Psychische oder körperliche Gewalterfahrungen, ein Todesfall im nahen Umfeld oder schwere medizinische Diagnosen – seelische Wunden können viele Formen annehmen und sich ohne Hilfe weiter vergrößern. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen, so Katja Sieper, Leiterin der Krisenhilfe OÖ: „Eine Krise kann uns alle treffen. Aber die Idee ist: Je früher wir etwas tun, umso unwahrscheinlicher ist es, dass sich aus einer akuten Krise eine chronische Krankheit entwickelt.“
„Wir schauen, was der richtige Weg ist“
Doch vielen Betroffenen ist oft nicht klar, wohin sie sich in akuten Krisensituationen wenden können. Vor zehn Jahren sind deshalb mehrere Hilfs-Anlaufstellen zu einem großen Trägerverbund vereint worden. Die Krisenhilfe Oberösterreich stellt seither einen zentralen Zugang zur Hilfe dar.
Bei einem ersten telefonischen Kontakt gehe es darum, so Martin Schmid, Mitarbeiter der Krisenhilfe OÖ: „Kurz zu schildern, worum es geht, was die aktuelle Krise ist. Und wir schauen dann einfach, was der richtige Weg ist. Das kann ein persönliches Gespräch im Kriseninterventionszentrum sein oder eben eine andere Weitervermittlung.“
Anonymität in Chats hilft oft
Doch auch Online-Angebote bewähren sich. Es zeigt sich laut Krisenhilfe, dass sich Betroffene durch die Anonymität in Chats oft viel schneller öffnen, so Soziallandesrat Christian Dörfel (ÖVP): „Das Telefon ist nicht mehr das Hauptkontaktmittel, sondern es geht bereits über Chat und andere technische Möglichkeiten. Es geht darum, möglichst rasch zu helfen.“
Insgesamt verzeichne die Krisenhilfe rund 30.000 Kontakte jährlich – in rund 500 Fällen fährt das Fachpersonal auch zu den Betroffenen nachhause. Der Weg, rasch Hilfe zu bekommen wurde in Oberösterreich also erleichtert. Entscheidend bleibt, den Mut zu finden, sich in Krisenzeiten Hilfe zu holen.