DE10060889A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Kryospeicherung - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur KryospeicherungInfo
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Abstract
Bei einem Verfahren zur Kryokonservierung werden auf einem Speichersubstrat mindestens eine Probe angeordnet und positionsspezifisch Probendaten, die für Merkmale der Probe charakteristisch sind, gespeichert. Es wird auch ein Speichersubstrat zur Kryokonservierung mit einem derartigen Verfahren beschrieben.
Description
Die Erfindung betrifft Verfahren zur Kryospeicherung von Pro
ben, insbesondere zur Herstellung, Lagerung und Manipulierung
biologischer Proben im kryokonservierten oder aufgetauten Zu
stand, wie z. B. ein Kryospeicherungsverfahren für biologische
Zellen. Die Erfindung betrifft auch Verfahren zum Schreiben
und Lesen von Daten. Die Erfindung betrifft weiterhin eine
Vorrichtung zur Kryospeicherung von Proben, insbesondere ein
Speichersubstrat für biologische Proben, wie z. B. Zellen, ei
ne Vorrichtung zum Schreiben und Lesen von Daten in Speicher
medien und eine Kryobanksystem. Die Erfindung betrifft auch
Anwendungen der Kryokonservierung biologischer Proben.
Die Kryokonservierung ist ein allgemein bekanntes Verfahren
zur Haltbarmachung insbesondere biologisch oder medizinisch
relevanter Materialen. Diese Materialien umfassen bspw. Gewebe
und Organe, Körperflüssigkeiten oder auch einzelne Zellen oder
Zellbestandteile. Die Kryokonservierung erfolgt nach bestimm
ten Prozeduren in Behältern oder auf Substraten, deren Gestalt
an das Material oder Probe angepasst ist. Behälter zur Kryo
konservierung sind bspw. für Gewebe und Organe (siehe DE-OS 199 22 31,
EP-A 0 853 238, DE-OS 197 25 768, DE-OS 199 05 163),
für Blutkomponenten (siehe z. B. DE-OS 198 26 350) und
für zell- oder tropfenförmige Kryoproben (siehe z. B. US-A-5 275 016,
EP-B 0 475 409, DE-OS 199 21 236, EP-B 0 804 073) be
kannt.
Ein generelles Anliegen bei der Kryokonservierung biologischer
Proben besteht in der Identifizierbarkeit der Proben. Kryokon
servierte Proben müssen in Bezug auf ihre Herkunft und Eigen
schaften mit hoher Sicherheit identifizierbar sein, ohne dass
ein Auftauen erforderlich ist. Bei den makroskopischen Kryoproben
ist dies kein Problem, da Organ- oder Blutbehälter mit
einer Beschriftung versehen werden können. Das Auffinden der
Kryoproben erfolgt in Abhängigkeit vom Ablagesystem der jewei
ligen Kryobank.
Bei kleinen Kryoproben in Form von gefrorenen Suspensionstrop
fen, Zellen, Zellaggregaten oder Zellbestandteilen ist die
Identifizierung der Kryoproben erheblich problematischer. Eine
Kryoprobe wäre gegenüber der Beschriftung vernachlässigbar
klein. Oft besteht ein Interesse an der Kryokonservierung ei
ner Vielzahl mikroskopisch kleiner Proben. Die Lagerung und
Identifizierung von kleinen Kryoproben mit Beschriftung wäre
unpraktikabel. Des Weiteren liegen die kryokonservierten Zell
proben bei herkömmlichen Konservierungstechniken, die auf dem
Aufsprühen von Zellsuspensionen auf gekühlte Oberflächen (sie
he z. B. EP-B 0 475 409), in einem ungeordneten Zustand vor.
Es können lediglich größere Menge von Einzelproben unspezi
fisch gemeinsam konserviert werden.
Bei den in EP-B 0 804 073 und DE-OS 199 21 236 beschriebenen
Konservierungstechniken ist eine geordnete Ablage und spezifi
sche Bearbeitung selbst kleinster Proben auf Kryosubstraten
möglich. Die Probenablage erfolgt bspw. unter Verwendung einer
Mikrotropfenschusseinrichtung, die auf der Grundlage bestimm
ter Zielkoordinaten angesteuert wird. Die Proben befinden sich
auf definierten Substratpositionen, an denen auch eine spezi
fische Vermessung von Probeneigenschaften und Identifizierung
der Proben ermöglicht wird. Das Substrat kann mit einer Mar
kierung versehen sein, um die Probenpositionen auf dem Sub
strat zu definieren. Beispielsweise wird in DE-OS 199 21 236
für die matrixartige Ablage von Kryoproben in geraden Zeilen
und Spalten vorgeschlagen, das Substrat mit einer Bezeichnung
der Spalten und Zeilen zu versehen. Diese Markierungstechnik
ist in Fig. 17 (Stand der Technik) illustriert.
Die herkömmliche Markierung von Kryosubstraten gemäß Fig. 17
besitzt die folgenden Nachteile. Es wird zwar die Identifizie
rung von Proben ermöglicht, damit wird aber lediglich eine Po
sitionsinformation gegeben. Der beschränkte Informationsgehalt
der Substratmarkierung stellt jedoch ein Problem dar, da neben
der Probenidentifizierung auch zusätzliche Daten, z. B. über
die Beschaffenheit oder die Vorgeschichte der Probe oder über
Messergebnisse verfügbar sein sollen. Diese Daten könnten zwar
in einer parallel betriebenen Datenbank gespeichert werden.
Der getrennte Betrieb von Kryo- und Datenbanken stellt aber
ein erhebliches Risiko für die Sicherheit der Merkmalszuord
nung zu den einzelnen Proben dar. Dieses Risiko ist insbeson
dere bei humanmedizinischen Anwendungen kritisch, da eine Pro
benverwechslung den Erfolg einer weiteren Verwendung der Kryo
probe vereiteln kann. Außerdem besitzt die Substratmarkierung
den Nachteil, dass eine Probenidentifizierung nur im Verbund
mit dem Kryosubstrat möglich ist. Wenn einen Probenentnahme
erfolgt, wie es bspw. in DE-OS 199 21 236 beschrieben wird,
kann nach Trennung vom Kryosubstrat eine Probenidentifizierung
nur durch eine aufwendige Messung von Probeneigenschaften im
aufgetauten Zustand erfolgen.
Aus DE-OS 197 52 085 ist ein Probenträger für mikroskopische
Untersuchungen an einer Vielzahl von Proben bekannt. Der her
kömmliche Probenträger wird durch ein in Fig. 18 (Stand der
Technik) in schematischer Draufsicht gezeigtes Substrat mit
einer Vielzahl von Probeaufnahmeräumen gebildet. Das Substrat
besitzt bspw. die Form eines Plattenspeichers (z. B. CD). Zwi
schen einem in der Substratmitte befindlichen Durchgangsloch
und den matrixartig angeordneten Probeaufnahmeräumen ist ein
Ringbereich gebildet. Aus DE-OS 197 52 085 ist bekannt, diesen
Ringbereich zu Speicherung von Probendaten auszugestalten. Der
herkömmliche Probenträger besitzt den Nachteil, lediglich zur
Aufnahme von flüssigen Proben und nicht für die Kryokonservie
rung ausgelegt zu sein. Außerdem stellt die Speicherung von
Probendaten auf dem Innenring die selben Nachteile dar, wie
die o. g. Substratmarkierung. Es können zwar mehr Daten ge
speichert werden, die Zuordnung zu den einzelnen Proben ist
jedoch nicht fehlerfrei möglich.
Neben den genannten Nachteilen der herkömmlichen Techniken
gibt es des Weiteren den folgenden Grund für die bisher gering
entwickelte Anwendung der Kryokonservierung insbesondere in
der zellulären Biotechnologie. Wenn ein direktes Einfrieren
biologischer Proben in einer flüssigen Kühlphase (z. B. Stick
stoff) erfolgt, besteht ein Kontaminationsrisiko. Über die
Kühlphase können Viren auf die Proben übertragen werden. Um
dieses Risiko zu vermeiden, muss der Kontakt mit der flüssigen
Phase vermieden oder für eine dichte Abdeckung der Proben ge
sorgt werden. Dies ist bisher jedoch nicht in praktikabler
Weise realisiert worden.
Die Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren
zur Kryokonservierung bereitzustellen, mit dem die Nachteile
der herkömmlichen Techniken überwunden werden, das einen er
weiterten Anwendungsbereich besitzt und insbesondere für auto
matisierte Konservierungsanlagen geeignet ist. Das neue Ver
fahren zur Kryokonservierung soll insbesondere ermöglichen,
dass Probendaten in größerem Umfang und mit erhöhter Datensi
cherheit (d. h. mit erhöhter Sicherheit der Zuordnung von Pro
bendaten zu bestimmten Proben) den Proben zugeordnet werden.
Die Erfindung soll auch eine hochspezifische Datenzuordnung zu
einzelnen Kryoproben ermöglichen. Die Aufgabe der Erfindung
ist es auch, Vorrichtungen zur Umsetzung derart verbesserter
Kryokonservierungsverfahren anzugeben.
Diese Aufgaben werden mit Verfahren oder Vorrichtungen mit den
Merkmalen gemäß den Patentansprüchen 1, 11, 18 und 19 gelöst.
Vorteilhafte Ausführungsformen und Anwendungen der Erfindung
ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
Die Grundidee der Erfindung ist es, mindestens eine Probe auf
einem Substrat anzuordnen und auf dem Substrat eine Speiche
rung von Probendaten vorzunehmen, die für Merkmale der Kryo
probe charakteristisch sind. Die Speicherung der Probendaten
erfolgt positionsspezifisch in einem Probendatenspeicher vor
zugsweise an der Ablageposition der jeweiligen Probe. Durch
die Ablage von Proben und Probendaten an gemeinsamen oder eng
benachbarten oder aneinandergrenzenden Positionen des Substra
tes werden eine Reihe von Vorteilen erzielt. Die Probendaten
sind durch ihre Ablageposition eindeutig den jeweiligen Proben
zugeordnet. Eine Verwechslung der Probenzuordnung wird ausge
schlossen. Bei Entnahme von Proben können simultan am Ablage
ort die zugehörigen Daten abgelesen oder mit dem Speichermedi
um vom Substrat entfernt, so dass auch nach der Probenabnahme
bei der weiteren Verarbeitung die Identifizierung der Probe
und die Zuordnung der Probendaten sichergestellt ist. Es kann
eine. Entnahme von einzelnen Proben bei beliebigen Temperatu
ren, insbesondere auch im gefrorenen Zustand, erfolgen.
Anwendungsabhängig können die Probenablage und die Datenspei
cherung bei Raumtemperatur mit anschließender Abkühlung zur
jeweils erforderlichen Konservierungstemperatur oder auch im
gekühlten Zustand erfolgen. Die Erfinder haben überraschender
weise festgestellt, dass sowohl ein Schreiben als auch ein Le
sen von Daten in oder aus an sich bekannten Speichermedien (z. B.
optische Speicher, magnetische Speicher, elektromagnetische
Speicher) selbst bei Konservierungstemperaturen unterhalb des
Gefrierpunktes des Wassers möglich sind. Die Probendatensätze
sind in allen Phasen eines Kryokonservierungsvorganges zuver
lässig lesbar.
Besondere Vorteile besitzt die Erfindung bei der Ablage einer
Vielzahl von Proben auf einem gemeinsamen Substrat mit einer
positionsspezifischen Speicherung einer Vielzahl von Probendatensätzen.
Das Substrat dient gleichzeitig als Kryosubstrat
mit Probenträgern zur Aufnahme, Halterung und Freigabe von
Kryoproben und als Datenträger, der wie ein für die Computer
technik bekanntes Speichermedium eine Vielzahl von Daten an
den Substratpositionen entsprechend den jeweiligen Proben
speichert. Die Proben werden z. B. tropfenweise und zueinander
isoliert als Zellsuspensionstropfen auf die Probenträger des
Kryosubstrates aufgebracht. Jedem Probenträger ist ein Proben
datenspeicher zugeordnet, in dem zugehörige Daten abgelegt
werden. Die gleichzeitige Ablage von Proben und Probendaten
erfolgt langzeitstabil und verwechslungssicher. Die erfin
dungsgemäße Kryokonservierung wird wegen der Analogie zur
elektronischen Datenspeicherung hier als Kryospeicherung be
zeichnet.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung erfolgt
die Kryospeicherung auf einem Speichersubstrat, bei dem je
weils ein Probenträger und ein Probendatenspeicher ein inte
grales Bauteil bilden, dass reversibel oder irreversibel vom
Substrat lösbar ist. Gegenstand der Erfindung ist auch ein
Kryospeicherelement, das einen Probenträger zur Aufnahme einer
Kryoprobe und einen Probendatenspeicher zur Ablage zugehöriger
Probendaten umfasst. Ein erfindungsgemäßes Speichersubstrat
wir durch einen Grundkörper, der vorzugsweise eine flächige
Gestalt besitzt, mit einer Vielzahl von Kryospeicherelementen
gebildet. Das Speichersubstrat kann anwendungsabhängig eine
beliebige 2- oder 3-dimensionale geometrische Form besitzen.
Gemäß bevorzugter Ausführungsformen der Erfindung hat der
Grundkörper des Speichersubstrates die Gestalt einer optischen
Speicherplatte (CD-Rom), in die die Kryospeicherelemente in
tegriert sind, oder mindestens einer Leiterplatte, auf der die
Kryospeicherelemente wie elektrische Schaltkreise (Chips) auf
gesetzt sind.
Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zum Betreiben
einer Kryobank mit einer Vielzahl von Speichersubstraten. Auf
mindestens einem Speichersubstrat werden eine Vielzahl von
Proben abgelegt, die bspw. zu einem Organismus (Probanden) ge
hören. Die Proben umfassen bspw. spezifische Zellen, des Pro
banden (z. B. Stammzellen, Gewebezellen). Die Ablage der Pro
ben erfolgt zunächst gemeinsam mit den probenspezifischen Da
ten, insbesondere Daten zur Identifizierung der Art der Proben
und des Probanden, des Konservierungszeitpunktes und der zum
Zeitpunkt der Konservierung vorliegenden Messdaten. Im Verlauf
des Betriebes der Kryobank werden Proben gemeinsam mit den zu
gehörigen Probendaten für Messzwecke, diagnostische Aufgaben
oder therapeutische Verfahren entnommen und/oder weitere Pro
ben oder Probendaten ergänzt. Die Probendaten umfassen allge
mein alle Merkmale und Parameter der Proben und des Proben
spenders und ggf. Zusatzinformationen zur Datenablage auf dem
Speichersubstrat.
Durch die folgenden vorteilhaften Merkmale der erfindungsgemä
ßen Kryospeicherung werden die Nachteile herkömmlicher plana
rer oder dreidimensionaler Substrate überwunden. Die Proben
(z. B. eingefrorenen Zellsuspensionsvolumina) sind zu jedem
Zeitpunkt spezifisch zugänglich. Dies gilt auch für den Tief
temperaturzustand. Es können an definierten Substratpositionen
kleinste Probenvolumina angeordnet werden, die charakteristi
sche Dimensionen im mm-Bereich oder darunter, vorzugsweise je
doch typische Größen von 103 µm3 (10.10.10 µm3) bis zu eini
gen 10 nm3 besitzen. Die Proben können bspw. eine oder eine
Vielzahl von Zellen (105 bis 106 Zellen), Zellbestandteile,
biologisch relevante Objekte (wie z. B. Membranvesikeln, DNA-
Materialien, Makromoleküle) und/oder Zellverbände enthalten.
Die Proben können selektiv im tiefgekühlten Zustand des Spei
chersubstrates entnommen werden, ohne dass die Kühlung der üb
rigen Proben unterbrochen wird. Zur Probenabnahme und zum Datenauslesen
ist kein Auftauen des gesamten Speichersubstrates
erforderlich.
Die Probendaten können automatisch computergestützt geschrie
ben oder gelesen werden. Die Zuordnung von Probendatenspei
chern und Probenträgern ist eindeutig. Die Proben werden ver
wechslungssicher abgelegt. Die Zuordnung entnommener Proben zu
den Probendaten und auch zum Speichersubstrat bleibt erhalten,
so dass die Historie einer Probe rekapituliert werden kann.
Dies stellt einen besonderen Vorteil bei medizinischen Anwen
dungen der Erfindung dar.
Erfindungsgemäße Speichersubstrate besitzen eine hohe mechani
sche Stabilität und Langzeithaltbarkeit. Die erfindungsgemäße
Kryospeicherung ermöglicht erstmalig eine sichere Ablage von
biologischen Proben über Jahrzehnte. Eine Kryobank kann über
die gesamte Lebensdauer eines Probanden, z. B. für die Dauer
eines Menschenalters, zuverlässig betrieben werden. Das Spei
chersubstrat besitzt einen relativ einfachen Aufbau, der einen
massenhaften Einsatz von Speichersubstraten in Kryobanken er
möglicht.
Die Erfindung besitzt auch Vorteile in Bezug auf das genannte
Kontaminationsrisiko. Die erfindungsgemäßen Speichersubstrate
ermöglichen eine Reihe von unten erläuterten Maßnamen, mit de
nen verhindert wird, dass ein flüssiges Kühlmedium direkt mit
den Proben in Verbindung kommt. Ein virale Kontamination über
die Kühlphase wird vermieden. Es wird auch der Niederschlag
von Wasser oder anderen Substanzen auf den Proben ausgeschlos
sen.
Ein weiterer wichtiger Vorteil erfindungsgemäßer Speichersub
strate besteht darin, dass die abgelegten Proben im kryokon
servierten oder aufgetauten Zustand den üblichen Mess- und
Analysemethoden (z. B. optische Messungen, mikroskopische Beo
bachtungen) bei gleichzeitiger Lesbarkeit der Datensätze zu
gänglich sind. Die Daten in den Probendatenspeichern werden
auch bei mehrmaligen Einfrier- oder Auftauvorgängen aufrecht
erhalten.
Die Kryospeicherung erfolgt bei anwendungsabhängig gewählten
Konservierungsbedingungen. Die Temperatur der Kryospeicherung
und der zeitliche Ablauf von Temperaturabsenkung oder
-steigerungen werden in Abhängigkeit von der Konservierungs
aufgabe und dem Material gewählt. Die Konservierungstemperatur
liegt im Bereich unterhalb der Raumtemperatur, vorzugsweise
unterhalb des Gefrierpunktes von Wasser bei Normaldruck und
bei den bevorzugten Langzeitanwendungen unterhalb von -80°C.
Die Kryotemperatur wird vorzugsweise durch ein flüssiges Kühl
medium (Stickstoff) oder den Dampf des Kühlmediums einge
stellt.
Die Erfindung besitzt den Vorteil, dass kleinste Probenvolumi
na kryokonserviert werden. Dies ermöglicht schnelle Tempera
turänderungen, reproduzierbare Konservierungsbedingungen und
eine individuelle Probenhandhabung, -behandlung oder -messung.
Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden im Fol
genden unter Bezug auf die beigefügten Zeichnungen beschrie
ben. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Schnittansicht eines
Teils eines erfindungsgemäßen Speichersub
strates gemäß einer ersten Ausführungsform
der Erfindung,
Fig. 2 eine schematische Illustration der Proben
entnahme von einem Speichersubstrat gemäß
Fig. 1,
Fig. 3 bis 7 schematische Draufsichten auf verschiede
nen Gestaltungen von Proben- und Spei
cheranordnungen auf einem Speichersub
strat,
Fig. 8 eine schematische Schnittansicht eines
Teils eines Speichersubstrates gemäß einer
zweiten Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 9 schematische Ansichten verschiedener geo
metrischer Anordnungen von Kryospeicher
elementen,
Fig. 10 eine schematische Schnittansicht eines
Teils eines Speichersubstrates gemäß einer
dritten Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 11 eine Illustration der Entnahme von Kryo
speicherelementen aus einem erfindungsge
mäßen Speichersubstrat gemäß einer vierten
Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 12 eine schematische Illustration einer fo
lienförmigen Abdeckung an einem erfin
dungsgemäßen Speichersubstrat,
Fig. 13 eine schematische Schnittansicht eines
Teils eines Speichersubstrates gemäß einer
fünften Ausführungsform der Erfindung,
Fig. 14 schematische Perspektivansichten von Spei
chersubstraten gemäß einer sechsten Aus
führungsform der Erfindung,
Fig. 15 eine schematische Perspektivansicht eines
Kryospeicherelementes des Speichersubstra
tes gemäß Fig. 14, und
Fig. 16 eine schematische Perspektivansicht einer
Abwandlung des Kryospeicherelementes gemäß
Fig. 15,
Fig. 17 und 18 Draufsichten herkömmlicher Probenträger
(Stand der Technik).
Bei der in Fig. 1 dargestellten ersten Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Speichersubstrates 100 ist ein Grundkörper
110 vorgesehen, der eine Vielzahl von Kryospeicherelementen
120 trägt. Der Grundkörper 110 (ausschnittsweise dargestellt)
besitzt typische Dimensionen wie z. B. eine optische lesba
re/beschreibbare Speicherplatte (im Folgenden: CD). Zur Auf
nahme der Kryospeicherelemente 120 besitzt der Grundkörper 110
Durchtrittöffnungen 111, in denen die Kryospeicherelemente in
Art einer Presspassung sitzen. Auf einer Seite des Grundkör
pers 110 ist ein schichtförmiges Speichermedium 112 angeord
net. Das Speichermedium 112 ist eine Datenschicht, wie sie von
herkömmlichen CD's bekannt und zum Schreiben und Lesen von Da
ten geeignet ist. Das Speichermedium 112 ist vorzugsweise zum
optischen Schreiben ("Brennen") und Lesen der Daten ausgelegt.
Es kann aber auch ein magnetisches oder ein topographisches
Speichermedium vorgesehen sein. Auf dem Speichermedium 112 ist
ggf. eine Schutzschicht vorgesehen (nicht dargestellt).
Das Speichermedium 112 umfasst Schichtbereiche, die auf dem
Grundkörper 110 aufliegen und als Basisspeicher 113 dienen,
und Bereiche, die zu den Kryospeicherelementen 120 gehören und
als Probendatenspeicher 122 dienen. Die Basisspeicher 113 und
Probendatenspeicher 122 können zunächst eine geschlossene
Schicht des Speichermediums 112 bilden, die nach Probenentnahmen
(siehe Fig. 2) ggf. unterbrochen wird. Der Basisspeicher
113 enthält vorzugsweise Substratdaten, die sich bspw. auf die
Art der Anordnung der Kryospeicherelemente und die Identifi
zierung des Substrates beziehen. Die Probendatenspeicher 122
enthalten Probendaten (siehe unten).
Die Kryospeicherelemente 120 bestehen jeweils aus einem Pro
benträger 121 und dem Probendatenspeicher 122. Der Probenträ
ger 121 ist ein Formteil aus Kunststoff mit einer T- oder tel
ler-/pilzförmigen Gestalt. Der Probenträger kann anstelle von
Kunststoff auch aus einem biokompatiblen und inerten Material
(z. B. Halbleitermaterial) bestehen. Der Probenträger 121 um
fasst eine plattenförmige Probenaufnahme 123 und einen Träger
stift 124. Die innere Form der Durchtrittsöffnungen 111 und
die äußere Form des Trägerstifts 124 sind zur Bildung einer
Presspassung aufeinander abgestimmt. Zwischen den Rändern der
Probenaufnahmen 123 sind Abstände 125 gebildet. Die Abstände
125 verringern das Risiko einer gegenseitigen Kontamination
zwischen den Proben. Außerdem vereinfachen sie die Entnahme
von Kryospeicherelementen. Mit den Trägerstiften 124 ist je
weils ein Probendatenspeicher 122 fest verbunden.
Auf den Probenaufnahmen 123 befinden sich die Kryoproben 130,
insbesondere in Form von gefrorenen Flüssigkeitstropfen. Die
Tropfen sind Zellsuspensionen oder auch Referenzproben, z. B.
mit Mustern von Kultivierungsmedien, Lösungen von Markierungs
farbstoffen oder Sondenproben. Sondenproben sind Referenzpro
ben, die Substanzen enthalten, die auf eine Änderung kriti
scher Umgebungsbedingungen empfindlich reagieren. Als Sonden
proben können bspw. chemische Verbindungen verwendet werden,
die empfindlich gegenüber radioaktiver Strahlung oder uner
wünschten Temperaturerhöhungen sind. Eine Kontrolle der Son
denproben ermöglicht eine Überprüfung des Lagerungszustandes
des Speichersubstrates in einer Kryobank.
Über den Kryoproben 130 ist eine Abdeckfolie 114 angeordnet,
die der Vermeidung von Kontaminationen aus dem Kühlmedium oder
aus der sonstigen Umgebung dient.
Typische Dimensionen der Probenaufnahmen 123 sind bspw. 0.1
bis 3 mm. Die Gesamtdicke des Speichersubstrates 100 beträgt
bspw. rd. 2 mm.
Zur erfindungsgemäßen Kryospeicherung von Proben wird ein
den Kryoproben und ggf. Referenzproben beschickt. Die Beschi
ckung erfolgt bspw. mit einer Mikrotropfenschusseinrichtung,
wie es in EP-B 0 804 073 beschrieben ist. Die Proben werden
als Mikrotropfen im gekühlten Zustand des Speichersubstrates
100 gezielt auf die Probenaufnahmen 123 aufgeschossen, wo sie
beim Auftreffen festfrieren. Ebenfalls im tiefgekühlten Zu
stand des Speichersubstrates 100 erfolgt ein Einschreiben
(Einbrennen) erster Probendaten in die Probendatenspeicher
122. Nach Beschickung des Substrates erfolgt die Aufbringung
der Abdeckfolie 114 und die Einbringung des Speichesubstrates
100 in eine Halterung unter den jeweiligen Kühlbedingungen des
verwendeten Kryokonservierungssystems.
In Fig. 2 ist die Entnahme von Proben vom Speichersubstrat
100 illustriert. Erfindungsgemäß erfolgt die Probenentnahme
durch Abtrennen des jeweiligen Kryospeicherelementes 120 vom
Grundkörper 110. Das Abtrennen erfolgt mit einer Stanzeinrich
tung 140 in Zusammenwirkung mit einer Stempeleinrichtung 150.
Die Stanzeinrichtung besitzt ein hohles Schneidwerkzeug 141,
dessen Schneide 142 an die äußere Form der Probenaufnahme 123
angepasst ist. Das Stanzwerkzeug kann bspw. durch eine Hohlka
pillare mit einem angeschliffenen Ende gebildet werden. Die
Stempeleinrichtung 150 besitzt einen Stempel 151, mit dem der
Probedatenspeicher 122 vom übrigen Speichermedium 112 abge
trennt und der Trägerstift 124 aus der Durchtrittsöffnung 111
herausgedrückt werden kann. Am Ende des Stempels 151 ist ggf.
auch ein Schneidwerkzeug zur verbesserten Durchtrennung des
Speichermediums 112 vorgesehen. Die Stanz- und Stempeleinrich
tungen 140, 150 können zur Aufrechterhaltung einer bestimmten
Temperatur des Speichersubstrates 100 aktiv oder passiv ge
kühlt sein.
Fig. 2 zeigt einen besonderen Vorteil der Erfindung. Mit der
Stanzeinrichtung 140 wird die Probe 130 mit dem Kryospeichere
lement 120 entnommen, ohne dass andere Probendepots geöffnet
werden. Die Probe 130 ist auch nach der Entnahme mit dem Pro
bendatenspeicher 122 verbunden. Es kann eine Übertragung der
Probe auf ein anderes Speichersubstrat und/oder eine Messein
richtung unter Kryobedingungen oder bei erhöhter Temperatur
erfolgen. Eine Ergänzung von Probendaten, z. B. in Abhängig
keit von einem Messergebnis, wird am Probendatenspeicher 122
vorgenommen (Datenakkumulation).
Die Fig. 3 bis 7 illustrieren erfindungsgemäße Speichersub
strate (z. B. gemäß Fig. 1) in schematischer Draufsicht. Ein
Speichersubstrat 100 ist wie eine herkömmliche CD geformt und
besitzt insbesondere in der Mitte eine Durchtrittsöffnung 101
zur Anbringung des Speichersubstrates in der Kryokonservie
rungsvorrichtung und/oder einem Lese-/Schreibsystem. Die Pro
benaufnahmen 123 der Probenträger sind bei dieser Ausführungs
form rechteckig gebildet. Sie besitzen typische Dflächendimen
sionen von rd. 0.1 bis 30 mm2. Die Probenaufnahmen 123 sind
gruppenweise in Sektoren 102 angeordnet. Bei Entnahme von Pro
ben mit den jeweiligen Kryospeicherelementen bleibt der Grund
körper 110 mit den freien Durchtrittsöffnungen 111 zurück.
Fig. 4 zeigt eine abgewandelte Ausführungsform mit kreisför
migen Probenaufnahmen 123. Auf jeder Probenaufnahme 123 kann
ein Tropfen mit einem Volumen von einigen mm3 abgelegt werden.
Jeder Tropfen kann bis zu 105 Zellen enthalten. Auf dem gesamten
Speichersubstrat mit einem Durchmesser von ca. 12 cm kön
nen damit bis zu 108 Zellen abgelegt werden.
Fig. 5 zeigt eine abgewandelte Gestaltung mit kreisförmigen
Probenaufnahme 123, die im Vergleich zu Fig. 4 kleinere
Durchmesser besitzen (z. B. 0.01 bis 1 mm). Die Gesamtzahl der
Kryospeicherelemente auf dem Speichersubstrat 100 wird dadurch
erhöht. Die Variabilität bei der Probenentnahme steigt.
Die in Fig. 1 illustrierten Basisspeicher 113 können auch se
lektiv entsprechend bestimmter Bahnen im Speichermedium ange
ordnet sein. Dies ist in den Fig. 6 (ringsförmige Speicher
bahnen) und 7 (strahlförmig ausgerichtete Speicherbahnen) il
lustriert. Mit den Basisspeichern 113 erfolgt eine zusätzliche
Fragmentierung des Speichersubstrates.
Fig. 8 illustriert ausschnittsweise eine abgewandelte Form
eines Speichersubstrates 200 mit einem Grundkörper 210, der
durch die Probenträger 221 der Kryospeicherelemente gebildet
wird. Die Probenträger 221 besitzen auf einer Seite die Pro
bendatenspeicher 222 und auf der entgegengesetzten Seite die
Probenaufnahmen 223. Die Probenträger 221 sind Formteile, z. B.
aus Kunststoff oder einem Halbleitermaterial, in denen die
Probenaufnahmen 223 als Ausnehmungen gebildet sind. Die Pro
benträger 221 sind über Sollbruchstellen 224 miteinander ver
bunden. Die Probendatenspeicher 222 bilden eine auf der Unter
seite des Grundkörpers 210 angeordnete Schicht des Speicherme
diums.
Auf der Oberseite des Speichersubstrates ist eine Abdeckfolie
214 vorgesehen, mit der die Proben 230 abgedeckt werden. Die
Abdeckfolie 214 umgreift den Grundkörper 210 an seiner Außen
kante mit einem umlaufenden Vorsprung 215.
Die Verwendung des Speichersubstrates 200 insbesondere die Be
schickung und die Datenspeicherung erfolgen nach den oben er
läuterten Prinzipien. Zur Probenentnahme werden Kryospeichere
lemente 220 jeweils mit einem Träger 221 und einem Probenda
tenspeicher 222 mit einem geeigneten Werkzeug vom Speichersub
strat 200 getrennt (z. B. herausgebrochen, abgeschnitten oder
dergleichen). Anwendungsabhängig sind die Sollbruchstellen 224
mit einer bestimmten Geometrie ausgeführt, wie dies in Fig. 9
illustriert ist.
In Fig. 9 bezeichnen die weißen Linien den Verlauf der Soll
bruchstellen 224. In den jeweils umrahmten schwarzen Bereichen
befinden sich die Probenträger insbesondere mit den Probenauf
nahmen. Die Probenaufnahmen können innerhalb des Speichersub
strates 200 verschiedenen Geometrien besitzen, z. B. nach in
nen hin enger (linkes Teilbild) oder schmaler werden (rechtes
Teilbild).
Eine dritte Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Speicher
substrates 300 ist in Fig. 10 illustriert. Das Speichersub
strat besitzt einen scheibenförmigen Grundkörper 310 in Form
einer ebenen, gleichförmigen Platte, Einfügungen oder Soll
bruchstellen sind bei dieser Ausführungsform nicht vorgesehen.
Die Kryospeicherelemente 320 bilden bei dieser Gestaltung le
diglich eine Einheit, solange die Proben 230 auf dem Speicher
substrat 300 angeordnet sind. Als Probenträger 321 ist für je
de Probe eine Probenaufnahmeschicht vorgesehen. Die Probenauf
nahmeschicht besteht aus einem Kunststoffmaterial, das eine
geringe Haftung zum Grundkörper 310 besitzt (z. B. aus PTFE
oder Kautschuk). Die geringe Haftung ist insbesondere im Tief
temperaturbereich gegeben.
Zur Abtrennung einer Probe 330 wird die Probe mit der Proben
aufnahmeschicht mit einem geeigneten Werkzeug vom Grundkörper
310 abgetrennt (z. B. abgehoben, abgehobelt, abgeschoben oder
abgezogen). Der Probendatenspeicher 322 verbleibt auf der Sub
stratunterseite.
Die Proben 330 sind auch bei dieser Ausführungsform mit einer
Abdeckung 314 gegen Kontaminierungen geschützt. Die Abdeckung
314 wird durch einen Deckel gebildet, der gegenüber dem Grund
körper 310 über eine Ringdichtung 315 abgedichtet ist.
In Fig. 11 ist im oberen Teilbild in perspektivischer Ansicht
ein Ausschnitt eines Speichersubstrates 400 gemäß einer weite
ren Ausführungsform der Erfindung dargestellt. Bei diesem
Speichersubstrat sind die Kryospeicherelemente 420 in Form ei
ner Vorperforation oder einer Presspassung im Grundkörper 410
vorgesehen. Der Grundkörper 410 und die Kryospeicherelemente
420 bilden eine ebene Platte, auf deren Unterseite das Spei
chermedium 412 schichtförmig angeordnet ist. Das Speichermedi
um 412 (Datenträgerfolie) kann ebenfalls vorperforiert sein
und befindet sich auf der Unterseite des Grundkörpers 410 mit
der zum optischen Ein- und Auslesen von Daten erforderlichen
Planarität.
Im unteren Teilbild von Fig. 11 ist das Kryospeicherelement
420 vergrößert dargestellt. Auf der Oberseite des Grundkörpers
410, der hier den Probenträger 421 bildet, ist als Probenauf
nahme 423 eine Ausnehmung vorgesehen. In der Probenaufnahme
ist die Kryoprobe 430 (z. B. Suspensionstropfen) angeordnet.
Mit der Abdeckfolie 414 ist die Probe 430 gegen Kontamination
geschützt. Auch an der Abdeckfolie 414 können Perforationen
entsprechend der äußeren Form des Kryospeicherelements 420
vorgesehen sein. Erfindungsgemäß kann allgemein die Abdeckung
oder Abdeckfolie auch als Speichermedium gebildet sein. Bei
Entnahme des Kryospeicherelements 420 aus dem Speichersubstrat
400 mit einem analog zur Illustration in Fig. 2 aufgebauten
Werkzeug wird die Probe 430 mit dem Probenträger 421, dem Pro
bendatenspeicher 422 und dem Ausschnitt der Abdeckfolie 414
entnommen. Das Speichersubstrat 400 wird in einer Halterung
fixiert und mit dem passgenauen Stempel 451 (ggf. mit Schneide
452) und der Stanzeinrichtung 440 vom Grundkörper 410 ge
trennt. Die Stanzeinrichtung 440 ist mit einem beweglichen
Stempel 441 versehen, der nach Abtrennung des Kryospeicherele
mentes 420 dieses aus der Stanzeinrichtung herausdrückt.
Fig. 12 zeigt eine gegenüber Fig. 11 abgewandelte Ausfüh
rungsform am Beispiel eines einzelnen Kryospeicherelementes
420 mit dem Probenträger 421 und der Probenaufnahme 423. Bei
dieser Gestaltung ist die Abdeckung 414 durch eine zwei
schichtige Folie gebildet. Auf dem Probenträger 421 liegt eine
poröse Schicht 415 als Abdeckung auf. Darüber befindet sich
eine dichte Schicht 416 mit einer aus der Substratebene abste
henden Verlängerung 417. Die Verlängerung 417 kann manuell
oder mit einem entsprechenden Werkzeug vom Substrat weggezogen
werden. Dabei wird die untere Schicht 415 am Probenträger 421
freigelegt. Diese Prozedur kann im tiefgefrorenen oder auch im
aufgetauten Zustand erfolgen. Die Probenaufnahme 423 wird
zeitweilig teilweise geöffnet. Es kann ein rascher Austausch
der Flüssigkeit in der Probenaufnahme 423 erfolgen. Es können
bspw. Kryoprotektive aus der Zellsuspension ausgewaschen wer
den.
Die Abdeckung 414 kann auch Daten oder Markierungen zur Iden
tifizierung der Probe enthalten. Gemäß abgewandelten Gestal
tungen kann ein aus weiteren Schichten gebildeter Aufbau der
Abdeckung 414 vorgesehen sein.
Das Prinzip der mehrschichtigen Abdeckung ist auch in Fig. 13
am Beispiel einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ge
zeigt. Da Speichersubstrat 500 umfasst wiederum einen Grund
körper 510 mit pilzförmigen Vorsprüngen 511, auf denen die
Probenträger 521 sitzen. Die Probenträger 521 sind Formteile
jeweils mit einer Probenaufnahme 523 auf der Oberseite und einer
Fixierausnehmung 524 auf der Unterseite. Die Fixierausneh
mungen 524 und die Vorsprünge 511 wirken wie Druckknöpfe als
lösbare mechanische Verbindungen zusammen. Auf der zu den Pro
benträgern 521 entgegengesetzten Seite befindet sich als Spei
chermedium 512 eine Datenträgerschicht, die die Probendaten
speicher 522 bildet, die den jeweiligen Probenträgern 521 zu
geordnet sind. Die Abdeckung 514 erfolgt nach dem Doppel
schichtprinzip, das in Fig. 12 illustriert ist.
Zur Entnahme eines Probenträgers 521 im gefrorenen Zustand des
Speichersubstrates 500 wird ein hobel- oder keilförmiges Werk
zeug unter den Probenträger 521 geschoben. Mit dem Werkzeug
wird die Verbindung zwischen dem jeweiligen Vorsprung 511 und
der Fixierausnehmung 524 gelöst. Die Probe wird damit mit dem
Probenträger 521 und Teilen der Abdeckung 514 vom Speichersub
strat 500 abgetrennt. Auch bei dieser Ausführungsform geht bei
der Abtrennung die Verbindung zum Probendatenspeicher 522 ver
loren. Allerdings können Probendaten auch im entsprechenden
Teil der Abdeckung 514 vorgesehen sein.
Die in den Fig. 14 bis 16 dargestellten Ausführungsformen
der Erfindung zeichnen sich dadurch aus, dass Speichersubstrat
600 durch mindestens eine Leiterplatte 610, die dem Grundkör
per entspricht und mindestens ein auf die Leiterplatte 610
aufgesetztes Kryospeicherelement 620 gebildet wird. Die Lei
terplatte 610 trägt elektrische (Leiterbahnen) oder optische
(Lichtleiterfasern) Verbindungen 611, die jeweils eine Aufnah
mefassung 612 zur Aufnahme von einem Kryospeicherelement mit
einer externen (nicht dargestellten) Steuereintichtung verbin
den. Die Aufnahmefassung entspricht im Wesentlichen dem Sockel
einer herkömmlichen Schaltkreisfassung, in dem die Kontakte
des Kryospeicherelements (siehe Fig. 15) eingesetzt werden.
An den Aufnahmefassungen 612 können zusätzlich jeweils Schalt
kreise zur Signalanpassung, Signalumsetzung oder Detektion der
auf den Verbindungsleitungen 611 Signale oder von auf optischem
Wege strahlend gelieferten Datensignalen vorgesehen
sein.
Die Verbindungsleitungen 611 können auf der Oberseite der Lei
terplatte 610 mit den Aufnahmefassungen 612 (oberes Teilbild
von Fig. 14) oder auf der entgegengesetzten Seite (unteres
Teilbild von Fig. 14) vorgesehen sein. Im letzteren Fall kön
ne die Aufnahmefassungen 612 dichter angeordnet werden. Das
untere Teilbild von Fig. 14 zeigt ferner, dass auf der Lei
terplatte 610 auch ein Rechnerschaltkreis 613 zur Ansteuerung
der Kryospeicherelemente, ggf. mit einem gesonderten RAM-
Speicher, vorgesehen sein kann.
Jede Aufnahmefassung 612 ist zur Aufnahme eines Kryospeicher
elementes 620 eingerichtet, dessen Einzelheiten in Fig. 15
gezeigt sind. Das Kryospeicherelement 620 umfasst analog zu
den oben erläuterten Funktionen einen Probenträger 621, der
mit dem Probendatenspeicher 622 verbunden ist. Gemäß einer be
sonderes vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird das
Kryospeicherelement durch einen an sich bekannten integrierten
Schaltkreis gebildet. Der Schaltkreis enthält als Probendaten
speicher 622 mindestens einen RAM-Speicher. Der Probenträger
621 ist beispielsweise in der Kunststoffabdeckung des integ
rierten Schaltkreises gebildet. Die Probenaufnahme 623 ist ei
ne Ausnehmung in der Kunststoffabdeckung. Bei einem herkömmli
chen Chip mit einer Größe von 7.14 mm kann die Probenaufnahme
623 eine Grundfläche von ca. 4.10 mm bei einer Tiefe von 1 mm
besitzen. Bei diesen Maßen können im Kryospeicherelement 620
bis zu fünf Millionen Zellen untergebracht werden.
Das Kryospeicherelement 620 kann auch einen kompletten Rech
nerschaltkreis enthalten, mit dem die Funktion des Kryospei
cherelements verwaltet wird und über den das Kryospeicherele
ment nach außen kommuniziert.
Auf dem Boden der Probenaufnahme 623 können zusätzliche Steu
ereinrichtungen zur Manipulierung der Probe Sensor- und/oder
Anzeigeeinrichtungen 624 vorgesehen sein. Die Steuereinrich
tungen umfassen ggf. Kühl- und Heizelemente, z. B. Peltier-
Elemente, Widerstandsheizelemente, zur gesteuerten Abkühlung
oder Erwärmung der Probe oder Materialien mit erhöhter Wärme
kapazität zur Reduzierung der Wärmebelastung der Probe während
eines Chiptransportes. Als Anzeigeeinrichtung kann eine Licht
quelle vorgesehen sein, die bspw. einen bestimmten Zustand des
Kryospeicherelements 620 bzw. der Probe signalisiert oder die
als Messlichtquelle für Messungen an der Probe 630 dient. Zu
sätzlich ist das Kryospeicherelement 620 mit einer Abdeckung
614 versehen, die die Probe von Kontamination, Verdunstung und
Sublimation schützt. Die Abdeckung 614 ist bspw. eine Plastik
kappe, eine aufgeschweißte Folie oder ein anderes schichtför
miges Bauteil, das eine dichte, lösbare Verbindung mit dem
Probenträger 621 eingeht.
Der Probenträger 621 dient auch als Führung für die Kontaktfü
ße 625 des Kryospeicherelements. Die Kontaktfüße sind insbe
sondere mit dem Probendatenspeicher 622 und ggf. den Steuer-
und Anzeigeeinrichtungen 624 verbunden.
Im Gegensatz zu den aus der zellulären Biotechnologie bekann
ten Diagnosechips besteht beim Kryospeicherelement 620 zwi
schen der Probe 630 und dem Probendatenspeicher 622, den Steu
er- und/oder Anzeigeeinrichtungen 624 keine Verbindung, die
auf eine Erfassung elektrischer Parameter der in der Probe
eingefrorenen Zellen gerichtet ist.
Die Abdeckung 614 gemäß Fig. 15 kann auch durch einen Kryobe
hälter 615 gemäß Fig. 16 ersetzt werden. Mit dem Kryobehälter
615 wird die Oberseite des Probenträgers 621 als Gefäß gebil
det, das analog zu einem herkömmlichen Kryogefäß aufgebaut
ist. Es kann insbesondere ein Deckel 616 mit einer abgedichteten
Schraubverbindung zum zylinderförmigen Behälterkörper 617
vorgesehen sein. Der Kryobehälter 615 besteht aus einem kälte
resistenten Kunststoffmaterial. Die in Fig. 16 dargestellte
Ausführungsform der Erfindung besitzt den vor Vorteil, dass
der Kryobehälter 615 auch manuell, z. B. durch Pipettieren,
beschickt werden kann.
Die in den Fig. 14 bis 16 dargestellte Ausführungsform der
Erfindung besitzt eine Reihe von Vorteilen. Das Kryospeicher
element wird durch einen elektronischen Chip gebildet, der als
Probendatenspeicher einen elektronisch von außen beschreibba
ren und lesbaren Speicher enthält. Eine temperaturabhängige
Justage eines Lese-/Schreibkopfes etwa wie bei einem CD-
Speicher ist nicht erforderlich. In dem Chip befindet sich
mindestens eine Probenaufnahme entsprechend für einen oder
mehrere Proben. Der Chip und/oder die Aufnahmefassung können
mit einer elektronischen Schaltung zur Ansteuerung zusätzli
cher Funktionselemente, Sensoren und/oder Alarmsystemen aus
gestattet sein. Der in Fig. 14 gezeigte Aufbau kann als drei
dimensionales Mehrebenen-Kryosubstrat hergestellt werden, bei
dem mehrere Leiterplatten 610 mit einer Vielzahl von Kryospei
cherelementen übereinander gestapelt werden.
Die chipförmigen Speicherelemente können problemlos im gefro
renen Zustand von der Leiterplatte entnommen und auf andere
Leiterplatten, Messeinrichtungen oder Bearbeitungsstationen
übertragen werden, ohne dass die Probendaten verloren gehen.
Die Kryospeicherelemente sind von außen elektronisch adres
sierbar.
Zusätzlich können zur Mehrfachabsicherung die Kryospeicherele
mente mit einer oder mehreren Kennungen, automatisch lesbaren
oder visuell kontrolierbaren Farbmarkierungen versehen sein.
Die Kryospeicherelemente gemäß Fig. 15 lassen sich gegenüber
den Dimensionen herkömmlicher integrierter Schaltkreise auch
weiter miniaturisieren. Bei Miniaturisierung wird eine opti
sche Ansteuerung anstelle der elektrischen Kontaktierung be
vorzugt.
Die mindestens eine Leiterplatte eines Speichersubstrates kann
mit einem Computer-Bus-System verbunden sein, mit dem eine in
dividuelle Abfrage und Ansteuerung der einzelnen Kryospeiche
relemente erfolgt. Die in Fig. 15 dargestellte Form von Kry
ospeicherelementen kann anwendungsabhängig abgewandelt werden
(z. B. runde oder mehreckige Probenträger).
Wichtige Merkmale der Erfindung werden im Folgenden zusammen
gefasst.
Erfindungsgemäße Speichersubstrate kombinieren eine Material
aufnahme mit einer probenspezifischen Datenaufnahme. Während
der Tieftemperaturlagerung ist die selektive Entnahme von Ma
terial (Zellen, Zellsuspensionen) und das Lesen/Ablegen von
Daten und/oder Datenmaterial möglich.
Die Datenidentifizierung wird mehrfach abgesichert, indem die
Proben und die Probendatenspeicher an den gleichen oder unmit
telbar aneinandergrenzenden Substratpositionen angeordnet
sind. Zusätzlich kann das Speichersubstrat gefärbt sein, so
dass allein aus der Färbung des Kryospeicherelements und des
Grundkörpers festgestellt werden kann, aus welchem Speicher
substrat die jeweilige Probe stammt.
Die Kryospeicherelemente sind leicht desinfizierbar und wie
derverwendbar.
Es ist ferner möglich, die Grundkörper und Kryospeicherelemen
te eines Speichersubstrates einheitlich mit einem Farbton oder
einem digitalen oder analogen Erkennungsmuster zu versehen,
die jederzeit eine eindeutige Zuordnung beider Teile zulässt.
Dies besitzt Vorteile für eine automatisierbare optische Kon
trolle (z. B. Farb- und Codierungserfassung).
Auf dem erfindungsgemäßen Kryospeicher können erstmals Proben
daten in Kilobyte- bis Megabytebereich gespeichert werden.
Dies ist insbesondere bei der Speicherung von Messergebnissen
von Vorteil.
Während der Nutzungsdauer eines Speichersubstrates können je
derzeit Daten ergänzt werden (Datenakkumulation). Auf diese
Weise lassen sich alle an den Proben erworbenen Daten bzw. al
le ausgeführten Manipulationen, Messungen, Behandlungen oder
dergleichen lückenlos probenspezifisch dokumentieren.
Es können spezifische Behandlungen der Proben insbesondere in
den Chip-förmigen Speicherelementen selektiv mit einer Proze
durprogrammierung und -speicherung durchgeführt werden. Bei
spielsweise kann im Rahmen einer Kryokonservierung ein be
stimmtes Heiz-, Kühl-, Mess-, Kontroll- und Alarm-
/Anzeigeprogramm abgearbeitet und im Progammdatenspeicher do
kumentiert werden. Im gefrorenen Zustand können verschiedene
Kryospeicherelemente verschiedene Temperatur- oder Messpro
gramme durchlaufen. Es kann z. B. lokal ein Auftauen ausgelöst
werden, um eine Messung an der Probe durchzuführen.
Es kann erfindungsgemäß vorgesehen sein, dass das Speichersub
strat mit einer rein elektronischen Datenbank kombiniert be
trieben wird, in der die Probendaten des Speichersubstrates
gespiegelt abgelegt sind.
Die Abdeckung der Probenaufnahmen kann teilweise oder voll
ständig transparent sein. Durch diese Schicht werden optische
und andere Messverfahren in die Probenaufnahme eingekoppelt.
Beispielsweise können die Proben bildhaft dargestellt werden.
Es sind Fluoreszenzmessungen, dielektrische Messungen und/oder
Ultraschalldarstellungen möglich.
Eine erfindungsgemäße Kryodatenbank umfasst eine Vielzahl der
erläuterten Speichersubstrate, eine Steuereinrichtung und eine
Bearbeitungseinrichtung zur Manipulierung der Speichersubstra
te und zur Entnahme von Proben.
Die in der vorstehenden Beschreibung, den Ansprüchen und den
Zeichnungen offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl
einzeln als auch in beliebiger Kombination für die Verwirkli
chung der Erfindung in ihren verschiedenen Ausgestaltungen von
Bedeutung sein.
Claims (19)
1. Verfahren zur Kryokonservierung, bei dem auf einem Spei
chersubstrat mindestens eine Probe angeordnet und positions
spezifisch Probendaten, die für Merkmale der Probe charakte
ristisch sind, gespeichert werden.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, bei dem die Probendaten auf
dem Speichersubstrat an, neben oder unter der Probe gespei
chert werden.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, bei dem als Probendaten
Informationen zur Identifizierung der Probe, Informationen
über Substanzmerkmale der Probe, Messergebnisse und/oder Be
handlungsschritte gespeichert werden.
4. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
dem die Probendaten im gekühlten Zustand des Speichersubstra
tes gelesen und/oder geschrieben werden.
5. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
dem eine Probe vom Substratspeicher in Verbindung mit den ge
speicherten Probendaten entnommen und auf ein anderes Substrat
oder zu einer Meß- oder Behandlungseinrichtung überführt wird.
6. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
dem die Probendaten optisch, magnetisch, topographisch oder
elektromagnetisch gespeichert werden.
7. Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei
dem die Probe eine Suspension von mindestens einer Zelle,
Zellbestandteilen, Zellaggregaten und/oder Gewebe umfasst.
8. Verfahren gemäß Anspruch 7, bei der die Probe zusätzlich
Referenz- und Sondenproben umfasst.
9. Verfahren gemäß einem der vorgehenden Ansprüche, bei dem
an einer gefrorenen, erwärmten oder aufgetauten Probe im ge
kühlten Zustand des übrigen Speichersubstrats eine Messung
und/oder eine Behandlung erfolgt und die Messergebnisse als
Probendaten gespeichert werden.
10. Verfahren gemäß einem der vorgehenden Ansprüche, bei dem
eine Steuerung des Zustandes der Probe auf dem Speichersub
strat mit einem der Probe zugeordneten Rechnerschaltkreis er
folgt.
11. Speichersubstrat zur Kryokonservierung mindestens einer
Probe, das mindestens ein Kryospeicherelement enthält, das
durch einen Probenträger und einen Probendatenspeicher gebil
det wird.
12. Speichersubstrat gemäß Anspruch 11, bei dem das mindestens
eine Kryospeicherelement lösbar in einem Grundkörper des Spei
chersubstrates angeordnet ist.
13. Speichersubstrat gemäß einem der Ansprüche 11 oder 12, bei
dem als Kryospeicherelement ein Formteil vorgesehen ist, das
die Probe und den Probendatenspeicher trägt.
14. Speichersubstrat gemäß einem der Ansprüche 11 oder 12, bei
dem als Kryospeicherelement ein integrierter Schaltkreis mit
einem Speicher vorgesehen ist, der mit mindestens einem Pro
benträger zur Aufnahme jeweils einer Probe ausgestattet ist.
15. Speichersubstrat gemäß Anspruch 14, bei dem der Probenträ
ger in den Aufbau des integrierten Schaltkreises integriert
ist.
16. Speichersubstrat gemäß Anspruch 15, bei dem der Probenträ
ger einen Kryobehälter aufweist.
17. Speichersubstrat gemäß Anspruch 15, bei dem das Kryospei
cherelement einen Rechnerschaltkreis enthält, mit dem die
Funktion des Kryospeicherelements verwaltet wird und über den
das Kryospeicherelement nach außen kommuniziert.
18. Kryospeicherelement, das eine Probenaufnahme für eine Pro
be und einen Datenspeicher zur Speicherung von Probendaten um
fasst.
19. Verfahren zum Betrieb einer Kryobank, bei dem die Proben
mit einem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 9 kryokon
serviert und/oder behandelt werden.
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