Infusionsvorrichtung und Verfahren zur Herstellung von faserverstärkten Verbundbauteilen
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von faserverstärkten Verbundbauteilen mittels vakuumunterstützter Infusion einer reaktiven Harzmischung, dadurch gekennzeichnet, dass Herstellung der reaktiven Harzmischung und Injektion in die Kavität in einer geschlossenen Infusionsvorrichtung und zeitlich unmittelbar aufeinander erfolgen.
Faserverstärkte Verbundbauteile (Faserverbundbauteile) aufgebaut aus einem duromeren Kunststoff (Harz) als Matrixmaterial und verstärkenden Fasern werden häufig als Konstruktionsmaterial verwendet, da diese eine hohe mechanische Festigkeit verbunden mit geringem Gewicht aufweisen. Die Herstellung solcher Faserverbundbauteile erfolgt beispielsweise über die Infusion einer flüssigen, reaktiven Mischung aus Harzkomponenten in ein Fasergelege und anschließende Aushärtung (Vernetzung) des Harzes. Solche Faserverbundbauteile haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und können beispielsweise im Flugzeugbau, im Automobilbau oder in Rotorblättern von Windkraftanlagen eingesetzt werden. Als Harze eingesetzt werden üblicherweise ungesättigte Polyester-Polymere, Vinylester-Polymere und/oder Epoxy-Polymere, in den letzten Jahren auch verstärkt Polymere enthaltend Polyurethanstrukturen sowie Hybride der vorgenannten Polymere (z.B. Polyacrylat-Polyurethan-Polymere).
Gerade bei großen Faserverbundbauteilen erfolgt die Herstellung im Allgemeinen über vakuumunterstützte Infusionsverfahren, wie beispielweise beschrieben in EP 1 310 351 Al und in WO 2012/123280 Al. Hierüber kann eine schnelle und gleichmäßige Ausbreitung des Harzes erreicht werden. Wichtig ist hierbei weiterhin, dass die Fasern möglichst vollständig mit dem Harzmaterial getränkt werden und dieses nicht zu schnell aushärtet. Bei einer ungleichmäßigen Infusion kann es sonst zu Gaseinschlüssen oder zu unbenetzten Stehen im Fasergelege sowie in der Folge auch zur Rissbildung kommen, welche die Stabilität des Bauteils herabsetzen oder sogar zur Delaminierung der Schichten führen kann. An der Oberfläche eines Bauteils stehen solche Fehlstellen eine mögliche Schwachstelle dar, was zu einem verfrühten Verschleiß beitragen kann.
Die WO 2012/123280 A schlägt zur Vermeidung von Gaseinschlüssen ein Vakuuminfusionsverfahren in Kombination mit einer möglichst vollständigen Entgasung der Vorlagen für die Harzmischung vor (genannt „Harzkomponente“ und „Härterkomponente“). Hierfür wird ein Vakuum für die Entgasung der reaktiven Komponenten in der von der WO 2012/123280 A vorgeschlagenen Vorrichtung an den Vörratsbehältern angelegt, und für die Vakuuminfusion wird die Gießform über eine Evakuierungseinrichtung mit einem Unterdrück beaufschlagt (siehe Figur 1).
Die in der WO 2012/123280 A offenbarte Vorrichtung weist jedoch für die Verarbeitung extrem wasseremphndlicher Harze wie Polyurethane noch Defizite auf. Die Evakuierungsleitung, über
welche das während der Vakuuminfusion an die Gießform angelegte Vakuum gezogen wird, benötigt stets eine vorgeschaltete Membran oder anderen Fließwiderstand für das Harz, damit das Harz nicht in die Leitung bzw. in die Pumpe gezogen wird.
Über diese Evakuierungseinrichtung lassen sich die in die Form eingelegten Fasern, und die den Vorlagen nachgeschalteten Ventile, Vorrichtungen, Leitungen und das Werkzeug nicht zufriedenstellend trocknen und evakuieren. Auch das aus der EP 2 886 322 Al bekannte vakuumunterstütze Infusionsverfahren zur Herstellung faserverstärkter Verbundbauteile, das die Trocknung von eingebrachten Fasern und deren anschließende Tränkung mit Harz beschreibt, löst diese Problematik nicht. In der Folge kommt es zu ähnlichen Problemen - Fehlstellen und Rissbildung -, wie man sie durch eine mangelnde Entgasung der Komponenten beobachten kann, die Reaktion zwischen Wasser und reaktiver Komponente beeinflusst zusätzlich die Qualität des Harzes per se.
Die hierin beschriebene Erfindung hat sich das Ziel gesetzt, die Probleme des Stands der Technik bezüglich mangelhafter Qualität von großen Faserverbundbauteilen hergestellt aus wasserempfindlichen reaktiven Harzkomponenten zu lösen.
Dazu schlägt die Erfindung folgende Modifizierung des aus dem oben beschriebenen Stand der Technik bekannten Verfahren vor:
Erfindungsgemäß ist ein vakuumunterstütztes Infusionsverfahren zur Herstellung von faserverstärkten Verbundbauteilen vorgesehen, wobei eine reaktive Harzmischung in eine Kavität enthaltend ein Fasergelege injiziert wird, umfassend die Schritte: a. Bereitstellen einer Reaktionsinjektions Vorrichtung (40) umfassend mindestens zwei Vorlagen (48,49) enthaltend die reaktiven Harzkomponenten, eine Evakuierungseinrichtung (50) zum Entgasen der Vorlagen (48,49), jeweils eine an die Vorlagen (48,49) über Zuleitungen (41,42) angeschlossene Dosiereinheit (44a, 44b) und eine Mischeinheit (43), in der die reaktiven Harzkomponenten aus den Dosiereinheiten (44a, 44b) zusammengeführt werden, und b. Bereitstellen einer geschlossenen Kavität (10) enthaltend ein Fasergelege (21), welche i. umfasst wird von einer Schale, die mindestens einen Zuführkanal (31) aufweist, der zum Anlegen von Vakuum an die Kavität (10) und zum Zuführen von Harz in die Kavität (10) geeignet ist, und ii. mindestens einen Trocknungskanal (32) aufweist, der zum Einleiten eines Trocknungsgases in die Kavität zur Entfeuchtung des Fasergeleges (21) und zum Anlegen von Vakuum mittels einer ersten Vakuumquelle (34) zur Evakuierung
während der Infusion und gegebenenfalls während der Trocknung geeignet ist, und iii. über eine Zuführleitung (45) am Zuführkanal (31) mit der
Reaktionsinjektions Vorrichtung (40) verbunden ist, wobei diese Zuführleitung (45) über einen seitlichen, verschließbaren und an einer zweiten Vakuumquelle (47) angeschlossenen Auslass (46) evakuiert werden kann, c. Entgasung und Trocknung der Kavität (10) und des darin enthaltenen Fasergeleges (21), der Zuführleitung (45) und gegebenenfalls der Mischeinheit (43) mit Hilfe der zweiten Vakuumquelle (47), wobei gegebenenfalls über den Trocknungskanal (32) ein Trocknungsgas eingeleitet wird oder gegebenenfalls mit Hilfe der ersten Vakuumquelle (34) eine zusätzliche Evakuierung stattfindet, d. Start des Infusionsvorgangs durch Zuführen der entgasten, reaktiven Komponenten aus den Vorlagen (48,49) in die Dosiereinheiten (44a, 44b) der Reaktionsinjektionsvorrichtung (40) über die Zuleitungen (41, 42) und Herstellen einer reaktiven Harzmischung aus den Komponenten in der Mischeinheit (43), wobei der Auslass (46) zur zweiten Vakuumquelle (47) geschlossen wird, bevor er von der reaktiven Harzmischung erreicht wird, und e. Injektion der reaktiven Harzmischung über den Zuführkanal (31) in die Kavität (10), optional unter gleichzeitiger Evakuierung der Kavität (10) mit Hilfe der ersten Vakuumquelle (34) über den Trocknungskanal (32), wobei der Eingangsdruck gemessen am Eingang der Kavität während der Injektion niedriger als der Umgebungsdruck bleibt, und f. Ausreagieren der Harzmischung unter Aushärtung in der Kavität (10).
Bevorzugt handelt es sich bei dem erfindungsgemäßen vakuumunterstützten Infusionsverfahren zur Herstellung von faserverstärkten Verbundbauteilen (20) um ein Vacuum Assisted Resin Transfer Molding - Verfahren.
In einer Ausführungsform ist das faserverstärkte Verbundbauteil (20) ein Windrotorblatt und das Harz umfasst Polyurethan-, ungesättigte Polyester-, Vinylester-, Hybrid-, und/oder Epoxyharze.
In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei dem Harz um ein Polyurethan-basiertes Harz, insbesondere um ein Polyurethan-Polyacryl-Hybridharz und bei den reaktiven Harzkomponenten um eine Isocyanatkomponente und eine isocyanatreaktive Komponente enthaltend ein Polyol und ein hydroxylterminiertes Acrylat- oder (Meth)acrylat-Monomer.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird insbesondere für die Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen verwendet.
Der Aufbau der Kavität sieht insbesondere vor a) ein einen Innenraum begrenzendes Rahmenprofil zur Begrenzung der Form des in dem Innenraum der Kavität herzustellenden Verbundbauteils, b) einen Zuführkanal zum Evakuieren des Innenraums und zum Zuführen von Harz in den Innenraum des Rahmenprofils, wobei der Zuführkanal eine mit dem Innenraum des Rahmenprofils kommunizierende Zuführöffnung aufweist, c) einen oder mehrere Trocknungskanäle zum Einleiten eines Trocknungsgases zur Entfeuchtung des herzustellenden Verbundbauteils und zum Anlegen von Vakuum während des Vakuuminfusion Vorgangs, wobei jeder Trocknungskanal eine mit dem Innenraum des Rahmenprofils kommunizierende Einleitungsöffnung aufweist, d) einer das Rahmenprofil, die Zuführöffnung des Zuführkanals und die Einleitungsöffnung des Trocknungskanals / der Trocknungskanäle gasdicht einschließende Vakuumfolie und einer zwischen der Vakuumfolie und dem Rahmenprofil angeordnete gasdurchlässige Trennmembran zum Zurückhalten von Harz in dem Innenraum des Rahmenprofils, wobei die Öffnung des Trocknungskanals / der Trocknungskanäle zwischen der Vakuumfolie und der Trennmembran angeordnet ist / sind und die Trennmembran das Rahmenprofil einschließt. Statt einer Trennmembran kann auch ein geeignetes Vlies oder ein anderes Gewebe, welches einen Fließwiderstand für das Harz aufweist, verwendet werden.
Wenn das Trocknungsgas durch die Infusionsvorrichtung strömt, muss es vom Einleitungspunkt zunächst durch die Trennmembran hindurch gelangen, bevor es im Innenraum des Rahmenprofils Feuchtigkeit, insbesondere in Fasern enthaltenes Wasser, aufnehmen und abführen kann. Die Trennmembran stellt hierbei einen signifikanten Strömungswiderstand für das Trocknungsgas dar. Da die Einleitungsöffnung für das Trocknungsgas bezogen auf den Innenraum des Rahmenprofils außerhalb der Trennmembran liegt und die Absaugöffnung innerhalb der Trennmembran liegt, braucht das Trocknungsgas den Strömungswiderstand der Trennmembran nur einmal zu überwinden. Dadurch kann auch eine Rückvermischung von bereits feuchtem Trocknungsgas mit frisch zugeführtem trockenen Trocknungsgas vermieden werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass im Vergleich zu einer gegenteiligen Strömungsrichtung für das Trocknungsgas, also von der Absaugöffnung zur Einleitungsöffnung, der Druck im Innenraum des Rahmenprofils sowie im Inneren des herzustellenden Verbundbauteils gesenkt werden kann. Dies erleichtert ein Verdampfen von Wasser, so dass ein Trocknen schneller und mit einer höheren Trocknungsgüte erfolgen kann. Das Innere des Rahmenprofils kann bei vergleichbaren Temperaturen, vergleichbarer Trocknungszeit und vergleichbarem Massenstrom des Trocknungsgases stärker getrocknet werden. Durch den geringeren Massenanteil an Wasser im Inneren des Rahmenprofils, das beispielsweise über die im Inneren des Rahmenprofils angeordneten Fasern des herzustellenden faserverstärkten Verbundbauteils eingebracht wurde, sind Reaktionen von in der Infusionsvorrichtung verbliebenem Wasser mit dem zugeführten Harz, bei denen gasförmige Reaktionsprodukte wie beispielsweise Kohlenstoffdioxid in dem Verbundbauteil Hohlräume verursachen können, vermieden oder zumindest reduziert.
Insbesondere wenn an der Absaugöffnung ein Vakuum und/oder ein Unterdrück angelegt wird, kann dieser sehr geringe Druck über einen minimalen Strömungswiderstand an dem Innenraum des Rahmenprofils anliegen. Wenn dieser sehr geringe Druck bei einer gegenteiligen Strömungsrichtung für das Trocknungsgas an der Einleitungsöffnung angelegt worden wäre, würde dieser sehr geringe Druck an der Trennmembran anliegen, wodurch im Innenraum des Rahmenprofils aufgrund des durch die Trennmembran verursachten Strömungswiderstands ein entsprechend höherer Druck vorherrschen würde. Durch das außerhalb der Trennmembran zugeführte und innerhalb der Trennmembran abgesaugte Trocknungsgas kann im Innenraum des Rahmenprofils ein das Verdampfen von Wasser befördernder besonders geringer Druck erreicht werden, so dass ein geringes Risiko an Hohlräumen in faserverstärkten Verbundbauteilen ermöglicht ist.
Die Entgasung und Trocknung in Schritt c. erfolgt mit Hilfe einer Vakuumquelle, welche über einen Auslass an den Zuführkanal für das Harz angeschlossen ist. Die Entgasung und Trocknung kann gegebenenfalls unter zusätzlicher Einleitung von Trocknungsgas über den Trocknungskanal oder unter zusätzlichem Anlegen von Vakuum über den Trocknungskanal mittels einer Vakuumquelle stattünden.
Bei dem Auslass, über den das Vakuum für die Trocknung an den Zuführkanal für das Harz angelegt wird, handelt es sich bevorzugt um ein Absperrventil.
Über die an der Zuführleitung angeschlossene Vakuumquelle wird über den Zuführkanal in dem Innenraum der Kavität ein Unterdrück, insbesondere ein Vakuumdruck, angelegt. Der Vakuumdruck beträgt insbesondere < 20 mbar, besonders bevorzugt < 10 mbar. Dies ermöglicht einen besonders geringen Druck im Innenraum des Rahmenprofils, wodurch das Verdampfen von Wasser gefördert wird.
Die erste Vakuumquelle, welche an den Trocknungskanal angeschlossen ist, und die zweite Vakuumquelle, welche an den Auslass angeschlossen ist, können identisch sein, d.h. am Trocknungskanal und an dem Auslass wird dieselbe Vakuumpumpe angeschlossen. In einer anderen Ausführungsform können die erste und die zweite Vakuumquelle verschieden sein.
Dadurch ist die Trocknung effizienter, da bedingt durch die Strömungswiderstände, schneller ein tieferes Vakuum im Bauteil erreicht wird. Wenn das Vakuum wie normalerweise üblich nur durch die Membran auf der Vakuumseite angelegt wird, ist ein tiefes Vakuum bei weitem nicht so schnell zu erreichen. Der Grund für diesen Unterschied ist folgender. Neben dem Gasvolumen, welches bei Umgebungsdruck im Bauteil ist, muss zusätzlich der entstehende Wasserdampf aus dem Bauteil gesaugt werden. Dieses Volumen entsteht über den gesamten Zeitraum der Trocknung und sorgt bei der Trocknung über die Membran für einen höheren Restdruck im Bauteil. Hierbei wird die Erkenntnis ausgenutzt, dass zweckmäßigerweise das Harz erst dann zugeführt wird, wenn zuvor
eine Trocknung durch Evakuierung, gegebenenfalls mit Hilfe eines Trocknungsgases, abgeschlossen ist. Des Weiteren hat dieser Aufbau der Vorrichtung den Vorteil, dass die Zuführleitung und gegebenenfalls auch die Dosier- und Mischeinheiten über die seitlich mit einem Absperrventil am Zuführkanal angebrachte Vakuumquelle ebenfalls entgast und getrocknet wird.
Die vakuumunterstützte Infusion der reaktiven Harzmischung schließt sich daher bevorzugt direkt an die Trocknung und Evakuierung der Form enthaltend die Fasern / das Fasergelege sowie der Zuführleitung mittels Vakuum an.
Die Reaktionsinjektionsvorrichtung kann insbesondere wie in den in der WO 2012/123280 beschriebenen Ausführungsformen ausgebildet sein. Erfindungsgemäß werden die Vorlagen, also reaktiven Harzkomponenten vor Vermischen und/oder online über eine separate Vakuumquelle entgast, und über Dosiereinheiten, z.B. Dosierpumpen, in die Mischeinheit, z.B. einem statischen Mischer, dosiert. Ein wichtiger Unterschied zu dem in der WO 2012/123280 gezeigten Aufbau ist, dass die sich an die Mischeinheit anschließende Zuführleitung seitlich über ein Absperrventil mit einer Vakuumquelle verbunden ist, die genutzt wird, um vor dem Beginn des Infusionsvorgangs die Kavität mit dem Fasergelege, den Zuführkanal und die Zuführleitung selbst zu trocknen.
Der Infusionsvorgang wird nach beendeter Entgasung der Vorlagen und Trocknung des Aufbaus und der Leitungen durch Inbetriebnahme der Dosiereinheiten für die Harzkomponenten gestartet. Die Harzkomponenten werden in die Mischeinheit dosiert und dort gemischt. Die an der Zuführleitung seitlich angebrachte Vakuumquelle muss verschlossen werden, bevor die Harzmischung das Sperrventil erreicht, beispielsweise kann sie vor Inbetriebnahme der Dosiereinheiten über das Sperrventil verschlossen werden. In einer bevorzugten Ausführungsform wird das Sperrventil erst verschlossen, wenn die Harzmischung sich in der Zuführleitung bereits kurz vor dem Ventil befindet. Es ist besonders zweckmäßig, wenn das Sperrventil in der Zuführleitung möglichst nah an dem Zuführkanal in die Kavität angeordnet ist, so dass das Sperrventil erst kurz vor Eintritt der Harzmischung in die Kavität verschlossen werden muss. Bei der Zuführleitung kann es sich um eine feste Leitung oder um einen Schlauch handeln, bevorzugt um einen Schlauch. Die Vakuumquelle wird dann z.B. über ein T-Stück mit Absperrventil angeschlossen.
Die Dosierung der Harzmischung erfolgt kontrolliert. Dazu wird der Absolutdruck am Eingang des Bauteils (am Zuführkanal) gemessen. Bei der zu Anfang des Inj ektions Vorgangs gewählten Menge kann es sich z.B. um die maximal mit den Dosierpumpen zu erreichende Dosiermenge handeln. Ein typischer Wert zur Befüllung eines großen Bauteils, z.B. eines Windflügels, ist 20 kg/min, bei besonders großen Bauteilen kann dieser Wert aber auch bei 40 kg/min oder noch höher liegen.
In einer bevorzugten Ausführungsform am Bauteil regelt die Reaktionsinj ektions Vorrichtung bei Erreichen eines vorgewählten maximalen Eingangsdrucks, gemessen am Zuführkanal, die aus der
Mischeinheit austretende Austragsmenge herunter, damit die Vakuumfolie nicht angehoben werden kann. Der vorgewählte maximale Eingangsdruck an der Kavität muss hierfür unter dem Umgebungsdruck liegen, z.B. 0,01 bar - 0,2 bar unter dem Umgebungsdruck, bevorzugt zwischen 0,88 und 0,92 bar absolut. Die Höhe der einzustellenden Druckdifferenz hängt auch davon ab, an welcher Stelle der Zuführkanal an die Kavität angeschlossen ist. Zeigt die Kavität eine Ausdehnung bis unterhalb der Stelle, an der der Zuführkanal angeschlossen wird, muss dieser Höhenunterschied berücksichtigt werden, denn der geodätische Druck des flüssigen Harzes addiert sich zum Umgebungsdruck und reduziert dadurch den zulässigen höchsten Fülldruck, d.h. die einzustellende Druckdifferenz ist höher, gegebenenfalls auch > 0,2 bar.
Bevorzugt regelt die Reaktionsinjektions Vorrichtung die Austragsmenge stufenlos und rezepturgenau herunter, so dass der Eingangsdruck an der Kavität konstant auf dem maximalen Eingangsdruck gehalten wird. Die Austragsmenge kann dabei mit steigender Befüllung gegen Null gehen, wobei der Eingangsdruck am Bauteil aufrecht gehalten wird.
In einer anderen Ausführungsform des Verfahrens weist die Zuführleitung (45) zusätzlich einen Pufferbehälter (51) auf. Bei dem Pufferbehälter (51) kann es sich beispielsweise um einen Tank oder auch um eine elastische Blase handeln, die nach Herstellung des Verbundbauteils entsorgt werden kann. Der Pufferbehälter hat z.B. ein Volumen von 40 - 300 1. Es ist wichtig, dass dieser vor Start des Infusionsvorgangs ebenfalls über die Vakuumquelle (50 oder 47) getrocknet und entgast wird. Diese Ausführungsform hat den Vorteil, dass auch eine
Reaktionsinjektions Vorrichtung genutzt werden kann, deren Auslassmenge nicht in so einem breiten Bereich geregelt werden kann. Der Eingangsdruck an der Kavität regelt in diesem Fall die Austragsmenge aus dem Pufferbehälter.
Die Infusionsvorrichtung, bestehend aus Reaktionsinjektionsvorrichtung, Zuführleitung und Kavität, und/oder ein Verfahren zur Herstellung von faserverstärkten Verbundbauteilen, insbesondere mit Hilfe einer derartigen Infusionsvorrichtung, kann im Übrigen wie in EP 2 886 322 Al beschrieben aus- und weitergebildet sein, auf deren Inhalt als Teil der Erfindung hiermit Bezug genommen wird. Als Trocknungsgas kann beispielsweise ein Inertgas, insbesondere N2, verwendet werden, das beispielsweise mit einem Völumenstrom von größer oder gleich 5 NI /min ± 0,5 NI /min zugeführt werden kann. Im Innenraum des Rahmenprofils kann ein Druck p von beispielsweise 20 mbar < P < 100 mbar, insbesondere 35 mbar < p < 80 mbar und vorzugsweise von 45 mbar < P < 60 mbar eingestellt werden. Ein Druckverlust Ap für das Trocknungsgas zwischen der Einleitungsöffnung und dem Innenraum des Rahmenprofils kann beispielsweise 100 mbar < Ap < 900 mbar, insbesondere 250 mbar < Ap < 600 mbar und vorzugsweise 350 mbar < Ap < 450 mbar betragen. Die Temperatur T im Innenraum des Rahmenprofils während des Trocknens der Fasern kann über die Trocknungszeit durchschnittlich insbesondere 20°C < T < 90°C, vorzugsweise 25°C < T < 70°C, weiter bevorzugt 30°C < T < 50°C und
besonders bevorzugt T = 35°C ± 3K betragen. Bei derartigen Randbedingungen ist bereits eine Trocknungszeit t, über deren Zeitraum das Trocknungsgas zugeführt wird, von 30 min < t < 240 min, insbesondere 60 min < t < 180 min und vorzugsweise 90 min < t < 120 min ausreichend, um eine so starke Trocknung der Fasern zu erreichen, dass im Wesentlichen kein Wasser verbleibt, das mit dem Harz reagieren könnte. Vorzugsweise ist die Temperatur und/oder der Druck und/oder der Völumenstrom über die Trocknungszeit im Wesentlichen konstant, wobei grundsätzlich auch über die Trocknungszeit ein zeitveränderliches Temperaturprofil und/oder ein zeitveränderliches Druckprofil und/oder ein zeitveränderliches Volumenstromprofil des Trocknungsgases möglich ist. Das Harz kann insbesondere überwiegend oder vollständig aus PUR bestehen. Das insbesondere aus mehreren Profilteilen zusammensetzbare Rahmenprofil kann zum Beispiel aus einem Stahl, aus Kompositen oder aus Polymerschäumen hergesteht sein. Vorzugsweise ist das Rahmenprofil mit einer Wärmequelle, beispielsweise einer Heizeinrichtung, thermisch gekoppelt, um im Innenraum des Rahmenprofils eine bestimmte Temperatur einzustellen, die gegebenenfalls geregelt wird.
Insbesondere ist zwischen der Vakuumfolie und der Trennmembran eine Gasdistanzlage zur Verteilung des Trocknungsgases über den Innenraum des Rahmenprofils angeordnet, wobei insbesondere die Einleitungsöffnung für das Trocknungsgas zwischen der Vakuumfolie und der Gasdistanzlage angeordnet ist. Die auch als„Breather“ bezeichnete Gasdistanzlage kann eine hinreichende Materialdicke aufweisen und für das Trocknungsgas hinreichend durchlässig sein, dass sich das Trocknungsgas leicht innerhalb der Gasdistanzlage verteilen kann. Dadurch ist es möglich, dass sich das Trocknungsgas im Wesentlichen über die gesamte den Innenraum des Rahmenprofils abdeckende Oberfläche der Trennmembran verteilen kann. Dadurch kann das noch trockene Trocknungsgas über eine entsprechend große Fläche durch die Trennmembran hindurch in den Innenraum eintreten und Wasser und/oder Wasserdampf austragen. Die Gasdistanzlage kann zum Strömungswiderstand für das Trocknungsgas beitragen, wobei der Strömungswiderstand der Gasdistanzlage deutlich geringer als der Strömungswiderstand der Trennmembran sein kann. Die Gasdistanzlage kann beispielsweise durch ein Vlies und/oder einen sonstigen hinreichend porösen Körper ausgebildet sein.
Besonders bevorzugt weist das Rahmenprofil ein Eingangsprofil, an dessen Seite die Zuführöffnung des Zuführkanals angeordnet ist, und ein zum Eingangsprofil gegenüberliegendes Gegenprofil, an dessen Seite die Einleitungsöffnung des Trocknungskanals angeordnet ist, auf. Wenn das Trocknungsgas am Gegenprofil über die Einleitungsöffnung eingeleitet wird und über den Zuführkanal abgesaugt wird, muss das Trocknungsgas über die gesamte Breite von dem Gegenprofil zum Eingangsprofil strömen, so dass über die Verweilzeit des Trocknungsgases im Innenraum des Rahmenprofils eine besonders hohe Beladung des Trocknungsgases mit Wasser erfolgen kann. Vorzugsweise sind die Zufuhröffnung und die Einleitungsöffnung an Bereichen des Rahmenprofils angeordnet, an denen die Erstreckung des Innenraums annähernd maximal ist.
Vorzugsweise ist die Zuführöffnung des Zuführkanals und/oder die Einleitungsöffnung des Trocknungskanals an einer von dem Innenraum des Rahmenprofils weg weisenden Seite des Rahmenprofils angeordnet. Die Strömung des Trocknungsgases und/oder des Harzes kann von der Außenseite des Rahmenprofils, beispielsweise über eine nach oben offene Öffnung des Rahmenprofils in das Innere des Rahmenprofils erfolgen. Dadurch kann eine Beeinträchtigung der Form des herzustellenden Verbundbauteils durch einen in das Innere des Rahmenprofils hineinragenden Zuführkanal und/oder Trocknungskanal vermieden werden. Zudem kann die Infusionsvorrichtung leicht durch einen Austausch des Rahmenprofils für unterschiedliche Formgestaltungen des herzustellenden Verbundbauteils angepasst werden.
Besonders bevorzugt ist eine den Innenraum des Rahmenprofils teilweise, insbesondere im Wesentlichen F-förmig, begrenzenden Harzdistanzlage zur Verteilung des Harzes entlang des Innenraums des Rahmenprofils vorgesehen, wobei insbesondere die Harzdistanzlage zur Einleitungsöffnung des Trocknungskanals hin und/oder zum Gegenprofil hin geöffnet ausgeformt ist. Die Harzdistanzlage kann eine hinreichende Materialdicke aufweisen und für das Harz hinreichend durchlässig sein, dass sich das Harz leicht innerhalb der Harzdistanzlage verteilen kann. Insbesondere kann das Harz über die Harzdistanzlage seitlich am Rand des Innenraums des Rahmenprofils in einen Bodenbereich fließen, wo sich das Harz im Wesentlichen über den gesamten Boden des Innenraums gleichmäßig verteilen kann. Das nachfließende Harz kann dann allmählich von unten aus der Harzdistanzlage nach oben in den Innenraum fließen und den Innenraum ausfüllen bis das Harz von der Trennmembran in dem Innenraum zurückgehalten wird. In dem Innenraum verbleibende Fuft kann leicht von dem ansteigenden Flüssigkeitsspiegel des Harzes verdrängt und durch die Trennmembran gedrückt werden. Da das Harz nur über einen Seitenbereich in den Bodenbereich des Innenraums zu strömen braucht, ist es nicht erforderlich an der gegenüberliegenden Seite im Bereich des Gegenprofils die Harzdistanzlage vorzusehen, so dass das Trocknungsgas nicht durch die Harzdistanzlage hindurch in den Innenraum des Rahmenprofils strömen muss. Ein unnötiger Strömungswiderstand für das Trocknungsgas ist dadurch vermieden und der Materialeinsatz für die Harzdistanzlage gering gehalten. Die Harzdistanzlage kann beispielsweise durch ein Vlies und/oder einen sonstigen hinreichend porösen Körper ausgebildet sein.
Insbesondere ist eine den Innenraum des Rahmenprofils teilweise, insbesondere im Wesentlichen U-förmig, begrenzenden Fochfolie zum Austausch von Harz entlang des Innenraums des Rahmenprofils vorgesehen ist, wobei insbesondere die Fochfolie zur Einleitungsöffnung des Trocknungskanals hin und/oder zum Gegenprofil hin geöffnet ausgeformt ist. Die Fochfolie kann insbesondere an der zum Innenraum weisenden Seite der Harzdistanzlage angeordnet sein. Die Fochfolie kann einerseits einen Durchtritt des Harzes in den Innenraum sowie einen Austritt überschüssigen Harzes aus dem Innenraum zulassen aber anderseits auch einen hinreichend hohen Strömungswiderstand für das Harz bereitstellen, damit sich das zugeführte Harz an der vom
Innenraum weg weisenden Seite der Lochfolie möglichst gleichmäßig verteilen kann. Da das Harz nur über einen Seitenbereich in den Bodenbereich des Innenraums zu strömen braucht, ist es nicht erforderlich an der gegenüberliegenden Seite im Bereich des Gegenprofils die Lochfolie vorzusehen, so dass das Trocknungsgas nicht durch die Lochfolie hindurch in den Innenraum des Rahmenprofils strömen muss. Ein unnötiger Strömungswiderstand für das Trocknungsgas ist dadurch vermieden und der Materialeinsatz für die Lochfolie gering gehalten.
Vorzugsweise ist ein, insbesondere plattenförmiges, Bodenteil zur Abstützung des Rahmenprofils vorgesehen, wobei insbesondere das Rahmenprofil und/oder die Vakuumfolie direkt oder indirekt mit dem Bodenteil verbunden ist. Das Bodenteil kann auftretende Gewichtskräfte abtragen und eine ausreichende Dichtheit mit der Vakuumfolie und/oder mit der Trennmembran ermöglichen.
Besonders bevorzugt ist in dem Innenraum des Rahmenprofils ein Abreißgewebe zum Einhüllen des herzustellenden Verbundbauteils vorgesehen, wobei das Abreißgewebe einen für Harz durchlässigen Strömungswiderstand ausbildet, wobei der Strömungswiderstand des Abreißgewebes insbesondere größer als der Strömungswiderstand der Harzdistanzlage und/oder größer als der Strömungswiderstand der Lochfolie ist. Insbesondere ist das Abreißgewebe aus einem, insbesondere gewobenen und/oder gelegten und/oder gewirkten, Polyamid oder Polyester hergestellt.
Die Erfindung betrifft ferner eine Infusionsvorrichtung umfassend a. Reaktionsinjektionsvorrichtung (40) umfassend mindestens zwei Vorlagen (48,49) enthaltend die reaktiven Harzkomponenten, eine Evakuierungseinrichtung (50) zum Entgasen der Vorlagen (48,49), jeweils eine an die Vorlagen (48,49) über Zuleitungen (41,42) angeschlossene Dosiereinheit (44a, 44b) und eine Mischeinheit (43), in der die reaktiven Harzkomponenten aus den Dosiereinheiten (44a, 44b) zusammengeführt werden, und b. eine geschlossene Kavität (10) enthaltend ein Fasergelege (21), welche i. umfasst wird von einer Schale, die mindestens einen Zuführkanal (31) aufweist, der zum Anlegen von Vakuum an die Kavität (10) und zum Zuführen von Harz in die Kavität (10) geeignet ist, und ii. mindestens einen Trocknungskanal (32) aufweist, der zum Einleiten eines Trocknungsgases in die Kavität zur Entfeuchtung des Fasergeleges (21) und zum Anlegen von Vakuum mittels einer ersten Vakuumquelle (34) zur Evakuierung während der Infusion und gegebenenfalls während der Trocknung geeignet ist, und iii. über eine Zuführleitung (45) am Zuführkanal (31) mit der
Reaktionsinjektions Vorrichtung (40) verbunden ist, wobei diese Zuführleitung (45) über einen seitlichen, verschließbaren und an einer zweiten Vakuumquelle (47) angeschlossenen Auslass (46) evakuiert werden kann.
Die erste und zweite Vakuumquelle können in einer Ausführungsform identisch sein, d.h. am Trocknungskanal (32) und an dem Auslass (46) wird dieselbe Vakuumpumpe angeschlossen.
Das Verfahren kann insbesondere wie vorstehend anhand der Infusionsvorrichtung erläutert aus- und weitergebildet sein.
Durch das Verfahren, gegebenenfalls beinhaltend ein außerhalb der Trennmembran zugeführtes und innerhalb der Trennmembran abgesaugtes Trocknungsgas, kann im Innenraum des Rahmenprofils ein das Verdampfen von Wasser befördernder besonders geringer Druck und zusätzlich eine, insbesondere durch den Austausch des Trocknungsgases, im Innenraum des Rahmenprofils hervorgerufene geringe Euft(bzw. Gas-)feuchtigkeit erreicht werden, so dass ein geringes Risiko an Hohlräumen in faserverstärkten Verbundbauteilen ermöglicht ist.
Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezugnahme auf die beiden anliegenden Zeichnungen anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels der Infusionsvorrichtung exemplarisch erläutert, wobei die nachfolgend dargestellten Merkmale sowohl jeweils einzeln als auch in Kombination einen Aspekt der Erfindung darstellen können.
Fig. 1 Infusionsvorrichtung
Reaktionsinjektionsvorrichtung 40
Vorlagen für die Harzkomponenten 48,49
Evakuierungseinrichtung 50 für die Vorlagen
Zuleitungen 41,42
Dosiereinheiten 44a, 44b
Mischeinheit 43
Kavität 10
Faserverstärktes Verbundbauteil 20
Fasergelege 21
Zuführkanal 31
Trocknungskanal 32
Trocknungsgas 33
Erste Vakuumquelle 34
Zuführleitung 45
Auslass 46
Zweite Vakuumquelle 47
Fig. 2 Infusionsvorrichtung mit Pufferbehälter
Reaktionsinjektions Vorrichtung 40
Vorlagen für die Harzkomponenten 48,49
Evakuierungseinrichtung 50 für die Vorlagen
Zuleitungen 41,42
Dosiereinheiten 44a, 44b
Mischeinheit 43
Kavität 10
Faserverstärktes Verbundbauteil 20
Fasergelege 21
Zuführkanal 31
Trocknungskanal 32
Trocknungsgas 33
Erste Vakuumquelle 34
Zuführleitung 45
Auslass 46
Zweite Vakuumquelle 47
Pufferbehälter 51
Die Infusionsvorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren können vorteilhaft zur Herstellung von großen Verbundbauteilen genutzt werden, z.B. zur Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen aus Harzen basierend auf Polyurethan-, Hybrid-, ungesättigte Polyester-, Vinylester- und/oder Epoxy-Polymeren.
In einer bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei dem im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Harz um ein Polyurethan-Polyacryl-Hybridharz bei den reaktiven Harzkomponenten um eine Isocyanatkomponente und eine isocyanatreaktive Komponente enthaltend ein Polyol und ein hydroxylterminiertes Acrylat- oder (Meth)acrylat Monomer.