Verbrennungsaussetzererkennungsverfahren
Stand der Technik
Aus der DE 196 27 540 ist bereits ein Verfahren zur Erkennung von Verbrennungsaussetzern bekannt, bei dem ein
Maß für die Laufunruhe des Verbrennungsmotors gebildet wird und mit einem Schwellwert verglichen wird, der von der Last des Verbrennungsmotors abhangig ist und bei dem eine Überschreitung des Schwellwertes als Aussetzer gewertet wird. Die Last, d.h. im wesentlichen die Füllung des
Zylinders mit Luft beeinflußt die Laufunruhe wesentlich. Mit bei steigender Last steigendem Drehmoment steigen die auf die Kurbelwelle wirkenden Beschleunigungskrafte an und bewirken damit eine steigende Laufunruhe.
Die Aufgabe der Erfindung besteht in der weiteren Verbesserung der Erkennungsqualitat der Verbrennungsaussetzererkennung .
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des unabhängigen Anspruchs gelost.
Die Losung berücksichtigt, daß die Laufunruhe des Motors bei regulärer Verbrennung vom Drehmoment des Motors abhangt. Neben der Last, die im wesentlichen durch die
Zylinderfullung mit Luft definiert wird, beeinflußt auch der Zundwinkel und das Kraftstoff/Luftverhaltnis der Zylinderfullung das aus der Verbrennung der Zylinderfullung resultierende Drehmoment und damit die unter regulären Bedingungen zu erwartende Laufunruhe.
Vorteile der Erfindung
Die erfindungsgemaße Berücksichtigung des Zundwinkels und/oder des Kraftstoff/Luftverhaltnisses der Zylinderfullung bei der Bestimmung des Schwellwertes oder bei der Bildung eines Maßes für die Laufunruhe des Verbrennungsmotors und/oder bei der Aktivierung/Deaktivierung der Aussetzererkennung erlaubt einen geringeren Abstand von Schwellwert und Laufunruhewerten unter regulären Bedingungen und damit eine empfindlichere Erkennung von nichtregularen Bedingungen, d.h. insbesondere von Aussetzern.
Von besonderem Vorteil ist die erfindungsgemaße Berücksichtigung des Zundwinkels bei modernen Verbrennungsmotorsteuerungen, die neben der Zylinderfullung auch den Zundwinkel als Stellgroße zur Realisierung eines geforderten Drehmomentes nutzen.
Im Gegensatz zu anderen Verbrennungsmotorsteuerungen entfallt bei diesen modernen Motorsteuerungen die vergleichsweise starre Kopplung des Zundwinkels an Last und Drehzahl. Die verringerte Abhängigkeit des Zundwinkel von diesen Großen vergrößert seinen selbständigen Einfluß auf das Drehmoment und damit die vorteilhaften Wirkungen der Erfindung .
Die Zusammensetzung des Kraftstoff/Luft-Gemisches beeinflußt zusatzlich das Drehmoment. Eine weitere Steigerung der Genauigkeit ergibt sich daher durch eine Berücksichtigung der Zusammensetzung des Kraftstoff/Luft-Gemisches .
Bei Motoren mit Benzindirekteinspritzung sind Betriebszustande denkbar, in denen das gewünschte Moment bei gegebener Luftfullung und festem optimalen Zundwinkel über die Qualität des Kraftstoff/Luftgemisches, d.h. über dessen Lambdawert eingestellt wird.
In solchen Betriebszustanden ist daher nicht der Zundwinkel sondern die Zusammensetzung des Kraftstoff/Luftgemisches die entscheidende Große, die erfindungsgemaß zu berücksichtigen ist.
Von Vorteil ist darüber hinaus eine ergänzende Berücksichtigung des Zustandes einer
Drehmomentwandleruberbruckungskupplung bei Fahrzeugen mit Automatikgetrieben.
Der Antriebsstrang stellt ein schwingungsfahiges System dar. Je nachdem, ob die Kupplung offen oder geschlossen ist, ergibt sich eine unterschiedliche Auswirkung durch dampfende oder anregende Einflüsse auf die Laufunruhewerte der
Brennkraftmaschine. Dadurch kann der Storabstand, d.h. der Abstand der Laufunruhewerte unter dem Einfluß von Aussetzern von den Laufunruhewerten bei regulärer Verbrennung beeinflußt werden.
Die ergänzende Berücksichtigung des Zustandes der Wandleruberbruckungskupplung erlaubt auch hier eine Optimierung des Storabstandes .
Die Berücksichtigung des Zundwinkels bei der Aktivierung/Deaktivierung der Aussetzererkennung fuhrt zu einer weiter gesteigerten Zuverlässigkeit der Aussetzererkennung .
Fig. 1 zeigt das technische Umfeld der Erfindung.
Figur 2 verdeutlicht das bekannte Prinzip der Bildung von Segmentzeiten als Basis eines Maßes für die Laufunruhe auf der Basis von Drehzahlmessungen.
Die Fig. 3 und 4 offenbaren Flußdiagramme als Ausfuhrungsbsp . des erfindungsgemaßen Verfahrens.
Figur 1 zeigt eine Brennkraftmaschine 1 mit einem Winkelgeberrad 2, das Markierungen 3 tragt, sowie einen Winkelsensor 4, ein Mittel 5 zur Erfassung der in die Brennkraftmaschine stromenden Luftmenge ml, bspw. ein Heißfilmluftmassenmesser, ein Leistungsstellglied 6, bspw. eine elektronisch gesteuerte Drosselklappe, eine Zündvorrichtung 7 und ein
Steuergerat 8 sowie eine Fehlerlampe 10, einen Abgassensor 9, und ein Mittel FW zur Erfassung des vom Fahrer gewünschten Drehmomentes.
Aus den erfaßten Betriebsdaten und im Steuergerat abgelegten Kennfeldern und Kennlinien laßt sich das Drehmoment mdist des Motors bestimmen. Das Signal des
Heißfilmluftmassenmessers liefert ein Signal über die Luftmenge, die in den Verbrennungsmotor strömt. Unter stationären Bedingungen laßt sich daraus durch Division durch die Drehzahl und die Zahl der Zylinder die Luftfullung rl eines einzelnen Zylinders bestimmen. In einem Kennfeld im Steuergerat ist die Abhängigkeit des Drehmomentes mdist von
Füllung rl und Drehzahl n für einen optimalen Zundwinkelwert ZWOPT bei stochiometrischem Gemisch (Lambda = 1) abgelegt.
Mit den Betriebsdaten rl, N, die aus den Signalen der Sensoren 5 und 4 bestimmt werden, laßt sich somit das
Drehmoment mdist prinzipiell bestimmen. Abweichungen des realen Zundwinkels ZW vom Wert ZWOPT und Abweichungen des realen Lambda, das vom Sensor 9 geliefert wird, beeinflussen das Drehmoment. Diese Einflüsse lassen sich durch vorbestimmte Korrekturfaktoren bei der Berechnung von mdist berücksichtigen.
Der optimale Zundwinkel ZWOPT ist ebenfalls in einem Kennfeld in Abhängigkeit von rl und n abgelegt.
Die Drehbewegung des mit der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine gekoppelten Winkelgeberrades wird mit Hilfe des als Induktivsensor realisierten Winkelsensors 4 in ein elektrisches Signal umgewandelt, dessen Periodizitat ein Abbild des periodischen Vorbeistreichens der Markierungen 3 am Winkelsensor 4 darstellt. Die Zeitdauer zwischen einem Anstieg und einem Abfall des Signalpegels entspricht daher der Zeit, in der sich die Kurbelwelle über einen dem Ausmaß einer Markierung entsprechenden Winkelbereich weitergedreht hat. Diese Zeitdauern werden in dem als Rechner realisierten Steuergerat 5 zu einem Maß Lut für die Laufunruhe der Brennkraftmaschine weiterverarbeitet .
Ein Beispiel einer Lut-Berechnung wird weiter hinten vorge- stellt.
Aus dem Signal des Sensors 4 laßt sich weiterhin die Drehzahl n der Kurbelwelle der Brennkraftmaschine bestimmen. Drehzahl n, angesaugte Luftmenge ml als Maß für die Zylinderfullung rl der Brennkraftmaschine sowie die
Kraftstoff/Luftgemischzusammensetzung Lambda der Zylinderfullung und der Zundwinkel ZW bestimmen maßgeblich das aus der Verbrennung resultierende Drehmoment.
Zur Einstellung des gewünschten Drehmomentes verarbeitet das Steuergerat die Signale der dargestellten und ggf. noch weiterer Sensoren und formt daraus Ansteuersignale insbesondere zur Fullungssteuerung über das Leistungsstellglied 6 und zur ergänzenden Drehmomenteinstellung über den Zundwinkel ZW, mit dem die Zündvorrichtung angesteuert wird.
Fig. 1 b zeigt neben Motor 1 und Steuergerat 8 ein automatische Getriebe 11 mit einem hydraulischen Drehmomentwandler 13, einer Wandleruberbruckungskupplung 12 und einem Sensor 14 zur Erfassung der Getriebeabtriebsdrehzahl nGA.
Die Wandleruberbruckungskupplung dient zur mechanischen Uberbruckung des hydraulischen Drehmomentwandlers. Im überbrückten Zustand wird der Schlupf des hydraulischen Drehmomentwandlers beseitigt und somit der Wirkungsgrad der Kraftübertragung verbessert. Die Ansteuerung der Wandlerkupplung erfolgt durch das Steuergerat 8 mit einem Signal PWK in Abhängigkeit von Motordrehmoment mdist oder Füllung rl und Getriebeabtriebsdrehzahl nGA. Im folgenden soll PWK = 1 einer geschlossenen Wandleruberbruckungskupplung entsprechen .
Figur 2a zeigt eine Einteilung des Winkelgeberrades in vier Segmente, wobei jedes Segment eine vorbestimmte Zahl von Markierungen aufweist. Die Markierung OTk ist demjenigen oberen Totpunkt der Kolbenbewegung des k-ten Zylinders eines in diesem Beispiel achtzylindrigen Verbrennungsmotors zuge- ordnet, der im Verbrennungstakt dieses Zylinders liegt. Um
diesen Punkt herum ist ein Drehwinkelbereich φk definiert, der sich in diesem Beispiel über ein Viertel der Markierungen des Winkelgeberrades erstreckt. Analog sind den Verbrennungstakten der übrigen Zylinder Winkelbereiche φl bis φ8 zugeordnet, wobei hier vom Viertaktprinzip ausgegangen wird, bei dem sich die Kurbelwelle für einen vollständigen Arbeitszyklus zweimal dreht. Daher entspricht beispielsweise der Bereich φl des ersten Zylinders dem Bereich φ5 des fünften Zylinders usw. Die zu einer Kurbelwellenumdrehung zuge- hörigen Winkelbereiche können voneinander getrennt sein, sich aneinander anschließen oder auch überlappen. Im ersten Fall gibt es Markierungen, die keinem Winkelbereich zugeordnet sind, im zweiten Fall gehört jede Markierung zu genau einem Winkelbereich und im dritten Fall können jeweils die- selben Markierungen verschiedenen Winkelbereichen zugeordnet sein. Beliebige Langen und Lagen der Winkelbereiche sind somit möglich.
In der Figur 2b sind die Zeiten ts aufgetragen, in denen die Winkelbereiche durch die Drehbewegung der Kurbelwelle überstrichen werden. Dabei ist ein Aussetzer im Zylinder k angenommen. Der mit dem Aussetzer verbundene Drehmomentausfall fuhrt zu einem Anstieg der zugehörigen Zeitspanne ts oder einer nachfolgenden Zeitspanne ts+1. Die Zeitspannen ts stellen damit bereits ein Maß für die Laufunruhe dar, das prinzipiell zur Erkennung von Aussetzern geeignet ist. Durch eine geeignete Verarbeitung der Zeitspannen ts, insbesondere durch die Bildung von Differenzen benachbarter Zeitspannen und Normieren dieser Differenzen auf die dritte Potenz der Zeitspanne tsi zu einem Zundtakt mit Index i erhalt der
Laufunruhewert die Dimension einer Beschleunigung und weist, wie sich empirisch gezeigt hat, ein verbessertes Signal/Rausch-Verhaltnis auf.
Die Laufunruhewerte können auch nach anderen Vorschriften gebildet sein.
Der Ablauf einer Aussetzererkennung ist in der Figur 3a dargestellt, die ein Flußdiagramm eines Ausfuhrungsbeispiels des erfindungsgemaßen Verfahrens darstellt.
Das Ausfuhrungsbeispiel wird zyklisch aus einem übergeordneten Motorsteuerungs- oder Hauptprogramm aufgerufen.
Das Aussetzererkennungsverfahren beginnt mit dem Schritt 3.1, in dem zundungssynchron Segmentzeiten erfaßt und gegebenfalls zu Laufunruhewerten verarbeitet werden.
In dem Schritt 3.2 wird ein Schwellwert LUR aus einem Kennfeld LUR(y) eingelesen. Als Eingangsparameter y des Kennfeldes dient wenigstens der Zundwinkel ZW. Als weitere Eingangsparameter kommen einzeln oder in beliebiger Kombination die Gemischzusammensetzung Lambda, die Füllung rl, die Drehzahl n und der Zustand PWK der Wandleruberbruckungskupplung in Frage. Dabei wird eine geschlossene Wandleruberbruckungskupplung (PWK = 1) tendenziell mit einem höheren Schwellwert verknüpft sein. Gleiches gilt für höhere Werte von rl . Abweichungen des
Zundwinkels ZW von seinem optimalen Wert fuhren zu kleineren Drehmomenten. Entsprechend wird der Schwellwert mit zunehmenden Abstand von ZW von ZWOPT sinken. Ahnliches gilt für von Lambda 1 abweichende Lambdawerte.
Nach dem Einlesen des Schwellwertes LUR findet im Schritt S3.3 ein Vergleich des Laufunruhewertes mit dem Schwellwert statt. Ein Kreuzen des Schwellwertes durch einen Laufunruhewert wird im Schritt 3.4 als Aussetzer gewertet. Daran schließt sich ein Schritt 3.5 an, in dem
gegebenenfalls, das heißt beispielsweise bei einer bestimmten Häufigkeit des Auftretens von Ausetzern, eine Fehlerlampe MIL eingeschaltet wird.
Die Fig. 3b zeigt eine Alternative zur Änderung des
Schwellwertes. Im Rahmen dieser Alternative erfolgt anstelle einer Änderung des Schwellwertes eine Änderung der Laufunruhewerte. Dazu wird in einem Schritt 3.1.1 ein Korrekturwert K aus einem Kennfeld eingelesen und im Schritt 3.1.2 mit unkorrigierten Laufunruhewerten LUT zu einem korrigierten Laufunruhewert LUT2 verknüpft. Die Verknüpfung kann additiv oder multiplikativ sein. Die Korrektur wird bei geschlossener Wandleruberbruckungskupplung (PWK = 1) tendenziell verkleinernd auf die Laufunruhewerte wirken. Dadurch wird die Aussetzererkennung unempfindlicher gegen
Triebstrangschwingungen. Gleiches gilt für höhere Werte von rl, die das Drehmoment und damit die Laufunruhe steigern, ohne daß die (unkorrigiert) gestiegene Laufunruhe durch Aussetzer bedingt ist. Abweichungen des Zundwinkels ZW von seinem optimalen Wert fuhren zu kleineren Drehmomenten. Entsprechend wird die Korrektur in diesem Fall mit zunehmenden Abstand von ZW von ZWOPT vergrößernd wirken. Ahnliches gilt für von Lambda 1 abweichende Lambdawerte.
Der im Schritt 3.2 eingelesene Schwellwert kann bei diesem Ausfuhrungsbsp . konstant sein, so daß sich das in Fig. 3a gezeigte Kennfeld gewissermaßen auf eine Speicherzelle reduziert .
Fig. 4 zeigt ein weiteres Ausfuhrungsbeispiel, das die Zuverlässigkeit der Aussetzererkennung weiter erhöht.
Fig. 4 a zeigt eine durch Werte von Drehmoment mdist und Drehzahl n aufgespanntes Kennfeld, in dem Bereiche A und B unterscheiden werden.
Fig. 4b zeigt mit dem Schritt 4.1 eine zusatzliche, der Aussetzererkennung nach Fig. 3 vorgeschaltete Abfrage.
Darin wird überprüft, ob das das aktuelle Wertepaar mdist(ZW), n im Bereich A liegt. Wenn dies bejaht wird, erfolgt die Aussetzererkennung nach Fig. 3. Mit anderen Worten: Die Aussetzererkennung ist aktiviert. Wird die Abfrage dagegen verneint, wird zurück in das Hauptprogramm verzeigt, ohne daß die Aussetzererkennung aktiviert ist.
Durch diesen vom Drehmoment und von der Drehzahl abhangigen Arbeitsbereich A, in dem die Aussetzererkennung aktiv ist, laat sich die Aussetzererkennung insbesondere in Betriebspunkten mit großer Füllung bei gleichzeitig großem Abstand des Zundwinkels ZW von seinem Optimalwert ZWOPT deaktivieren.
Diese Betriebspunkte werden typischerweise zur Heizung des Katalysators eingestellt. Aufgrund des nicht optimalen Zundzeitpunktes ist der Wirkungsgrad des Motors verschlechtert. Die aufgrund des verschlechterten Wirkungsgrades nicht im Motor freiwerdende Energie der Zylinderfullung heizt den nachgeschalteten Katalysator auf. Der schlechte Wirkungsgrad wird durch eine erhöhte Füllung kompensiert.
Die erhöhte Füllung allein konnte als Indiz für einen ausreichenden Storabstand interpretiert werden, weil sie in anderen Betriebspunkten mit erhöhtem Drehmoment einhergeht. In den speziellen Betriebspunkten mit verschlechtertem Wirkungsgrad stimmt diese Korrelation jedoch nicht. Das Drehmoment ist aufgrund des kleineren Wirkungsgrades kleiner. Die erfindungsgemaße Berücksichtigung des Zundwinkel und gegebenfalls auch der Gemischzusammensetzung
erlaubt eine verbesserte Ausblendung kritischer Betriebspunkte und damit insgesamt eine Steigerung der Zuverlässigkeit der Aussetzererkennung.