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Selektiv permeable, stromdurchlässige Scheidewände Die Erfindung geht
von selektiv permeablen, stromdurchlässigen Scheidewänden in Form von Membranen,
Diaphragmen usw. aus, die für die Durchführung elektrochemischer Vorgänge geeignet
sind, und beschäftigt sich mit der Ausbildung besonders wirksamer Scheidewände dieser
Art.
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Für Anionen oder Kationen selektiv permeable Scheidewände im Membranform
sind bisher im weseitlichen nur bei wissenschaftlichen Untersuchungen über die physikalisch-chemischen
Gesetzmäßigkeiten von Ionenaustauschvorgängen bei biologischen Prozessen oder bei
der Elektrodialyse verwendet worden.
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Solche Untersuchungen wurden insbesondere von Meyer und Kalauch und
ihren Mitarbeitern durchgeführt und in der kolloidchemischen Literatur veröffentlicht.
Abweichend von den früher verwendeten porösen Collodiumfilmen ohne Ionenaustauschvermögen
wurden organische Polymerverbindungen, z. B.
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Kondensationsprodukte aus Glycerin und Phthalsäure mit oder ohne Zusatz
von Triäthanolamin (mit oder ohne Behandlung durch Methyljodid), fernerhin Polyacrylsäurekörper
und Kondensationsprodukte aus aromatischen Aminen und Formaldehyd benutzt. Infolge
ihrer Zusammensetzung waren sie aber entweder beträchtlich wasserlöslich oder nur
schwach ionenselektiv oder beides, so daß sie selbst für die wissenschaftlichen
Untersuchungen nur beschränkt brauchbar waren. Zwar ließ sich die WasseHöslichkeit
dadurch zurückdrängen, daß man eine Mischfolie aus der Polymerverbindung und einer
überwiegenden Menge Acetylzellulose durch Eintrocknen oder Koagulieren ihrer gemeinsamen
Lösung in Azeton herstellte; diese Mischfolie war aber auch nicht völlig wasserunlöslich,
wenig formbeständig oder äußerst schwad ionenselektiv und besaß als schwerwiegenden
Mangel einen sehr hohen elektrischen Widerstand.
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Diese bekannten Ionenaustauschmembranen waren daher allenfalls für
wissenschaftliche Untersuchungen kleinen Umfanges verwendbar, boten aber dem wirtschaftlich
interressierten Techniker kein Vorbild.
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Kondensationsprodukte aus Formaldehyd und Phenolen oder Aminen in
Memhranform wurden fernerhin von Kordatzki als Meinbraneleiftroden zur Bestimmung
der Wasserstoffionenkonzentration benutzt. Diese sogenannten Pheno- oder Aminoplaste
besitzen aber bekanntlich einen sehr hohen elelçtrischen Widerstand und sind daher
für Vorgänge ungeeignet, bei denen es auf den Mengenaustausch von Ionen ankommt.
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Es sind fernerhin Ionenaustauschmaterialfen aus organischen Kunststoffen
in Form von Körnchen und Kügelchen von höchstens 3 mm Erstreckung in einer Dimension
bekannt, die als Schüttfüllung in Regenerativaustauschern verwendet werden. Solche
Regene-
rativverfahren sind aber wegen ihres diskontinuierlichen Betriebes, der hohen
Kosten der Chemikalien für die Regenerierung und des schlechten Ausnutzungsgrades
ihrer Austauschkapazität unwirtschaftlich. Ein weiterer, schwerwiegender Nachteil
dieser gekörnten Ionenaustauschkunstharze besteht in ihrer geringen Abriebfestigkeit,
die bei technischen Anlagen zu einem ständigen Substanzverlust führt und zusätzliche
Filtereinrichtungen verlangt. Diese Brüchigkeit der Ionenaustauschkunstharze wurde
vielfach als ein unvermeidbarer Mangel kritisiert.
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Diese Nachteile der bisher bekannten Ausführungsformen sind bei den
selektiv permteablen, stromdurchlässigen Scheidewänden, wie Membranen, Diaphragmen
od. dgl., erfindungsgemäß dadurch beseitigt, daß sie aus zu Platten, Membranen,
Stäben, Rohren, Gefäßen verformten, wasserunlöslichen und unschmelzbaren, kationen-
oder anionenaustauschenden Kunststoffgelen mit mindestens 15°/o Wassergehalt oder
aus mit solchen Kunststoffgelen beladenen Faser- oder Fadengebilden, z. B. aus Kunststoff
oder Glas oder aus Folien eines Bindemittels, z. B. Polystyrol, bestehen, in die
gleichmäßig solche ionenaustauschenden Stoffe eingelagert sind, wobei die Kunststoffe
ionisierbare, chemische Gruppen mit einer Dissoziationskonstante von mindestens
10-5 in einer Menge von mindestens 0,3 Milliäquivalenten pro Gramm Kunststofftrockengewicht
enthalten und die Scheidewände
eine spezifische Leitfähigkeit von
mindestens 105 0~t cm-l im Gleichgewicht mit 1 n-H C1 besitzen.
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Diese vorstehend angegebenen kolloidchemischen und elektrochemischen
Eigenschaften ergeben erstmalig selektivpermeable, stromdurchlässige Scheidewände,
die in technischen Anlagen zum Massentransport von Ionen im Dauerbetrieb geeignet
sind. Sie unterscheiden sich von den vorstehend erörterten, für wissenschaftliche
Zwecke bisher verwendeten Scheidewandfolien vor allem durch ihre Wasserunlöslichkeit,
ihre hohe Leitfähigkeit und ihre hohe Ionenaustauschkapazität und von den gekörnten
lonenaustauschkunstharzen vor allem durch ihre Folienform und mechanische Festigkeit.
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Die hohe Ionenaustauschkapazität der Scheidewände gemäß vorliegender
Erfindung beruht anscheinend darauf, daß die aktive Ionenaustauschkomponente in
Wasser nicht löslich, wohl aber frei dissoziierbar ist und daß ihre dissoziierbaren
Ionen überwiegend den freien, inneren Struktur- oder Geloberflächen des Ionenaustauschmaterials
zugeordnet sind. Beim Dissoziationsvorgang bleibt dabei die eine Ionenart am Feststoff,
während die andere Ionenart in die wassergefüllten Struktur- oder Gelzwischenräume
wandert. Daher ist der Gelwassergehalt von besonderer Wichtigkeit. Wie bereits erwähnt,
kann die erfindungsgemäße Scheidewand als Nebenbestandteil ein Bindemittel, z. B.
in Form polymerisierter Teilstücke, enthalten, die untereinander und mit den Molekülen
der Ionenaustauschkomponente, insbesondere dessen fixes Ion, chemisch verbunden
sind.
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Derartige Scheidewände werden vorzugsweise dadurch gewonnen, daß
polymerisierbare, organische Verbindungen in wäßriger Lösung oder Dispersion durch
Wärme und/oder Druck bis zur wasserunlöslichen oder vorzugsweise bis zur letzten
Reifungsstufe polymerisiert und von dieser Polymerstufe aus innerhalb der Dispersion
zu einem zusammenhängenden Gel vorbestimmter Raumform als Scheidewand, WIembran
usw. ausgereift werden. Erfahrungsgemäß orientieren sich bei derartig geführtem
Reifungsvorgang die dissoziierbaren Komponenten der polymerisierenden Verbindung
nach den freien, inneren Gelflächen hin, während die Polymerisationskomponenten
sich zum Gelkörper zusammenschließen. Wenn man verhindert, daß während der Polymerisation
das Lösungs- bzw. Dispersionswasser durch Verdampfen oder Ausscheiden verlorengeht,
füllt es die Gelzwischenräume aus und bildet dadurch das Dissoziationsmedium für
die obenerwähnten freien Ionen der Ionenaustauschkoinponente. Ein Wassergehalt von
mindestens 16°/ des Trockengenvichts der Ionenaustauschkomponente oder etwa ein
Achtel des entstehenden Ionenaustauschmaterials muß vorhanden sein, um diesen Strukturaufbau
und die daraus sich ergebende Ionenaustauschfähi gkeit zu gewährleisten. Die Formgebung
erfolgt im allgemeinen durch Gießen oder Formen, wobei im Falle von Druckanwendung
für die Erhaltung des Gelwassers gesorgt werden muß, oder durch sonstige Formmittel
und ermöglicht die Herstellung großer, ununterbrochener, zusammenhängender Scheidewände,
deren Wassergehalt und damit lonenaustauschaktivität durch Aufbewahren unter Wasser
oder in wassergesättigter Atmosphäre aufrechterhalten wird. Die Scheidewände nach
der Erfindung können die Gestalt von Membranen, Diaphragmen, Platten, Stäben, Rohren,
Gefäßen und ganz allgemein von beliebig geformten Körpern besitzen, die mindestens
in einer Dimension größer als 6 mm sind.
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In dieser Beziehung unterscheidet sich das vorliegende Herstellungsverfahren
und sein Erzeugnis von bekannten Polymerisations- und Reifungsverfahren mit anderen
Reifungsmedien oder während der Reifung sich entfernendem Wasser, bei denen feste,
undurchlässige Massen oder zellwassenfreie Schrumpf- und Bruchkörper entstehen.
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Eine weitere Eigenart der lonenaustauschmaterialien nach der Erfindung
besteht in ihrer ungewöhnlich hohen spezifischen Leitfähigkeit von mindestens 104
hl cm-l und ihrer hohen Austauschkapazität. Um solche hohen Leitfähigkeiten auch
mit aktiven Gruppen von vergleichsweise niedriger Dissoziationskonstante zwischen
10-5 und 10-8, gemessen in der wäßrigen Lösung des nicht polymerisierten Harzbestandteils,
zu erhalten, müssen diese in sehr hoher Konzentration von über 3 Milliäquivalenten
pro Gramm trockenen Ionenaustauschmaterials vorhanden sein. Wenn jedoch, wie bevorzugt,
Ionenaustauschmaterialien verwendet werden, deren aktive Gruppen ein hohe, oberhalb
103 liegende Dissoziationskonstante besitzen, lassen sich die erwähnten hohen Leitfähigkeiten
auch schon mit zehnfach kleineren Konzentrationen bzw.
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Austauscbkapazitäten, d. h. mit nicht mehr als 0,3 Milliäquivalenten
pro Gramm Trockensubstanz, erzielen.
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Eine kennzeichnende Besonderheit der vorstehend beschriebenen Ionenaustauschmateriaiien,
deren Austauschkapazität auf der Anwesenheit von aktiven sauren, basischen bzw.
Salzgruppen beruht, besteht darin, daß sie bei Anlegen eines ausreichenden Gleichstrompotentials
elektrolytische Zersetzungserscheinungen zeigen, also an den Elektroden Zersetzungsprodukte
ergeben. Zur Erklärung wird angenommen, daß die beweglichen Ionen den primären Stromanteil
mit sich führen und an derElektrode entladen werden, während die fixen Ionen entgegengesetzten
Vorzeichens das Gelwasser zersetzen und dadurch einen äquivalenten Betrag beweglicher,
sekundärer Ionen erzeugen, die nach der anderen Elektrode hin wandern und dort entladen
werden. Daher können die selektiv permeablen, stromdurchlässigen Scheidewände u.
dgl. nach der Erfindung auch als feste Kunstharzelektrolyte mit dem amphoteren Charakter
eines dissoziierbaren Salzes bezeichnet werden.
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Als sauer funktionierende, aktive, mit dem Polymerkörper verbundene
Gruppen können -5 O8H, -COOH und andere Radikale dienen, wobei das -S O,H-Radilcal
infolge seiner hohen, bei bestimmten Harzen den Wert 10-8 übersteigenden Dissoziationskonstante
bevorzugt wird. Das austauschbare Wasserstoffion kann dabei durch andere weitgehend
dissoziierte Kationen, z. B. Ionen der Alkali- bzw.
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Erdallkalimetalle, wie Calcium, Strontium, Barium, Radium, aber auch
des Silbers, Kupfers, Magnesiums, Ammoniumradikals u. dgl., ersetzt sein. Geeignete
Trägerpolymere für solche sauren aktiven Gruppen gehören zum Typ der Phenol-Aldehyd-Harze,
der Polystyril-Divinylbenzol-Mischpolymeren und ähnlicher Stoffe.
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Als basisch funktionierende, aktive, mit dem Polymerkörper verbundene
Gruppen können unter anderem quaternäre Ämmoniumhydroxyde (R1 R2R8 N H OH), Aminogruppen,
die Guanidylgruppe (H N = C N H2 N H-), die Dicyandiamidingruppe (HN=GNH,NHCONH-)
und andere stickstoffhaltige organische basische Radikale dienen, wobei die quaternären
Ammoniumhydroxyde, der Guam.dyl- und der Dicyandiamidinrest wegen ihrer über 10-3
liegenden Dissoziationskonstante bevorzugt
werden. Die austauschbaren
Hydroxylionen können dabei durch andere, weitgehend dissoziierte Anionen, wie Cl-,
NO3, SO, u. dgl., ersetzt sein. Geeignete Trägerpolymere für diese basischen aktiven
Gruppen gehören zum Typ der Harnstoff-Formaldehyd-Harze, der Melamin-Formaldehyd-Harze,
der Polyalkylpolyamin-Formaldehyd-Harze und ähnlicher Stoffe.
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Der selektiv permeable Charakter der Scheidewände u. dgl. nach der
Erfindung wird dadurch bestätigt, daß sie entweder ein typisches Konzentrationspotential
in der Größenordnung von 55 Millivolt, gemessen in einer Kalomel-KCl-Kette, oder
ein passend geändertes Konzentrationspotential, z. B. gemessen in einer Silber-AgCl-Kette,
besitzen.
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Die selektiv permeablen, stromdurchlässigen Scheidewände u. dgl.
nach der Erfindung ergeben zahllose technische Ånwtendungsmöglichkeiten. Grundsätzlich
sind sie überall dort anwendbar, wo durch ein formbeständiges, stromleitendes Diaphragma
Ionenaustausch- oder -überführungsvorgänge zwischen zwei Elektrolytlösungen durchgeführt
werden sollen.
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Die beiden Elektrolytlösungen können entweder gleiche Ionen in unterschiedlicher
Konzentration oder verschiedene Ionen enthalten, und der Austausch bezieht sich
entweder auf die Ionen einer Ladungsgattung unter praktischem Ausschluß der Ionen
entgegengesetzter Ladungsgattung oder auf kleine Ionen unter praktischem Ausschluß
großer Ionen. Durch Anlegen eines elektrischen Potentials an zwei solche El ektrolytlösungen
lassen sich Wirkungsgrad und Ausmaß solcher Austauschvorgänge erhöhen.
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Fernerhin können die Scheidewände als Bestandteil stromerzeugender
primärer oder sekundärer Elemente bzw. EMK-Zellen verwendet werden. Da überraschenderweise
ihr Wechselstrom-Durchgangswiderstand frequenzabhängig ist, können sie auch als
Bestandteil einer Frequenzmeßeinrichtung dienen.
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Nachstehend werden einige Beispiele für die Herstellung der selektiv
permeablen, stromleitenden Scheidewände nach der Erfindung an Hand der Zeichnung
beschrieben. Es zeigt Fig. 1 einen submikroskopischen Teil einer Scheidewand nach
der Erfindung in sehr stark vergrößertem, schematischem Querschnitt und Fig 2 die
Anordnung einer stabförmigen Scheidewand zwischen zwei Stromzuführungskontakten
aus Quecksilber, in schematischem Aufriß.
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Beispiel 1 Herstellung einer Membran aus Phenolsulfonsäure-Formaldehyd-Harz
50Gewichtsteile einer 65'0/obigen Lösung von Phenolsulfonsäure und 24,7 Gewichtsteile
einer 35,4°/oigen Formal dehydlösung wurden nach dem Vermischen 11/2 bis 2 Stunden
bei 500 C in geschlossenem Behälter (zur Vermeidung von Verdampfungsverlusten) teilpolymerisiert.
Das entstandene viskose Vorprodukt läßt sich wochenlang im Kühlschrank bei 50 C
aufbewahren. Zur Herstellung einer Scheidewand wurde es zusammen mit einem Trägergewebe
aus säurebeständigem Material, z. B. Glas, Polydichloräthylenharz od. dgl., in eine
Form eingebracht und in einer geschlossenen, feuchtigkeitsgesättigten Apparatur
bei 1000 C bis zur dunlçelbraunen bzw. schwarzen Stufe ausgereift, was je nach Menge
und Raumform 2 Stunden bis 2 Tage erfordert. Die Zeit, Temperatur und sonstige Bedingungen
der Reifung sind hierbei ohne wesentliche Beeinflussung der elek-
trischen und/oder
Oberflächeneigenschaften der fertigen Scheidewand variierbar, solange die Wasserkomponente
erhalten bleibt. Die fertige Scheidewand wird vor dem Gebrauch durch Einweichen
auf maximale Wassersättigung gebracht.
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Die elektrochemischen Eigenschaften der gebildeten Scheidewand sind
in der Tabelle nach dem Beispiel 5 aufgeführt. Die dort angegebene spezifische Leitfähigkeit
von 1,4 10-1 10 9 cm-1 im Gleichgewicht mit 1 n-Salzsäure ist größer als die der
1 n-Salzsäure selbst mit 0,36 1(H' - cm-1.
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Beispiel 2 Herstellung einer geformten Scheidewand aus einem Kunststoff
auf Carboxylpolystyrolbasis Als Ausgangsmaterial diente ein in Form weißer, opaker
Kügelchen in den Handel gebrachtes Kationenaustauschmaterial auf Carboxylpolystyrolbasis,
das auf Grund schwach saurer Carboxylgruppen die sehr hohe Austauschkapazität von
10,0 bis 10,2 Milliäquivalenten pro Gramm Trockensubstanz besitzt. Dieses Harz wurde
in einer Hammermühle pulverisiert, auf Teilchengröße unter 100 Maschen abgesiebt
und mit 200/0 Wasser entsprechend einem Gehalt von 25 auf Trockenharz berechnet,
hefeuchtet. Diese feuchte Masse wurde mit der gleichen Menge einer 300/oigen Lösung
von Polystyrol in Benzin zu einem Schlicker vermischt und bei 500 C gereift.
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Bei einem anderen Versuch wurde ein Gemisch gleicher Teile des mit
27 °/ F Wasser befeuchteten Harzpulvers und einer nur 250/obigen Polystyrollösung
in Benzin unter Verwendung einer Petrischale als Form ausgereift.
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Brauchbare Scheidewände unter Verwendung des gleichen Bindemittels
wurden auch durch halbstündiges Reifen bei z. B. 1200 C und mit einem Formdruck
von 176 kg/cm2 erhalten.
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Der Zusatz elektrisch nichtleitender, inaktiver Bindemittel, wie
im vorliegenden Falle Polystyrol, zum Ionenaustauschharzpulver verringert natürlich
die Leitfähigkeit der fertigen Scheidewand und soll daher vorzugsweise 300/o des
trockenen Ionenaustauschstoffes nicht überschreiten.
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In der Fig. 1 ist eine solche bindemittelhaltige Scheidewand in submikroskopischem
Querschnitt schematisch dargestellt. Die schräg schraffierten Gebiete stellen die
zusammenhängende feste Gelphase und die waagerechten Linien das in der festen Phase
durchgehend verteilte Gelwasser dar.
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Beispiel 3 Herstellung einer geformten Scheidewand aus Melamin-Guanidin-Formaldehyd-Harz
126 Teile Melamin (Triaminotriazin) und 90 Teile Guanidincarbonat wurden mit 162
Teilen 370/obiger Salzsäure vermischt und dem Gemisch 243 Teile einer 35,4°/oigen
Formaldehydlösung zugesetzt. Diese Mischung vermag z. B. bei 1100 C innerhalb von
4 Minuten zu polymerisieren. Zur Herstellung einer Scheidewand wurde aus diesem
unpolymerisierten Gemisch durch ungefähr 45 Minuten langes Erhitzen auf 400 C ein
niedrigmolekulares Polymer hergestellt, das zum Imprägnieren des im Beispiel 1 erwähnten
Polydichloräthylenharzes oder zur Herstellung von Gußformen diente. In beiden Fällen
wurde der Fertigreifung 12 Stunden in feuchter Atmosphäre, und zwar beim imprägnierten
Material bei 900 C und beim Gußmaterial bei 750 C, durchgeführt.
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Beispiel 4 Herstellung einer geformten Scheidewand aus einem sulfonierten
Mischpolymer aus Styrol und Divinylbenzol Als Ausgangsmaterial diente ein stark
saures, sulfoniertes Mischpolymer aus Styrol und Divinylbenzol, das von W. C. Baumann
und J. Eichhorn im »Journal of the American Chemical Society«, Bd. 69 (1947), S.
2830, und von D'Alelio in der USA.-Patentschrift 2 366 007 beschrieben worden ist.
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100 Teile des trockenen Mischpolymers mit einer Korngröße von 100
bis 200 Maschen wurden mit einem Gemisch von 25 Teilen einer 650/oigen Phenolsulfonsäurelösung
und 12,5 Teilen einer 35,4°/oigen Formaldehydlösung zu einem Schlicker verarbeitet,
der in eine Form ausgegossen und bei 1050 C in wasserdampfgesättigter Atmosphäre
gereift wurde.
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Beispiel 5 Herstellung einer geformten Scheidewand aus einem Kunststoff
aus einer Verbindung eines quaternären Amins mit einer Substanz auf Polystyrolbasis
Als Ausgangsmaterial diente ein in Form von Kügelchen mit einer Korngröße von 20bis
40 Maschen
im Handel befindliches Anionenaustauschmaterial aus einer Verbindung eines
quaternären Amins mit einer Substanz auf Polystyrolbasis. Es enthält als aktive
Anionengruppe quaternäres Ammoniumhydroxyd, das wahrscheinlich von der Einführung
von Trialkylaminen in die polymere Struktur herrührt. Dieses Material verhält sich
wie ein festes Kausticum, bei dem nur Hydroxylionen in Lösung gehen; seine Basizität
ist mit der Acidität sulfonsaurer lonenaustauschmaterialien vergleichbar, und seine
Austauschkapazität beträgt 0,7 bis 0,8 Milliäquivalente pro Gramm Trockensubstanz.
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80 Teile des nach Beispiel 3 hergestellten niedrigmolekularen Melamin-Guanidin-Formaldehyd-Kondensationsproduktes
wurden unter Anwärmen in 20 Teilen Wasser gelöst und mit 100 Teilen des mit 30%
Wasser befeuchteten Anionenaustauschmaterials zu einem Schlicker verarbeitet, der
in eine Form ausgegossen und bei 1050 C in wasserdampfgesättigter Atmosphäre gereift
wurde.
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Die elektrochemischen Eigenschaften der in den vorstehenden fünf
Bei spielen beschriebenen Ionenaustausch-Scheidewände nach der Erfindung sind die
folgenden:
| Material Kapazität |
| ristisches Leitfähigkeit Feuchtigkeits- in Milli- |
| Material Form Konzentrations- der Struktur in solut trockenen
des g absolut äquivalenten (mittlere |
| potential P cm-1 trockenen pro g absolut |
| in Millivolt Materials |
| Stark saurer Kationen- gegossen + 55 0,9 bis 114% 1,5 bis 1,7
7.10-2 |
| 1,4.10-1 |
| austauscher nach Bei- |
| spiel 1 imprägniert + 51 4,5 bis 114°/o 1,5 bis 1,7 7 1(ft2 |
| 5,5.10-2 |
| Schwach saurer Kat- |
| ionenaustauscher gegossen + 29,2 2,5 10-2 37°/o 11,6 10-5 |
| nach Beispiel 2 |
| Stark basischer An- gegossen 8,8 10-2 138% 10,5 3. 10-' |
| ionenaustauscher |
| nach Beispiel 3 imprägniert - 32 4,5 bis 210/0 -6,0 3 3.10-1 |
| 5,5 |
| Stark saurer Kationen- |
| austauscher nach Bei- gegossen + 16 3,5 10-2 45% 1,5 bis 2
10-1 bis 10-2 |
| spiel 4 |
| Stark basischer An- |
| ionenaustauscher gegossen - 52 4,7 10-2 58 % 0,8 bis 1,4 1i
bis 10 |
| nach Beispiel 5 |
PATENTANSPROCHE: 1. Selektiv permeable, stromdurchlässige Scheidewände wie Membranen
und Diaphragmen, bestehend aus zu Platten, Membranen, Stäben, Rohren, Gefäßen verformten
wasserunlöslichen, unschmelzbaren kationen- oder anionenausaustauschenden Kunststoffgelen
mit mindestens 15% Wassergehalt oder aus mit solchen Kunststoffgelen beladenen Faser-
oder Fadengebilden, z. B. aus Kunststoff oder Glas oder aus Folien eines Bindemittels,
z. B. Polystyrol, in die gleich-
mäßig solche ionenaustauschenden Stoffe eingelagert
sind, wobei die Kunststoffe ionisierbare chemische Gruppen mit einer Dissoziationskonstante
von mindestens 10-5 in einer Menge von mindestens 0,3 Milliäquivalenten pro Gramm
Kunststofftrockengewicht enthalten und die Scheidewände eine spezifische Leitfähigkeit
von mindestens 10-8 #-1 cm-1 im Gleichgewicht mit 1 n-H C1 besitzen.