-
Schwingförderrinne Die in der Fördertechnik bekannten Schwingförderrinnen,
im DIN-Blatt 15 201 kurz Schwingrinnen genannt, bestehen aus einem glattwandigen,
trog- oder rohrförmigen Behälter, der das zu transportierende Schüttgut aufnimmt
und dadurch vorwärts bewegt, daß ihm durch einen Antrieb schnelle Schwingungen mit
verhältnismäßig kleinen Amplituden aufgezwungen werden, und zwar so, daß jedes Behälterelement
parallel zu sich selbst vorwärts aufwärts und zurück abwärts bewegt wird Mit einem
solchen Gerät lassen sich die verschiedenartigsten Schüttgüter mehr oder minder
gut fördern. Eine gute Förderung ergibt sich bei verhältnismäßig grobkörnigem, hartem
und trockenem Fördergut. Bei feinkörnigem und staubförmigem Schüttgut jedoch sind
bisher größere Leistungen nicht zu erzielen. Solche Schüttgüter nämlich lassen sich
erfahrungsgemäß mit der bisher üblichen glatten Rinnausbildung nur in einer dünnen
Schicht fördern; bei dickerer Schicht wird die Fördergeschwindigkeit ungleichmäßig
und klein, und es treten Wirbelerscheinungen im Fördergut selbst auf, die die Förderleistung
wesentlich verringern; außerdem führen letztere zu erheblicher, oft eruptiver Staubentwicklung.
-
Die Erfindung betrifft die Ausbildung einer Schwingförderrinne, die
es gestattet, auch feinkörnige und staubförmige Schüttgüter oder solche, die mit
feinkörnigen bis staubförmigen Kornfraktionen durchsetzt sind, in derselben günstigen
Weise zu fördern, wie das mit gröberem Gut möglich ist, d. h. die Leistung mit einer
neuen Rinnenform wesentlich zu steigern und die Staubbildung zu vermeiden.
-
Als Grund für die Wirbel- und Staubbildungen bei feinem Fördergut
wurden von den Erfindern die unausgeglichenen Luftdruckverhältnisse erkannt, die
im Schüttgut selbst und zwischen Schüttgut und Rinnenwandung herrschen. Um nun einen
Ausgleich der unterschiedlichen Luftdruckverhältnisse zu ermöglichen, soll der Boden
und gegebenenfalls die Wandung der Rinne des Schwingförderers mit Öffnungen versehen
werden, die eine unmittelbare Verbindung der aufliegenden Schüttgutschicht zur Außenluft
herstellen, andererseits aber den Druchtritt von Fördergut möglichst verhindern.
Mit einer solchen Rinnengestaltung findet auch bei feinkörnigem und staubigem Gut
eine geordnete Förderung bei normal großer Schichthöhe statt.
-
Zur Förderung feinkörnigen und staubförmigen Schüttgutes sind zwar
pneumatische Förderrinnen mit luftdurchlässigem Boden und Schwingungserregern bekanntgeworden.
Der luftdurchlässige Boden ist dabei aber gegen die Außenluft abgekapselt. Er dient
dann dazuS eine durch ein Gebläse erzeugte, sorgfältig bemessene Druckluftmenge
unter und in das zu fördernde Schüttgut zu leiten. Dieses nimmt dadurch
einen flüssigkeitsähnlichen
Zustand an und kann so auf der schwach geneigten Förderfläche nach dem geöffneten
Auslauf zu abfließen. Die zuweilen zusätzlich angeordneten Schwingungserreger rütteln
die Rinne mit nicht fördernden Schwingungen, um das Fließen des Schüttgutes besser
aufrechtzuerhalten und die Reibung an der Förderfläche herabzusetzen. Mit diesen
zusätzlichen Rüttelvorrichtungen ist daher weder eine Förderung beabsichtigt, noch
möglich; der Transport erfolgt in jedem Falle pneumatisch. Obgleich also die zuvor
beschriebene Födermittelart die Erfindung nicht berührt, wird sie hier zur Kennzeichnung
des technischen Standes der Förderung feinkörnigen und staubförmigen Schüttgutes
mit angeführt. Diese Förderart ist zudem durch die notwendige Abdichtung und das
erforderliche Gebläse aufwendig und mit dem weiteren Nachteil der Vergrößerung des
Schüttgutvolumens durch die aktive Luftzufuhr, d. h. durch Fremdluftzufuhr, behaftet.
-
Zur Förderung von Schüttgut, das aus einer Mischung grobkörnigen
und staubförmigen Materials besteht und einem solchen, das nur staubförmig ist,
wurde ein Fördergerät vorgeschlagen, das die Kombination eines Schwingförderers
mit einer pneumatischen Förderrinne darstellt. Die Förderung eines gemischten Gutes
erfolgt dabei in der Weise, daß ein schwingender poröser Boden von einer gleichmäßigen
Druckluftschicht durchströmt werden muß, die die staubförmigen Partikeln nach oben
trägt. In diesem Fall hat der schwingende poröse Boden lediglich noch
den
untenliegenden grobkörnigen Schüttgutanteil zu transportieren (was dem normalen
Transport auf Schwingrinnen entspricht). Rein staubförmiges, aus »verflüssigbarem
Schüttgut« bestehendes Material kann unter Anwendung dieses kombinierten Gerätes
durch den von unten eintretenden aktiven Luftstrom gefördert werden, wobei dann
dieses Gerät wie die zuvor genannten gerüttelten, pneumatischen Föderrinnen arbeitet.
Bezüglich des Fördervorganges weist sie daher die oben für diese Förderart geschilderten
Nachteile auf.
-
Um eine verfahrenstechnische Behandlung eines Schüttgutes,-z. B.
Kühlung, Trocknung, Erhitzung, mit der Förderung verbinden zu können, sind auch
bei Schwingförderrinnen luftdurchlässige Böden zu finden.
-
Dabei befinden sich jedoch unter dem luftdurchlässigen Boden und über
dem Schüttguttrog abgekapselte Hohlräume, durch die wiederum ein mittels Druck-
oder SauggebIäses erzeugter Fremdluftstrom von unten nach oben durch den durchlässigen
Rinnenboden und das Schüttgut hindurchgeführt wird. Die Öffnungen des Rinnenbodens
stellen auch hier keine Verbindung der unmittelbar aufliegenden Födergutschicht
mit der Außenluft her. übrigens können die zur verfahrenstechnischen Behandlung
von, Schüttgütern bekannten Konstruktionen von Schwingförderern mit luftdurchlässigem
Boden nicht zur Förderung von staubförmigem und feinkörnigem Material herangezogen
werden, da solches Gut die Öffnungen entweder verstopfen oder aber bei starkem Luftstrom
aufgewirbelt oder mitgerissen würde.
-
Die vorangegangene Schilderung zeigt, daß zur Förderung feinkörniger
und staubförmiger Schüttgüter pneumatische Rinnen verwendet werden. Die weiterhin
bekannte konstruktive Ausbildung von Schwingförderrinnen mit durchlässigem Boden
zielt dagegen auf die verfahrenstechnische Behandlung des zu fördernden Gutes ab
und wurde offensichtlich von den Bauformen pneumatischer Rinnen abgeleitet. Es ist
daher bei diesen mit Gebläsen arbeitenden Geräten auch keine Verbindung einer unmittelbar
auf dem Rinnenboden aufliegenden Fördergutschicht mit der Außenluft vorgesehen,
zumal eine solche Verbindung der wirksamen Anwendung von Gebläsen widersprechen
würde.
-
Bei der Rinnenausbildung-einer Schwingförderrinne gemäß der Erfindung
sind dagegen die Öffnungen eines luftdurchlässigen Bodens so angeordnet, daß sie
die unmittelbar auliegende Gutschicht mit der Außenluft verbinden, daß also diese
Gutschicht weder einem Unter- noch einem Überdruck ausgesetzt wird. Dadurch wird
außerdem der Luftdruck unter der Schüttgutschicht gleich dem Luftdruck über der
Schüttgutschicht. Während bei den; - üblichen Rinnenformen zwischen Rinnenwandung.und
Schüttgutschicht ein um den Wert des Außenluftdruckes als Bezugsgröße pulsierender,
veränderlicher-Luftdruck auftritt, der bei feinkörnigem und staubförmigem Gut zur
Bildung von Luftpolstern führt und die Förderung hindert, werden durch eine Verbindung
der aufliegenden Gutschicht mit der Außenluft gemäß der Erfindung Ausgleichsluftströme
in beiden Richtungen'ermöglicht und die Luftpolster wirksam beseitigt; ihre Ableitung
vermeidet die Ursache der bei den zur Zeit bekannten Geräten auftretenden Staubentwicklung
und eruptiven Ausbrüche und erbringt gleichzeitig auch bei feinkörnigen und staubförmigen
Schüttgütern den zur Förderung auf Schwingrinnen erforderlichen Reibungsschluß.
-
Mit einer Schwingförderrinne gemäß der Erfindung können daher feinkörnige
und staubförmige Schütt-
güter überhaupt und wirtschaftlich gefördert werden; wie
Versuche (z. B. mit Zement) ergaben, findet darauf eine ebenso geordnete und hohe
Förderung statt wie bei grobkörnigem Gut auf Schwingförderrinnen herkömmlicher Art,
was bisher nicht möglich war. Gegenüber den bekannten Fördermitteln für feinkörnige
und staubförmige Schüttgüter hat der Erfindungsgegenstand den Vorteil der Einfachheit,
denn er bedarf keines Gebläses und keiner entsprechenden Abdichtungen; er vermeidet
ferner eine »Gutaufplusterung«, die sonst mit der aktiven Luftzufuhr verbunden ist.
-
Ein Beispiel für die Ausführung einer den Erfindungsgedanken verwirklichenden
Schwingförderrinne ist in der Zeichnung Abb. 1 in Aufriß und Schnitt A-B dargestellt.
Für die Rinne 1 ist hier die Trogform gewählt; der Rinnentrog sei beispielsweise
auf Lenkern 2 gestützt, die von einem der in der Zeichnung nicht dargestellten üblichen
Antriebe in schwingende Bewegung versetzt werden, wie durch die Pfeile 3 angedeutet
ist.
-
Der Trogboden enthält Luftöffnungen 4, die durch dachförmig sich überdeckende
Wandungselemente gebildet werden und erfindungsgemäß die auf diesem aufliegende
Fördergutschicht mit der Außenluft verbinden. Der Luftausgleich erfolgt gemäß den
in die Öffnungen 4 eingezeichneten Pfeilen. Die Förderrichtung ist durch Pfeil 5
angegeben; 6 ist die Aufgabestelle, 7 die Abgabestelle des Fördergutes.
-
Um gegebenenfalls durch die Luftöffnungen 4 hindurchtretende Fördergutteilchen
aufzufangen und in Förderrichtung abzutransportieren, kann die Schwingförderrinne
einen zweiten, glatten Boden aufweisen, wie in Abb. 2 (Ziffer 8) dargestellt. Die
hindurchgetretenen Fördergutteilchen 9 werden mit derselben Fördergeschwindigkeit
wie der Hauptfördergutstrom transportiert, da sie auf dem glatten Rinnenboden nur
eine dünne Schicht bilden. Die Verbindung der Öffnungen 4 des Rinnenbodens und damit
der auf ihr unmittelbar aufliegenden Fördergutschicht mit der Außenluft gewährleisten
die z. B. in der Form 10 angebrachten großen Öffnungen, die auch in der Rückwand
vorhanden sein können.
-
In bestimmten Fällen kann es zweckmäßig sein, den Luftausgleich durch
mehrere Böden hindurch zu bewerkstelligen wie beispielsweise in Abb. 3 gezeigt ist.
-
Die Luftausgleichsöffnungen 4 können bei der Trogform der Schwingförderrinne
auch in den Seitenwänden oder in Seiten- und Bodenwandungen angebracht werden. Bei
anderen Rinnenformen, z. B. Rohr, werden die Luftausgleichsöffnungen 4 an den Berührungsflächen
zwischen Fördergut und Rohrwandung angeordnet. Die Erfindung bleibt auch wirksam,
wenn die Schwingförderrinne in einer Raumkurve geführt ist, etwa in einer Wendel.
-
Die Luftausgleichsöffnungen können als Löcher, Schlitze, Düsen, Kanäle,
Labyrinthe, Gitter oder Poren ausgebildet werden.
-
PATENTANSPRVCHE 1. Schwingförderrinne für feinkörniges und staubförmiges
Gut mit einem luftdurchlässigen Rinnenboden, dessen Öffnungen den Durchtritt des
Fördergutes möglichst verhindern, dadurch gekennzeichnet, daß die Öffnungen (4)
des Rinnenbodens die auf diesem unmittelbar aufliegende Fördergutschicht mit der
Außenluft verbinden.