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Rostschutzanstrichmittel Es sind anorganische Pigmente bekannt, die
zusammen mit einem Bindemittel, hauptsächlich Leinöl, zur Herstellung von Anstrichmitteln
für den Korrosionsschutz von Metalloberflächen dienen. Als Pigmente sind hierzu
Bleimennige, Bleicyanamid, Eisenoxydrot, einzeln oder in Mischung miteinander angewandt
worden.
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Diese Pigmente bzw. die daraus hergestellten Anstrichmittel haben
jedoch in technischer und wirtschaftlicher, insbesondere aber auch in gewerbehygienischer
Hinsicht nicht in allen Fällen befriedigen können.
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Es ist auch bekannt, den beim Abbrennen von Pyriten anfallenden Flugstaub
als Pigment bei der Herstellung von Rostschutzanstrichmitteln zu verwenden. Doch
führte dies ebenfalls zu keinem praktischen Erfolg, da der hohe Dispersitätsgrad
des Flugstaubes für einsatzfertige Anstrichmittel einen sehr hohen Bindemittelanteil
erfordert, wodurch die Korrosionsschutzwirkung verschlechtert wird. Außerdem setzt
die erheblich saure Reaktion des Flugstaubes, der in den meisten Fällen S 02 bzw.
SO, adsorptiv sehr festhält, die Korrosionsschutzwirkung herab.
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Es wird nun ein auf der Grundlage von Eisenoxyd, insbesondere technischem
Eisenoxyd, aufgebautes Pigment vorgeschlagen, das die vorerwähnten Nachteile vermeidet.
Das Pigment besitzt gemäß der Erfindung einen Bleisulfatgehalt von etwa 0,5 bis
etwa 10°/o, berechnet als Blei. Dabei hat sich herausgestellt, daß man besonders
vorteilhafte Wirkungen hinsichtlich des Korrosionsschutzes mit einem solchen Pigment
erhält, das einen Gehalt an Zink- oder Kupferverbindungen in geringen Mengen, z.
B. von etwa 0,1 bis etwa 5 %, berechnet auf Metall, besitzt. Vorzugsweise kommen
die Oxyde oder Sulfate der genannten Metalle in Betracht.
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Will man eine besonders leichte Verstreichbarkeit der Anstrichmittel
erzielen, so kann man andere an sich bereits als Pigment bekannte Stoffe mit Plättchen-
oder Nadelstruktur dem Pigment gemäß der Erfindung beifügen; die Mengen dieser Stoffe
betragen hierbei bis zu etwa 10%, bezogen auf die gesamte Pigmentmenge. Beispielsweise
kommen hierfür Aluminiumpulver und Bleicyanamid in Betracht.
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Um ein für die Verarbeitung optimales Bindemittel-Pigment-Verhältnis
zu erzielen, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, nicht ein Pigment in gleichmäßiger
Korngrößenzusammensetzung, etwa Staub, zu benutzen, sondern dafür Sorge zu tragen,
daß das Pigment als Gemisch aus verschiedenen Korngrößen vorliegt. Insbesondere
haben sich dabei Korngrößen in der Größenordnung von etwa 0,5 bis etwa 70 #t als
vorteilhaft erwiesen, vorzugsweise Gemische, bei denen die mittleren Korngrößen,
etwa solche zwischen 10 und 40 #t, in erheblichem Maße anwesend sind bzw. überwiegen.
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Die Herstellung eines Pigmentes gemäß der Erfindung kann in hier nicht
beanspruchter Weise z. B. durchZusammengeben der einzelnenBestandteile bzw. durch
Vermahlen erfolgen, wobei man die Zusammensetzung und die Korngrößenverteilung gegebenenfalls
variieren kann, indem man einzelne Teilchengrößen heraussieht oder sonstwie entfernt.
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Die anspruchsgemäß für Rostschutzanstrichmittel Verwendung findenden
Pigmente verleihen z. B. in Verbindung mit Leinöl dem Anstrichmittel eine gute Geschmeidigkeit
und ein gutes Verlaufen bei der Verarbeitung: Auch hinsichtlich des Absetzens des
Pigmentes beim Lagern des einsatzfertigen Anstrichmittels wird den Erfordernissen
der Praxis entsprochen. Ein zuweilen auftretendes langsames, aber praktisch nicht
störendes Absetzen des Pigmentes kann man, falls gewünscht, durch Beimischung von
für diesen Zweck an sich bekannten Mitteln, wie hochdisperse Kieselsäure, verhindern.
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Anstrichmittel, die unter Verwendung der erfindungsgemäß vorgeschlagenen
Pigmente hergestellt sind, schützen Metallflächen, was überraschend ist, sowohl
in Deckanstrichen wie auch in Grundanstrichen, und zwar gegen Korrosion durch atmosphärische
Einflüsse wie auch bei geeigneter Wahl des Bindemittels gegen chemische Angriffe.
Im letzteren Falle kommen Bindemittel, wie Chlorkautschuk, Vinylpolymerisate und
Alkydharze, in Betracht.
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Beispielsweise besitzt ein Pigment der Zusammensetzung 37,5 % techn.
Eisenoxydrot, 37,5 % techn.
Eisenoxydschwarz, 15% Bleisulfat, 7%
Zinksulfat und 3% Kupferoxyd die nachstehende Korngrößenverteilung
Das Pigment wird zu einer streichfertigen Farbe für Grund- und Deckanstrich gemäß
der folgenden Zusammensetzung auf der Basis Leinölfirnis-Standöl verarbeitet. 73
Gewichtsteile Pigment, 22 Gewichtsteile Leinölfirnis, 0,7 Gewichtsteile Standöl,
0,7 Gewichtsteile Terpentinersatz, 1,8 Gewichtsteile hochdisperse Kieselsäure, 1,8
Gewichtsteile Sikkativ (Gemisch aus Blei-, Kobalt- und Mangannaphthenaten).
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Das angegebene Pigment kann auch zur Herstellung eines Decklackes
auf Chlorkautschukbasis der folgenden Zusammensetzung benutzt werden: 13 Gewichtsteile
Pigment, 17,5 Gewichtsteile Chlorkautschuk als Bindemittel, 8,7 Gewichtsteile eines
Gemisches aus chloriertem Diphenyl und Toluolsulfonamid als Weichmacher, 21,7 Gewichtsteile
Toluol, 39,1 Gewichtsteile Xylol.
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Um die überraschenden Effekte darzutun, die mit der Verwendung eines
Pigmentgemisches auf Eisenoxydgrundlage gemäß der Erfindung in Rostschutzanstrichmitteln
gegenüber dem Stand der Technik erzielt werden, sind drei Prüfbleche mit Pigmentanstrichen
versehen und sodann einer mehrere Monate dauernden Freibewitterung auf einem Prüfstand
an einer besonders korrosionsgefährdeten Stelle einer chemischen Fabrik ausgesetzt
worden. Diese Methode verdient den Vorzug, da sie den natürlichen Bedingungen entsprechende
Ergebnisse ergibt.
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Das Prüfblech 1 wurde mit einem Pigmentanstrich gemäß der Erfindung
versehen, und zwar in einem Verhältnis Pigmentanteil zu Leinöl zu Sikkativ =
77: 23 : 2,5, das Prüfblech 2 mit einem Anstrich gemäß der deutschen Patentschrift
558 878 in einem Verhältnis entsprechend 62,5 : 37,5 : 4 sowie das Prüfblech 3 mit
einem Anstrich unter Verwendung eines Pigmentes gemäß der deutschen Patentschrift
515 758 in einem Verhältnis entsprechend 50: 50: 5,4.
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Ein Versuch, die Farben nach gleicher Rezeptur, d. h. mit gleichem
Pigment- und Bindemittelanteil herzustellen, um eine bessere Vergleichsbasis zu
erhalten, schlug fehl, da die gemäß dem Verfahren der deutschen Patentschriften
515 758 und 558 878 hergestellten Pigmente gegenüber dem Pigment gemäß der Erfindung
einen bedeutend höheren Ölbedarf haben. Der geringere Leinölbedarf bei Verwendung
der erfindungsgemäß vorgeschlagenen Pigmentgemische ist mit ein wesentlicher Vorteil.
Das Prüfblech 1 läßt bei Vergleich mit den beiden Prüfblechen 2 und 3, welche auf
ihrer Vorder- wie auch Rückseite eine erhebliche Anzahl von Roststellen aufweisen,
ohne weiteres deutlich erkennen, daß das bei dem Blech 1 angewandte Pigmentanstrich
gemäß der Erfindung besonders haltbar ist gegenüber dem Angriff der Atmosphärilien,
selbst unter den gewählten korrosionsmäßig erschwerten Bedingungen. Damit ist ein
besonderer technischer Effekt gegeben, der bei Verwendung des erfindungsgemäßen
Pigmentgemisches auf Eisenoxydgrundlage in Rostschutzanstrichmitteln zu erzielen
ist, nicht aber bei Verwendung von Pigmenten der bekannten Art.
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Es ist zwar schon die Verwendung der Bleisulfatpigmente in Anstrichmitteln
allgemein bekannt, z. B. aus der deutschen Patentschrift 573 816, den USA.-Patentschriften
1375 355 und 2 194 526 sowie aus dem Buch »Paint and Varnish Technology«,
1948, S.65 und 66. Es können jedoch hieraus keine Anregungen für die vorliegende
Erfindung entnommen werden, die die Verwendung eines Pigmentgemisches von spezieller
Zusammensetzung auf Eisenoxydgrundlage in Rostschutzanstrichmitteln zum Gegenstand
hat.