-
Tragkabelbrücke mit einem oder mehreren einstieligen Pylonen Außer
den für Tragkabelbrücken vorwiegend üblichen portalartigen Pylonen mit zwei lotrechten
oder etwas gegeneinander geneigten Stielen und mindestens einem diese Stiele am
oberen Ende verbindenden Querriegel sind auch schon andere Py lonformen bekanntgeworden.
Dazu gehören Pylone, deren beide Stiele durch entsprechende Neigung oder Form einen
über der Fahrbahn liegenden Schnittpunkt haben und somit ein dreieck- oder gewölbeförmiges
Portal bilden. Ferner gibt es einstielige Pylone in Einzelanordnung auf der Brückenquermitte
oder auch in Doppelanordnung mit etwa der Fahrbahnbreite entsprechendem gegenseitigem
Abstand.
-
Bei allen diesen Brücken verlaufen die Tragkabel in lotrechten oder
höchstens in wenig geneigten, sich weit oberhalb der Pylone schneidenden Ebenen,
und zwar entweder paarweise mit gleichbleibendem oder nach der Brückenmitte hin
etwas abnehmendem gegenseitigem Abstand odereinzeln in der lotrechten Längsmittelebene
der Brücke. Infolgedessen können die Tragkabel keine oder jedenfalls keine nennenswerten
seitlichen, quer zur Brücke gerichteten Kräfte aufnehmen. Das übrige Tragwerk der
Brücke muß also derart widerstandsfähig ausgebildet sein, daß eine genügende Sicherheit
gegen die durch solche Seitenkräfte, z. B. durch Wind, verursachten Torsionsbeanspruchungen
und etwaige Schwingungen vorhanden ist.
-
Die Erfindung beruht nun zunächst auf der Aufgabe, bei einer Tragkabelbrücke
die Aufhängung der Fahrbahn so zu gestalten, daß diese mehr als bei den vorerwähnten
Bauarten auch von Torsionskräften entlastet ist. Diese Aufgabe ist, abgesehen von
einem bekannten, vermutlich niemals praktisch ausgeführten, technisch komplizierten
und auch architektonisch wenig ansprechenden Vorschlag, paarweise diagonal zueinander
versetzte pyramidenförmige Pylone aus je vier Gittermasten anzuordnen und Tragkabel
zu verwenden, die zwischen den sie aufnehmenden, auf derselben Brückenseite befindlichen
Pylonen auf die andere Fahrbahnseite hinübergeführt sind, bisher nur bei Tragkabelbrücken
mit zweistelligen, ein dreieckförmiges Portal bildenden Pylonen in der Weise gelöst
worden, daß die über die Spitze jedes Pylons geführten Tragkabel mit ihren Enden
sowohl nach dem zwischen den Pylonen liegenden Feld der Brücke als auch nach der
anderen Seite schräg zur Brückenlängsrichtung verlaufend jeweils an derselben Fahrbahnseite
verankert sind.
-
Durch die Erfindung soll demgegenüber aber noch mehr erreicht werden,
nämlich trotz etwa gleich günstiger Kräfteverhältnisse wie bei der zuletzt erwähnten
Anordnung eine noch größere Einfachheit des ganzen Tragsystems einschließlich der
zugehörigen Fundamente. Die Lösung dieser Aufgabe besteht bei einer Tragkabelbrücke
finit einem oder mehreren, vorzugsweise zwei, einstelligen Pylonen darin, daß vom
Kopf des oder jedes Pylons nach der Brückenlängsmitte hin, also bei zwei Pylonen
in dem zwischen ihnen liegenden Feld, in an sich bekannter Weise schräg zur Brückenlängsrichtung
verlaufende und mit ihren Enden an beiden Fahrbahnseiten verankerte Tragkabel, nach
der anderen Seite dagegen in bzw. parallel zu der vertikalen Brückenlängsmittelebene
verlaufende Verankerungskabel ausgehen.
-
Auf diese Weise wird der Bauaufwand für die Pylone und ihre vergleichsweise
erheblich schmaleren Strompfeiler oder Landfundamente geringer. Außerdem ist nur
je ein Verankerungskörper für das Rückverankerungskabel jedes Pylons erforderlich.
Darüber hinaus ergeben sich weitere Vorteile bezüglich der Linienführung der Brückenrampen.
Während die stromseitigen Tragkabel, ohne den Verkehr auf den dort ohnehin parallel
zueinander geführten Fahrbahnen zu beeinträchtigen, für beide Verkehrsrichtungen
schräg zur Brückenlängsrichtung verlaufen können, ist es vielfach erwünscht, die
Fahrbahnen landseitig auseinanderzuziehen, um sie zweckmäßig an das dortige Verkehrsnetz
anzuchließen. Dazu bietet die erfindungsgemäß zusammen mit der Schrägführung der
Tragkabel vorgeschlagene Anordnung der in der Längsrichtung der Brücke verlaufenden
Rückverankerungskabel die bestmögliche Voraussetzung. Zum Unterschied von der bei
anderen Ausführungen von Tragkabelbrücken bestehenden Notwendigkeit, die ein- oder
mehrspurigen Fahrbanen für beide Verkehrsrichtungen nicht nur im Bereich der Pylonenportale,
sondern außerdem mindestens bis zu den Verankerungen
der außenseitigen
Tragkabel in gleichbleibendem Abstand nebeneinander zu führen, kann man bei einer
Brücke nach der Erfindung die Linienführung der Brückenrampen bis zu den Pylonen
und gegebenenfalls noch weiter bis ins Mittelfeld der Brücke hinein freizügig gestalten.
-
Im Rahmen des Erfindungsgedankens gibt es verschiedene Ausführungsmöglichkeiten
der Brücke. So können die Pylone außerhalb der Brückenfahrbahnplatte auf landseitigen
Fundamenten oder besonderen Strompfeilern angeordnet sein. Auch ist es möglich,
sie in oder außerhalb der vertikalen Brückenlängsmittelebene anzuordnen. Ferner
können die Pylone zwischen zwei Fahrbahnen einer Doppelbrücke angeordnet werden
und von jedem Pylon, symmetrisch zu der durch die Pylone und ihre Rückverankerungskabel
verlaufenden lotrechten Ebene, zwei Tragkabel oder Gruppen von Tragkabeln zu den
beiden Seiten je einer Fahrbahn ausgehen.
-
Die Erfindung ist in der Zeichnung in mehreren Ausführungsbeispielen
schematisch dargestellt.
-
In den Fig. 1 bis 3 ist in Seitenansicht, Draufsicht und Ouerschnitt
eine Schrägseilbrücke mit zwei einstieligen Pylonen 1 gezeigt, die in der vertikalen
Längsmittelebene der Brücke, aber außerhalb der auf Dehnungen zulassenden Pendeln
gelagerten Fahrbahnplatte 2 auf landseitigen Fundamenten 3, und zwar im Bereich
eines Trennstreifens 2' zwischen den für die entgegengesetzten Verkehrsrichtungen
dienenden Fahrbahnseiten angeordnet sind. Vom oberen Ende jedes Pylons gehen nur
nach vorn, d. h. nach der Brücke hin, fier Tragkabel 4 bis 7 aus, die symmetrisch
zur Län>smittelebene paarweise zu je zwei etwa im gleichen Abstand vom Py Ion liegenden
Stellen der einen bzw. anderen Fahrbahnseite führen und dort ebenfalls befestigt
sind. Rückwärts, d. h. nach der Landseite hin, sind die beiden Pylone 1 durch Je
ein in ihrer gemeinsamen Mittellängsehene verlaufendes, in der Fahrbahnmitte erdverankertes
Kabel 8 gesichert.
-
In Fig.4 ist nur im Grundriß eine Ausführung dargestellt, die bezüglich
der Anordnung der Pylone 9, der Tragkabel 10 bis 13 und der Rückverankerungskabel
14 der vorhergehenden Ausführung (Fig.1 bis 3) entspricht. Zum Unterschied davon
hat jedoch in diesem Fall die dehnbar gelagerte Fahrbahnplatte 15 keinen durchgehenden
Mittelstreifen als Trennung zwischen den beiden Verkehrsrichtungen. Infolgedessen
kann die Fahrbahn dort eine entsprechend geringere Gesamtbreite haben. Dafür sind
für die Pylone 9 und ihre Rückverankerung besondere Verkehrsinseln 16 auf den dort
entsprechend verbreiterten beiderseitigen Zufahrtsrampen 17 der Brücke angeordnet.
-
Bei der in den Fig.5 und 6 in Seitenansicht und Draufsicht wiedergegebenen
Ausführung einer Tragkal-)elbrücke nach der Erfindung stehen die beiden einstieligen
Pylone 18 seitlich außerhalb der Fahrbahn auf Strompfeilern 19, zwischen denen sich
die an den Kabeln 20 bis 23 aufgehängte Fahrbahnplatte 24 erstreckt. Die restliche
Brückenlänge wird durch feste Verbindungstragwerke 25 zwischen den Strompfeilern
19 und landseitigen Fundamenten 26 gebildet, die zugleich als Widerlager für die
Rückverankerungskabel27 dienen. Je vier Tragkabel sind mit ihrem einen Ende oben
an einem Pylon 18 und mit ihrem anderen Ende an der einen bzw. anderen Fahr-Bahnseite
befestigt. Die beiden Rückverankerungskabe127 sind, von oben gesehen, wieder in
Brückenlängsrichtung angeordnet. In diesem Fall verlaufen die von jedem Pylon 18
ausgehenden vier Tragkabel nicht wie bei den vorhergehenden Ausführungen paarweise
symmetrisch zur Brückenlängsmittelebene, sondern es sind, wie aus der Draufsicht
(Fig.6) zu erkennen ist, zwei Tragkabel 20, 21 länger als die anderen beiden Tragkabel
22, 23. Eine Symmetrie ist erst dann wieder vorhanden, wenn eine zweite derartige
Fahrbahn auf der anderen Seite der Pylone gebaut und deren Fahrbahnplatte an einem
gleichartigen System von je vier Tragkabeln aufgehängt wird.
-
Die gemäß der Erfindung getroffene Anordnung von Tragkabeln und Verankerungskabeln
in Verbindung mit Einstielpylonen ist auch bei Zügelgurtbrücken anwendbar, bei denen
also von den Tragkabeln noch an mehreren Stellen Hänger zu den Fahrbahnseiten führen.