BEIZBARE OBERFLÄCHE
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren De koroberfläche nach Anspruch 1 und einen Werkstoff mit einer farblich veränderbaren Dekoroberfläche nach Anspruch 16. Dekorative Oberflächen aus Kunstharz oder Lack sind allgemein bekannt und werden beispielsweise bei Fußbodenbelägen, Wandbelägen Deckenbelägen oder Möbeln ver wendet. Diese weisen eine Dekorschicht auf, die ein Papier mit einem aufgedruckten Dekor oder ein auf einen Untergrund gedrucktes Dekor umfasst. Auf der Dekorschicht kann üblicherweise eine Schutzschicht angeordnet sein. Zudem ist es bekannt, die Ober- fläche mit einem Strukturdekor zu versehen, das bspw. in die Oberfläche eingeprägt wird. Die oberhalb des Dekors angeordneten Schichten sind mindestens semi transparent, damit der Betrachter das Dekor wahrnehmen kann.
Nachteilig ist, dass die farbliche Ausgestaltung derartiger Oberflächen im Nachhinein kaum beeinflusst werden kann. Insbesondere eine durch den Endverbraucher individu elle farbliche Oberflächengestaltung, wie sie beispielsweise bei Vollholz durch das Beizen der Oberflächen erreicht wird, ist bei derartigen Kunstharz- oder Lackoberflächen nicht mehr möglich. Gerade im nordamerikanischen Raum besteht jedoch ein erhöhter Bedarf an dekorativen Oberflächen, die nachträglich durch den Endverbraucher selbst farblich gestaltet werden können, wobei die eigentlichen Dekorstrukturen sichtbar bleiben und nur der Farbton angepasst werden soll. Derartige vom Endverbraucher nachträglich farblich veränderba re Oberflächen konnten bisher ausschließlich über Vollholzoberflächen, wie beispielswei- se bei Massivholz oder auch Holzfurnier, bereitgestellt werden.
Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Herstellen einer Dekoroberfläche und einen Werkstoff mit einer derartigen Dekoroberfläche bereitzustel len, die in ihrer Farbgebung vom Endverbraucher besonders einfach verändert werden kann und die besonders kostengünstig und widerstandsfähig ist.
Die Erfindung löst die Aufgabe mittels eines Verfahrens mit den Merkmalen des An spruchs l und einem Werkstoff mit den Merkmalen des Anspruchs 13. Vorteilhafte Wei terbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben. Dabei sind alle beschriebenen Merkmale für sich oder in beliebiger Kombination grundsätzlich Ge genstand der Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung.
Das erfindungsgemäße Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekor oberfläche umfasst die Schritte: Bereitstellen einer verwendungsfertigen vollständig aus gehärteten Kunstharz oder Lack umfassenden Dekoroberfläche auf einer Trägerschicht, Aufträgen mindestens einer Schicht eines Beschichtungsmittels, Trocknen und Aushär ten der Beschichtungsmittelschicht.
Bei üblichen ausgehärteten Dekoroberflächen aus Kunstharz oder Lack ist ein Eindrin gen von Farbpigmenten in die Schicht nicht mehr möglich. Allenfalls können Farbpig mente auf der Oberfläche abgelegt werden. Die nach dem erfinderischen Verfahren be reits fertig hergestellte Dekoroberfläche erhält daher mit der Schicht aus Beschich tungsmittel eine zusätzliche Beschichtung, die eine neue Oberfläche ausbildet, wodurch eine besonders einfache nachträgliche Farbanpassung (im Weiteren auch als Beizen be zeichnet) ermöglicht wird, wie es ansonsten nur beim Beizen von Massivholzoberflächen bekannt ist. Die nachträglich auftragbaren Farbstoffe (Farbpigmente) haften an der zu sätzlichen Beschichtung an, bzw. lagern sich in der Beschichtung an, bspw. über eine chemische Verbindung und färben diese. Obwohl auf die Dekoroberfläche eine Schicht eines Beschichtungsmittels aufgetragen wurde, bleiben die guten technischen Eigen schaften bspw. der ursprünglichen Kunstharzoberfläche oder Lackoberfläche weitestge hend erhalten. Zudem kann aber auch auf die Schicht aus Beschichtungsmittel und die Farbstoffe aus der Beize eine Schutzschicht (Fixierschicht), bspw. eine Lackschicht auf getragen werden.
Die Dekoroberfläche weist ein Dekordruck (im Weiteren auch Dekor) auf, der auf die Oberseite der Trägerschicht aufgedruckt ist. So kann das Dekor bspw. Strukturen eines Dekors zeigen. Insbesondere stellt das Dekor bspw. Holzmaserungen, Steinmaserungen, Steindekore, Fliesendekore oder auch Fantasiedekore dar. Das Dekor kann dabei als
farbiges Dekor, Dekor in Grautönen oder auch Schwarz-Weiß-Dekor ausgebildet sein.
Die Dekoroberfläche umfasst zudem eine transparente Schutzschicht, die beispielsweise als oberhalb des Dekors angeordnete transparente Lackschicht oder als transparente Kunstharzschicht, bspw. als transparentes kunstharzgetränktes Overlay ausgebildet sein kann. Alternativ kann beispielsweise bei der Verwendung einer tränkbaren Trägerschicht die Schutzschicht auch durch das ausgehärtete und vollständig getrocknete Tränkmittel der Trägerschicht gebildet werden. Als Tränkmittel kommen insbesondere kunstharzba sierte, aber selbstverständlich auch lackbasierte Tränkmittel im Sinne der Erfindung infrage.
Das Dekor ist im verwendungsfertigen Zustand für einen Betrachter sichtbar und bleibt auch nach Auftrag der Beschichtungsmittelschicht und dem anschließenden Farbauftrag (Beize) weiterhin sichtbar. Dementsprechend ist die Beschichtungsmittelschicht eben falls transparent ausgebildet.
So ist es bspw. mit der erfinderischen Dekoroberfläche möglich, einen durch ein an sich helles aufgedrucktes Dekor erzeugten hellen Gesamteindruck der verwendungsfertigen Dekoroberfläche, bspw. mittels einer dunklen Beize, dunkel zu gestalten. D. h., der auf getragene Farbstoff (Farbpigmente) erzeugt eine dunkle Einfärbung der Oberfläche, wobei die zumindest weitestgehend transparente Schicht auch weitestgehend transpa rent bleibt und die aufgedruckte Dekorstruktur weiterhin sichtbar ist.
Unter farblich veränderbar wird verstanden, dass der von dem Dekoraufdruck auf der Trägerschicht vorgegebene farbliche Gesamteindruck der Dekoroberfläche nachträglich individuell über einen zusätzlichen Farbauftrag in die Beschichtungsmittelschicht verän dert wird. Die nachträgliche farbliche Veränderung kann im Zuge der industriellen Fer tigung erfolgen oder alternativ nachgeschaltet bspw. bei einem das Produkt verarbeiten den Handwerker oder durch den Endkunden selbst. Durch den üblicherweise auf die ganze Dekorfläche erfolgenden Auftrag der Beschichtungsmittelschicht kann der die nachträgliche Färbung Durchführende selbst entscheiden, ob er ebenfalls die ganze De korfläche oder nur Teile farblich verändert.
Wie bereits erwähnt bleiben bei der farblichen Veränderung die Dekorstrukturen vor zugsweise weiterhin sichtbar, nur der Grundfarbton der Dekoroberfläche wird über die
Farbveränderung nochmals verändert. Hierdurch ist eine extrem hohe Individualisie rung, bspw. durch den jeweiligen Endverbraucher, möglich. Auch kann der Hersteller von dekorativen Oberflächen sein gesamtes bisheriges Portfolio mit einer deutlich höhe ren Farbvielfalt anbieten und auch Kleinserien mit kleinen Herstellungsvolumina be sonders einfach und kostengünstig anbieten. Bereits vorhandene Strukturdekore, d.h. strukturierte Oberflächen (3-D-Oberflächen), bleiben ebenfalls erhalten, da die Be schichtungsmittelschicht so dünn aufgetragen wird, dass sie die vorhandenen Oberflä chenstrukturen nachbildet. Bei strukturierten Oberflächen kann mit dem Beizen, d. h. mit der Farbtonveränderung, zudem eine dreidimensionale Wirkung der Oberfläche entstehen, bspw., wenn sich bei Holzdekoren im Bereich von strukturell ausgebildeten Poren (Vertiefungen in der 3-D-Struktur) mehr Beizadditive ansammeln, sodass auch nach dem Beizen mehr Farbpigmente aus der Beize in diesem Bereich vorliegen.
Die farbliche Anpassung der Dekoroberfläche kann dabei mit denselben Beizmitteln, bspw. einer wasserbasierten Beize, ölbasierten Beize oder einer Lösungsmittelbeize, wie auch mit denselben Vorrichtungen, wie bei einer normalen Holzoberflächenbeizung, durchgeführt werden.
Im Zusammenhang mit der Erfindung wird unter einer Kunstharzoberfläche ein Harz- Systeme verstanden, bei dem die vollständige Aushärtung der zur ggf. erfolgten Trän kung und/oder Beschichtung verwendeten Harze unter Einwirkung von Wärme und zusätzlich erzeugtem Druck (höher als atmosphärischer Druck), bspw. in einer Kurztakt presse oder einer kontinuierlichen Presse, durchgeführt wurde. Kunstharzoberflächen können bspw. ein Harnstoffharz, Phenolharz, vorzugsweise jedoch ein Melaminharz um fassen.
Unter einer Lackoberfläche werden im Zusammenhang mit der Erfindung Harz-Systeme verstanden, bei denen zumindest die außen liegende Schicht der verwendungsfertigen Dekoroberfläche eine Lackoberfläche ist. Die vollständige Aushärtung von Lackoberflä chen erfolgt drucklos (d.h. maximal unter atmosphärischem Druck) und ausschließlich unter Einwirkung von Wärme, UV-Strahlung, Elektronenstrahlung, oder Hochfrequenz. Lackoberflächen können insbesondere als Acrylat-Lacke oder PU- Lacke ausgebildet sein, die beispielsweise unter UV- Licht aushärten.
Die Dekoroberfläche kann ein- oder mehrschichtig sein. So kann die Dekoroberfläche bspw. durch ein kunstharzgetränktes Dekorpapier gebildet werden. Dabei bildet das oberseitig mit einem Dekor bedruckte Papier die Trägerschicht und das getrocknete und ausgehärtete Kunstharz, mit dem das Papier getränkt wurde, die Kunstharzoberfläche aus. Alternativ kann die Dekoroberfläche beispielsweise auch eine zusätzliche Schutz schicht in Form eines auf der Oberseite des Dekorpapiers angeordneten transparenten Overlays umfassen, das ebenfalls mit Kunstharz getränkt und mit dem Dekorpapier ver- presst und ausgehärtet wurde. Auch können zusätzliche Schichten wie beispielsweise unterseitig an der Trägerschicht angeordnete Schichten zur Stabilisierung der Träger schicht, beispielsweise Kraftpapierschichten oder eine Werkstoffschicht, wie bspw. eine Werkstoffplatte angeordnet sein.
Verwendungsfertige Dekoroberflächen im Sinne der Erfindung sind bspw. als HPL, CPL, DPL o.ä. bekannt, die entweder als Laminate zum Verbinden mit einem Werkstoff, ins besondere einer Werkstoffplatte ausgebildet sind oder bereits mit einem Werkstoff ver bunden sind. Die als Kunstharzoberfläche ausgebildete Dekoroberfläche wurde dabei mittels Wärme und Druck in ihren verwendungsfertigen Zustand versetzt, in dem das Kunstharz beispielsweise als Duroplast vorliegt.
Auch kann eine Dekoroberfläche im Sinne der Erfindung als Lackoberfläche ausgebildet sein. Dabei kann das Dekor auf eine Trägerschicht aufgedruckt oder auflackiert sein. Oberhalb des Dekors kann eine zusätzliche, beispielsweise transparente Lackschicht, die als Schutzschicht ausgebildet ist, aufgetragen sein. Als Trägerschicht können hier eben falls Papierschichten, Folien aus Kunststoff oder auch Werkstoffe, insbesondere Platten werkstoffe, wie Holzwerkstoffplatten eingesetzt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass die Dekoroberfläche durch eine im Direktdruckverfahren mit einem Dekor versehe ne Holzwerkstoffplatte ausgebildet wird. Auch können sogenannte Finishfolien, die ein aufgedrucktes Dekor auf der Oberseite und gegebenenfalls eine darüber angeordnete Schutzschicht aufweisen, als verwendungsfertige, vollständig ausgehärtete Dekoroberflä che verwendet werden. Finishfolien können beispielsweise auf eine Werkstoffplatte auf kaschiert werden.
Unter einem Werkstoff kann ein Werkstoffträgermaterial verstanden werden, das mit der Trägerschicht verbunden werden kann. Besonders bevorzugt wird als Werkstoff ein
Wood-Plastic-Composite (WPC)oder ein Holzwerkstoff, insbesondere ein Faserwerk stoff, CDF-Werkstoff, MDF-Werkstoff, HDF-Werkstoff, Spanwerkstoff, OSB-Werkstoff, eine Faserzementplatte oder eine Gipsfaserplatte verwendet. Unter WPC werden dabei auch entsprechende Abwandlungen mit Papier, Bambus oder auch Steinmaterial als Füllstoff verstanden. Vorzugsweise ist der Werkstoff ein plattenförmiger Werkstoff, ins besondere eine WPC-Platte oder eine Holzwerkstoffplatte. Diese können in vorteilhafter Weise beispielsweise für Wandbeläge, Deckenbeläge oder Fußbodenbeläge verwendet werden. Gerade im Bereich des Innenausbaus für Wandbeläge, Deckenbeläge oder Fuß bodenbeläge werden dabei Holzwerkstoffplatten wie beispielsweise CDF-Platten, MDF- Platten, HDF-Platten, Spanplatten oder OSB-Platten verwendet.
Die Dekoroberfläche ist unabhängig von ihrer Ausbildung als Kunstharz- oder Lackober fläche sowohl vor dem Auftrag des Beschichtungsmittels mit Beizadditiven als auch vor der Durchführung einer farblichen Veränderung (Beizen) vollständig ausgehärtet und jeweils verwendungsfertig, d. h., die Dekoroberfläche muss auch nach dem Beschich tungsmittelauftrag nicht zwingend gebeizt werden. Zudem kann die Dekoroberfläche, wie bereits erwähnt, eine entsprechende Oberflächenstruktur, bspw. eine eingeprägte oder auflackierte Struktur aufweisen.
Das Beschichtungsmittel verbindet sich zum einen mit der verwendungsfertigen Dekor oberfläche, zum anderen ist das Beschichtungsmittel derart ausgebildet, dass sich die Beize besonders einfach mit dem Beschichtungsmittel verbinden, bzw. in der Beschich tungsmittelschicht anlagern kann. Um die Verbindung zwischen Dekoroberfläche und Beschichtungsmittel zu verbessern, wird die Dekoroberfläche besonders bevorzugt vor behandelt. Durch die Vorbehandlung erfolgt eine Verbesserung der Anbindungsmög lichkeit der Beschichtungsmittelschicht an der Dekoroberfläche.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung wird zur Vorbehandlung ein Haftvermittler auf die Dekoroberfläche aufgetragen, wobei der Haftvermittler als separate Schicht vor Auf trag der Beschichtungsmittelschicht aufgetragen und angeliert, angetrocknet oder voll ständig ausgehärtet wird. Der Vermittler bildet direkt mit der Dekoroberfläche eine gute und dauerhafte Verbindung aus und weist zudem die Eigenschaft auf, mit der nachfol genden, auf den Haftvermittler aufzutragenden Beschichtungsmittelschicht ebenfalls eine besonders dauerhafte Verbindung ausbilden zu können. Der Auftrag des Haftver-
mittlers kann entsprechend dem Auftrag der Beschichtungsmittelschicht, beispielsweise durch Sprühen, Walzen, Rakeln oder ähnlichem erfolgen.
Alternativ oder ergänzend wird der Haftvermittler besonders bevorzugt gemeinsam mit dem Beschichtungsmittel als Beschichtungsmittelgemisch auf die Dekoroberfläche auf getragen. Der Haftvermittler ist dabei in das Beschichtungsmittel eingemischt. So kann beispielsweise bei Dekoroberflächen, die als Kunstharzoberfläche ausgebildet sind, eine besonders gute Anbindung des Beschichtungsmittels dadurch erreicht werden, dass zu erst eine separate Schicht eines Haftvermittlers auf die Dekoroberfläche aufgetragen wird und anschließend der Auftrag des Beschichtungsmittels mit einem eingemischten Haftvermittler erfolgt. Gerade bei der Ausbildung von Lackoberflächen als Dekoroberflä chen reicht es jedoch häufig aus, den Haftvermittler in das Beschichtungsmittel einzumi schen. Alternativ kann die Beschichtungsmittelschicht auch selbst Additi
ve/Komponenten enthalten, die ihm Eigenschaften eines Haftvermittlers verleihen.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung umfasst der Haftvermittler einen UV-Acrylat- Lack oder einen UV-Polyu rethan -Lack (PU-Lack). Dies betrifft sowohl einen als separate Schicht aufzutragenden Haftvermittler als auch einen in das Beschichtungsmittel ein zumischenden Haftvermittler. Sowohl UV-Acrylat-Lack als auch UV-Polyu reth an - Lack sind besonders flexibel einsetzbar und bilden mit unterschiedlichsten Dekoroberflächen eine besonders sichere Verbindung aus.
Besonders bevorzugt wird die Dekoroberfläche zur Vorbehandlung koronabehandelt, angeschliffen, angeätzt, mittels einer Säure oder Lauge, pulverbeschichtet, plasmabe handelt, flammenbehandelt und / oder einer Fluorierung unterzogen. Die vorgenannten Vorbehandlungsschritte können dabei alternativ oder ergänzend zur Vorbehandlung mittels des oben beschriebenen Haf vermittlers erfolgen.
Das Beschichtungsmittel kann zudem ein Beizadditiv umfassen und als mit einem Beiz additiv versetztes flüssiges Kunstharz, das auf die Oberfläche aufgetragen und mit dieser in einer Presse verpresst wird, ausgebildet sein.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung ist jedoch vorgesehen, dass als Beschichtungs mittel ein mit einem Beizadditiv versetzter Lack (entsprechend der oben genannten De-
finition) aufgetragen wird. Ein Beschichtungsmittel auf Grundlage eines Lacks lässt sich besonders einfach verarbeiten und insbesondere die nach dem Auftrag durchzuführende Trocknung und Aushärtung kann ohne schädlichen Eingriff in die unter der Beschich tungsmittelschicht angeordnete Dekoroberfläche erfolgen.
Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung wird als Beizadditiv Kaolin, Kreide, Tonerde, Kieselerde, Glimmer, Quarzsand, Silikat, Glaskugeln, Glasmehl, Silan, Zellulose oder Naturfasern verwendet. Kaolin kann bspw. als hydratisiertes Aluminiumsilikat einge setzt werden. Vorzugsweise können die Beizadditive silanisiert sein. Besonders bevorzugt wird Kaolin in hydrierter und/oder kalzinierter Form eingesetzt, wobei eine Mischung, bspw. im Verhältnis von 5oGew.-% : 50 Gew.-%, der beiden Formen vorteilhaft ist. So ermöglicht die kalzinierte Form eine besonders gute Fixierung der Beizfarben, während die hydratisierte Form transparenter ist, und somit eine reduzierte Abdeckung des De kors verhindert. Die bevorzugten Beizadditive können sowohl bei einem als Lack ausge bildeten Beschichtungsmittel als auch bei einem als Kunstharz ausgebildeten Beschich tungsmittel verwendet werden.
Weiter wird vorzugsweise silanisiertes Kaolin verwendet, da dieses zusätzlich die Haf tung der Beizfarbe verbessert. Dieses kann als Gemisch mit nicht silanisiertem Kaolin eingesetzt werden. Besonders vorteilhaft beträgt dabei der Anteil des silanisierten Kao lins zwischen 50 Gew.-% bis 80 Gew.-% des gesamten Kaolinbedarfs.
Kaolin und Kreide erzeugen zudem bei als flüssige Beize aufgetragenen Farbstoffen ei nen Saugeffekt, mittels dem die Farbstoffe besonders einfach in die Beschichtungsmit telschicht eingetragen bzw. Bewirken eine besonders gute Bindung der Farbpartikel aus der Beize an der Beschichtungsmittelschicht (chemisch). Zudem erfolgt bei Kaolin und Kreide eine besonders gute Fixierung der Farbstoffe in/an dem Beschichtungsmittel.
Um den Eintrag des Farbstoffes in die Beschichtungsmittelschicht bzw. die Anbindung der Beize an die Beschichtungsmittelschicht weiter zu verbessern und damit auch die Einfärbung der Oberfläche besonders einfach auszugestalten, beträgt nach einer Weiter bildung der Erfindung der Gewichtsanteil des Beizadditivs am Beschichtungsmittel vor dem Aufträgen der Beschichtung 10 Gew.-% bis 60 Gew.-%, bevorzugt 10 Gew.-% bis
50 Gew.-%, besonders bevorzugt 20 Gew.-% bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 30 Gew.-% bis 50 Gew.-%. Die bevorzugten Gewichtsverhältnisse bei der noch aufzutragenden Be schichtung gewährleisten eine besonders gute und gleichmäßige offenporige Ausbildung der Oberfläche, sodass auch die Aufnahme der Farbpigmente in die Kunstharzoberflä che/Lackoberfläche bzw. die Fixierung dieser in der jeweiligen Oberfläche besonders gleichmäßig und gut erfolgen kann.
Unter einem Beizadditiv wird ein Zusatzstoff verstanden, der im Beschichtungsmittel vorliegt und die Ausbildung einer porösen Oberfläche (offenporig) der als Schicht aufge tragenen und getrockneten bzw. ausgehärteten Beschichtungsmittelschicht bewirkt. Zu dem kann das Beizadditiv die Bindefähigkeit des Beschichtungsmittels an die als Kunst harz oder Lackoberfläche ausgebildete Dekoroberfläche bzw. die Bindefähigkeit des Beizmittels an das Beschichtungsmittel verbessern
Unter offenporig wird verstanden, dass die ausgehärtete Schicht des Beschichtungsmit tels zur Aufnahme von Farbstoffen (Farbpigmenten) innerhalb der Schicht ausgebildet ist. Dies kann über das Beizadditiv erreicht werden. Die ausgehärtete Beschichtung kann dabei von semi-transparent bis vollständig transparent sein, sodass das auf der Träger schicht aufgedruckte Dekor weitestgehend unbeeinflussbar wahrnehmbar ist. Es ist mög lich, dass die ausgehärtete Beschichtung bereits einen ersten Grundfarbton über das Dekor legt, der später mittels des Farbauftrags nochmals verändert wird.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung umfasst das Beschichtungsmittel einen Lack auf Basis eines Aminoplasten, insbesondere ein Harnstoffharz, wie UF, MUF, Acrylat, Polyester, PUR, Nitrocellulose, und/oder Phenolharz, oder ein Gemisch von mindestens zwei der vorgenannten Stoffe. Dabei haben sich für die Ausbildung der Beschichtungs mittelschicht ohne Beizadditiv insbesondere Acrylatharze als besonders geeignet heraus gestellt, wobei diese auch mit Beizadditiv verwendbar sind. Auch kann bspw. ein Lack auf Basis von Acryl, Alkyd, und/oder Latex verwendet werden. Die Lacke können insbe sondere als Dispersionen ausgebildet sein. Auch ist es beispielsweise möglich einen Haftvermittler auf bspw. UV- Lack-Basis mit einem Beizadditiv als Beschichtungsmittel mit Beizadditiv zu nutzen.
Bevorzugt wird als Beschichtungsmittel mit Beizadditiv zum Herstellen einer Lackober-
fläche ein Lack- Kaolin-Gemisch verwendet. Dabei wird insbesondere ein Lack auf Basis von Acrylat oder PUR mit einem Beizadditiv auf Basis von Kaolin verwendet, da bei die ser Kombination ebenfalls eine besonders gleichmäßige Verteilung der Beizadditive im Beschichtungsmittel und eine besonders gute Bindung der nachträglich aufzutragenden Beize in bzw. an der Schicht aus Beschichtungsmittel ermöglicht wird. Zudem sind die als Haftvermittler besonders geeigneten UV-Acrylat-Lacke bzw. UV-PU- Lacke auch mit entsprechenden Beschichtungsmitteln, die auf Basis von Acrylat oder PU aufgebaut sind, besonders vorteilhaft kombinierbar. Vorzugsweise beruhen sowohl der Lack des Be schichtungsmittels als auch der Haftvermittler auf Basis der gleichen Stoffgruppe.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung erfolgt der Auftrag des Beschichtungsmittels auf die Oberseite der Trägerschicht, d.h. auf die verwendungsfertige Dekoroberfläche, mit einer Auftragswalze, einem Rakel oder einer Sprühvorrichtung. Hierdurch ist die Schichtdicke besonders einfach und dünn einzustellen, so dass die guten technischen Eigenschaften der Dekoroberfläche weitestgehend erhalten bleiben. Der Auftrag erfolgt bspw. mittels einer Gummiwalze, insbesondere mit einer Moosgummiwalze, die eine Härte von 30-40 Shore A (üblich 60-80 Shore A) aufweist.
Das Beschichtungsmittel ist besonders bevorzugt auf Wasserbasis ausgebildet, d.h., es wird als wässrige Lösung aufgetragen. Nach dem Auftrag erfolgt nach einer Weiterbil dung der Erfindung in einem ersten Schritt eine Trocknung des Beschichtungsmittels, bei der das Lösungsmittel, insbesondere Wasser verdunstet. Die Trocknung kann bspw. mittels Wärme, insbesondere in Temperaturbereichen von 40°C +/- 5°C und mittels Umluft erfolgen. Anschließend wird die Schicht aus Beschichtungsmittel zumindest teil weise ausgehärtet, d.h. angeliert, kann alternativ aber auch bereits vollständig ausgehär tet werden. Die Aushärtung erfolgt vorzugsweise mittels UV- Licht und erhöht die Wider standsfähigkeit der Beschichtungsmittelschicht gegen mechanische oder chemische Be anspruchung. Für eine UV-Härtung kann vorzugsweise eine Gallium-Lampe mit bspw. 80 Watt eingesetzt werden.
Die nachträgliche farbliche Bearbeitung erfolgt nach vollständiger Trocknung (bspw. durch Wärme und Umluft) und Härtung (bspw. mittels UV- Licht) der Beschichtungsmit tellage und kann insbesondere mittels üblicher Holzbeizen, insbesondere üblicher Was serbeizen, Ölbeizen oder Lösemittelbeizen für Holzoberflächen erfolgen. Dabei wird die
durch das Dekor vorgegebene Grundfarbe der Dekoroberfläche nachträglich, d. h. nach dem eigentlichen industriellen Fertigstellen der Kunstharzoberfläche/Lackoberfläche individuell verändert. Für eine besonders gute Anbindung an die Schicht aus Beschich tungsmittel umfasst die Beize zudem im geringen Umfang ein Bindemittel (Polymer).
Die farblich veränderbare Dekoroberfläche ist gegenüber den heizbaren Massivholzober flächen deutlich kostengünstiger und widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen.
Unabhängig von ihrer Ausbildung als Kunstharzoberfläche oder Lackoberflächen und auch unabhängig von der verwendeten Materialart für die Schicht aus Beschichtungsmit tel bzw. unabhängig von einem ggf. verwendeten Beizadditiv kann nach dem Aufträgen und ggf. trocknen der Beize eine weitere, insbesondere dünne Schutzschicht auf die Oberfläche aufgetragen werden, um auch die Farbpartikel aus der Beize vor äußeren Einflüssen zu schützen. Für die Schutzschicht (Fixierschicht) kann beispielsweise ein Lack, insbesondere entsprechend den vorgenannten Materialien für die Beschichtungs mittelschicht verwendet werden. Auch ist es Beispielsweise möglich, dass die Schutz schicht als Öl oder Wachs aufgetragen wird, wobei diese Verwendung insbesondere bei Fußbodenpaneelen zum Einsatz kommt.
Weiter wird die Aufgabe gelöst durch einen Werkstoff mit einer verwendungsfertigen, vollständig ausgehärteten Dekoroberfläche, mit einer auf der Oberseite der Dekorober fläche aufgetragenen Schicht eines Beschichtungsmittels, die zur Aufnahme und Anbin dung von Farbpartikeln ausgebildet ist.
Die Farbpartikel werden dabei üblicherweise mittels einer Farbbeize, d. h. beispielsweise einer Wasserbeize, Ölbeize oder Lösemittelbeize aufgetragen. Die erfinderische Werk stoffplatte ermöglicht dabei neben der industriellen Bearbeitung auch eine Bearbeitung durch den, den Werkstoff verarbeitenden Handwerker oder den Endkunden, d. h. auch eine nicht industrielle Beeinflussung der Farbgebung der Kunstharzoberflächen.
Ein Werkstoff umfasst bspw. eine Trägerschicht, auf die ein Dekor aufgedruckt ist und die eine oder mehrere Lagen Papier, wie Dekorpapier und/oder Kraftpapier aufweist. Auch kann als Werkstoff ein Tragwerkstoff verstanden werden, auf den ein Dekor im Direktdruck aufgedruckt ist. Der Werkstoff kann insbesondere als Plattenwerkstoff aus-
gebildet sein. Der Werkstoff kann aus unterschiedlichem Material bestehen und bspw. ein Holzwerkstoff sein. Besonders geeignet sind Spanwerkstoffe, Faserwerkstoffe wie MDF-, HDF-, oder CDF-Werkstoffe, OSB-Werkstoffe, Zementfaserwerkstoffe, Gipsfa serwerkstoffe oder WPC-Werkstoffe, die in der Ausbildung als Plattenwerkstoffe beson ders geeignet sind.
Anzumerken ist, dass die nachträgliche, dauerhaft wirksame Einfärbbarkeit der verwen dungsfertigen, vollständig ausgehärteten Dekoroberfläche mittels der aufgetragenen Beschichtungsmittelschicht bewirkt wird und zwar unabhängig von ihrer Ausbildung als Kunstharzoberfläche oder Lackoberfläche. Die verwendungsfertige, vollständig ausge härtete Dekoroberfläche weist vor dem Auftrag der Beschichtungsmittelschicht keine Beizadditive auf.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit für die Schicht aus Beschichtungsmittel mit Beiz additive besteht beispielsweise darin, bei Möbeldekoren aber auch bei Paneelen für Wand-, Decken- oder Fußböden mit Synchronpore und unabhängig davon, ob als Lack oberfläche oder Kunstharzoberfläche ausgebildet, eine optische Verstärkung der Pore zu bewirken. Die Poren sind zumeist als Vertiefung ausgebildet. D. h., nach dem Auftrag des Beschichtungsmittels kann sich im Bereich der Vertiefung eine größere Menge an Beschichtungsmittel sammeln, die auch mehr Farbpartikel aus der Beize aufneh men/binden kann, sodass die Farbgebung der Poren stärker verändert wird gegenüber den anderen Abschnitten der Dekoroberfläche. Dies kann zudem dadurch verstärkt wer den bzw. alternativ dadurch erzeugt werden, dass das Beschichtungsmittel direkt nach dem Auftrag teilweise wieder abgetragen wird und zwar derart, dass vorrangig nur im Bereich der Poren (Vertiefungen) Beschichtungsmittel mit Beizadditiv vorhanden bleibt.
Obwohl manche Aspekte im Zusammenhang mit einem Verfahren beschrieben wurden, versteht es sich, dass diese Aspekte auch eine Beschreibung der entsprechenden Vorrich tung darstellen, so dass ein entsprechender Verfahrensschritt als Block- oder ein Bau element einer Vorrichtung zu verstehen ist. Analog dazu stellen Aspekte, die im Zusam menhang mit einem Block- oder ein Bauelement einer Vorrichtung beschrieben wurden, auch eine Beschreibung eines entsprechenden Verfahrensschritts dar.
Im Weiteren wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher beschrieben.
Es zeigen:
Fig. 1 schematisch eine nach dem erfinderischen Verfahren hergestellte, farblich ver änderbare Dekoroberfläche;
Bsp.i beschreibt das Herstellen einer farblich anpassbaren, im Direktdruck hergestell ten Dekoroberfläche.
Bsp.2 beschreibt ein erstes Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren De koroberfläche mit einer Walzenauftragsvorrichtung;
Bsp.3 beschreibt ein zweites Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekoroberfläche mit einer Walzenauftragsvorrichtung;
Bsp.4 beschreibt ein Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekor oberfläche mit einer Sprühvorrichtung;
Bsp.5 beschreibt ein weiteres Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekoroberfläche;
Bsp.6 beschreibt ein weiteres Verfahren zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekoroberfläche.
Figur 1 zeigt in einer seitlichen Ansicht eine Trägerschicht 1 mit einer verwendungsferti gen Dekoroberfläche 2. Die Trägerschicht 1 ist hier als kunstharzgetränktes Dekorpapier 3 mit einem Dekordruck ausgebildet. Oberhalb des Dekorpapieres ist ein Overlay 4 an geordnet, das Teil der Dekoroberfläche 2 ist. Das Dekor zeigt hier eine Holzmaserung, kann alternativ aber beispielsweise auch Fliesendekor, Steindekor oder Fantasiedekore zeigen. Das Overlay 4 umfasst ein kunstharzgetränktes Overlaypapier, das im ausgehär teten Zustand vollständig transparent ist, sodass das Dekor weiterhin sichtbar ist.
Unterhalb der Trägerschicht 1 ist eine Werkstoffplatte 8 ausgebildet. Die Werkstoffplatte 8 besteht aus einem Holzwerkstoff, hier einer Spanplatte. Alternativ können auch Werk stoffe aus anderen Materialien oder andere Holzwerkstoffplatten, wie MDF-Platten, HDF-Platten o.ä. verwendet werden. Die Trägerschicht ist mit der Werkstoffplatte fest verklebt.
Zwischen der Werkstoffplatte 8 und dem Dekorpapier 3 können zudem weitere Zwi schenschichten angeordnet sein. Auch kann anstatt einer Holzwerkstoffplatte bspw. eine weitere Papierschicht (hier nicht dargestellt), bspw. Kraftpapier angeordnet sein.
Wie auch das Overlay 4 wurde auch das Dekorpapier 3 mit einem Kunstharz getränkt. Hier wurde bei beiden Schichten ein Melamin verwendet. Die Kunstharzoberfläche 2 wurde in einer Kurztaktpresse (hier nicht dargestellt) unter Einwirkung von Druck und Wärme mit der Werkstoffplatte verklebt und dabei vollständig ausgehärtet. Dabei wurde in die Oberfläche des Overlay 4 ein Strukturdekor (hier nicht dargestellt) eingeprägt.
Um die Kunstharzoberfläche 2 nachträglich farblich zu verändern, d. h. heizbar zu ma chen, wurde die Kunstharzoberfläche vorbehandelt. Dafür wurde hier ein flüssiger Haft- Vermittler 5 auf die strukturierte Kunstharzoberfläche 2 aufgetragen. Dies erfolgt mittels einer Sprühvorrichtung (hier nicht dargestellt), alternativ bspw. mittels einer Walzvor richtung. Der Haftvermittler 5 wurde anschließend angeliert.
Danach wurde eine Schicht 6 eines Beschichtungsmittels auf den Haftvermittler 5 aufge- tragen. Das Beschichtungsmittel ist als UV-Lack auf Acrylatbasis ausgebildet. Es enthält in diesem Fall ein Beizadditiv 7, welches jedoch optional ist. Es wurde mittels einer Wal zenanordnung (hier nicht dargestellt) auf den Haftvermittler 5 aufgetragen. Nach dem Auftrag der Schicht 6 wurde diese und der ebenfalls auf einem UV-Lack basierende Haftvermittler 5 mit UV-Licht vollständig ausgehärtet.
Alternativ oder ergänzend ist es auch möglich, den Haftvermittler 5 gemeinsam mit dem Beschichtungsmittel als Gemisch auf die Dekoroberfläche 2 aufzutragen. Auch hätte al ternativ oder ergänzend eine„mechanische“ Vorbehandlung der Dekoroberfläche 2 er folgen können. Dies wäre bspw. durch eine Koronabehandlung, eine Florierung, durch Anschleifen, durch Anätzen oder durch eine Plasma- oder Flammenbehandlung möglich gewesen. Selbstverständlich wäre der Beschichtungsmittelauftrag auch ohne Haftver mittler bzw. Vorbehandlung möglich.
Neben der verbesserten Anbindbarkeit an der Dekoroberfläche bzw. der Beize an dem Beschichtungsmittel bildet die vorhandenen Beizadditive 7 die Schicht 6 als poröse Ober fläche (hier nicht dargestellt) aus, d. h., in der Schicht 6 liegen weitestgehend gleichmä ßig verteilt die Beizadditive 7 vor. Als Beizadditiv 7 ist hier Kaolin (hier nicht dargestellt) ins Beschichtungsmittel gemischt. Dabei war das prozentuale Gewichtsverhältnis zwi schen dem flüssigen Beschichtungsmittel und Kaolin vor dem Auftrag 1:1.
Zum nachträglichen farblichen Verändern der Kunstharzoberfläche 2 wird ein Beizmit tel, beispielsweise auf Lösemittelbasis, Wasserbasis oder Ölbasis auf die Schicht 6 aufge tragen. Die Farbstoffe im Beizmittel werden von der Beschichtungsmittelschicht aufge nommen bzw. verbinden sich mit dieser chemisch. Zudem dringen die Farbpartikel aus der Beize aufgrund der Porosität in die Beschichtungsmittelschicht ein. Die Lösungsmit tel verdunsten. Hierdurch wird der gesamte Farbeindruck der Kunstharzoberfläche 2 verändert. Abschließend kann eine Fixierschicht aufgetragen werden.
Im vorgenannten Beispiel kann alternativ auch eine verwendungsfertige Lackoberfläche anstatt der Kunstharzoberfläche verwendet werden. Diese kann bspw. aufgedruckte Lackporen, die ein Strukturdekor darstellen, umfassen.
Beispiel l
In einem weiteren Ausführungsbeispiel wird eine im Direktdruck hergestellte Dekor oberfläche bereitgestellt. Die Dekoroberfläche ist vollständig ausgehärtet und verwen dungsfertig. Zum Herstellen der Dekoroberfläche wurde eine Holzwerkstoffplatte, hier eine MDF Platte, durch Schleifen und Grundiervorgänge zum Direktdruck vorbereitet. Auf die Grundier schicht/en erfolgt der direkte Aufdruck des Farbdekores, in diesem Fall mittels eines Walzendrucks. Alternativ könnte das Farbdekor auch mittels eines Digital drucks aufgedruckt werden. Anschließend wurde das Farbdekor mit einer Schutzschicht versehen, die aus mehreren dünnen Schichten eines Klarlacks besteht. Der Klarlack be steht auf Basis eines UV-Acrylat- Lacks.
Über die Schutzschicht wurde zudem eine Strukturierung der Oberfläche erzeugt. Alle Schichten der Dekoroberfläche wurden vollständig ausgehärtet. Dies ist in diesem Fall mittels UV-Licht erfolgt.
Auf die so hergestellte verwendungsfertige Dekoroberfläche wird anschließend ein Be schichtungsmittel aufgetragen. Der Auftrag erfolgt mittels einer Auftragswalze. Das Be schichtungsmittel umfasst auch hier ein optionales Beizadditiv, sodass das Beschich tungsmittel bspw. ein Lack- Kaolin-Gemisch ist, das im Gewichtsverhältnis 1:1 ange mischt wurde. Optional kann für eine besonders gute Haftung des Beschichtungsmittels auf der Dekoroberfläche die Dekoroberfläche mittels einer Koronabehandlung vorbe-
handelt werden. Für den Lack des Beschichtungsmittels wurde ein UV-Acrylat-Lack ver wendet. Anschließend wurde das Beschichtungsmittel mittels einer Spritzvorrichtung, alternativ einer Walzenvorrichtung auf die vorbehandelte Dekoroberfläche aufgetragen, getrocknet und anschließend vollständig ausgehärtet, mittels UV- Licht. Die Holzwerk stoffplatte mit der direkt aufgedruckten Dekoroberfläche und der auf der Oberfläche angeordneten Schicht aus Beschichtungsmittel kann jetzt gebeizt werden. D. h. es kann eine Farbpartikel enthaltende Beize, sowohl industriell als auch vom Endkunden auf die Oberfläche aufgetragen werden. Dies kann beispielsweise mittels einer Walze, eines Pin sels, einer Rolle oder auch einem Tuch erfolgen. Dabei werden die Farbpartikel an das Beschichtungsmittel gebunden bzw. dringen in die durch das Kaolin gebildete poröse Oberfläche des Beschichtungsmittels ein und werden hier fixiert. Nach dem Entfernen der überschüssigen Beize und dem Trocknen der Beize liegt eine farbliche Veränderung der Dekoroberfläche vor, wobei das Dekor weiterhin sichtbar ist. Zum Schutz der gebeiz ten Beschichtungsmittelschicht kann zudem eine weitere Schutzschicht (Fixierschicht), beispielsweise einer Lackschicht abschließend aufgetragen werden.
Ein weiteres Ausgangsprodukt zum Herstellen einer nachträglich veränderbaren Dekor oberfläche können bspw. Finishfolien darstellen. Diese weisen beispielsweise eine Trä gerschicht aus Papier oder Kunststoff auf. Auf dieser Trägerschicht ist ein Dekor aufge druckt und eine Schutzschicht ist oberhalb des Dekors angeordnet. Das Dekor und die Schutzschicht sind vollständig getrocknet bzw. ausgehärtet.
Üblicherweise wird eine Finishfolie mittels einer Kaschieranlage und beispielsweise mit einem Heißkleber auf einen Werkstoff wie eine Holzwerkstoff Platte aufge
klebt/aufkaschiert. Die Dekoroberfläche der Finishfolie kann auch entsprechend der vorbeschriebenen Beispiele vor oder nach dem Aufkaschieren einer Vorbehandlung un terzogen werden, sodass anschließend eine Schicht des Beschichtungsmittels mit Beiz additive aufgetragen, getrocknet bzw. vollständig ausgehärtet wird, sodass die Finishfolie eine nachträglich farblich veränderbare Dekoroberfläche aufweist.
Beispiel 2
Ausgehend von einer verwendungsfertigen Dekoroberfläche mit einem Farbdekor und einem Strukturdekor auf Lackbasis oder Kunstharzbasis wird mittels einer Walzenauf tragsvorrichtung ein Beschichtungsmittel auf die verwendungsfertige Dekoroberfläche
aufgewalzt. Das Beschichtungsmittel ist als wässrige Lösung ausgebildet. Das Beschich tungsmittel bildet insbesondere eine zumindest weitestgehend transparente Schicht aus, so dass das Farbdekor auch durch die Beschichtungsmittelschicht sichtbar bleibt. Als Beschichtungsmittel kann bspw. eine Hydro Spezialbeize FT der Firma Hesse oder eine Hydro UV Beize FT ebenfalls von der Firma Hesse eingesetzt werden. Beim Auftrag wer den zwischen ca. 8 g/m2 und 14 g/m2 auf die Dekoroberfläche aufgewalzt. Anschließend erfolgt eine Trocknung der Schicht aus Beschichtungsmittel, bei der das Wasser verduns tet. Die Trocknung erfolgt bei ca. 40°C und über ca. 20s. Die Trocknung kann bspw. mit tels Umlufttrocknung durchgeführt werden.
Insbesondere um die Festigkeit, wie bspw. die Kratzfestigkeit der Schicht aus Beschich tungsmittel zu erhöhen, wird die getrocknete Beschichtungsmittelschicht mittels UV- Licht zumindest teilweise ausgehärtet, d.h. zumindest vorvernetzt (angeliert). Hierdurch sind die Trägerschichten mit den Dekoroberflächen und der Beschichtungsmittelschicht ohne weiteres stapelbar und können transportiert werden, ohne dass diese zusammen kleben. Die zumindest teilweise Aushärtung erfolgt insbesondere mit einer UV- Lampe auf Basis von Gallium.
Das Aufwalzen erfolgt mittels einer Gummiwalze, insbesondere einer Moosgummiwalze. Die Gummiwalze weist bspw. eine Shorehärte A zwischen 30-40 auf.
Beispiel 3
Gegenüber dem Herstellen der verwendungsfertigen Dekoroberfläche aus Beispiel 2 un terscheidet sich das Herstellungsverfahren aus Beispiel 3 lediglich in dem verwendeten Beschichtungsmittel. Bei dieser zweiten Ausführungsmöglichkeit des Verfahrens wird als Beschichtungsmittel ein UV-Grund der Firma Hesse verwendet, insbesondere UG 7541- FT. Dieser wird mit einer Menge zwischen iog/m2 bis I5g/m2 aufgetragen.
Beispiel 4
Auch hier wird ausgehend von einer verwendungsfertigen Dekoroberfläche mit einem Farbdekor und einem Strukturdekor auf Lackbasis oder Kunstharzbasis ein Beschich tungsmittel aufgetragen. Der Auftrag erfolgt mittels einer Sprühvorrichtung. Als Be schichtungsmittel wird bspw. Hydro Spezialbeize oder die Lösemittelbeize FT der Firma Hesse verwendet. Das Beschichtungsmittel wird mit einer Menge zwischen I5g/m2 bis
30g/m2 aufgetragen. Anschließend erfolgt eine Trocknung über ca. 3 min bis 4 min. Die Trocknung kann mittels Umlufttrocknung durchgeführt werden. Sie erfolgt bevorzugt bei Temperaturen von 30°C bis 40°C.
Anschließend wird das Beschichtungsmittel entsprechend den Beispielen 2 und 3 mittels UV Licht zumindest teilvernetzt (angeliert) oder vollständig ausgehärtet.
Die Dekoroberflächen aus den Beispielen 2 bis 4 sind nach der Aushärtung bzw. teilwei sen Aushärtung (angelieren, teilweise Vernetzung) zum Auftrag eines Beizmittels vorbe reitet. Als Beizmittel sind alle handelsüblichen Farbbeizen, die bspw. für Holz oder holz haltige Werkstoffe vorgesehen sind, geeignet. So können bspw. Wasserbeizen, Ölbeizen oder Beizen mit anderen Lösemitteln verwendet werden. Zudem werden bevorzugt Farbbeizen verwendet, die zumindest einen geringen Anteil eines Bindemittels (Poly mer) enthalten, um die Anbindung an die Beschichtungsmittelschicht zu verbessern.
Nach dem Auftrag und Trocknen, ggf. Aushärten des Beizmittels und der damit verbun denen farblichen Veränderung der Dekoroberfläche kann eine Fixierungsschicht, die zudem als Schutzschicht wirkt, aufgetragen werden. Die Fixierungsschicht verhindert, dass die Beizschicht bei Belastungen (mechanisch, chemisch) von der Beschichtungsmit telschicht abgetragen wird.
Der Auftrag der Fixierungsschicht kann ebenfalls mittels Walzenauftrag oder Sprühvor richtung erfolgen. Bei einer besonders bevorzugten Ausführung des Walzenauftrags, der insbesondere industriell erfolgen kann, wird zuerst eine Schicht Hesse UV Überzugslack, z. B. UU 7333 mit einer Menge von ca. 3g/m2 bis 5g/m2 aufgetragen und mittels UV Licht, beispielsweis einer quecksilberbasierten UV- Lampe mit 80W angeliert. Anschlie ßend erfolgt ein Auftrag einer zweiten Schicht desselben Überzugslacks mit der gleichen Auftragsmenge. Beide Schichten werden anschließend mittels der vorgenannten UV- Lampe ausgehärtet, wobei hierfür bspw. auch 2-3 Härtungsdurchgänge durchgeführt werden können.
Für einen Auftrag der Fixierungsschicht mittels Sprühvorrichtung sind insbesondere folgende Lacke der Firma Hesse geeignet:
1. UV Überzugslack, bspw. UU 7333 in einer Auftragsmenge von 3g/m2 bis 5g/m in
zwei Schichten entsprechend dem vorbeschrieben Walzenauftrag;
2. Hydro UV Einschichtlack HUE 8656 mit einer Auftragsmenge von ioog/m2 bis 120g/m2,
3. Hydro Topsiegel HE 65 09 mit einschichtigem Auftrag und einer Auftragsmenge von ioog/m2 bis I20g/m2
4. PUR Schichtlack DE 4503 mit einer Auftragsmenge von ioog/m2 bis I20g/m2.
Die Lacke werden entsprechend ihren Vorgaben getrocknet und/oder ausgehärtet bzw. bei mehrschichtigem Auftrag zwischen den einzelnen Auftragsdurchgängen bspw. ange liert.
Eine alternative farbliche Veränderung kann bspw. mittels einer Lackschicht anstelle einer Beizung durchgeführt werden. Hierbei wird auf die zumindest teilweise ausgehärte Beschichtungsmittelschicht eine Lackschicht, insbesondere ein Farblack, aufgetragen und getrocknet und/oder ausgehärtet, bspw. mittels UV- Licht.
Die Beschichtungsmittelschicht wirkt sowohl bei dem Auftrag der Beize als auch bei ei nem Lackauftrag unter anderem als Haftvermittler. Daher ist das Beschichtungsmittel dazu ausgebildet, an der verwendungsfertigen Dekoroberfläche aus Kunstharz oder Lack zu haften bzw. mit der Dekoroberfläche eine Verbindung einzugehen. Zum anderen er möglicht die Beschichtungsmittelschicht der Beize bzw. dem Lackauftrag das Anhaften an ihr bzw. die Möglichkeit, eine Verbindung mit ihrer Oberfläche einzugehen.
Beispiel 5
Bei einem zum Beizeauftrag alternativen Lackauftrag auf die Beschichtungsmittelschicht verhindert diese zudem das Wegsacken des Lacks, so dass bei einer strukturierten Ober fläche bereits mit geringen Mengen Farblack eine strukturierte farbige Oberfläche herge stellt werden kann. Hierdurch ist der Lackauftrag auf die Beschichtungsmittelschicht insbesondere dazu geeignet, bspw. Oberflächen wie Esche weiß o.ä., bei denen die Po renstruktur der Oberfläche weitestgehend erhalten bleibt, jedoch farblich der Lackfarbe entspricht, herzustellen. Die dabei erhaltenen Oberflächen sind farblich lackierten Echt holzoberflächen mit Porenstrukturen sehr ähnlich und den bekannten, bspw. mittels Folie hergestellten Oberflächen optisch und haptisch überlegen. Die Lackierung der Be schichtungsmittelschicht kann insbesondere bei Innenausbauoberflächen, wie bspw.
Türoberflächen eingesetzt werden.
Beispiel 6
Ein weiteres Ausführungsbespiel zum Herstellen einer farblich veränderbaren Dekor oberfläche sieht vor auf eine verwendungsfertige Dekorschicht aus Lack oder Kunstharz mindestens eine Schicht eines Beschichtungsmittels aufzutragen. Bei der Verwendung eines Beschichtungsmittels ohne Beizadditiv kann bspw. ein als Primer verwendbarer Schichtlack auf Basis von Acrylatharzen, bspw. das Beschichtungsmittel Hydro-UV Schichtlack HUE 8656X der Firma Hesse-Lignal verwendet werden.
Das Beschichtungsmittel wird mit einer Menge zwischen iog/m2 bis 30g/m2 aufgetra gen. Der Auftrag erfolgt insbesondere mittels eines Walzenauftrages durch eine Gum miwalze. Die Gummiwalze weist dabei vorzugsweise eine SHORE-Härte A 40 (Shore A 40) auf.
Anschließend erfolgt ein Trocknen und Aushärten der Beschichtungsmittelschicht, vor zugsweise bei Temperaturen von zwischen 6o°C bis 180°. Die Trocknungszeit beträgt dabei zwischen 10-20 sec.
Das vorgenannte Beschichtungsmittel ohne Beizadditiv bildet nach der Trocknung und Aushärtung eine ebenfalls verwendungsfertige, beizbare Oberfläche aus, die eine ausrei chende Porosität aufweist, damit sich nachträglich aufgetragene Farbpartikel in und an der äußeren Beschichtungsmittelschicht anlagern können. Das Aushärten erfolgt dabei insbesondere mittels UV Licht, bspw. einer Quecksilber UV- Lampe mit 100-400 MJ/m2. Für eine besonders gleichmäßige Aushärtung werden vorzugsweise 5 Quecksilber UV- Lampen mit je 120 W genutzt.
Zum nachträglichen farblichen Verändern dieser Dekoroberfläche können bspw. han delsübliche Beizen auf Basis von Wasser oder anderen Lösemitteln eingesetzt werden. So ist bspw. die Beize„Parquet-Colour“ der Firma Hesse-Lignal einsetzbar. Die gebeizte und getrocknete Oberfläche kann zudem nachträglich nochmal mit einer entsprechen den Schutzschicht versiegelt werden. Hierfür bietet sich ein Schichtlack auf Basis eines zwei Komponenten PUR Acrylharzlackes an. So kann bspw. das Beschichtungsmittel PUR SUN-CAPE DE 4800X der Firma Hesse-Lignal verwendet werden.
Bei einem Auftrag der Beschichtungsmittelschicht auf eine Dekoroberfläche, die nach träglich mit einem Werkstoff verbunden wird, wie bspw. bei einem Auftrag auf einen Schichtstoff (HPL CPL usw.) kann die heizbare Dekoroberfläche auf den Werkstoff auf- kaschiert werden. Dies erfolgt vorzugsweise mittels eines PUR Schmelzklebers bei 130°C +/-io° in einem Kalander mit einem Lineardruck zwischen 5oN/m und 8o N/m. Die bevorzugten Parameter gewährleisten, dass die aufkaschierte Dekoroberfläche auch nach dem Aufkaschieren weiterhin heizbar ist.