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Verfahren zur Herstellung geschmeidiger Sehiehtstoffe.
Das Streichen von Stoffen hat bekanntlich eine Reihe von Nachteilen, die in erster Linie da- mit zusammenhängen, dass man in vielen Fällen Streichmassen verwenden muss, welche erhebliche
Mengen flüchtiger Lösemittel enthalten. In diesen Fällen ergeben sich Schwierigkeiten durch die mehr oder weniger starke physiologische Wirkung, und oft durch die Feuergefährlichkeit dieser Löse- mittel, sowie durch die Notwendigkeit einer anschliessenden Trocknung, die unter Umständen noch durch eine langwierige Nachtrocknung ergänzt werden muss. Um rentabel zu arbeiten, muss eine Löse- mittelwiedergewinnung erfolgen ; trotzdem bleiben Lösemittelverluste unvermeidlich. Es kommt hin- zu, dass zur Erzielung eines genügend dicken Überzuges mit glatter Oberfläche und vollkommener Wasserfestigkeit bzw.
Undurchlässigkeit für Gase eine grosse Anzahl von Aufstrichen, die nach jedem Auftrag getrocknet werden müssen, notwendig ist, so dass man das Verfahren als umständlich und teuer bezeichnen muss. Das sogenannte trockene"Streichen-z. B. durch Friktionieren lässt sich wohl mit unvulkanisiertem Gummi durchführen, ist aber nicht ohne weiteres auf Cellulosederivate, Vinylpolymerisationsprodukte u. a. neuere Kunststoffe anwendbar, da diese-sofern sie nicht an sich klebrige Beschaffenheit haben-beim Kalandrieren nicht genügend in das Gewebe eindringen und keine ausreichende Haftfestigkeit ergeben. Verwendet man aber zum trockenen Kalandrieren sehr weiche Massen, wie z. B. an sich weiche, klebrige Polymerisate, oder Cellulosederivate, oder harte Polymerisate bzw.
Cellulosederivate mit grossen Mengen nichtflüchtiger Weichmacher, so sind die damit erhaltenen Aufträge infolge ihrer Klebrigkeit unbrauchbar. Nach dem vorliegenden Verfahren gelingt es, besonders geschmeidig, kälte-und wärmebeständige, völlig wasser-und gasundurchlässige Stoffe mit festhaftender, glatter und genügend dicker Auflage in nur zwei Arbeitsgängen ohne Verwendung flüchtiger Lösemittel herzustellen ; das Verfahren kann zur Herstellung von Kunstleder, Ballonstoff, Bekleidungsstoffen, Faltboothaut und viele andere Zwecke verwendet werden. Es besteht darin, dass man auf Textilgewebe, Papier od. dgl., zunächst durch Kalandrieren bei verhältnismässig niedriger Temperatur mit oder ohne Friktion eine weiche, noch mehr oder weniger klebrige Masse aufbringt, wie sie z.
B. durch Vermischen von Vinylpolymerisaten oder auch von Cellulosederivaten mit erheblichen Mengen von nichtflüchtigen Weichhaltungsmitteln entsteht, oder man verwendet für diesen ersten Auftrag solche Polymerisate oder Celluloseester, welche an sich weich und klebrig sind, wie z. B. ein nicht zu hoch polymerisiertes Isobutylen oder Mischpolymerisate aus Vinylehlorid und erhebliche Mengen Vinylacetat oder Acrylsäureester, oder Polyacrylsäureester bzw. Polyvinylacetat allein in einer weichen, noch etwas klebrigen Polymerisationsstufe, oder besonders weiche Cellulosederivate, wie z. B. Celluloselaurat ; in allen zuletzt aufgeführten Fällen bedarf es dann keines Zusatzes an Weichhaltungsmitteln.
Alle diese weichen Massen dringen beim Kalandrieren infolge ihrer verhältnismässig geringen Viskosität unter dem Druck der Walzen bei mässiger Wärme tief in die Poren des Gewebes oder Papiers usw. ein, u. zw. so, dass die Gewebe-bzw. Papierfasern bis zur Rückseite eingebettet werden. Dann lässt man das so vorbereitete Gewebe erneut durch den Zwischenraum von zwei geheizten Walzen eines Zwei-, Drei-oder Vierwalzenkalanders passieren und führt gleichzeitig über eine oder beide Walzen eine härtere, in einem weiten Temperaturbereich nicht klebrige thermoplastische Masse (z. B. auf der Grundlage von Polymerisaten oder Cellulosederivaten) in den Walzenzwischenraum ein, die sich nunmehr dort auf die weiche, klebrige Unterschicht festhaftend und glatt aufkalandriert,
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Beispiele :
1.
Auf ein Gewebe wird zunächst bei verhältnismässig niedriger Temperatur (zirka 900 C) eine Masse aufkalandriert, die aus 40% Polyvinylchlorid und 60% Trikresylphosphat besteht. Diese Masse ist so weich, dass sie beim Walzen nicht nur in sämtliche Poren des Gewebes eindringt, sondern sogar bei einseitigem Auftrag bis zur RÜckseite des Gewebes durchdringt, also die Gewebefasern nahezu restlos einbettet. Das so behandelte Gewebe wird nun durch einen der eng eingestellten Walzenzwischenräume eines geheizten Dreiwalzenkalanders hindurchgeführt, während in den zweiten Walzenzwischenraum eine härtere, z.
B. aus 70 Teilen Polyvinylchlorid und 30 Teilen Phtalsäurebutylester bestehende Masse in Form einer angewärmten Rolle eingeführt und über die angeheizte mittlere Walze hinweg dem zweiten Walzenzwischenraum und damit dem vorher mit der weichen Masse behandelten Gewebe zugeführt wird. Bei dieser Arbeitsweise legt sich die härtere Masse vollkommen festhaftend und glatt an die weiche, klebrige Unterschicht, die zuerst auf das Gewebe aufgebracht wurde, an und ergibt in einem Arbeitsgang eine genügend dicke, glatte Oberschicht, die in einem weiten Temperaturbereich nicht klebrig ist, so dass das Erzeugnis nunmehr unmittelbar z. B. als Kunstleder (etwa Polsterstoff) oder als Faltboothaut usw. verwendbar ist.
Zur Herstellung dickerer, mehrschichtiger Stoffe kalandriert man mehrere in der beschriebenen Weise mit weicher Masse behandelte Gewebe aufeinander und bringt zum Schluss einseitig oder beiderseitig eine härtere Oberschicht in der beschriebenen Weise auf.
2. An Stelle der beiden obengenannten durch Weichhaltungsmittel in ihrer Härte variierten Polyvinylchloridansätze werden zwei Mischpolymerisate aus Vinylchlorid und Acrylsäuremethylester verwendet, die sich durch den Prozentgehalt beider Komponenten wesentlich unterscheiden,
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und 50% Polyacrylsäureäthylester), das andere (für die Oberschicht bestimmte) zwar flexibel, aber doch härter und nichtklebrig (z. B. 70% Polyvinylchlorid und 30% Polyacrylsäureester) ist. Im
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3.
Es werden zwei völlig verschiedene Polymerisate als Ober-und Unterschicht verwendet, beispielsweise eine Oberschicht aus nichtklebrigem hochpolymerisiertem Isobutylen und eine Unterschicht aus weichem, klebrigem Polyacrylsäureäthylester ; das Verfahren ist im übrigen dasselbe wie nach Beispiel 1.
4. Als Oberschicht verwendet man eine Masse aus 80% Äthylcellulose und dz Benzylnaphtalin und als Unterschicht eine Masse aus 50% Äthylcellulose und 50% Benzylnaphtalin.
5. Als Oberschicht verwendet man eine Masse aus 80 Teilen Benzylcellulose und 20 Teilen Trikresylphosphat, als Unterschicht ein Celluloselaurat, das an sich (ohne Weichmacher) weich und klebrig ist.
Selbstverständlich kann bei allen Beispielen, sofern man auf kontinuierliches Arbeiten keinen Wert legt, statt des Walzens bei jedem Arbeitsgang auch ein Pressen der Schichten erfolgen. Weiter ist auch eine Abänderung des Verfahrens insoweit möglich, dass man die innere, klebende Schicht in Form einer vorher ausgewalzten Klebfolie auf das Gewebe oder Papier aufbringt und dann die äussere, nicht klebende Schicht.
6. Als Oberschicht verwendet man eine Masse aus 70 Teilen Polyvinylchlorid und 30 Teilen Trikresylphosphat, als Unterschicht eine Masse aus 50 Teilen naehehloriertem Polyvinylchlorid und 50 Teilen Trikresylphosphat.