Taylorreaktor für Stoffumwandlungen, bei deren Verlauf eine Änderung der Viskosität vdes Reaktionsmediums eintritt
Die vorliegende Erfindung betrifft einen neuen Taylorreaktor für physikalische und/oder chemische Stoffumwandlungen, in deren Verlauf eine Änderung der Viskosität v des Reaktionsmediums eintritt. Außerdem betrifft die vorliegende Erfindung ein neues Verfahren zur Stoffumwandlung, welche von einer Viskositätsänderung des Reaktionsmediums begleitet ist, unter den Bedingungen der Taylor- Wirbelströmung. Des weiteren betrifft die Erfindung Stoffe, welche mit Hilfe des neuen Verfahrens in dem neuen Taylorreaktor hergestellt worden sind, sowie deren Verwendung.
Taylorreaktoren, die der Umwandlung von Stoffen unter den Bedingungen der Taylor- Wirbelströmung dienen, sind bekannt. Sie bestehen in wesentlichen aus zwei koaxialen konzentrisch angeordneten Zylindern, von denen der äußere feststehend ist und der innere rotiert. Als Reaktionsraum dient das Volumen, das durch den Spalt der Zylinder gebildet wird. Mit zunehmender Winkelgeschwindigkeit coi des Innenzylinders treten einer Reihe unterschiedlicher Strömungsformen auf, die durch eine dimensionslose Kennzahl, die sogenannte Taylor-Zahl Ta, charakterisiert sind. Die Taylor-Zahl ist zusätzlich zur Winkelgeschwindigkeit des Rührers auch noch abhängig von der kinematischen Viskosität v des Fluids im Spalt und von den geometrischen Parametern, dem äußeren Radius des nenzylinders ri, dem inneren Radius des Außenzylinders ra und der Spaltbreite d, der Differenz beider Radien, gemäß der folgenden Formel:
Ta = coi rj d v"1(d/ ri)1/2 (I) mit d = ra - Ά.
Bei niedriger Winkelgeschwindigkeit bildet sich die laminare Couette-Strömung, eine einfache Scherströmung, aus. Wird die Rotationsgeschwindigkeit des Innenzylinders weiter erhöht, treten oberhalb eines kritischen Werts abwechselnd
entgegengesetzt rotierende (kontrarotierende) Wirbel mit Achsen längs der Umfangsrichtung auf. Diese sogenannten Taylor-Wirbel sind rotationssymmetrisch, besitzen die geometrische form eines Tonis (Taylor- Wirbelringe) und haben einen Durchmesser, der annähernd so groß ist wie die Spaltbreite. Zwei benachbarte Wirbel bilden ein Wirbelpaar oder eine Wirbelzelle.
Dieses Verhalten beruht darauf, daß bei der Rotation des Innenzylinders mit ruhendem Außenzyünder die Fluidpartikel nahe des Innenzylinders einer stärkeren Zentrifugalkraft ausgesetzt sind als diejenigen, die weiter vom inneren Zylinder entfernt sind. Dieser Unterschied der wirkenden Zentrifugalkräfte drängt die Fluidpartikel vom Innen- zum Außenzylinder. Der Zentrifugalkraft wirkt die Viskositätskraft entgegen, da bei der Bewegung der Fluidpartikel die Reibung überwunden werden muß. Nimmt die Rotationsgeschwindigkeit zu, dann nimmt auch die Zentrifugalkraft zu. Die Taylor-Wirbel entstehen, wenn die Zentrifugalkraft größer als die stabilisierende Viskositätskraft wird.
Wird der Taylorreaktor mit einem Zu- und Ablauf versehen und kontinuierlich betrieben, resultiert eine Taylor- Wirbelströmung mit einem geringen axialen Strom. Dabei wandert jedes Wirbelpaar durch den Spalt, wobei nur ein geringer Stoffaustausch zwischen benachbarten Wirbelpaaren auftritt. Die Vermischung innerhalb solcher Wirbelpaare ist sehr hoch, wogegen die axiale Vermischung über die Paargrenzen hinaus nur sehr gering ist. Ein Wirbelpaar kann daher als gut durchmischter Rührkessel betrachtet werden. Das Strömungssystem verhält sich somit wie ein ideales Strömungsrohr, indem die Wirbelpaare mit konstanter Verweilzeit wie ideale Rührkessel durch den Spalt wandern.
Die bislang bekannten Taylorreaktoren können für die Emulsionspolymerisation verwendet werden. Hierzu sei beispielhaft auf die Patentschriften DE-B-1 071 241 und EP-A-0 498 583 oder auf den Artikel von K. Kataoka in Chemical Engineering Science, Band 50, Heft 9, 1995, Seiten 1409 bis 1416, verwiesen.
Sie kommen auch für elektrochemische Prozesse in Betracht, wobei die Zylinder als Elektroden fungieren. Hierzu sei auf die Artikel von S. Cohen und D. M. Maron in Chemical Engineering Journal, Band 27, Heft 2, 1983, Seiten 87 bis 97, sowie von Couret und Legrand in Electrochimia Acta, Band 26, Heft 7, 1981, Seiten 865 bis 872, und Band 28, Heft 5, 1983, Seiten 611 bis 617, verwiesen.
Es ist auch bekannt, die Taylorreaktoren als photochemische Reaktoren, bei denen sich die Lichtquelle im Innenzylinder befindet, zu verwenden (vgl. hierzu die Artikel von Szechowski in Chemical Engineering Science, Band 50, Heft 20, 1995, Seiten 3163 bis 3173, von Haim und Pismen in Chemical Engineering Science, Band 49, Heft 8, Seiten 1119 bis 1129, und von Karpel Vel Leitner in Water Science and Technology, Band 35, Heft 4, 1997, Seiten 215 bis 222).
Auch ihre Verwendung als Bioreaktoren (vgl. hierzu den Artikel von Huang und Liu in Water Science and Technology, Band 28, Heft 7, 1994, Seiten 153 bis 158) oder als Rockungsreaktoren zur Abwässerreinigung (vgl. hierzu den Artikel von Grohmann in BMFT-FB-T 85-070, 1985) ist beschrieben worden.
Bei all diesen bekannten Stoffumwandlungen in Taylorreaktoren ändert sich die Viskosität v des Fluids gar nicht oder nur unwesentlich. Dadurch bleiben bei streng zylinderförmiger Geometrie des Innern- und Außenzylinders des Taylorreaktors die Bedingungen für die Taylor-Wirbelströmung auf der gesamten Länge des Ringspalts, d. h. des gesamten Reaktorvolumens, erhalten.
Sollen indes die bekannten Taylorreaktoren für Stoffumwandlungen verwendet werden, bei denen sich die Viskosität v des Fluids mit fortschreitender Umwandlung in axialer Durchflußrichtung stark ändert, verschwinden die Taylor- Wirbel oder bleiben ganz aus. Im Ringspalt ist dann noch die Couette-Strömung, eine konzentrische, laminare Schichtenströmung, zu beobachten. Hier kommt es zu einer unerwünschten Veränderung der Durchmischungs- und
Strömungverhältaisse im Taylorreaktor. Er weißt in diesem Betriebszustand
Strömungscharakteristika auf, die denen des laminar durchströmten Rohres vergleichbar sind, was ein erheblicher Nachteil ist. So kommt es beispielsweise bei der Polymerisation in Masse oder in Lösung zu einer unerwünscht breiten Moimassenverteilung und chemischen Uneinheitlichkeit der Polymerisate. Außerdem können aufgrund der schlechten Reaktionsführung erhebliche Mengen an Restmonomeren resultieren, welche dann aus dem Taylorreaktor ausgetragen werden müssen. Es kann aber auch zur Koagulation und Ablagerung von Polymerisaten kommen, was u. U. sogar zum Verstopfen des Reaktors oder des Produktauslasses führen kann. Unerwünschte technische Effekte dieser oder ärmlicher Art treten auch bei dem thermischen Abbau hochmolekularer Stoffe wie Polymerisate u.a. auf. Insgesamt können nicht mehr die gewünschten Produkte, wie etwa Polymerisate mit sehr enger Molmassenverteilung, erhalten werden, sondern nur noch solche, die in ihrem Eigenschaftsprofil den Anforderungen nicht entsprechen.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen neuen Taylorreaktor vorzuschlagen, welcher die Nachteile des Standes der Technik nicht mehr länger aufweist, sondern es ermöglicht, die Umwandlung von Stoffen selbst dann einfach, elegant, problemlos und in hohen Ausbeuten durchzuführen, wenn sie von einer starken Änderung der Viskosität v des Reaktionsmediums, begleitet ist.
Außerdem ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein neues Verfahren zur Stoffumwandlung unter den Bedingungen der Taylor- Wirbelströmung zu finden, bei dem sich die Viskosität v des Fluids im Ringspalt, d. h. des Reaktionsmediums, stark ändert.
Demgemäß wurde der neue Taylorreaktor zur Durchführung von Stoffumwandlungen gefunden mit
a) einer äußeren Reaktorwand (1) und einem hierin befindlichen konzentrisch oder exzentrisch angeordneten Rotor (2), einem
Reaktorboden (3) und einem Reaktordeckel (4), welche zusammen das ringspaltförmige Reaktorvolumen (5) definieren, b) mindestens einer Vorrichtung (6) zur Zudosierung von
Edukten sowie c) einer Vorrichtung (7) für den Produktablauf,
wobei
d) bei der Stoffumwandlung eine Änderung der Viskosität v des Reaktionsmediums eintritt und e) die Reaktorwand (1) und/oder der Rotor (2) geometrisch derart gestaltet ist oder sind, daß auf im wesentlichen der gesamten Reaktorlänge im Reaktorvolumen (5) die Bedingungen für die Taylor- Wirbelströmung erfüllt sind.
Im folgenden wird der neue Taylorreaktor zur Durchführung der Stoffumwandlungen der Kürze halber als "erfmdungsgemäßer Taylorreaktor" bezeichnet. Dementsprechend wird das neue Verfahren zu Umwandlung von Stoffen unter den Bedingungen der Taylor- Wirbelströmung als "erfmdungsgemäßes Verfahren" bezeichnet.
Im Hinblick auf den Stand der Technik war überraschend und für den Fachmann nicht vorhersehbar, daß es möglich ist, durch die geometrische Gestaltung der Reaktorwand (1) und/oder des Rotors (2) bei axialem Durchfluß des Reaktionsmediums durch den Taylorreaktor selbst dann auf der gesamten
Reaktorlänge die Bedingungen der Taylor-Wirbelströmung beizubehalten, wenn sich die Viskosität v des Reaktionsmediums bei seiner Passage durch den Ringspalt stark ändert.
Bei der Änderung der Viskosität v des Reaktionsmediums kann es sich erfϊndungsgemäß um einen Anstieg oder einen Abfall handeln. Beide Änderungen
können im Einzelfall mehrere Zehnerpotenzen betragen. Ein solch hoher Anstieg der Viskosität v tritt beispielsweise bei der Polymerisation in Masse oder in Lösung ein. Umgekehrt resultiert ein solch hoher Abfall der Viskosität v bei der Depolymerisation. Doch selbst unter diesen verfahrenstechnisch besonders anspruchsvollen Bedingungen bleibt im erfmdungsgemäßen Taylorreaktor die Taylor- Wirbelströmung erhalten.
Bei dem erfindungsgemäßen Taylorreaktor ist die äußere Reaktorwand (1) stationär, wogegen der Rotor (2) sich dreht. In einer weiteren Varianten rotieren die äußere Reaktorwand (1) und der Rotor (2) in die gleiche Richtung, wobei die Winkelgeschwindigkeit des Rotors (2) größer ist als die Winkelgeschwindigkeit der äußeren Reaktorwand (1). In einer weiteren Variante rotieren die äußere Reaktorwand (1) und der Rotor (2) in entgegengesetzter Richtung. Demnach handelt es sich bei der Variante mit der stationären äußeren Reaktorwand (1) um einen Sonderfall der zweiten und dritten Variante, welche indes aufgrund des einfachen Aufbaus und der erheblich einfacheren verfahrenstechnischen Kontrolle bevorzugt ist.
Die äußere Reaktorwand (1) und der Rotor (2) weisen über die gesamte Reaktorlänge hinweg - im Querschnitt gesehen - einen im wesentlichen kreisförmigen Umfang auf. Im Sinne der vorüegenden Erfindung ist unter dem Begriff "im wesentlichen kreisförmig" streng kreisförmig, oval, elliptisch oder dreieckig, rechteckig, quadratisch, fünfeckig, sechseckig oder mehreckig mit abgerundeten Ecken zu verstehen. Aus Gründen der einfacheren Herstellbarkeit, des einfachen Aufbaus und der bedeutend einfacheren Aufrechterhaltung konstanter Bedingungen über die gesamte Reaktorlänge hinweg ist ein streng kreisförmiger Umfang von Vorteil.
Erfmdungsgemäß ist die Innenwand der äußeren Reaktorwand (1) und/oder die Oberfläche des Rotors (2) glatt oder rauh, d. h., die betreffenden Flächen haben eine geringe oder hohe Oberflächenrauhigkeit. Zusätzlich oder alternativ hierzu
weist die Innenwand der äußeren Reaktorwand (1) und/oder die Oberfläche des Rotors (2) ein reliefartiges radiales und/oder axiales, vorzugsweise radiales, Oberflächeprofil auf. Ist ein radiales Oberflächenprofil vorhanden, ist es vorteilhafterweise in etwa oder genau so dimensioniert wie die Taylor- Wirbelringe.
Erfmdungsgemäß ist es von bevorzugt, wenn die Innenwand der äußeren Reaktorwand (1) und die Oberfläche des Rotors (2) glatt sind, um tote Winkel, in denen sich Gasblasen oder Edukte und Produkte absetzen könnten, zu vermeiden.
Der erfmdungsgemäße Taylorreaktor ist - in Längsrichtung gesehen - vertikal, horizontal oder in einer Lage zwischen diesen beiden Richtungen gelagert. Erfmdungsgemäß von Vorteil ist die vertikale Lagerung. Wenn der erfmdungsgemäße Taylorreaktor nicht horizontal gelagert ist, kann ihn das Reaktionsmediums entgegen der Schwerkraft von unten nach oben oder mit der Schwerkraft von oben nach unten durchströmen. Erfmdungsgemäß ist es von Vorteil, wenn das Reaktionsmedium entgegen der Schwerkraft bewegt wird.
Der Rotor (2) des erfmdungsgemäßen Taylorreaktors ist zentrisch oder exzentrisch gelagert. D. h., seine Längsachse stimmt mit der Längsachse der äußeren Reaktorwand (1) überein (zentrisch) oder nicht (exzentrisch). In letzterem Fall kann die Längsachse des Rotors (2) parallel zur Längsachse der äußeren Reaktorwand (1) Hegen oder hiergegen in einem spitzen Winkel geneigt sein. Erfindungsgemäß ist es von Vorteil, wenn der Rotor (2) zentrisch gelagert ist.
Der erfindungsgemäße Taylorreaktor enthält als weitere wesentlichen Bestandteile einen Reaktorboden (3) und einen Reaktordeckel (4), welche zusammen mit der äußeren Reaktorwand (1) und dem Rotor (2) das ringspaltförmige Reaktorvolumen (5) definieren und es druck- und gasdicht nach außen abschließen. Geeignete Reaktorböden (3) und Reaktordeckel (4) sind übüch und
bekannt; beispielhaft sei auf die Patentschriften DE-B-1 071 241 und EP-A-0 498 583 verwiesen.
Desweiteren enthält der erfmdungsgemäße Taylorreaktor als weiteren wesentüchen Bestandteil mindestens eine übüche und bekannte Vorrichtung (6) zur Zudosierung von Edukten. Ein Beispiel einer geeigneten Vorrichtung (6) ist eine Düse mit geeignetem Querschnitt. Die Vorrichtung (6) kann in den Reaktorboden (3), den Reaktordeckel (4), die äußere Reaktorwand (1) oder den Rotor (2) eingelassen sein. Darüber hinaus kann der erfmdungsgemäße Taylorreaktor noch mindestens eine weitere Vorrichtung (6) enthalten, welche in gleicher Höhe wie die erste oder in Durchflußrichtung versetzt von dieser angeordnet ist. Eine solche weitere Vorrichtung (6) ist insbesondere dann von Vorteil, wenn Edukte und/oder Katalysatoren nachdosiert werden sollen. Üblicherweise sind die Vorrichtungen (6) über geeignete Zuleitungen mit Dosierpumpen, Vorratsgefäßen u.a. verbunden.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des erfmdungsgemäßen Taylorreaktors bis die Vorrichtung (7) für den Ablauf der Produkte. Je nach dem ist die Vorrichtung (7) in den Reaktorboden (3), die äußere Reaktorwand (1) oder in den Reaktordeckel (4) eingelassen. Auch sie ist üblicherweise über geeignete
Zuleitungen mit Dosierpumpen, Vorratsgefäßen u.a. verbunden. Erfindungsgemäß ist es von besonderem Vorteil, die Vorrichtung (7) am oberen Ende des erfindungsgemäßen Taylorreaktors anzubringen, wobei die höchste Stelle besonders bevorzugt ist, weil bei dieser Konfiguration die Bildung einer Gasphase vermieden wird. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn die Gefahr der Bildung explosionsfähiger Gemische oder der Abscheidung von Feststoffen wie Polymerisaten aus der Gasphase besteht.
Die Bestandteile des erfindungsgemäßen Taylorreaktors, insbesondere äußere Reaktorwand (1), der Rotor (2), der Reaktorboden (3), der Reaktordeckel (4), die Vorrichtung (6) zur Zudosierung von Edukten sowie die Vorrichtung (7) für den
Produktablauf, können aus den unterschiedlichsten geeigneten Materiaüen bestehen. Beispiel geeigneter Materialien sind Kunststoff, Glas oder Metalle wie Edelstahl, Nickel oder Kupfer. Hierbei können die einzelnen Bestandteile aus jeweils unterschiedlichen Materiaüen hergestellt sein. Die Auswahl der Materialien richtet sich nach dem Verwendungszweck des erfindungsgemäßen Taylorreaktors und nach den einzelnen Reaktionsbedingungen und kann deshalb vom Fachmann in einfacher Weise vorgenommen werden. Soll beispielsweise der erfindungsgemäße Taylorreaktor als Photoreaktor verwendet werden, kann der Rotor (2) aus Glas bestehen, welches für aktinisches Licht durchlässig ist. Wenn bei den Stoff Umwandlungen die Taylor-Wirbelringe und ihre axiale Bewegung visuell überwacht werden sollen, ist es erfmdungsgemäß von Vorteil, die äußere Reaktorwand (1) aus Glas oder transparentem Kunststoff anzufertigen. Erfmdungsgemäße Taylorreaktoren dieser Art eignen sich auch hervorragend für die Durchführung von Vorversuchen. Ansonsten ist es erfmdungsgemäß von Vorteil, Edelstahl zu verwenden.
Der Rotor (2) ist in üblicher und bekannter Weise beispielsweise über eine Magnetkupplung mit einem stufenlos regelbaren Antrieb verbunden.
Außer den vorstehend in Detail beschriebenen wesentlichen Bestandteilen kann der erfindungsgemäße Taylorreaktor noch übüche und bekannte Vorrichtung enthalten, welche dem Heizen und/oder Kühlen oder dem Messen von Druck, Temperatur, Stoffkonzentrationen, Viskosität und anderen physikalisch chemischen Größen dienen, sowie mit übüchen und bekannten mechanischen, hydraulischen und/oder elektronischen Meß- und Regelvorrichtungen verbunden sein.
Alle diese Bestandteile des erfindungsgemäßen Taylorreaktors sind so miteinander verbunden, daß das Reaktionsmedium druck- und gasdicht eingeschlossen und in geeigneter Weise temperiert wird. Vorteilhafterweise
erfolgt die Temperierung in einer oder in mehreren Temperaturzonen, die im Gleich- oder im Gegenstrom betrieben werden.
Wird der erfindungsgemäße Taylorreaktor für das erfmdungsgemäße Verfahren verwendet, bei welchem die Viskosität v des Reaktionsmediums in
Durchflußrichtung stark ansteigt, werden die äußere Reaktorwand (1) und/oder der Rotor (2) geometrisch derart gestaltet, daß sich der Ringspalt in Durchflußrichtung verbreitert.
Erfindungsgemäß kann sich hierbei der Ringspalt - im Längsschnitt durch den erfindungsgemäßen Taylorreaktor gesehen - nach beliebigen geeigneten mathematischen Funktionen kontinuierlich oder diskontinuierlich verbreitern. Das Ausmaß der Verbreiterung richtet sich nach dem erwarteten Anstieg der Viskosität des Reaktionsmediums in Durchflußrichtung und kann vom Fachmann anhand der Taylorformel abgeschätzt und/oder anhand einfacher Vorversuche ermittelt werden.
Beispiele geeigneter mathematischer Funktionen, nach denen sich - im Längsschnitt durch den erfindungsgemäßen Taylorreaktor gesehen - der Umfang der äußeren Reaktorwand (1 ) und/oder des Rotors (2) erhöht oder erhöhen, sind Geraden, mindestens zwei Geraden, die unter einem stumpfen Winkel aufeinander stoßen, Hyperbeln, Parabeln, e-Funktionen oder Kombinationen dieser Funktionen, welche kontinuiertich oder diskontinuierüch ineinander übergehen.
Zum einen kann die Verbreiterung dadurch erreicht werden, daß sich der Umfang der äußeren Reaktorwand (1) in Durchflußrichtung gesehen erhöht, wobei der Umfang des Rotors (2) konstant bleibt, sich ebenfalls erhöht oder sich verringert. Zum anderen kann dies erreicht werden, indem der Durchmesser der äußeren Reaktorwand (1) konstant gehalten wird, wogegen sich der Umfang des Rotors (2) verringert. Im Hinblick darauf, daß bei der Verringerung des Umfangs des Rotors (2) die Fläche zur Übertragung der Reibungskräfte immer geringer wird und sich
der Rotor (2) deshalb immer schneller drehen müßte, wird den erfmdungsgemäßen Varianten der Vorzug gegeben, bei denen der Umfang des Rotors (2) konstant bleibt oder sich ebenfalls erhöht.
Vorteilhafte erfmdungsgemäße Taylorreaktoren weisen eine konische äußere Reaktorwand (1) auf, die demnach die Form eines einzelnen Kegelstumpfs hat oder aus mehreren Kegelstümpfen zusammengesetzt ist. Der Kegelstumpf oder die Kegelstümpfe kann oder können dabei kissenförmig oder tonnenförmig verzerrt sein. Indes werden unverzerrte Kegelstümpfe besonders bevorzugt.
Vorteilhafte erfmdungsgemäße Taylorreaktoren weisen außerdem einen konischen oder zylinderförmigen Rotor (2) auf. Hinsichtlich der Form des konischen Rotors (2) gilt das im vorstehenden Absatz Gesagte sinngemäß. Desgleichen kann der zylinderförmige Rotor (2) kissenförmig oder tonnenförmig verzerrt sein. Erfindungsgemäß werden unverzerrte zylinderförmige Rotoren (2) besonders bevorzugt verwendet.
Wird der erfmdungsgemäße Taylorreaktor für das erfmdungsgemäße Verfahren verwendet, bei welchem die Viskosität v des Reaktionsmediums in Durchflußrichtung stark abfällt, werden die äußere Reaktorwand (1) und/oder der Rotor (2) geometrisch derart gestaltet, daß sich der Ringspalt in Durchflußrichtung verengt.
Erfindungsgemäß kann sich hierbei der Ringspalt - im Längsschnitt durch den erfmdungsgemäßen Taylorreaktor gesehen - nach beüebigen geeigneten mathematischen Funktionen kontinuierlich oder diskontinuierlich verengen. Das Ausmaß der Verengung richtet sich nach dem erwarteten AbfaU der Viskosität des Reaktionsmediums in Durchflußrichtung und kann vom Fachmann anhand der Taylorformel (I) abgeschätzt und/oder anhand einfacher Vorversuche ermittelt werden.
Beispiele geeigneter mathematischer Funktionen, nach denen sich - im Längsschnitt durch den erfindungsgemäßen Taylorreaktor gesehen - der Umfang der äußeren Reaktorwand (1) und/oder des Rotors (2) verringert oder verringern, sind Geraden, mindestens zwei Geraden, die unter einem stumpfen Winkel aufeinander stoßen, Hyperbeln, Parabeln, e-Funktionen oder Kombinationen dieser Funktionen, welche kontinuierlich oder diskontinuierlich ineinander übergehen.
Zum einen kann die Verengung dadurch erreicht werden, daß sich der Umfang der äußeren Reaktorwand (1) in Durchflußrichtung gesehen verringert, wobei der Umfang des Rotors (2) konstant bleibt, sich erhöht oder sich ebenfalls verringert. Zum anderen kann dies erreicht werden, indem der Durchmesser der äußeren Reaktorwand (1) konstant gehalten wird, wogegen sich der Umfang des Rotors (2) erhöht. Im Hinbück darauf, daß bei der Verringerung des Umfangs des Rotors (2) die Hache zur Übertragung der Reibungskräfte immer geringer wird und sich der Rotor (2) deshalb immer schneller drehen müßte, wird den erfmdungsgemäßen Varianten der Vorzug gegeben, bei denen der Umfang des Rotors (2) konstant bleibt oder sich ebenfalls erhöht.
Vorteilhafte erfindungsgemäße Taylorreaktoren weisen auch hier eine konische äußere Reaktorwand (1) auf, die demnach die Form eines einzelnen Kegelstumpfs hat oder aus mehreren Kegelstümpfen zusammengesetzt ist. Der Kegelstumpf oder die Kegelstümpfe kann oder können dabei kissenförmig oder tonnenförmig verzerrt sein. Indes werden unverzerrte Kegelstümpfe besonders bevorzugt.
Vorteilhafte erfmdungsgemäße Taylorreaktor weisen außerdem einen konischen oder zyünderförmigen Rotor (2) auf. Hinsichtlich der Form des konischen Rotors (2) gilt das im vorstehenden Absatz Gesagte sinngemäß. Desgleichen kann der zyünderförmige Rotor (2) kissenförmig oder tonnenförmig verzerrt sein. Erfindungsgemäß werden unverzerrte zyünderförmige Rotoren (2) besonders bevorzugt verwendet.
Der erfmdungsgemäße Taylorreaktor ist vorzügüch für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet. Das erfindungsgemäße Verfahren kann kontinuiertich oder diskontinuierüch betrieben werden; seine besonderen Vorteile werden indes beim kontinuierlichen Betrieb offenbar.
Zu seiner Durchführung wird das Edukt oder werden die Edukte über mindestens eine Vorrichtung (6) dem ringspaltförmigen Reaktorvolumen (5) kontinuiertich zudosiert. Die resultierenden Produkte werden kontinuierlich über die Vorrichtung (7) aus dem erfmdungsgemäßen Taylorreaktor abgeführt und in geeigneter Weise aufgearbeitet.
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren liegt die Verweilzeit im Reaktor zwischen 0,5 Minuten und 5 Stunden, vorzugsweise 2 Minuten und 3 Stunden, besonders bevorzugt 10 Minuten und 2 Stunden und insbesondere 15 Minuten und 1,5
Stunden. Die für die jeweüige Stoffumwandlung geeignete Verweilzeit kann der Fachmann anhand einfacher Vorversuche ermitteln oder anhand von kinetischen Daten abschätzen.
Der Druck im ringspaltförmigen Reaktionsvolumen (5) liegt bei 0 bis 200 bar, weswegen das erfmdungsgemäße Verfahren auch mit verflüssigten oder überkritischen Gasen, wie überkritisches Kohlendioxid ausgeführt werden kann. Vorzugsweise üegt der Druck bei 0,5 bis 100, insbesondere 0,5 bis 50 bar. Wird das erfindungsgemäße Verfahren bei höherem Druck durchgeführt, ist der erfindungsgemäße Taylorreaktor mit Zuleitungen und Ableitungen druckdicht auszulegen, um den Sicherheitsvorschriften genüge tun.
Das erfmdungsgemäße Verfahren wird bei Temperaturen zwischen -100 und 500 °C durchgeführt. Zu diesem Zweck wird der erfindungsgemäße Taylorreaktor mit geeigneten übüchen und bekannten Kühl- und/oder Heizvorrichtungen ausgerüstet. Vorzugsweise hegen die Reaktionstemperaturen zwischen -10 und
300 °C, insbesondere 50 und 250 °C. Die für die jeweiüge Stoffumwandlung geeignete Temperatur kann der Fachmann anhand einfacher Vorversuche ermitteln oder anhand bekannter thermodynamischer Daten abschätzen.
Vorteilhafterweise liegt die Taylorzahl Ta des Reaktionsmediums oder des Huids bei 1 bis 10000, vorzugsweise 5 bis 5000 und insbesondere 10 bis 2500. Hierbei soll Reynoldszahl, die durch die nachfolgende Gleichung (H) definiert ist, bei 1 bis 10000 betragen.
Re = vd/v (II)
mit v = axiale Geschwindigkeit und mit d = ra - r; (n = äußerer Radius des Innenzylinders; ra = innerer Radius des
Außenzylinders und d = Spaltbreite).
Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ändert sich die Viskosität v des Reaktionsmediums. Hierbei kann die Viskosität v steigen oder sinken. DieDie Änderung kann mehrere Zehnerpotenzen betragen, ohne daß dies die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens stört. Es ist lediglich dafür Sorge zu tragen, daß sich der Ringspalt des erfindungsgemäßen Taylorreaktors in der Weise verbreitert oder verengt, wie es der Änderung der Viskosität im Verlauf der Stoffumwandlungen entspricht, so daß die Taylor-Wirbelströmung im gesamten Reaktor erhalten bleibt. Den Verlauf der Viskositätsänderung kann der Fachmann anhand einfacher Vorversuche ermitteln.
Ein ganz besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen Taylorreaktors und des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es, das örtüche Nacheinander im Taylorreaktor mit dem zeitlichen Nacheinander von diskontinuierüchen oder halbkontinuierüchen (Dosier-) Prozessen zu verknüpfen. Der erfindungsgemäße Taylorreaktor und das erfindungsgemäße Verfahren bieten somit den Vorteü eines kontinuierlichen quasi "einstufigen" Prozesses, so daß in dem zuerst
durchströmten Teilstück des Taylorreaktors eine erste Reaktion ablaufen kann und in einem - in axialer Durchflußrichtung gesehen - zweiten oder weiteren Teilstück nach einer weiteren Vorrichtung (6) zur Zudosierung von Edukten und/oder Katalysatoren eine zweite, dritte, etc. Reaktion.
Beispiele für Stoffumwandlungen, auf die das erfindungsgemäße Verfahren mit besonderem Vorteil angewandt werden kann, sind insbesondere der Aufbau oder Abbau niedermolekularer und hochmolekularer Stoffe, wie z.B. die Polymerisation von Monomeren in Masse, Lösung, Emulsion oder Suspension oder durch Fällungspolymerisation einerseits und die Depolymerisation der hierbei resultierenden Polymerisate oder anderer hochmolekularer Stoffe anderseits. Im Rahmen der vorüegenden Erfindungen ist unter dem Begriff "Polymerisation" auch die Copolymerisation und die Blockmischpolymerisation sowie die Polykondensation und die Polyaddition zu verstehen.
Weitere Beispiele für solche Stoffumwandlungen sind
polymeranaloge Reaktionen, wie die Veresterung, Amidierung oder
Urethanisierung von Polymeren, welche Seitengruppen enthalten, die für solche Reaktionen geeignet sind, die Hersteüung olefmisch ungesättigter, mit Elektronenstrahlen oder ultraviolettem Licht härtbaren Materiaüen, die Hersteüung von Polyurethanharzen und modifizierten
Polyurethanharzen wie acrylierten Polyurethanen, - die Hersteüung von (Poly) Harnstoffen oder modifizierten (Poly)
Harnstoffen, der Molekulargewichtsaufbau von Verbindungen, welche mit
Isocyanategruppen terminiert sind, oder Reaktionen, welche zur Bildung von Mesosphasen fuhren, wie sie beispielsweise von Antonietti und Göltner in dem Artikel "Überstruktur funktioneUer Koüoide: eine Chemie im Nanometerbereich " in
Angewandte Chemie, Band 109, 1997, Seiten 944 bis 964, oder von Ober und Wengner in dem Artikel "Polyelectrolyte-Surfactant Complexes in the Solid State: Facile Building Blocks for Self-Organizing Materials" in Advanced Materials, Band 9, Heft 1,1997, Seiten 17 bis 31, beschrieben werden.
Mit ganz besonderem Vorteil wird das erfmdungsgemäße Verfahren für die Polymerisation von olefmisch ungesättigten Monomeren angewandt, weil hierbei die besonderen Vorteile des erfindungsgemäßen Taylorreaktors und es erfmdungsgemäßen Verfahrens besonders offen zu Tage treten.
So wird das erfmdungsgemäßen Verfahren besonders bevorzugt für die Herstellung von chemisch einheitlich zusammengesetzten Copolymerisaten verwendet. Hierbei wird das schneller polymerisierende Comonomere oder werden die schneller polymerisierenden Comonomeren über in axialer Richtung hintereinander angeordnete Vorrichtungen (6) zudosiert, so daß das ComonomerenverhäTtnis über die gesamte Länge des Reaktors hinweg konstant gehalten wird.
Auch für die Pfropfmischpolymerisation wird das erfmdungsgemäßen Verfahren besonders bevorzugt verwendet. Hierbei wird in dem ersten Teilstück des erfindungsgemäßen Taylorreaktors das sogenannte Backbone-Polymerisat hergestellt, wonach über mindestens eine weitere, in axialer Richtung versetzte Vorrichtung (6) mindestens ein Comonomer, welches die Pfropfäste bildet, zudosiert wird. Das Comonomer wird oder die Comonomeren werden dann in erfmdungsgemäßer Verfahrensweise in mindestens einem weiteren Teilstück des erfindungsgemäßen Taylorreaktors auf das Backbone-Polymerisat aufgepfropft. Sofern mehrere Comonomere verwendet werden, können sie einzeln über jeweils eine Vorrichtung (6) oder als Gemisch durch eine oder mehrere Vorrichtungen (6) zudosiert werden. Werden mindestens zwei Comonomere einzelnen und nacheinander durch mindestens zwei Vorrichtungen (6) zudosiert, getingt sogar
die Herstellung von Pfropfästen, welche für sich selbst gesehen Blockmischpolymerisate sind, in besonders einfacher und eleganter Weise.
Selbstverständüch kann dieses vorstehend beschriebene Konzept auch der Herstellung von Blockmischpolymerisaten als solchen dienen.
In analoger Weise kann mit Hilfe des erfmdungsgemäßen Verfahrens die Herstellung von Kern-Schale-Latices besonders einfach und elegant verwirklicht werden. So wird zunächst im ersten Teilstück des erfmdungsgemäßen Taylorreaktors der Kern durch Polymerisation mindestens eines Monomeren hergestellt. Über mindestens eine weitere Vorrichtung (6) wird mindestens ein weiteres Comonomer zudosiert und die Schale in mindestens einem weiteren Teilstück auf den Kern aufpolymerisiert. In dieser Weise können mehrere Schalen auf den Kern aufgebracht werden.
Auch die Herstellung von Polymerdispersionen kann mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgen. Beispielsweise wird mindestens ein Monomer in homogener Phase, insbesondere in Lösung, in einem ersten Teilstück des erfindungsgemäßen Taylorreaktors (co)polymerisiert, wonach über mindestens eine weitere Vorrichtung (6) ein Fäüungsmittel zudosiert wird, wodurch die Polymerdispersionen resultiert.
Bei aüen Anwendungen weist der erfindungsgemäße Taylorreaktor den besonderen Vorteil einer großen spezifischen Kühlfläche auf, die eine besonders sichere Reaktionsführung gestattet.
Beispiele geeigneter Monomeren, welche für das erfmdungsgemäße Verfahren in Betracht kommen, sind acycüsche und cycüsche, gegebenenfaUs funktionaüsierte Monoolefine und Diolefine, vinylaromatische Verbindungen, Vinylether, Vinylester, Vinylamide, Vinylhalogenide, AUylether und AUylester, Acrylsäure,
und Methacrylsäure und deren Ester, Amide und Nitrile und Maleinsäure, Fumarsäure und Itaconsäure und deren Ester, Amide, Imide und Anhydride.
Beispiele geeigneter Monoolefme sind Ethylen, Propylen, 1 -Buten, 1-Penten, 1- Hexen, 1-Hepten, 1-Octen, Cyclobuten, Cyclopenten und Cyclohexen.
Beispiel geeigneter Diolefine sind Butadien, Isopren, Cyclopentadien und Cyclohexadien.
Beispiele geeigneter vinylaromatischer Verbindungen sind Styrol, alpha-
Methylstyrol, 2-, 3- und 4-Chlor-, -Methyl-, -Ethyl-, -Propyl- und -Butyl- und tert.-Butylstyrol und -alpha-methylstyrol.
Ein Beispiel einer geeigneten Vinylverbindung bzw. eines funktionalisierten Olefins ist Vinylcyclohexandiol.
Beispiele geeigneter Vinylether sind Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl- und Pentylvinylether, AUylmonopropoxylat sowie Trimethylolpropan-mono, -di- und -triallylether.
Beispiel geeigneter Vinylester sind Vinylacetat und -propionat sowie die Vinylester der Versatiesäure und anderer quartärer Säuren.
Beispiele geeigneter Vinylamide sind N-Methyl-, N,N-Dimethyl-, N-Ethyl-, N- Propyl-, N-Butyl-, N-Amyl-, N-Cyclopentyl- und N- Cyclohexylvinylamid sowie N-Vinylpyrroüdon und -epsilon-caprolactam.
Beispiele geeigneter Vinylhalogenide sind Vinylfluorid und -chlorid.
Beispiele geeigneter Vinyüdenhalogenide sind Vinytidenfluorid und chlorid.
Beispiele geeigneter AUylether sind Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Pentyl-, Phenyl- und Glycidylmonoallylether.
Beispiele geeigneter AUylester sind Allylacetat und -propionat.
Beispiele geeigneter Ester der Acrylsäure und Methacrylsäure sind Methyl-, Ethyl-, Propyl-, n-Butyl-, Isobutyl-, n-Pentyl-, n-Hexyl-, 2- Ethyl-hexyl-, Isodecyl-, Decyl-, Cyclohexyl -, t- Butylcyclohexyl-, Norbonyl-, Isobornyl-, 2- und 3- Hydroxypropyl-, 4- Hydroxybutyl -, Trimethylolpropanmono-, Pentaerythritmono- und Glycidyl(meth)acrylat. Außerdem kommen noch die Di-, Tri- und Tetra-(meth)acrylate von Ethylenglykol, Di-, Tri- und Tetraethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Butylenglykol, Dibutylenglykol, Glycerin, Trimethylolpropan und Pentaerythrit in Betracht. Allerdings werden sie nicht alleine, sondern immer in untergeordneten Mengen gemeinsam mit den monofunktioneüen Monomeren verwendet.
Beispiele geeigneter Amide der Acrylsäure Methacrylsäure sind (Meth)Acrylsäureamid sowie (Meth)Acrylsäure-N-methyl-, -N,N-dimethyl-, -N- ethyl-, -N-propyl-, -N-butyl-, -N-amyl-, -N-cyclopentyl- und -N-cyclohexylamid.
Beispiele geeigneter Nitrile sind Acrylnitril und Methacrylnitril.
Beispiele geeigneter Ester, Amide, Imide und Anhydride der Maleinsäure, Fumarsäure und Itaconsäure sind Maleinsäure-, Fumarsäure - und Itaconsäuredimethyl-, -diethyl -, -dipropyl- und -dibutylester, Maleinsäure-,
Fumarsäure- und Itaconsäurediamid, Maleinsäure-, Fumarsäure- und Itaconsäure- N,N'-dimethyl-, -N,N,N',N -tetamethyl-, -N,N '-diethyl-, -N,N '-dipropyl-, -N,N'- dibutyl-, -N,N-'diamyl-, -N,N'-dicyclopentyl- und -N,N-'dicyclohexyldiamid, Maleinsäure -, Fumarsäure- und Itaconsäureimid und Maleinsäure-, Fumarsäure- und Itaconsäure-N-methyl-, -N-ethyl-, -N-propyl-, -N-butyl-, -N-amyl-, -N-
cyclopentyl- und -N-cyclohexyümid sowie Maleinsäure -, Fumarsäure- und Itaconsäureanhydrid.
Die vorstehend beschriebenen Monomeren können radikaüsch, kationisch oder anionisch polymerisiert werden. Vorteilhafterweise werden sie radikaüsch polymerisiert. Hierzu können die üblichen und bekannten anorganischen Radikalstarter wie Wasserstoffperoxid oder Kaüumperoxodisulfat oder die übüchen und bekannten organischen Radikalstarter wie Dialkylperoxide, z.B. Di- tert.-Butylperoxid, Di- teil, -amylperoxid und Dicumylperoxid; Hydroperoxide, z.B. Cumolhydroperoxid und tert.-Butylhydroperoxid; Perester, z.B. tert.-
Butylperbenzoat, tert.-Butylperpivalat, tert.-Butylper-3,5,5-trimethylhexanoat und tert.-Butylper-2-ethylhexanoat; Bisazoverbindungen wie Azobisisobutyronitril; oder C-C-Starter wie 2,3-Dimethyl-2,3-diphenyl-butan oder -hexan verwendet werden. Es kommt indes auch Styrol in Betracht, das Polymerisation auch ohne Radikalstarter thermisch initiiert.
Die in erfmdungsgemäßer Verfahrensweise hergestellten Polymerisate weisen besondere Vorteile auf und eignen sich deshalb hervorragend für aüe Anwendungszwecke, wie sie üblicherweise für solche hochmolekularen Stoffe vorgesehen sind, wie beispielsweise die Herstellung von Formteilen. Vor aUem aber kommen sie als Komponenten für Lacke, Klebstoffe und andere Beschichtungsstoffe sowie Foüen in Betracht. Hierbei werden sie insbesondere als Bindemittel verwendet, weü die Lacke, die Klebstoffe und die sonstigen Beschichtungsstoffe sowie die Folien, welche die in erfindungsgemäßer Verfahrensweise hergesteüten Bindemittel enthalten oder hieraus bestehen, besonders vorzügüche anwendungstechnische Eigenschaften aufweisen.
Die besonderen Vorteile des erfmdungsgemäßen Verfahrens werden vor aUem anhand der Lacke offenbar, welche die in erfindungsgemäßer Verfahrensweise hergestellten Bindemittel enthalten. Diese Lacke sind je nach ihrer Zusammensetzung physikalisch trocknend oder werden thermisch, mit
aktinischem Licht, insbesondere UV-Licht, oder durch Elektronenstrahlung gehärtet.
Sie üegen als Pulverlacke, Pulver-Slurry-Lacke, in organischen Medien gelöste Lacke oder wäßrige Lacke vor. Hierbei können sie Färb- und/oder Effektpigmente enthalten. Sie werden als Bautenanstrichmittel für den Innen- und Außenbereich, als Lacke für Möbel, Fenster, Coils und andere industrieUe Anwendungen, als AutomobiUacke für die Erstausrüstung (OEM) oder als Autoreparaturlacke verwendet. Bei ihrer Verwendung auf dem Automobilsektor kommen sie als Elektrotauchlacke, Füller, Basislacke und Klarlacke in Betracht.
Bei all diesen Anwendungszwecken sind die Lacke, welche die in erfindungsgemäßer Verfahrensweise hergestellten Bindemittel enthalten, den herkömmlichen Lacken überlegen.
Die vorliegende Erfindung wird anhand der Zeichnung (Fig. 1) und des Beispiels näher erläutert.
Fig. 1 Längsschnitt durch einen erfindungsgemäßen Taylorreaktor mit konischer äußerer Reaktorwand (1) zur visuellen Überwachung der Taylor-
Wirbelströmung
Beispiel 1
Die Kettenverlängerung von teilverseiftem Polyvinylacetat (Polyvinylalkohol) mit Glutardialdehyd mit Hilfe eines erfmdungsgemäßen Taylorreaktors und des erfindungsgemäßen Verfahrens
Für die Kettenverlängerung von teilverseiftem Polyvinylacetat (Anteil an Hydroxylgruppen: 88 mol-%; Anteil an Acetatgruppen: 12 mol-%) wurde der erfindungsgemäße Taylorreaktor gemäß Fig. 1 verwendet.
Der Taylorreaktor wies eine 25 cm hohe äußere Reaktorwand (1) aus Glas von streng kreisförmigem Umfang auf, deren Umfang bzw. deren Durchmesser entlang der Reaktor-achse in Durchflußrichtung gesehen linear zunahm. So lag der minimale Durchmesser der äußeren Reaktorwand (1) am Reaktorboden (3) bei 52 mm, und der maximale Durchmesser am Reaktordeckel (4) lag bei 102 mm. Desweiteren enthielt der erfindungsgemäße Taylorreaktor einen geraden, zentrisch gelagerten, streng zylinderförmigen Rotor (2) aus Edelstahl mit einem Radius von 21 mm. Dadurch erhöhte sich die Spaltbreite d von 5 mm am unteren Ende des Taylorreaktors auf 30 mm am oberen Ende. Der Rotor (2) war über eine gerade Welle (2.1), welche abgedichtet durch den Reaktordeckel (4) hindurchführte, mit einem stufenlos regelbaren Rührmotor verbunden. Der Reaktordeckel (4) und der Reaktorboden (3) bestanden aus Edestahl; die Dichtung zwischen ihnen und dem entsprechenden Ende der Reaktorwand (1) erfolgte mittels übüchen und bekannten Dichtungsringen aus Kunststoff. Die Vorrichtung (6) zur Zudosierung der Edukte und die Vorrichtung (7) für den Produktablauf waren Vorstöße aus Glas mit Gewinden, woran ein Zu- und ein Ableitungsschlauch mit Hilfe von Überwurfmuttern befestigt waren.
Der Taylorreaktor wurde kontinuiertich mit einer Mischung aus 4 Teilen Polyvinylalkohol, 96,16 Teilen Wasser und 0,16 Teilen Glutardialdehyd mit einem Volumenstrom von 33,3 ml/min über die Vorrichtung (6) gespeist.
Unmittelbar vor dem Eintritt in den Taylorreaktor wurde der Mischung 42 %-ige Salpetersäure über eine separate Pumpe mit einem Volumenstrom von 0,16 ml/min zudosiert. Die mittlere Verweilzeit in Taylorreaktor betrug 30 min bei einer Temperatur von 22 °C. Die Rührerdehzahl lag bei 250 U/min. Die Viskosität des Eduktes betrug 10 mm2/s. An der Vorrichtung (7) hatte die Lösung des kettenverlängerten Polyvinylalkohols eine Viskosität von 47 mm2/s.
Die Stoffumwandlung, d. h. die Umsetzung, wurde in einer Gesamtzeit von 5h, entsprechend 10 mittleren Verweilzeiten, durchgeführt. Im gesamten Taylorreaktor blieben während dieser Zeit die Taylorwirbel und somit die gewünschten Durchmischungs- und Strömungverhältnisse trotz des Viskositätsanstiegs erhalten. Die Umsetzung konnte daher während des gesamten Zeitraums störungsfrei durchgeführt werden.
Beispiel 2
Die Herstellung eines Lösungspolymerisats hergestellt in einem erfindungsgemäßen Taylorreaktor
In einem konischen 200 ml Taylorreaktor aus Edelstahl mit beheizbarem
Doppelmantel wurde eine Mischung aus 15,8 Teilen Styrol, 16,5 Teilen MMA, 11,6 Teilen tert.-Butylcyclohexylacrylat, 24,7 Teilen Hydroxypropylmethacrylat, 22,3 Teilen SheUsol A, 7,4 Teilen Xylol, 0,3 Teüen Di-Tert.-Butylperoxid, 0,05 Teüen tert.-Butylperoxyethylhexanoat und 1,2 Teilen Dicumylperoxid mit zwei Pumpen zudosiert. Die Eduktzudosierung erfolgt am Reaktorboden, während das entstehende Polymer kontinuierlich am Reaktorausgang oben in der Reaktorwandung abgegriffen wurde. Die Reaktion wurde bei einer Temperatur von 160 °C und einer Rührerdrehzahl von 300 min"1 durchgeführt. Die mittlere
Verweilzeit des Reaktionsgemisches im Reaktor lag bei 30 min. Die entstehende Polymerschmelze hatte einen Feststoffgehalt von 68,4 % (1 h, 130 °C) und eine Viskosität von 3.0 dPas 50 %ig in Butylacetat. Die Gelchromatographische
Vermessung des Polymeren üefert eine Mn von 3215 und ein Mw von 8081. Die Glasübergangstemperatur der Polymeren betrug 69 °C, ermittelt mittels DSC aus dem DSC-Midpoint.
Beispiel 3
Die Herstellung eines Lacks unter Verwendung des Lösungspolymerisats gemäß Beispiel 2
3.1 Eine Härterlösung wurde aus nachfolgenden Komponenten durch Mischen hergesteüt:
Butylacetat 98 % 40,5 Teile
Xylol 4,0 Teile Butylglykolacetat 6,0 Teile
Katalysatorlösung (gemäß Ziff. 3.3) 1,5 Teile
Desmodur Z43701} 15,0 Teile
Desmodur 33902) 33,0 Teile
Festkörper (Gew.-%) 42,2 Teile
3.2 Ein EinsteUzusatz wurde aus nachfolgenden Komponenten durch Mischen hergesteUt:
Xylol 20,0 Teile SolventhaphthaR3) 15,0 Teile
Benzin 135/180 10,0 Teile
Butylglykolacetat 5,0 Teile
Butylacetat 98 % 50,0 Teile
3.3 Eine Katalysatorlösung wurde durch Mischen von 1,0 Teilen Dibutylzinndilaurat und 99 Teilen Butylacetat 98 %ig hergesteUt1
3.4 Eine Verlaufsmittellösung wurde durch Mischen von 5,0 Teilen eines handelsüblichen Verlaufsmittels auf der Basis eines polyethermodifizierten Methylpolysiloxans (BaysiloneR OL444)) und 95 Teilen Xylol hergesteUt.
3.5 Ein Stammlack wurde durch Mischen der folgenden Komponenten hergestellt:
Butylacetat 4,0 Teile Xylol 4,15 Teile
TinuvinR 2925) 0,95 Teile
SanduvonR VSU6) 1 ,20 Teile
Katalysatorlösung (gemäß Ziff. 3.3) 3,7 Teile
Verlauf smitteUösung (gemäß Ziff. 3.4) 2,0 Teile Triisodecylphosphit 0,05 Teile
Lösungspolymerisat (gemäß Bsp.2) 70,85 Teile
MacrynalR SM5137) 13,1 Teile
180 Teile des Stemmlacks gemäß Ziff. 3.5 wurden mit 90 Teilen Hälterlösung gemäß Ziff. 3.1 und 16,2 Teilen EinsteUzusatz gemäß Ziff. 3.2 gemischt und appüziert. Der Lack wies eine ausgezeichnete Verarbeitbarkeit auf. Die Topfzeit betrug 4 h. Die Pendeldämpfung eines bei Raumtemperatur getrockneten 1 Woche alten Lackfihns lag bei 136 sec.
1 Handelsübliches Polyisocyanat der Fa. Bayer AG auf Basis von Isophorondiisocyanat mit einem Festkörpergehalt von 70 %.
2 Handelsübliches Polyisocyanat der Fa. Bayer AG auf Basis von Hexamethylendiisocyanat.
3 Handelsübliches aromatisches Kohlenwasserstoffgemisch der Fa. Shell GmbH
4 Handelsübliches Verlaufsmittel der Fa. Bayer AG
5 Handelsübliches Lichtschutzmittel der Fa. Ciba Geigy auf Basis eines sterisch gehinderten
A ins (HALS)
6 Handelsübliches Lichtschutzmittel der Fa. Sandoz
7 Hydroxylgruppenhaltiges Acrylatharz der Fa. Bayer AG
Der erhaltene Klarlack wurde auf einem konventioneUen Basislack der Marke Glasurit Reihe 55 lackiert. Die durch Trocknung bei 60 °C über 30 min. erhaltenen Beschichtungen wiesen einen Glanz nach DTN 7530 von 87 ° - gemessen unter einem 20° Winkel - auf. Die Beschichtungen hatten einen guten Decklackstand.