DE10045676C2 - Hippotherapie-Gerät - Google Patents
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Hippotherapie-Gerät nach
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Die Hippotherapie stellt eine physiotherapeutische Methode
von bewegungsgestörten Kindern und Erwachsenen dar, bei der
Sitz-, Halte- und Bewegungsübungen auf dem Pferderücken
durchgeführt werden.
Hippotherapie-Geräte, mit denen die Bewegungen, die beim
Schrittreiten vom Pferd auf den Reiter übertragen werden, si
muliert werden, sind bekannt.
Bei der Vorrichtung nach EP 0 963 767 A2 besteht dazu der
Sitz aus vier Segmenten, die einzeln mit Kugelgelenken an ei
ner Stange gelagert sind, welche an einem Sitzträger befe
stigt ist. Durch ein kompliziert aufgebautes Kurbelgetriebe
werden jeweils zwei diagonal gegenüberliegende Segmente abge
senkt und die beiden anderen angehoben. Zugleich bewegt sich
durch ein Getriebe mit einer Kurbelstange und Winkelhebeln
der Sitzträger vor und zurück. Dadurch soll dem Patienten
insgesamt eine vor- und zurückgerichtete horizontale Bewegung
mit überlagerter vertikaler Bewegung der einzelnen Segmente
auferlegt werden.
Aus DE 296 02 591 U1 ist ein Hippotherapie-Gerät nach dem
Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt. Dabei ist der Sitz auf
einem Zwischenträger um eine Längsachse verschwenkbar befe
stigt, wobei als Kurbelwelle eine gekröpfte Welle mit zwei
Kurbelarmen vorgesehen ist, die an dem Zwischenträger angreift,
um ihn auf und ab zu bewegen. Es wird jedoch kein
funktionsfähiges Gerät beschrieben. So fehlt jegliche Be
schreibung, durch welche Maßnahmen das Gerät die Bewegungen
des Pferdes simulieren soll, die zur Beckenkippung und Dre
hung des Beckens gegenüber der Wirbelsäule führen.
Aus DE 199 09 613 A1 ist ein Gerät bekannt, bei dem abwech
selnd die linke oder rechte hintere Ecke einer den Pferderü
cken darstellenden Platte über zwei exzentrische Vertikalge
stänge angehoben wird. Ein weiteres Gestänge ist zur Simulie
rung der Bewegung des Pferderückens nach vorn vorgesehen. Mit
dem bekannten Gerät können die Bewegungen, die beim Reiten
vom Pferd auf den Reiter übertragen werden, nur sehr einge
schränkt wiedergegeben werden. So ist ein diagonales Wechseln
der Seiten, aber auch eine Drehung um die Hochachse nicht
möglich. Damit kann beispielsweise keine Vierfussfolge wie
bei der Gangart Schritt simuliert werden.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Hippotherapie-Gerät bereit
zustellen, mit dem bei einfachem Aufbau hippotherapeutische
Bewegungsübungen optimal simuliert werden können.
Es wird erfindungsgemäß mit dem im Anspruch 1 gekennzeichne
ten Hippotherapie-Gerät erreicht.
Bei dem erfindungsgemäßen Gerät ist also der Sitz auf dem Gestell
über einem Kugelgelenk gelagert. Der Sitz ist dabei vorzugs
weise sattelartig gewölbt ausgebildet. Das Kugelgelenk ist im
mittleren Bereich des Sitzes unterhalb des Sitzes angeordnet.
Der sattelartige Sitz erstreckt sich damit links und rechts
über das Kugelgelenk hinaus nach unten; d. h. das Kugelgelenk
ist im oberen Bereich der Innenwölbung des Sitzes angeordnet.
Statt eines Kugelgelenks kann auch ein anderes Gelenk mit
vier Freiheitsgraden oder mehr verwendet werden.
Die Kurbelwelle weist an ihren Enden jeweils einen Kurbelarm
auf, wobei die beiden Kurbelarme entgegengesetzt gerichtet
sind, d. h. wenn der eine Kurbelarm nach unten oder vorne ge
richtet ist, ist der andere Kurbelarm nach oben oder hinten
gerichtet.
Der eine Kurbelarm greift an der einen, der andere Kurbelarm
an der anderen Seite vorzugsweise im unteren Bereich des Sit
zes an. Wenn der eine Kurbelarm nach oben bewegt ist und der
ndere nach unten, ist damit der Sitz um seine Längsachse um
einen bestimmten Winkel zur Seite gekippt. Wenn der eine Kur
belarm nach vorne gerichtet ist und der andere nach hinten,
ist der Sitz um einen bestimmten Winkel um seine Hochachse
gedreht.
Durch das Kippen zur Seite wird der Patient wie beim Reiten
in eine schräge Lage gebracht, die er durch körpereigene Be
wegungen kompensieren muß. Gleiches gilt, wenn das Becken um
die Hochachse des Sitzes, also um die Wirbelsäulenlängsachse
gedreht wird. Durch die sich überlagernden Kipp- und Drehbe
wegungen des Sitzes werden die Bewegungen eines Pferdes so
nachgeahmt, dass eine wirkungsvolle therapeutische Behandlung
des Patienten durchgeführt werden kann. Es erfolgt eine Loc
kerung des Becken- und Lendenbereichs und eine Stärkung der
Wirbelsäulen- und Rückenmuskulatur.
Damit die Bewegungen der beiden entgegengesetzt gerichteten
Kurbelarme auf den auf dem Kugelgelenk gelagerten Sitz über
tragen werden können, ist jeder Kurbelarm mit der einen bzw.
anderen Seite des Sitzes durch ein Gelenk mit mindestens vier
Freiheitsgraden, vorzugsweise ein Kugelgelenk verbunden.
Während der Drehwinkel des Beckens um die Hoch- oder Wirbel
säulenlängsachse relativ groß sein kann, wird ein größerer
Kippwinkel des Beckens um die Längsachse des Sitzes als unan
genehm empfunden.
Um die Kippbewegung des Sitzes um die Längsachse zu reduzie
ren, wird vorzugsweise jeder Kurbelarm mit der einen bzw. an
deren Seite des Sitzes über eine Koppelstange verbunden, wo
bei jede Koppelstange über ein Kugelgelenk oder ein anderes
Gelenk mit mindestens vier Freiheitsgraden an dem Kurbelarm
und dem Sitz verbunden ist. Zur Verbindung jeder Koppelstange
mit dem Sitz kann ein Gelenkkopf und zur Verbindung mit dem
Kurbelarm ein Gleitlager verwendet werden. Die Koppelstange
kann dazu mit einem Längsschlitz oder dergleichen Längsaus
nehmung versehen sein, in die ein Dorn eingreift, der an dem
Gestell befestigt ist. Statt einer Längsausnehmung in der
Koppelstange und einem am Gestell befestigten in die Längs
ausnehmung eingreifenden Dorn kann zur Reduzierung der Kipp
bewegung des Sitzes die Koppelstange auch durch eine andere
Kulisse geführt sein.
Nachstehend ist eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Hippotherapie-Gerätes anhand der Zeichnung beispielhaft näher
beschrieben. Darin zeigen jeweils schematisch:
Fig. 1 und 2 eine Seiten- bzw. Vorderansicht des Hippo
therapie-Gerätes;
Fig. 3a) bis 3d) sowie 4a) bis 4d) die Vorderansicht des
Sitzes bzw. die Draufsicht auf den Sitz während der
einzelnen Bewegungsphasen eines Kurbelwellenum
laufs; und
Fig. 5a) und 5b) die zyklische Bewegung des Sitzes während
eines Kurbelwellenumlaufs.
Gemäß Fig. 1 und 2 weist das Hippotherapie-Gerät auf
einer Basis 1 ein Gestell 2 auf, das einen mittleren Ständer
3 und zwei Seitenteile 4, 5 beiderseits des Ständers 5 um
faßt.
An dem Gestell 2 ist im unteren Bereich mit Kugel- oder
dergleichen Radiallagern 6, 7, 8 an dem Ständer 3 bzw. den
Seitenteilen 4, 5 eine Kurbelwelle 9 drehbar gelagert, die
von einem Antriebsrad 11 angetrieben wird, das ein am Gestell
2 befestigter Motor 12 z. B. über ein Zugmittel 13 wie einen
Keilriemen antreibt.
Die Kurbelwelle 9 weist an beiden Enden jeweils einen
Kurbelarm 14, 15 auf. Die beiden Kurbelarme 14, 15 sind ent
gegengesetzt gerichtet, d. h. um 180° versetzt angeordnet.
Auf dem Gestell 2 ist der Sitz 16 des Hippotherapie-Gerätes
mit einem Kugelgelenk 17 gelagert. Der Sitz ist sattelartig,
d. h. im Querschnitt gewölbt ausgebildet (Fig. 2). Das Kugel
gelenk 17 ist in der Mitte des Sitzes 16 im oberen Bereich
der Innenwölbung 18 am oberen Ende des Ständers 3 angeordnet.
Der sattelartige Sitz 16 erstreckt sich damit links und
rechts über das Kugelgelenk 17 nach unten.
An jedem Kurbelarm 14, 15 ist über ein Gleitlager oder
Kugelgelenk 20, 21 eine Koppelstange 22, 23 befestigt. Das
obere Ende jeder Koppelstange 22, 23 ist über einen Gelenk
kopf oder Kugelgelenk 24, 25 am unteren Bereich an der Innen
seite an der einen bzw. anderen Seite des Sitzes 16 befe
stigt, und zwar in Sitzlängsrichtung im mittleren Bereich des
Sitzes 16 (Fig. 1).
Die Kurbelwelle 9 ist kürzer ausgebildet als die Breite des
Sitzes, sodass die Kurbelarme 14, 15 und die Koppelstangen
22, 23 einschließlich der Kugelgelenke 20, 21, 24, 25 nicht
über den Sitz 16 seitlich vorstehen, also den Patienten beim
Reiten nicht behindern. Die Kurbelarme 14, 15 sind gleich
lang ausgebildet, desgleichen die Koppelstangen 22, 23. Eben
so sind die Kugelgelenke 24, 25 in gleicher Höhe und auch in
Sattellängsrichtung mit gleichem Abstand an dem Sitz 16 befe
stigt.
Wie in Fig. 1 dargestellt, weisen die sich von unten nach
oben erstreckenden Koppelstangen 22 jeweils einen Längs
schlitz 26 auf, der zusammen mit einem Dorn 27, 28, der an
dem Seitenteil 4 bzw. 5 des Gestells 2 befestigt ist und in
den Längsschlitz 26 eingreift, eine Kulissenführung bildet.
In Fig. 3a) bis 3d) ist zu sehen, wie der Sitz 16 um die
Sitzlängsachse 30 auf und ab gekippt wird. Fig. 3a) stellt
dabei die Sitzposition gemäß Fig. 2 dar, in der der linke
Kurbelarm 15 nach oben und der rechte Kurbelarm 14 nach unten
gerichtet ist, während in Fig. 3b) der linke Kurbelarm 15
nach vorne und der rechte nach hinten, in Fig. 3c) der linke
nach unten und der rechte nach oben und Fig. 3d) der linke
nach hinten und der rechte nach vorne geschwenkt ist.
In Fig. 4a) bis 4d) ist gezeigt, wie der Sitz um die Hoch
achse 31 gedreht wird, wobei in Fig. 4a) die Kurbelarme 14,
15 die Position gemäß Fig. 3a) einnehmen, gemäß Fig. 4b)
die Position gemäß Fig. 3b), gemäß Fig. 4c) die Position
gemäß Fig. 3c) und gemäß Fig. 4d) die Position gemäß 3d).
Der Sitz 16 wird während eines Kurbelwellenumlaufs gemäß
Fig. 4a) bis 4d) um die Hochachse 31 um den Winkel 2α ge
schwenkt, und gemäß Fig. 5a) bis 5d) um die Längsachse 30 um
den Winkel 2β.
Ohne Kulissenführung der Koppelstangen 22, 23, also wenn der
Dorn 27, 28 nicht in die Längsschlitze 26 der Koppelstangen
22, 23 eingreifen würde, würden die Kugelgelenke 24, 25 in
der Seitenansicht bei einem Umlauf der Kurbelwelle 9 einen
Kreis beschreiben, d. h. der Winkel α würde dann dem Winkel β
entsprechen.
Während ein größerer Winkel α nicht stört, wird ein größerer
Winkel β als störend empfunden.
Durch die Kulissenführung der Koppelstangen 22, 23 wird er
reicht, dass der Winkel β kleiner als der Winkel α ist. Damit
beschreiben die Kugelgelenke 24, 25 in der Seitenansicht bei
einem Umlauf der Kurbelwelle 9 jeweils eine Ellipse, wie in
Fig. 5a) und 5b) dargestellt, und zwar in gegenläufiger
Richtung.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann in vielfältiger Weise
modifiziert werden. Beispielsweise können die Koppelstangen
22, 23 auch weggelassen werden, d. h. die Kurbelarme 14, 15
über Kugelgelenke direkt an der einen bzw. an der anderen
Seite des Sitzes 16 angreifen. Auch ist es möglich, nur in
einer Koppelstange 22 einen Längsschlitz 26 vorzusehen, in
die ein Dorn 27 eingreift.
Auch kann der Sitz 16 z. B. mit Federn, gummielastischen Seil
zügen oder dergleichen an seinen vier Ecken mit der Basis 1
abgespannt sein.
Claims (8)
1. Hippotherapie-Gerät mit einem kippbar gelagerten Sitz,
einer von einem Motor angetriebenen Kurbelwelle mit zwei
Kurbelarmen, die an der einen bzw. anderen Seite des
Sitzes angelenkt sind, und einem Gestell, an dem die
Kurbelwelle gelagert ist, dadurch gekennzeichnet, dass
sich der Sitz (16) zur kippbaren Lagerung über ein Gelenk
am Gestell (2) abstützt, und die beiden Kurbelarme (14,
15) der Kurbelwelle (9) entgegengesetzt gerichtet und über
Gelenke mit den Seiten des Sitzes (16) verbunden sind.
2. Gerät nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der
Sitz (16) sattelartig gewölbt ausgebildet ist und sich die
Seiten des Sitzes (16) über das Gelenk, mit dem sich der
Sitz (16) am Gestell (2) abstützt, nach unten erstrecken.
3. Gerät nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
jeder Kurbelarm (14, 15) mit der einen bzw. anderen Seite
des Sitzes (16) über eine Koppelstange (22, 23) verbunden
ist, wobei jede Koppelstange (22, 23) über einem Gelenk
mit dem Kurbelarm (14, 15) und/oder an dem Sitz (16)
verbunden ist.
4. Gerät nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass das Gelenk, mit dem der Sitz (16)
sich am Gestell (2) abstützt und/oder das Gelenk, mit
denen die Kurbelarme (14, 15) an den beiden Seiten des
Sitzes (16) angelenkt sind und/oder die Gelenke, mit denen
die Koppelstange (22, 23) an dem Kurbelarm (14, 15)
und/oder an dem Sitz (16) angelenkt ist, ein Gelenk mit
mindestens vier Freiheitsgraden ist.
5. Gerät nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das
Gelenk mit mindestens vier Freiheitsgraden ein Kugelgelenk
(17; 20, 21; 24, 25) ist.
6. Gerät nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die
Koppelstange (22, 23) zur Reduzierung der Kippbewegung des
Sitzes (1) um die Sitzlängsachse (30) durch eine Kulisse
geführt ist.
7. Gerät nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die
Kulisse durch eine Längsausnehmung (26) der Koppelstange
(22, 23) und einen Dorn (27, 28) gebildet wird, der an dem
Gestell (2) befestigt ist und in die Längsausnehmung (26,
27) eingreift.
8. Gerät nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass die vier Ecken des Sitzes (16) an dem
Gestell (2) federnd abgespannt sind.
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|---|---|---|---|---|
| DE202012102728U1 (de) | 2012-07-20 | 2012-08-30 | Felss Gmbh | Therapiegerät zur Durchführung reittherapeutischer Behandlungen |
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2000
- 2000-09-15 DE DE2000145676 patent/DE10045676C2/de not_active Expired - Fee Related
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| DE10045676A1 (de) | 2002-04-04 |
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