Verfahren und Anlage zur mehrstufigen Hydrolyse fester biogener Rohstoffe
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur mehrstufigen Hydrolyse fester biogener Rohstoffe durch Perkolation mit anschließender Erzeugung von Biogas ausschließlich aus dem Hydrolysat.
Der Abbau biologisch abbaubarer Stoffe (im folgenden als biogene. Stoffe bezeichnet) während der Vorgänge in Biogasanlagen erfolgt in mehreren aufeinanderfolgenden biochemischen Teilschritten in wässriger Umgebung. Im ersten Teilschritt (Hydrolyse) werden wasserlösliche Bestandteile aus den festen biogenen Stoffe herausgelöst. Des Weiteren werden durch mehrere Arten extrazellulärer Enzyme, die von verschiedenen Mikroorganismen erzeugt werden, nicht wasserlösliche biogene Stoffe in wasserlösliche, in der Regel niedermolekulare, Stoffe zersetzt. Enzyme können auch als so genannte Fremdenzyme zugesetzt werden, um bestimmte Abbauvorgänge zu beschleunigen oder zu ermöglichen. Hydrolysebakterien und Enzyme befinden sich dabei hauptsächlich in der wässrigen Lösung, können aber auch an festen Oberflächen angesiedelt sein.
In der biochemisch folgenden Acidogenese (zweiter Teilschritt) werden diese in der Hydrolyse gebildeten bzw. in die wässrige Lösung überführten Stoffe in verschiedene organische Säuren (niedere Fettsäuren, Aminosäuren) gewandelt, die dann im dritten Teilschritt (Acetogenese) in Essigsäure umgewandelt werden. Die Essigsäure wird dann in der Methanogenese (4. Teilschritt) mit Hilfe von Methanbakterien zu Methan und Kohlendioxid abgebaut.
Diese Vorgänge finden in einstufigen Biogasanlagen parallel statt. Es ist bekannt, dass das Verhältnis der Konzentrationen der verschiedenen Zwischenprodukte der oben erwähnten Prozessstufen Aussagen über die Stabilität ermöglicht und somit zur Steuerung des Biogasverfahrens herangezogen werden kann. Weiterhin ist grundsätzlich bekannt, dass die in der acidogenen und acetogenen Phase erzeugten Säuren den pH-Wert herabsetzen. Da die Mikroorganismen der Methanstufe nur in der Nähe des pH- Wertes 7 (neutraler Bereich) existieren und somit Biogas bilden können, besteht in Biogasanlagen grundsätzlich die Gefahr der Versäuerung, gekennzeichnet durch das Absterben oder die Inhibierung der Methanbakterien und dem Absinken des pH- Wertes, und damit des Prozessversagens. Ein
stabiles Prozessgleichgewicht wird dann erreicht, wenn die Produktion der Säuren gleich deren Verbrauch ist.
In zweistufigen Verfahren werden die Teilschritte Hydrolyse und Acidogenese (erste Stufe) von den Teilschritten Acetogenese und insbesondere Methanogenese (zweite Stufe) apparate- und prozesstechnisch getrennt. Dadurch wird eine bessere Steuerbarkeit und eine höhere Stabilität des Verfahrens erreicht. Im üblichen Sprachgebrauch wird die erste Stufe des zweistufigen Biogasverfahrens häufig nur als Hydrolyse und die zweite Stufe als Methanstufe bezeichnet. Die die Hydrolyse verlassende wässrige Lösung wird gemeinhin als Hydrolysat bezeichnet. Im Folgenden wird diese vereinfachende Sprachweise ebenfalls genutzt.
Wissenschaftliche Untersuchungen und praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass die Methanbakterien der Methanstufe hochproduktiv sind und eine große Stoffmenge der Hydrolyseprodukte in Biogas umwandeln können. Für die Wirksamkeit, d. h. für die Geschwindigkeit der Umwandlung der abbaubaren organischen Substanz von festen biogenen Inputstoffen zu flüssigem Hydrolysat sowie für die Biogasproduktivität einer Biogasanlage, wird die Hydrolyse als intensitätslimitierende Stufe angesehen.
Es ist bekannt, dass die Wirksamkeit der Hydrolyse von der Menge bzw. Konzentration sowie der Art der Hydrolysebakterien und der von ihnen gebildeten extrazellulären Enzyme abhängt. Weiterhin spielen optimale Milieubedingungen (Temperatur, Nährstoffverfügbarkeit) eine Rolle.
Üblicherweise werden die Perkolatoren parallel betrieben, d. h. das Hydrolysat jedes Perkolator wird, ggf. über eine Zwischenpufferung, in den Methanreaktor geleitet. Durch die Überlagerung des Outputs der Perkolatoren, deren Inhalt jeweils verschiedene Verweilzeiten hat, erwartet man eine Vergleichmäßigung der Hydrolysatqualität und -quantität und somit auch des entstehenden Methangases. (Fig. 1). Es ist bekannt, dass die biochemische Stoffumwandlung in der Hydrolyse unmittelbar nach dem Eintrag von frischem Inputmaterial sehr hoch ist, da zunächst die schnell abbaubaren Stoffe abgebaut werden. In dieser Phase findet daher auch eine sehr rasche Vermehrung der Hydrolysebakterien statt, was auch mit der verstärkten Produktion von Enzymen einhergeht. Nach dem Abbau der schnell abbaubaren Stoffe verlangsamt sich die Intensität der biochemischen Stoffumwandlung, weil dann zunehmend nur noch schwerer abbaubare Stoffe zur Verfügung stehen. Gleichzeit nimmt
aber, bedingt durch die begrenzte Lebenszeit der Hydrolysebakterien und durch die ständige Abführung eines Hydrolysat-Teilstroms in die Methanstufe, auch die Konzentration der Hydrolysebakterien und der Enzyme ab. Infolgedessen wird der Abbau schwer äbbaubarer Stoffe weiter vermindert. In der Praxis muss dieser Abbau aus ökonomischen Gründen dann abgebrochen werden, was mit einem Verlust an Biogasertrag einhergeht.
DE 199 37 876 C2 offenbart ein Verfahren zur biologischen Umsetzung von organischen Stoffen zu Methangas, bei dem organische Abwässer, aber keine Feststoffe, hydrolysiert werden. Das Hydrolysat wird im Kreislauf geführt, wobei eine Konzentrationserhöhung von Hydrolysebakterien durch Membranfiltration und Rückführung des Filterrückstandes erfolgt. Das Einblasen von Luft wird als Maßnahme zum gezielten Wachstum von (aerobischen) Säurebildnern genutzt.
DE 199 09 353 Al beschreibt ein Verfahren und eine Anlage zur Aufbereitung eines Organik enthaltenen Stoffgemisches. Dabei gewonnener Feststoff dient als Animpfmaterial dient zur Initiierung des Hydrolyseprozesses im frischen Material, nicht aber zur Konzentrationserhöhung.
Das in DE 40 00 834 Al offenbarte Verfahren eignet sich nur für pumpfähige Substrate, Verfahren und Anlage sind für überwiegend feste biogene Rohstoffe technisch nicht geeignet. Das biogene Material durchläuft als Gesamtstoffstrom die Hydrolyse, größere feste Partikel werden aus den Hydrolysebehältern direkt abgezogen und zur Nachfaulung geführt, ein mehrstufiger Aufschluss ist für die feste Fraktion somit nicht möglich. Die Rückführung von Schlamm erfolgt nur aus dem Überlauf der Hydrolyse und ist nur begrenzt möglich, weil ansonsten der Durchsatz frischen Materials durch die Hydrolyse zu stark reduziert wird.
DE 198 46 336 Al umfasst viele Varianten für eine Abfallbehandlung, die u. a. auch eine zweistufige Hydrolyse beinhalten. Diese Zweistufigkeit ist aber bedingt durch die damit zu lösenden Aufgaben der mechanischen Stoffstromtrennung, weil die Hydrolyseapparate kontinuierlich vom Stoffstrom des biogenen Materials, hier: „Insbesondere Abfälle" durchströmt werden. Kennzeichnen dafür sind u. a. mechanische Transporteinrichtungen für das biogene Material. Die Verweilzeit in den Hydrolyseapparaten beträgt damit nur mehrere Stunden, maximal wenige Tage.
Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Anlage für die Hydrolyse fester biogener Rohstoffe zur Erzeugung von Biogas zu schaffen, bei denen eine möglichst hohe Konzentration von Hydrolysebakterien und Enzymen unter für die Hydrolyse optimalen Bedingungen auf die biogenen Rohstoffe einwirken, ein hoher Abbaugrad der organischen Substanz in den biogenen Rohstoffen in möglichst kurzer Zeit erreicht und die Entstehung von Methan in der Hydrolysestufe vermieden wird.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Verfahren zur mehrstufigen Hydrolyse fester biogener Stoffe gelöst, bei dem mehrere Mengen fester biogener Rohstoffe zeitlich versetzt hydrolysiert werden, wobei dass von der frischeren Menge ablaufende Hy drolysat jeweils der nächstälteren Menge als Perkolationsfiüssigkeit zugeführt wird.
Die erfindungsgemäße Lösung ist speziell für Biogasanlagen und -prozesse anwendbar, welche durch eine gesonderte Hydrolysestufe vor der eigentlichen Biogaserzeugungsstufe (Methansrufe) gekennzeichnet sind und die feste biogene Rohstoffe als Haupteinsatzstoff (Primärenergieträger) verwenden.
Als feste biogene Rohstoffe können alle durch Hydrolyse abbaubaren Stoffe pflanzlicher und tierischer Herkunft, biogene Abfälle und Abfallgemische eingesetzt werden, sofern sie eine für den Perkolationsprozess ausreichende Durchlässigkeit für das Perkolat (also eine Permeabilität) aufweisen. Diese Durchlässigkeit kann auch durch den Zusatz von Strukturmaterialien erreicht werden, die ggf. wiederverwendbar sind.
Die technische Maßnahme, welche zum Erreichen der Zielstellung der Erfindung dient, ist die Stoffstromführung des Hydrolysats im Perkolationsverfahren in einer Art Reihenschaltung über jeweils räumlich abgegrenzte Teilmengen des in homogener Schüttung vorliegenden biogenen Inputmaterials. Erfmdungsgemäß können mehrere Mengen fester biogener Rohstoffe aber auch Teilmengen der biogenen Rohstoffe zeitlich versetzt hydrolysiert werden. Für eine erfindungsgemäße Prozessführung sind mindestens zwei, besser jedoch drei oder mehr etwa gleich große Mengen oder Teilmengen Inputmaterial erforderlich.
Für die einzelnen Mengen oder Teilmengen wird der Hydrolyseprozess zeitlich versetzt begonnen, der zeitliche Abstand des Prozessbeginns ermittelt sich wie folgt:
Gesamtdauer Hydrolyseprozess (biochemisch erforderlicher Zeitraum, bis zu welchem der größte Teil der organisch abbaubaren Substanz aus dem festen biogenen Inputstoff herausgelöst worden ist, so dass der Hydrolyseprozess abgebrochen werden kann)
geteilt durch
Anzahl der einzelnen Mengen bzw. Teilmengen.
Die Stoffstromführung ist dadurch gekennzeichnet, dass die neu in den Prozess eingebrachte Menge des biogenen Rohstoffs mit Flüssigkeit perkoliert wird, die nur eine geringe Konzentration organisch abbaubarer gelöster Stoffe, jedoch Hydrolysebakterien und Enzyme sowie eine hohe Nährstoffkonzentration aufweist (z. B. Flüssigkeit aus dem Ablauf der Methanstufe). Die in frischem biogenen Rohstoff vorhandenen schnell abbaubaren Stoffe führen 2x1 einer schnellen Vermehrung von Hydrolysebakterien und zu entsprechender Zunahme der Enzymkonzentration und der Konzentration organischer Säuren. Das von dieser frischen Menge ablaufende Hydrolysat wird nun der nächstälteren Menge als Perkolationsflüssigkeit zugeführt, das von dieser Menge ablaufende Hydrolysat wiederum der nächstälteren usw.
Mit dieser Stoffstromführung wird erreicht, dass die in frischem Inputmaterial entstehende hohe Konzentration von Hydrolysebakterien und Enzymen auch für den Hydrolyseprozess älteren Inputmaterials noch zur Verfügung steht, so dass ein wesentlich effizienterer Abbau auch der schwerer abbaubaren organischen Substanz möglich wird.
Weiterhin wird erreicht, dass das hohe Säurepotenzial (niedriger pH- Wert) aus dem Hydrolysat der frischen Input-Teilmenge auch bei der Perkolation der nachfolgenden Teilmengen einen niedrigen pH- Wert sichert. Damit wiederum wird die Methanbildung gehemmt, was zum einen die konsequente Trennung zwischen Hydrolyse und Methanstufe sicherstellt, zum anderen dafür sorgt, dass die für die Hydrolyse wichtigen Enzyme nicht vorzeitig durch Methanbakterien abgebaut werden, wodurch sich deren Konzentration vermindern könnte.
Zur technischen Realisierbarkeit dieser Stromführung sind zwischen die zu perkolierenden Mengen entsprechende Puffervolumina zur Zwischenspeicherung des Hydrolysats geschaltet.
Das Hydrolysat im Ablauf der letzten perkolierten Teilmenge (welche praktisch die Gesamtverweilzeit im Hydrolyseprozess fast erreicht hat) besitzt die maximale Konzentration gelöster organischer Stoffe und wird — ggf. nach einer Zwischenspeicherung — der Methanstufe zugeleitet.
Nach Patentanspruch 2 werden mehrere Perkolatoren genutzt, wobei das Hydrolysat eines mit einer frischeren Menge gefüllten Perkolators jeweils dem Perkolator mit der nächstälteren Menge gefüllten Perkolators als Perkolationsflüssigkeit zugeführt wird.
Dazu werden mehrere Perkolatoren verwendet, die identisch aufgebaut sein können und von denen jeder mit einem entsprechenden Zwischenspeicher ausgerüstet sein kann. Diese Perkolatoren werden nunmehr in einer Reihenschaltung betrieben, wobei der Perkolatstrom im Quasi-Gleichstrom geführt wird. Die Perkolatoren werden im Regelbetrieb mit zeitlichem Abstand gefüllt bzw. entleert, so dass sich im Gesamtprozess sowohl frisches Inputmaterial als auch solches mit längerer Verweilzeit, d. h. bereits mit Hydrolysat berieseltes Material - hier bezeichnet als älteres Material - findet.
Im Regelbetrieb wird das Hydrolysat aus dem ersten, mit frischem Inputmaterial gefüllten Perkolator nun nicht über den Hydrolysatspeicherbehälter unmittelbar der Methansrufe - wie bisher üblich - sondern dem zweiten mit älterem Material gefüllten Perkolator zugeführt. Weil dieses Hydrolysat nun noch eine hohe Konzentration an Hydrolysebakterien und Enzymen hat, wird der Abbau des biogenen Materials in dieser Stufe besser unterstützt als es ohne diese Teilstromführung möglich wäre. Dadurch wird im älteren biogenen Rohstoff ein höherer Abbaugrad der noch vorhandenen festen organischen Substanz und deren Überführung in gelöste organische Stoffe erreicht (z. B. Abbau von Hemizellulosen, Lignin und anderen schwerer abbaubaren Verbindungen). Das Hydrolysat aus dieser Stufe wird nun der nächsten zugeführt usw. In jeder Stufe erhöht sich die Konzentration der gelösten und bereits biochemisch umgewandelten Stoffe, die dann nach der letzten Perkolatstufe in die Methanstufe geleitet werden. Die insgesamt ausgetragene Fracht gelöster organischer Stoffe im Hydrolysat ist letztendlich wesentlich höher als bei der Parallelschaltung. Dadurch erhöht sich der spezifische Gasertrag aus dem biogenen Rohstoff. Außerdem vermindert sich durch die hohen Konzentrationen gelöster organischer Stoffe die im Umlauf befindliche Flüssigkeitsmenge. Als vorteilhafter Nebeneffekt dieser Quasi-Gleichstrom Reihenschaltung der Hydrolysatstufen tritt eine zeitliche Vergleichmäßigung der Konzentration des
Hydrolysatstromes, der in die Methanstufe geleitet wird auf. Dadurch vermindert sich der Regelungs- oder Steuerungsaufwand, um die produzierte Gasmenge und die Gasqualität in der anschließenden Methanerzeugung konstant zu halten.
Gemäß Patentanspruch 5 wird in der Hydrolysestufe der Zutritt von Luft ermöglicht.
Es wurde gefunden, dass die azetogenen und methanogenen Bakterien, die sich üblicherweise in der Methanstufe befinden, wesentlich zur Verminderung der Wirksamkeit der von den Hydrolysebakterien gebildeten Enzyme beitragen. Die Anwesenheit bzw. Aktivität dieser methanbildenden Bakterien in der Hydrolysestufe muss daher vermieden werden, um eine hohe Konzentration der Enzyme aufrecht zu erhalten. Es ist weiterhin bekannt, dass die methanbildenden Bakterien bei Anwesenheit von (Luft-)Sauerstoff ihre Aktivität einstellen und ggf. abgetötet werden. Erfindungsgemäß wird in der Hydrolysestufe der Zutritt von Luft ermöglicht. Vorzugsweise können die Hydrolysatspeicherbehälter und auch die Perkolatoren durch Einblasen von Luft belüftet werden.
Somit werden die biochemische Aktivität und die Vermehrung der Methanbakterien vermindert oder vermieden.
Die Zuführung und als Konsequenz auch die Abführung von Luft führt zu einer gasseitig offenen Betriebsweise der Hydrolyse. Es ist bekannt, daß in der Hydrolyse etwa 50 % des im Gesamtprozess gebildeten Kohlendioxids entsteht. Dieses Kohlendioxid wird mit der ggf. eingetragenen Luft und sich bei der Hydrolyse entwickelnden anderen Gasen nun durch die Betriebsführung entsprechend Patentanspruch 6 abgeführt (ggf. mit Behandlung über einen Biofilter zur Vermeidung von Geruchsemissionen). Das Kohlendioxid erscheint daher nicht mehr im Biogas und kann daher auch nicht mehr das Methan „verdünnen". Als Ergebnis enthält das Biogas, welches den der Hydrolyse nachgeschalteten Methanreaktor verläßt, einen höheren Methangehalt.
Die Zufuhr von Luftsauerstoff kann auch nach Patentanspruch 4 durch die Belüftung des in die Hydrolyse zurückgeführten Ablaufes aus der Methanstufe vollzogen werden.
Für einen speziellen Einsatzbereich des Verfahrens, der Biogaserzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen (z. B. Getreideganzpflanzen, die in gehäckselter Form dem
Verfahren zugeführt werden) ist als Randbedingung zu beachten, dass diese Einsatzstoffe in der Regel nur in einem kurzen Zeitraum während eines Jahres geerntet werden. Um eine kontinuierliche Biogasproduktion zu ermöglichen, werden diese Stoffe üblicherweise in haltbarer Form (Silage) in entsprechenden Lagerbereichen zwischengelagert.
Gemäß Patentanspruch 3 besteht eine alternative Ausführung des Verfahrens darin, die zur Zwischenlagerung dieser Einsatzstoffe benötigten Lagerbereiche direkt zur Perkolation/Hydrolyse zu nutzen. In diesem Fall wird jeweils ein Teil des im Lagerbereich eingelagerten Materials (definierte Zonen mit jeweils getrennter Erfassung der Sickerflüssigkeit) direkt mit Perkolat beaufschlagt. Das Perkolat wird in einem oder mehreren Zwischenspeichern gepuffert und kann so mehrfach dem Einsatzstoff zugeführt werden. Ein Teilstrom wird gemäß dem oben beschriebenen Grundverfahren direkt an den Biogasreaktor abgegeben.
Um die verschiedenen Zonen des gesamten Lagerbereichs mit Perkolat zu beaufschlagen wird das Beregnungssystem örtlich variabel ausgeführt (bspw. durch die gezielte Ansteuerung von einzelnen Beregnungsöffnungen oder durch die Ausführung als bewegliches/verschiebbares Beregnungssystem). Die Perkolation der jeweiligen Teilfläche des Lagerbereiches wird zeitversetzt begonnen, so dass sich unterschiedliche Abbauzustände in den einzelnen Teilbereichen des Lagerbereichs ergeben. Hierdurch kann eine Vergleichmäßigung der Perkolatqualität und damit der Biogasproduktion im anschließenden Methanreaktor erreicht werden.
Durch eine unterschiedliche zeitliche Ansteuerung der Zonen mit und einem entsprechenden Flüssigkeitsmanagement lässt sich alternativ zur Parallelschaltung eine Quasi-Gleichstrom- oder Reihenschaltung realisieren. Hierbei wird das Perkolat der zuletzt in den Perkolationsbetrieb übergegangenen Teilfläche auf eine bereits früher in den Perkolationsbetrieb übergegangene Teilfläche beaufschlagt mit dem Ziel einen besseren Abbau der Einsatzstoffe zu erreichen. Die Stoffstromführung ist somit der Stoffstromführung beim Einsatz von Perkolatoren in Reihenschaltung vergleichbar.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch eine Anlage zur mehrstufigen Hydrolyse fester biogener Rohstoffe mit mehreren Hydrolyseeinrichτungen zur Erzeugung von Biogas gelöst, bei der die Hydrolyseeinrichtungen mit Mengen biogener Rohstoffe so geschaltet sind, dass
sie zeitlich versetzt betreibbar sind und das von einer Hydrolyseinrichtung mit frischerer Menge ablaufende Hydrolysat jeweils der Hydrolyseeinrichtung mit der nächstälteren Menge als Perkolationsflüssigkeit zugeführt wird.
Die Hydrolyseeinrichtungen sind nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung mit einem Ablauf eines Methanreaktors verbunden. Das nach dem Ablauf befindliche Speichervolumen weist eine Einrichtung zur Zufuhr von Luft auf. Alternativ kann die Einrichtung zur Zufuhr von Luft auch an anderer Stelle in der Verbindung zwischen Ablauf und Hydrolyseeinrichtungen angeordnet sein. Diese Einrichtung gewährleistet, dass belüfteter Ablauf des Methanreaktors als Perkolat oder Perkolatzusatz zur Hydrolyse frischer Mengen biogener Rohstoffe einsetzbar ist.
Die Hydrolyseeinrichtungen mit zugehörigen Speichern und Pumpschächten weisen Einrichtungen zur Zufuhr von Luft auf.
Vorteilhaft weisen die Hydrolyseeinrichtungen Einrichtungen zur Abfuhr von Luft und sich bei der Hydrolyse entwickelndes Gas auf.
Nach einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung sind die Hydrolyseeinrichtungen Perkolatoren mit einer Berieselungseinrichtung und einer Einrichtung zur Fest/Flüssigkeitstrennung. Die Perkolatoren weisen einen Zwischenspeicher für das Hydrolysat auf oder den Perkolatoren ist ein Zwischenspeicher für das Hydrolysat nachgeschaltet.
Erfindungsgemäß sind die Perkolatoren so geschaltet, dass das von einer frischeren Menge ablaufende Hydrolysat jeweils der nächstälteren Menge als Perkolationsflüssigkeit zugeführt wird.
Durch diese kaskaden- oder stufenweise Anordnung der Perkolatoren besteht die Möglichkeit, die Hydrolysebakterien und die Enzyme des Hydrolysates mehrfach mit dem festen Inputmaterial in Kontakt zu bringen.
Erfindungsgemäß werden mehrere Perkolatoren verwendet, die identisch aufgebaut sein können und von denen jeder Perkolator mit einen entsprechenden Zwischenspeicher (z. B.
größerer Schacht am Ablauf des Perkolators) ausgerüstet sein kann. Diese Perkolatoren werden nunmehr in einer Reihenschaltung betrieben, wobei der Perkolatstrom im QuasiGleichstrom geführt wird. Die Perkolatoren werden im Regelbetrieb mit zeitlichem Abstand gefüllt bzw. entleert, so dass sich im Gesamtprozess sowohl frisches Inputmaterial als auch solches mit längere Verweilzeit - hier bezeichnet als älteres Material - findet.
Im Regelbetrieb wird das Hydrolysat aus dem ersten, mit frischem Inputmaterial gefüllten Perkolat nun über den Hydrolysatspeicherbehälter nicht unmittelbar der Methanstufe — wie bisher üblich - zugeführt, sondern dem zweiten, mit älterem Material gefüllten Perkolator. Da dieses Hydrolysat nun noch eine hohe Konzentration an Hydrolysebakterien und Enzymen hat, wird der Abbau des biogenen Materials in dieser Stufe besser unterstützt als es ohne diese Teilstromführung möglich wäre. Das Hydrolysat aus dieser Stufe wird nun der nächsten zugeführt usw. In jeder Stufe wird mehr und mehr organische Trockensubstanz der biogenen Rohstoffe abgebaut. Im Endeffekt wird der Abbaugrad der biogenen Stoffe deutlich erhöht. Die Fracht an hydrolysierten organischen Stoffen, die dann nach der letzten Perkolatstufe - ggf. nach Pufferspeicherung - in die Methanstufe geleitet werden, erhöht sich entsprechend, so dass sich die Wirtschaftlichkeit des Prozesses wegen der höheren spezifischen Ausbeute der biogenen Rohstoffe verbessert. Außerdem steigt auch die Konzentration organischer Stoffe im Hydrolysat von Stufe zu Stufe (vgl. Fig. 3). Dadurch erhöht sich der spezifische Gasertrag des Methanreaktors, der nun kleiner gebaut werden kann. Außerdem vermindert sich die im Umlauf befindliche Flüssigkeitsmenge.
Als vorteilhafter Nebeneffekt dieser Quasi-Gleichstrom Reihenschaltung der Hydrolysatstufen tritt eine zeitliche Vergleichmäßigung der Konzentration des Hydrolysatstromes, der in die Methanstufe geleitet wird auf. Dadurch vermindert sich der Regelungs- oder Steuerungsaufwand, um die produzierte Gasmenge und die Gasqualität konstant zu halten.
Nach einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung (Fig. T) wird ein einziger Pumpenschacht für alle Perkolatoren (in Fig. 2 z. B. 3 Perkolatoren) verwendet. Die gestufte Stoffstromführung wird dadurch erreicht, dass der Zulauf zum Pumpenschacht über eine Ventilsteuerung am Ablauf der Zwischenspeicher jeweils nur von einem Perkolator erfolgt und dementsprechend zu einem bestimmten Zeitpunkt auch nur die Bedüsung mit Hydrolysat auch nur in einem Perkolator erfolgt. Nach einer entsprechend eingestellten Zeitdauer wird
die Perkolation unterbrochen, das Zulaufventil des nächsten Zwischenspeichers wird geöffnet und die Perkolation wird auf den entsprechend nächsten zugeordneten Perkolator umgeschaltet. Der Ablauf des Perkolators mit dem ältesten Material wird in den Speicher geleitet, von dem aus das hoch angereicherte Hydrolysat dosiert in eine Methanstufe abgegeben wird.
Als Hydrolyseeinrichtungen können auch mobile Perkolatoren mit stationärer oder verfahrbarer Berieselungseinrichtung eingesetzt werden.
Eine weitere vorteilhafte Ausführung der erfindungsgemäßen Anlage besteht darin, die zur Zwischenlagerung der Einsatzstoffe (bspw. Maissilage) benötigten Flachsilos direkt zur Perkolation/Hydrolyse zu nutzen. In diesem Fall wird jeweils ein Teil des im Flachsilo eingelagerten Materials direkt mit Perkolat beaufschlagt. Das Perkolat wird in einem oder mehreren Zwischenspeichern gepuffert und kann so mehrfach dem Einsatzstoff zugeführt werden. Ein Teilstrom wird gemäß dem oben beschriebenen Grundverfahren direkt an den Biogasreaktor abgegeben.
Um Teilflächen (einzelne Zonen) des gesamten Lagerbereichs mit Perkolat zu beaufschlagen, wird das Beregnungssystem örtlich variabel ausgeführt (bspw. durch die gezielte Ansteuerung von einzelnen Beregnungsöfmungen oder durch die Ausführung als bewegliches/verschiebbares Beregnungssystem). Die Perkolation der jeweiligen Zone im Lagerbereich wird zeitversetzt begonnen, so dass sich unterschiedliche Abbauzustände in den einzelnen Zonen ergeben. Hierdurch kann eine Vergleichmäßigung der Perkolatqualität und damit der Biogasproduktion im anschließenden Methanreaktor erreicht werden.
Durch eine unterschiedliche zeitliche Ansteuerung der Zonen mit Perkolat und einem entsprechenden Flüssigkeitsmanagement lässt sich alternativ zur Parallelschaltung eine QuasiGleichstrom oder Reihenschaltung realisieren. Hierbei wird das Perkolat der zuletzt in den Perkolationsbetrieb übergegangenen Teilfläche auf eine bereits früher in den Perkolationsbetrieb übergegangene Teilfläche beaufschlagt mit dem Ziel einen besseren Abbau der Einsatzstoffe zu erreichen. Die Stoffstromführung ist somit der Stoffstromführung beim Einsatz von Perkolatoren in Reihenschaltung vergleichbar.
Anhand beigefügter Darstellungen wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung näher erläutert. Dabei zeigen
Fig. 2 Fließbild einer Beispielanlage mit 3 Perkolatoren
Fig. 3 Schema der erfindungsgemäßen Lösung mit mehrstufiger Stromführung des Hydrolysats
Fig. 2 zeigt ein Fließbild einer Anlage zur Erzeugung von Biogas mit 3 Perkolatoren Hl bis H3 und einem Methanreaktor R.
Die Perkolatoren Hl bis H3 sind gleich aufgebaut, säurefest ausgekleidet und können mit üblicher Technik, zum Beispiel Radladern be- und entladen werden.
Die Perkolatoren Hl bis H3 weisen jeweils eine Berieselungsanlage zur Zuführung von Perkolat und jeweils einen Siebboden auf, der eine Fest-/Flüssigkeitstrennung des Hydrolysates vom Festbett erlaubt.
Den Perkolatoren Hl bis H3 ist jeweils ein Zwischenspeicher ZWl bis ZW3 nachgeschaltet, der das vom Festbett ablaufende Hydrolysat sammelt.
Unterhalb der Siebböden ist eine Anlage zur Zuführung von Luft angeordnet, über die das Festbett bei Bedarf belüftet werden kann.
Die Perkolatoren Hl bis H3 sind über eine Sammelluftleitung mit einem Biofilter BF zur Abluftabführung und -reinigung sowie Geruchsneutralisation verbunden.
Die Zwischenspeicher ZWl bis ZW3 sind über mit Ventilen ansteuer- und absperrbare Verbindungsleitungen mit dem Pumpenschacht Pl verbunden.
Über Verbindungsleitungen ist der Pumpenschacht Pl mit den Berieselungsanlagen der -Perkolatoren Hl bis H3 und mit einen Speicher Sl verbunden. Das sich im Pumpenschacht mit Pumpe Pl sammelnde Hydrolysat kann über eine mit einem Wärmetauscher Wl (zur Einstellung der für den Hydrolyseprozess optimalen Temperatur) ausgerüstete
Verbindungsleitung den jeweiligen Berieselungsanlagen der Perkolatoren Hl bis H3 als Perkolat zugeführt werden.
Speicher Sl ist mit dem Methanreaktor Rl zur Biogaserzeugung verbunden. Über diese Verbindungsleitung kann dem Methanreaktor mit Hilfe der Pumpe P2 Hydrolysat zugeführt werden. Im Wärmetauscher W2 wird die für die Methanerzeugung optimale Temperatur des Hydrolysats eigestellt.
Alternativ kann Hydrolysat aus dem Speicher Sl mit Hilfe der Pumpe P3 über den Wärmetauscher Wl erneut den Perkolatoren zugeführt werden, z. B. wenn das Hydrolysat noch nicht die optimale Konzentration an organischen Stoffen erreicht hat.
Speicher S2 erlaubt die Aufnahme von Ablauf aus dem Methanreaktor Rl .
Speicher Sl und S2 weisen jeweils eine Einrichtung zur Zuführung von Luft auf.
Belüfteter Ablauf kann über eine Verbindungsleitung vom Speicher S2 mittels der Pumpe P4 der Berieselungseinrichtung des Perkolators mit frischem biogenen Rohstoff zugeführt werden. Die der Verbindungsleitung zugeordnete Ventilsteuerung erlaubt eine entsprechende Zuleitung.
Zwischenspeicher, Pumpenschacht und Speicher Sl und S2 weisen einen Schlammabzug auf.
Im Gesamtprozess entstehende Überschussflüssigkeit wird aus dem Behälter S2 ausgeschleust und kann mittels Pumpe P5 in Tankwagen abgefüllt und extern verwertet werden (vorzugsweise als Dünger zur Schließung von Nährstoffkreisläufen).
Die Anlage nach Fig. 2 arbeitet wie folgt:
Im Normalbetrieb sind die Perkolatoren Hl bis H3 zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit biogenen Rohstoffen gefüllt. Perkolator H3 kann beispielsweise die älteste Befüllung, Perkolator H2 die nächste Befüllung aufweisen und Perkolator Hl gerade frisch befüllt sein.
Aus dem Speicher S2 wird über die Berieselungsanlage dem mit frischem Inputmaterial gefüllten Perkolator Hl belüfteter Ablauf aus dem Methanreaktor Rl zugeführt. Dieses Perkolat weist nur eine geringe Konzentration an abbaubaren organischen Stoffen, jedoch Enzyme, Hydrolysebakterien und insbesondere Nährstoffe auf. Das vom Festbett des Perkolators Hl ablaufende Hydrolysat wird im Zwischenspeicher ZWl gesammelt, dem Pumpenschacht Pl zugeführt und von dort über die Verbindungsleitung und über einen Wärmetauscher der Berieselungsanlage des Perkolators H2 zugeleitet. Das das Festbett durchlaufende Hydrolysat wird im Zwischenspeicher ZW2 gesammelt und nachdem der Pumpenschacht P 1 geleert ist an diesen übergeben.
Das im Pumpenschacht Pl gesammelte Hydrolysat wird über die entsprechende Verbindungsleitung mit zugeordnetem Wärmetauscher der Berieselungsanlage des Perkolators H3 zugeführt, nach Durchlauf des Festbettes im Zwischenspeicher ZW3 gesammelt und nach Leerung des Pumpenschachtes diesem zur Weiterleitung an den Speicher Sl übergeben. Aus dem Speicher 1 kann dann die angereicherte Perkolationsflüssigkeit dem Methanreaktor Rl zugeführt werden.
Fig. 3 zeigt ein Schema der erfindungsgemäßen Lösung anhand 3 -stufiger Stromführung des Hydrolysats wie nach Anlagenschema Fig. 2. Deutlich sichtbar ist der erreichbare zusätzliche Abbau der organischen Trockensubstanz (oTS) und damit die Erhöhung der Fracht an hydrolysierten organischen Stoffen im Reihenbetrieb. Zum Vergleich ist der erreichbare Abbau organischer Trockensubstanz bei Parallelbetrieb dargestellt.
Bezugszeichen
H Ibis H 3 Perkolatoren 1 bis 3
ZWl bis ZW3: Zwischenspeicher 1 bis 3
BF Biofilter
Wl Wärmetauscher 1 (Zulauf Perkolatoren)
W2 Wärmetauscher 2 (Zulauf Methanreaktor)
Pl Pumpe 1 in Pumpenschacht (Umlaufpumpe Perkolation und Zulauf zu
Speicher 1)
P2 Pumpe 2 Zuführung Methanreaktor
P 3 Pumpe für Perkolation mit Zuführung aus Speicher 1
P4 Pumpe für Perkolation mit Zuführung aus Speicher 2
P5 Pumpe Abzug Überschusswasser
51 Speicher 1 (angereichertes Hydrolysat)
52 Speicher 2 (Ablauf Methanstufe) Rl Methanrealetor