Die Erfindung bezieht sich auf ein Einspritzaggregat für
eine Spritzgießmaschine von der im Oberbegriff des Patent
anspruchs 1 angegebenen Art.
Ein derartiges Einspritzaggregat ist aus der DE 43 44 335 C2
bekannt. Bei diesem bekannten Aggregat sind zwei Hohl
wellenmotoren vorgesehen. Zum Drehen der Schnecke (Plasti
fizieren) dient ein Dosiermotor, welcher in Eingriff mit
einer Verzahnung der Antriebswelle der Schnecke steh. Um
eine Axialverschiebung der Antriebswelle, die am Einspritz
motor als Spindel ausgebildet und mit einer Spindelmutter
in Verbindung steht, zu verhindern, muß der Einspritzmotor
mit der gleichen Drehzahl wieder Dosiermotor laufen. Der
verfahrensspezifisch erforderliche Staudruck wird über eine
einstellbare Drehmomentgrenze am Einspritzmotor bewirkt.
Sobald die Drehmomentgrenze erreicht ist, stellt sich zwi
schem dem Dosiermotor und dem Einspritzmotor eine Drehzahl
differenz ein, und der axiale Rücklauf der Schnecke stellt
sich durch gezieltes Gegenhalten ein. Zum Einspritzen hält
der Dosiermotor die Antriebswelle drehfest, und der Ein
spritzmotor leitet die axiale Verschiebung der Schnecke ü
ber die Spindelmutter ein. Nachteilig erweist sich hierbei,
daß das eingeleitete Drehmoment des Einspritzmotors zum
Einspritzen vom Dosiermotor in Gegenrichtung bei Drehzahl 0
gehalten werden muß. Dieses hat Nachteile hinsichtlich der
thermischen Auslastung dieses Motors. Jede Betriebsart des
Einspritzaggregats erfordert den Betrieb und das Einschal
ten beider Motoren, mit einem dadurch bedingten hohen Ener
gieverbrauch der Maschine. Obwohl beim Einspritzen beide
Motoren eingeschaltet sind, wird nur die Leistung des Ein
spritzmotors an der Schnecke wirksam.
Ein Einspritzaggregat mit konstruktiv anderem Aufbau und
koppelbaren Motoren ist aus der DE 35 05 880 C2 bekannt.
Die DE 198 31 482 C1 zeigt ein Einspritzaggregat gemäß dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Einspritzag
gregat der Eingangs genannten Art so weiterzuentwickeln,
daß bei gleicher Motorleistung die Einspritzleistung erhöht
werden kann oder bei gleicher Einspritzleistung die Ausle
gung der Motoren reduziert werden kann.
Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt durch ein Einspritzaggre
gat mit den in Patentanspruch 1 angegebenen Merkmalen und
durch ein Verfahren zum Betreiben eines Einspritzaggregats
mit den im Patentanspruch 10 angegebenen Merkmalen; die
weiteren Patentansprüche betreffen vorteilhafte Weiterent
wicklungen der Erfindung.
Erfindungsgemäß ist zwischen den Wellen der beiden Motoren
eine lösbare Kupplungsvorrichtung vorgesehen, und die Welle
des ersten Motors ist mit der Antriebswelle für die Schne
cke über eine lösbare Kupplungsvorrichtung verbunden. Auf
diese Weise können die Motoren zum Drehen und zum Verschie
ben der Schnecke unabhängig voneinander betrieben werden,
indem die erste Kupplungsvorrichtung gelöst wird und die
zweite Kupplungsvorrichtung geschlossen wird. Für das Ein
spritzen können beide Motoren miteinander gekoppelt werden,
wobei die zweite Kupplungsvorrichtung gelöst wird, so daß
die Leistung beider Motoren für den Einspritzvorgang zur
Verfügung steht.
Vorzugsweise ist die Antriebwelle der Spindelmutter in ei
ner lösbaren Bremse geführt, die eine translatorische Bewe
gung der Antriebswelle zuläßt, eine rotatorische Drehung
aber bei Bedarf verhindert. Durch die Bremse wird für den
Einspritzvorgang eine Drehmomentenabstützung zur Verfügung
gestellt.
Bevorzugte Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand
der beifügten Zeichnungen erläutert:
Fig. 1 zeigt einen schematischen Längsschnitt durch den An
triebsteil eines Einspritzaggregates einer Spritz
gießmaschine gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel,
und
Fig. 2 eine der Darstellung der Fig. 1 entsprechende Dar
stellung eines zweiten Ausführungsbeispiels.
Fig. 1 zeigt die rückwärtigen Teilstücke des Schneckenzy
linders 15 und der darin gelagerten Schnecke 5 einer an
sonsten nicht näher dargestellten Spritzgießmaschine. Der
Schneckenzylinder 5 ist an einem Gehäuse 12 angeordnet, an
dem ein erster Motor 1 (Einspritzmotor) und ein zweiter Mo
tor 2 (Dosiermotor), die als Hohlwellenmotoren ausgebildet
sind, befestigt sind. Die Schnecke 5 ist mit einer An
triebswelle 7 fest verbunden, die einerseits ein Spindelge
winde für den Translationsantrieb, andererseits einen An
triebszapfen 16 für den Rotationsantrieb aufweist. Eine
Spindelmutter 6 ist mit der Hohlwelle (Antriebswelle) 13
des ersten Hohlwellenmotors 1 verbunden.
Der Antriebszapfen 16 der Antriebswelle 7 ist mit Axialnu
ten versehen und erstreckt sich in ein Hohlwellenelement
10, das ebenfalls Axialnuten aufweist. Das Hohlwellenele
ment 10 ist über eine lösbare Kupplungsvorrichtung 9 mit
der Hohlwelle (Antriebswelle) 3 des zweiten Motors verbun
den.
Zwischen den Hohlwellen 13 und 3 des ersten bzw. des zwei
ten Motors ist eine lösbare Kupplungsvorrichtung 8 vorgesehen,
und die Hohlwellen 13, 3 und das Hohlwellenelement 10
sind am Gehäuse drehbar gelagert.
Das Hohlwellenelement 10 erstreckt sich bis in eine außer
halb des Gehäuses 12 vorgesehene Bremse 11. Die Bremse ver
hindert bei Bedarf eine Drehung des Antriebszapfens 16, wo
bei aber eine translatorische Bewegung des Antriebszapfen
16 in dem Hohlwellenelement 10 zugelassen wird.
Durch Zusammenschalten des Einspritzmotors 1 und des Do
siermotors 2 beim Einspritzen können die Nachteile des Ein
gangs beschriebenen Standes der Technik behoben werden.
Insbesondere kann entweder die Einspritzleistung erhöht
werden, oder bei gleicher erforderlicher Einspritzleistung
können der Einspritzmotor und der dazugehörige Umrichter
kleiner dimensioniert werden. Dementsprechend sinken bei
gleichen Leistungsdaten die Kosten und der Energieverbrauch
des Einspritzaggregats.
Erfindungsgemäß werden die oben beschriebenen Merkmale da
durch realisiert, daß beim Einspritzen die Kupplungsvorich
tungen zwischen der Antriebswelle 3 des Dosiermotors 2 und
der Antriebswelle 7 der Spindel gelöst wird und gleichzei
tig die Hohlwelle 3 des Dosiermotors 2 und die Hohlwelle 13
des Einspritzmotors 1 gekoppelt werden.
Vorteilhafterweise ist der Dosiermotor links- und rechts
stehend ausgeführt, wobei die Kupplungsvorrichtung 8 beim
Einspritzen zwischen der Hohlwelle 3 und der Hohlwelle 13
entweder schaltbar oder in Drehrichtung des Dosiermotors 2
selbstständig sperrend ausgeführt ist.
Dabei erfolgt eine drehfeste Verbindung der Motoren 1 und
2, und die Drehmomente beider Motoren können in die Spin
delmutter 6 eingeleitet werden, die die axiale Verschiebung
der Schnecke 5 bewirkt, gleichzeitig erforderlich ist das
Lösen der Verbindung zwischen der Hohlwelle 3 des Dosiermotors
und dem Hohlwellenelement 10 über die in der entspre
chenden Drehrichtung öffnende Kupplungsvorrichtung 9; die
Kupplungsvorrichtung 9 kann auch schaltbar ausgelegt sein.
Die Drehmomentabstützung erfolgt durch das rotatorische
Festhalten der Welle 7 bzw. des Antriebszapfens 16 über die
Bremse 11 am Gehäuse 12 des Aggregats.
Der Vorgang des Plastifizierens erfolgt umgekehrt durch Lö
sen der Bremse 11, Sperren der Kupplungsvorrichtung 9 und
Lösen des Kupplungsvorrichtung 8.
Der verfahrensspezifische Staudruck wird wie oben beschrie
ben durch die einzustellende Drehmomentgrenze des Ein
spritzmotors geregelt. Das aktive Zurückziehen der Schnecke
im Wartungsfall erfolgt durch Lösen der Bremse 11 und Dre
hen des Einspritzmotors 1 in Gegenrichtung.
Fig. 2 ist eine erweiterte Ausführung des Lösungsprinzips.
Zwischen der Hohlwelle 13 des Einspritzmotors und der Spin
delmutter 6 ist eine Kupplungsvorrichtung 14 vorgesehen,
und durch gezieltes Lösen oder Festhalten der Verbindung
über die Kupplungsvorrichtung 14 wird ein völlig unabhängi
ges Betreiben der beiden Motoren ermöglicht. Alle vorge
nannten Vorteile des ersten Ausführungsbeispiels sind auch
bei dieser Lösung vorhanden. Die Funktion ist die gleiche
wie im Ausführungsbeispiel der Fig. 1, mit dem Unter
schied, daß zum Plastifizieren und zum Einstellen des Stau
drucks der Einspritzmotor 1 mit dem Dosiermotor 2 nicht
mitdrehen muß, da die Spindelmutter 6 mit der Spindel leer
mitdrehen kann. Grundsätzlich ist bei diesem Ausführungs
beispiel auch der gemeinsame Einsatz beider Motoren für das
Plastifizieren möglich.
Bei beiden Ausführungsformen ist schematisch an der An
triebswelle 7 für die Schnecke 5 ein Dehnungssensor 17 vor
gesehen. Dieser Sensor erfaßt eine Dehnung bzw. Stauchung
des Materials der Antriebswelle 7 und erlaubt, nach einer
entsprechenden Kalibrierung, einen Rückschluß auf den Ein
spritzdruck in der Schnecke 5. Vorzugsweise ist der Sensor
17 über eine nicht dargestellte elektrische Verbindung mit
einer Steuervorrichtung (nicht dargestellt) verbunden, so
daß über den Sensor 17, die Steuervorrichtung und die bei
den Motoren der Einspritzdruck in der Schnecke genau gere
gelt werden kann.
Vorzugsweise ist der Sensor 17 in Form eines Dehnungs
meßstreifens ausgebildet, und der Sensor 17 kann vor der
Verbindung zwischen der Antriebswelle 7 und der Schnecke 5,
in dieser Verbindung oder hinter der Verbindung zwischen
der Schnecke 5 und der Welle 7 angeordnet sein.