Verfahren zur Herstellung von Vollreifen für Automobile, Fahrräder und dergleichen, sowie Mittel zur Ausübung des Verfahrens. Man hat schon mehrfach versucht, die luftgefüllten Reifen für Automobile, Fahr räder und dergleichen ,durch Vollreifen zu ersetzen, bei welchen ein äusserer Mantel mit einer Masse gefüllt ist, ,die derartige Eigen schaften hat, dass der so entstandene Voll reifen einen aufgeblasenen Reifen vollwertig ersetzen kann.
Man hat zur Herstellung sol cher Vollreifen Pneumatikschläuche mit einer unveränderlichen, gu,mrniähnlichen, elasti schen Masse, bestehend aus einer Mischung von Gelatine und Glyzerin, gefüllt, .oder den Luftschlauch mit einer quellbaren Masse an- ,gefüllt, welche bei Zufuhr von Feuchtigkeit aufquillt, also ihr Volumen vergrössert und so den Luftschlau @ch spannt.
Da, diese Ma terialien alle sich nicht bewährt haben, hat man ,auch vorgeschlagen, die Luftschläuche mit Faktis, hergestellt aus Schwefelchlortir und Öl (combinaison :de protachlorure de soufre et d'une huile), - anzufüllen. Diese Masse .bewährt sich jedoch ebenfalls nicht, und zwar aus zweierlei Gründen, nämlich erhärtet diese Masse sich zu wenig, bleibt zäh und klebrig und weist nicht die federnde Härte auf, wie sie aufgepumpte Luft schläuche besitzen.
Die Härte soll nämlich nach der Fahrzeugbelastung variieren kön nen, d. h. wählbar sein. Dieser Faktis (vergl. Enzyklopädie .der Technischen Chemie, Prof. Dr. Fritz Ullmann, Berlin, 1919, B.d. 7, ,Seite 2) eignet sich somit nicht ohne weiteres als Füllmasse. Es wurde nun gefunden, dass man dennoich unter Verwendung der Grundsub stanzen des F.aktis zu einer praktisch ver wertbaren Füllmasse für Automobil-, Fahr radreifen und dergleichen gelangen kann.
Gegenstand vorliegender Erfindung ist nun ein Verfahren zur Herstellung von Voll reifen für Automobile, Fahrräder und der gleichen unter Verwendung der bekannten Reaktion von Öl mit Siohwefelchlorür, bei welcher Reaktion Wärme entwickelt wird, jedoch unter Zusatz von pulverförmigen Füll stoffen, wie mineralischen und (oder) metal lischen Substanzen, z.
B. Kieselgur, Talkum, Magnesiumoxyd, Aluminiumpulver, eventuell unter Verwendung von Korkmehl und der gleichen, welche Masse gemischt unter Druck in eine Form hineingepresst wird und .daselbst während ihrer Erhärtung unter Druck, zum Beispiel 2 bis 5 Atm., entsprechend dein Druck in gewöhnlichen Luftkammern von Luftreifen, belassen wird, -wonach eine rasche Abkühlung stattfindet. Man kann in die Form auch einen Schlauch legen, um die Masse dann in den Sehlauch hineinzupressen.
Die Füllstoffe, die dem Schwefelchlorür und dem<B>01</B> zugesetzt werden, haben den Zweck, als Träger des Schwefelchlorürs in der Mischung zu dienen, wodurch die mikro- skopisehe Porenbildung in der endgültigen Füllmasse gefördert wird, sowie die gleich mässige Verteilung dieser Poren in der Masse selbst.
Während der Erhärtung der Masse findet eine Vulkanisierung statt, und zwar unter Druck, wodurch eine kompakte Masse erzielt wird, die je nach angewandtem Druck einem mit 2, 3, 4 oder 5 Atm. aufgeblasenen Luftreifen an Härte und Federung entspricht.
Als Öl kommen in Betracht: Lein-, Rü ben-, Copra-, Olivenöl etc., die säurefrei sind. Zweckmässigerweise verfährt man bei der Ausübung .des Verfahrens wie folgt: Die Mi schung von<B>01,</B> Schwefelelilorür und Füll stoffen wird in einem offenen oder hermetisch verschlossenen Gefäss gemischt und mit.
Hilfe von komprimierter Luft in einen Luft schlauch eingefüllt, der sich in einer Guss form 1, wie beispielsweise beiliegende Zeiüh- nung zeigt, befindet, woselbst diese Gussform in Draufsicht und im Querschnittdargestellt ist. Diese Gussfoim ist zweiteilig und: können beide Teile mittelst angelenkten Schrauben bolzen 2 und Flügelmuttern 3 zusammenge halten werden, wobei die Flügelmuttern auf Vorsprüngen 4 aufruhen, :die sich am obern Teil 5 der Gussform sowohl an :der Innenseite als an der Aussenseite derselben befinden.
Durch Andrehen dieser Flügelmuttern wer den,die zwei Hälftender Gussform stark auf einander gepresst, so dass sie imstande sind, einen innern Überdruck auszuhalten. Die obere Gu.3formhälfte5 weist einen Rohransatz 6 auf, in welchem sich ein Hahn 7 befindet und welcher Rohransatz,da.zu dient. die Füll masse in die Form einzufüllen. Ausserdem ist ein R.ohrans:atz 8 vorhanden, der ebenfalls mit einem Hahn 8' versehen ist.
Dieser Rohr ansatz .dient ,als Entlüftungsrohr, um die aus der Form während. des Einfüllens entwei chende Luft und die entweichenden Gase ab zuleiten.
Zwei Rohrstutzen 9 und 10 in jeder Hälfte der zweiteiligen Grussform dienen für ,die Zufuhr und Abfuhr von Kühlwasser, wel ches durch Hohlräume 11 sowohl in der un tern, als in :der obern Gussformhälfte hin durchströmen kaain, um die Füllmasse in der Gussform selbst nach ihrer Erhärtung rasch abkühlen zu können, damit die Reaktion un terbrochen wird. Es wird nämlich mit Über schuss an Schwefelchlorür gearbeitet, und würde eine längere Fortdauer der Reaktion dem herzustellenden Füllkörper einen Teil seiner Elastizität nehmen.
Zweek.mässigerweise wird der Mischung von<B>01</B> und Schwefelehloriir unter beständi gem Rühren Benzin zugesetzt, welches dazu dient, die Reaktion@zu mässigen. Während der Reaktion findet eine starke Erwärmung statt unter gleichzeitiger Entwicklung von Salz sä uredämpfen, die unzählige mikroskopische feine Poren in der Masse bilden, und ihr da mit den verlangten elastischen Charakter ge ben.
Im Augenblick, < %=lo die flüssgeas@ Neigung zeigt, sich zu verfestigen, wird sie aus dem Mischgefäss mit Hilfe von kompri inierter Luft in den in der Gussform befind lichen Schlauch oder direkt in die gusseiserne Form von entsprechendem Querschnitt hin- ein:gepresst. Dabei. wird die Gussform in einer Lage gehalten, da.ss der Rohrstutzen 8 mit.
geöffnetem Ventil sich im höchsten Punkte der Form befindet, um eine vollständige Fül lung zu ermöglichen. Sobald aus dem Luft- austrittsventilweder Luft noch Schaum .aus tritt, wird dasselbe geschlossen und -der Druck im Innern des Schlauches bezw. der Form auf die gewünstlite Höhe (3 bis 6 Atin.) .ge steigert, und konstant gehalten, worauf die Kühlung durch Öffnung der Wasserhähne eingeleitet wird.
Nach erfolgter Kühlung wird der Druck aufgehoben, die Kühlung ab gestellt, die Form geöffnet, und der gefüllte Schlauch oder die eine Schlauchform habende Füllmasse entfernt. Letztere wird dann zweckmässig mit -einem sehr elastischen Ge webeband zu ihrem Schutze umwickelt, und erfüllt Jann genau den gleichen Zweck wie ein gefüllter Gummischlauch.
Die mineralischen oder metallischen Füll stoffe in der fertigen Füllmasse geben dieser den notwendigen Widerstand. ,gegen Druck und dienen gleichzeitig zur Beschleunigung der Wärmeabgabe nach aussen während der Fahrt eines mit der Füllmasse gefüllten Rei- fens. Ausserdem haben diese Füllstoffe den Zweck, das 8chwefelchlorür besser mit dem 01 zu mischen,
um eine bis in die kleinsten Teile gehende Vulkanisation zu ermöglichen und dem Endprodukt .die Feuchtigkeit und Klebrigkeit zu nehmen.
Durch den Umstand ferner, dass die Er härtung der Masse unter dem Einflossdes jenigen Druckes erfolgt, der für den guten Gang der Luftkammerreifen ange\vendet wird, wird eine Elastizität beim Gange der mit Vollreifen versehenen Räder erzielt, die derjenigen von ljuftkammerreifen .geilau ent spricht.
Die Vollreifen gemäss Erfindung haben in ihrem Innern ein kautschukartiges Aussehen; Eindrücke springen wieder auf, und die Rei fen nehmen ihren ursprünglichen Zustand nach Deformation wieder an, sie sind in ho hem Masse elastisch. Bei der Herstellung lässt sieh darauf Rücksicht nehmen, ob :die Voll reifen für schwere Wagen oder für leichte Fahrzeuge bestimmt sind, die bekanntlich Luftreifen haben, !die ebenfalls mit verschie denem Atmosphärerndruckaufgepumpt wer den.
Die Füllmasse behält ihre guten Eigen schaften sogar bei Temperaturen bis über <B>100'</B> C, ist .also tropenbeständig, aber auch bei Temperaturen bis zu minus <B>30'</B> C.
Bei .der Herstellung der Füllmasse ver wendet .man zweckmässig für Vollreifen, die für -die Personenautomobile bestimmt sind, <B>100</B> kg Rapsöl, 14 kg Schwefelchlorür, 3 kg Benzin, 0,72 spez. Gewicht, nebst 4,5 kg Kie- selg-ur und, 21/2 kg Liquido, mit welchem Wort geschmolzene Faibrikations.abfälle der Füllmasse bezeichnet werden.
Vollreifen, die für Fahrräder und Motorfahrräder bestimmt sind, werden vorteilhafterweise -aus 100 kg Rapsöl, 13 kg S.chwefelchlorür, 3 kg Benzin <B>0,72</B> spez. Gewicht, 1,3 kg Ma@gnesiaoxyd, 0,65 kg Korkmehl und 1,3 kg Liquido her gestellt.