Bürostuhl
Die Erfindung bezieht sich auf einen Bürostuhl mit Rückenlehne und Sitz, der an einem an einem Stuhlgestell angebrachten Lagerbock gegen eine mittels einer Feder bewirkten, veränderbaren Sitzkraft aus einer Ausgangsstellung verschwenkbar gelagert ist, wobei zum Ändern der Sitzkraft mittels einer Verstellvorrichtung eine Verstellung eines an einer Führungsaufnahme gehaltenen Gegenlagers zum Abstützen der Feder bewirkt wird.
Ein derartiger Bürostuhl ist z. B. in der DE 1 98 03 496 C2 angegeben. Ein Sitz ist an einem Stuhlgestell, und zwar an einem Lagerbock desselben, verschwenkbar gelagert und in einer Ausgangsstellung, bei der der hintere Sitzteil nach oben geschwenkt ist, mittels einer Feder gehalten. Die von der Feder bewirkte Sitzkraft
BESTATIGUNGSKOPIE
kann mittels einer Einstelleinheit mit Verstellhandhabe geändert werden, indem die Feder mehr oder weniger vorgespannt wird . Um verschiedene Bereiche von Sitzkräften wählen zu können, ist zusätzlich zu einer fest eingebauten Feder mindestens eine austauschbare weitere Feder vorgesehen. Im Übrigen ist der Bürostuhl mit einer Synchronmechanik ausgestattet, die bei Verschwenken des Sitzes auch ein Verschwenken der Rückenlehne, und zwar ein überproportionales Verschwenken derselben bewirkt.
Auch bei einem in der DE 40 20 868 C 1 und in der EP 0 561 059 A1 gezeigten Bürostuhl ist die Sitzkraft verstellbar, indem eine Vorspannung der Feder mittels einer Verstellhandhabe eingestellt wird .
Mit der Einstellung der Sitzkraft bei Bürostühlen der genannten Art wird dem Benutzer ein individueller Sitzkomfort geboten, wobei er die Sitzkraft entsprechend seinem Körpergewicht wählen kann. Durch die Veränderung der Federvorspannung, ganz gleich, ob es sich um eine Druckfeder, Schenkelfeder oder einen Torsionsstab oder dgl. handelt, wird die Federkennlinie parallel verschoben, wie in Fig. 7 gezeigt. Durch das Vorspannen der Feder wird eine relativ große Verstellkraft benötigt, wodurch sich Nachteile bei der Handhabung ergeben können. Auch ist die Anpassbarkeit der Sitzkraft an große und schwere Menschen einerseits und kleine und leichte Menschen andererseits nicht immer optimal anpassbar.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Bürostuhl der eingangs genannten Art zu schaffen, bei dem die Sitzkraft besser an verschiedene Benutzer anpassbar ist, wobei auch die Handhabung einfach ist.
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst. Hiernach ist vorgesehen, dass das Gegenlager derart gelagert ist, dass es mittels der Verstellvorrichtung während einer Verschwenkung des Sitzes relativ zur Führungsaufnahme bewegt wird, und dass mittels der Verstellvorrichtung ein unterschiedlich langer Verstellweg des Gegenlagers beim Verschwenken des Sitzes einstellbar ist.
Durch die Verstellbarkeit des Gegenlagers während der Verschwenkung des Sitzes und die Ausbildung der Verstellvorrichtung derart, dass mit ihr verschiedene Verstellwege einstellbar sind, wird bei verschiedenen Einstellungen ein unterschiedliches Kraft/Weg-Verhältnis erhalten und die Steigung der Federkennlinie geändert. Da dabei die Federvorspannung nicht oder relativ wenig geändert werden muss, werden auch keine großen Einstellkräfte benötigt, so dass die Bedienung leicht ist.
Eine günstige Anordnung an dem Schwenkmechanismus des Stuhls besteht darin, dass das Gegenlager mittels mindestens eines Koppelgliedes der Verstellvorrichtung an einem beim Verschwenken des Sitzes verschwenkten Element eines Schwenkmechanismus verstellbar gelenkig angebunden ist.
Ein vorteilhafter Aufbau wird dabei dadurch erreicht, dass das Element ein unter dem vorderen Bereich des Sitzes einerseits an einem Sitzträger und andererseits an dem Lagerbock gelenkig mittelbar oder unmittelbar gelagertes Pendelgelenk ist und dass ein Anlenkpunkt des Koppelgliedes an dem Pendelgelenk mittels einer Einstelleinheit entlang des Pendelgelenkes verstellbar und fixierbar ist, so dass er beim Verschwenken beibehalten wird .
Zu einem einfachen Aufbau tragen dabei die Maßnahmen bei, dass das Koppelglied mit seinem von dem Anlenkpunkt abgelegenen Endabschnitt an dem Gegenlager gelenkig und ortsfest gelagert ist.
Eine für die Funktion und Bedienung günstige Anordnung ergibt sich dadurch, dass die Feder als Druckfeder ausgebildet und einerseits gegen die Unterseite des vorderen Sitzbereiches und andererseits gegen das Stuhlgestell jeweils gelenkig mittelbar oder unmittelbar abgestützt ist.
Eine für einen einfachen und stabilen Aufbau weitere vorteilhafte Maßnahme besteht darin, dass die Feder längs einer Gasdruckfeder angeordnet ist. Ein stabiler Aufbau mit sicherer Funktion wird dabei dadurch erhalten, dass die Führungsaufnahme von einem Abschnitt der Gasdruckfeder gebildet ist und dass das Gegenlager als Gleitbuchse auf dem Abschnitt verschieblich geführt ist.
Ist vorgesehen, dass die Rückenlehne über eine Koppelmechanik mit dem Sitz in der Weise gekoppelt ist, dass sie synchron mit diesem bewegt wird, so ergibt sich eine günstige gefederte Abstützung auch im Rückenbereich.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf die Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig . 1 eine Seitenansicht eines Bürostuhls mit einer Verstellvorrichtung,
Fig. 2 die Verstellvorrichtung nach Fig. 1 in einer Ausgangsstellung bei einer ersten Einstellung der Sitzkraft,
Fig. 3 die Verstellvorrichtung in einer Schwenkstellung des Sitzes bei der ersten Einstellung der Sitzkraft,
Fig. 4 die Verstellvorrichtung in Schwenkstellung des Sitzes bei einer zweiten Einstellung der Sitzkraft,
Fig. 5 eine schematische Darstellung der Verstellvorrichtung,
Fig. 6 Beispiele für verschiedene Federkennlinien bei unterschiedlichen Einstellungen der Sitzkraft und
Fig. 7 zwei verschiedene Federkennlinien bei unterschiedlicher Einstellung der Sitzkraft gemäß dem Stand der Technik.
Fig. 1 zeigt einen Bürostuhl 10 mit einem auf einem Sitzträger 1 1 .1 angebrachten Sitz 1 1 und einer an diesem mittels einer Koppelmechanik 1 3 in Form einer Synchronmechanik angebrachten Rückenlehne 1 2. Die Synchronmechanik 1 3 ist vor¬ teilhafterweise so ausgebildet, dass sich bei Rückwärtsneigen des Sitzes 1 in seinem hinteren Bereich aus einer Ausgangsstellung die Rückenlehne 1 2 bezüglich des Sitzes überproportional neigt. Die Ausgangsstellung des Sitzes 1 1 wird mittels eines Federmechanismus mit einer Gasdruckfeder 4 und beispielsweise einer Druckfeder 5 mittels Federkraft aufrecht erhalten. Die von der Federkraft gebildete
Sitzkraft ist insbesondere auch während des Rückwärtsneigens des Sitzes 1 1 bzw. der Rückenlehne 1 2 wirksam. Der Sitz 1 1 ist über ein Pendelgelenk 7 derart mit dem vorderen Bereich eines an einem Stuhlgestell angebrachten Lagerbocks 1 gelenkig gelagert, dass bei seinem Abwärtsschwenken im hinteren Bereich auch der vordere Sitzbereich abgesenkt wird, um einen Druck im unteren Oberschenkelbereich zu vermeiden. Das Pendelgelenk 7 bildet einen Teil eines Schwenkmechanismus 14 für den Sitz 1 1 und die Rückenlehne 1 2, wie an sich bekannt.
Die Gasdruckfeder 4 ist mit ihrem einen Endbereich an dem Lagerbock 1 bzw. dem Stuhlgestell und mit ihrem anderen Ende unter dem vorderen Bereich des Sitzes 1 1 bzw. des Sitzträgers 1 1 . 1 jeweils gelenkig angebunden. Die Druckfeder 5 ist parallel zu der Gasdruckfeder 4 angeordnet, wobei sie diese umgibt und mit ihrem einen Ende an einem Gegenlager 3 in Form einer auf einem Abschnitt der Gasdruckfeder 4 verschieblich gelagerten Gleitbuchse 3 und mit ihrem anderen Ende unterhalb des Sitzes 1 1 bzw. des Sitzträgers 1 1 .1 gegen den vorderen Bereich des Sitzes 1 1 abgestützt ist. Somit wirkt ein Abschnitt der Gasdruckfeder 4 als Führungsteil für die Gleitbuchse 3, die gelenkig mit einer Stange 6 verbunden ist, deren anderer Endabschnitt in einem Anlenkpunkt 8 mit dem Pendelgelenk 7 verbunden ist, wie die Fig . 2 bis 4 zeigen.
Der Anlenkpunkt 8 ist entlang dem Pendelgelenk 7 mit einer eine Verstellhandhabe 2. 1 aufweisenden Einstelleinheit 2 der Verstellvorrichtung kontinuierlich verstellbar. Damit ergeben sich verschiedene Abstände b zwischen einem Gelenkpunkt des Pendelgelenkes 7 an dem Lagerbock 1 und dem Anlenkpunkt 8, innerhalb dessen der Anlenkpunkt 8 an dem Pendelgelenk 7 eingestellt werden kann.
Die Fig. 2 bis 5 zeigen verschiedene Stellungen der Sitzneigung und Lagen des Anlenkpunktes 8.
In der Ausgangsstellung nach Fig. 2 hat die Druckfeder 5 eine Länge a wobei der Abstand des Anlenkpunktes 8 relativ weit (z.B. maximal) gegenüber dem Gelenkpunkt 7.1 des Pendelgelenkes 7 ausgelenkt ist, womit sich eine geringe (z.B. minimale) Sitzkrafteinstellung (-) ergibt. Wird der Sitz und damit das Pendelgelenk 7 um einen Winkel a entsprechend Fig. 3 nach hinten verschwenkt, so wird die Druckfeder 5 gestaucht und hat die Länge a2, womit sie eine größere Kraft ausübt. Mittels der Stange 6 wird das Gegenlager in Form der Gleitbuchse 3 beim Abwärtsschwenken des Sitzes 1 1 nach hinten verschoben, so dass die Feder 5 relativ wenig zusammengestaucht wird.
Wird der Anlenkpunkt 8 auf dem Pendelgelenk 7 näher zu dem Gelenkpunkt 7. 1 hin mittels der Einstelleinheit 2 verlagert, so ergibt sich eine erhöhte Sitzkraft ( + ), die sich insbesondere im hinteren Verschwenkbereich um den Winkel a bemerkbar macht, wie Fig . 4 zeigt. In der abgeschwenkten Stellung des Sitzes 1 1 ist die Feder 5 gegenüber Fig. 3 relativ stark zusammengestaucht und übt eine entsprechend große Federkraft aus. Dies wird dadurch bewirkt, dass das Gegenlager 3 mittels der Stange 6 beim Rückwärtsschwenken nur wenig nach hinten verschoben wird, da der Anlenkpunkt 8 nahe dem Gelenkpunkt 7.1 (Abstand b') liegt. Entsprechend andere Kraft/Weg-Verhältnisse ergeben sich auch in den mit der Einstelleinheit 2 einstellbaren Zwischenstellungen, wobei Fig. 5 schematisch zwei weitere Beispiele des Aufbaus und Fig. 6 sich ergebende Federkennlinien bei den Abständen (Stellungen des Anlenkpunktes 8) b, und b2 zeigen. Je näher der Anlenkpunkt 8 zu dem Gelenkpunkt 7.1 hin verstellt wird, um so steiler wird die
Federkennlinie, die in Fig . 6 als Drehmoment M über dem Drehwinkel a aufgetragen ist.
Im Gegensatz zu dem beschriebenen Aufbau bleiben bei dem Stand der Technik bei verschiedenen Federvorspannungen erhaltene Federkennlinien ST und S2 parallel, wie Fig. 7 zeigt, in der eine Sitzkraft F bei einer Synchronbewegung um einen Winkel a aufgetragen ist.
Da bei dem beschriebenen Aufbau in der Ausgangsstellung die Federlänge der Druckfeder 5 kaum (im äußersten Fall gar nicht) geändert wird, ist auch die Einstellung mit der Verstellhandhabe 2.1 bei der Verlagerung des Anlenkpunktes 8 einfach vorzunehmen.
Das Grundprinzip der Verstellung des Kraft/Weg-Verhältnisses mittels der Verstellvorrichtung, wobei während einer Verschwenkung des Sitzes und/oder auch der Rückenlehne das Gegenlager 3 relativ zu dem Führungsteil 4 mehr oder weniger weit verschoben wird, ist auch an anderen Stellen des Schwenkmechanismus 14 einsetzbar.