DE10014813A1 - Verfahren und Vorrichtung zum lagegerechten Aufwickeln eines gewalzten Warmbandes in einer Haspelvorrichtung - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum lagegerechten Aufwickeln eines gewalzten Warmbandes in einer HaspelvorrichtungInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum lagegerechten Aufwickeln eines Metallbandes in einer Haspelvorrichtung, wobei das Warmband über eine Treibvorrichtung mit Treibrollen der Haspelvorrichtung zugeführt wird, über einen Regler die Treibrollen mittels Stellgliedern für eine Veränderung des Treibrollenspaltes zueinander neigbar sind und dem Regler als Meßgröße und als Soll-Führungsgröße die Lage der Kante des Warmbandes vor der Treibvorrichtung zugeführt wird, wobei eine Optimierung des Wickelergebnisses des Walzbandcoils dadurch erreicht wird, daß die Oberflächengeometrie des Walzbandes als Meßgröße ermittelt und dem Regler zugeführt wird.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum lagegerechten Aufwickeln eines
Metallbands insbesondere eines gewalzten Warmbandes in einer Haspelvor
richtung, wobei das Warmband über eine Treibvorrichtung mit Treibrollen der
Haspelvorrichtung zugeführt wird, über einen Regler die Treibrollen mittels
Stellgliedern für eine Veränderung des Treibrollenspaltes und der hierdurch
bedingten Beeinflussung der seitlichen Lage des Warmbandes relativ zu
einander neigbar sind und dem Regler als Messgröße und als Soll-Füh
rungsgröße die Lage der Kante des Warmbandes vor der Treibvorrichtung
zugeführt wird.
Weiterhin bezieht sich die Erfindung auf eine Vorrichtung zum lagegerechten
Aufwickeln eines gewalzten Warmbandes in einer Haspelvorrichtung, mit
einer der Haspelvorrichtung das Warmband zuführenden Treibvorrichtung
mit Treibrollen, mit Stellgliedern und einem Regler hierfür für eine Verände
rung des Treibrollenspaltes und der hierdurch bewirkten Beeinflussung der
seitlichen Lage des Warmbandes und mit einer Messvorrichtung zur Ermitt
lung der Lage der Kante des Warmbandes vor der Treibvorrichtung, deren
Messwerte dem Regler zugeführt werden.
Es ist allgemein bekannt, dass beim Warmbandwalzen das fertiggewalzte
Warmband nach dem Auslaufen aus dem letzten Gerüst der Fertigstraße
vom Auslaufrollgang durch eine Kühlstrecke, vorzugsweise ein System von
Spritzwasserdüsen, zu einer Haspelvorrichtung transportiert wird. Von der
Haspelvorrichtung wird das Warmband zu Bunden (Coils) aufgewickelt. Im
Bereich vor der Haspelvorrichtung kann das Warmband auf dem Auslaufroll
gang durch hydraulisch seitlich an die Bandkanten anstellbare Seitenfüh
rungslineale geführt werden, um das gewalzte Warmband für das Einlaufen
in die Haspelvorrichtung auszurichten. Entsprechend sind die Seitenführungslineale
während des Haspelvorganges im Kontakt mit den Bandkanten
des Warmbandes.
Am Ende des Auslaufrollganges ist eine Treibvorrichtung angeordnet, die im
wesentlichen aus einer unteren Treibrolle, die im Gestell der Haspelvorrich
tung gelagert ist, und einer oberen Treibrolle besteht, die in einer Treiber
schwinge gelagert ist. Die obere Treibrolle ist über Hydraulikzylinder zur Ein-
und Verstellung des Spaltes zwischen den Treibrollen verschwenkbar. Mit
dem Ziel einer Bandlaufstabilisierung werden vorrangig bombierte untere
Treibrollen oder auch Treibrollen mit zylindrischem Mittelteil und jeweils koni
sche Rollenenden verwendet. Die wesentlichen Funktionen der Treibvor
richtung einschließlich deren Antriebe sind, den von der Fertigstraße kom
menden Anfang des Walzbandes strammzuziehen, die einlaufende Band
spitze in Richtung der Haspelvorrichtung zu leiten und den Rückzug gegen
die Haspelvorrichtung während des Wickelvorganges zu gewährleisten.
Die wesentlichen Komponenten der Haspelvorrichtung sind ein spreizbarer
Dorn zum Aufwickeln des Walzbandes, Andrückrollen und Führungsschalen
zur Führung des Walzbandes während des Wickelvorganges sowie ein
Dornantrieb. Das freie Dornende (Coilabziehseite) wird im allgemeinen beim
Haspeln durch ein einschwenkbares Dornlager unterstützt.
Zur Einleitung des Wickelvorganges wird die von dem Fertiggerüst kom
mende Spitze des Warmbandes von dem Treibrollenpaar aus der Ebene des
Auslaufrollganges nach unten zum Wickeldom hin abgelenkt. Dann führen
die Andrückrollen und die Führungsschalen der Haspelvorrichtung den Ban
danfang mehrere Male um den sich drehenden Dorn. Der Dorn besteht aus
mehreren Segmenten, die kurz nach dem Eintreffen der Bandspitze kontinu
ierlich gespreizt werden, bis das Band kraftschlüssig zu fest aufeinanderlie
genden Windungen gewickelt wird. Die wesentlichen Funktionen der Haspel
vorrichtung sind, die kraftschlüssige Verbindung von Bandanfang und Dorn
zu gewährleisten, das beim Wickeln entstehende Coil zu tragen und das
Band während das Wickelns mit definiertem Bandzug zu beaufschlagen.
Des Weiteren ist aus der deutschen Offenlegungsschrift DE 38 28 356 A1
bereits ein Verfahren zur Beeinflussung der Lage von Warmband, das über
ein Treibrollenpaar einer Haspelvorrichtung zugeführt wird, sowie eine
Treibvorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens bekannt. Bei diesem
Bandlageregelverfahren erfolgt die Bandführung für die Haspelvorrichtung
ausschließlich über eine asymmetrische Verstellung des Treibrollenspaltes
mittels einer schwenkbaren oberen Treibrolle. Hierfür ist die obere Treibrolle
in einer Treiberschwinge gelagert, die über eine hydraulische Anstellung und
Ausbalancierung verfügt. Auch ergibt sich hieraus, dass während des Has
pelvorganges die Seitenführungslineale geöffnet sind.
Die Stellwirkung dieser Treibvorrichtung in Bezug auf das Warmband beruht
auf einer örtlichen Verlagerung des Angriffspunktes der Bandzugkraft und
der daraus resultierenden ungleichförmigen elastischen Bandlängung (Bie
gung) infolge eines Verschwenkens der oberen Treibrolle. Ein Verschwen
ken der oberen Rolle führt zu einem einseitigen Öffnen des Treiberspaltes
und somit zu einer Verlagerung des Angriffspunktes der Andrückkraft, die die
Treibrollen auf das Band ausüben. Der Kraftangriffspunkt, der bei symmetri
schem Treiberspalt in der Anlagenmitte liegt, ist nun um einen Abstand aus
der Anlagenmitte in Richtung der nicht geöffneten Seite des Treiberspaltes
verlagert. Infolgedessen greift die aus dem Bremsmoment der Treibvorrich
tung resultierende Bandrückzugskraft ebenfalls im Abstand zur Anlagenmitte
an dem bis dahin noch mittig laufenden Band an. Aus dieser durch das
Schwenken/Neigen der oberen Treibrolle herbeigeführten Krafteinleitungssi
tuation resultiert ein auf das noch mittig laufende Band ausgeübtes Moment,
das eine elastische Querbiegung des Bandes verursacht. Infolge dieser
Bandverformung sind die Bandlängsfasern im Bereich der Treibvorrichtung
unter einem Winkel zur Anlagenmittelachse bzw. unter einem Winkel zu den
Treibrollenachsen orientiert. Somit tendiert ein reibschlüssig über eine Treibrolle
geführtes Band dazu, den Bahnkurven der Rollenmantelpunkte im
Kontaktbereich zu folgen. Das bedeutet im vorliegenden Fall, dass das Band
nicht etwa der Bandfaserlängsrichtung folgend durch die Treibvorrichtung
läuft, sondern dass der momentan im Kontaktbereich befindliche Bandpunkt
in Richtung des Rollenumfangsgeschwindigkeitsvektors an der Kontaktstelle
also in Richtung der Anlagenlängsachse transportiert wird. Daraus resultiert
eine Querverlagerung des Bandes in der Treibvorrichtung. Durch diese Ver
lagerung des Bandes tritt auch eine allmähliche Vergrößerung des Abstan
des zwischen dem Kraftangriffspunkt der Treiberrückzugskraft und dem
Zugmittelpunkt an der Bandauflaufstelle am Coil auf. Bei großer Neigung der
oberen Treibrolle wird jedoch der Abstand zur Anlagenmitte erheblich größer
sein als die auftretenden Bandquerverlagerungen, so dass der Einfluss der
daraus sich ergebenden Änderung des Abstandes zur Anlagenmitte ver
nachlässigt werden kann.
Das aus der vorgenannten deutschen Offenlegungsschrift DE 38 28 356 A1
bekannte Bandlageregelsystem besteht im wesentlichen aus einem Band
kantenerfassungssystem, einem Bandlageregler und einer hydraulischen
Anstellung der oberen Treibrolle mit Kraft- und Neigungsregelung. Die Be
einflussung der Bandlage erfolgt durch das Schwenken/Neigen der oberen
Treibrolle entsprechend den zuvor beschriebenen mechanischen Grundla
gen. Aus der momentanen Lage der Bandkante, die mittels einer Bandkan
tenabtastung erfasst wird, und dem Lage-Sollwert, der aus der Bandbreite
und den Anlagenabmessungen ermittelt wird, wird die Regeldifferenz für den
Bandlageregler gebildet. Ausgangsgröße des Bandlagereglers ist der Soll
wert der Treibrollenneigung, die für die Treibrollenanstellung vorgegeben
wird. Da bei geöffneten Seitenführungslinealen kein Kontakt zwischen den
Linealen und dem Band auftritt, werden sowohl der übliche Verschleiß der
Lineale als auch Bandkantenbeschädigungen durch die Seitenführungsli
neale vermieden.
Betriebsversuche haben gezeigt, dass die Bandführung durch die Treibvor
richtung bei geöffneten Seitenführungslinealen bei Warmwalzbändern bis zu
einer Dicke von etwa 5 mm grundsätzlich möglich ist. Jedoch wurden die
Qualitätsanforderungen an den Wickelzustand mit diesem Verfahren noch
nicht vollständig erfüllt. Die Kontur der Coilstirnfläche zeigte begrenzte aber
unzulässige Restwelligkeiten (Schwankungsbreite rd. ±10 mm). Beim Aus
fädeln aus dem Fertiggerüst treten Wickelabsätze auf. Maßgeblich für diese
Fehler, d. h. für das seitliche Ausscheren von Coil-Windungen, sind folgende
Ursachen:
Wesentlich für die Funktion der Treibvorrichtung als Stellglied für die Bandla
geregelung ist die Beeinflussung des Auslaufwinkels des Bandes (Winkel
zwischen Bandmittenlinie und Treibrollenachse). Bei gekrümmten Bändern
("Säbel-Form") hat der durch die Krümmung verursachte Winkel die Wirkung
einer Störgröße, d. h. der Winkel aus der Bandkrümmung wird bei der Erzeu
gung der Stellgröße nicht berücksichtigt und verfälscht diese in zunächst un
bekannter Größe.
Da der Ankerstrom der Treibrollenantriebe von der übergeordneten Antriebs
regelung gesteuert wird und somit auch begrenzt sein kann, ist bei Vorgabe
einer zu geringen Stromgrenze der resultierende Zug im Band zwischen dem
Dorn und der Treibvorrichtung die angestrebte Stellwirkung durch Schwen
ken der oberen Treibrolle, um das Band in die Sollposition zu treiben, nicht
erreichbar.
Auch tritt beim Ausfädeln des Bandes aus dem Fertiggerüst eine sprung
hafte Zugentlastung des Bandes auf, die Rutschvorgänge im Treiberspalt
verursachen kann und damit einen Wickelabsatz im Coil verursachen kann.
Ferner ist in der deutschen Patentschrift DE 197 09 992 C1 ein Verfahren
zum Messen der Oberflächengeometrie von Warmband unter Erzeugung
von Linien auf der Bandoberfläche mittels einer Lichtquelle beschrieben. Mit
diesem Verfahren soll ein einfaches und effektives Erfassen der Bandplan
heit ermöglicht werden, um diese für eine feinfühligere Regelung von Walz-
und Haspelparametern zu verwenden. Auf der Messoberfläche, dem Warm
band bzw. der Stirnfläche eines im Entstehen begriffenen Coils wird über
einen Diaprojektor ein Linienmuster projiziert, das über eine CCD-Kamera
(charge coupled device) erfasst wird. Der Projektor ist dabei oberhalb des
Warmbandes angeordnet und projiziert das Linienmuster in einem Winkel
zur Vertikalen auf die Oberfläche des Warmbandes, so dass sich die Linien
vorzugsweise quer zur Bandoberfläche erstrecken und somit die ganze
Bandbreite erfassen.
Die CCD-Kamera erfasst die quer über die Bandoberfläche verlaufenden
Linien. Bei einer absoluten Bandplanheit entsteht ein gleichmäßiges Muster
gerader Linien mit unverändertem Linienabstand. Abweichungen der
Bandoberfläche von der idealen Ebene bewirken eine Änderung des Linien
abstandes im Bereich der Unebenheit. Diese Änderung erfasst die Kamera
und lässt sich rechnerisch durch einen Vergleich mit einem Referenzmuster
auf einfache Weise in Höhendifferenzen umrechnen. In ähnlicher Weise wie
beim Planheitsmessen am laufenden Band, lässt sich mit Hilfe des Meßsy
stems die Planheit der Stirnflächen beim Haspeln überwachen. Die Stirnflä
che des sich im Haspel aufbauenden Coils entspricht dabei der Bandoberflä
che. Dieses Messverfahren ermöglicht eine schnelle Online-Ermittlung der
tatsächlichen Höhendifferenzen der Bandoberfläche und erlaubt so eine
Echtzeiterfassung und -regelung fortlaufender Bandabschnitte. Dies hat den
Vorteil, dass die Messergebnisse ein Anpassen der Walz- und/oder Haspel
parameter unmittelbar nach dem Auftreten einer Unebenheit erlauben. Auch
eine Querwölbung des Bandes ist hiermit zu bestimmen. Konventionelle
Meßsysteme erfassen lediglich die Bandfaserlänge. Die Messlinien lassen
sich zudem bezüglich ihrer Intensität und Liniendicke unterschiedlichen Be
dingungen anpassen.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass weiterhin beim Aufhaspeln von
Walzband infolge von Querbewegungen des aufzuhaspelnden Walzbandes
seitliche Ausscherungen von Coilwindungen auftreten, die zu unebenen
Stirnflächen des Coils führen. Im Zuge der weiteren Verarbeitung und Förde
rung derartiger Coils sind die hervortretenden Bandkanten anfällig für Be
schädigungen. Infolge dieser Beschädigungen können zusätzliche Kosten
bei der Weiterverarbeitung entstehen bzw. Erlösseinbußen auftreten. Dar
über hinaus ist die eingangs beschriebene konventionelle Führung des
Walzbandes beim Haspeln durch Seitenführungslineale mit einem relativ ho
hen Instandhaltungsaufwand verbunden, da die Seitenführungslineale einem
erhöhten abrasiven Verschleiß durch die zu führenden Bandkanten des
Walzbandes unterliegen.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde ein Verfahren und
eine Vorrichtung zum lagegerechten Aufwickeln eines Warmbandes in eine
Haspelvorrichtung zu schaffen, mit denen eine Optimierung des Wickeler
gebnisses des Walzbandcoils erreicht wird. Voranging sollen seitliche Aus
scherungen der einzelnen Coilwindungen des Walzbandes beim Haspeln
vermieden werden und die gewickelten Coils den DIN-Anforderungen wie
fest gewickelt, möglichst rund sowie kantengerade entsprechen. Die Grenz
maße für ein Coil im Wickelzustand sind in der DIN 1016 festgelegt.
Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren zum lagegerechten Aufwickeln ei
nes gewalzten Warmbandes in einer Haspelvorrichtung dadurch gelöst, dass
die Oberflächengeometrie des Walzbandes als Messgröße ermittelt und dem
Regler zugeführt wird. In Bezug auf die Vorrichtung zum lagegerechten Auf
wickeln eines Warmbandes in einer Haspelvorrichtung wird diese Aufgabe
durch die Anordnung einer Messvorrichtung für die Ermittlung der Oberflä
chengeometrie des Walzbandes im Bereich vor der Treibvorrichtung, deren
Messgröße dem Regler zugeführt wird, gelöst. In den Unteransprüchen 2 bis
10 und 12 bis 14 sind vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen
Verfahrens bzw. der Vorrichtung angegeben.
Das erfindungsgemäße Verfahren zum lagegerechten Aufwickeln eines
Warmbandes in einer Haspelvorrichtung und deren zugehörige Vorrichtung
kann in einem Mehrgrößen-Bandlageregelsystem mit Vorsteuerung abgebil
det werden, dass im wesentlichen aus einem Meßsystem zur Erfassung der
Bandoberflächengeometrie und der Bandkantenlage, einem Mehrgrößen-
Regler für den Bandzug und die Bandlage, einer Vorsteuerung, die den Ein
fluss der Oberflächengeometrie des einlaufenden Bandes berücksichtigt,
einem Beobachter zur Schätzung der Bandlage auf dem Coil und des Band
zuges zwischen Treiber und Dorn sowie einer hydraulischen Anstellung der
oberen Treibrolle über eine Kraft- und Neigungsregelung besteht.
Vorteilhafterweise ist das Verfahren zum lagegerechten Aufwickeln eines
Warmbandes in eine Haspelvorrichtung und deren zugehörige Vorrichtung in
bestehende Anlagen unter Ausnutzung der vorhandenen Stellglieder (An
stellung der Treibrollen, Antriebe von Treibapparat und Dorn) und der mess
technischen Vorrichtung zur Ermittlung von Bandlage und Bandoberflächen
geometrie nachrüstbar.
Besonders vorteilhaft ist, dass die Führungsgröße für den Bandzug der
Treibvorrichtung so bemessen wird, dass die vollständige Rückzugüber
nahme durch die Treibvorrichtung beim Ausfädeln des Walzbandes aus dem
letzten Gerüst der Fertigstraße nicht sprunghaft erfolgt, sondern bereits vor
Ausfädelung des Bandendes aus dem Fertiggerüst ein stetig differenzierba
rer Anstieg bis zur vollen Zugübernahme stattfindet. Hierdurch werden er
folgreich Wickelabsätze im Coil vermieden.
Die wesentlichen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens und der Vor
richtung sind, dass die Bandoberflächengeometrie im Einlauf zur Haspelvor
richtung durch eine Vorsteuerung prädiktiv berücksichtigt wird, die Lage des
Bandes auf dem Coil durch Beobachter unter Nutzung überprüfbarer physi
kalischer Modelle geschätzt wird sowie der Bandzug unter Berücksichtigung
der einlaufenden Bandoberflächengeometrie und der momentanen Bandlage
optimiert wird.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestell
ten Ausführungsbeispieles des näheren erläutert. In der Zeichnung zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht eines Endabschnittes eines Auslaufrollgan
ges mit anschließender Treib- und Haspelvorrichtung für ein
Warmband,
Fig. 2 eine Detailansicht der Treibrollen der Treibvorrichtung und
Fig. 3 ein Blockschema eines Regelkreises für eine Mehrgrößenrege
lung der Bandlage eines Warmbandes im Bereich einer Haspel
vorrichtung.
Die Fig. 1 zeigt eine schematische Seitenansicht eines Endabschnittes ei
nes Auslaufrollganges 1, der eingangsseitig mit einem nicht dargestellten
Fertiggerüst einer Warmbandstrasse verbunden ist. Auf dem Auslaufrollgang
2 wird ein fertiggewalztes Warmband 2 in Richtung einer Haspelvorrichtung
3 mit einer vorgeschalteten Treibvorrichtung 4 gefördert. Von der Haspelvor
richtung ist das Warmband 2 zu Coils 5 aufwickelbar. Die am Ende des Aus
laufrollganges 1 angeordnete Treibvorrichtung 4 besteht im wesentlichen
aus einer unteren Treibrolle 6 und einer oberen Treibrolle 7. Die obere Trei
brolle 7 ist über nicht dargestellte hydraulische Kolben-/Zylindereinheiten zur
Ein- und Verstellung des Spaltes zwischen den Treibrollen 6 und 7 in Rich
tung der unteren Treibrolle 6 anstellbar sowie seitlich neigbar. In der Fig. 2,
die eine Detailansicht der Treibrollen 6 und 7 der Treibvorrichtung 4 zeigt, ist
eine geneigte obere Treibrolle 7 sowie ein keilförmiger Treibrollenspalt 17
dargestellt. Die Ausrichtung des einlaufenden Walzbandes 2 in Richtung der
Haspelvorrichtung 3 ausschließlich anhand der Neigungsverstellung der
Treibrollen 6 und 7 zueinander sowie die mechanischen Grundlangen der
hierdurch bewirkbaren Querverschiebung des Warmbandes im Treibrollen
spalt ist bereits ausführlich in der Würdigung der eingangs angegebenen
deutschen Offenlegungschrift DE 38 28 356 A1 erfolgt, die hiermit Be
standteil der Beschreibung wird. Zusätzlich ist zur Bandlaufstabilisierung ist
die untere Treibrolle 6 bombiert ausgebildet.
Die Treibvorrichtung 5 einschließlich deren nicht dargestellter Antriebe hat
neben der zuvor beschriebenen Aufgabe das einlaufende Warmband in
Richtung der Haspelvorrichtung 3 zu leiten und auszurichten die Aufgaben,
den von der Fertigstraße kommenden Anfang des Warmbandes 2 stramm
zuziehen, die einlaufende Bandspitze in Richtung der Haspelvorrichtung 3 zu
leiten und den Rückzug des Warmbandes 2 gegen die Haspelvorrichtung 3
während des Wickelvorganges zu gewährleisten.
Die Haspelvorrichtung 3 besteht im wesentlichen aus einem angetrieben und
spreizbaren Dorn 8 zum Aufwickeln des Walzbandes 2 sowie nicht darge
stellten Andrückrollen und Führungsschalen zur Führung des Walzbandes 2
während des Wickelvorganges. Zur Einleitung des Wickelvorganges wird die
Spitze des Warmbandes 2 von den Treibrollen 6 und 7 aus der Ebene des
Auslaufrollganges 1 nach unten zum Wickeldorn 8 hin abgelenkt. Dann füh
ren die Andrückrollen und die Führungsschalen der Haspelvorrichtung 3 den
Bandanfang mehrere Male um den sich drehenden Dorn wobei die Seg
mente des Dorns 8 kontinuierlich gespreizt werden, bis das Walzband 2
kraftschlüssig zu fest aufeinanderliegenden Windungen gewickelt wird. Die
wesentlichen Funktionen der Haspelvorrichtung 3 sind, die kraftschlüssige
Verbindung von Bandanfang und Dorn 8 zu gewährleisten, das beim Wickeln
entstehende Coil 5 zu tragen und das Band 2 während das Wickelns mit de
finiertem Bandzug zu beaufschlagen.
Des Weiteren sind im Bereich des Endes des Auslaufrollganges 1 an den
jeweiligen Enden der Rollen 9 des Auslaufrollganges 1 angeordnete und
seitlich an die Kanten 10 des Warmbandes 2 anstellbare Seitenführungslineale
11 vorgesehen, um den Anfang des Warmbandes 2 für das Einlaufen
in die Haspelvorrichtung 3 auszurichten. Die Seitenführungslineale 11 sind
während des Haspelvorganges geöffnet.
Auch im Bereich des Endes des Auslaufrollganges 1 ist eine Messvorrich
tung 12 zur Bestimmung der Lage der Kante des Walzbandes 2 sowie eine
weitere Messvorrichtung 13 zur Bestimmung der Oberflächengeometrie des
Walzbandes 2, insbesondere zum Erkennen einer etwaigen "Säbelform" des
Walzbandes 2, angeordnet. Die Messvorrichtungen 12 und 13 sind vorzugs
weise vor den Seitenführungslinealen 11 und nach der nicht dargestellten
Kühlstrecke im Verlauf des Auslaufrollganges 1 angeordnet. Die Messvor
richtung 13 zur Bestimmung der Oberflächengeometrie des Walzbandes 2
weist einen Projektor 18 und eine Kamera 19 auf und deren Funktion ist be
reits eingangs im Zusammenhang mit der Würdigung der deutschen Patent
schrift DE 197 09 992 C1 näher erläutert worden, die hiermit Bestandteil der
Beschreibung wird.
Die Fig. 3 zeigt ein Blockschema eines Regelkreises für eine Mehrgrößen
regelung der Bandlage eines Warmbandes 2 im Bereich einer Haspelvor
richtung 3. Es ist ersichtlich, dass die Stellgrößen für die Treibrollenanstel
lung (Soll-Treibrollenneigung) und den Treibrollenantrieb (Soll-Bandzugmo
ment) mit Hilfe eines Mehrgrößen-Reglers 14 bestimmt werden. Dabei wird
der Einfluss der Bandoberflächengeometrie, insbesondere die sogenannte
"Säbel"-Form, durch eine Vorsteuerung 15 kompensiert. Für diese Vorsteue
rung 15 wird aus dem Ergebnis der Bandoberflächengeometriemessung 13
und dem Bandzug ein fiktives Querbiegemoment ermittelt, das durch ent
sprechende Neigung der oberen Treibrolle 6 kompensiert wird, um ein seitli
ches Vertreiben des Walzbandes 2 aufgrund der Bandoberflächengeometrie
zu vermeiden.
Die Bandlage auf dem Coil, für deren Messung bisher keine im Walzbetrieb
realisierbaren Verfahren bekannt sind, und der Bandzug zwischen Treibvorrichtung
5 und Dorn 8 werden mit Hilfe von Beobachtern 16 (modellgesteu
erte Ermittlung nicht messbarer Größen aus gemessenen Größen) geschätzt
und zur Bildung der Regeldifferenzen zurückgeführt. Hierzu wird mittels der
Messvorrichtung 17 die Bandkantenlage vor dem Treiber bestimmt.
Als Führungsgrößen werden dem Mehrgrößen-Regler 14 die Soll-Bandkan
tenlage sowie der Soll-Bandzug zugeführt. Die Führungsgröße für den Band
zug der Treibvorrichtung 5 ist so konzipiert, dass die vollständige Rück
zugübernahme durch die Treibvorrichtung 5 beim Ausfädeln des Walzban
des 2 aus dem letzten Gerüst der Fertigstraße nicht sprunghaft erfolgt, son
dern ein stetig differenzierbarer Anstieg bis zur vollen Zugübernahme statt
findet, der bereits beginnt, bevor das Bandende ausgefädelt wird.
Für die modellgestützte Ermittlung (Beobachter 16) des Ist-Bandzuges wer
den vorzugsweise die Drehzahl der Treiberrollen (6, 7), der Feldstrom und
die Feldspannung und der Ankerstrom und die Ankerspannung der die Trei
berrollen (6, 7) antreibenden Motoren, die Anpreßkraft der Treiberrollen und
das Biegemoment des Bandes um die Treiberrollen herangezogen.
Für die modellgestützte Ermittlung (Beobachter 16) der Ist-Lage der Band
kanten wird vorzugsweise der Bandzug, die Treiberrollenneigung, Bandge
schwindigkeit, Bandlage vor dem Treiber und Oberflächengeometrie des
Walzbandes herangezogen.
Die Regelung des Antriebs des Dorns 8 erfolgt über eine Drehzahlregelung
mit unterlagerter Drehmoment- und Stromregelung. Zur Regelung der Mo
tormomente werden die spezifischen Banddaten vorgegeben. Damit wird
erreicht werden, dass der Bandzug dem Bandquerschnitt angepasst und
über die Bandlänge konstant ist. Die Regelung der Antriebe der Treibrollen 6
und 7 erfolgt über eine Geschwindigkeitsregelung mit unterlagerter Stromre
gelung. Die hydraulische Anstellung der oberen Treibrolle 7 erfolgt über eine
Kraft- und Neigungsregelung.
Claims (14)
1. Verfahren zum lagegerechten Aufwickeln eines Metallbandes in einer
Haspelvorrichtung, wobei das Metallband, insbesondere gewalztes
Warmband, über eine Treibvorrichtung mit Treibrollen der Haspelvor
richtung zugeführt wird, über einen Regler die Treibrollen mittels Stell
gliedern für eine Veränderung des Treibrollenspaltes relativ zueinander
neigbar sind und dem Regler als Messgröße und als Soll-Füh
rungsgröße die Lage der Kante des Metallbandes vor der Treibvorrich
tung zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächen
geometrie des Metallbandes (2) als Messgröße ermittelt und dem
Regler (14) zugeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die er
mittelte Oberflächengeometrie des Warmbandes (2) einer Vorsteue
rung (15) zugeführt wird, die dem Regler (14) nachgeschaltet und der
Ansteuerung der Stellglieder der Treibrollen (6, 7) für die Änderung des
Treibrollenspaltes (17) vorgeschaltet ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass
die Oberflächengeometrie des Warmbandes (2) vor der Zuführung des
Warmbandes (2) zu der Treibvorrichtung (4) ermittelt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeich
net, dass dem als Mehrgrößen-Regler (14) ausgebildeten Regler als
weitere Führungsgröße der Soll-Bandzug zwischen den Treibrollen (6,
7) und der Haspelvorrichtung (3) zugeführt wird und von dem Regler
(14) hiermit der Treibrollenantrieb und die Einstellung des Treibrollen
spaltes (17) angesteuert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Soll-
Bandzug derart vorgewählt verändert wird, dass vor Ausfädeln des
Warmwalzgutes (2) aus einem der Treibvorrichtung (4) vorgeschalteten
Fertigwalzgerüst die Rückzugskraft der Treibrollen (6, 7) für das von
der Haspelvorrichtung (3) aufgewickelte Metallband (2) stetig bis zur
vollen Übernahme der Rückzugskraft nach Ausfädeln des Metallbandes
(2) gesteigert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass
der Ist-Bandzug zwischen den Treibrollen (6, 7) und der Haspelvor
richtung (3) über eine modellgestützte Ermittlung aus messbaren Grö
ßen bestimmt wird und dem Mehrgrößen-Regler (14) als Messgröße
zugeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass für die
modellgestützte Ermittlung (Beobachter 16) des Ist-Bandzuges vor
zugsweise die Drehzahl der Treiberrollen (6, 7), der Feldstrom und die
Feldspannung und der Ankerstrom und die Ankerspannung der die
Treiberrollen (6, 7) antreibenden Motoren, die Anpreßkraft der Treiber
rollen und das Biegemoment des Bandes um die Treiberrollen heran
gezogen werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeich
net, dass die Ist-Lage der Bandkanten des von der Haspelvorrichtung
(3) aufgewickelten Bandes über eine modellgestützte Ermittlung (Beob
achter 16) aus messbaren Größen bestimmt wird und dem Mehrgrö
ßenregler als Messgröße zugeführt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass für die
modellgestützte Ermittlung (Beobachter 16) der Ist-Lage der Bandkan
ten vorzugsweise der Bandzug, die Treiberrollenneigung, Bandge
schwindigkeit, Bandlage vor dem Treiber und Oberflächengeometrie
des Walzbandes herangezogen werden.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeich
net, dass der Treibrollenspalt (17) mittels einer Kraft- und Neigungsre
gelung der Treibrollen (6, 7) eingestellt wird.
11. Vorrichtung zum lagegerechten Aufwickeln eines Metallbandes, insbe
sondere eines gewalzten Warmbands in einer Haspelvorrichtung, ins
besondere zur Durchführung eines Verfahrens gemäß den Ansprüchen
1 bis 10, mit einer der Haspelvorrichtung das Warmband zuführenden
Treibvorrichtung mit zueinander neigbaren Treibrollen, mit Stellgliedern
und einem Regler hierfür für eine Veränderung des Treibrollenspaltes
und der hierdurch bewirkten Beeinflussung der seitlichen Lage des
Warmbandes und mit einer Messvorrichtung zur Ermittlung der Lage
der Kante des Warmbandes vor der Treibvorrichtung, deren Messwerte
dem Regler zugeführt werden, dadurch gekennzeichnet, dass im
Bereich vor der Treibvorrichtung (4) eine Messvorrichtung (13) für die
Ermittlung der Oberflächengeometrie des Walzbandes (2) angeordnet
ist, deren Messgröße dem Regler (14) zugeführt wird.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der
Regler als Mehrgrößen-Regler (14) ausgebildet ist, dem die Soll-Band
kantenlage und der Soll-Bandzug zugeführt werden.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet,
dass der Regler (14) mit einem Beobachter-Baustein (16) verknüpft ist,
über den modellgestützt aus messbaren Größen der Ist-Bandzug zwi
schen den Treibrollen (6, 7) und der Haspelvorrichtung (3) bestimmbar
ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekenn
zeichnet, dass der Regler (14) mit einem Beobachter-Baustein (16)
verknüpft ist, über den modellgestützt aus messbaren Größen die Ist-
Lage der Bandkanten (9) des von der Haspelvorrichtung (3) aufgewic
kelten Bandes (2) bestimmbar ist.
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