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Inland

Ein heute veröffentlichtes Rechtsgutachten im Auftrag mehrerer Organisationen sieht Luft nach oben, wenn es um den antifaschistischen Auftrag in der Verfassung geht. Österreich habe das Konzept der wehrhaften Demokratie zu verwirklichen, meinte der Verfassungsjurist Heinz Mayer.

Das gelte nicht nur für nationalsozialistische Wiederbetätigung, sondern auch für faschistische Tendenzen. Antifaschistische Organisationen fordern daher, eine dem Verbotsgesetz ähnliche Regelung zu finden.

Auftraggeber des Rechtsgutachtens sind das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und das Oberösterreichische Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Frage zu „antifaschistischem“ Rechtsstaat

Konkret wollten die drei Organisationen klären lassen, ob auch der demokratische Rechtsstaat selbst „antifaschistisch“ ist, ob also Österreichs Verfassung einen antifaschistischen Auftrag erteilt, und wenn ja, wie dieser aussieht.

Mayer verweist in seinem Gutachten auf den Staatsvertrag. In Artikel 9 hat sich Österreich verpflichtet, alle nationalsozialistischen Organisationen aufzulösen und aus der Gesellschaft alle Spuren des Nationalsozialismus zu entfernen.

Weit weniger bekannt ist, dass Artikel 9 auch die Verpflichtung enthält, alle Organisationen faschistischen Charakters aufzulösen sowie alle Organisationen, die bestrebt sind, der Bevölkerung ihre demokratischen Rechte zu nehmen.

Gesetz ausständig

Die Republik hat also laut Gutachten nicht nur gegen neonazistische Umtriebe vorzugehen, sondern gegen alle faschistischen und demokratiefeindlichen Aktivitäten. Für faschistische Organisationen ist ein vergleichbares Gesetz aber bis heute ausständig.

„Unsere Verfassung ist weltanschaulich nicht neutral, sondern gibt dem Staat einen umfassenden antifaschistischen Auftrag“, fasste MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi die Haupterkenntnis zusammen.

Auch für DÖW-Leiter Andreas Kranebitter geht es nicht um „abgehobene Verfassungstheorien“, sondern um konkrete Praxisfragen, wie das Thema der parlamentarischen Mitarbeiter von FPÖ-Abgeordneten zeige. Für Netzwerk-Sprecher Robert Eiter ist außerdem wichtig, dass das Verbotsgesetz evaluiert und dadurch wirksamer wird.

Kritik der FPÖ

FPÖ-Verfassungssprecher Michael Schilchegger nannte das Papier „ein von linken Organisationen in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten, das unter Berufung auf den Staatsvertrag weitreichende Eingriffe in Grundrechte fordert“.

Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) spricht sich für eine verpflichtende Frauenquote auf Wahllisten aus. Perspektivisch würde sie gerne das Wahlrecht ändern, sagte sie im Interview mit der Wochenzeitung „Falter“ (aktuelle Ausgabe).

„Wenn eine Partei antreten will, muss eine bestimmte Prozentzahl an Listenplätzen mit Frauen besetzt sein.“ Über die Höhe dieser Quote müsse man diskutieren. Andere Länder hätten mit solchen Maßnahmen bereits gute Erfahrungen gemacht.

Holzleitner hatte sich in der Vergangenheit auch mit dem Frauenanteil in der eigenen Partei unzufrieden gezeigt. Schließlich sind alle Landesparteichefs männlich, zudem sank der Frauenanteil im SPÖ-Nationalratsklub vor Kurzem auf unter 40 Prozent, womit eine Förderung wegfiel.

Die SPÖ liegt mit 39 Prozent Frauenanteil im Nationalrat in der Mitte, den höchsten haben die Grünen mit 56 Prozent, den niedrigsten die FPÖ mit knapp 23 Prozent.

Österreich übernimmt heute den Vorsitz im Slavkov-Format. Die Staatengruppe aus Österreich, Tschechien und der Slowakei (S3) war 2015 in Slavkov (Austerlitz) gegründet worden, also in jenem Ort in Südmähren, nach dem die legendäre Dreikaiserschlacht 1805 benannt wurde.

Ziel ist es, die Kooperation zwischen den drei Nachbarländern zu verbessern. Als Schwerpunktthemen hat sich Österreich die EU-Erweiterung auf dem Westbalkan und Energie inklusive Geothermieausbau gesetzt.

„Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit braucht Österreich starke regionale Zusammenarbeit“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) gestern. „Mit unserem Vorsitz im S3-Format wollen wir gemeinsam starke Impulse für ein geeintes, sicheres und wettbewerbsfähiges Europa setzen.“

Ukraine-Krieg

Inmitten des Kriegs gegen Russland und vor dem Hintergrund eines Geschichtsstreits mit dem verbündeten Polen hat die Ukraine die Einrichtung einer „Pantheon“ genannten nationalen Gedenkstätte beschlossen.

Für die Novelle stimmten in einer beschleunigten zweiten Lesung 287 Abgeordnete – und damit eine deutliche Mehrheit. Ziel sei es, „die herausragendsten Vertreter der ukrainischen Nation zu ehren“ und anhand ihres Vorbilds eine „nationale und staatsbürgerliche Identität zu formen“, hieß es im Erklärungstext.

Begräbnisstätte für Präsidenten

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Gesetzesnovelle als „dringlich“ bezeichnet. Er bedankte sich bei den Parlamentariern und sprach von einem „wichtigen Schritt“. Der Staatschef kündigte die unverzügliche Unterzeichnung an.

Der staatliche Gedenkort wird dem Gesetz zufolge in der Hauptstadt Kiew eingerichtet. Geehrt werden sollen historische Figuren seit der Zeit des mittelalterlichen Reiches der Kiewer Rus. Erwartet wird, dass international umstrittene Persönlichkeiten umgebettet werden, die die heutige Ukraine als Unabhängigkeitskämpfer ansieht. Das Pantheon soll außerdem als Begräbnisstätte für ukrainische Präsidenten dienen.

Konfrontation mit Polen und Israel

Kürzlich hatte Kiew die sterblichen Überreste des Führers der Organisation ukrainischer Nationalisten, Andrij Melnyk, aus Luxemburg überführt und in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. An der Zeremonie nahmen Selenskyj, Parlamentschef Ruslan Stefantschuk, Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko und andere Regierungsvertreter teil. Die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem zeigte sich „zutiefst beunruhigt“ aufgrund der Gedenkfeier auf Kosten des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.

In dem sogenannten Pantheon sollen künftig auch Angehörige der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) geehrt werden. Die nationalistischen Untergrundkämpfer waren für Massenmorde an Polen und Juden vor allem in der heutigen Westukraine während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg mit Zehntausenden Opfern verantwortlich. Die Verleihung des Ehrentitels „Helden der UPA“ an eine militärische Einheit im Mai durch Selenskyj führte bereits zu einem Zerwürfnis mit Polen. Im Zuge dessen nahm Warschau die Verleihung des Ordens des „Weißen Adlers“ an Selenskyj zurück. Mehrere ukrainische und polnische Politiker gaben außerdem Ehrungen aus dem Nachbarland zurück.

Russische Luftangriffe haben im ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk über Nacht auf heute fünf Tankstellen getroffen. Mehrere Brände seien ausgebrochen, teilte der Gouverneur des Gebiets, Olexandr Hanscha, auf Telegram mit. Eine Frau sei getötet worden, außerdem gebe es drei Verletzte.

Zerstörte Tankstelle
Reuters

Die ukrainischen Streitkräfte griffen ihrerseits in den Morgenstunden die russische Stadt Pensa an. Augenzeugen berichteten in sozialen Netzwerken von Rauchsäulen über einem oder mehreren Rüstungsbetrieben.

Als Zielorte genannt wurden eine Kugellagerfabrik und ein Institut für Elektromechanik. Die Gebietsverwaltung bestätigte einen Angriff, äußerte sich aber nicht zu Schäden.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf dem Portal X einen Angriff auf einen Rüstungsbetrieb in Pensa. Er berichtete außerdem von einem Angriff auf die Raffinerie von Ufa am Ural.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Umwelt & Klima

Im Zusammenhang mit der Hitzewelle sind in Spanien im Juni laut Behördenangaben mehr als tausend Todesfälle verzeichnet worden. Mindestens 1.028 Todesfälle im vergangenen Monat seien auf die extremen Temperaturen zurückzuführen, erklärte das Gesundheitsinstitut Carlos III. heute.

Das sind mehr als doppelt so viele Hitzetote wie im Vorjahresmonat, als 407 Sterbefälle registriert wurden. Die Schätzung basiert auf einer Datenbank, mit der die aktuellen täglichen Sterbefälle mit statistischen Daten aus der Vergangenheit abgeglichen werden.

Das erste Halbjahr 2026 war nach Angaben der nationalen Wetterbehörde AEMET das heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen in Spanien. Am Montag und gestern waren mit Durchschnittstemperaturen von über 28 Grad die bisher wärmsten Juni-Tage in Spanien verzeichnet worden.

Ausland

US-Präsident Donald Trump und die Republikanische Partei wollen mit einem Sonderparteitag in Dallas Wähler für die Zwischenwahlen zum Kongress im November mobilisieren.

Die Veranstaltung werde im September in Dallas stattfinden, verkündete der US-Präsident gestern. „Es wird fantastisch! So etwas hat es noch nie gegeben, und es wird ein wahrhaft historisches Ereignis sein.“

Am Parteitag will Trump zwei Monate vor den für ihn äußerst wichtigen Midterms im November offenbar seine Verdienste würdigen und dem Wahlkampf seiner in Umfragen schwächelnden Republikaner neuen Schwung geben.

„Dallas wird am 9. und 10. September im Mittelpunkt stehen, wenn wir unsere Nation, unsere Errungenschaften und unsere glänzende Zukunft feiern“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social.

Die Ansetzung eines Parteitages vor den Zwischenwahlen ist ein ungewöhnlicher Schritt: Solche Veranstaltungen finden normalerweise nur alle vier Jahre vor Präsidentschaftswahlen statt. Diese stehen in den USA erst 2028 wieder an.

Krieg in Nahost

Die USA und der Iran wollen nach Angaben aus Diplomatenkreisen heute in Katar indirekte Gespräche führen. Geplant seien getrennte Beratungen mit den katarischen und pakistanischen Vermittlern.

Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nehmen laut den Angaben nicht an den „technischen Gesprächen“ teil. Gestern hatten sich die beiden laut Angaben des katarischen Außenamtssprechers Madsched al-Ansari mit Katars Regierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani getroffen.

Bei den Gesprächen der US-Gesandten in Doha gehe es um die Verhandlungen mit dem Iran sowie die Lage im Libanon, sagte Ansari. Bei ihren Verhandlungen in der Schweiz hatten sich die USA und der Iran auf einen Fahrplan für ein Friedensabkommen in der Region geeinigt.

Innerhalb von 60 Tagen soll ein detailliertes und dauerhaftes Abkommen zur Beendigung des von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges ausgehandelt werden. Am Wochenende griffen die USA und der Iran einander jedoch erneut an.

Wirtschaft

Ende Juni waren beim Arbeitsmarktservice (AMS) 368.948 Menschen arbeitslos oder in Schulung gemeldet, 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Sozialministerium heute bekanntgab.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 2,4 Prozent oder 6.912 Personen auf 295.457, die Zahl der Schulungsteilnehmer sank um 3,1 Prozent oder 2.383 Personen auf 73.491. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.

Balkendiagramm beschreibt die Arbeitslosenquote seit 2014. Im Juni 2026 lag sie bei 6,9 Prozent.
Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betreffe – außer bei Jugendlichen – alle Altersgruppen, so das Ministerium. Bei den Jüngeren stagniere die Zahl der Arbeitssuchenden. Der Zuwachs an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr habe sich über die vergangenen Monate „annähernd stabil“ entwickelt.

Starker Anstieg bei Frauen

Bei den Frauen erhöhte sich die Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg von 5,9 Prozent oder 7.730 auf 139.381 Personen stark, bei den Männern war sie um 0,5 Prozent oder 818 Personen rückläufig auf 156.076.

Vertikales Balkendiagramm beschreibt die Arbeitslosigkeit im Juni 2026 im Detail. 368.948 Personen waren arbeitslos, 73.491 davon in Schulung.
Grafik: APA/ORF; Quelle: AMS

Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei den Schulungen mit einem Plus von 5,1 Prozent bei Frauen und einem Minus von 2,2 Prozent bei Männern.

Weniger offene Stellen

Die beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen verringerten sich den Angaben zufolge im Jahresabstand um 4,5 Prozent auf 80.570. Der Zugang an offenen Stellen beim AMS sei im Juni mit einem Plus von 8,5 Prozent „jedoch bereits gegenüber dem Vorjahr etwas ansteigend“ (plus 3.397).

Trockenheit, Hitze und Dürre setzen der Landwirtschaft zu. Da Getreide mit den Gegebenheiten schlechter zurande komme als etwa Mais, sei „die Getreideanbaufläche nach derzeitigen Schätzungen gegenüber dem historischen Tiefststand 2025 weiter um 0,7 Prozent auf erstmals unter 0,5 Millionen Hektar gefallen“, so Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger heute.

Herausfordernd seien die Preis-Kosten-Schere, die EU-Politik und fehlende Wirkstoffe. Die Landwirtschaftskammer prognostiziert mit 2,7 Mio. Tonnen landesweit eine deutlich geringere Getreideerntemenge (ohne Mais) als im Vorjahr (minus 15 Prozent).

Die Witterung beim Herbstanbau 2025 war wechselhaft, danach folgten teilweise sehr trockene Wintermonate. Mit der derzeit herrschenden extremen Hitze werden die Ernteerwartungen laut Kammer von Tag zu Tag geringer.

Niedrige Erzeugerpreise, hohe Produktionskosten

Die Erzeugerpreise befänden sich auf einem niedrigen Niveau, während die Produktionskosten weiterhin hoch seien, „insbesondere für Dünger, Energie, Treibstoffe etc.“, so Moosbrugger. Für viele Betriebe werde es dadurch immer schwieriger, kostendeckend zu wirtschaften und notwendige Investitionen zu tätigen.

Die Anbauplanung gestalte sich sehr schwierig. Die fünf wichtigsten Kulturen in Österreich seien aber weiterhin Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale.

Prozentual an Fläche wurden im Vergleich zum Vorjahr besonders stark Sonnenblumen (plus 19,7 Prozent), Roggen (plus 10,1), Ölkürbis (plus 9,5), Raps (plus 5,7 auf sehr niedrigem Niveau) und Wintergerste (plus 3,5) ausgeweitet.

Am stärksten verloren hingegen Erdäpfel (minus 18,5 Prozent), hier vor allem Stärkeerdäpfel mit minus 50,5 Prozent, Körnererbsen (minus 21,2), Ackerbohnen (minus 12,2), Sommergerste (minus 12,1), Hafer (minus 9,3) und Zuckerrüben (minus 8,3).

IT

Die US-Regierung hat ihre Exportsperren für die neuesten KI-Modelle des OpenAI-Rivalen Anthropic nach mehr als zwei Wochen aufgehoben. Man werde damit anfangen, den Zugang zu den Programmen Mythos 5 und Fable 5 wiederherzustellen, teilte Anthropic gestern mit.

Die Regierung hatte verfügt, dass nur Amerikaner Zugriff auf die KI-Modelle haben durften, was auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma galt. Anthropic blockierte daraufhin beide Modelle komplett, um die Forderung erfüllen zu können.

Die künstliche Intelligenz hinter Anthropics KI-Modell Mythos ist besonders gut darin, zum Teil auch über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Softwareschwachstellen aufzuspüren. Diese Fähigkeit wurde bisher von US-Behörden und ausgewählten Unternehmen eingesetzt, um Sicherheitslücken zu schließen.

Eine Sorge war von Anfang an, dass eine solche KI in den falschen Händen zu einer gefährlichen Cyberwaffe werden könnte.

EU

Die EU-weite Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft befindet sich laut einer heute präsentierten Eurobarometer-Umfrage im Auftrag des EU-Parlaments auf einem Allzeithoch. 74 Prozent der europaweit Befragten halten die EU-Mitgliedschaft für vorteilhaft.

In Österreich sind 62 Prozent dieser Ansicht, um zwei Punkte mehr als 2025 und acht mehr als noch vor fünf Jahren. Drei Viertel der Befragten (in Österreich 76 Prozent) halten die EU für einen Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt.

Dass die EU zur Stärkung von Frieden und Sicherheit beiträgt, glauben EU-weit 40 Prozent, in Österreich 38 Prozent. Als weitere Vorteile werden in Österreich vor allem der Beitrag der EU zu Wirtschaftswachstum (33 Prozent), neue Arbeitsmöglichkeiten (30 Prozent) und die verbesserte Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten (27 Prozent) gesehen.

Unsicherheit stark verbreitet

Für die EU sehen 59 Prozent der Befragten (58 Prozent in Österreich) eine positive Zukunft. Die Zukunft der Welt wird jedoch von den Europäern und Europäerinnen überwiegend pessimistisch beurteilt: 58 Prozent der Befragten sehen sie schwarz, in Österreich jeder zweite.

Am optimistischsten wird die Zukunft für das eigene Land (in Österreich 69 Prozent) bzw. für die eigene Familie und für sich selbst (in Österreich 81 Prozent) gesehen. Unsicherheit ist sowohl EU-weit als auch in Österreich der vorherrschende emotionale Zustand unter fast der Hälfte der Befragten.

Für die Umfrage wurden europaweit im April und Mai 26.421 Personen – in Österreich 1.003 – über 15 Jahre interviewt.

Industriegüter und Hummer aus den USA dürfen von heute an zollfrei in die EU eingeführt werden. Für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse und Meeresprodukte aus den USA gelten zudem ermäßigte Zölle oder Zollkontingentregeln für einen besseren Marktzugang.

Mit den neuen Regeln erfüllt die EU die Vereinbarungen aus dem im vergangenen Jahr geschlossenen Zollabkommen mit den USA unter Präsident Donald Trump. Europäische Konsumentinnen und Konsumenten werden laut EU-Kommission von einem besseren Zugang zu Importen aus den USA profitieren und auch Preisvorteile haben.

Frist hätte am 4. Juli geendet

Mit dem Abkommen war es der EU gelungen, einen drohenden Handelskrieg mit den USA abzuwenden. Gleichzeitig musste die Staatengemeinschaft aber US-Zölle in Höhe von bis zu 15 Prozent auf die meisten Warenexporte in die USA akzeptieren.

Trump hatte zuletzt den US-Nationalfeiertag am 4. Juli als Frist für die Umsetzung der Handelsvereinbarung genannt. Sollte die EU nicht bis dahin ihren Teil des Abkommens erfüllen, würden die Zölle „leider sofort auf ein viel höheres Niveau steigen“, drohte er.

Chronik

In einem Wettlauf gegen die Zeit haben Rettungsteams in Venezuela heute ihre Suche nach Überlebenden des verheerenden Doppelerdbebens fortgesetzt. Die Hoffnung, eine Woche nach dem Unglück mit fast 2.000 Toten noch Verschüttete lebend zu finden, schwindet. Vereinzelt gibt es aber noch Lichtblicke.

Vor einer Woche hatten zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert, bis gestern wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1.900 Todesopfer geborgen. Mehr als 10.500 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der UNO werden mehr als 50.000 Menschen vermisst. Wie Parlamentspräsident Jorge Rodriguez sagte, hielten sich etwa 30.000 von ihnen im Hafengebiet der Küstenstadt La Guaira auf, die am stärksten zerstört wurde.

Rodriguez sagte, dass fast 6.500 Menschen in La Guaira von Suchmannschaften aus den Trümmern gerettet worden seien. Er ging aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Überlebenden wahrscheinlich eher bei 20.000 liegt, weil sich zahlreiche Verschüttete aus eigener Kraft oder mit der Hilfe von Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn befreit hätten.

Dreijähriger in Caracas geborgen

Fachleuten zufolge sind die ersten 72 Stunden nach einer Naturkatastrophe entscheidend, um noch Überlebende zu finden. Ganze sechs Tage nach dem Beben hatten jordanische Rettungskräfte gestern noch einen Dreijährigen lebend aus den Trümmern in Caracas geborgen. Der Bub habe Erste Hilfe erhalten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der jordanische Zivilschutz mit.

In Venezuela trafen viele Such- und Rettungsteams erst nach Ablauf des kritischen Zeitfensters im Erdbebengebiet ein. Viele Menschen suchen immer noch ohne professionelle Hilfe oder Ausrüstung nach Verschütteten. In der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira suchen auch viele Menschen in der Leichenhalle nach vermissten Angehörigen.

Der deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom ist in Neuseeland mit einem weiteren Versuch gescheitert, seine drohende Auslieferung an die USA zu verhindern. Das Berufungsgericht in Wellington bestätigte heute ein Urteil der Vorinstanz und wies den Einspruch des 52-Jährigen gegen den Auslieferungsbeschluss zurück.

Auch ordnete das Gericht an, dass Dotcom die Kosten des Verfahrens tragen müsse. Der gebürtige Deutsche kann nun noch vor das oberste Gericht ziehen.

Jahrzehntelange Haft droht

Der Gründer der früheren Internetplattform Megaupload heißt mit bürgerlichem Namen Kim Schmitz und lebt seit 2010 in Neuseeland. Über Megaupload konnten Nutzerinnen und Nutzer urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme, Fernsehserien und Musik austauschen.

Die USA wollen ihn wegen Verletzung von Urheberrechten und Geldwäsche in großem Stil vor Gericht stellen. Bei einer Verurteilung droht ihm jahrzehntelange Haft.

Der neuseeländische Justizminister Paul Goldsmith hatte den Auslieferungsbeschluss bereits vor rund zwei Jahren unterzeichnet. Seitdem versucht Dotcom, die Übergabe an die USA doch noch mit verschiedenen Rechtsmitteln zu verhindern. „Ich liebe Neuseeland. Ich werde nicht weggehen“, schrieb er damals in sozialen Netzwerken.

Gesundheitliche Probleme

Der Rechtsstreit dauert schon mehr als zehn Jahre und hat verschiedene Gerichte beschäftigt. Bereits 2018 hatte Dotcom mit Blick auf die juristischen Querelen gesagt, er habe nach „sechs Jahren Stress“ große gesundheitliche Probleme. Ende 2024 teilte er mit, er habe einen schweren Schlaganfall erlitten.

Kultur

Der Sänger der US-Band Village People, Victor Willis, ist tot. Er starb gestern im Alter von 74 Jahren an einer „kurzen, aber aggressiven“ Krankheit, wie seine Ehefrau heute mitteilte.

Victor Willis als Polizist auf der Bühne bei einem Auftritt von The Village People 2017
APA/AFP/Getty Images North America/Kevin Winter

Willis war bei Auftritten der Village People, die mit Discohits wie „Y.M.C.A.“ weltbekannt wurden, stets als Polizist verkleidet. Der Song wurde auch zu einem Lieblingslied von US-Präsident Donald Trump, der den Hit von 1978 gerne bei seinen Auftritten spielt.

„Mit tiefer Trauer muss ich den Tod meines Ehemanns Victor Willis bekanntgeben“, erklärte die Ehefrau des Sängers in Onlinenetzwerken. „Victor ist am Dienstag, dem 30. Juni 2026, an den Folgen einer kurzen, aber aggressiven Erkrankung gestorben.“

Pionier der Discobewegung

Der in Texas geborene Willis war einer der Pioniere der Discobewegung der späten 1970er Jahre. Bekannt wurde er als Leadsänger der in New York von dem französischen Produzentenduo Jacques Morali und Henri Belolo zusammengestellten sechsköpfigen Band Village People, die mit Songs wie „Y.M.C.A.“, „In the Navy“ und „Macho Man“ Riesenhits feierte.

Village People  im Jahr 2018
IMAGO/Photopress Müller/Ralf Mueller

Die Band mit den Figuren Polizist, Soldat, Bauarbeiter, Rocker, Cowboy und Native American wurde auch wegen ihrer Verkleidungen legendär. „Y.M.C.A.“, ein Song über den Verein Christlicher Junger Männer (YMCA) wurde zu einer Hymne der Schwulenbewegung und zuletzt auch von Trump.

Die deutsche Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt einen festen Platz in der Ahnengalerie des Bundeskanzleramts: Im Berliner Bode-Museum präsentierte der deutsch-französische Maler Jeremie Queyras gestern ihr Porträt, das seinen endgültigen Platz im Kanzleramt finden soll, wo die Porträts aller deutschen Bundeskanzler hängen.

Frühere Deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der deutsch-französische Künstler Jeremie Queyras vor dem gemalten Portrait von Angela Merkel
APA/AFP/Tobias Schwarz

Queyras und Merkel enthüllten das zunächst hinter einem Tuch verborgene Gemälde gemeinsam – unter großem Applaus des Publikums. „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird“, sagte Merkel der Wochenzeitung „Die Zeit“. Doch versuche sie, es mit Gleichmut zu nehmen: „Da häng’ ich dann eben.“

Die 71-Jährige stand laut „Zeit“ monatelang Modell für das Gemälde des 28-jährigen Künstlers. Wie Merkel der „Zeit“ sagte, hatte sich Queyras 2022 informell bei ihr beworben, das Porträt malen zu dürfen. Im Juni 2025, nach einer ersten Begegnung, habe sie sich für den Maler entschieden.

Der italienische Staat hat eines der bedeutendsten erhaltenen Kunstwerke der etruskischen Kultur erworben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Wandmalereien des Francois-Grabes sind seit heute dauerhaft im Etruskermuseum Villa Giulia in Rom zu sehen.

Zwei Menschen stehen vor den Wandmalereien des sogenannten François-Grabes
Reuters/Remo Casilli

Das zwischen 340 und 320 vor Christus ausgemalte Grab wurde 1857 in der antiken etruskischen Stadt Vulci nördlich von Rom entdeckt und zählt zu den wichtigsten Zeugnissen etruskischer Malerei.

„Historischer Meilenstein“

Sie befanden sich jahrzehntelang im Besitz der römischen Adelsfamilie Torlonia und waren der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach Angaben des Kulturministeriums bemühte sich der italienische Staat bereits seit 1914 um den Erwerb der Grabmalereien.

Kulturminister Alessandro Giuli bezeichnete die Rückkehr des Francois-Grabes in öffentliches Eigentum als „historischen Meilenstein“. Für die Fresken zahlte der Staat 15 Millionen Euro.

Grabbeigaben der Etrusker, ausgestellt in Rom
Reuters/Remo Casilli

Zur Eröffnung der Dauerausstellung sind außerdem zahlreiche Grabbeigaben aus europäischen Museen nach Rom zurückgekehrt. Dazu zählen Schmuck aus dem British Museum und dem Louvre sowie weitere Objekte aus Brüssel und Lausanne.