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Bakterienreieher, organisch-mineralischer Universaldiinger und Pflanzenschutzmittel, sowie Verfahren zu deren Herstellung.
Es ist eine seit langem bekannte und von den Agrikulturc11emikern, Bodenkundlern und Volkswirtschaftlern mit Sorge beobachtete Tatsache, dass durch die seit Zahrzehnten betriebene, einseitige Düngung mit hochkonzentrierten Mineraldüngern die mittleren Ernteerträge langsam, aber stetig zurückgehen.
Der Boden reagiert nicht mehr proportional auf die zugeführten, mineralischen Nährstoffe, er zeigt die Erscheinung der"Bodenmüdigkeit", die auf die Schwächung der nützlichen und zur Erzielung von Vollernten unbedingt notwendigen Bodenbakterien und die Verschiebung der erwünschten neutralen oder schwach alkalischen Reaktion des Bodens in der Richtung zu einer Versäuerung infolge Anhäufung der durch die Intensivdüngung mit konzentrierten Mineralsalzen der Schwefel- und Salzsäure dem Boden zugeführten, schädlichen Nebenbestandteile dieser Diingesalze zurückzuführen ist.
Diesen Erscheinungen suchte man durch Aufstellung komplizierter Fruchtfolgen zu begegnen, sie sind aber nur durch die Wiederherstellung der lebendigen Bodenkraft, das ist durch Stärkung und Vermehrung der nützlichen Bodenbakterien, wie sie im Stallmist enthalten sind, wirksam zu bekämpfen.
Leider herrscht in allen dicht besiedelten Kulturländern immer fühlbarer werdender, notorischer Mangel an Stallmist. Dieser Mangel wird durch den stetigen Rückgang der Zugtierhaltung infolge fortschreitender Automobilisierung der Fuhrwerke und Personentransportmittel nur noch verschärft. Die Landwirte, Kleinbauern, besonders aber die viehschwachen Wirtschaftsbetriebe können meist nur die Halm-und Hackfrüchte mit Stallmist versehen, wogegen Wiesen und Weiden, Wein-und Gartenkulturen häufig leer ausgehen.
Den Gärtnern, Weinbauern, Siedlern und Schrebergärtnern wird es immer schwerer, sich den notwendigen Stallmist zu beschaffen und wenn, dann nur mit grossen Geldopfern und Zeitverluste, wobei sie häufig kaum verrottetes, leeres Stroh oder die nahezu wertlosen, sägemehlhaltigen Streuabfälle aus den Viehtransportwagen der Eisenbahnen erhalten.
Es war daher schon seit langem das Bestreben der Erfinder, auf künstlichem Wege und meist unter Verwendung von Torfmull einen Ersatz für den Stallmist zu schaffen, ohne dass es bis heute gelungen wäre, dieses wichtige Problem befriedigend zu lösen.
Torfmull ist, besonders wenn er von Hochmooren stammt, ein von Natur aus saures und nahezu steriles Substrat, das erst durch Ammoniak oder Ätzkalk oder Alkalien neutral gemacht und dann mit künstlichen Bakterienkulturen geimpft werden muss. Ähnlich verhält es sich mit anderen, humose Stoffen wie Waldhumus, Moorerde usw.
Wir haben aber auf Grund längerer Beschäftigung mit Champignonkultur, auf Grund von Beobachtungen und eingehenden Versuchen gefunden, dass der Champignonkompost, wie er nach Aberntung der Pilze als sogenannte"Champignonrücklage"übrigbleibt, allen Anforderungen in bezug auf alkalische Reaktion, hohen Gehalt an"süssem" Humus im Gegensatz zum Torf undreichliche Bakterienflora vollauf entspricht. Letztere ist infolge der kombinierten biologischen Prozesse, die der Champignonkompost durch seine Herkunft vom Stallmist und als Brutbeet für die Champignonpilze durchgemacht hat, besonders zahlreich und kräftig entwickelt.
Versetzt man ihn ausserdem mit einer Menge von 5 bis 10% löslichen Pflanzennährsalzen, so tritt in kurzer Zeit eine ausserordentliche Vermehrung der nützlichen Bodenbakterien ein, wodurch er den Stallmist in allen seinem spezifischen Eigenschaften nicht nur vollständig ersetzt, sondern an Wirksamkeit hinsichtlich des Gehaltes an organischer, humusbildender Substanz, an Pflanzennährstoffen und nützlichen Bodenbakterien weit übertrifft.
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Als ganz besonders spezifische Eigenschaft des Champignonkompostes hat sich aber gezeigt, dass bei der Verwendung desselben als Dünger aus allen damit versehenen Kulturen gewisse, tierische Schädlinge wie Blutlaus, Ameisen, Wühlmäuse, Maulwürfe spurlos verschwanden. Wir verweisen nochmals mit Nachdruck auf diese auffallende, wissenschaftlich noch nicht geklärte Tatsache.
Es hat sich aber auch gezeigt, dass wässerige Auszüge aus dem Champignonkompost, erhalten durch zweitägiges Auswässern und nachheriges Passieren des Kompostes durch ein Sieb, die gleichen
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Nährsalze verstärkte Champignonkompost hat sich demnach als natürliches, kombiniertes DüngePflanzenschutzmittel erwiesen. Die Schutzwirkung erklären wir uns dadurch, dass nach Aberntung der gebräuchlichen drei Pilzgenerationen als vierte sogenannte #Kümmerlinge" auftreten, das sind missgestaltete, übelriechende Pilze, die für die genannten tierischen Schädlinge unangenehme, organische Verbindungen im Boden zurücklassen, oder in solche zerfallen.
Diese pflanzensehützende Wirkung weist keines der bekannten Düngemittel auf. Sie überträgt sieh auch auf Düngesalzmischungen mit zehn-bis fünfzigprozentiger Beimengung von Champignonkompost. Wässerige Auszüge ausdemselbenleistendengleichenDienst. Es ist daher zweckentsprechend, die gebräuchlichen Düngesalze und Mischdünger des Handels mit zehn bis fünfzig Prozent Champignonkompost zu versetzen, um diese mineralischen, sterilen Düngemittel von vornherein mit aktiven, nütz- lichen Bodenbakterien zu versehen, die ihre Düngewirkung durch raschere und vollständige Umsetzung der Nährstoffe bedeutend zu erhöhen vermögen.
Die Düngewiricung des neuen, bakterienreichen, organisch-mineralischen Universaldüngers ist im Vergleich mit höchstkonzentrierten Mineraldüngern wie z. B. Nitrofoska ganz ausserordentlich hoch.
Nachstehend folgen die Ergebnisse eines Wiesendüngungsversuches im Botanischen Institut der Universität Wien im Jahre 1933.
Alle Angaben beziehen sich auf 1 : a Fläche. Gedüngt am 7. August, geerntet am 12. Oktober.
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Parzelle <SEP> III <SEP> erhielt <SEP> 975'6 <SEP> kg <SEP> Nitrofoska <SEP> von <SEP> der <SEP> Zusammensetzung <SEP> 16'5% <SEP> Stickstoff, <SEP> Ernte <SEP> :
<tb> 16-5% <SEP> Phosphorsäure <SEP> und <SEP> 21'5% <SEP> 4. <SEP> 527 <SEP> kg <SEP> Gras
<tb> Parzelle <SEP> IV <SEP> erhielt <SEP> einen <SEP> Mischdünger <SEP> aus <SEP> 138'3 <SEP> leg <SEP> Ammonsulfat, <SEP> 158 <SEP> leg <SEP> Superphosphat <SEP> und <SEP> 177#8 <SEP> kg <SEP> 40%iges <SEP> Kalisalz. <SEP> Diese <SEP> Mineralsalze <SEP> stellen <SEP> den
<tb> Zusatz <SEP> zu <SEP> dem <SEP> Champignonkompost <SEP> dar.............................. <SEP> 2.212 <SEP> kg <SEP> Gras
<tb> Parzelle <SEP> V <SEP> blieb <SEP> ungedüngt....................................................
<SEP> 1.722 <SEP> kg <SEP> Gras
<tb> Parzelle <SEP> VI <SEP> erhielt <SEP> 2.927 <SEP> kg <SEP> Champignonkompostdnger............................ <SEP> 9.171 <SEP> kg <SEP> Gras
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Durch obige Dünglmg wurden an iteinnährstoffen je Aa zugeführt :
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Reinkali.
Obige Ernteergebnisse wurden durch ein Organ der Landwirtschafts-chemischen Bundes-Versuchsanstalt Wien erhoben.
Nach obigen Zahlen übertraf der Champignonkompostdünger die ungedüngte Fläche um mehr als 500%, die als seine Verstärkung dienende Kunstdüngermischung um mehr als 400% und die rund
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die Champignonkompostdngung stellt sich auf 360 Schilling. Mithin wurde mit einem Drittel der Kosten gegenüber Nitrofoska die doppelte Wirkung erzielt.
Es ist bereits bekannt, dass man Bakterienkulturen in flüssiger Form zur Impfung der Ackerböden mit trockenem, sterilisiertem Torf oder mit Erde unter Hinzufügung einer Nährlösung vermengt, um die Bakterienkulturen versandfähig zu machen. Bekannt ist auch, dass man mit Hilfe von alkalischen Lösungen aus humushältigen Substanzen humose Extrakte herstellt, die unter Zugabe von Düngemitteln zur Bekämpfung pflanzlicher und tierischer Parasiten verwendet werden. Es ist aber'unseres Wissens noch nirgends beschrieben worden, dass Champignonkompost oder Extrakte aus demselben für sich oder im Gemenge mit organischen Substanzen wie Stallmist, Kompost, Torf u. dgl. unter Hinzufügung von festen oder flüssigen Nährsalzen als bakterienhältiger, organisch-mineralischer Dünger und Pflanzenschutzmittel in Anwendung gekommen wären.
Wir verweisen daher auf diese von uns vorgeschlagene Neuerung auf dem Gebiete des Düngemittel-und Pflanzenschutzwesens, derzufolge wir ein kombiniertes Präparat herstellen, das zugleich als hochwirksames Dünge-, Bodenimpfungs-und Pflanzenschutzmittel Verwendung finden kann. Der dabei als Grundlage und Ausgangspunkt dienende Champignonkompost oder ein wässeriger Auszug aus demselben wird mit organischen Stoffen wie Stallmist, Kompost, Torf u. dgl. vermengt und eventuell getrocknet und gemahlen. Ferner kann dieses Präparat beim Vermengen auch einen Zusatz von 5 bis 10% Düngesalzen oder derartigen Gemengen erhalten.
Ebenso können hochprozentige Düngesalze oder deren Mischungen mit zehn bis fünfzig Prozent reinem Champignonkompost vermengt oder mit konzentrierten, wässerigen Lösungen aus demselben befeuchtet werden, worauf die Mischung eventuell noch getrocknet und gemahlen wird. Ferner kann aus einem dieser als Ausführungsbeispiele angegebenen
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Präparate, durch mindestens 48 stündiges Behandeln mit gewöhnlichem oder schwach angewärmtem Wasser mit darauffolgendem Durehquetschen der Masse durch ein Sieb ein Extrakt hergestellt werden, der zur Düngung von Pflanzen und zur Schädlingsbekämpfung und Bodendesinfektion durch Aufspritzen auf die grünen Pflanzen und Durchtränken des Bodens Verwendung finden kann.
Abschliessend sei noch erwähnt, dass eben alle mit Champignonkompost oder Extrakten aus diesem
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spezifischen Eigenschaften des Champignonkompostes annehmen und im Boden in gleicher Weise wie dieser selbst wirken.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Bakterienreicher, organisch-mineralischer Universaldünger und Pflanzenschutzmittel, dadurch gekennzeichnet, dass er aus organischen Substanzen wie Stallmist, Kompost, Torf u. dgl. sowie Champignonkompost oder Extrakten desselben besteht.
2. Bakterienreicher, organisch-mineralischer Universaldünger und Pflanzenschutzmittel, dadurch gekennzeichnet, dass er aus Champignonkompost und bis zu zehn Prozent mineralischen Düngesalzen oder Dungesalzgemengen besteht.
3. Bakterienreicher, organisch-mineralischer Universaldünger und Pflanzenschutzmittel, dadurch gekennzeichnet, dass er aus einem Gemenge von hochprozentigen Düngesalzen und zehn bis fünfzig Prozent Champignonkompost oder dem Extrakt aus dieser Menge besteht.
4. Flüssiges, bakterienreiches Düngemittel und Schädlingsbekämpfung-und Bodendesinfektions- mittel, dadurch gekennzeichnet, dass es aus einem wässerigen Extrakt aus Champignonkompost oder einem Gemenge dieses wässerigen Extraktes mit Düngesalzlösungen besteht.
5. Verfahren zur Herstellung eines bakterienreiehen, organisch-mineralischen Universaldüngers und Pflanzenschutzmittels, dadurch gekennzeichnet, dass organische Substanzen wie Stallmist, Kompost, Torf u. dgl. mit Champignonkompost, das sind die Rückstände von den Champignonkulturen, vermengt, oder mit wässerigen Auszügen aus demselben getränkt und eventuell getrocknet und gemahlen werden.
6. Verfahren zur Herstellung eines bakterienreichen, organisch-mineralischen Universaldüngers und Pflanzenschutzmittels, dadurch gekennzeichnet, dass Champignonkompost, das sind die Rückstände von den Champignonkulturen mit einer Gewichtsmenge bis zu zehn Prozent mit mineralischen Düngesalzen oder Düngesalzgemengen vermischt und eventuell noch getrocknet und gemahlen wird.