Pharmazeutische Zusammensetzung zur transdermalen Verabreichung von Hormonen mit einem permeations- verbessernden Zusatzstoff.
Die Erfindung betrifft eine pharmazeutische Zusammensetzung, welche zur transdermalen Verabreichung von Hormonen geeignet ist. Insbesondere betrifft die Erfindung Wirk- stoffpflaster, welche zur transdermalen Verabreichung von Ξstrogenen oder Gestagenen, oder einer Kombination solcher Hormone, geeignet sind, wobei sich das Hormon bzw. die Hormone in einer Matrixschicht befinden, zusammen mit einem die Hautpenetration verbessernden Zusatzstoff. Die Erfindung umfaßt ferner ein Verfahren zur Herstellung solcher Zusammensetzungen, sowie deren Verwendung zur Prophylaxe oder therapeutischen Behandlung klimakterischer Beschwerden.
Ξstrogene und Gestagene sind die beiden großen Gruppen der weiblichen Sexualhormone, zu denen beispielsweise die natürlichen Hormone Estradiol und Estron bzw. Progesteron gehören. Diese Sexualhormone aus der Gruppe der Steroidhormo- ne bewirken einerseits die Ausbildung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, indem sie das Wachstum, den Körperaufbau, sowie den Wasser- und Mineralhaushalt beeinflussen. Andererseits sind sie auch verantwortlich für den Ablauf des menstruellen Zyklus bei der Frau und für die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft.
Die natürlichen Sexualhormone (Estradiol und Estron bzw. Progesteron) , deren Derivate sowie Strukturanaloga werden zur hormonalen Kontrazeption, zur Substitutionstherapie oder zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt.
Die orale Verabreichung von Steroidhormonen wie Estrogenen oder Gestagenen ist aus verschiedenen Gründen nachteilig. Wegen der schlechten Wasserlöslichkeit werden diese Hormone
nur zu einem geringen Teil absorbiert. Zudem unterliegt der absorbierte Anteil einem hohen First-Pass-Effekt, d. h. ein relativ großer Wirkstoffanteil wird nach der oralen Gabe bereits bei der ersten Passage durch die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes und durch die Leber metabolisiert, wobei zahlreiche Metaboliten gebildet werden, die nicht mehr die ursprüngliche Hormonwirkung besitzen und zu Nebenwirkungen führen können. Insgesamt wird dadurch die Bioverfügbarkeit der oral applizierten Hormone vermindert. Ferner kommt es bei oraler Verabreichung zu einer unphysiologischen Fluktuation des Hormonspiegels, da wegen des First-Pass- Effektes relativ hohe Hormondosen verabreicht werden müssen. Durch diese Fluktuation werden weitere Nebenwirkungen bedingt. Prinzipiell wäre die langsame intravenöse Infusion als idealer Applikationsweg anzusehen, der aber nicht praktikabel ist.
Gegenüber der oralen Verabreichung bietet die transdermale Verabreichung von Hormonen eine Reihe von Vorzügen. Durch Umgehung des Verdauungstraktes wird die prasystemische Elimination (durch First-Pass-Effekt) stark reduziert, woraus sich eine relativ hohe Bioverfügbarkeit ergibt. Zudem ist die Hormonwirkung unabhängig von der Magenentleerungsrate und der intestinalen Motilität. Auch sind die Fluktuationen bei der Hormonzufuhr viel geringer als bei der oralen Verabreichung, da die Absorption über die Haut über einen längeren Zeitraum kontinuierlich erfolgt. Die Plasmakonzentration kann ohne Spitzen und Täler im therapeutischen Bereich eingestellt werden, d. h. pulsierende Blutspiegel werden vermieden. Aufgrund der höheren Bioverfügbarkeit kann auch die applizierte Dosismenge - gegenüber oralen Darreichungsformen - in der Regel vermindert werden, so daß dosisabhängige Nebenwirkungen ebenfalls reduziert oder gar vermieden werden und insgesamt eine höhere Therapiesicherheit resul- tiert .
Ein weiterer Vorteil der transdermalen Verabreichung ist, daß mögliche Irritationen der Magen- bzw. Darmschleimhaut vermieden werden. Eine transdermale Verabreichung ist auch dann in Betracht zu ziehen, wenn eine perorale Zufuhr bei- spielsweise infolge von Tumoren im Bereich des Gastrointe- stinaltraktes oder wegen Schluckbeschwerden nicht möglich ist. Die transdermale Applikationsroute ist vor allem für hochwirksame Substanzen, z. B. Hormone, geeignet, da in diesem Fall trotz der begrenzten Permeabilität der Haut die erforderlichen Plasmakonzentrationen erreicht werden können. Dies trifft im allgemeinen auf Wirkstoffe zu, deren Tagesdosis weniger als 10 mg beträgt.
Für die transdermale Verabreichung von Wirkstoffen, bei- spielsweise auch von Estrogenen und Gestagenen, eignen sich vor allem Wirkstoffpflaster, die in der Lage sind, den oder die Wirkstoffe in einer vorausbestimmten Rate kontinuierlich über einen bestimmten Zeitraum hinweg an die Haut abzugeben, um dadurch einen systemisehen Effekt im Organismus hervorzurufen. Derartige WirkstoffZubereitungen sind in der Regel durch ein exaktes Behandlungsprogramm charakterisiert, weshalb sie als "Transdermale therapeutische Systeme" (TTS) bezeichnet werden. TTS sind durch eine exakte Wirkstoffbeladung gekennzeichnet. Auch bei der erfindungs- gemäßen Darreichungsform handelt es sich um ein TTS im beschriebenen Sinn.
Bei der Verabreichung von Wirkstoffen bzw. Hormonen mit Hilfe von TTS ist außerdem von Vorteil, daß die Applikati- onsfrequenz im Vergleich zu konventionellen oralen Arzneiformen stark reduziert ist. Infolgedessen zeichnet sich TTS wie die erfindungsgemäßen Zubereitungen durch eine hohe Patientenakzeptanz (sog. "co pliance" ) aus, d. h. durch eine hohe Zuverlässigkeit im Hinblick auf die Befolgung des The- rapieplanes durch die Patienten. Ein weiterer Vorteil ist,
daß die Behandlung bei Bedarf jederzeit leicht abgebrochen werden kann, indem das Wirkstoffpflaster von seinem Auftragungsort entfernt wird.
5 Die Abgabe von Wirkstoffen aus TTS bzw. aus den erfindungs- gemäßen hormonhaltigen Wirkstoffpflästern an die Haut erfolgt durch passive Diffusion in die darunterliegenden Hautareale. Hierfür muß die Wirkstoffbeladung des TTS hoch genug sein, damit ein deutliches Diffusionsgefalle ent- 10 steht. Die definierte Wirkstoffabgäbe eines TTS wird auf die Tragedauer bezogen und ist unter anderem von der Größe der diffusionsaktiven Auflagefläche auf der Haut abhängig.
Bei der transdermalen Aufnahme von Wirkstoffen stellt die 1.5 Haut, insbesondere die Hornhaut, eine Barriere dar. Um zu erreichen, daß die HornhautSchicht als mengenbestimmende bzw. geschwindigkeitsbestimmende Schicht ausgeschaltet wird, kann das betreffende Hautareal mit Mitteln behandelt werden, welche die Durchdringung (Permeation) der Haut in 20 Bezug auf den jeweiligen Wirkstoff erleichtern. Bei TTS erfolgt dies häufig dadurch, daß man den Wirkstoff mit einem die Permeation verbessernden Stoff (Permeations-Enhancer) kombiniert.
25 Die erfindungsgemäßen hormonhaltigen TTS sind sogenannte
"Matrix-Systeme", d. h. sie weisen mindestens eine Polymermatrixschicht auf, welche zum einen als Reservoir für den bzw. die Wirkstoffe dient, und zum anderen eine Klebefunktion hat, um das TTS auf der Haut zu befestigen und einen
30 dichten Kontakt zu ermöglichen. Die Herstellung solcher Systeme ist relativ einfach, verglichen mit TTS, bei denen sich der Wirkstoff in einem beuteiförmigen Reservoir befindet . Bei einem TTS vom Matrix-Typ befinden sich die Wirkstoffe fein verteilt, d. h. gelöst oder dispergiert, in ei-
35 ner Polymermatrix, welche die Funktion eines Reservoirs
übernimmt .
Bei TTS mit einem beuteiförmigen Reservoir wird in der Regel eine Steuermembran benötigt, welche die transdermale Wirkstoffabgäbe reguliert. Bei TTS vom Matrixtyp ist eine solche Membran nicht erforderlich, da die Funktion der
Steuermembran in diesem Fall von der Haut selbst übernommen wird. Dadurch vereinfacht sich die Herstellung dieser TTS.
Das Anhaften der TTS auf der Applikationsfläche wird durch einen Kleber sichergestellt. Allgemein sind Kleber hochviskose, permanent klebende Strukturen. Dabei werden die Qualitätsmerkmale Anfangsklebrigkeit ("tack"), Haftvermögen (Adhäsion) und die innere Festigkeit (Kohäsion) des Haftklebers unterschieden. Als polymere Kleber sind Polyacryla- te, Polyisobutylene, Styrol-Isopren-Blockcopolymere oder Polysilikone gebräuchlich.
Beispiele für einfach aufgebaute Matrixsysteme zur transdermalen Applikation von Estradiol in Kombination mit einem Gestagen sind in der EP 0 695 177 Bl beschrieben. In der WO 96/40087 ist ein Matrixsystem auf Grundlage eines vernetzten Acrylatpolymers zur transdermalen Applikation von Estradiol beschrieben.
Zur Gewährleistung hoher Permeationsraten über einen längeren Zeitraum sind oftmals hohe Permeations-Enhancer-Konzen- trationen erforderlich. Auf diese Weise wird eine ausreichende transdermale Wirkstoffaufnahme ermöglicht und die therapeutische Wirksamkeit gewährleistet. Zum Beispiel ist im US-Patent 5,676,968 der Einsatz von 1, 2-Propandiol und Isopropylmyristat zur Steigerung der Permeation von Estradiol durch die Haut beschrieben. Die EP 0 811 381 AI offenbart den Einsatz von Fettalkoholen in Kombination mit einem Diethylenglykolmonoalkylether als Enhancer für Estradiol und Norethisteronacetat. Nach US-Patent 5,686,097 kann
durch Verwendung von Monoglyceriden und Lactatestern eine Förderung der Penetration einer Estrogen-Gestagen-Kombi- nation bewirkt werden. Zur Verbesserung der Estradiol-Per- eation ist im US-Patent 5,686,098 der Zusatz von Monoiso- propylidenglycerol bzw. -diglycerol beschrieben worden. Das US-Patent 5,122,383 offenbart Sorbitanester als Penetrationsverbesserer.
Der Einsatz von permeationsfördernden Stoffen, insbesondere in höheren Konzentrationen, führt bei TTS-Matrixsystemen allerdings oft dazu, daß die Kohäsion des Systems vermindert wird. Dies äußert sich durch einen erhöhten "tack" (Anfangsklebrigkeit) , einen erhöhten "kalten Fluß", oder einen Transfer von Kleber auf die Schutzfolie bzw. einen Verbleib von Kleberresten auf der Haut nach Entfernen des Systems. Eine Lösung für dieses Problem bietet in allgemeiner Form das US-Patent 5,306,503, wonach Systemen mit einem hohen Gehalt an flüssigen bzw. weichmachenden Kompomenten sogenannte Filmbildner zugesetzt werden sollen. Damit wird allerdings ein zusätzlicher Hilfsstoff in das System eingebracht, der unter Umständen die WirkstoffStabilität nachteilig beeinflussen kann, beispielsweise im Falle von In- kompatibilitätsreaktionen.
Ein Hauptanwendungsgebiet der Estrogene und Gestagene liegt auf dem Gebiet der postmenopausalen Hormonsubstitution, welche der Vorbeugung klimakterischer Beschwerden (Hitzewallungen, Schwindel, Tachykardien, Schwitzen, Angstgefühl, Reizbarkeit, Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen etc.) dient. Ferner sollen Veränderungen an den Harn- und Geschlechtsorganen, kardiovaskuläre Veränderungen bedingt durch Hyperlipoproteinämien, Hautatrophien oder Osteoporose sowie weitere krankhafte Erscheinungen verhindert werden. Zu diesem Zweck wird ein Estrogen in Kombination mit einem Gestagen verabreicht. Eine solche kombinierte Gabe ist ei-
ner Monotherapie mit Estradiol vorzuziehen, da im letztgenannten Fall das Risiko einer HyperStimulation des Endeome- triums besteht, verbunden mit einem erhöhten Risiko einer Hyperplasie bzw. Entartung. Darüber hinaus treten unter Mo- notherapie mit Estradiol vermehrt Störungen der Regelblutung auf. Um diese Risiken zu vermeiden, ist es sinnvoll, Estradiol in Kombination mit einem Gestagen zu geben.
Aufgrund der Umgehung des "First-Pass"-Effektes lassen sich durch transdermale Verabreichung Estradiol-Plasmakonzentra- tionen erzielen, die dem physiologischen HormonblutSpiegel einer prämenopausalen Frau entsprechen (40-60 pg/ml) . Ein weiterer Vorteil der transdermalen Gabe gegenüber der peroralen Applikation ist, daß die tägliche Dosis auf 50 μg/Tag gesenkt werden kann. Bei der kombinierten Verabreichung eines Gestagens (Norethisteronacetat bzw. ein entsprechendes Äquivalent) zur Vermeidung einer Hyperplasie sind bei peroraler Gabe 0,7-1 mg/Tag erforderlich (Wiseman, L.R. u. McTavish, D. : Transdermal Estradiol/Norethisterone: A review of its pharmacological properties and clinical use in postmenopausal women. Drug & Aging, Vol. 4 No. 3, 1994, 238-256) . Bei der transdermalen Gabe ist bereits die tägliche Verabreichung von 200-300 μg Norethisteronacetat (oder Äquivalent) zur Vermeidung einer Hyperplasie ausreichend.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es, eine pharmazeutische Zusammensetzung für die transdermale Verabreichung von Hormonen an die Haut bereitzustellen, welche die allgemeinen Vorteile eines transdermalen therapeutischen Systems aufweist, auf einfache Weise herzustellen ist sowie eine für therapeutische Zwecke geeignete Wirkstoffabgaberate ermöglicht, ohne daß der Zusatz des Permeations-Enhancers zu einer Reduktion der Systemkohäsion führt. Dabei soll der Zusatz eines Filmbildners möglichst vermieden werden. Insbesondere bestand die Aufgabe darin, ein Wirkstoffpfla-
ster der genannten Art bereitzustellen, welches für die kombinierte Abgabe eines Ξstrogens mit einem Gestagen bei der postmenopausalen Hormonsubstitution geeignet ist.
Überraschenderweise gelingt die Lösung der Aufgabe dadurch, daß bei einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur transdermalen Verabreichung mit den Merkma,len des Oberbegriffs von Anspruch 1 ein Zusatzstoff mit einer l,4-Dioxan-2, 5- dion-Grundstruktur der allgemeinen Formel
als die Hautpermeation verbessernder Zusatzstoff eingesetzt wird, wobei die Reste R^ und R2 Kohlenwasserstoffgruppen oder substituierte Kohlenwasserstoffgruppen oder funktio- nelle Gruppen sind. Ein erfindungsgemäßer Permeationsenhan- cer ermöglicht eine Steigerung der Hautpermeation von Ste- roidhormonen, insbesondere von Estrogenen und Gestagenen, ohne die Kohäsion der Wirkstoffmatrix zu beeinträchtigen. Ein Zusatz von filmbildenden Polymeren zur Wirkstoffmatrix zum Zwecke der Kohäsionsverbesserung ist nicht erforderlich.
Bei den Resten Rj. und R2 des erfindungsgemäßen permeations- fördernden Zusatzstoffes (Ξnhancer) handelt es sich vorzugsweise um Alkyl-Gruppen, besonders bevorzugt um Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Isopropyl-, Butyl- und Isobutylgruppen, wobei 3, 6-Dimethyl-l,4-dioxan-2, 5-dion (Dilactid) besonders bevorzugt ist. Die Reste R^ und R2 sind gewöhnlich identisch, sie können aber auch verschieden voneinander sein. Ferner können die Reste auch funktionelle Gruppen sein oder funktioneile Gruppen enthalten, z. B. Sauerstoff-, schwe- fei-, Stickstoff- oder phosphorhaltige funktionelle Grup-
pen. Auch halogenhaltige Reste R^ bzw. R2 sind möglich. Die
Reste Rj_ und R2 können auch zyklische Kohlenwasserstoffe, insbesondere aromatische Kohlenwasserstoffe oder auch heterozyklische Verbindungen, sein oder solche Gruppen ent- halten.
Der Mengenanteil des erfindungsgemäßen permeationsverbessernden Zusatzstoffes kann 0,1-10 % betragen, vorzugsweise liegt der Anteil im Bereich von 0,5-5 %, jeweils bezogen auf die Masse der Matrixschicht.
Die erfindungsgemäßen hormonhaltigen Pflaster zur transdermalen Verabreichung weisen den Aufbau von transdermalen therapeutischen Systemen vom Matrixtyp auf . Sie besitzen einen schichtartigen Aufbau mit mindestens einer Matrixschicht, welche auf einem Grundpolymer oder -polymergemisch basiert und welche das oder die Hormone, sowie den Permea- tions-Enhancer, in gelöster oder dispergierter Form enthält. Die Matrixschicht besitzt haftklebende Eigenschaften, so daß sie die dauerhafte Befestigung des Systems auf der Haut ermöglichen kann. Als haftklebende Grundpolymere für die Matrixschicht (en) werden vorzugsweise Acrylatpoly ere oder Acrylatcopolymere, Polyisobutylene, Styrol-Isopren- Blockcopolymere oder Polysilikone verwendet, oder auch ge- eignete Mischungen von Polymeren. Falls erforderlich, kann ein erfindungsgemäßes System auch zwei oder mehrere Matrixschichten enthalten.
Neben den Matrixschichten weisen die erfindungsgemäßen TTS zwei folienartige Schichten auf, welche die Matrixschicht (en) nach beiden Seiten hin bedecken. Dabei handelt es sich um eine wirkstoffundurchlässige Rückschicht, und eine vor Applikation des Pflasters zu entfernende Schutzschicht. Als Schutzschicht wird vorzugsweise eine dehäsiv ausgerüstete Kunststoffolie verwendet, beispielsweise sili-
konisierte Polyesterfolie. Die Rückschicht dient dazu, die Matrixschichten während der Applikationszeit gegen außen hin abzuschließen. Auch hierfür sind die verschiedensten hautkompatiblen Kunststoffolien geeignet, z. B. Polyester- folie.
Im allgemeinen sind die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen für die transdermale Verabreichung von Steroidhormonen geeignet, vorzugsweise für die Verabreichung von Estrogenen und/oder Gestagenen. Dabei können die Zusammensetzungen sowohl einzelne Estrogene oder einzelne Gestagene, oder Kombinationen verschiedener Estrogene, oder Kombinationen verschiedener Gestagene, oder Kombinationen mindestens eines Estrogens mit mindestens einem Gestagen enthalten. Beson- ders bevorzugt sind erfindungsgemäße Zusammensetzungen, die jeweils ein Estrogen oder ein Gestagen enthalten. Ferner sind auch solche Zusammensetzungen besonders bevorzugt, die eine Kombination mindestens eines Estrogens, vorzugsweise Estradiol, mit einem Gestagen, vorzugsweise Nor- ethisteronacetat, enthalten, beispielsweise für die Anwendung bei der postmenopausalen Hormonsubstitution.
Bei dem in den erfindungsgemäßen Hormonpflastern wird als Estrogen bevorzugt 17-ß-Estradiol verwendet. Ferner können auch Estrogene oder Estrogenderivate verwendet werden, die beispielsweise ausgewählt sind aus der Gruppe, die 17-α-
Estradiol, 17-ß-Estradiolcypionat, 17-ß-Ethinylestradiol, 3,17-ß-Estradioldienanthat, 17-ß-Estradiolyalerat, 17-ß- Estradiolbenzoat, 17-ß-Estradiolundecylat, 17-Deacetyl- norgestimat, Norgestimat, Mestranol und Quinestrol umfaßt. Die genannten Estrogene sind durch eine aromatische Hydroxylgruppe bzw. dessen Ether charakterisiert.
Unter den Gestagenen wird für die Herstellung der erfin- dungsgemäßen transdermalen Wirkstoffpflaster Norethisteronacetat bevorzugt. Ferner können auch Gestagene oder Gesta- genderivate verwendet werden, die beispielsweise ausgewählt sind aus der Gruppe, die 19-Norprogesteron, Norethisteron, Ethisteron, Melengestrol, Norgestrel, Levonorgestrel, Gestoden, Hydroxyprogesteroncapronat, Medroxyprogesteronace- tat, Ethynodioldiacetat, 17-α-Hydroxyprogesteron, Mege- strolacetat, Lynestrenol, Desogestrel, Allylestrenol, Chlormadinon und Chlormadinonacetat umfaßt . Typisches
Strukturmerkmal der meisten Verbindungen ist eine 3-Keto-4- en-Struktur.
Die Hormonkonzentration liegt bei den erfindungsgemäßen Zu- bereitungen im Bereich von 0,1-5 , vorzugsweise im Bereich von 0,2-2 %, bezogen auf die Masse der Matrixschicht.
Mit den erfindungsgemäßen Zusammensetzungen konnten in- vitro-Permeationsraten erzielt werden, die vergleichbar sind mit denjenigen, die mit einem im Handel erhältlichen Präparat vom Beutel-Reservoir-Typ erreicht werden (vgl. Beispiele 1 und 3) . Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die erfindungsgemäßen Systeme auf dem Matrix- Prinzip beruhen und deshalb wesentlich einfacher und ko- stengünstiger herzustellen sind als die zum Vergleich herangezogenen Präparate vom Beutel-Reservoir-Typ. Bei einem Vergleich einer erfindungsgemäßen Zusammensetzung mit einem Gehalt an Estradiol mit einem Handelspräparat vom Matrixtyp, welches ebenfalls Estradiol enthielt, zeigte sich, daß die mit dem erfindungsgemäßen System erzielte Estradiol-Hautpermeation deutlich höher war als bei dem Vergleichspräparat, und daß nach einer Versuchsdauer von 48 h eine doppelt so hohe Hautpermeation erreicht wurde (vgl . Beispiel 2) .
Mit einem erfindungsgemäßen System, welches eine Kombination aus einem Estrogen mit einem Gestagen enthielt (Beispiel 1) , wurden in-vitro-Freisetzungsergebnisse erzielt, die mit denjenigen vergleichbar sind, die mit einem Handelspräparat vom "Reservoir-Typ" erhalten wurden (vgl. Tab. 1 u. 2), welches - wie erwähnt - aufwendiger in der Herstellung ist. In jedem Fall konnte durch Verwendung des erfindungsgemäßen Zusatzstoffes als Permeations-Enhancer eine deutliche Verbesserung der in-vitro-Permeation nachgewiesen werden.
Die mit den erfindungsgemäßen Systemen erzielten Permeati- onswerte zeigen, daß diese hormonhaltigen Pflaster für die Zwecke einer Hormonsubstitutionstherapie geeignet sind. Zudem sind sie im Vergleich zu transdermalen Systemen, die auf einem beutelförmigen Reservoir beruhen, wesentlich einfacher und kostengünstiger herzustellen. Eine Beeinträchtigung der Kohäsion der Wirkstoffmatrix konnte bei den erfindungsgemäßen Pflasterpräparaten nicht festgestellt werden.
Die erfindungsgemäßen hormonhaltigen Zubereitungen eignen sich deshalb für die Durchführung einer Hormonsubstitution und insbesondere für die prophylaktische und therapeutische Behandlung von klimakterischen Beschwerden. Besonders geeignet sind hierfür erfindungsgemäße Ausführungsformen, welche eine Kombination eines Estrogens mit einem Gestagen enthalten. Aufgrund der transdermalen Applikationsweise ist die Anwendung mit geringeren Nebenwirkungen verbunden, als dies bei oraler Verabreichung der Fall ist, und die Patientenakzeptanz ist erwartungsgemäß besser als bei oralen Dar- reichungsformen.
Die Erfindung wird nachfolgend an Hand von Beispielen näher erläutert.
Beispiel 1
Zusammensetzung mit einem Estrogen in Kombination mit einem Gestagen.
0,24 g Estradiol, 1,2 g Norethisteronacetat, 57,3 g Lösung eines Acrylatklebstoffes (Durotak® 387-2353) und 1,2 g 3,6- Dimethyl-l,4-dioxan-2,5-dion wurden gemischt bis eine homogene Masse erhalten wurde. Die erhaltene Masse wurde dann mit einer Naßschichtdicke von 400 μm mittels Rakel auf eine silikonisierte Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) aufgetragen. Es resultierte ein gleichmäßiger, klarer Strich. Der feuchte Film wurde für 30 min bei 50 °C getrocknet und anschließend mit einer transparenten Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) laminiert. Das Flächengewicht eines derartig hergestellten Klebefilms (Gewicht der Matrix ohne Folien) betrug ca. 90 gm^ . Aus dem Laminat wurden Pflaster in einer angemessenen Größe ausgestanzt und durch in-vitro- Hautpermeationen über einen Zeitraum von 72 Stunden bewer- tet. Die Ergebnisse sind in den folgenden Tabellen 1 und 2 zusammengefaßt.
Die Permeationsversuche wurden mit Hilfe von Franz-Diffusionszellen durchgeführt. Hierbei wurde das Akzeptorkompar- timent mt 9 ml einer 0,9 %-igen NaCl-Lösung befüllt und mittels Wasserbad auf 37 °C temperiert. Während der Versuchsdauer wurde das Akzeptormedium permanent gerührt. Zwischen dem Akzeptor- und Donorkompartiment wurde humane Epi- dermis eingespannt . Die für die Permeation zur Verfügung stehende Fläche betrug 1,54 cm^ . Die entsprechenden TTS- Stanzlinge wurden auf die Epidermis geklebt. Nachfolgend wurde zu den in den Tabellen angegebenen Zeitpunkten Proben aus dem Akzeptormedium entnommen und deren Wirkstoffgehalt mittels HPLC analytisch erfaßt. Abschließend wurde der Flux
berechnet . Dieselbe Meßmethode wurde auch in den Beispielen 2 und 3 verwendet.
Tabelle 1: In-vitro-Hautpermeation von Norethisteronacetat durch humane Epidermis.
a) beuteiförmiges Reservoir
Tahfllle 2; In-vitro-Hautpermeation von Estradiol durch humane Epidermis .
a) beuteiförmiges Reservoir
Beispiel 2
Zusammensetzung mit einem Estrogen.
0,22 g Estradiol, 55,4 g Lösung eines Acrylatklebstoffes
(Durotak® 387-2353) und 1,2 g 3, 6-Dimethyl-l,4-dioxan-2, 5- dion wurden gemischt bis eine homogene Masse erhalten wurde. Die erhaltene Masse wurde dann mit einer Naßschichtdik- ke von 450 μm mittels Rakel auf eine silikonisierte Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) aufgetragen. Es resultierte ein gleichmäßiger, klarer Strich. Der feuchte Film wurde für 30 min bei 50 °C getrocknet und anschließend mit einer mattierten Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) laminiert. Das Flächengewicht eines derartig hergestellten Klebefilms (Gewicht der Matrix ohne Folien) betrug ca. 110 g/m2. Aus dem Laminat wurden Pflaster in einer angemessenen Größe ausgestanzt und durch in-vitro-Hautpermeationen über einen Zeit-
räum von 72 Stunden bewertet. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle 3 zusammengefaßt.
Tabelle 3 : In-vitro-Hautpermeation von Estradiol durch humane Epidermis.
Beispiel 3 Zusammensetzung mit einem Gestagen
0,11 g Norethisteronacetat, 53,1 g Lösung eines Acrylat- klebstoffes (Durotak® 387-2353) und 1,1 g 3, 6-Dimethyl-l,4- dioxan-2, 5-dion wurden gemischt bis eine homogene Masse er- halten wurde. Die erhaltene Masse wurde dann mit einer Naßschichtdicke von 400 μm mittels Rakel auf eine silikonisierte Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) aufgetragen. Es resultierte ein gleichmäßiger, klarer Strich. Der feuchte Film wurde für 30 min bei 50 °C getrocknet und anschließend mit einer mattierten Polyesterfolie (z. B. Hostaphan®) laminiert. Das Flächengewicht eines derartig hergestellten Klebefilms (Gewicht der Matrix ohne Folien) betrug ca. 94 g/m2. Aus dem Laminat wurden Pflaster in einer angemessenen
Größe ausgestanzt und durch in-vitro-Hautpermeationen über einen Zeitraum von 72 Stunden bewertet. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle 4 zusammengefaßt.
Tabelle 4 : In-vitro-Hautpermeation von Norethisteronacetat durch humane Epidermis.
a) beuteiförmiges Reservoir
Ein negativer Einfluß des zugesetzten Enhancers auf die Ko- häsionseigenschaften der Wirkstoffmatrix konnte bei den erfindungsgemäßen Zusammensetzungen der Beispiele 1 bis 3 nicht festgestellt werden.