Verfahren zur Ermittlung eines Betriebszustandes
eines elektrochemischen Systems
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ermittlung eines Betriebszustan- des eines elektrochemischen Systems. Die Erfindung betrifft ferner ein Computer- programmprodukt, ein Speichermittel mit einem darauf gespeicherten Computerpro- grammprodukt, eine Schaltungsanordnung mit einem drauf installierten Computer- programmprodukt sowie ein elektrochemisches System.
In elektrochemischen Systemen können kritische Betriebszustände auftreten. Ein derartiger kritischer Betriebszustand kann beispielsweise die Folge eines Wasser- stoff Übertritts bei einem als Elektrolyseur ausgebildeten elektrochemischen System oder einer Luftverarmung und/oder Brennstoffverarmung bei einem als Brennstoffzel- lensystem ausgebildeten elektrochemischen System sein.
Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Verfahren bekannt, um eine Betriebs- zustand eines elektrochemischen Systems zu überwachen und somit ein Auftreten von kritischen Zuständen frühzeitig zu erkennen. Beispielsweise ist es gebräuchlich, eine Zellenspannungsüberwachung (CVM) durchzuführen. Dabei werden allerdings nur Spannungen in einem Zellenstapel überwacht. Mögliche Ursachen einer Span- nungsabweichung werden nicht ergründet, weshalb es auch nicht möglich ist, kriti- sche Betriebszustände frühzeitig und zuverlässig zu erkennen.
Um diese Problematik teilweise zu überwinden, wurden Schaltungsanordnungen zur Einprägung von elektrischen Wechselsignalen in ein elektrochemisches System mit- tels Regelungsvorrichtung entwickelt. Die Einprägung von Signalen in elektrochemi- sche Systeme kann beispielweise bei der Anwendung von Verfahren notwendig sein, bei welchen durch Messung von Spannungs- und/oder Stromsignalantworten auf den Betriebszustand des elektrochemischen Systems rückgeschlossen werden soll. Ein solches Verfahren ist beispielsweise aus der europäischen Patentanmeldung
EP 1 646 101 A1 bekannt, bei welcher ein vorgebbares niederfrequentes Stromsig- nal in einen Brennstoffzellenstapel eingeprägt oder aufgeprägt wird und durch den Vergleich mit einem an dem Brennstoffzellenstapel gemessenen Antwortsignal, typi- scherweise einem Spannungssignal, insbesondere durch Vergleich der Oberwellen- anteile der beiden Signale, auf den Betriebszustand der Einzelzellen eines Brenn- stoffzellenstapels rückgeschlossen werden kann. Bei Brennstoffzellenstapeln, die ty-
pischerweise eine nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie aufweisen, kann durch den Vergleich der Oberwellenanteile des eingeprägten Signals mit den Oberwellen- anteilen des Antwortsignals, das aufgrund des nichtlinearen Verhaltens des Brenn- stoffzellenstapels verzerrt wird, auf den Betriebszustand des Brennstoffzellenstapels und somit entsprechend auf den Betriebszustand des elektrochemischen Systems rückgeschlossen werden. Gemäß der EP 1 646 101 A1 kann eine Nichtlinearität ei- ner Übertragungsstrecke, die das Antwortsignal hin zu dem Brennstoffzellenstapel zurücklegt, jedoch nicht ausgeglichen werden. Demnach kann es Vorkommen, dass ein Ist-Wert eines einzuprägenden Signals, d. h., ein Ist-Signal, nicht mit einem Soll- wert des einzuprägenden Signals übereinstimmt.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein effizienteres Verfahren zur Ermittlung eines Betriebszustandes eines elektrochemischen Systems zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren, ein Compu- terprogrammprodukt, ein Speichermittel und eine Schaltungsanordnung zur einfa- chen, zuverlässigen und kostengünstigen Ermittlung eines Betriebszustandes eines elektrochemischen Systems, sowie ein entsprechendes elektrochemisches System, welches eine Alternative zum Stand der Technik darstellt, zur Verfügung zu stellen.
Die voranstehende Aufgabe wird durch die Patentansprüche gelöst. Insbesondere wird die voranstehende Aufgabe durch das Verfahren gemäß Anspruch 1 , das Com- puterprogramm produkt gemäß Anspruch 10, das Speichermittel gemäß Anspruch 11 , die Schaltungsanordnung gemäß Anspruch 12 sowie das elektrochemische Sys- tem gemäß Anspruch 13 gelöst. Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen. Dabei gelten Merkmale und Details, die im Zusammenhang mit dem Verfahren beschrieben sind, selbstver- ständlich auch im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Computerpro- grammprodukt, dem erfindungsgemäßen Speichermittel, der erfindungsgemäßen Schaltungsanordnung, dem erfindungsgemäßen elektrochemischen System und je- weils umgekehrt, sodass bezüglich der Offenbarung zu den einzelnen Erfindungsas- pekten stets wechselseitig Bezug genommen wird bzw. werden kann.
Gemäß einem ersten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Er- mittlung eines Betriebszustandes eines elektrochemischen Systems zur Verfügung gestellt. Das elektrochemische System weist einen Zellenstapel mit wenigstens ei-
nem Elektrodenabschnitt auf, wobei zumindest ein Ventil und zumindest eine Fluid- leitung vorgesehen sind. Das Verfahren weist folgende Schritte auf: variierendes Führen wenigstens eines Fluides über die zumindest eine Fluidleitung durch das zumindest eine Ventil mit einem vordefinierten Va- riationsmuster, wobei einem Fluidstrom das Variationsmuster durch das Ventil aufgeprägt wird,
Ermitteln einer Spannungsantwort und/oder einer Stromantwort des Zel- lenstapels während des variierenden Führens des wenigstens einen Flui- des, und
Ermitteln des Betriebszustandes des elektrochemischen Systems anhand der Spannungs- und/oder Stromantwort.
Unter dem variierenden Führen des wenigstens einen Fluides mit einem vordefinier- ten Variationsmuster ist vorzugsweise ein getaktetes und/oder gepulstes Führen des Fluides im elektrochemischen System zu verstehen. Im Rahmen des getakteten Füh- rens des Fluides kann das Fluid in einem ersten Takt geführt werden, in einem an- schließenden Takt nicht mehr, danach wieder, und so weiter. Weiterhin ist es mög- lich, dass das Fluid in einem ersten Takt nur mit einer vordefinierten niedrigen Führ- rate zu geführt wird und in einem anschließenden Takt mit einer vordefinierten hohen Zuführrate geführt wird, wobei die hohe Führrate höher als die niedrige Führrate ist. Die unterschiedlichen bzw. sich variierenden Führraten können sich periodisch gleichmäßig unterscheiden, oder auf vordefinierte Weise ungleichmäßig variiert wer- den. Das erfindungsgemäße Variieren der Führrate wird vorzugsweise durch Ver- wendung von getakteten bzw. gepulsten Ventilen (Zuführ- und/oder Auslassventile) realisiert. Durch die Verwendung derartiger Ventile ist in dem elektrochemischen System keine zusätzliche und/oder angepasste Leistungselektronik erforderlich, die für eine elektrische Anregung verwendet werden müsste. Dadurch kann das Verfah- ren einfach ungesetzt und das System entsprechend einfach betrieben werden. Da erfindungsgemäße Ventile in der Regel bereits in gattungsgemäßen elektrochemi- schen Systemen verbaut sind, kann bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens auf eine komplexe Implementation in elektrochemischen Systemen ver- zichtet werden. Für den Fall, dass in einem elektrochemischen System keine erfin- dungsgemäßen Ventile installiert oder vorgesehen sind, wären diese jedoch einfach
und kostengünstig nachrüstbar. Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird zumindest ein Medienfluss modelliert oder gepulst. Dies kann entweder vor dem Zellenstapel oder nach dem Zellenstapel erfolgen. Das Fluid wird also durch das Ventil selbst ge- taktet bzw. gepulst, d. h. mit einer vorgegebenen Frequenz beaufschlagt. Durch die erfindungsgemäße Anregungsmethode ist also keine Modifikation an einer Leis- tungselektronik des elektrochemischen Systems notwendig.
Das zumindest eine Ventil zur Taktung eines Fluidstrmes ist in einer Fluidleitung an- geordnet. Dieses kann beispielsweise unmittelbar stromabwärts oder unmittelbar stromaufwärts des Zellenstapels angeordnet sein. Alternativ kann dieses auch in ei- ner als Zuleitung oder Ableitung ausgebildeten Fluidleitung angeordnet sein, durch welche ein getaktetes oder gepulstes Fluid einer Fluidleitung zugeführt bzw. von ei- ner Fluidleitung abgeführt oder zudosiert bzw. abdosiert wird. Eine weitere Möglich- keit ist es, das Ventil zur Pulsung oder Taktung einer Befeuchtung anzuordnen. Hier- zu wird das Ventil als in einer Bypassleitung angeordnet, wobei die Bypassleitung eine Fluidleitung ist und zum Bypässen eines semipermeablen Stoffaustauschers wie eines Gegenstrombefeuchters ausgebildet und angeordnet sein kann. Das durch die Bypassleitung und das Ventil geführte und getaktete Fluid wird stromabwärts des semipermeablen Stofftaustauschers und stromaufwärts des Zellenstapels, insbeson- dere des Anodenabschnittes, der Fluidleitung zugeführt.
Unter dem elektrochemischen System ist insbesondere ein System zum Wandeln von chemisch gebundener in elektrische Energie, beispielsweise in Form eines Brennstoffzellensystems, oder ein System zum Verändern von chemischen Stoffzu- sammensetzungen mittels elektrischer Energie, beispielsweise in Form eines Elekt- rolyseurs, zu verstehen. Dabei ist es ein weiterer Vorteil des vorliegenden Verfah- rens, dass es unabhängig von der Betriebsweise des elektrochemischen Systems, also unabhängig davon, ob das System als Brennstoffzellensystem oder als Elektro- lyseur betrieben oder ausgestaltet wird bzw. ist, durchgeführt werden kann. Das Brennstoffzellensystem kann ein Niedertemperatur-Brennstoffzellensystem, bei- spielsweise ein PEM-Brennstoffzellensystem, sein.
Als Zellenstapel wird im Rahmen der Erfindung ein elektrochemischer Reaktor ver- standen, welcher zumindest einen Elektrodenabschnitt bzw. eine Elektrodenseite aufweist. Insbesondere weist ein Zellenstapel zwei Elektrodenseiten auf wie eine Ka-
thode und eine Anode. Beispielsweise kann der Zellenstapel zur Durchführung einer Elektrolyse oder als galvanische Zelle ausgebildet und angeordnet sein.
Der wenigstens eine Elektrodenabschnitt kann ein Anodenabschnitt und/oder ein Ka- thodenabschnitt eines elektrochemischen Reaktors wie eines Brennstoffzellenstapels oder eines SOEC-Systems sein, wobei der elektrochemische Reaktor in diesem Fall dem Zellenstapel entspricht. Durch das variierende, insbesondere getaktete bzw. gepulste Zuführen des wenigstens einen Fluides zu dem wenigstens einen Elektro- denabschnitt entsteht ein getaktetes bzw. gepulstes Signal. Aufgrund des Ausblei- bens oder zumindest der Verminderung des Fluides zwischen den Takten bzw. Pul- sen wird das Fluid in dem wenigstens einen Elektrodenabschnitt ungleichmäßig über eine Dauer des Pulses oder des Taktes verbraucht oder zumindest teilweise Ver- braucht und muss während des nächsten Pulses wieder zu einer jeweiligen Elektro- de transportiert werden, beispielsweise durch Diffusion. Erfolgt die Anregung bei- spielsweise durch ein Rechtecksignal (gepulst oder getaktet) wird die Amplitude des Wechselanteiles der Zellenstapelspannung mit der Taktfrequenz oder Pulsfrequenz sägezahnartig ausgelenkt und kann entsprechend aussagekräftig ausgewertet wer- den.
Unter dem Ermitteln der Spannungs- und/oder Stromantwort ist vorzugsweise ein Er- fassen oder Messen eines Wechselanteiles eines Mischsignales aus Spannung und Strom zu verstehen. Im Rahmen der Ermittlung der Spannungs- bzw. Stromantwort werden die unterschiedlichen Konzentrationen der Fluide bzw. Medien an dem we n gstens einen Elektrodenabschnitt, also dem Anodenabschnitt und/oder dem Katho- denabschnitt, ermittelt. Hierbei wird insbesondere die Änderung der Fluidversorgung, beispielsweise die Änderung der Stöchiometrie des Fluides, beispielsweise des Re- duktionsmittels wie des Brennstoffs am Anodenabschnitt und/oder des Oxidations- mittels wie der Luft am Kathodenabschnitt, ermittelt. Unter einer Ermittlung des Be- triebszustandes des elektrochemischen Systems ist insbesondere eine Ermittlung des Zustandes eines Elektrodenabschnitts, also beispielsweise des Anodenab- schnitts und/oder des Kathodenabschnitts, zu verstehen. Im Rahmen dieser Ermitt- lung kann insbesondere festgestellt werden, ob eine Oxidationsmittelverarmung und/oder eine Reduktionsmittelverarmung oder ein Übertritt zwischen den Fluiden stattfindet. Unter dem aufprägen eines Variationsmusters kann auch ein Einprägen eines Variationsmusters verstanden werden. Der Fluidstrom entspricht im Wesentli-
chen dem Fluid, wobei im Rahmen der Erfindung stets der Fluidstrom mit einem Va- riationsmuster versehen wird.
Abhängig vom ermittelten Betriebszustand des elektrochemischen Systems kann ei- ne Arbeitsfluidzufuhr zu einem Elektrodenabschnitt, beispielsweise in Form von Luft zu einem Kathodenabschnitt und/oder Brennstoff zu einem Anodenabschnitt, ange- passt werden.
Günstig ist es, wenn wenigstens ein Zuführventil stromaufwärts des wenigstens ei- nen Elektrodenabschnitts und/oder wenigstens ein Auslassventil stromabwärts des wenigstens einen Elektrodenabschnitts vorgesehen ist, wobei wenigstens ein Fluid durch das wenigstens eine Zuführventil und/oder wenigstens eine Auslassventil mit einem vordefinierten Variationsmuster variierend geführt wird und eine Spannungs- antwort und/oder eine Stromantwort des Zellenstapels während des variierenden Führens des wenigstens einen Fluides ermittelt wird. Dadurch bietet das erfindungs- gemäße Verfahren nicht nur den Vorteil, dass keine Modifikation an der Leistungs- elektronik notwendig ist, sondern erste Versuche belegen auch eine dem Stand der Technik überlegene Analysefähigkeit.
Gemäß einer Weiterbildung der vorliegenden Erfindung ist es möglich, dass der Zel- lenstapel einen ersten Elektrodenabschnitt in Form eines Anodenabschnitts und ei- nen zweiten Elektrodenabschnitt in Form eines Kathodenabschnitts aufweist, wobei stromaufwärts des Anodenabschnitts ein erstes Zuführventil und stromaufwärts des Kathodenabschnitts ein zweites Zuführventil angeordnet sind. Das Verfahren kann in dieser Ausgestaltungsvariante die folgenden weiteren Schritte aufweisen: variierendes Zuführen eines ersten Fluides zu dem Anodenabschnitt durch das erste Zuführventil mit einem vordefinierten ersten Variationsmuster, variierendes Zuführen eines zweiten Fluides zu dem Kathodenabschnitt durch das zweite Zuführventil mit einem vordefinierten zweiten Variationsmuster, wo- bei sich das erste Variationsmuster vom zweiten Variationsmuster unterschei- det,
Ermitteln einer anodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stromant- wort des Zellenstapels während des sich variierenden Zuführens des ersten Fluides zum Anodenabschnitt,
Ermitteln einer kathodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stromant- wort des Zellenstapel während des sich variierenden Zuführens des zweiten Fluides zum Kathodenabschnitt, und
Ermitteln des Betriebszustandes des elektrochemischen Systems anhand der anodenabschnittsspezifischen und/oder kathodenabschnittsspezifischen Span- nungs- bzw. Stromantwort.
Dadurch kann der Betriebszustand des elektrochemischen Systems betriebsbeglei- tend bzw. online besonders detailliert und fortlaufend ermittelt werden. Genauer ge- sagt können im Wesentlichen gleichzeitig der Betriebszustand im Anodenabschnitt sowie der Betriebszustand im Kathodenabschnitt ermittelt werden. Dieser Betriebs- zustand kann einerseits durch Medienüber- oder -Unterversorgung beeinträchtigt o- der durch Medienübertritt über die Zellmembran oder -wand gestört sein. Bei der Verwendung von unterschiedlichen Variationsmustern kann im Nachhinein zuverläs- sig festgestellt werden, von welcher Elektrode welches Signal kommt und welchem Fluidstrom bzw. Medienfluss es entspricht. Es kann also anodenabschnittspezifisch und kathodenabschnittspezifisch gemessen bzw. gerechnet werden. Bei einem un- erwünschten Fluidübertritt oder Fluidverarmung kann in gleicher weise der Ursprung desselben zurückverfolgt bzw. eruiert werden. Wenn das elektrochemische System bzw. der Zellenstapel mit zwei unterschiedlichen Frequenzen angeregt wird, können diese auch in der entsprechenden Signalantwort detektiert werden. Anhand der de- tektierten Frequenz kann das Signal dem Anodenabschnitt oder dem Kathodenab- schnitt zugeordnet werden. Anschließend kann der Amplitudenverlauf der entspre- chenden Frequenzen rekonstruiert werden, wodurch auf die sich ändernde Fluidver- sorgung der einzelnen Elektroden geschlossen werden kann.
Zusätzlich oder alternativ kann es günstig sein, wenn der Zellenstapel einen ersten Elektrodenabschnitt in Form eines Anodenabschnitts und einen zweiten Elektroden- abschnitt in Form eines Kathodenabschnitts aufweist, und stromabwärts des Ano- denabschnitts ein erstes Auslassventil und stromabwärts des Kathodenabschnitts ein zweites Auslassventil angeordnet sind. Das Verfahren kann in dieser Ausgestal- tungsvariante die folgenden weiteren Schritte aufweisen: variierendes Abführen eines ersten Fluides vom Anodenabschnitt durch das erste Auslassventil mit einem vordefinierten ersten Variationsmuster,
variierendes Abführen eines zweiten Fluides vom Kathodenabschnitt durch das zweite Auslassventil mit einem vordefinierten zweiten Variati- onsmuster, wobei sich das erste Variationsmuster vom zweiten Variati- onsmuster unterscheidet,
Ermitteln einer anodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stro- mantwort des Zellenstapels während des sich variierenden Abführens des ersten Fluides vom Anodenabschnitt,
Ermitteln einer kathodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stromantwort des Zellenstapels während des sich variierenden Abführens des zweiten Fluides vom Kathodenabschnitt, und
Ermitteln des Betriebszustandes des elektrochemischen Systems anhand der anodenabschnittsspezifischen und/oder kathodenabschnittsspezifi- schen Spannungsantwort und/oder Stromantwort.
Dabei wird der Medienfluss also stromabwärts des Zellenstapels gepulst. Die Model- lierung desselben erfolgt also im Nachlauf. Die oben beschriebenen Vorteile treffen jedoch auch auf diese Variante zu, weshalb darauf nicht mehr im Detail eingegangen wird.
Bei einer weiteren Ausgestaltungsvariante weist der Zellenstapel einen ersten Elekt- rodenabschnitt in Form eines Anodenabschnitts und einen zweiten Elektrodenab- schnitt in Form eines Kathodenabschnitts auf, und stromaufwärts des Anodenab- schnitts sind ein erstes Zuführventil in einer ersten Zuleitung und stromaufwärts des Kathodenabschnitts ein zweites Zuführventil in einer zweiten Zuleitung angeordnet. Das Verfahren kann in dieser Ausgestaltungsvariante die folgenden weiteren Schritte aufweisen: variierendes Zuführen eines ersten zudosierten Fluides in der ersten Zulei- tung durch das erste Zuführventil mit einem vordefinierten ersten Variati- onsmuster zu einem ersten Fluid in einer erste Fluidleitung und in weiterer Folge zu dem Anodenabschnitt, variierendes Zuführen eines zweiten zudosierten Fluides in der zweiten Zuleitung durch das zweite Zuführventil mit einem vordefinierten zweiten
Variationsmuster zu einem zweiten Fluid in einer zweite Fluidleitung und in weiterer Folge zu dem Kathodenabschnitt, wobei sich das erste Variati- onsmuster vom zweiten Variationsmuster unterscheidet,
Ermitteln einer anodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stro- mantwort des Zellenstapels während des sich variierenden Zuführens des ersten Fluides zum Anodenabschnitt,
Ermitteln einer kathodenabschnittspezifischen Spannungs- und/oder Stromantwort des Zellenstapels während des sich variierenden Zuführens des zweiten Fluides zum Kathodenabschnitt, und
Ermitteln des Betriebszustandes des elektrochemischen Systems anhand der anodenabschnittsspezifischen und/oder kathodenabschnittsspezifi- schen Spannungsantwort und/oder Stromantwort.
Bei dieser Variante erfolgt die Pulsung oder Taktung der Fluide also über eine An- ordnung der Ventile in einen jeweils eigenen Zumischerpfad.
Ferner ist es möglich, dass bei einem Verfahren gemäß der vorliegenden Erfindung erste Fluid Brennstoff oder Wasser ist oder aufweist und/oder das zweite Fluid Luft ist oder aufweist. Durch Zuführen von Wasser, Brennstoff und/oder Luft zur entspre- chenden Elektrode wird ein Prozessfluid verwendet, das sich ohnehin im elektro- chemischen System befindet. Dadurch kann das Verfahren entsprechend einfach durchgeführt werden. Als Brennstoff kann Wasserstoff oder ein Kohlenwasserstoff wie Methanol oder Ethanol verwendet werden. Allgemein ist das erste Fluid ein Re- duktionsmittel und das zweite Fluid ein Oxidationsmittel, wobei insbesondere das Reduktionsmittel auf der Kathodenseite und Oxidationsmittel auf der Anodenseite ge- führt wird. Ist das zweite Fluid Luft, so kann der Luft beispielsweise Wasser zur Be- feuchtung oder Stickstoff zugemischt sein. Die Fluide können auch inert sein, wie beispielsweise Wasserstoff in einem Kathodenpfad in einem SOEC-System.
Außerdem ist es bei einem erfindungsgemäßen Verfahren möglich, dass das wenigs- tens eine Fluid mit einer Taktung zwischen 1 Hz und 500 Hz, insbesondere zwischen 3 Hz und 400 Hz, bevorzugt zwischen 4 Hz und 350 Hz geführt wird. Als besonders vorteilhaft hat sich eine Taktung zwischen 10 Hz und 30 Hz, insbesondere von etwa 3 Hz, herausgestellt. Hierbei entspricht die Taktung einem variierenden Zuführen des
Fluides. Bei Versuchen im Rahmen der vorliegenden Erfindung hat sich herausge- stellt, dass diese Taktung für ein aussagekräftiges Messergebnis ausreicht. Außer- dem können relativ kostengünstige Zuführventile verwendet werden.
Darüber hinaus ist es möglich, dass bei einem erfindungsgemäßen Verfahren die Ermittlung des Betriebszustandes des elektrochemischen Systems während des Be- triebs des elektrochemischen Systems kontinuierlich oder automatisiert in vordefi- nierten Zeitfenstern durchgeführt wird. Durch eine kontinuierliche Überwachung des elektrochemischen Systems können Fehlfunktionen stets rechtzeitig erkannt und mögliche Schäden entsprechend frühzeitig verhindert werden. Durch eine automati- siert gezielte und/oder ausgewählte Überwachung, beispielsweise in vordefinierten Betriebszuständen des elektrochemischen Systems, reduziert sich ein Datenstrom zwischen einer Überwachungseinrichtung und einer Systemsteuereinheit auf skalare Größen (Indikatoren), wie beispielsweise Brennstoffverarmung. Die Indikatoren kön- nen z. B. als Prozentwerte skaliert sein (100% trifft ganz zu, 50% trifft zur Hälfte zu, 0% trifft gar nicht zu).
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Computerpro- grammprodukt bereitgestellt, das auf einem Speichermittel gespeichert und zum Durchführen eines Verfahrens nach einem der voranstehenden Ansprüche konfigu- riert und ausgestaltet ist. Damit bringt das Computerprogrammprodukt die gleichen Vorteile mit sich, wie sie ausführlich mit Bezug auf das erfindungsgemäße Verfahren beschrieben worden sind. Das Computerprogrammprodukt kann als computerlesba- rer Anweisungscode in jeder geeigneten Programmiersprache wie beispielsweise in JAVA oder C++ implementiert sein. Das Computerprogrammprodukt kann auf einem computerlesbaren Speichermittel wie einer Datendisk, einem Wechsellaufwerk, ei- nem flüchtigen oder nichtflüchtigen Speicher, oder einem eingebauten Spei- cher/Prozessor abgespeichert sein. Der Anweisungscode kann einen Computer oder andere programmierbare Geräte derart programmieren, dass die gewünschten Funk- tionen ausgeführt werden. Ferner kann das Computerprogrammprodukt in einem Netzwerk wie beispielsweise dem Internet bereitgestellt werden bzw. sein, von dem es bei Bedarf von einem Nutzer heruntergeladen werden kann. Das Computerpro- grammprodukt kann sowohl mittels eines Computerprogramms, d.h. einer Software, als auch mittels einer oder mehrerer spezieller elektronischer Schaltungen, d.h. in
Hardware, oder in beliebig hybrider Form, d.h. mittels Software-Komponenten und Hardware-Komponenten, realisiert werden bzw. sein.
Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft ein Speichermittel mit einem darauf gespeicherten und wie vorstehend beschriebenen Computerprogrammpro- dukt. Darüber hinaus betrifft die Erfindung eine Schaltungsanordnung für ein elektro- chemisches System, die zum Durchführen eines wie vorstehend im Detail beschrie- benen Verfahrens konfiguriert und ausgestaltet ist. Damit bringen das Speichermittel und die Schaltungsanordnung ebenfalls die vorstehend beschriebenen Vorteile mit sich.
Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein elektrochemi- sches System zur Verfügung gestellt. Das elektrochemische System weist einen Zel- lenstapel mit wenigstens einem Elektrodenabschnitt , wenigstens ein Zuführventil und/oder wenigstens ein Auslassventil auf, wobei das wenigstens eine Zuführventil stromaufwärts des wenigstens einen Elektrodenabschnitts zum variierenden Zufüh- ren wenigstens eines Fluides zu dem wenigstens einen Elektrodenabschnitt und/oder das wenigstens eine Auslassventil stromabwärts des wenigstens einen Elektroden- abschnitts zum variierenden Abführen wenigstens eines Fluides vom wenigstens ei- nen Elektrodenabschnitt angeordnet ist. Das elektrochemische System weist außer- dem eine wie vorstehend beschriebene Schaltungsanordnung auf.
Mithin bringt auch das elektrochemische System die vorstehend erläuterten Vorteile mit sich. Unter einem Prozessfluid bzw. Prozessfluiden sind Fluide zu verstehen, die für den Betrieb des elektrochemischen Systems benötigt werden. Die Prozessfluide können Luft, Wasser, Wasserstoff, Biogas, Methanol, Ethanol und/oder weitere sein, wobei diese Aufzählung nicht als abschließend zu werten ist. Das Zuführventil und/oder Auslassventil ist vorzugsweise jeweils als getaktetes Ventil bzw. als Pulsa- tionsventil ausgestaltet.
Günstig ist es dabei, wenn zumindest zwei Fluidleitungen vorgesehen sind, wobei zumindest eine Fluidleitung als Zuleitung ausgebildet ist und das wenigstens eine Zuführventil in der Zuleitung angeordnet ist, wobei die Zuleitung stromabwärts zu- mindest eines Durchflussreglers in eine Fluidleitung mündet. Dadurch ist ein Pro- zessfluid vor dem Zellenstapel mit einem Puls oder Takt beufschlagbar, wobei dies in einer separaten Zuleitung erfolgt, in welcher bevorzugt nur ein kleiner Teil eines Pro-
zessfluides geführt ist. Stromabwärts des Durchflussreglers wird das mit einem Takt/Puls beaufschlagte Prozessfluid zu der Fluidleitung beigemischt, wodurch auch der große Teil des Prozessfluides nun getaktet ist.
Vorteilhaft ist es dabei weiter, wenn die Elektrodeneinheit einen ersten Elektroden- abschnitt in Form eines Anodenabschnitts und einen zweiten Elektrodenabschnitt in Form eines Kathodenabschnitts aufweist, wobei eine erste Zuleitung und eine zweite Zuleitung vorgesehen sind, wobei ein erstes Zuführventil in der ersten Zuleitung und ein zweites Zuführventil in der zweiten Zuleitung angeordnet ist und das erste Zu- führventil und das zweite Zuführventil zum Führen der Fluide unterschiedlich perio- disch getaktet sind, und wobei die erste Zuleitung stromaufwärts des Anodenab- schnittes in eine erste Fluidleitung und die zweite Zuleitung stromabwärts des Katho- denabschnittes in eine zweite Zuleitung mündet. D.h., das erste Zuführventil und das zweite Zuführventil sind mit unterschiedlichen periodischen Variationsmustern konfi- guriert, wobei diese jeweils in einer separaten Zuleitung abgeordnet sind. Durch die Periodizität kann ein besonders gleichmäßiges und dadurch aussagekräftiges Ant- wortsignal zur entsprechend aussagekräftigen Ermittlung des Betriebszustandes ge- neriert werden.
Bei einer bevorzugten Ausgestaltungsvariante weist der Zellenstapel einen ersten Elektrodenabschnitt in Form eines Anodenabschnitts und einen zweiten Elektroden- abschnitt in Form eines Kathodenabschnitts auf, wobei stromaufwärts des Anoden- abschnitts ein erstes Zuführventil in einer ersten Zuleitung angeordnet ist, wobei die erste Zuleitung stromabwärts eines ersten Durchflussreglers in eine erste Fluidlei- tung zum Zuführen eines ersten Fluides zum Anodenabschnitt mündet, und strom- aufwärts des Kathodenabschnitts ein zweites Zuführventil in einer zweiten Zuleitung angeordnet ist, wobei die zweite Zuleitung stromabwärts eines zweiten Durchfluss- reglers in eine zweite Fluidleitung zum Zuführen eines zweiten Fluides zum Anoden- abschnitt mündet, und wobei das erste Zuführventil und das zweite Zuführventil zum Führen der Fluide unterschiedlich periodisch getaktet sind. D.h., das erste Zuführ- ventil und das zweite Zuführventil sind mit unterschiedlichen periodischen Variati- onsmustern konfiguriert. Durch die Periodizität kann ein besonders gleichmäßiges und dadurch aussagekräftiges Antwortsignal zur entsprechend aussagekräftigen Er- mittlung des Betriebszustandes generiert werden.
Bei einer weiteren bevorzugten Ausgestaltungsvariante weist die Elektrodeneinheit einen ersten Elektrodenabschnitt in Form eines Anodenabschnitts und einen zweiten Elektrodenabschnitt in Form eines Kathodenabschnitts auf, wobei stromabwärts des Anodenabschnitts ein erstes Auslassventil zum Abführen eines ersten Fluides vom Anodenabschnitt und stromabwärts des Kathodenabschnitts ein zweites Auslassven- til zum Abführen eines zweiten Fluides vom Kathodenabschnitt angeordnet sind, und wobei das erste Auslassventil und das zweite Auslassventil zum Abführen der Fluide unterschiedlich periodisch getaktet sind. D.h., das erste Auslassventil und das zweite Auslassventil sind mit unterschiedlichen periodischen Variationsmustern konfiguriert. Durch die Periodizität kann ein besonders gleichmäßiges und dadurch aussagekräf- tiges Antwortsignal zur entsprechend aussagekräftigen Ermittlung des Betriebszu- standes generiert werden.
Weitere, die Erfindung verbessernde Maßnahmen ergeben sich aus der nachfolgen- den Beschreibung zu verschiedenen Ausführungsbeispielen der Erfindung, welche in den Figuren schematisch dargestellt sind. Sämtliche aus den Ansprüchen, der Be- schreibung oder der Zeichnung hervorgehende Merkmale und/oder Vorteile, ein- schließlich konstruktiver Einzelheiten und räumlicher Anordnungen können sowohl für sich als auch in den verschiedenen Kombinationen erfindungswesentlich sein.
Es zeigen jeweils schematisch: Figur 1 ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens gemäß einer ersten
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 2 ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens gemäß einer zweiten
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 3 ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens gemäß einer dritten
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 4 ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens gemäß einer vierten
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 5 ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens gemäß einer fünften
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 6 ein Blockschaltbild zum Darstellen eines elektrochemischen Systems ge- mäß einer ersten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 7 ein Blockschaltbild zum Darstellen eines elektrochemischen Systems ge- mäß einer zweiten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung,
Figur 8 ein Diagramm zum Erläutern eines im Stand der Technik bekannten Kenn- linienverlaufs, und
Figur 9 ein Diagramm zum Erläutern eines erfindungsgemäßen Kennlinienver- laufs.
Elemente mit gleicher Funktion und Wirkungsweise sind in den Figuren 1 bis 9 je- weils mit denselben Bezugszeichen versehen.
In Fig. 1 ist ein elektrochemisches System 1 a gemäß einer ersten Ausführungsform dargestellt. Das in Fig. 1 dargestellte System 1 a kann beispielsweise als Brennstoff- zellensystem oder zumindest als Teil eines Brennstoffzellensystems verstanden werden. Der Zellenstapel 2 weist einen ersten und einen zweiten Elektrodenabschnitt beispielweise als Anodenabschnitt 3 und Kathodenabschnitt 4 auf. Stromaufwärts des Anodenabschnitts 3 ist ein erstes Zuführventil 5 angeordnet. Stromaufwärts des Kathodenabschnitts 4 ist ein zweites Zuführventil 6 angeordnet. Die Zuführventile 5,
6 sind als getaktete bzw. gepulste Ventile zum variierenden Zuführen des jeweiligen Prozessfluides zum zugehörigen Elektrodenabschnitt 3, 4 ausgestaltet.
Stromaufwärts des ersten Zuführventils 5 ist ergänzend ein erster Durchflussregler 7 zum Steuern und/oder Regeln des Fluiddurchflusses zum ersten Zuführventil 5 an- geordnet. Stromaufwärts des zweiten Zuführventils 6 ist ergänzend ein zweiter Durchflussregler 8 zum Steuern und/oder Regeln des Fluiddurchflusses zum zweiten Zuführventil 6 angeordnet. Stromabwärts des Anodenabschnitts 3 ist ein in Fig. 1 nicht gezeigtes Spülventil 9 zum Spülen des Anodenbereichs angeordnet. Das erste Zuführventil 5 und das zweite Zuführventil 6 sind zum unterschiedlich variierenden Zuführen der jeweiligen Prozessfluide unterschiedlich periodisch getaktet. D.h., das erste Zuführventil 5 ist mit einem ersten Variationsmuster konfiguriert und das zweite Zuführventil 6 ist mit einem zweiten Variationsmuster konfiguriert, wobei sich das ers- te Variationsmuster vom zweiten Variationsmuster unterscheidet. Zwischen dem Durchflussregler 7, 8, den Zuführventil 5, 6 und dem Zellenstapel 2 sowie stromab-
wärts des Zellenstapels 2 ist jeweils eine Fluidleitung 23 vorgesehen, wobei im Ano- denpfad eine erste Fluidleitung 23a und im Kathodenpfad eine zweite Fluidleitung 23b angeordnet ist.
Das in Fig. 1 dargestellte System 1a weist ferner eine Schaltungsanordnung 13 zum Steuern und/oder Regeln des Systems 1 a auf. Die Schaltungsanordnung 13 weist ein Speichermittel 12 mit einem darauf gespeicherten bzw. installierten Computer- program m produkt 11 auf. Das Com puterprogramm produkt 11 ist zum Durchführen von Verfahren konfiguriert, die mit Bezug auf Fig. 3 und Fig. 4 beschrieben werden.
In Fig. 2 ist ein elektrochemisches System 1 b gemäß einer zweiten Ausführungsform dargestellt, in welchem nur ein getaktetes bzw. gepulstes Auslassventil 20 angeord- net ist. Auf die Darstellung eines Kathodenabschnitts bzw. eines Zellenstapel wurde verzichtet. Stromabwärts des Anodenabschnitts 3 ist eine Fluidpumpe 10 angeord- net, wobei stromabwärts der Fluidpumpe 10 ein Spülventil 9 vorgesehen ist. Das Spülventil 9 ist zum Spülen des Anodenbereichs angeordnet. Die Schaltungsanord- nung 13 entspricht derjenigen, die bereits mit Bezug auf die erste Ausführungsform beschrieben worden ist. Wieder ist zwischen den einzelnen Elementen des elektro- chemischen Systems 1 b eine Fluidleitung 23 vorgesehen. Die Schaltungsanordnung 13 entspricht dieser der Fig. 1. Der Anodenabschnitt 3 kann grundsätzlich auch als Kathodenabschnitt ausgebildet sein.
Fig. 3 zeigt ein weiteres elektrochemisches System 1 c, in welchem ein gepuls- tes/getaktetes erstes Auslassventil 20 und ein gepulstes/getaktetes zweites Auslass- ventil 21 vorgesehen sind, wobei das erste Auslassventil 20 stromabwärts des Ano- denabschnittes 3 und das zweite Auslassventil 21 stromabwärts des Kathodenab- schnittes 4 angeordnet ist. Die Auslassventile 20, 21 sind dabei jeweils in einer Ablei- tung 25a, 25b angeordnet. Die erste Ableitung 25a trennt sich stromabwärts des Anodenabschnittes 3 von der ersten Fluidleitung 23a und die zweite Ableitung 25b trennt sich stromabwärts des Kathodenabschnittes 4 von der zweiten Fluidleitung 23b. In den jeweiligen Fluidleitungen 23a, 23b ist ein Überströmventil 19 angeordnet, welches als Druckhalteventil ausgebildet sein kann. Die Schaltungsanordnung 13 entspricht wieder dieser der anderen Ausführungsbeispiele.
Ein elektrochemisches System 1 d gemäß einer vierten Ausführungsform ist in Fig. 4 gezeigt. Stromaufwärts des Anodenabschnittes 3 bzw. des Kathodenabschnittes 4 ist
eine erste Zuleitung 24a bzw. eine zweite Zuleitung 24b angeordnet, in welcher je- weils ein Zuführventil 5, 6 vorgesehen ist. Die jeweilige Zuleitung 24a, 24b führt stromaufwärts des Zellenstapels 2 und stromabwärts eines jeweiligen Durchflussreg- lers 5, 6 mit einer ersten Fluidleitung 23a bzw. einer zweiten Fluidleitung 23b zu- sammen. Die Durchflussregler 5, 6 sind im Wesentlichen Ventile und können auch jeweils als Magnetventile ausgebildet sein. In Fig. 4 sind auch zwei Überströmventile stromabwärts des Zellenstapels 2 vorgesehen, welche bei einem Betrieb im Über- druck verwendet werden. Die Schaltungsanordnung 13 entspricht wieder dieser der anderen Ausführungsbeispiele.
Fig. 5 zeigt ein elektrochemisches System 1 e gemäß einer vierten Ausführungsform. Hierbei ist das Ventil 5 zur Pulsung oder Taktung einer Befeuchtung und in einer By- passleitung 26 angeordnet, wobei die Bypassleitung 26 einer Fluidleitung 23 ent- spricht und zum Bypässen eines semipermeablen Stoffaustauschers 22 ausgebildet und angeordnet ist. Das durch die Bypassleitung 26 und das Ventil 5 geführte und getaktete Fluid wird stromabwärts eines semipermeablen Stofftaustauschers 22 und stromaufwärts des Zellenstapels 2, insbesondere des Anodenabschnittes 3, der Flu- idleitung 23 zugeführt. Stromabwärts des Anodenabschnittes 3 ist ein Überströmven- til 19 angeordnet, wobei die Fluidleitung 23 das Überströmventil 19 mit dem semi- permeablen Stofftaustauschers 22 strömungsverbindet. Die Schaltungsanordnung 13 entspricht wieder dieser der anderen Ausführungsbeispiele.
Die verschiedenen Ausführungsbeispiele können auch zumindest teilweise miteinan- der kombiniert werden. Es wird auch explizit darauf hingewiesen, dass ein Brenn- stoffzellensystem wie ein PEMFC nur ein mögliches Ausführungsbeispiel ist. Bei- spielsweise kann das elektrochemische System auch als SOEC-System ausgebildet sein, wobei bei dieser Variante die Ausbildung (Kathodenbereich 4 bzw. Anodenbe- reich 3) der Elektrodenabschnitte genau umgekehrt zu einer Ausbildung als Brenn- stoffzellensystems ist.
Fig. 6 zeigt ein Flussdiagramm zum Erläutern eines Verfahrens zur Ermittlung eines Betriebszustandes in einem wie in Fig. 1 bis Fig. 5 dargestellten elektrochemischen System 1 a, 1 b, 1c, 1 d, 1 e gemäß einer beispielhaften ersten Ausführungsform. In ei- nem ersten Schritt S1 wird ein Fluid bzw. ein Prozessfluid in Form von Wasserstoff durch ein auf 30 Flz gepulstes Zuführventil 5 entsprechend variierend dem Anoden- abschnitt 3 dem Zellenstapel 2 zugeführt. In einem zweiten Schritt S2 wird eine
Spannungs- bzw. Stromantwort dem Zellenstapel 2 ermittelt bzw. gemessen. In ei- nem darauffolgenden dritten Schritt S3 werden die Messwerte ausgewertet und ana- lysiert (z. B. über ein THDA- oder andere geeignete Verfahren) und es wird der Be- triebszustand des elektrochemischen Systems 1 a, 1 b anhand der Spannungs- bzw. Stromantwort ermittelt. Hierbei können vordefinierte Algorithmen einen Indikatorver- lauf (Bezugszeichen 14 in Fig. 8) ermitteln bzw. berechnen. Bei Änderungen des In- dikators kann die Schaltungsanordnung 13 zur Anpassung des Wasserstoffflusses entsprechend angesteuert werden.
Mit Bezug auf Fig. 7 wird ein Verfahren zur Ermittlung eines Betriebszustandes eines elektrochemischen Systems 1 b gemäß einer zweiten Ausführungsform beschrieben. In einem ersten Schritt S10 wird ein Prozessfluid in Form von Wasserstoff durch ein auf 20 Hz gepulstes erstes Zuführventil 5 entsprechend variierend dem Anodenab- schnitt 3 dem Zellenstapel 2 zugeführt. Außerdem wird in einem zumindest teilweise gleichzeitig ablaufenden zweiten Schritt S20 ein Prozessfluid in Form von beispiels- weise Luft durch ein auf 40 Hz gepulstes zweites Zuführventil 6 entsprechend variie- rend dem Kathodenabschnitt 4 dem Zellenstapel 2 zugeführt. Anschließend bzw. währenddessen wird in einem dritten Schritt S30 eine anodenabschnittspezifische Spannungs- bzw. Stromantwort dem Zellenstapel 2 sowie eine kathodenabschnitt- spezifische Spannungs- bzw. Stromantwort dem Zellenstapel 2 gemessen. Dies ist möglich, da die Elektroden 3, 4 mit zwei unterschiedlichen Frequenzen angeregt werden, welche in der Signalantwort detektiert werden können. Nun kann in einem vierten Schritt S40 der Betriebszustand des elektrochemischen Systems 1 b anhand der anodenabschnittsspezifischen und/oder kathodenabschnittsspezifischen Span- nungs- bzw. Strom antworten ermittelt werden.
Mit Bezug auf Fig. 8 und Fig. 9 soll der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber dem im Stand der Technik bisher üblichen Verfahren hervorgehoben werden. Fig. 8 und Fig. 9 zeigen jeweils ein Diagramm mit einer Stromachse (l/A) bzw. einer Spannungsachse (U/V), die an einer Zeitachse (s) anliegen. In den Dia- grammen sind jeweils ein Prozessmedium-Indikator 14, eine Stapelspannung 15, Strom 16, eine mit 10 skalierte Stöchiometrie des Sauerstoffs 17 (Lambda mal 10) und eine Wasserstoffkonzentration 18 dargestellt, wobei der Prozessmedium- Indikator 14 (0 % bis 100 %) hervorzuheben ist. Wie in Fig. 8 zu sehen, zeigt der Prozessmedium-Indikator 14 einen Amplitudenverlauf, der über die Zeit mit Aus-
schlagen nach oben sowie nach unten insgesamt zunimmt. Der sich in Fig. 9 erge- bende Prozessmedium-Indikator 14 zeigt hingegen einen Amplitudenverlauf, der über die Zeit gleichmäßig nach oben ansteigt. Ein solcher Verlauf kann im Vergleich zu dem in Fig. 8 dargestellten Verlauf deutlich einfacher und zuverlässiger als ent- sprechender Flinweis bzw. Indikator zum Betriebszustand des elektrochemischen Systems 1 a, 1 b, 1c, 1 d, erkannt werden.
Neben den dargestellten Ausführungsformen lässt die Erfindung weitere Gestal- tungsgrundsätze zu. D.h., die vorliegende Erfindung soll nicht auf die dargestellten Figuren beschränkt betrachtet werden.
Bezugszeichenliste
1 a, 1 b Brennstoffzellensystem
2 Zellenstapel
3 Anode (Elektrodenabschnitt)
4 Kathode (Elektrodenabschnitt)
5 Zuführventil
6 Zuführventil
7 Durchflussregler
8 Durchflussregler
9 Spülventil
10 Fluidpumpe
11 Computerprogrammprodukt
12 Speichermittel
13 Schaltungsanordnung
14 Prozessmedium-Indikator
15 Stapelspannung
16 Strom
17 Stöchiometrieverhältnis
18 Wasserstoffmenge
19 Überströmventil
19a Überströmventil
19b Überströmventil
20 Auslassventil
21 Auslassventil
22 semipermeabler Stoffaustauscher
23 Fluidleitung
23a Fluidleitung
23b Fluidleitung
24a Zuleitung
24b Zuleitung
25a Ableitung
25b Ableitung
26 Bypssleitung