DE10018285A1 - Splittergefechtskopf - Google Patents
SplittergefechtskopfInfo
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Abstract
Ein Splittergefechtskopf weist neben der Zündeinrichtung zur detonativen Initiierung gegebenenfalls eine weitere deflagrative Initiierung bzw. detonativ umsetzbare Ladung auf, die der Detonationsfront entgegengerichtet angeordnet ist, womit die Leistung der Sprengladung zielabhängig auf beliebige Werte unter der Maximalleistung eingestellt werden kann. Darüber hinaus ist die splitterbildende äußere Hülle des Gefechtskopfes so ausgebildet, dass sie als Ganzes oder teilweise gegenüber der Sprengladung verschoben werden kann, um Kolateralschäden zu mindern oder zu vermeiden und um bedarfsweise die Splitterleistung in Zielrichtung zu erhöhen.
Description
Die Erfindung betrifft einen Splittergefechtskopf mit einer von einer splitter
bildenden Hülle umgebenen Sprengladung, welche gegenläufig zur Einleitung
der detonativen Initiierung mit Hilfe eines oder mehrerer detonativer Mittel
mit niedriger Leistung kontrolliert in ihrer Wirkung verminderbar oder zerstör
bar ist.
Das Einsatzfeld heutiger Gefechtsköpfe verändert sich zunehmend. Es werden
immer öfter Ziele in urbaner Umgebung ausgewählt, um die gegnerische Inf
rastruktur zu schwächen. Diese Ziele ze ichnen sich durch extreme Nähe zu
zivilen und anderen Einrichtungen aus, die nicht oder nur wenig beschädigt
werden sollen. Da die bevorzugte Wirkrichtung bauartbedingt vorgegeben ist,
bleibt als Möglichkeit zur Reduzierung der Schäden in der Zielumgebung zu
nächst nur die Beeinflussung der Leistung des Gefechtskopfes. Ein Splitterge
fechtskopf wirkt üblicherweise radial zu seiner Hauptachse, die erzielbare
Wirkung hängt von der Art der erzeugten Splitter ab.
Es ist aus einer älteren, nicht vorveröffentlichten Anmeldung der gleichen
Anmelderin bekannt, die Leistung eines Gefechtskopfes dadurch kontrolliert
zu vermindern, dass der detonativen Initiierung eine deflagrative Initiierung
entgegengesetzt wird. Damit lässt sich die Leistung der gegenüber den bishe
rigen Ausführungen unveränderten Sprengladung des Gefechtskopfes zwi
schen 0 und 100% einstellen. Es ist jedoch bisher offen geblieben, in welcher
Weise auch die splitterbildende Hülle, welche die Sprengladung radial umgibt,
mit in die kontrollierte Leistungsminderung einbezogen werden kann.
Es ist Aufgabe der Erfindung, zusätzlich zur detonativen oder zur deflagrativen
Initiierung der Sprengladung eine ebenso wirksame Methode zur kontrollierten
Leistungsreduzierung der splitterbildenden Hülle eines Gefechtskopfes
anzugeben.
Die Aufgabe wird in einfacher Weise durch die in den Ansprüchen 1 und 8
wiedergegebenen Merkmale gelöst. Vorteilhafte Ausführungen der Erfindung
sind in den jeweils nachgeordneten Ansprüchen beschrieben.
Der besondere Vorteil der Erfindung besteht darin, dass nach der Verschie
bung oder Verdrehung wenigstens eines Teils der splitterbildenden Hülle des
Gefechtskopfes einerseits dort die Splitterwirkung entfällt andererseits eine
sich entwickelnde Deflagration dahingehend unterstützt wird, dass bei einer
fehlenden Verdämmung die Wahrscheinlichkeit für den Übergang zu einer De
tonation verringert wird. Unverdämmte Ladungen zerlegen sich bei beginnen
der Reaktion aufgrund der sich bildenden Gase und Drücke schneller und
können somit nicht mehr in eine Detonation übergehen.
Deflagrierende Ladungen erzeugen auch Druckwellen, die Splitterhüllen zer
legen können. Die Geschwindigkeit, die Größe und die ballistische Leistung
dieser Splitter ist zwar weitaus geringer als bei einer Detonation, aber es
kommt dennoch zu einer Art unerwünschtem Trümmerwurf. Mittels der Ver
schiebung/Verdrehung der splitterbildenden Hülle wird vorteilhafterweise der
Trümmerwurf unterbunden und die ungewollte kolaterale Leistung der
Sprengladung weiter reduziert.
Mittels Verschiebung von mindestens einem Sektor der splitterbildenden
Hülle und mittels gezielter Zündung einzelner Sprengstoffsektionen kann die
Splitterleistung in Zielrichtung erhöht und gleichzeitig die verbleibende
Blastleistung in Kolateralrichtung vermindert werden.
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung schematisch ver
einfacht dargestellt und werden nachfolgend näher beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 einen Schnitt durch eine Sprengladung mit einer verschiebbaren
splitterbildenden Hülle mit detonativer (2) und deflagrativer (3) Ini
tiierung,
Fig. 2 alternative Ausführungen verschiebbaren Sektoren der splitterbil
denden Hülle und mit detonativer Initiierung (2),
Fig. 3 eine Variante zu Fig. 2 mit einzeln ansteuerbarer Zündung von
Sprengladungssektoren.
Die Fig. 1 zeigt stark vereinfacht einen Schnitt durch die Sprengladung 1 ei
nes Gefechtskopfes. Die Sprengladung besteht hierbei homogen oder ge
schichtet aus einem bekannten Sprengstoff und wird über eine konventionelle
Zündkette 2, die im Ausführungsbeispiel zweistufig ausgeführt ist und in der
Zeichnung an der rechten Stirnseite angeordnet ist, detonativ initiiert. Die
Sprengladung 1 ist von einem dünnen Mantel 6 aus Metall oder Kunststoff
umgeben. Auf der Außenseite des Mantels ist eine umlaufende splitterbilden
de Hülle 4 vorgesehen. Die Hülle zerlegt sich je nach ihrer Bauweise bei der
Detonation der Sprengladung in kleinere, mittlere oder größere Splitter, die
radial beschleunigt werden.
Im Fall der alleinigen Initiierung der Sprengladung 1 durch die Zündkette 2
und ohne Einleitung weiterer Maßnahmen zur Leistungsbeeinflussung wird die
gesamte Ladung detonativ umgesetzt und die gesamte Hülle 4 wird als sich
radial ausbreitende Splitterwolke wirksam werden. Im Ausführungsbeispiel ist
der Zündkette 2 eine weitere deflagrative Zündkette 3 an der gegenüberlie
genden Stirnseite der Sprengladung 1 entgegengerichtet. Alternativ kann
auch eine Splitter- oder Projektbildende Ladung, die in Achsrichtung wirkt
(z. B. eine oder mehrere kleine Hohlladungen), eingesetzt werden, die dann
den Teil der Ladung 1, der nicht von der Hülle 4 bedeckt ist, mechanisch ent
fernt. Der beispielsweise vom Stachel der Hohlladung 3 beeinflusste Anteil
der Sprengladung 1 wird nur soweit mechanisch zerlegt oder zermürbt, dass
er selbst bei anschließender detonativer Initiierung durch die Zündkette 2
nicht mehr detonativ reagiert. Bei beispielsweise etwa gleichzeitiger Initiie
rung der Zündkette 2 und der weiteren Ladung 3 laufen die erzeugten Deto
nations- bzw. Wirkungsfronten aufeinander zu und treffen sich etwa in der
Mitte der Sprengladung 1 bei der gestrichelt dargestellten Linie 5. Der rechte
Teil der Sprengladung 1 wird detonativ umgesetzt. Der linke Teil ist infolge
der Wirkung der Hohlladung 3 detonativ unwirksam. Durch zeitliche Abstim
mung zwischen der detonativen Initiierung durch Zündkette 2 und der de
flagrativen Initiierung oder mechanischen Zerlegung durch die Zündket
te/Ladung 3 lässt sich eine frei wählbare Leistung des Gefechtskopfes von 0
bis 100% einstellen.
Zur Vermeidung von Kolateralschäden oder zur Anpassung der Wirkung der
erzeugten Splitter des Gefechtskopfes kann gemäß der Erfindung die splitter
erzeugende Hülle 4 gegenüber der Sprengladung derart verschoben oder ver
dreht werden, dass ein zwischen 0 und 100% wählbarer Anteil der splitterbil
denden Hülle wirksam wird. In der Regel wird die splitterbildende Hülle 4 so
weit verschoben, dass nur der über dem detonativ umgesetzten Anteil der
Sprengladung (rechts der gestrichelten Linie 5) befindliche Teil der splitterbil
denden Hülle 4 wirksam bleibt. Der deflagrativ sich abbauende oder mecha
nisch zerlegbare Teil der Sprengladung wird hierbei unterstützt, da dieser sich
unverdämmt leichter mechanisch entfernen lässt und auch nicht dazu neigt,
in eine detonative Umsetzung überzugehen.
Die Verschiebung der splitterbildenden Hülle 4 im Ausführungsbeispiel kann
zu verschiedenen Zeitpunkten und mit Hilfe unterschiedlicher Antriebsmittel
erfolgen. Es ist denkbar, bereits vor dem Start des den Gefechtskopf tragen
den Fluggeräts beispielsweise manuell eine entsprechende Voreinstellung
auszuführen. Während des Fluges zum Ziel kann die Verschiebung beispiels
weise mit Hilfe einer vorgespannten Federeinrichtung bis zum gewünschten
Grad der Verschiebung durchgeführt werden. Soll die Verschiebung erst in
Zielnähe ausgeführt werden, so ist die Verwendung eines motorischen Antrie
bes, insbesondere eines Elektromotors oder Schrittmotors, sinnvoll. Für sehr
schnelle Bewegung der splitterbildenden Hülle eignen sich pyrotechnische
Antriebe wie Gasgeneratoren, Treibladungen oder auch detonativ umsetzbare
Sprengladungen.
Es ist für eine Reihe von Anwendungsfällen sinnvoll, die gesamte Hülle 4 über
der Sprengladung zu verschieben oder mit einer schraubenförmigen Bewe
gung zu verdrehen und gleichzeitig neu zu positionieren. Ebenso gut kann
auch nur ein ringförmiger Teil der Hülle 4 verschoben oder verdreht werden.
Schließlich ist es gemäß Fig. 2 und 3 vorteilhaft, einen oder mehrere von die
Hülle unterteilenden Sektoren 4a zu verschieben. Damit lässt sich in azimu
taler Richtung die Wirkung der erzeugten Splitter dosieren. In diesem Anwen
dungsfall wird die homogene Ladung 1 nur mit einer detonativen Zündkette 2
ausgestattet. Im Extremfall wird nur ein Sektor der Hülle über der Sprengla
dung belassen, wodurch die Splitterwirkung sich auf einen engen Winkelbe
reich beschränkt. Hiermit lässt sich auch eine gezielte Initiierung der den Sek
toren der Hülle 4 zugeordneten Teilbereiche der Sprengladung 1 gemäß Fig.
3 vorteilhaft verbinden. Hier wird die detonative Zündkette 2 ersetzt durch
eine Sicherungsvorrichtung 2a. Ausgehend von dieser gemeinsamen Siche
rungsvorrichtung 2a werden jeweils den Teilbereichen der Sprengladung 1
zugeordnete Zündleitungen 2b mit jeweils eigenen Zündketten 2c, bestehend
aus einem Detonator und einem Zündverstärker, verwendet. Auf diese Weise
erhöht sich die Splitterleistung in Zielrichtung und es vermindert sich gleich
zeitig die verbleibende Blastleistung in der Kolateralrichtung.
Claims (10)
1. Splittergefechtskopf mit einer von einer splitterbildenden Hülle (4) um
gebenen Sprengladung (1), welche gegenläufig zur Einleitung der detonativen
Initiierung (2) mit Hilfe eines oder mehrerer detonativer Mittel (3) mit niedri
ger Leistung kontrolliert in ihrer Wirkung verminderbar oder zerstörbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die gesamte splitterbildende Hülle (4) ge
genüber der Sprengladung (1) verschiebbar und /oder verdrehbar angeordnet
ist oder dass wenigstens ein ringförmiger Teil der splitterbildenden Hülle (4)
gegenüber der Sprengladung (1) verschiebbar und /oder verdrehbar ange
ordnet ist und/oder dass wenigstens ein sektorförmiger Teil (4a) der splitter
bildenden Hülle gegenüber der Sprengladung verschiebbar ist.
2. Splittergefechtskopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
der mittels Verschieben (7) und/oder Verdrehen wenigstens eines Teils der
splitterbildenden Hülle (4) freigelegte Anteil (1a)der Sprengladungsoberfläche
mit dem mittels Deflagration umgesetzten Anteil der Sprengladung (1) über
einstimmt.
3. Splittergefechtskopf nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn
zeichnet, dass die Verschiebung/Verdrehung (7) wenigstens eines Teils der
splitterbildenden Hülle (4) vor dem Start oder Abwurf des den Gefechtskopf
tragenden Fluggeräts erfolgt.
4. Splittergefechtskopf nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn
zeichnet, dass die Verschiebung/Verdrehung (7) wenigstens eines Teils der
splitterbildenden Hülle (4) während der Anflugphase auf ein Ziel erfolgt.
5. Splittergefechtskopf nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des zu verschiebenden/verdrehenden
Teils der splitterbildenden Hülle (4, 4a) über ein vorge
spanntes System erfolgt.
6. Splittergefechtskopf nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des zu verschieben
den/verdrehenden Teils der splitterbildenden Hülle (4, 4a) über mindestens
einen Motor, insbesondere über einen Elektromotor, erfolgt.
7. Splittergefechtskopf nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des zu verschieben
den/verdrehenden Teils der splitterbildenden Hülle (4, 4a) mit Hilfe pyrotech
nischer Mittel erfolgt.
8. Splittergefechtskopf mit einer von einer splitterbildenden Hülle (4)
umgebenen Sprengladung (1), welche eine zur Einleitung der detonativen Ini
tiierung geeignete Zündkette (2) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass
die gesamte splitterbildende Hülle (4) gegenüber der Sprengladung (1) ver
schiebbar und/oder verdrehbar angeordnet ist oder dass wenigstens ein
ringförmiger Teil der splitterbildenden Hülle (4) gegenüber der Sprengladung
(1) verschiebbar und/oder verdrehbar angeordnet ist und/oder dass wenigs
tens ein sektorförmiger Teil (4a) der splitterbildenden Hülle (4) gegenüber der
Sprengladung (1) verschiebbar ist.
9. Splittergefechtskopf nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
dass die Sprengladung (1) mit Hilfe mehrerer gezielt ansteuerbarer Zündein
richtungen (2b, 2c) initiierbar ist.
10. Splittergefechtskopf nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet,
dass die Zündeinrichtungen (2b, 2c) über eine gemeinsame Sicherungsvor
richtung (2a) ansteuerbar sind.
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