Motorradsitz mit gasdichten, aufblasbaren Elementen
Die vorliegende Erfindung betrifft einen Motorradsitz gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Motorradsitze bestehen üblicherweise aus einem Sitzträgerelement, einem darauf aufgebrachten homogenen Schaumstoffkern und einem über den Schaumstoffkern gespannten Sitzbezug. Der Schaumstoffkern soll das Körpergewicht des Fahrers auf eine möglichst große „effektive Sitzfläche" verteilen, um die Flächenpressungen in Grenzen zu halten und somit ein angenehmes Sitzen zu erreichen. Die Sitzposition eines Motorradfahrers ist im Vergleich zur Sitzposition eines Pkw-Fahrers wesentlicher „statischer", da die Beine des Motorradfahrers auch beim Bremsen oder Schalten auf den Fußrasten verbleiben und nicht oder nur wenig bewegt werden. Im Vergleich zu Pkw-Sitzflächen treten bei Motorradsitzen deutlich höhere Flächenpressungen auf. Dies kann zu einer Mangelversorgung des Körpergewebes in den stark belasteten „Gesäßbereichen" führen. Besonders hohe Flächenpressungen entstehen im Bereich der Sitzbeinhöckers, d. h. im Bereich der Hüftgelenksknochen. Die beiden Sitzbeinhöcker tauchen vor allem bei aufrechter Sitzposition relativ weit in den Schaumkern des Motorradsitzes ein. Da sich der Schaumkern mit zunehmender Fahrzeit „setzt", erhöht sich die Flächenpressungen im Sitzbeinhöckerbereich weiter. Bei breiteren Motorradsitzen besteht ferner die Gefahr, dass in den Muskelansatzpunkten erheb-
liehe Spannungen auftreten, was sich ungünstig auf den Sitzkomfort auswirkt und sogar zu Schmerzen führen kann.
Aus der US 5 975 629 sowie aus der US 5 658 050 sind Motorradsitze bekannt, bei denen in den Schaumkern gasdichte, aufblasbare kissenartige Elemente integriert sind. Durch Einstellen bzw. Verändern des Drucks in den kissenartigen Elementen kann der Sitzkomfort verändert werden. Werden die kissenartigen Elemente mit Luft oder mit einem Gas gefüllt, so ist damit zu rechnen, dass sich ein „schwammiger Wasserbetteffekt" einstellt. Verwendet man hingegen ein inkompressibles Medium, so steigt bei Erreichen der Füllgrenze der Druck in den kissenartigen Elementen relativ stark an. Dies vermittelt dem Motorradfahrer das Gefühl, als handele es sich bei den kissenartigen Elementen um „harte Fremdkörper", was als unkomfortabel empfunden wird.
Aufgabe der Erfindung ist es, einen Motorradsitz zu schaffen, in den ein deformierbares kissenartiges Element oder mehrere solcher kissenartiger Elemente integriert sind, wobei der Motorradsitz einen höheren Sitzkomfort bietet.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Die Erfindung geht von einem Motorradsitz mit einem Schaumkern und einem Sitzbezug aus, wobei in dem Schaumkern mindestens ein, vorzugsweise aber mehrere deformierbare kissenartiges Elemente angeordnet sind. „In dem Schaumkern" bedeutet, dass das kissenartige Element ganz oder teilweise in dem Schaumkern angeordnet ist. Das mindestens eine kissenartige Element ist gasdicht und über einen Fluidanschluss aufblasbar bzw. evakuierbar. Über den Füll- bzw. Druckzustand im Inneren des kissenartigen
Elements können die Sitzkomforteigenschaften des Motorradsitzes verändert werden.
Der Kern der Erfindung besteht darin, dass in dem mindestens einen kissenartigen Element ein dehnelastisches Material angeordnet ist. Das dehnelastische Material kann beispielsweise die Form eines Blocks, eines Quaders, eines Prismas oder eine andere dreidimensionale Form haben. Denkbar ist auch, dass das kissenartige Element mit einem Granulat oder mit Kügelchen aus einem dehnelastischen Material befüllt ist.
Durch ein oder mehrere derartige „schaumbefüllte luftdichte Kissen", die in den Motorradsitz integriert sind, kann der oben angesprochene Wasserbettbzw. Luftmatratzeneffekt nahezu vollständig vermieden werden. Bei dem dehnelastischen Material, das in dem bzw. den kissenartigen Elementen angeordnet ist, kann es sich beispielsweise um einen Schaumstoff handeln. Es kann das gleiche Material verwendet werden wie für den Schaumkem des Motorradsitzes. Die Kraft-Weg-Kennlinie bzw. die Druck-Weg-Kennlinie der kissenartigen Elemente hängt insbesondere vom Luft- bzw. Gasdruck in dem kissenartigen Element, von der Dehn- bzw. Druckelastizität des dehnelastischen Materials und von der Dehnelastizität des kissenartigen Elements an sich ab.
Durch geeignete Einstellung bzw. Veränderung des Luft- bzw. Gasdrucks in den kissenartigen Elementen kann die Druck-Weg-Kennlinie und somit der Sitzkomfort verändert werden. Der Druckzustand in den kissenartigen Elementen kann über eine „Luftpumpe" entweder „manuell" durch Betätigen eines Schalters oder automatisch durch ein Programm gesteuert werden, welches die kissenartigen Elemente mit Druck beaufschlagt bzw. evakuiert. Zur Erhöhung der Sitzhärte kann ein Überdruck in den kissenartigen Elementen erzeugt werden. Zur „Einstellung" eines weichen Sitzes können
die kissenartigen Elemente entlüftet werden bzw. es kann gezielt ein „Unterdruck" in den kissenartigen Elementen eingestellt werden.
Vorzugweise sind zwei solcher kissenartiger Elemente in den Schaumstoffkern des Motorradsitzes integriert. Vorteilhafterweise ist das eine kissenartige Element im Bereich unter dem „rechten Sitzbeinhöcker" und das andere kissenartige Element im Bereich unter den „linken Sitzbeinhöcker" des Motorradfahrers bzw. des Sozius angeordnet. Um Ermüdungserscheinungen bzw. eine Mangelversorgung des Gewebes mit Nährstoffen zu verhindern, kann der Druckzustand in den Kissen zeitlich parallel variiert werden, wodurch sich die Traglast zwischen den Sitzbeinhöckern und der übrigen Sitzfläche verändert. Alternativ zu einer parallelen Veränderung des Druckzustands in den kissenartigen Elementen können die Druckzustände in den kissenartigen Elementen auch abwechselnd variiert werden. Es kann also abwechselnd das eine kissenartige Element aufgepumpt und das andere kissenartige Element entlüftet bzw. evakuiert werden.
Wie bereits erwähnt kann der Druck „manuell" durch Betätigen eines Schalters eingestellt bzw. verändert werden. Für längere Fahrten kann der Druckzustand in den kissenartigen Elementen auch durch ein Automatikprogramm mit einer vorgegebenen Zykluszeit von z. B. 30 Sekunden verändert werden. Dadurch werden einzelne Sitz- bzw. Gesäßbereiche abwechselnd be- und entlastet, was die Nährstoffversorgung des Gesäßgewebes begünstigt. Vorzugsweise erfolgt die Druckvariation so, dass lediglich Weichteile des Motorradfahrers bewegt werden, nicht aber das Skelett.
Sofern in den Motorradsitz mehrere kissenartige Elemente integriert sind kann vorgesehen sein, dass die einzelnen kissenartigen Elemente unabhängig voneinander aufblasbar bzw. evakuierbar sind. Alternativ dazu können sie aber auch über eine Fluidverbindung miteinander gekoppelt sein, so
dass stets der gleiche oder annähernd der gleiche Druck in den kissenartigen Elementen herrscht.
Im folgenden wir die Erfindung im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung eines Motorradsitzes mit zwei kissenartigen Elementen und einer in den Motorradsitz integrierten Druckversorgungseinheit;
Figur 2 einen Querschnitt durch den Motorradsitz der Figur 1 im Bereich der kissenartigen Elemente;
Figuren 3, 4 eine perspektivische Darstellung und einen Querschnitt eines der kissenartigen Elemente;
Figur 5 ein Schaltschema einer Schaltungsanordnung zur Ansteuerung der kissenartigen Elemente.
Figur 1 zeigt einen Motorradsitz 1 mit einem Sitzabschnitt 1a und einem Lendenabschnitt 1b, der nach oben gezogen ist, und der das Gesäß des Motorradfahrers beim Beschleunigen von hinten her abstützt. In den Sitzabschnitt 1a ist im Bereich des linken und des rechten Sitzbeinhöckers je ein luftdichtes, aufblasbares, kissenartiges Element 2, 3 angeordnet. Die beiden kissenartigen Elemente sind jeweils über hier nicht näher dargestellte Fluid- leitungen mit einer durch eine Pumpe, Ventile und einen Elektromotor gebildeten Druckversorgungseinheit 4 verbunden. Die Druckversorgungseinheit 4 ist ebenfalls in den Motorradsitz integriert und zwar im Übergangsbereich zwischen dem Sitzabschnitt 1a und dem Lendenabschnitt b.
Figur 2 zeigt einen Querschnitt durch den Motorradsitz 1 der Figur 1 entlang der Schnittebene, die in Figur 1 mit der Bezugsziffer 5 bezeichnet ist. Der in Figur 2 gezeigte Querschnitt durch den Sitzabschnitt des Motorradsitzes 1 lässt eine Sitzbasis bzw. Sitzgrundplatte 6 erkennen, auf deren Oberseite ein Schaumstoffkern 7 angeordnet ist. Der Schaumstoffkern 7 ist mit einem Sitzbezug 8 bespannt. Im Bereich des linken und rechten Sitzbeinhöckers weist der Schaumstoffkern 7 jeweils eine Ausnehmung 9, 10 auf. In den Ausnehmungen 9, 10 ist jeweils ein luftdichtes kissenartiges Element 11 bzw. 12 angeordnet.
Bei dem hier gezeigten Ausführungsbeispiels ist jedes der beiden luftdichten kissenartigen Elemente 11 , 12 mit einem im Querschnitt prismaartigen Schaumstoffblock 13, 14 befüllt bzw. in den kissenartigen Elementen 11 , 12 ist jeweils ein Schaumstoffblock 13 bzw. 14 angeordnet. Die Schaumstoffblöcke 13, 14 können aus dem selben Material bestehen wie der Schaum- kem 7. Alternativ dazu können die Schaumstoffblöcke auch quaderförmig sein.
Die Figuren 3, 4 zeigen das kissenartige Element 11 in perspektivischer Darstellung bzw. im Querschnitt. Die kissenartigen Elemente 11 , 12 sind identisch aufgebaut. Sie können beispielsweise aus einer flexiblen, d.h. biegbaren und „knitterbaren" Kunststofffolie hergestellt sein. Die Kunststofffolie, aus denen die kissenartigen Elemente hergestellt sind, kann zusätzlich dehnelastisch sein. Sie muss aber nicht notwendigerweise dehnelastisch sein.
Bei dem in den Figuren 3, 4 gezeigten Ausführungsbeispiel ist das kissenartige Element 11 aus einer oberen Kunststofffolie 15 und einer unteren Kunststofffolie 16 hergestellt, die in Bereichen 17, 18 miteinander luftdicht verschweißt sind. Wie am besten aus Figur 4 ersichtlich ist, ist der Schaumstoffblock 13, der in dem kissenartigen Element angeordnet ist, etwas kleiner
als das kissenartige Element 11 , so dass über einen Fluidanschluss 19, der zwischen die obere Folie 15 und die untere Folie 16 eingeschweißt ist, Luft in das Innere des kissenartigen Elements 11 gepumpt werden kann. Umgekehrt kann das Innere des kissenartigen Elements 11 über den Fluidanschluss 19 entlüftet werden bzw. es kann ein Unterdruck im Inneren des kissenartigen Elements 11 erzeugt werden.
Figur 5 zeigt ein Schaltschema einer Druckversorgungseinrichtung 19, über die die Druckzustände in den kissenartigen Elementen 11 , 12 gesteuert bzw. geregelt werden können. Die Druckversorgungseinrichtung 19 kann, wie bereits im Zusammenhang mit Figur 1 erläutert, ebenfalls in den Schaumkern des Motorradsitzes 1 integriert sein. Die Druckversorgungseinrichtung 19 weist bei dem hier gezeigten Ausführungsbeispiel einen von einer Steuerelektronik 20 angesteuerten Elektromotor 21 auf, welcher eine pneumatische Pumpe 22 antreibt. Ein pneumatischer Ausgang 23 der Pneumatikpumpe 22 ist mit Eingängen 24, 25 von Magnetventilen 26, 27 verbunden. An einen Ausgang des Magnetventils 26 ist das kissenartige Element 11 angeschlossen. An einen Ausgang des Magnetventils 27 ist das kissenartige Element 12 angeschlossen. Die Magnetventile 26, 27 weisen ferner jeweils eine Entlüftung 28 bzw. 29 auf. Elektrisch angesteuert werden die Magnetventile 26, 27 durch die Steuerelektronik 20. Die Steuerelektronik 20 wiederum kann durch einen Bedienschalter 30 vom Motorradfahrer „manuell" angesteuert werden. Der Bedienschalter 30 kann beispielsweise am Lenker angeordnet sein. Alternativ dazu kann der Bedienschalter auch am Sitz, im Bereich des Sitzes oder an einer anderen Stelle am Motorrad angeordnet sein. Über den Bedienschalter 30 bzw. über die Bedienschaltereinrichtung 30 kann der Druck in den kissenartigen Elementen 11 , 12 individuell oder gleichzeitig manuell verändert werden. Ferner kann vorgesehen sein, dass über ein in die Steuerelektronik 20 implementiertes Automatikprogramm die Druckzustände in den kissenartigen Elementen 11 , 12 zyklisch automatisch verändert werden.