel weitere Wirkstoffe enthalten, die jeweils an
die zu behandelnde Erkrankung und Anwendungsform angepasst sein
können. Beispielsweise kann das erfindungsgemäße Arzneimittel zusätzlich
herkömmliche Antibiotika, Immunrepressiva oder/und Cytostatika
aufweisen.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel ist insbesondere zur Behandlung
oder/und Prophylaxe von bakteriellen oder/und entzündlichen Erkrankungen
geeignet, wie etwa Erysipel, Nasen-Oberlippenfurunkel, Otitis externa,
Perichondritis der Ohrmuscheln, Otitis media, Mastoiditis, Septumabszess,
Sinusitis acuta purulenta, Nosokomiale sinusitis, orbitale Komplikationen
einer Sinusitis, rhinogenem Hirnabszess, Mundbodenphlegome, Tonsilitis,
Peritonsillarabszess, Endokarditis-Prophylaxe bei HNO-Operationen,
Pharyngitis, Epiglotis, Rhynopharyngitis, Laryngitis, Tracheitis, bakterielle
HNO-Infektionen, diabetischem Fuß, Decubitus, Verbrennungen,
chronischen Wunden, Osteomyelitis, Hauterkrankungen, Hautabszess,
Furunkel, Karbunkel, Sykosis, sonstiger Dermatitis, bakteriellen
Harnwegsinfektionen, akuter und chronischer Cystitis, Prostatitis,
bakteriellen Urogenitaltraktinfektionen, vaginalen Infektionen, bakteriellen
Infektionen, posttraumatischer Osteitis, chronischer Osteomyelitis,
Infektspeudarthrosen, Knochendefekten mit Fistelung, Kniegelenksempyem
oder/und TEP-Lockerung bei Infekt.
Von besonderer Bedeutung ist die Behandlung oder/und Prophylaxe von
Lungenentzündungen, Tuberkulose, Malaria, Leishmaniose und Gonorrhöe,
da von diesen Erkrankungen weltweit zahlreiche Menschen betroffen sind.
Zur Anwendung in der Urologie erfolgt bevorzugt eine Einnahme per os,
wobei die Phagen in Blut und Urin diffundieren und mit dem Urin
ausgeschieden werden, sodass urologische und nephrologische
Erkrankungen erfolgreich behandelt werden können. Bei Infekterkrankungen
erfolgen bevorzugt äußere Anwendungen, beispielsweise in Form einer
Salbe, eines Gels oder einer Lösung oder orale Anwendungen,
beispielsweise in Form einer Zahnpasta oder zum Gurgeln.
Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Arzneimittel zur
Behandlung von diabetischen Ulcerationen, insbesondere diabetischem Fuß
eingesetzt. Zur Behandlung des diabetischen Fußes werden bevorzugt
Lösungen, beispielsweise als Spray oder in Form von getränkten
Kompressen auf die infizierten Bereiche aufgebracht. Üblicherweise ist eine
Menge von etwa 20 bis 40 ml Zusammensetzung mit einem Gehalt von
mindestens 105 Bakteriophagen pro ml und mindestens 5 ng Endotoxin bei
dieser Anwendungsart ausreichend.
Weiterhin werden bevorzugt Lungenentzündungen, verursacht durch
Pneumokokken, Meningitis und intestinale Erkrankungen bekämpft.
Durch intravenöse Verabreichung des erfindungsgemäßen Arzneimittels
kann auch eine Sepsis erfolgreich behandelt werden.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel zeichnet sich insbesondere durch
folgende vorteilhafte Eigenschaften aus:
- - größere Ansiedlungen von Mikroorgansimen können lysiert werden;
- - Reproduktion bei entsprechender Mikroflora;
- - spezifische lytische Aktivität;
- - auch Antibiotika-resistente Stämme können lysiert werden;
- - es besteht die Möglichkeit zur Erweiterung des lytischen Spektrums (z. B. im Zusammenhang mit phagoresistenten Stämmen) mittels Selektion;
- - relativ niedrige Häufigkeit der Entwicklung phargoresistenter Mikroorganismen;
- - Möglichkeit der Anwendung mehrerer Phagen und auch der kombinierten Anwendung zusammen mit anderen medikamentösen Präparaten;
- - Möglichkeit einer Anwendungskombination mit Antibiotika, wobei die Behandlung beispielsweise mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel begonnen werden kann und mit Antibiotika abgeschlossen wird, die Behandlung mit Antiobiotika angefangen werden kann und im Falle der Bildung oder Feststellung antibiotischer Resistenz mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel abgeschlossen wird oder die Behandlung gleichzeitig mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel und Antibiotika durchgeführt werden kann;
- - keine bekannten Nebenwirkungen;
- - Unschädlichkeit für den Wirt;
- - es gibt keine Altersbegrenzung.
Aufgrund der genannten Vorteile kann das erfindungsgemäße Arzneimittel
mit großem Erfolg für die Behandlung, Prophylaxe oder/und Sanation
eingesetzt werden.
Das erfindungsgemäße Arzneimittel liefert einen erfolgreichen
Infektionsschutz durch Bakteriophagen, ein reduziertes Risiko post
operativer Wundinfektionen, eine Vermeidung infektionsbedingter längerer
Liegedauer, günstige Kosten in der Kurzzeitanwendung, keine
Nebenwirkungen und keine Hervorrufung von Allergie bei gleichzeitig
breiter Erregerabdeckung, beispielsweise Abdeckung der üblicherweise
vorkommenden Grundstämme.
Neben der Verwendung als Arzneimittel kann die erfindungsgemäße
Zusammensetzung auch in anderen Bereichen verwendet werden, in denen
eine Bekämpfung von Bakterien oder pathogenen Mikroorganismen
erwünscht ist. Die Erfindung umfasst deshalb auch die Verwendung der
erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Reinigungs- oder/und
Desinfektionsmittel. Es wurde festgestellt, dass eine Zusammensetzung,
welche Bakteriophagen und Endotoxine enthält, auch zur Desinfektion von
Räumen, Oberflächen und/oder Geräten, insbesondere zur Desinfektion in
Krankenhäusern oder/und Arzneimittelpraxen eingesetzt werden kann. Bei
der Verwendung als Reinigungs- oder/und Desinfektionsmittel wirkt sich
der Vorteil der Bakteriophagen gegenüber herkömmlichen Antibiotika,
nämlich die Möglichkeit einer Bekämpfung auch Antibiotika-resistenter
Mikroorganismen, besonders gut aus. Insbesondere Krankhauserreger sind
oftmals mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln oder Antibiotika nicht
mehr bekämpfbar, können aber mit den erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen abgetötet werden. Bei der Verwendung als
Reinigungs- oder/und Desinfektionsmittel enthält die Zusammensetzung
neben den Bakteriophagen und Endotoxinen bevorzugt lediglich Wasser,
eine Kochsalz- oder eine Sodalösung, insbesondere eine physiologische
Kochsalzlösung.
Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen können durch
Zusammengeben einer Bakteriophagen-Präparation, die auf übliche Weise,
wie im Stand der Technik beschrieben ist (z. B. in DE 198 28 569 A1) und
einer Endotoxin enthaltenden Zusammensetzung erhalten werden.
Bevorzugt wird jedoch bei der Herstellung unmittelbar eine
Zusammensetzung gebildet, welche bereits Bakteriophagen und Endotoxine
enthält. Hierzu werden Bakterienstämme, die auch später bekämpft werden
sollen, mit den entsprechenden Phagen infiziert und unter Bedingungen
gehalten, bei denen eine vollständige Lyse der Bakterienstämme erzielt
wird. Anschließend wird eine Filtration der Phagolysate unter Bedingungen
durchgeführt, bei denen die Bakteriophagen und Endotoxine in der
gewonnenen Fraktion verbleiben, während unerwünschte Bestandteile und
Bakterienreste abgetrennt werden. Eine solche Abrennung kann
beispielsweise durch Filtration mit einem Filter mit einem Porendurchmesser
von mindestens 0,3 µm, mehr bevorzugt mindestens 0,4 µm und bis zu 3 µm,
mehr bevorzugt bis zu 2 µm und besonders bevorzugt bis zu 1,5 µm
erzielt wurden, beispielsweise mit einem 0,45 µm oder einem 1,2 µm
Porenfilter, durch den die gewünschten Bestandteile Bakteriophagen und
Endotoxine durchdringen können. Ein auf diese Weise hergestelltes
Kombinationspräparat kann ohne weitere Aufreinigung oder Isolierung der
Bakteriophagen unmittelbar verwendet werden.
Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele weiter erläutert.
Als Rohstoffe für das Präparat wurden Phagenrassen und Bakterienstämme
eingesetzt.
Zunächst werden Bakterienstämme aus Patienten isoliert, die die
entsprechende ethiologische Krankheit aufweisen. Dann erfolgt ein
Aussuchen oder Screening von Bakterienstämmen oder Phagen für die
Herstellung der Präparate.
Die Bakterienstämme oder Phagen werden einmal pro Quartal
morphologisch, serologisch und biochemisch geprüft.
Bakterienstämme oder Phagen, die morphologisch, serologisch oder
biochemisch nicht übereinstimmen, werden verworfen. Die
Bakterienstämme oder Phagen werden in trockenem Milieu oder auf
entsprechenden Flüssig- oder Festnährboden aufbewahrt. Die Phagen
können aus der Umwelt (Abwässer, Wasserreservoir) sowie aus
entzündlichem Exsudat, Eiter oder Kot ausgesondert (gewonnen) werden.
Die Phagorassen müssen virulente Phagen enthalten, die vollständig die
entsprechenden Bakterienstämme lysieren können. Isolierte Phagen werden
auf die Empfindlichkeit zu Mikrobenkeimen getestet. Im Fall schwacher
Empfindlichkeit können Phagen mittels Phagenpassage (Adaptation) in
Gegenwart von Bakterienstämmen angereichert werden. Nach
hinreichender Aktivität werden Mutterphagen (Ausgangsphagen) in Gefäße
steril überführt und bei +2 bis 10°C aufbewahrt.
In einen Nährboden werden Mutterphagen wie in Beispiel 1 erhalten und
entsprechende Bakterienstämme zusammen vermischt, wobei eine volle
Lysis der Bakterienstämme angestrebt wird. Die vollständige Lyse wird
experimentell festgestellt. Die Inkubation der Kultur wird z. B. bei 37°C 16
bis 18 Stunden lang durchgeführt, wobei während dieser Zeit eine totale
Lysis erzielt wird. Zur Kontrolle dienen nur Bakterienstämme ohne Phagen.
Die Kulturen ohne vollständige Lysis werden verworfen. Anschließend
werden die gewünschten Bestandteile, insbesondere Phagen und
Endotoxine durch Abtrennung unerwünschter Bestandteile der Phagolysate
z. B. durch Filtration durch einen Filter mit einem Porendurchmesser von
0,45 µm gewonnen. Das Präparat kann ohne weitere Reinigungsschritte
direkt abgefüllt und verwendet werden, wobei das Präparat bevorzugt in
Ampullen abgefüllt wird. Falls gewünscht, kann noch eine Kontrolle der
hergestellten Präparate erfolgen.
Jede Präparatcharge wird auf physische Eigenschaften, Sterilität, Toxizität,
biologische Aktivität, insbesondere Bakteriophagen- und Endotoxingehalt
sowie Exotoxingehalt geprüft und quantifiziert und zertifiziert.
Bei einer Verletzung der Mundhöhlenschleimhaut, der Zunge oder/und der
Lippen wird das gemäß Beispiel 2 hergestellte Präparat örtlich in Form der
Applikation und als Spülung angewendet. Die Spülung wird mehrmals am
Tag, vorteilhafterweise nach vorheriger gründlicher Reinigung des
Wundbereiches mit 3 bis 5% Natriumhydrogencarbonat durchgeführt. Die
Applikation der Schleimhaut wird vorteilhafterweise unter Verwendung des
flüssigen gemäß Beispiel 2 hergestellten Präparats und 0,5% Novocain-
Lösung durchgeführt (z. B. 1 ml 0,5% Novocain + 3 ml
erfindungsgemäßes Präparat). Die Applikation wird jeden Tag bis zur
Liquidation des pathologischen Herdes vorgenommen, wobei die Dauer der
einzelnen Behandlungen jeweils 5 bis 10 Minuten beträgt.
Nach einem chirurgischen Eingriff wird die mit 3 bis 5%
Natriumhydrogencarbonat behandelte Wunde mit 3 bis 5 ml des gemäß
Beispiel 2 hergestellten Präparates je nach Umfang des geschädigten
Gewebes bewässert und in der Wunde wird eine Drainage mit Tampons
belassen, welche mit dem erfindungsgemäßen Kombinationspräparat
getränkt sind. Eine Bewässerung der Wunde und Einführung der Tampons
in die Wunde wird für 3 bis 6 Tage wiederholt.
Für eine Bewässerung einer Eiterwunde kann das gemäß Beispiel 2
hergestellte Präparat erfolgreich in Form eines Sprays angewendet werden.
Die Bewässerung einer Eiterwunde mit einem Spray bietet im Vergleich zu
Tampons den Vorteil, dass kein zusätzlicher Verband benötigt wird und
dass mit Hilfe des Sprays auch Teile der Wunde behandelt werden, die mit
einem Tampon nicht erreicht werden können.
Bei Abszessen kann das gemäß Beispiel 2 hergestellte Präparat in die
Innenhöhle des Eiterherds nach Absaugen des Eiters mittels Punktion
eingefüllt werden. Günstigerweise ist die eingeführte Menge an Präparat
etwas geringer als die Menge an abgesaugtem Eiter.
Bei schwerem Verlauf von Entzündungs- und Eiterprozessen in der Nasen-
Rachenhöhle sind Komplikationen, wie etwa Pneumonie oder
Lungendestruktion nicht selten. In einem solchen Fall wird eine Inhalation
mit dem gemäß Beispiel 2 hergestellten Präparat erfolgreich eingesetzt,
wobei das Zerstäuben mit Hilfe eines herkömmlichen Inhalators erfolgt. Das
Präparat wird dazu in ein Inhalationsglas gegeben und der
Elektroaufwärmer bis zu einer Temperatur von 36 bis 38°C erwärmt. Die
Dauer der Inhalation beträgt üblicherweise 5 bis 10 Minuten, wobei 5 ml
des erfindungsgemäßen Präparats eingesetzt werden. Ein
Behandlungszyklus umfasst üblicherweise 10 Inhalationen, wobei etwa 3
Inhalationen pro Tag durchgeführt werden.
Claims (13)
1. Zusammensetzung, umfassend
- a) Bakteriophagen und
- b) Endotoxin.
2. Zusammensetzung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie mindestens 105, insbesondere mindestens 106
Bakteriophagen pro ml Gesamtvolumen der Zusammensetzung
enthält.
3. Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie mindestens 0,05 ng, insbesondere mindestens 10 ng
Endotoxin pro ml Gesamtvolumen der Zusammensetzung enthält.
4. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie Wildtyp-Bakteriophagen enthält.
5. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie Bakteriophagen des monovalenten Typs, Bakteriophagen
des polyvalenten Typs oder/und Gemische von Bakteriophagen des
polyvalenten oder/und des monovalenten Typs enthält.
6. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie als Trägermittel Wasser oder/und eine Salzlösung,
insbesondere eine Kochsalzlösung enthält.
7. Arzneimittel, enthaltend eine Zusammensetzung nach einem der
Ansprüche 1 bis 6, gegebenenfalls zusammen mit pharmazeutisch
geeigneten Hilfs- oder/und Trägerstoffen.
8. Arzneimittel nach Anspruch 7 zur topischen, intravenösen, oralen,
rektalen, intramuskulären, subkutanen, intraperetonalen oder
intestinalen Verabreichung.
9. Arzneimittel nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass es als Trägerstoff eine physiologische Kochsalzlösung enthält.
10. Verwendung einer Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1
bis 6 zur Herstellung eines Arzneimittels für die Behandlung oder/und
Prophylaxe von bakteriellen Erkrankungen, Pilzbefall oder/und
Entzündungen.
11. Verwendung nach Anspruch 10 zur Herstellung eines Arzneimittels
für die Behandlung oder/und Prophylaxe von Lungenentzündung,
Tuberkulose, Malaria, Leishmaniose, Gonorrhoe, Erysipel, Nasen-
Oberlippenfurunkel, Otitis externa, Perichondritis der Ohrmuscheln,
Otitis media, Mastoiditis, Septumabszess, Sinusitis acuta purulenta,
Nosokomiale sinusitis, orbitale Komplikationen einer Sinusitis,
rhinogenem Hirnabszess, Mundbodenphlegome, Tonsilitis,
Peritonsillarabszess, Endokarditis-Prophylaxe bei HNO-Operationen,
Pharyngitis, Epiglotis, Rhynopharyngitis, Laryngitis, Tracheitis,
bakterielle HNO-Infektionen, diabetischem Fuß, Decubitus,
Verbrennungen, chronischen Wunden, Osteomyelitis,
Hauterkrankungen, Hautabszess, Furunkel, Karbunkel, Sykosis,
sonstiger Dermatitis, bakteriellen Harnwegsinfektionen, akuter und
chronischer Cystitis, Prostatitis, bakteriellen
Urogenitaltraktinfektionen, vaginalen Infektionen, bakteriellen
Infektionen, posttraumatischer Osteitis, chronischer Osteomyelitis,
Infektspeudarthrosen, Knochendefekten mit Fistelung,
Kniegelenksempyem oder/und TEP-Lockerung bei Infekt.
12. Verwendung nach Anspruch 11 bei diabetischem Fuß.
13. Verwendung einer Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1
bis 6 als Reinigungs- oder/und Desinfektionsmittel.
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