Verfahren zur Anpassung von Eingriffsparametern eines Assistenzsystems eines Fahrzeuges
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Anpassung von Eingriffsparametern eines Assistenzsystems eines Fahrzeuges und insbesondere ein Verfahren zur Anpassung eines Bremseingriffes durch ein Assistenzsystem zur Vermeidung von Kollisionen und/oder zur Verminderung der Kollisionsfolgen eines Fahrzeuges.
Assistenzsysteme in Fahrzeugen zur Verminderung der Stärke einer unausweichlichen Kollision oder zur Vermeidung von Kollisionen bzw. Auffahrunfällen dürfen nicht nach starren Vorgaben eine Notbremsung durchführen, wenn der Fahrer des Fahrzeugs in einer unfallträchtigen Fahrsituation gegebenenfalls ausweichen möchte, anstatt zu bremsen. In einer solchen Situation darf das Assistenzsystem keinen automatisierten Bremseingriff vornehmen, da eine automatische Aktivierung der Bremsfunktion, zum Beispiel in einer Kurve, wenn bereits ein großer Teil des Kraftschlusspotentials der Reifen durch die aufgrund der Querbeschleunigung auftretenden Querkräfte bereits ausgenutzt ist, dazu führen kann, dass die Haftungsgrenze der Reifen überschritten wird. Dies würde zu einem Schleudern des Fahrzeuges führen.
Ein solches Assistenzsystem ist in der DE 102 31 584 Al beschrieben. In diesem System erfolgt ein selbsttätiges Auslösen einer Verzögerung eines Fahrzeugs zur Verhinderung eines Zusammenstoßes oder zur Verminderung der Folgen eines bevorstehenden Zusammenstoßes nur dann, wenn eine oder mehrere Größen, die eine Kollisionsgefährdung mit einem weiteren Objekt repräsentieren, in einem vorgebbaren Auslösebereich liegen. Dieser Auslösebereich ist in Abhängigkeit von Reaktionen des Fahrers veränderbar, wobei die Veränderung des Auslösebereichs in Abhängigkeit der Fahrerreaktion mittels Signalen eines Lenkwinkelsensors, eines Bremspedalsensors und/oder eines Fahrpedalsensors erfolgt. Gemäß dieser deutschen Offenle- gungsschrift wird die Fahrsituation dabei lediglich anhand statischer Werte für die Lenkwinkelgeschwindigkeit bewertet, - um beim Überschreiten einer vorbestimmten Lenkwinkelge'schwin- digkeit ein Ausweichmanöver zu erkennen. Eine solch grobe Bewertung des Fahrzustandes wird jedoch den im Verkehr anzutreffenden, fahrdynamischen Besonderheiten in aller Regel nicht gerecht.
Vor diesem Hintergrund, liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde ein Verfahren zur Anpassung von Eingriffsparametern eines Assistenzsystems eines Fahrzeuges bereit zu stellen, durch welches eine bessere Bewertung des Fahrzustandes des Fahrzeuges zum Erkennen einer erforderlichen Anpassung von Eingriffsparametern gewährleistet wird.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst.
Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Idee besteht darin, neben der Lenkradwinkelgeschwindigkeit auch den absoluten Lenkradwinkel miteinzubeziehen, wobei beide insbesondere eine vorbestimmte Korrelation zueinander haben und vor-
zugsweise entsprechende Schwellwerte beider Größen in Abhängigkeit von der Fahrzeuggeschwindigkeit variiert werden. In der vorliegenden Erfindung wird das eingangs erwähnte Problem dadurch gelöst, dass ein Verfahren zur Anpassung von Eingriffsparametern eines Assistenzsystems eines Fahrzeuges mit den folgenden Schritten bereitgestellt wird:
Erfassen eines Lenkradwinkels oder eines dem Lenkradwinkel entsprechenden Winkels;
Ermitteln einer Lenkradwinkelgeschwindigkeit oder einer der Lenkradwinkelgeschwindigkeit entsprechenden Winkelgeschwindigkeit;
Bewerten der vorgenannten Größen derart, dass ein manuelles Ausweichmanöver des Fahrzeuges identifiziert wird, wenn die vorgenannten Größen jeweils einen vorbestimmten Schwellwert überschreiten; und
Adaptieren von Eingriffsparametern des Assistenzsystems abhängig von der vorgenannten Bewertung.
Auf diese vorteilhafte Weise wird eine fein aufgelöste Bewertung der Fahrsituation zur Anpassung von Eingriffsparametern ermöglicht .
In den Unteransprüchen finden sich vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstandes.
Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist ein dem Lenkradwinkel entsprechender Winkel der Stellwinkel eines Rades einer lenkbaren Achse eines Fahrzeuges und eine der Lenkradwinkelgeschwindigkeit entsprechende Winkelgeschwindigkeit die Stellgeschwindigkeit des Rades. Anstatt einer Erfassung des Lenkradwinkels besteht alternativ die Möglichkeit entsprechende Größen zur Identifikation eines Ausweichmanövers auf vorteilhafte Weise heranzuziehen, wobei neben dem Stellwinkel eines Rades einer lenkbaren Achse auch weitere entsprechende
Größen, zum Beispiel aus dem Lenkgetriebe oder einer elektrischen Lenkeinrichtung, in Frage kommen.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung werden die Eingriffsparameter des Assistenzsystems dahingehend verändert, dass ein automatischer Bremseingriff bei einem identifizierten manuellen Ausweichmanöver unterbleibt, in seiner Bremskraft reduziert wird oder abgebrochen wird. Dies birgt den Vorteil die Haftung der Reifen des Fahrzeuges, von der ein Großteil durch das Ausweichmanöver in Anspruch genommen wird, durch einen automatisierten Bremseingriff nicht über die Haftungsgrenze hinaus überzustrapazieren, um vorteilhaft ein Schleudern aufgrund des Schlupfes von Rädern des Fahrzeuges zu verhindern.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung weisen die Schwellwerte jeweils einen konstanten Wert auf, welche unabhängig voneinander sind. In einer Ebene, welche durch den Lenkradwinkel und die Lenkradwinkelgeschwindigkeit aufgespannt wird, ergibt sich somit ein rechteckförmiger Verlauf der Schwellwerte parallel zu den Koordinatenachsen. Die Anpassung der Parameter des Assistenzsystems unterbleibt innerhalb dieses Rechteckes, welches von den Schwellwerten begrenzt wird.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung ist der eine Schwellwert abhängig von dem anderen Schwellwert . Auf diese Weise wird eine der Fahrdynamik gerecht werdende Korrelation zwischen beiden Größen vorteilhaft erreicht.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung liegt zwischen den Schwellwerten eine Abhängigkeit in Form einer Ellipse vor, deren Halbachsenabschnitte jeweils durch den Wert 0 des entsprechend anderen Schwellwertes bestimmt sind. Diese el-
lipsenförmige Korrelation zwischen der Lenkwinkelgeschwindigkeit und dem Lenkradwinkel ermöglicht eine vorteilhafte Anpassung vorbestimmter Parameter des Assistenzsystems, sobald die entsprechenden Werte der Lenkradwinkelgeschwindigkeit und/oder der Lenkradwinkels außerhalb dieser Ellipse liegen.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung sind die Schwellwerte abhängig von einer Fahrzeuggeschwindigkeit derart, dass bei steigender Geschwindigkeit des Fahrzeuges die Schwellwerte kleiner werden. Steigt die Geschwindigkeit des Fahrzeuges, so werden bereits bei kleineren Lenkwinkeln höhere Querbeschleunigungen aufgebaut, welche die Haftung der Reifen, das heißt das Kraftschlusspotential eines jeden Reifens, beansprucht. Dementsprechend müssen die Schwellwerte bei steigender Geschwindigkeit kleiner gewählt werden, so dass eine Parameteranpassung des Assistenzsystems bereits bei kleineren Werten der Lenkradwinkelgeschwindigkeit und/oder des Lenkradwinkels erfolgen muss.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung besteht zwischen einem Schwellwert und der Fahrzeuggeschwindigkeit folgende Korrelation. Bis zu einer ersten vorbestimmten Fahrzeuggeschwindigkeit bleibt der Schwellwert konstant; zwischen der ersten vorbestimmten Fahrzeuggeschwindigkeit und einer höheren zweiten vorbestimmten Fahrzeuggeschwindigkeit fällt der Schwellwert parabelförmig ab; und über der zweiten vorbestimmten Fahrzeuggeschwindigkeit bleibt der Schwellwert wieder konstant. Durch diese vorteilhafte Korrelation der Schwellwerte in Abhängigkeit von der Fahrzeuggeschwindigkeit wird eine der Fahrdynamik insbesondere der Querbeschleunigung Rechnung tragende Anpassung der Grenzwerte des Lenkradwinkels bzw. der Lenkradwinkelgeschwindigkeit zur Anpassung der Parameterwerte des Fahrzeugassistenzsystems bereitgestellt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung wird das Fahrzeugumfeld erfasst, und bei einer Kurvenfahrt des Fahrzeuges mit eingeschränkten oder unverlässlichen Sensorinformationen ein der Fahrzeugumfelderfassung, insbesondere aufgrund eines eingeschränkten Sichtbereiches und/oder Sensordetektionswin- kels, nimmt das Assistenzsystems keinen automatisierten Eingriff in die Lenkung und/oder das Bremssystems des Fahrzeuges vor. Dies birgt den Vorteil, dass Assistenzsystem nicht eingreifen zu lassen, wenn keine oder widersprüchliche Informationen von einer gegebenen Umfelderfassung generiert werden.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung wird die Lenkradwinkelgeschwindigkeit oder die dieser entsprechenden Größe durch die zeitliche Ableitung des Lenkradwinkels oder der dem Lenkradwinkel entsprechenden Größe, insbesondere unter Bildung eines Differenzquotienten zweier direkt benachbarter Werte, welche ein vorbestimmtes Zeitintervall auseinanderlegen, ermittelt. Durch diese einfache Bestimmung der Lenkradwinkelgeschwindigkeit aus dem Lenkradwinkel wird eine abhängig vom Abtastintervall bestimmte ausreichend präzise Bestimmung der Lenkradwinkelgeschwindigkeit ermöglicht.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung wird die Lenkradwinkelgeschwindigkeit oder die dieser entsprechende Größe unter Bildung eines Differenzenquotienten zweier durch einen Zwischenwert getrennter Werte berechnet, welche zwei vorbestimmte Zeitintervalle auseinander liegen. Durch diese Maßnahme wird vorteilhaft die Lenkradwinkelgeschwindigkeit mit einem doppelt so großen Abtastintervall bestimmt, welches der Glättung der ermittelten Werte dient.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung werden die diskreten aus den Differenzenquotienten resultierenden Werte der ermittelten Lenkradwinkelgeschwindigkeit, vorzugsweise
mit einer Charakteristik eines PTl-Gliedes, gefiltert. Durch diese vorteilhafte Glättung der ermittelten Werte der Lenkradwinkelgeschwindigkeit wird eine verbesserte Verarbeitbar- keit der Werte sichergestellt.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung fließt bei der Bewertung eine Querbeschleunigung und/oder eine Giergeschwindigkeit des Fahrzeuges und/oder ein Abstand zu einem voraus- fahrenden Fahrzeug, insbesondere unter Einsatz eines mathematischen Fahrzeugmodells, ein. Dies birgt den Vorteil einer weiter präzisierten Entscheidungsfindung durch das Assistenzsystem, ob ein Ausweichmanöver vorliegt, bei welchem beispielsweise ein automatisierter Bremseingriff besser gar nicht oder nicht so stark ausgeführt werden sollte, um die Haftungsgrenze der Reifen nicht zu überschreiten.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung wird bei der Bewertung der durch den Lenkradwinkel festgelegte Kurvenradius des Fahrzeuges mit dem Kurvenradius einer Kurve einer elektronisch gespeicherten Straßenkarte eines - Navigationssystems, insbesondere eines GPS-Systems, verglichen, um bei einer vorbestimmten Abweichung der Radien voneinander ein Ausweichmanöver des Fahrzeugs zu identifizieren. Dies ermöglicht eine vorteilhafte weiter verfeinerte Bewertung der Fahrsituation durch das Assistenzsystem.
Gemäß einer weiteren bevorzugten Weiterbildung wird der jeweilige Schwellwert abhängig von der Haftung der Reifen des Fahrzeuges bei einer Kurvenfahrt angepasst, wobei die Haftungsgrenze der Reifen vorzugsweise indirekt mittels Erfassung der Querbeschleunigung und/oder direkt mittels der Erfassung der Giergeschwindigkeit des Fahrzeuges erfolgt. Bei dieser Maßnahme kann eine Verifikation bei der Bewertung der Fahrsituation stattfinden, ob ein Ausweichmanöver vorliegt,
auch wenn die Haftungsgrenze des Fahrzeuges bereits überschritten wurde, so dass eine Giergeschwindigkeit, das heißt eine Drehung um die Hochachse des Fahrzeuges, auftritt. Ein Bremseingriff in einer solchen Fahrsituation resultiert in einer weiteren Destabilisierung des Fahrzustandes und muss vom Fahrzeugassistenzsystem verhindert werden.
Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Abhängigkeit der Lenkradwinkelgeschwindigkeit vom Lenkwinkel zur Erläuterung einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2a eine schematische Darstellung einer Abhängigkeit der Lenkradwinkelgeschwindigkeit über der Fahrzeuggeschwindigkeit zur Erläuterung einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2b eine schematische Darstellung einer Abhängigkeit des Lenkradwinkels über der Fahrzeuggeschwindigkeit zur Erläuterung einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung;
Fig. 3 eine schematische Darstellung der Lenkradwinkelgeschwindigkeit und des Lenkradwinkels in Abhängigkeit der Fahrzeuggeschwindigkeit zur Erläuterung einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung; und
Fig. 4 ein Blockdiagramm zur Erläuterung einer Ausführungsform der- vorliegenden Erfindung.
In den Figuren bezeichnen gleiche Bezugszeichen gleiche oder funktionsgleiche Bestandteile.
In Fig. 1 ist schematisch der Verlauf des Schwellwertes der Lenkradwinkelgeschwindigkeit δs (Delta) als Funktion der
Lenkradwinkelgeschwindigkeit dδ/dt bzw. δ über dem Lenkradwinkel δ dargestellt. Gemäß Fig. 1 verläuft die Funktion des Schwellwertes δs in Form einer Ellipse, wobei ein manuelles Ausweichmanöver des Fahrers von einem Assistenzsysteme eines Fahrzeuges dann identifiziert wird, wenn der Lenkradwinkel δ bzw. ein dem Lenkradwinkel entsprechender Winkel wie beispielsweise ein Radwinkel eines lenkbaren Rades einer lenkbaren Fahrzeugachse und/oder die Lenkradwinkelgeschwindigkeit
• δ (dδ/dt) bzw. eine der Lenkradwinkelgeschwindigkeit entsprechende Winkelgeschwindigkeit außerhalb dieses Schwellwertes δs liegt. Das Zentrum der Ellipse liegt im Ursprung des
• durch den Lenkradwinkels δ und die Lenkradgeschwindigkeit δ aufgespannten kartesischen Koordinatensystems. Die Halbach-
• senabschnitte liegen direkt auf den Koordinatenachsen δ, δ und beschreiben den Fall, in welchem z. B. der Lenkradwinkel δ 0 beträgt, das heißt das Lenkrad in seiner Mittellage ist,
jedoch eine so hohe Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ gegeben ist, dass ein Ausweichmanöver vom Assistenzsystem des Fahrzeuges identifiziert werden muss, um entsprechende Eingriffsparameter, insbesondere bezüglich eines automatisierten Bremseingriffes des Assistenzsystems, anzupassen. Der andere Grenzfall, das heißt der andere Halbachsenabschnitt der Ellipse, wird definiert durch einen großen Lenkradeinschlagwinkel δ, wobei ein zusätzlicher Lenkradeinschlag, das heißt eine weitere Vergrößerung des Lenkradwinkels selbst bei minimaler Lenkradwinkelgeschwindigkeit zur Detektion eines Ausweichmanövers des Fahrers führt.
Alle Lenkmanöver des Fahrers, welche bezüglich ihres Lenkradwinkels in Kombination mit der entsprechenden Lenkradwinkelgeschwindigkeit innerhalb dieser Ellipse liegen, belassen das Assistenzsystem des Fahrzeugs in seiner Grundeinstellung, das heißt, dass ein automatisierter Bremseingriff unter der Voraussetzung weitere Informationen über eine gefährliche Verkehrssituation zugelassen wird. Liegt der Wert der Lenkrad-
Winkelgeschwindigkeit δ und/oder der Lenkradwinkels δ außerhalb der vorzugsweise ellipsenförmigen Grenzkurve δs, so unterbleibt ein Bremseingriff in einer entsprechenden Verkehrssituation, um das Kraftschlusspotential der Reifen des Fahrzeuges durch die zusätzlichen Bremskräfte nicht zu überschreiten. Ist bereits ein automatisierter Bremseingriff vom Assistenzsystem aktiviert worden und wird ein manuelles Ausweichmanöver durch einen Wert außerhalb der Grenzkurve δs identifiziert, so wird die automatisierte Bremsung unterbrochen oder zumindest so stark reduziert, dass die Haftungsgrenze der Reifen nicht überschritten wird, um ein Schleudern des Fahrzeuges durch einen Haftungsverlust auszuschließen. Dazu werden insbesondere eine Einrichtung zur Detektion der Fahrzeugquerbeschleunigung und/oder eine Einrichtung zur Ermittlung der Giergeschwindigkeit des Fahrzeuges eingesetzt, um innerhalb der Haftungsgrenze der Reifen des Fahrzeuges selbst bei einem manuellen akuten Ausweichmanöver des Fahrers zu bleiben.
Neben der Ellipsenform der Grenzkurve als Schwellwert δs in
• der δ-δ -Ebene ist auch eine Rechteckform angedacht, welche entsprechend durch die Halbachsenabschnitte der Ellipse verlaufen und parallele Kanten zu den Koordinatenachsen aufweisen. Auch ein linearer Abfall der Grenzkurve zwischen beiden Halbachsenabschnitten ist möglich, ebenso wie ein hyperbel- förmiger Verlauf der Grenzkurve.
Da bei steigender Fahrzeuggeschwindigkeit bei einem konstanten Lenkradeinschlag eine höhere Querbeschleunigung auftritt, ist es gemäß einer bevorzugten Weiterbildung der vorliegenden Erfindung zweckdienlich, die Schwellwertkurve δs entsprechend von der Fahrzeuggeschwindigkeit abhängig zu machen. Dabei muss bei einer höheren Fahrzeuggeschwindigkeit ein Ausweichmanöver, welches manuell vom Fahrer eingeleitet wird, somit bereits bei niedrigeren Lenkradwinkeln δ und/oder Lenkradwin-
kelgeschwindigkeiten δs identifiziert werden. Dies ist durch die Ellipsenschar δSvi/ δSVn, δSvi2 und δSv2 in Fig. 1 dargestellt. Die Fahrzeuggeschwindigkeit Vi ist dabei kleiner als vii, welcher kleiner als V12 und wiederum kleiner als V2 ist. Als Kriterium, ab wann eine Änderung der Eingriffsparameter des Assistenzsystems des Fahrzeuges erfolgen soll, lässt sich somit gemäß der bevorzugten Ausführungsform der Ellipse als Grenzkurve bzw. Schwellwert folgende Gleichung aufstellen:
Wird die Ungleichung
erfüllt, so wird ein Ausweichen als relevante Fahreraktivität erkannt und Eingriffsparameter des Assistenzsystems des Fahrzeugs insbesondere ein automatisierter Bremseingriff erfolgt nicht oder nur mit verminderter Bremskraft .
In Fig. 2a ist ein bevorzugter Verlauf des Schwellwertes δs über der Fahrzeuggeschwindigkeit v dargestellt . Die Ordinate
(Hochachse) δ beschreibt hier den einen Halbachsenwert und
somit den Durchmesser der Ellipse in c> -Richtung (dδ/dt) . Der
Schwellwert δs(v) verläuft dabei zunächst horizontal parallel zur v-Achse, da bei niedrigen Geschwindigkeiten dennoch
ab einer bestimmten Lenkwinkelgeschwindigkeit δSvi eine Parameteranpassung zu erfolgen hat. Danach fällt die Grenzwertkurve vorzugsweise parabelförmig ab mit den ebenfalls in Fig.
1 dargestellten Zwischenwerten JSvn und £Svi2 bei entsprechend ansteigenden Geschwindigkeiten Vn und bis zu einem Geschwindigkeitswert V2, bei welchem die Funktion wieder in eine Gerade parallel zur Abszisse, d.h. der v-Achse, bei einer ent-
• sprechenden Lenkradwinkelgeschwindigkeit <5Sv2 übergeht, oberhalb welcher bei dieser Geschwindigkeit V2 ein Ausweichmanöver detektiert wird. Neben einem solchen abschnittsweise pa- rabelförmig abfallenden Schwellwertverlauf ist grundsätzlich auch ein linear abfallender Verlauf des Schwellwertes zwischen der Geschwindigkeit V1 und der Geschwindigkeit V2 möglich.
In Fig. 2b ist ein bevorzugter Verlauf des Schwellwertes δs über der Fahrzeuggeschwindigkeit v dargestellt. Die Ordinate
(Hochachse) δ beschreibt hier den einen Halbachsenwert und
somit den- Durchmesser der Ellipse in £ -Richtung. Der-
Schwellwert δs (v) verläuft dabei zunächst horizontal parallel zur v-Achse, da bei niedrigen Geschwindigkeiten dennoch
ab einem bestimmten Lenkwinkel £svi eine Parameteranpassung zu erfolgen hat. Danach fällt die Grenzwertkurve vorzugsweise
parabeiförmig ab mit den ebenfalls in Fig. 1 dargestellten
Zwischenwerten £Svii und £svi2 bei entsprechend ansteigenden Geschwindigkeiten Vn und bis zu einem Geschwindigkeitswert V2, bei welchem die Funktion wieder in eine Gerade parallel zur Abszisse, d.h. der v-Achse, bei einem entsprechenden
Lenkradwinkel δSV2 übergeht, oberhalb welcher bei dieser Geschwindigkeit V2 ein Ausweichmanöver detektiert wird. Neben einem solchen abschnittsweise parabelförmig abfallenden Schwellwertverlauf ist grundsätzlich auch ein linear abfallender Verlauf des Schwellwertes zwischen der Geschwindigkeit Vi und der Geschwindigkeit V2 möglich.
In Fig. 3 ist in schematischer Form eine Kombination der Figuren 1 und 2 dargestellt. Es ist eine Ellipsenschar δSvi, δsvn, δSVi2 und δSv2 dargestellt, welche parallel zur δ-dδ/dt- Ebene liegen und in ihrer Ordinatenerstreckung (in dδ/dt-
Richtung) durch die einhüllende δsiv) in einem gemeinsamen kartesischen Koordinatensystem dargestellt ist .
Die Ermittlung des Lenkradwinkels bzw. eines dem Lenkradwinkel entsprechenden Winkels, wie beispielsweise des Radwinkels eines lenkbaren Rades einer lenkbaren Achse des Fahrzeuges, erfolgt vorzugsweise über einen Winkelmesser, welcher im Falle einer Lenkradwinkelmesseinrichtung, wenn wie standardgemäß zwischen linkem und rechtem Anschlag etwa drei Lenkradumdrehungen liegen, eine Auflösung zwischen 1 und 5 Grad vorzugsweise zwischen zwei und drei Grad vorgesehen ist. Möglich ist dies beispielsweise mittels eines optischen oder elektromagnetischen Winkelmessers. Zur Erfassung der Lenkradwinkelgeschwindigkeit erfolgt vorzugsweise eine Ableitung des Lenkradwinkelwertes nach der Zeit durch die Bildung eines Diffe-
renzenquotienten zweier benachbarter Lenkradwinkelabtastwerte geteilt durch die Abtastzeit, also:
κ At
Zur Erzielung geeigneter Lenkradwinkelgeschwindigkeitswerte hat sich als sinnvoller die Differenz zweier durch einen Zwischenwert beabstandeter Abtastwerte des Lenkradwinkels geteilt durch die doppelte Abtastzeit herausgestellt:
Diese diskreten Lenkradwinkelgeschwindigkeitswerte, welche aus der Bildung dieser Differenzenquotienten herrühren, werden daraufhin vorzugsweise mit einer Filtereinrichtung, insbesondere einem Filter mit einem PTl- bzw. VZl-Verhalten geglättet, um einen homogeneren Verlauf der ermittelten Lenk-
radwinkelgeschwindigkeit δ zu erhalten. Neben dieser Berech-
nungsmethode, die Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ zu ermitteln, besteht bei einem elektromagnetischen Lenkradwinkelmesser die Möglichkeit anhand der Amplitude einer induzierten
Spannung die Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ direkt zu messen.
In Fig. 4 ist ein schematisches Blockschaltbild zur Erläuterung einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens dargestellt. Der von einem Lenkradwinkelsensor er- fasste Lenkradwinkel δ wird dabei einer Bewertungseinrichtung
10 zugeführt. Außerdem wird aus dem Lenkradwinkel δ durch Differenzierung und Glättung in einem Filter mit PTl- Charakteristik in einer Lenkradwinkelgeschwindigkeitermitt-
lungseinrichtung 11 die Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ ge-
wonnen. Die Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ wird daraufhin ebenfalls der Bewertungseinrichtung 10 zugeführt. Die über eine Geschwindigkeitserfassungseinrichtung ermittelte Fahrzeuggeschwindigkeit v wird nun dazu eingesetzt, um die Hüll- kurven, das heißt die Begrenzungen der Halbachsenwerte der
Ellipse δs (v) und des Lenkradwinkelgeschwindigkeitsschwell-
wertes £s(v) zu bestimmen. Diese beiden Werte werden ebenfalls der Bewertungseinrichtung 10 zugeführt. In der Bewertungseinrichtung 10 erfolgt nun eine Aufbereitung und Zusammenführung der Daten, so dass die Identifikation eines manuellen Ausweichmanövers durch den Fahrer ermittelt wird, wenn
die Lenkradwinkelgesσhwindigkeit δ und/oder der Lenkradwinkel δ und/oder deren Kombination bei einer gegebenen Fahrzeuggeschwindigkeit v außerhalb der Ellipse liegen. Ist das der Fall, so erfolgt eine Änderung der Eingriffsparameter des Assistenzsystems des Fahrzeuges, um eine automatisierte Bremsung zu vermeiden, da ein manuelles Ausweichmanöver des Fahrers des Fahrzeuges ermittelt wurde.
Die Auswertung des Lenkradwinkels, der Lenkradwinkelgeschwindigkeit, gegebenenfalls auch eine Schätzung eines dementspre- chenden Radwinkels oder ähnlichem, sowie der Fahrgeschwindigkeit, zum Beispiel durch die Analyse einzelner Raddrehzahlen, ermöglicht unter einer vorzugsweise gegebenen Erfassung der Querbeschleunigung bzw. der Giergeschwindigkeit des Fahrzeuges sowie eines Abstandes zum vorausfahrenden Fahrzeug gegebenenfalls auch unter Benutzung eines mathematischen Fahrzeugmodells die Generierung eines detaillierten Bildes einer aktuellen Verkehrssituation. Außerdem ist in einem solchen Assistenzsystem zusätzlich die Verwendung elektronisch ge-
speicherter Straßenkarten in Verbindung mit einem Navigationssystem möglich.
Durch eine gleichzeitige Bewertung von Lenkradwinkel δ und
•
Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ oder eines verwandten Maßes wie dem entsprechenden Radwinkel eines lenkbaren Rades können Ausweichmanöver, welche manuell vom Fahrer eingeleitet werden, vom Assistenzsystem identifiziert werden. Der Einsatz einer Fahrgeschwindigkeit abhängigen Ellipse als Grenzkurve bzw. Schwellwert in der durch Lenkradwinkelgeschwindigkeit und Lenkradwinkel aufgespannten Ebene ist deshalb vorteilhaft, weil der aktuelle Lenkradwinkel und die aktuelle Lenkradwinkelgeschwindigkeit gleichzeitig herangezogen werden. Liegt die aktuelle Lenkradwinkelgeschwindigkeit und der aktuelle Lenkradwinkel in der oben genannten Ebene außerhalb der beschriebenen Ellipse, so wird dies als manuelles Ausweichmanöver erkannt. Eine solche Ellipse bzw. eine dazu ähnliche Kurve birgt den Vorteil, dass in einem Kriterium sowohl ein ausreichend großer Lenkeinschlag als auch eine ausreichend große Lenkradwinkelgeschwindigkeit als auch eine Kombination beider Maße im Vergleich zu einem rechteckförmigen Verlauf der Grenzkurve realistischer bewertet. Dies resultiert daraus, da zu höheren Fahrgeschwindigkeiten hin der gestellte Lenkradwinkel bzw. die Lenkradwinkelgeschwindigkeit typischerweise abnimmt. Deshalb wird die begrenzte Ellipse zu höheren Fahrgeschwindigkeiten hin kleiner.
Eine Beschränkung der Assistenzfunktion bei Kurvenfahrten und/oder zur Berücksichtigung von Sensorbeschränkungen (Sensorerfassungswinkel / Sichtbereich) kann die Begrenzung in Abhängigkeit des Lenkradwinkels und dessen Verlaufs gestalten, da der zu einer Fahrzeuggeschwindigkeit jeweils maximal erlaubte Lenkwinkel in stationärem Zustand nur eine gewisse Querbeschleunigung erlaubt, ohne dass das Assistenzsystem ein
Ausweichen, das heißt, das Überschreiten einer Begrenzung erkennt, welches zum Abschalten der Assistenzfunktion führt bzw. das Eingreifen einer solchen Assistenzfunktion gar nicht zulässt.
Zur Ergänzung der vom Assistenzsystem herangezogenen Größen steht zusätzlich die Möglichkeit der Verwendung ebenfalls zur Heranziehung als begrenzendes Kriterium für die Querbeschleunigung, die Giergeschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann, die Differenzgeschwindigkeit zum Vordermann, der Beschleunigung des eigenen und des Vorderfahrzeuges und daraus abgeleitete Größen bzw. Kombinationen davon.
Obwohl die vorliegende Erfindung vorstehend anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige Art und Weise modifizierbar.
So sind neben der Ellipsenform als Grenzkurve weitere Funktionen ähnlicher Gestalt einsetzbar. Der Funktionsverlauf der
Hüllkurve der Lenkradwinkelgeschwindigkeit δ± über der Fahrzeuggeschwindigkeit v kann auch beliebige monoton fallende Funktionen annehmen.