VERFAHREN UND VORRICHTUNG ZUR DISTANZMESSUNG
Die Erfindung liegt auf dem Gebiete der Messtechnik und betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung gemäss den Oberbegriffen der entsprechenden, unabhängigen Patentansprüche. Verfahren und Vorrichtung dienen zur Messung der Distanz zwischen zwei Punkten.
Es ist bekannt, die Distanz zwischen zwei beliebigen Punkten im Raum mit Hilfe eines Laser-Trackers und eines Retroreflektors zu messen. Unter einem Retroreflek- tor ist ein Reflektor zu verstehen, der einen Strahl unabhängig von seinem Einfallswinkel parallel zu sich selbst reflektiert. Unter einem Laser-Tracker ist ein Instrument zu verstehen, das im wesentlichen die folgenden Funktionseinheiten aufweist: einen Laser, der einen Laserstrahl aussendet, ein Mittel zur Einstellung der Laserstrahlrichtung, ein Mittel zur Messung von Änderungen der Laserstrahlrichtung, ein Mittel zur Detektion der Verschiebung zwischen dem auf den Retroreflektor gerichteten Laserstrahl und dem reflektierten Strahl, ein Mittel zur Minimierung dieser Verschiebung durch automatische Veränderung der Laserstrahlrichtung und ein Mittel zur interferometrischen Auswertung von ausgesendetem und reflektiertem Laserstrahl zur Bestimmung von Distanzänderungen zwischen Laser und Reflektor.
Zur Messung der Distanz zwischen zwei beliebigen Punkten im Raum mit Hilfe eines Laser-Trackers und eines Retroreflektors wird gemäss dem Stande der Technik der Reflektor in einem der beiden Punkte positioniert, wird der Laserstrahl des Trak- kers auf den Reflektor gerichtet und wird dann der Reflektor vom ersten Punkt zum
zweiten Punkt bewegt, wobei er vom Laserstrahl des Trackers verfolgt wird Aus der Veränderung der Richtung des Laserstrahles und aus der Veränderung der Distanz zwischen Tracker und Reflektor bei der Verschiebung des Reflektors vom ersten zum zweiten Punkt wird mit triangulatorischen Methoden die Distanz zwischen den beiden Punkten berechnet
Die Genauigkeit, die mit einer derartigen triangulatorischen Distanzmessung erreicht werden kann, ist abhangig von der Genauigkeit, mit der der Reflektor in den Punkten positionierbar ist, sowie von den Genauigkeiten der Winkel- und der Distanzmessungen, die zur Bestimmung der Richtungsanderung und der Distanzanderung zur An- wendung kommen Die Winkelmessung mit bekannten Winkelgebern hat üblicherweise eine Genauigkeit im Bereiche von etwa einer Bogensekunde, die Distanzmessung mit interferometrischen Methoden eine Genauigkeit im Bereiche von 1 bis 3 μm Bei triangulatorischen Distanzmessungen im Bereiche von Metern ist es die Genauigkeit der Winkelmessung, die sich in der Genauigkeit der Distanzmessung ins- besondere niederschlagt, so dass es für eine Erhöhung der Genauigkeit der Distanzmessung insbesondere notwendig wäre, die Genauigkeit der Winkelmessung zu erhohen
Die Erfindung stellt sich nun die Aufgabe, die Genauigkeit von Distanzmessungen mit Hilfe von Laser-Tracker und Retroreflektor zu verbessern Es soll ein Verfahren und eine Vorrichtung geschaffen werden, die es erlauben, mit einer gegenüber dem Stande der Technik markant erhöhten Genauigkeit unter Verwendung eines gangigen Laser-Trackers und eines gangigen Retroreflektors Distanzen zwischen in weiten Grenzen beliebig im Räume positionierten Punkten zu messen, wobei das Verfahren gegenüber dem Stande der Technik keinen zusatzlichen Mess- und/oder Rechenauf- wand bedingen soll und wobei die zusatzlich zu Laser-Tracker und Retroreflektor verwendete Vorrichtung einfach herstellbar und einfach anwendbar sein soll
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Diese Aufgabe wird gelöst durch das Verfahren und die Vorrichtung, wie sie in den entsprechenden, unabhängigen Patentansprüchen definiert sind.
Das erfindungsgemässe Verfahren beruht im wesentlichen darauf, mit geeigneten Mitteln den vom Laser-Tracker ausgesendeten Laserstrahl derart umzulenken, dass die beiden Punkte, deren Distanz zu bestimmen ist, vom umgelenkten Laserstrahl getroffen werden, dass der umgelenkte Laserstrahl also auf der Geraden durch die beiden Punkte verläuft. Wenn nun der Reflektor vom einen der Punkte zum anderen bewegt wird, ändert sich zwar die Distanz zwischen Tracker und Reflektor und kann diese Distanzänderung interferometrisch ermittelt werden, die Richtung des Laser- Strahles ist aber für die erste Reflektorposition und für die zweite Reflektorposition dieselbe. Dadurch beschränkt sich die Messung auf eine relative Distanzmessung, die interferometrisch und mit der oben genannten hohen Genauigkeit durchgeführt werden kann. Eine Winkelmessung mit der ebenfalls oben genannten, weniger hohen Genauigkeit wird vermieden oder, wie weiter unten noch gezeigt werden soll, höch- stens für die Berechnung eines Korrekturfaktors verwendet.
Die Vorrichtung, die zusätzlich zu Laser-Tracker und Retroreflektor für die Durchführung des Verfahrens anzuwenden ist, weist ein Umlenkmittel zum Umlenken des Laserstrahles (z.B. einen Spiegel mit einstellbarer Orientierung) und ein Reflektor- Positioniermittel (z.B. einen Magnethalter) zum Positionieren des Reflektors auf. Ferner weist die Vorrichtung ein Markiermittel auf, das bei der Ausrichtung des Laserstrahles durch die zwei Punkte zum Markieren des einen der zwei Punkte dient. Das Markiermittel ist beispielsweise ein auf dem genannten Reflektor- Positioniermittel positionierbares Fadenkreuz.
Zur Messung der Distanz zwischen einem ersten und einem zweiten Punkt nach dem erfindungsgemässen Verfahren wird der Reflektor im ersten Punkt und das Markier-
mittel im zweiten Punkt positioniert. Dann wird der Laserstrahl des Laser-Trackers, der in einer beliebigen Tracker-Position positioniert ist, über das Umlenkmittel auf den Reflektor gerichtet, wobei das Umlenkmittel derart eingestellt wird, dass der Trackerstrahl durch die vom Markiermittel markierte zweite Reflektor-Position zum Reflektor verlauft. Das Markiermittel wird dann aus dem Strahlengang entfernt (ohne Trackingverlust), der Reflektor wird (gegen das Umlenkmittel) in die Position des Markiermittels gebracht und die Reflektorverschiebung wird interferometrisch ausgewertet, was direkt die Distanz zwischen dem ersten und dem zweiten Punkt ergibt Die Tracker-Position und die Einstellung des Umlenkmittels bleiben wahrend der Messung unverändert
Bei Verwendung eines Reflektors bei dem ein zentraler Teil des Laserstrahles unre- flektiert durch den Reflektor verlauft, ist es auch möglich, den Laserstrahl durch den Reflektor auf das Markiermittel zu richten und dann den Reflektor vom Umlenkmittel weg auf den zweiten Punkt zu bringen Die Auswertung der interferometrischen Messung bleibt gleich, wie oben für den umgekehrten Fall beschrieben
Die Genauigkeit des erfindungsgemassen Distanzmessverfahrens ist nicht abhangig von der Richtung des Trackerstrahles und auch nicht vom Winkel, mit dem dieser auf das Umlenkmittel trifft Sie ist ebenso wenig abhangig vom exakten Verlauf der Reflektorbewegung zwischen dem ersten und dem zweiten Punkt, wahrend der der Reflektor vom Trackerstrahl verfolgt wird Die Richtung des Trackerstrahles ändert sich dabei gegebenenfalls, ist aber am Ende der Bewegung im wesentlichen dieselbe wie bei Beginn
Genau wie bei den eingangs erwähnten Verfahren ist die Genauigkeit des erfindungsgemassen Verfahrens abhangig von der Genauigkeit der Reflektor- bzw Mar-
kiermittel-Positionierung und werden für eine genaue Positionierung im wesentlichen dieselben Massnahmen ergriffen
Für Falle, in denen der Reflektor und das Markiermittel nicht direkt in zu vermessenden Punkten positionierbar sind, werden Positionier-Mittel verwendet, die eine genau definierte relative Position des optischen Zentrums des Reflektors zum relevanten Punkt ergeben Aus der gemessenen Distanz zwischen dem optischen Zentrum des Sensors in den zwei Positionen wird dann rechnerisch auf die effektiv gesuchte Distanz zwischen den relevanten Punkten geschlossen
Das erfindungsgemasse Verfahren und eine beispielhafte Ausführungsform der Vor- richtung, die zusatzlich zu Laser-Tracker und Retroreflektor zur Durchführung des Verfahrens angewendet wird, werden im Zusammenhang mit den folgenden Figuren im Detail beschrieben Dabei zeigen
Figuren 1 bis 3 die Verfahrensschritte des erfindungsgemassen Verfahrens,
Figur 4 eine beispielhafte Ausführungsform der erfindungsgemassen Vorrichtung
Figuren 1 bis 3 zeigen das Prinzip des erfindungsgemassen Verfahrens und illustrieren seine aufeinanderfolgenden Schritte Die Figuren zeigen einen ersten Punkt P 1 und einen zweiten Punkt P 2, deren Abstand D zu bestimmen ist, wobei der Einfachheit halber P 1 und P 2 mit den Reflektorpositiorten (Positionen des optischen Zentrums des Reflektors) gleichgesetzt werden Die Figuren zeigen ferner eine Tracker- position 3, einen Trackerstrahl 4, einen einstellbaren Spiegel 5 (Umlenkmittel), einen Retroreflektor 6 und ein Fadenkreuz 7 (Markiermittel) Die Verfahrensschritte sind die folgenden
• Reflektor 6 im erstem Punkt P. l, Fadenkreuz 7 im zweitem Punkt P.2 positionieren und Trackerstrahl 4 durch entsprechende Einstellung des Spiegels 5 und automatische Nachführung des Trackerstrahles 4 durch den vom Markiermittel markierten, zweiten Punkt P.2 auf den im ersten Punkt P. l positionierten Re- flektor 6 richten (Figur 1);
• Fadenkreuz 7 vom zweiten Punkt entfernen, ohne den Laserstrahl zu unterbrechen;
• Reflektor 6 vom ersten Punkt P. l zum zweiten Punkt P.2 bringen und dabei mit dem Trackerstrahl 4 automatisch verfolgen, wobei die Veränderung der Distanz zwischen Tracker und Reflektor interferometrisch verfolgt wird (Figur 2);
• Reflektor 6 in zweitem Punkt P.2 anstelle des Fadenkreuzes 7 positionieren und Distanzänderung bestimmen (Figur 3).
In den Figuren 1 bis 3 ist der erste Punkt P. l, von dem die Bewegung des Reflektors 6 ausgeht, weiter vom Spiegel 5 entfernt als der zweite Punkt P.2, in dem die Re- flektorbewegung endet. Dies ist notwendig, wenn ein bekannter Tripelspiegel oder ein bekanntes Tripelprisma als Reflektor verwendet wird. Ein als Reflektor verwendetes Tripelprisma kann aber an seiner Spitze eine zur Basisfläche parallele Austrittsfläche oder der Tripelspiegel eine entsprechende Austrittsöffnung aufweisen, derart, dass ein zentraler Teil des auf den Reflektor gerichteten Laserstrahles nicht reflek- tiert wird sondern den Reflektor im wesentlichen geradlinig durchdringt. Bei Verwendung eines derart ausgestalteten Reflektors kann der erste Punkt P.1 auch näher beim Spiegel 5 liegen und kann der den im ersten Punkt P. l positionierten Reflektor durchdringende, zentrale Teil des Laserstrahles zur Ausrichtung auf das im zweiten Punkt P.2 positionierte Fadenkreuz 7 gerichtet werden, während der reflektierte, pe- riphere Laserstrahl-Teil für die interferometrische Auswertung verwendet wird.
Die Einstellung des umgelenkten Laserstrahles durch das Fadenkreuz 7, die vor der effektiven interferometrischen Messung durch beispielsweise manuelle Einstellung des Spiegels 5 realisiert wird, ist gegebenenfalls weniger genau als die entsprechende Ausrichtung des Laserstrahles auf den im zweiten Punkt positionierten Reflektor am Ende der Messung. Daraus kann sich zwischen Anfang (Figur 1) und Ende der Messung (Figur 3) eine kleine Verschiebung der Trackerstrahl-Richtung ergeben. Diese Richtungsveränderung kann in bekannter Weise durch Winkelmessung ermittelt werden und kann zur Berechnung eines Korrekturfaktors für die Distanzmessung verwendet werden.
Figur 4 zeigt eine beispielhafte Ausfuhrungsform der Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemassen Verfahrens und einen von einem Laser-Tracker 9 ausgesendeten und mit Hilfe der Vorrichtung umgelenkten Laserstrahl 4. Die Vorrichtung weist als Reflektor-Positioniermittel einen Magnethalter 10 auf, der, gegebenenfalls mit Hilfe von Befestigungssmitteln (nicht dargestellt), derart im Bereiche des einen der zu vermessenden Punkte montierbar ist, dass mit seiner Hilfe der Reflektor oder gegebenenfalls das Fadenkreuz 7 darauf eine genau definierte Position (P.2) einnimmt. Mit dem Magnethalter 10 ist über eine Grundplatte 11 der Spiegel 5 verbunden, derart, dass er um zwei senkrecht zueinander stehende Achsen verschwenkbar ist. In der dargestellten Ausfuhrungsform ist die erste Schwenkachse I parallel zur Grundplatte 11 ausgerichtet und ist die zweite Schwenkachse A.2 gleichzeitig die Achse des ringförmigen Magnethalters 10. Die Grundplatte 11 ist also um den Magnethalter 12 verschwenkbar oder drehbar (A.2) und der Spiegel 5 ist zusätzlich relativ zur Grundplatte verschwenkbar (A.1).
Die in der Figur 4 dargestellte Vorrichtung ist ein sehr einfaches Werkzeug, das pro- blemlos an verschiedensten Objekten montierbar ist. Der Vorteil der in der Figur 4 dargestellten spezifischen Spiegelanordnung besteht darin, dass damit Distanzen zwischen dem einen Punkt, in dessen Bereich die Vorrichtung montiert ist, und in
verschiedensten Richtungen von diesem Punkt entfernten, anderen Punkten messbar sind, ohne dass die Vorrichtung ummontiert werden muss.
Das erfindungsgemässe Verfahren, dessen Prinzip im Zusammenhang mit den Figuren 1 bis 3 beschrieben wurde, ist auf verschiedenste Arten automatisierbar und eine entsprechende Unterstützung kann problemlos in die Bedienungssoftware des Laser- Trackers eingebaut werden. Einige Automatisierungsbeispiele sind in den folgenden Abschnitten beschrieben.
Der erste Schritt des Verfahrens, das heisst die Einstellung des Umlenkmittels so, dass der Laserstrahl eines stationären Laser-Trackers nach der Umlenkung auf der durch die beiden Punkte, deren Distanz zu messen ist, definierten Geraden verläuft, wird dadurch automatisiert, dass mit Hilfe des Trackers zuerst die Positionen der beiden Punkte in bekannter Weise bestimmt werden und dass dann die für die Ausrichtung des Laserstrahles durch die beiden Punkte notwendige Umlenkmittel- Einstellung für die vorgegebene Tracker-Position und die durch Messung ermittelten Punkt -Positionen berechnet wird. Dann wird das Umlenkmittel entsprechend eingestellt.
Üblicherweise bietet die Software eines Laser-Trackers einen sogenannten Build- Modus an, der die Positionierung von Reflektoren an Punkten mit vorgegebenen Raumkoordinaten unterstützt. Während ein Benutzer den Reflektor bewegt, berech- net die Tracker-Software in diesem Modus die Abweichung der momentanen Reflektor-Koordinaten von den vorgegebenen Koordinaten und visualisiert diese Abweichungen für den Benutzer. Die Bewegung des Reflektors wird fortgeführt, bis die genannten Abweichungen gleich null sind. Wenn nun als Umlenkmittel beispielsweise der in der Figur 4 dargestellte Spiegel 5 verwendet wird und wenn an diesem Spiegel beispielsweise zwei Reflektoren angeordnet werden, kann die einzustellende
Spiegleposition in Koordinaten für die zwei Reflektoren berechnet werden und kann die Spiegeleinstellung durch den Benutzer mit Hilfe des genannten Build-Modus durchgeführt werden.
Der zweite Schritt des erfindungsgemassen Verfahrens, das heisst die interferometri- sche Messung der Distanz zwischen den zwei Punkten kann beispielsweise durch Hin- und Herbewegen des Reflektors zwischen den beiden Punkten, durch Nullsetzung der Interferometerdistanz vor jeder Bewegung und durch Berechnung der effektiven Distanz aus den aufsummierten Distanzänderungen (Absolutwerte) realisiert und von der Software des Laser-Trackers entsprechend unterstützt werden.