-
Ersatzglied Die Erfindung bezieht sich auf eine Prothese, die an dem
Gliedstumpf des Trägers festgesaugt werden kann. Derartige Prothesen bestehen aus
einer der Gliedform entsprechenden äußeren Hülse und einer in dieser Hülse befestigten
inneren Hülse, die durch Saugwirkung am Gliedstumpf befestigt wird.
-
Bei den bekannten, durch Saugwirkung befestigten Prothesen wird das
künstliche Glied zusammen mit der Saughülse auf den Gliedstumpf aufgebracht und
auch zusammen wieder von diesem abgenommen. Bei einer bekannten Ausführung dieser
Art ist die Saughülse mit der Beinprothese durch mehrere Schrauben verbunden, und
die Herstellung des Unterdruckes in der Saughülse und die Öffnung eines Ventils
kann durch die äußere Prothesenhülse hindurch vorgenommen werden.
-
Die Anbringung der Saughülse an dem Gliedstumpf bereitet gewisse
Beschwernisse und erfordert einen ziemlich großen Zeitaufwand.
-
Zur Vermeidung dieser überstände ist ein Ersatzglied mit einer der
Gliedform entsprechenden äußeren Hülse und einer für die Aufnahme des Gliedstumpfes
bestimmten, durch Saugwirkung am Gfiedstumpf befestigten inneren Hülse gemäß der
Erfindung in der Weise ausgebildet, daß die äußere Hülse des Ersatzgliedes auf der
inneren Aufnahmehülse, welche für sich allein evakuierbar ist und ständig auf dem
Stumpf festgesaugt bleiben kann, mit Schnellver schluß teilen leicht lösbar befestigt
ist.
-
Durch diese Ausbildung wird der Prothesenträger in die Lage versetzt,
das Ersatzglied mit wenigen Handgriffen abzulegen und auf Wunsch ebenso schnell
wieder zu befestigen. Die Saugwirkung der inneren Hülse wird durch die Montage bzw.
Demontage des künstlichen Gliedes in keiner Weise beeinflußt. Das bedeutet, daß
auch in'Ruhelage des Trägers die Saughülse ständig am Körper gelassen werden kann.
-
Das Saugventil kann im Boden der inneren Saughülse angeordnet sein,
weil die Evakuierung bei abgenommenem Glied erfolgen kann.
-
Die Herstellung des Ersatzgliedes und die Anpassung an den Träger
ist außerordentlich einfach und kann z. B. in der Weise erfolgen, daß die innere
Hülse aus einer thermoplastischen Platte in formrichtiger Gestalt hergestellt und
dem Gliedstumpf angepaßt wird und die äußere, das künstliche Glied bildende Hülse
der Formgebung der inneren Hülse angepaßt und mit Verschlußgliedern versehen wird,
die mit Verschlußgliedern der inneren Hülse zusammenwirken.
-
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der
nachstehenden Beschreibung eines in der schematischen Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispieles.
Es zeigt Fig. 1 eine Seitenansicht des Ersatzgliedes nach der Erfindung für ein
weit oberhalb des Kniegelenkes amputiertesGlied, wobei Teile der Aufnahmehülse für
den Gliedstumpf und der äußeren Hülle weggebrochen sind, und Fig. 2 die.Teile der
Fig. 1 im Schnitt nach der Linie II-II der Fig. 1.
-
Das Ersatzglied nach der Erfindung besteht aus einer Aufnahmehülse
für den Gliedstumpf 1 mit Wänden2 und einem Boden 3. Die Wände2 sind genau geformt,
um sich der Form des Gliedstumpfes des Trägers anzupassen. Dabei ist ein enger Paßsitz
mindestens im unteren Teil der Aufnahmehülse notwendig. Im Boden 3 ist ein zur Erzeugung
eines Vakuums geeignetes Saugventil 4 angeordnet, um im Inneren der Aufnahmehülse
nach Einführen des Gliedstumpfes ein Vakuum erzeugen zu können. Das Saugventil 4
ist von allgemein üblicher und daher nicht näher beschriebener Art.
-
Der Träger kann die Aufnahmehülse an seinem Gliedstumpf anbringen,
indem er den Gliedstumpf in das hohle Innere der Aufnahmehülse einführt und dann
das ein Vakuum erzeugende Saugventil 4 betätigt, um ein teilweises Vakuum in dem
Raum herzustellen, der von dem Boden 3, dem unteren Teil der Wände 2 und dem unteren
Teil des Gliedstumpfes eingeschIossen wird. Dadurch wird die Aufnahmehülse fest
mit dem Gliedstumpf verbunden. Es ist nicht notwendig, daß die äußere Form der Aufnahmehülse
für den Gliedstumpf der äußeren Form des Gliedes entspricht, das durch das künstliche
Glied ersetzt wer-
den soll. Außerdem ist die Aufnahmehülse so auszubilden,
daß sie möglichst bequem sitzt, leicht ist und an den Gliedstumpf gut angepaßt werden
kann.
-
Das Ersatzglied nach der Erfindung versetzt den Träger in die Lage,
die Aufnahmehülse für den Gliedstumpf auch während der Ruhezeiten an dem Gliedstumpf
zu belassen, ohne daß für den Träger Unbequemlichkeiten entstehen.
-
Das Saugventil 4 ist vorzugsweise im Boden 3 der Aufnahmehülse für
den Gliedstumpf anzuordnen, obwohl es auch im unteren Teil der Wand angebracht werden
kann. Üblicherweise wird das Saugventil dadurch betätigt, daß ein in der Mitte angeordneter
Knopf nach innen gedrückt und dann losgelassen wird Eine Kombination einer Gummischeibe
mit einer Rückholfeder erzeugt die Saugwirkung während des Rückwärtshubes des genannten
Knopfes. Weil bei jedem Hub nur geringe Luftmengen abgesaugt werden, muß der Träger
den Knopf öfter einwärts drükken und wieder loslassen. Dadurch, daß das Saugventil
mittig im Boden der Aufnahmehülse angeordnet ist, sichert der Druck auf den Knopf
auch die mittige Aufnahme des Gliedstumpfes in der Aufnahmehülse Bei den bisher
üblichen Ersatzgliedern waren die Saugventile gegenüber dem Gliedstumpf exzentrisch
angeordnet, so daß das Ersatzglied beim Ansaugen gegenüber dem Gliedstumpf aus seiner
richtigen Lage gebracht wurde.
-
An der Außenfläche der Aufnahmehülse für den Gliedstumpf ist ein
Schloßteil 5 befestigt. Dieser Schloß teil 5 arbeitet mit einem Gegenstück 6 zusammen,
das an der äußeren Hülle 7 des Ersatzgliedes angebracht ist, die in Form und Größe
dem Glied entspricht, das ersetzt werden soll. Die äußere Hülle 7 ist hohl und so
beschaffen, daß sie die für den Gliedstumpf bestimmte Aufnahmehülse 1 in ihrem Inneren
aufnimmt. Der Schloßteil 5 und sein Gegenstück 6 bilden zusammen eine Verriegelungsvorrichtung,
die die Aufnahmehülse für den Gliedstumpf und die äußere Hülle fest miteinander
verbindet. Diese Verbindungsvorrichtung sollte so gewählt werden, daß sie in einfacher
Weise verriegelt und gelöst werden kann. Bei der dargestellten Ausführungsform ist
der Schloß teil 5 ein Haken, während das Gegenstück 6 eine drehbare Öse ist. Es
ist jedoch jede übliche Art einer Schnappverbindung verwendbar, die so arbeitet,
daß sie zwei teleskopartig ineinander eingreifende Teile fest und lösbar verbindet.
-
Vorzugsweise werden zwei diametral gegenüberliegende Schloßteile
5 und Gegenstücke 6 verwendet, um eine feste Verbindung zu schaffen.
-
An ihrem unteren Ende hat die äußere Hülle 7 men Schlitz 8 und ein
Lager 9 zur Aufnahme einew Beinteiles 10 (s. gestrichelte Linien in Fig. 1), wie
das bei künstlichen Beinen üblich ist. Diese Teile des Ersatzgliedes nach der Erfindung
sind von üblicher Bauart und daher nicht näher beschrieben. Wie bereits erwähnt,
hat die äußere Hülle eine äußere Form und einen äußeren Umfang entsprechend dem
zu ersetzenden Glied. Diese Formen solIten so genau nachgeahmt werden, wie das bei
der Herstellung künstlicher Glieder möglich ist. Die Innenwand der äußeren Hülle
entspricht im wesentlichen der äußeren Form der Aufnahmehülse für den Gliedstumpf,
jedoch nur, soweit dies notwendig ist, um irgendein Spiel zwischen der Aufnahmehülse
für den Gliedstumpf und der äußeren Hülle nach dem Zusammenfügen der beiden Teile
zu verhindern. Dieses Spiel wird am besten dadurch verhindert, daß am oberen Ende
der Aufnahmehülse für den GIiedstumpf ein Flansch 11 angeordnet wird, an
den sich
der obere Rand 12 der äußeren Hülle eng anlegt. Gegebenenfalls können auch sich
ineinanderlegende (nicht gezeigte) Teile an der äußeren Fläche der Aufnahmehülse
für den Gliedstumpf und der inneren Fläche der äußeren Hülle angeordnet werden,
um im Zusammenarbeiten zwischen dem Flansch ei und der oberen Kante 12 zu bewirken,
daß die Aufnahmehülse für den Gliedstumpf und die äußere Hülle durch die Schloßteile
5 und 6 ohne Spiel miteinander verbunden werden.
-
Bei der Herstellung des Ersatzgliedes nach der Erfindung wird vorzugsweise
zunächst die Aufnahmehülse 1 für den Gliedstumpf in ihre endgültige Form gebracht,
indem eine Platte aus thermoplastischem Material erhitzt und verformt wird. Danach
wird die äußere Hülle so geformt, daß sie die Aufnahmehülse für den Gliedstumpf
umschließt und in Form und Umfang dem künstlichen Glied entspricht, das hergestellt
werden soll.
-
In Fig. 2 ist gezeigt, daß die Aufnahmehülse 1 für den- Gliedstumpf
ihre endgültige Form erhalten hat, während die äußere Hülle 7 in einen Zwischenzustand
gebracht worden ist, in dem die Kanten einer Platte aus thermostatischem Material
so angeordnet sind, daß sie einander bei 13 überlappen. Diese sich überlappenden
Kanten werden mit Hilfe von Verbindungen, wie etwa Nägeln 14 miteinander verbunden.
-
Nachdem die Verformung der äußeren Hülle vollendet ist, werden die
Kanten so zugeschnitten, daß sie vorzugsweise im stumpfen Winkel aneinanderstoßen,
worauf diese Kanten durch Schweißen oder durch ein geeignetes Klebemittel miteinander
verbunden werden. Ein endgültiger Verformungsarbeitsgang kann darin bestehen, daß
dünne Folien thermoplastischen Materials auf die zu verdickenden Stellen geklebt
werden.
-
Die Aufnahmehülse 1 für den Gliedstumpf wird vorzugsweise zunächst
in der Weise hergestellt, daß zunächst die Kanten überlappt und dann zusammengeklebt
oder geschweißt werden, jedoch muß in diesem Falle sichergestelIt werden, daß die
Verbindungsnaht luftdicht fest.
-
Während die Aufnahmehülse 1 für den Gliedstumpf in jedem Falle einzeln
hergestellt werden muß, kann die äußere Hülle 7 bis zu dem in Fig. 2 gezeigten Zwischenzustand
vorgefertigt werden. Auf diese Weise ist es nur während der endgültigen Anpassung
notwendig, die Aufnahmehülse 1 für den Gliedstumpf zur Hand zu haben.
-
Bei der Benutzung befestigt der Träger zunächst die Aufnahmehülse
1 für den Gliedstumpf durch Anwendung eines- Vakuums an- dem Gliedstumpf. Auch während
des Ausruhens kann diese Aufnahmehülse an dem Gliedstumpf befestigt bleiben, und
der Träger kann die Aufnahmehülse an seinem Gliedstumpf anbringen, während er in
seinem Be* sitzt. Erst danach wird die äußere Hülle 7 mit HiIfe der zusammenarbeitenden
Schloßteile 5 und 6 an der Aufnahmehülse 1 befestigt.
-
Eine Nachjustierung der Länge des Ersatzgliedes kann in einfacher
Weise durchgeführt werden, indem die gegenseitige Lage der Schloßteile 5 und 6 verändert
wird.
-
Die äußere Hülle 7 wird schließlich mit einer Hautfarbe versehen.
Die Aufnahmehülse für den Gliedstumpf wird vorzugsweise aus einem geeigneten durchsichtigen
Kunststoff- hergestellt, um die Lage des Stumpfes innerhalb der Aufnahmehülse überwachen
zu können, wenn diese an dem Gliedstumpf angebracht wird.
-
Bei Nachjustierungsarbeitsgängen ist es sehr einfach, die Aufnahmehülse
1 für den Gliedstumpf durch eine andere zu ersetzen, die einen besseren Sitz an
dem Gliedstumpf hat.
-
PATENTANSPROCHE: 1. Ersa,tzglied mit einer der Gliedform entsprechenden
äußeren Hülse und einer für die Aufnahme des Gliedstumpfes bestimmten durch Saugwirkung
am Gliedstumpf befestigten inneren Hülse, dadurch gekennzeichnet, daß die äußere
Hülse (7) des Ersatzgliedes. auf der inneren Aufnahmehülse (2), welche für sich
allein evakuierbear ist und ständig auf dem Stumpf festgesaugt bleiben kann, mit
Schnellverschlußteilen leicht lösbar befestigt fest.