Verfahren zum Herstellen von Endlosformkorpern und Spinnkopf
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von Endlosformkorpern aus einer Spinnlösung enthaltend Wasser, Cellulose und tertiäres Aminoxid, bei dem zunächst die Spinnlösung zu Endlosformkorpern extrudiert wird, dann die Endlosformkörper in einer Spinnzone durch einen Luftspalt geleitet, dabei verstreckt und anschließend durch ein Fällbad geleitet werden.
Die Erfindung betrifft außerdem einen Spinnkopf zum Spinnen von Endlosformkorpern aus einer durch den Spinnkopf strömenden Spinnlösung enthaltend Wasser, Cellulose und tertiäres Aminoxid, mit Extrusionsoffnungen, die in Extrusionsrichtung an eine Spinnzone grenzen.
Die Grundlagen der Herstellung von Endlosformkorpern, wie Lyocellfäden oder -fasern, aus einer Spinnlösung enthaltend Cellulose, Wasser und tertiäres Aminoxid, vorzugsweise N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMNO), sind in der US 4,246,221 beschrieben. Demnach findet die Herstellung von Endlosformkorpern im Wesentlichen in drei Schritten statt: Zunächst wird die Spinnlösung durch eine Vielzahl von Extrusionsoffnungen zu Endlosformkorpern extrudiert. Dann werden die Endlosformkörper in einem Luftspalt verstreckt, wodurch die gewünschte Faserstärke eingestellt wird, und anschließend durch ein Fällbad geleitet, wo sie koagulieren.
Der Vorteil von Lyocellfäden oder -fasern liegt einerseits in dem besonders umweltfreundlichen Herstellverfahren, das eine nahezu vollständige Rückgewinnung des Amin- oxids ermöglicht, andererseits an den hervorragenden textilen Eigenschaften der Lyo- cellfasem.
Problematisch ist bei dem Verfahren allerdings, dass die frisch extrudierten Endlosformkörper eine starke Oberflächenklebrigkeit aufweisen, die sich erst bei Kontakt mit einem Fällungsmittel verringert. Bei der Durchleitung der Endlosformkörper durch den Luftspalt besteht aufgrund der Oberflächenklebrigkeit die Gefahr, dass die Endlosformkörper sich gegenseitig berühren, aneinander haften bleiben und verklumpen. Die Gefahr von Verklebungen kann zwar durch Anpassung der Betriebs- und Verfahrensparameter wie Zugspannung im Luftspalt, Luftspalthöhe, Fadendichte, Viskosität, Temperatur und
Spinngeschwindigkeit reduziert werden. Treten solche Verklebungen jedoch auf, beein- flusst das den Herstellprozess und die Faserqualität negativ, da Verklebungen zu Abrissen und zu Dickstellen in den Endlosformkorpern führen können. Im ungünstigsten Fall muss das Herstellverfahren unterbrochen und der Spinnprozess erneut angefangen werden, was hohe Kosten verursacht.
Heutzutage wird von den Herstellern von Endlosformkorpern, wie beispielsweise den Garnherstellern als Teil der textilen Weiterverarbeitungskette, Verklebungsfreiheit gefordert, d.h. die einzelnen Filamentstapel dürfen nicht zusammengeklebt sein, da es sonst zu Unregelmäßigkeiten bei beispielsweise der Garndicke kommt.
Die Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung von Lyocellfasern, hauptsächlich Stapelfasern und Filamente, lässt sich verbessern, wenn der Abstand zwischen den Extrusionsoffnungen verringert wird. Ein geringerer Abstand erhöht jedoch die Gefahr von Verklebungen im Luftspalt aufgrund von zufälliger Berührung der Endlosformkörper.
Zur Verbesserung der mechanischen sowie textilen Eigenschaften von Lyocellfasern ist es wiederum von Vorteil, wenn der Luftspalt so groß wie möglich ist, da sich bei einem großen Luftspalt die Verstreckung der Fäden über eine größere Lauflänge verteilt und Spannungen in den Endlosformkorpern nach deren Extrusion leichter abgebaut werden können. Je größer jedoch der Luftspalt ist, um so geringer wird auch hier die Spinnsicherheit bzw. um so größer wird die Gefahr, dass die Endlosformkörper sich berühren, verkleben und dass das Herstellverfahren aufgrund von Spinnfadenverklebungen unterbrochen werden muss.
Ausgehend von den in der US 4,246,221 beschriebenen Grundlagen gibt es im Stand der Technik einige Lösungen, mit denen versucht wird, sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die Spinnsicherheit bei der Herstellung von Endlosformkorpern aus einer Spinnlösung enthaltend Cellulose und tertiären Aminoxid zu verbessern.
So ist in der US 4,261 ,941 und in der US 4,416,698 ein Verfahren beschrieben, bei dem die Endlosform körper unmittelbar nach der Extrusion mit einem Nichtlösungsmittel in Kontakt gebracht werden, um die Oberflächenklebrigkeit herabzusetzen. Anschließend werden die Endlosformkörper durch ein Fällbad geleitet. Die zusätzliche Benetzung der
Endlosformkörper durch das Nichtlösungsmittel vor der Durchleitung durch das Fällbad verringert zwar die Gefahr von Verklebungen, ist für den kommerziellen Einsatz jedoch zu aufwändig und zu teuer.
Ein weiterer Weg zur Erhöhung der Spinndichte, d.h. der Anzahl von Extrusionsoffnungen pro Flächeneinheit, wird in der WO 93/19230 beschrieben: Demgemäß sollten die Endlosformkörper unmittelbar nach der Extrusion durch horizontales Anblasen quer zur Extrusionsrichtung mit einem Kühlgasstrom gekühlt werden. Durch diese Maßnahme soll die Oberflächenklebrigkeit der Endlosformkörper verringert und der Luftspalt verlängert werden. Für den in der WO-A-9319230 geschilderten Effekt ist es wesentlich, dass die Endlosformkörper dem Gasstrom unmittelbar nach der Extrusion ausgesetzt und durch den Gasstrom an dieser Stelle gekühlt werden.
Eine Weiterentwicklung der WO 93/19230 ist in der WO 95/01470 beschrieben. Um eine gleichmäßige Beblasung der Endlosformkörper unmittelbar nach dem Austritt aus den Extrusionsoffnungen zu ermöglichen, wird bei der Vorrichtung der WO 95/01470 eine Ringdüse verwendet, bei der die Extrusionsoffnungen auf einer im Wesentlichen kreisringförmigen Fläche verteilt sind. Die Beblasung mit einem Kühlluftstrom findet dabei durch die Mitte der Ringdüse und den Kreisring der Endlosformkörper hindurch in radialer Richtung horizontal nach außen statt. Die Luftströmung wird dabei an ihrem Austritt aus der Beblasungseinrichtung laminar gehalten. Die WO 95/04173 betrifft eine konstruktive Weiterbildung der Ringdüse und der Beblasungseinrichtung, die im Wesentlichen auf der Vorrichtung der WO 95/01470 beruht.
Als eine Alternative zu den Ringdüsenanordnungen sind auch segmentierte Rechteckdüsenanordnungen entwickelt worden, d.h. Düsen, bei denen die Extrusionsoffnungen auf einer im Wesentlichen rechteckigen Grundfläche im Wesentlichen reihenförmig angeordnet sind. Eine solche segmentierte Rechteckdüsenanordnung ist in der WO 94/28218 gezeigt. Bei dieser Vorrichtung findet eine Beblasung mit einem Kühlluftstrom parallel zum Flüssigkeitsspiegel des Fällbades statt, wobei sich der Kühlluftstrom entlang der längeren Seite der Rechteckdüsenanordnung erstreckt. Nach der Passage durch die Endlosformkörper wird bei der Vorrichtung der WO 94/28218 der Kühlluftstrom wieder abgesaugt. Die Absaugung ist notwendig, damit der Luftstrom durch den gesamten Querschnitt des Luftspalts geleitet werden kann.
In der WO 98/18983 ist das Konzept der Rechteckdüsen mit in Reihen angeordneten Extrusionsoffnungen weiter entwickelt. Dabei stellt die WO 98/18983 darauf ab, dass die Extrusionsoffnungen in einer Reihe anders beabstandet sind als die Reihen der Extrusionsoffnungen untereinander.
Problematisch ist bei allen oben genannten Verfahren und Vorrichtungen, dass die er- sponnenen Fäden keine gleichmäßige Spinnqualität aufweisen und die Wirtschaftlichkeit des Lyocell-Verfahrens weiter verbesserungsbedürftig ist.
In Anbetracht dieser Problematik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, durch die sich bei geringem konstruktiven Aufwand große Luftspaltlängen mit hoher Spinndichte bei gleichzeitig hoher Spinnsicherheit und Spinnqualität kombinieren lassen.
Diese Aufgabe wird für das eingangs genannte Verfahren erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass wenigstens ein von außerhalb der Spinnzone in den unmittelbar an die Extrusionsoffnungen angrenzenden Austrittsbereich strömender Gasstrom blockiert wird.
Für den eingangs genannten Spinnkopf wird diese Aufgabe erfindungsgemaß dadurch gelöst, dass der Spinnkopf wenigstens ein Abschirmmittel umfasst, durch das ein von außerhalb der Spinnzone in den unmittelbar an die Extrusionsoffnungen angrenzenden Austrittsbereich strömender Gasstrom blockiert ist.
Diese Lösungen führen überraschenderweise zu einer hohen Spinndichte und einem langen Luftspalt bei gleichzeitig hoher Spinnsicherheit und Spinnqualität. Erfindungsgemäß wird verhindert, dass die Endlosformkörper unmittelbar nach der Extrusion einem Gasstrom ausgesetzt werden.
Ein Grund für die überraschende Wirkung der erfindungsgemäßen Lösung könnte darin liegen, dass sich die Endlosformkörper in dem Austrittsbereich unmittelbar nach der Extrusion aufweiten. Die Aufweitung der Endlosformkörper, die als Barus-Effekt bezeichnet wird, entsteht durch eine Relaxation der Endlosformkörper nach dem Extrudieren. Im Aufweitungsbereich weisen die Kettenmoleküle in den Endlosformkorpern keine
Orientierung auf und sind weitgehend anisotrop. Wenn, wie bei der WO-A-93 19280, in diesem empfindlichen Bereich die Endlosformkörper einem Gasstrom ausgesetzt und gekühlt werden, wird dieser anisotrope Orientierungszustand eingefroren und die textil- physikalischen Eigenschaften der ersponnenen Fäden verschlechtert sich. Durch das erfindungsgemäße Verfahren und den erfindungsgemäßen Spinnkopf werden solche Strömungen blockiert, die Endlosformkörper werden erst dem Gasstrom ausgesetzt, wenn sich die Moleküle in den Endlosformkorpern ausgerichtet haben. Eine Kühlung davor wird durch das Abschirmmittel verhindert.
Eine Ursache für Strömungen, die von außen in den Austrittsbereich hinein verlaufen, liegt im herkömmlichen Spinnprozess selbst: Die Spinngeschwindigkeit beim industriell angewendeten Lyocellverfahren ist so hoch, dass die den Austrittsbereich der Endlosformkörper umgebende Luft durch die schnell vorbeigeleiteten Endlosformkörper verwirbelt und mitgerissen wird. Auf diese Weise entsteht auch eine Strömung in den Austrittsbereich hinein. Diese Strömung wird dadurch verstärkt, dass beim Austritt der über 100°C heißen Endlosformkörper aus dem Spinnkopf große Mengen von Wasser verdampfen. Der aus den Endlosformkorpern austretende Wasserdampf strömt mit der Extrusionsgeschwindigkeit in Extrusionsrichtung , wird verwirbelt und reißt zusätzlich Luft mit den Endlosformkorpern mit. Auf diese Weise bilden sich Strömungen, die in den Austrittsbereich der Endlosformkörper hinein verlaufen können. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren und dem erfindungsgemäßen Spinnkopf wird diese Ausgleichsströmung im Bereich unmittelbar nach dem Austritt der Endlosformkörper aus dem Spinnkopf blockiert.
In der WO 93/19230 wird der Gasstrom aktiv erzeugt und auf die Endlosformkörper gerichtet, so dass sie unmittelbar nach dem Extrudieren gekühlt werden. Um auch die Spinnqualität von Endlosformkorpern, die, wie bei der WO 93/19230, im Luftspalt einer durch eine Beblasungseinrichtung erzeugten Strömung ausgesetzt sind, zu verbessern, kann in einer besonders vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens der Gasstrom einer Beblasungseinrichtung blockiert werden bzw. das Abschirmmittel im Bereich des Gasstroms aus der Beblasungseinrichtung angeordnet sein. Durch die vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden direkt von der Beblasungseinrichtung verursachte Strömungen, wie z.B. der Kühlgasstrom der WO
93/19230, im Bereich unmittelbar nach der Extrusion, im Bereich des Barus-Effekts, blockiert.
Um diesen Vorteil auch für einen erfindungsgemäßen Spinnkopf, der eine Beblasungseinrichtung umfasst, durch den Betrieb einer auf die Endlosform körper gerichtete Strömung erzeugt wird, zu erzielen, kann im Abschirmbereich in einer vorteilhaften Ausgestaltung wenigstens eine durch die Beblasungseinrichtung verursachte Strömung blockiert sein. Dies kann am einfachsten dadurch erreicht werden, dass das Abschirmmittel wenigstens zwischen einer Strömungsöffnung der Beblasungseinrichtung und der Spinnzone angeordnet ist. Ferner kann das Abschirmmittel im Gasstrom aus der Beblasungseinrichtung angeordnet sein.
In einer vorteilhaften Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann die von außerhalb der Spinnzone in den Austrittsbereich verlaufende Strömung in zumindest dem Aufweitungsbereich der Endlosformkörper, in dem sich die Endlosformkörper in Extrusionsrichtung nach dem Extrudieren aufgrund des Barus-Effekts aufweiten, blockiert werden. Dies hat den Vorteil, dass der für den Extrusionsprozess der Endlosformkörper besonders empfindliche Aufweitungsbereich komplett vor dem Gasstrom geschützt wird und sich dadurch die Spinnqualität der Endlosformkörper gegenüber den bekannten Verfahren weiter verbessert. Um bei dem erfindungsgemäßen Spinnkopf einen Strömungsschutz im Aufweitungsbereich zu gewährleisten, kann der Abschirmbereich in einer vorteilhaften Ausgestaltung den Aufweitungsbereich der Endlosformkörper mit umfassen.
Weiterhin kann das wenigstens eine Abschirmmittel an der dem Luftspalt zugewandten Seite des Spinnkopfes angeordnet sein und sich in Extrusionsrichtung weg vom Spinnkopf erstrecken. Hierdurch kann das Abschirmmittel in geringem Abstand zu den Endlosformkorpern angeordnet werden ohne die Gefahr, dass die Endlosformkörper im Betrieb das Abschirmmittel berühren und dadurch der Spinnprozess negativ beeinflusst wird. Dabei kann das Abschirmmittel wiederholt lösbar mit Befestigungsmitteln, wie z.B. Schrauben, an dem Spinnkopf angebracht sein. Vorzugsweise ist die Position des Abschirmmittels gegenüber der Spinnzone einstellbar, um eine Anpassung an verschiedene Spinnbedingungen zu ermöglichen. Hierzu können Einstellmittel wie Langlöcher für Schrauben und/oder Führungen, die ein Verschieben des Abschirmmittels gegenüber
den Extrusionsoffnungen ermöglichen, vorgesehen sein. Alternativ kann es aber auch stoffschlüssig durch Schweißen, Löten oder Kleben am Spinnkopf befestigt sein.
Eine überraschend wirksame Blockade des Gasstroms bei einfachem konstruktivem Aufbau lässt sich erreichen, wenn das wenigstens eine Abschirmmittel in Form eines den Austrittsbereich wenigstens teilweise umgrenzenden Zaunes, Strömungsleitbleches oder Spoilers ausgestaltet ist. Das Abschirmmittel kann hierbei z.B. als eine flache Materialbahn, beispielsweise als Kunststoff- oder Metallblechstreifen oder als rakelartige Kunststoff platte ausgebildet sein. Die Ausgestaltung des Abschirmmittels kann so ausgeführt sein, dass das Abschirmmittel nicht parallel zu den Spinnfäden geführt wird, sondern nach außen oder nach innen gerichtet sein können. Der Winkel kann im Bereich - 30° bzw. + 30° betragen. Das Abschirmmittel kann auch entsprechend „bauchig" ausgeführt sein. Das Abschirmmittel kann auch auf der Außenseite mit einer Begleitheizung versehen sein. Zweckmäßigerweise kann die Beheizung als aufgelötete Elektroheizung ausgeführt sein.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung kann sich das Abschirmmittel vom Spinnkopf in Extrusionsrichtung wenigstens bis zum Aufweitbereich der Endlosform körper erstrecken. Die Höhe des Abschirmmittels kann beispielsweise zwischen 10 mm und 20 mm, vorzugsweise 15 mm, sein. Dies hat den Vorteil, dass das Abschirmmittel den empfindlichen Bereich der Endlosform körper unmittelbar nach dem Extrudieren schützt. Im Anschluss an diesen Bereich bleibt eine Kühlung durch den Gasstrom weiter möglich. Insbesondere kann die Höhe des Abschirmmittels so bemessen sein, dass sich der Aufweitbereich der Endlosform körper bezüglich des Gasstroms im Windschatten des Abschirmbereichs befindet.
Neben dem beschriebenen Verfahren und dem beschriebenen Spinnkopf umfasst die vorliegende Erfindung auch eine Spinnanlage bzw. Lyocell-Anlage zum Herstellen von Endlosformkorpern aus einer Spinnlösung, mit einer Mischeinrichtung, in der im Betrieb Wasser, Cellulose und tertiäres Aminoxid zur Spinnlösung vermischt werden, mit einem Spinnkopf, einem Luftspalt und einem Fällbad. Um eine große Luftspaltlänge mit hoher Spinndichte bei gleichzeitiger hoher Spinnsicherheit zu gewährleisten, ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass der Spinnkopf nach einer der oben beschriebenen Ausführungsformen ausgestaltet ist.
Im Folgenden werden Ausführungsformen der Erfindung mit Bezug auf die Zeichnungen beispielhaft beschrieben. Dabei können die Merkmale, wie sie gemäß den obigen einzelnen vorteilhaften Ausgestaltungen der Erfindung zuzurechnen sind, beliebig miteinander kombiniert und auch weggelassen werden.
Es zeigen:
Fig. 1 eine Ausführungsform einer erfmdungsgemäßen Spinnanlage zum Herstellen von Endlosformkorpern gemäß dem Lyocell-Verfahren in einer schematischen Darstellung, wobei durch die Ausführungsform das erfindungsgemäße Verfahren ausführbar ist;
Fig. 2 eine schematische Darstellung einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Spinnkopfes;
Fig. 3 eine schematische Darstellung eines Endlosformkörpers unmittelbar nach dem Extrudieren;
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer weiteren Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Spinnkopfes.
Fig. 1 zeigt eine Spinnanlage 1 zur Herstellung von Endlosformkorpern 2, beispielsweise Spinnfäden, aus einer spinnbaren Celluloselösung enthaltend Wasser, Cellulose und tertiäres Aminoxid.
Zunächst wird Cellulose in Form von Blättern bzw. Platten 3 und/oder Rollen 4 einem Pulper 5 batchweise zugeführt. Im Pulper 5 wird die Cellulose 3, 4 mit Wasser, symbolisch dargestellt durch den Pfeil 6, aufgeschlagen und eine Cellulosesuspension, vorzugsweise noch ohne Lösungsmittel bzw. Aminoxid, gebildet. Zur Homogenisierung und Stabilisierung der Cellulosesuspension können Enzyme zugesetzt werden.
Die Menge des zugeschlagenen Wassers 6 wird in Abhängigkeit vom Wassergehalt der Cellulose bestimmt. Typischerweise beträgt der Wassergehalt der eingesetzten Cellulose zwischen 5 und 15 Masseprozent. Diese Schwankungsbreite wird durch entspre-
chende Änderung der Zugabe von Wasser ausgeglichen, so dass der Wassergehalt der Cellulosesuspension bzw. das Flottenverhältnis Feststoff/Flüssigkeit in etwa konstant bleibt bzw. einen frei gewählten Wert erreicht.
Aus dem Pulper 5 wird die Cellulosesuspension durch eine Dickstoffpumpe 7 über ein Leitungssystem 8 zu einer Presseinrichtung 9 geleitet, wobei die Cellulosesuspension aus Wasser und Cellulose bevorzugt in einem Temperaturbereich von 60 bis 100°C gehalten wird.
In der Presseinrichtung 9 wird die vom Pulper 5 erzeugte Cellulosesuspension beispielsweise durch rotierende Walzen 10 abgepresst. Das abgepresste Wasser bzw. Presswasser 11 wird durch ein Auffangorgan 11' aufgefangen und durch ein Fördermittel 12, durch eine optionale Filtereinrichtung 13 und durch eine Mischeinrichtung 14 zumindest zum Teil als Wasser 6 wieder dem Pulper 5 zurückgeführt. Die Presseinrichtung 9 kann auch mit einer Absaugeinrichtung (nicht gezeigt) versehen sein, mit der überschüssiges Wasser aus der Cellulosesuspension abgesaugt wird. Das abgesaugte Wasser wird bei dieser Ausgestaltung wie das Presswasser zumindest zum Teil wieder dem Pulper 5 zurückgeführt.
Der Filter 13 kann einen oder mehrere Oberflächenfilter, Tiefenfilter, Membranfilter, Plattenfilter, Spaltfilter, Separatoren, Zentrifugen, Hydrozyklone, Bandfilter und Vakuumbandfilter, Kerzenfilter, Filterpressen, Rotationsfilter, Rückspülfilter und Mehrschichtfilter umfassen. Außerdem kann im Filter 13 das Presswasser 11 osmotisch behandelt werden; alternativ oder zusätzlich können Metallionen sowie Teilchen aus dem Presswasser 11 herausgefiltert werden bzw. metallbindende Zusätze dem Presswasser 11 zugeführt werden.
Über die Mischeinrichtung 14 werden die jeweiligen Anteile des rückgeführten Behandlungsmediums 11 und des frisch zugeführten Behandlungsmediums 15, beispielsweise Frischwasser, in dem dem Pulper 5 zugeführten Wasser 6 eingestellt. Außerdem wird durch die Mischeinrichtung 14 der Anteil des Behandlungsmediums 11 eingestellt, der durch eine Abwasserleitung 16 aus der Anlage 1 geleitet bzw. ausgeschleust wird.
Die Mischeinrichtung 14 kann beispielsweise ein Mehrwegventil oder mehrere Ventile umfassen. Die Mischeinrichtung 14 wird durch eine Steuereinrichtung 17 gesteuert, so dass auf ein Ausgangssignal der Steuereinrichtung über wenigstens eine Steuerleitung 18 die Anteile des Presswassers 1 1 und des Frischwassers 15 in dem dem Pulper 5 zugeführten Wasser 6 auf variabel vorgebbare Werte eingestellt werden können. Nach dem Abpressen wird die Cellulosesuspension weiter durch das Leitungssystem 8 in ein Rühr- oder Fördermittel 19 transportiert, in dem über ein Rühr- oder Förderwerkzeug 20, wie Schnecken, Paddel oder Schaufeln, eine auf die Cellulosesuspension wirkende Scherspannung erzeugt wird. Für das Rühr- und Fördermittel 19 können keine Ringschichtmischer eingesetzt werden, wie sie beispielsweise von der Fa. DRAIS Misch- und Reaktionssysteme stammen und unter der Bezeichnung CoriMix® vertrieben werden. Die Ringschichtmischer dienen nämlich lediglich der Befeuchtung bzw. Imprägnierung von trockenen cellulosischen Materialien, die im hier beschriebenen Prozess nicht eingesetzt werden.
Im Bereich der Scherspannungen des Rühr- und Fördermittels 19, in der sogenannten Scherzone, wird über eine Leitung 21 ein Behandlungsmedium wie tertiäres Aminoxid, insbesondere N-Methylmorpholin-N-oxid, in wässriger Form der Cellulosesuspension mit einem Molverhältnis NMMNO/H2O zwischen 1 :1 und 1 :2,5 als Lösungsmittel für die Cellulose zugeführt. Außerdem können in der Scherzone Zusatzstoffe wie Stabilisatoren und Enzyme, organische Additive, Mattierungsstoffe, Alkalien, feste oder flüssige Erdalkalien, Zeolithe, feinpulverisierte Metalle wie z.B. Zink, Silber, Gold, Platin zur Herstellung von antimikrobiellen und/oder elektro- bzw. wärmeleitfähigen Fasern während und nach dem Spinnprozess, und/oder Farbstoffe der Cellulosesuspension beigemengt werden. Die Konzentration der Zusatzstoffe kann im Bereich von 100 bis 100.000 ppm bezogen auf das Faserprodukt gesteuert werden.
Die Konzentration des zugeführten NMMNO hängt von der Wasserhaltigkeit der sich gerade in der Cellulosesuspension befindlichen Cellulose 3, 4 ab. Das Rühr- oder Fördermittel 19 wirkt als ein Mischer, in dem das tertiäre Aminoxid mit der Cellulosesuspension vermischt und die Celluloselösung hergestellt wird. Anschließend wird die mit NMMNO versetzte Celluloselösung über das Leitungssystem 8 zu einem zweiten Rührbzw. Fördermittel 22 gefördert. Im Rühr- bzw. Fördermittel 22 kann eine Verdampfungsstufe umfasst sein. Ab dem Rühr- bzw. Fördermittel 22 kann das Leitungssystem be-
heizt sein. Das beheizte Leitungssystem ist in Fig. 1 im Gegensatz zu dem unbeheizten Leitungssystem 8 mit dem Bezugszeichen 8' versehen. Insbesondere kann ein Leitungssystem verwendet werden, wie es in der WO 01/88232 A1 , der WO 01/88419 A1 und der WO 03/69200 A1 beschrieben ist.
Die Steuereinrichtung 17 vergleicht den von den Sensoren 23, 23' gemessenen Metallgehalt mit vorbestimmten Grenzwerten und gibt in Abhängigkeit von diesem Metallgehalt ein Signal an die Mischeinrichtung 14 aus. Durch das Steuerungssignal an die Mischeinrichtung 14 wird in Abhängigkeit vom Metallgehalt der Celluloselösung die Zusammensetzung des an den Pulper 5 geführten Wassers 6 eingestellt und der gelöste Metallgehalt bzw. der Gehalt an einzelnen gelösten Metallionen in der mit tertiärem Aminoxid versetzten Celluloselösung auf einen vorbestimmten Wert geregelt. Da sich die Konzentration an Reaktionen in der Celluloselösung nach der Verdampfungsstufe erhöht, ist bevorzugt ein Sensor vorgesehen, der den gelösten Metallgehalt der Celluloselösung nach Zugabe aller Bestandteile und nach sämtlichen Verdampfungsstufen überwacht.
Ist beispielsweise der gelöste Metallgehalt der Celluloselösung, wie er durch die Sensoren 23, 23' oder auf nasschemischem Wege erfasst wird, zu hoch, so wird der Anteil von Frischwasser in dem dem Pulper 5 zugeführten Wasser 6 erhöht. Der gelöste Metallgehalt wird dabei durch die Steuereinrichtung 17 so eingestellt, dass er unterhalb von 20 mg/kg, bevorzugt unter 10 mg/kg und am meisten bevorzugt unterhalb von 5 mg/kg bleibt. Der gelöste Metallgehalt kann auch vor der Bildung der Celluloselösung, also noch in der Cellulosesuspension, festgestellt werden, wobei diese Messung angemessener ist als die Messung des Metallgehalts direkt in der Celluloselösung.
Die Steuereinrichtung 17 berücksichtigt bei der Steuerung der Zusammensetzung des Wassers 6 den im Vorab bestimmten gelöste Metallgehalt der dem Pulper 5 zugeführten Cellulose 3, 4. Hierzu kann über ein Eingabegerät 24 der anhand einzelner gelöste Metallionen oder des Gesamtmetallgehaltes analysierte gelöste Metallgehalt der gerade verwendeten Cellulose 3, 4 in die Steuereinrichtung 17 eingegeben werden. Diese Voreinstellung wird bei der Bestimmung der Anteile des Presswassers und des Frischwassers in dem dem Pulper 5 zugeführten Wasser berücksichtigt. Beispielsweise wird bei Cellulosen mit hohem Metallgehalt von Vornherein ein höherer Anteil von Frischwasser
15 dem Pulper 5 zugeführt oder es werden bestimmte metallbindende Zusätze der Cellulosesuspension beigemischt.
Sinkt der gelöste Metallgehalt, wie er von den Sensoren 23, 23' in der mit tertiären A- minoxid versetzten Celluloselösung erfasst wird, unter einen vorbestimmten Grenzwert, der als ausreichend für die Sicherheit gegen exotherme Reaktionen betrachtet wird, beispielsweise 10 mg/kg, so wird der Anteil des Presswassers 11 in dem dem Pulper 5 zugeführten Wasser erhöht. Dadurch wird bei ausreichender Sicherheit gegen exotherme Reaktionen weniger Frischwasser verbraucht und weniger Presswasser an die Umwelt abgegeben.
Nach dem Rühr- bzw. Fördermittel 22 wird die nunmehr extrudierbare Celluloselösung zu einem Spinnkopf 25 geleitet, der mit einer Vielzahl von Extrusionsoffnungen (in Fig. 1 nicht gezeigt) versehen ist, die im Spinnkopf auf einer Rechteckfläche oder Kreisfläche angeordnet sind. Durch jede dieser Extrusionsoffnungen wird die hochviskose Celluloselösung zu jeweils einem Endlosformkörper 2 in einen Luftspalt 26 extrudiert. Eine Orientierung der Cellulosemoleküle findet durch eine Verstreckung der nach der Extrusion noch viskosen Celluloselösung statt. Hierzu wird die extrudierte Celluloselösung über ein Abzugswerk 27 mit einer Geschwindigkeit von den Extrusionsoffnungen weggezogen, die größer als die Extrusionsgeschwindigkeit ist.
Nach dem Luftspalt 26 durchqueren die Endlosform körper 2 ein Fällbad 28 enthaltend ein Nichtlösungsmittel wie Wasser, wodurch die Cellulose in den Endlosformkorpern 2 ausgefällt wird.
Der Spinnkopf 25 umfasst eine Beblasungseinrichtung 29, durch die im Betrieb ein auf die Endlosformkörper 2 gerichteter Gasstrom 30 erzeugt wird. Weiterhin umfasst der Spinnkopf 25 Abschirmmittel 31 , welche die Extrusionsoffnungen auf der dem Luftspalt 26 zugewandten Seite umgeben und in den Luftspalt 26 ragen. Der Bereich, den die Endlosformkörper 2 im Luftspalt 26 einnehmen, wird als Spinn- oder Fadenzone 32 bezeichnet. Das Abschirmmittel 31 ist als ein Zaun, Strömungsleitblech und/oder Spoiler ausgestaltet.
Durch die Abschirmmittel 31 des Spinnkopfes 25 wird der Gasstrom 30 blockiert. Im Windschatten der Abschirmmittel 31 bildet sich so ein Abschirmbereich 33, in dem Strömungen von außerhalb der Spinnzone 32 in den Austrittsbereich, d. h. den Bereich der Spinnzone 32, der unmittelbar and die Extrusionsoffnungen angrenzt, blockiert. Dies ist unten mit Bezug auf die Fig. 2 und 4 genauer erläutert.
Anschließend werden die Endlosformkörper 2 weiter behandelt, beispielsweise in einer Vorrichtung 34 gewaschen, aviviert, chemisch behandelt, um die Vernetzungseigenschaften zu beeinflussen, und/oder getrocknet sowie in einer Vorrichtung 35 weiter ab- gepresst.
Die Endlosformkörper 2 können optional einem zweiten Nachverstreckungsmittel 36 zugeführt werden, durch das die durchkoagulierten Endlosformkörper 2 nachverstreckt werden und eine höhere Festigkeit erhalten. Das zweite Nachverstreckungsmittel 36 kann auch unmittelbar im Anschluss an das Abzugwerk 27 vorgesehen sein, also zwischen der Vorrichtung 34 und dem Fällbad 28, so dass erst die nachverstreckten Endlosform körper weiteren Behandlungsschritten unterworfen werden.
Um gleichzeitig während der Nachverstreckung eine Wärmebehandlung durchführen zu können, kann das Nachverstreckungsmittel 36 im Eintrittsbereich der Endlosformkörper eine Heizvorrichtung 37 aufweisen, welche die Endlosform körper 2 auf eine vorbestimmte Temperatur bringt und gleichzeitig die Endlosformkörper 2 zumindest oberflächlich trocknet.
Im Nachverstreckungsmittel werden die Endlosformkörper über zwei Galetten 38, 39 geführt, die so angetrieben sind, dass das Endlosformkörper 2 zwischen ihnen mit einer vorbestimmten Nachverstreckungs-Zugspannung beaufschlagt ist. Die mit dieser Zugspannung beaufschlagte Endlosformkörper 2 werden auf einer vorbestimmten hohen Temperatur gehalten und können während der Nachverstreckung insbesondere durch ein heißes Inertgas, wie Luft, oder auch durch Dampf, beispielsweise Trockendampf, und mit Quellmitteln oder anderen Mitteln zur chemischen Faserbehandlung imprägniert werden, wie durch die Pfeile 40 angedeutet ist. Um die Trocknungswirkung zu unterstützen, können die Galetten 38, 39 auch beheizt sein.
Die Endlosformkörper weisen aufgrund der Nachverstreckung eine gegenüber herkömmlichen Fasern verringerte Kräuselung auf, so dass sie durch eine Stuffer Box 41 gecrimpt werden. Anschließend können die Endlosform körper 2 durch eine Schneidvorrichtung 42 geschnitten werden. Falls eine Endlosfaser erzeugt werden soll, kann natürlich auch auf das Crimpen und/oder Schneiden verzichtet werden.
Nach dem Crimpen und Schneiden können die gecrimpten Endlosformkörper zu weiteren Verfahrensschritten wie z.B. Öffnung, Verpressung, transportiert werden.
Die gesamte Förderung der Celluloselösung im Leitungssystem 8' erfolgt kontinuierlich, wobei im Leitungssystem 8' Pufferbehälter 8" vorgesehen sein können, um Schwankungen der Fördermenge und/oder des Förderdruckes aufzufangen und eine kontinuierliche Bearbeitung ohne die Entstehung von Totwassergebieten zu ermöglichen. Das Leitungssystem 8' ist mit einem Heizsystem (nicht dargestellt) ausgestattet, um die Celluloselösung während der Förderung auf einer Temperatur zu halten, in der ohne Zersetzung des tertiären Aminoxids die Viskosität für eine wirtschaftliche Förderung ausreichend niedrig ist. Die Temperatur der Celluloselösung in dem Leitungsbereich 8" beträgt dabei zwischen 75 und 110°C.
In diesem Temperaturbereich ist eine Homogenisierung und gleichmäßige Durchmischung der Celluloselösung begünstigt, die durch statische oder rotierende Mischer erhöht werden kann.
Die Verweilzeit der Cellulosesuspension oder -lösung im Leitungssystem 8, 8' von der Dickstoff pumpe 7 bis zum Spinnkopf 25 beträgt zwischen 5 Minuten und 2 Stunden, vorzugsweise zwischen 30 und 60 Minuten.
Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Spinnkopfes 25 aus Fig. 1.
Wie oben mit Bezug zu Fig. 1 beschrieben ist, werden im Betrieb Endlosformkörper 2 aus den Extrusionsoffnungen 43 extrudiert und durch den Luftspalt 26 in ein Fällbad 28 geleitet. Die Endlosformkörper 2 bilden dabei im Luftspalt 26 eine Spinn- oder Fadenzone 32. Die Spinngeschwindigkeit der Endlosformkörper kann dabei bei modernen
Spinnanlagen bis zu 500 m/min betragen. Durch die hohe Geschwindigkeit der Endlosformkörper 2 wird die die Spinnzone 32 umgebende Luft im Luftspalt 26 von den Endlosformkorpern 2 mitgerissen und verwirbelt. Hierdurch entstehen Luftströmungen 44, die auch von außen in die Spinnzone 32 hinein verlaufen können.
Beim Austritt der heißen Endlosformkörper 2 aus den Extrusionsoffnungen 32 verdampft Wasser in der Spinnzone 32. Der Wasserdampf, der aus den Endlosformkorpern 2 tritt, hat dabei in etwa die Geschwindigkeit der Endlosformkörper 2 und verwirbelt mit der die Endlosformkörper 2 umgebenden Luft, so dass die Umgebungsluft verstärkt mitgerissen wird.
Die Wirkung des Abschirm mittels 31 besteht darin, in dem sich unmittelbar an die Extrusionsoffnungen 43 anschließenden Austrittsbereich 32' der Spinnzone 32 zu verhindern, dass die Endlosformkörper 2 einem Gasstrom ausgesetzt werden. Dies ist im Folgenden mit Bezug auf die Fig. 3 kurz erläutert.
Wie in Fig. 3 zu erkennen ist, weitet sich der Endlosformkörper 2 unmittelbar nach der Extrusion in einem Aufweitungsbereich 45 auf und bildet eine Verdickung 45', bevor sich sein Durchmesser unter Einwirkung der Zugkraft wieder verringert. Der Verzug im Luftspalt kann im Verhältnis der Austrittsgeschwindigkeit der Polymerlösung zu der Abzugsgeschwindigkeit in m/min bis 1 :40 gesteuert werden.
Im Bereich der Verdickung 45' kann der Durchmesser des Endlosformkörpers 2 quer zur Extrusionsrichtung E das bis zu Dreifache des Durchmessers der Extrusionsöffnung 43 betragen.
Im Aufweitungsbereich 45, insbesondere in der Verdickung 45', weist der Endlosformkörper noch eine relativ starke Anisotropie auf, die sich in Extrusionsrichtung E allmählich unter Einwirkung der Zugkraft auf den Endlosformkörper 2 verringert, da sich die Kettenmoleküle in den Endlosformkorpern 2 zunehmend in Extrusionsrichtung ausrichten. Ein Gasstrom, der im Aufweitungsbereich 45 auf den Endlosform körper trifft und ihn kühlt, kann die Spinnqualität der Endlosformkörper 2 negativ beeinträchtigen. Ein derartiger Gasstrom im Aufweitungsbereich 45, der in etwa dem Austrittsbereich 32' der Spinnzone 32 entspricht, wird durch das Abschirmmittel 31 blockiert.
Die Abschirmmittel 31 sind, wie in Fig. 2 dargestellt, an einer Extrusionsseite 46 am Spinnkopf 25 mit Befestigungsmitteln 47, wie z.B. Schrauben, angebracht und können in Führungen in ihrer Position relativ zur Spinnzone 32 vorzugsweise verschieblich eingestellt werden. Die Abschirmmittel 31 sind bei der in Fig. 2 dargestellten Ausführungsform als Metallwinkel bzw. wie oben angeführt speziell ausgestaltet. Alternativ können die Abschirmmitte! 31 beispielsweise auch aus einem geeigneten Kunststoff und/oder strei- fenförmig wie ein Rakel ausgestaltet sein. Die Befestigungsmittel 31 können weiterhin auch stoffschlüssig, z.B. durch Schweißen, Löten oder Kleben an dem Spinnkopf 25 angebracht sein, erlauben dann aber keine Anpassung ihrer Position an die jeweiligen Spinnbedingungen.
Das Abschirmmittel 31 ist am Spinnkopf 25 so angebracht, dass sie den Austrittsbereich 32' der Endlosform körper 2 vorzugsweise in Form eines Zaunes oder Strömungsleitbleches wenigstens teilweise umgrenzen. Bei der in Fig. 2 dargestellten Ausführungsform umgrenzen die zwei Befestigungsmittel 31 den Austrittsbereich 32' an zwei gegenüberliegenden Seiten. Alternativ kann der Austrittsbereich 32' z.B. auch an allen vier Seiten oder auch nur an einer Seite umgrenzt sein. Sind die Extrusionsoffnungen 43 auf einer Kreisfläche angeordnet, kann auch ein ringförmiges Abschirmmittel verwendet werden. Ferner kann auch mitten in der Spinnzone 32, zwischen den Endlosformkorpern ein Abschirmmittel 31 ' angeordnet sein, um den Gasstrom unmittelbar nach dem Austreten der Endlosformkörper 2 wirksamer zu blockieren.
Durch die Abschirmmittel 31 wird ein Abschirmbereich 33 direkt unterhalb des Spinnkopfes 25 ausgebildet, in dem Strömungen unterdrückt sind, die aufgrund der Fadenbewegung in Extrusionsrichtung erzeugt werden. In dem Abschirmbereich 33 werden insbesondere Strömungen 36, die von außen in die Spinnzone 32 verlaufen, blockiert. Das Abschirmmittel 31 ist so ausgestaltet, dass der Abschirmbereich 33 den Aufweitungsbereich 37 (Fig. 3) der Endlosformkörper 2 einschließt.
Um gleichzeitig den Aufweitungsbereich 45 zu schützen und dennoch eine ausreichende Kühlung der Endlosformkörper 2 zu gewährleisten, sollte das Abschirmmittel 31 in Extrusionsrichtung E nicht zu lang ausgebildet sein. Es hat sich herausgestellt, dass eine besonders geeignete Höhe H des Abschirmmittels 31 bis in den Bereich der Verdi-
ckung 45', bevorzugt in Extrusionsrichtung E darüber hinausgeht. Die Höhe H kann insbesondere zwischen 10 mm und 20 mm, vorzugsweise etwa 15 mm betragen.
Fig. 4 zeigt eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Spinnkopfes 25, der im Unterschied zum Spinnkopf der Fig. 2 zusätzlich mit einer Beblasungseinrichtung 29 versehen ist. Für Fig. 4 werden im Folgenden für gleiche oder ähnliche Elemente die Bezugszeichen der Fig. 1 und 2 verwendet. Der Übersicht halber wird lediglich auf die Unterschiede zur Ausführungsform der Fig. 2 eingegangen.
Die Beblasungseinrichtung 29 des Spinnkopfes 25 erzeugt im Betrieb einen Gasstrom 30, der auf die Endlosformkörper 2 gerichtet ist. Durch die Abschirmmittel 31 wird verhindert, dass die Endlosformkörper 2 im Abschirmbereich 33 dem Gasstrom 30 ausgesetzt sind, was den Extrusion sprozess negativ beeinflusst und ungünstige Fasereigenschaften verursacht.
Das Abschirmmittel 31 ist zwischen dem Strömungsaustritt 50 der Beblasungseinrichtung 29 und dem Austrittsbereich 32' angeordnet, dass der Austrittsbereich 32' und damit der Bereich der Endlosformkörper 2 unmittelbar nach dem Austritt aus den Extrusionsoffnungen im Windschatten 51 des Abschirmmittels bzw. -körpers bleibt. Durch das Abschirmmittel 31 an der von der Beblasungseinrichtung 29 abgewandten Seite der Spinn- bzw. Fadenzone 32 wird verhindert, dass ein Ablösewirbel von der Rückseite her in den Austrittsbereich 32' Gas zuführen kann.
In Fig. 4 ist zwar gezeigt, dass das eine Abschirmmittel direkt im Gasstrom 30 an der Beblasungseinrichtung angeordnet ist. Falls jedoch der Strömungsaustritt 50 weiter in Richtung des Fällbades 28 verschoben ist, kann das Abschirmmittel an Ort und Stelle verbleiben, ohne in den Gasstrom 30 zu ragen.
Das Abschirmmittel 31 muss nicht völlig luftundurchlässig ausgestaltet sein, um seine Wirkung zu entfalten. Auch engmaschige Filter- oder Maschenmaterialien oder andere Körper mit hohem Strömungswiderstand sind geeignet. Außerdem kann das Abschirmmittel gegen die Extrusionsrichtung E geneigt, beispielsweise zwischen - 30° und + 30°, oder in Extrusionsrichtung E gewölbt ausgestaltet sein, um den Gasstrom verwirbe- lungsfrei abzulenken. Ferner kann das Abschirmmittel 31 in der Ebene der Extrusion-
söffnungen geneigt oder gewölbt verlaufen, um den Gasstrom besser zu den Seiten hin abzulenken.