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Beschreibung
Diagnoseverfahren für einen elektromechanischen Aktor
Die Erfindung betrifft ein Diagnoseverfahren für einen elektromechanischen Aktor, insbesondere für einen Piezoaktor eines Injektors einer Einspritzanlage, gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Bei modernen Einspritzanlagen für Brennkraftmaschinen erfolgt die Kraftstoffeinspritzung in die einzelnen Brennräume der Brennkraftmaschine durch Injektoren, die durch elektromecha- nische Wandler angesteuert werden, wobei zur Ansteuerung der Injektoren als Wandler beispielsweise Piezoaktoren eingesetzt werden. Die eigentliche Steuerung der Kraftstoffeinspritzung erfolgt hierbei durch eine Ventilnadel, die in dem Injektor verschiebbar gelagert ist und von dem Piezoaktor über ein Servoventil angesteuert wird. Problematisch an einem derartigen Injektor ist die Tatsache, dass die Kraftübertragung von dem Piezoaktor auf das Servoventil zur Ansteuerung der
Ventilnadel nicht spielfrei sein darf, so dass der Aktor einen Leerhub aufweist, der einer fertigungs- und alterungsbedingten Bauteilstreuung unterliegt. Diese Toleranz des Leerhubs verringert jedoch die Mengengenauigkeit bei der Ein- spritzung und führt zu unerwünschten Abweichungen zwischen den einzelnen Injektoren der Brennkraftmaschine, wenn diese einen unterschiedlichen Leerhub aufweisen .
Es ist weiterhin bekannt, serienmäßig verwendete Injektoren auf einen definierten Leerhub einzustellen, wobei die temperaturabhängige Änderung des Leerhubs über eine geeignete Materialauswahl und Dimensionierung für die Piezoaufnahme minimiert wird. Es ist jedoch hierbei nicht möglich, bauteilspezifische Streuungen der Wärmeausdehnung des Piezoaktors und Alterungseffekte zu berücksichtigen. Es wurde deshalb bereits labormäßig versucht, den Leerhub eines Injektors zu detektie- ren, indem der Spannungs- oder Stromverlauf des Piezoaktors
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2 ausgewertet wird. Hierbei wird die physikalische Erkenntnis ausgenutzt, dass die effektive Kapazität eines Piezoaktors von der Kraft abhängig ist, die auf den Piezoaktor wirkt. Dies ist wichtig, da im Betrieb des Piezoaktors eine sprung- artige Krafterhöhung auftritt, wenn der Leerhub überschritten wird und der Piezoaktor auf das Servoventil oder sonstige Kraftübertragungselemente zwischen dem Piezoaktor und dem Servoventil auftrifft, was zu einer entsprechenden sprungartigen Änderung der effektiven Kapazität des Piezoaktors führt. Diese Änderung der effektiven Kapazität des Piezoaktors beim Überschreiten des Leerhubs äußert sich in dem Span- nungs- oder Stromverlauf in einem Knick, so dass der Leerhub des Injektors durch eine Auswertung des Spannungs- oder Stromverlaufs ermittelt werden kann.
Die Auswertung des Spannungs- oder Stromverlaufs des Piezoaktors zur Ermittlung des Leerhubs des Injektors ist jedoch schwierig, da es sich hierbei um einen hochdynamischen Vorgang handelt, bei dem sich mehrere Effekte überlagern können.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass aufgrund elastischer Verformungen unter hydraulischem Druck möglicherweise kein echter Leerhub im engeren Sinne existiert, so dass der zu messende Leerhub aus einer Überwindung von elastischen Verformungen besteht, was nach dem vorstehend beschriebenen bekannten Messprinzip bei niedrigem Raildruck aber sehr hohe An orderungen an die Auswertungen des Spannungs- oder Stromverlaufs stellt, da hierbei nicht die Ventilfeder des Injektors die wesentliche Kraftkomponente erzeugt, sondern der hydraulische Druck am geschlossenen Ventil.
Nachteilig an dem vorstehend beschriebenen bekannten Verfahren zur Ermittlung des Leerhubs eines Injektors ist also die schwierige und aufwändige Auswertung des Spannungs- oder Stromverlaufs, was bisher nur eine labormäßige Bestimmung des Leerhubs erlaubte, wohingegen auch während des normalen Ein-
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3 spritzbetriebs eine Bestimmung des Leerhubs wünschenswert ist .
Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Diagno- severfahren für einen Piezoaktor anzugeben, das mit möglichst geringem Aufwand und großer Genauigkeit die Bestimmung des Leerhubs auch während des normalen Einspritzbetriebs ermöglicht.
Diese Aufgabe wird, ausgehend von dem vorstehend beschriebenen bekannten Diagnoseverfahrens gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1, durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Die Erfindung umfasst die allgemeine technische Lehre, zur
Bestimmung des Leerhubs des Piezoaktors nicht die Strom- oder Spannungsverläufe auf eine Knickstelle hin zu untersuchen, sondern stattdessen zunächst den effektiven elektrischen Widerstand des Aktors zu ermitteln und dann den Verlauf des ef- fektiven elektrischen Widerstands auf eine Diskontinuität hin zu untersuchen, um daraus dann Rückschlüsse auf die auf den Aktor wirkende Kraft zu beziehen.
Die Erfindung ist jedoch nicht auf die Verwendung im Zusam- menhang mit einem Piezoaktor beschränkt, sondern grundsätzlich auch mit anderen Typen von elektromechanischen Aktoren realisierbar, die ein entsprechendes Verhalten aufweisen.
Darüber hinaus ist die Erfindung nicht auf die Ermittlung des Leerhubs eines Piezoaktors für einen Injektor einer Ein- spritzanlage beschränkt. Vielmehr kann im Rahmen des erfindungsgemäßen Diagnoseverfahrens auch eine andere Kenngröße des Aktors ermittelt werden, die von der auf den Aktor wirkenden Kraft abhängig ist . Vorzugsweise wird im Rahmen des erfindungsgemäßen Diagnoseverfahrens jedoch als Kenngröße des Aktors der Leerhub oder das Ventilspiel eines von dem Aktor angesteuerten Einspritzventils ermittelt.
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Bei der Ermittlung des effektiven elektrischen Widerstands des Aktors kann im Rahmen des erfindungsgemäßen Diagnoseverfahrens wahlweise die Impedanz oder der Ohmsche Widerstand des Aktors ermittelt werden, um daraus die Kenngröße (z.B. Leerhub) abzuleiten.
Vorzugsweise wird die als Grundlage zur Bestimmung der interessierenden Kenngröße des Aktors dienende elektrische Be- triebsgröße des Aktors nicht nur in einem Betriebspunkt gemessen, sondern für eine Vielzahl von Betriebspunkten. Dies wird vorzugsweise dadurch erreicht, dass der Aktor nacheinander mit unterschiedlichen Werten eines elektrischen Steuersignals angesteuert wird, das eine entsprechende Stellbewe- gung des Aktors erzeugt. Während der Stellbewegung des Aktors wird die interessierende elektrische Betriebsgröße des Aktors dann bei verschiedenen Werten des Steuersignals ermittelt. Der Verlauf der ermittelten elektrischen Betriebsgröße während der Stellbewegung des Aktors wird dann auf eine Diskon- tinuität (z.B. Knickstelle) hin untersucht, um die interessierende Kenngröße des Aktors dann aus der Lage der Diskontinuität und/oder dem zugehörigen Steuersignal abzuleiten.
Beispielsweise kann während der Stellbewegung des Aktors lau- fend oder zu bestimmten Abtastzeitpunkten die Spannung über dem Aktor sowie der durch den Aktor fließende Strom gemessen werden, um daraus für verschiedene Spannungswerte den effektiven elektrischen Widerstand des Aktors zu berechnen. Wenn man dann den Verlauf des effektiven elektrischen Widerstands des Aktors über der Spannung betrachtet, so tritt bei einer bestimmten Spannung eine Knickstelle im Verlauf des effektiven elektrischen Widerstands auf, wobei die Lage der Knickstelle den Leerhub wiedergibt. Aus der zugehörigen elektrischen Spannung an der Knickstelle kann dann aus den bekannten Aktorgleichungen der Leerhub direkt ermittelt werden.
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5 Bei der Diskontinuität im Verlauf des elektrischen Widerstands kann es sich beispielsweise um eine Knickstelle oder aber auch um eine Sprungstelle handeln.
Vorzugsweise wird der als Grundlage für. die Bestimmung des Leerhubs dienende effektive elektrische Widerstands des Aktors während eines Entladevorgangs erfasst, was zu einer genaueren Bestimmung führt. Es ist jedoch grundsätzlich auch möglich, den effektiven elektrischen Widerstand des Aktors während eines Ladevorgangs zu ermitteln, da der Leerhub sowohl während des Ladevorgangs als auch während des Entladevorgangs zu der vorstehend erwähnten Diskontinuität im Verlauf des effektiven Widerstands führt.
In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel der Erfindung wird dem Aktor ein vorgegebener Strom als elektrisches Steuersignal aufgeprägt, was die Berechnung des effektiven elektrischen Widerstands erleichtert. Es ist jedoch alternativ auch möglich, dass dem Aktor eine vorgegebene Spannung als elekt- risches Steuersignal aufgeprägt wird, wobei die Berechnung des effektiven elektrischen Widerstands des Aktors ebenfalls leicht möglich ist.
Bei den beiden vorstehend beschriebenen Varianten mit einem eingeprägten elektrischen Steuersignal ist vorzugsweise der zeitliche Verlauf des Steuersignals als Zeitfunktion vorgegeben, wobei die interessierende Kenngröße (z.B. Leerhub des Aktors) in Abhängigkeit von der vorgegebenen Zeitfunktion berechnet wird.
Das vorstehend beschriebene erfindungsgemäße Diagnoseverfahren eignet sich nicht nur für eine labormäßige Bestimmung des Leerhubs oder anderer interessierender Kenngrößen des Aktors, sondern kann auch während des normalen Einspritzbetriebs ei- ner Einspritzanlage durchgeführt werden.
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6 Ferner ist noch zu erwähnen, dass der effektive elektrische Widerstand des Aktors vorzugsweise als Großsignalgröße er- fasst wird.
Andere vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet oder werden nachstehend zusammen mit der Beschreibung des bevorzugten Ausführungsbeispiels der Erfindung anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine erfindungsgemäße Vorrichtung zur Ansteuerung von Piezoaktoren und zur Bestimmung der Leerhubs der Piezoaktoren,
Figur 2 das erfindungsgemäße Diagnoseverfahren in Form ei- nes Flussdiagramms sowie
Figur 3 den Verlauf des effektiven elektrischen Widerstands eines Piezoaktors der Vorrichtung aus Figur 1 in Abhängigkeit von der an dem Piezoaktor anliegenden elektrischen Spannung.
Das in Figur 1 dargestellte Schaltbild zeigt in vereinfachter Form eine erfindungsgemäße Vorrichtung, die zur Ansteuerung mehrerer Piezoaktoren P1-P4 dient und dabei die Bestimmung des Leerhubs SLEER der einzelnen Piezoaktoren P1-P4 ermöglicht.
Masseseitig sind die einzelnen Piezoaktoren P1-P4 getrennt voneinander über jeweils einen Auswahlschalter S1-S4 mit Mas- se verbunden, so dass die einzelnen Piezoaktoren P1-P4 getrennt voneinander angesteuert werden können.
Spannungsseitig sind die Piezoaktoren Pl—P4 dagegen gemeinsam mit einer Treiberschaltung 1 verbunden, wobei die Trei- berschaltung 1 die Piezoaktoren P1-P4 während des normalen Betriebs mit einem elektrischen Steuersignal ansteuert, um die gewünschte Stellbewegung der Piezoaktoren P1-P4 zu er-
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7 reichen und dadurch das gewünschte Einspritzverhalten zu erzielen.
Im Folgenden werden Aufbau und Funktion der Treiberschaltung1 beschrieben.
Zur Stromversorgung weist die Treiberschaltung 1 eine Batterie UBAT auf, wobei es sich um eine Kraftfahrzeugbatterie handeln kann .
Die Batterie UBAτ ist über einen Gleichspannungswandler 2 mit einem Pufferkondensator CBoosτ verbunden, der die zur Aufladung der Piezoaktoren P1-P4 erforderliche elektrische Energie zwischenspeichert .
Der Pufferkondensator CBoosτ ist über ein LC-Glied mit einem Transformator 1 verbunden, wobei das LC-Glied aus einer mit dem Gleichspannungswandler 2 in Reihe geschalteten Induktivität Ll und einem zu dem Pufferkondensator CBoosτ parallel ge- schalteten Kondensator Cl besteht.
Der Transformator T weist eine Primärwicklung Wl und eine Sekundärwicklung W2 auf, wobei die Primärwicklung Wl über einen Schalter S5 und eine parallel zu dem Schalter S5 geschaltete Diode Dl mit Masse verbunden ist, während die Sekundärwicklung W2 über einen weiteren Schalter S6 und eine zu dem Schalter S6 parallel geschaltete Diode D2 mit Masse verbunden ist .
Spannungsseitig ist die Sekundärwicklung W2 über ein weiteres LC-Glied mit den Piezoaktoren P1-P4 verbunden, wobei dieses LC-Glied aus einer weiteren Induktivität L2 und einem weiteren Kondensator C2 besteht.
Durch eine geeignete Ansteuerung der Schalter S5, S6 können die Piezoaktoren P1-P4 aufgeladen bzw. entladen werden, um die gewünschte Stellbewegung entsprechend einem vorgegebenen
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Einspritzverhalten zu erzeugen. Dabei ermöglicht die erfindungsgemäße Vorrichtung eine Leerhubdetektion, um den bau- teil-, temperatur- und alterungsabhängigen Leerhub bei der Ansteuerung berücksichtigen zu können.
Hierzu weist die erfindungsgemäße Vorrichtung ein Strommess- gerät 3 auf, das den durch den jeweiligen Piezoaktor Pl, P2, P3 bzw. P4 fließenden elektrischen Strom misst.
Weiterhin ist ein Spannungsmessgerät 4 vorgesehen, das die über dem jeweiligen Piezoaktor Pl, P2, P3 bzw. P4 abfallende elektrische Spannung misst.
Das Strommessgerät 3 und das Spannungsmessgerät 4 sind aus- gangsseitig mit einer Auswertungseinheit 5 verbunden, die entsprechend dem nachfolgend beschriebenen erfindungsgemäßen Diagnoseverfahren den Leerhub S EER berechnet.
Im folgenden wird nun das erfindungsgemäße Diagnoseverfahren unter Bezugnahme auf das in Figur 2 dargestellte Flussdia- gram beschrieben.
Zunächst ist zu bemerken, dass die Bestimmung des Leerhubs SLEER jeweils während eines Entladevorgangs erfolgt, was zu einer genaueren Bestimmung des Leerhubs S^EER führt, wie Vergleichsmessungen ergeben haben.
Während des Entladevorgangs erfasst die Auswertungseinheit 5 dann mittels des Strommessgeräts 3 und des Spannungsmessge- räts 4 mehrere Strom- bzw. Spannungswerte und berechnet jeweils aus diesen den effektiven elektrischen Widerstand Reff des jeweiligen Aktors Pl, P2, P3 bzw. P4.
Aus dieser Messung ergibt sich dann die in Figur 3 darge- stellte Kurve, welche die Abhängigkeit des effektiven elektrischen Widerstands Re f von der an dem jeweiligen Piezoaktor
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9 Pl, P2, P3 bzw. P4 anliegenden elektrischen Spannung U wiedergibt .
Die Auswertungseinheit 5 untersucht dann die in Figur 3 dar- gestellte Kurve auf eine Diskontinuität in Form einer Knickstelle, die in dem vorliegenden Ausführungsbeispiel bei einer Spannung URMICK^SS liegt. Entsprechend der bekannten Aktorgleichung berechnet die Auswertungseinheit 5 dann den Leerhub SI,BER aus der Spannung UKMTCK und der piezoelektrischen Ladungskonstante d des jeweiligen Piezoaktors Pl, P2, P3 bzw. P4.
Die Erfindung ist nicht auf das vorstehend beschriebene bevorzugte Ausführungsbeispiel beschränkt. Vielmehr ist eine Vielzahl von Varianten und Abwandlungen möglich, die ebenfalls von dem Erfindungsgedanken Gebrauch machen und deshalb in den Schutzbereich fallen.