VERFAHREN ZUR BEHANDLUNG VON TNF-REZEPTOR TYP-2 VERMITTELTEN KRANKHEITEN
Beschreibung
Die vorliegende Erf indung betrifft die Verwendung von Substanzen, die einen Einfluß auf den Gehalt an intrazellulärer Form oder auf die Funktion dieser Form des p75TNF-Rezeptors haben .
Humaner Tumor Nekrose Faktor alpha (TNF-ä) ist ein membrangebundener Polypeptidvorlaufer (26kDa), der durch Peptidspaltung zu einer löslichen Form (17 kDa) prozessiert wird. Diese lösliche Form trimerisiert zum reifen bioaktiven TNF-a-Homotrimer (52 kDa) .
TNF-ä entfaltet seine Wirkung über zwei strukturell und funktionell unterschiedliche Rezeptoren TNFR1 (55kDa) und TNFR2 (75kDa) , deren cDNA Sequenzen kloniert wurden (Lewis et al, 1991, Proc. Natl. Acad. Sei. USA 88, 2830-2834; Lötscher et al., 1990, Cell 61, 351-359; Schall et al . , 1990, Cell 61, 361-370; Smith et al., 1990, Science 248, 1019-1023).
Seitz et al . , 1998, Genomics 48, 111-116 haben die putative Promotorregion des murinen p75 TNFR2 untersucht und festgestellt, daß es drei Transkriptionsstartstellen bei -35, -39 und -564 gibt.
Die Sequenz des humanen p75TNFR-Gens ist aus öffentlich zugänglichen Datenbanken erhältlich.
Es wurde nun gefunden, daß es im humanen System zwei Transkriptionsstartstellen für die mRNA von p75TNFR (TS I und TS II in Abb. 1) gibt. Der Transkriptionsstart bei TS I (Position -39) führt zu einer mRNA, codierend für ein integrales Membranprotein, bestehend aus Signalpeptid (SP) , extrazellulärer Domäne (ED) , Transmembrandomäne (TM) und intrazellulärer Domäne (ID) .
Der Transkriptionsstart bei TS II (Position -544) führt demgegenüber zu einer mRNA, codierend für ein intrazelluläres Protein entsprechend der extrazellulär Domäne (ED) , Transmembrandomäne (TM) und intrazellulär Domäne (ID) des bisher beschriebenen p75TNFR. Diese bei TS II startende mRNA bzw. cDNA wird im folgenden als p75TNFRic (intrazelluläre Form des p75TNFR) bezeichnet.
Bezüglich der reifen Form des Proteins ist bisher kein Unterschied zwischen durch TS I oder TS II gestarteter mRNA bzw. cDNA festzustellen. Durch das Fehlen des bekannten Signalpeptidteils (SP) in p75TNFRic ist jedoch die Lokalisation dieses Rezeptors auf das Zellinnere begrenzt, während die bei TSI gestartete mRNA für die Translation eines in der Membran verankerten Rezeptors verantwortlich ist.
Durch die unterschiedliche Lokalisation der TNF-Rezeptoren - einerseits membrangebunden, andererseits intrazellulär - ist es nun möglich, ortsspezifisch den Gehalt an TNF-ä gezielt zu verändern und somit bei Erkrankungen, die über TNF-a vermittelt werden, gezielt intervenieren zu können.
Es wurde weiterhin gefunden, daß Substanzen, die spezifisch den Gehalt an TNF-Rezeptor, der durch p75TNFRic codiert wird, verändern, sich für die Behandlung von TNF-a -vermittelten Erkrankungen eignen.
Solche Substanzen sind beispielsweise intrazelluläre Antikörper oder Inhibitoren, die gegen p75TNFR oder die translatierte Form des p75TNFRic gerichtet sind und diese Rezeptoren mit hoher Affinität binden oder auch gegen deren Liganden gerichtet sind und diese neutralisieren.
Weitere geeignete Substanzen sind solche, die an die intrazelluläre Form des p75TNFR binden und ihn beispielsweise für die Bindung an TNF-a blockieren. Diese können beispielsweise niedermolekulare Substanzen sein, die gezielt in die Zelle a verbracht werden oder auch Peptide, die durch Genexpression intrazellulär erzeugt werden.
Die Identifizierung geeigneter Substanzen läßt sich durch dem Fachmann geläufige Versuche erreichen, indem beispielsweise das bekannte p75TNFR Protein mit einer Vielzahl von potentiellen Bindungspartnern in vitro inkubiert wird und anschließend diejenigen Bindungspartner ausgewählt werden, die eine zuvor festgelegte Affinität zum p75TNFR besitzen.
Ein weiter Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von
Substanzen, die spezifisch die Genexpression von p75TNFRic beeinflussen zur Behandlung von TNF-a -vermittelten Erkrankungen.
Unter spezifischer Beeinflussung der Genexpression von p75TNFRic ist zu verstehen, daß die Genexpression von p75TNFRic verglichen mit der Genexpression von p75TNFR um mindestens den Faktor 5,
bevorzugt um mindestens den Faktor 10 und besonders bevorzugt um mindestens den Faktor 25 unterschiedlich ist.
Bevorzugt verwendet werden solche Substanzen, die spezifisch die Genexpression von p75TNFRic erniedrigen. Solche Verbindungen lassen sich beispielsweise durch Transkriptionsassays mit geeigneten Reportergenen (beispielsweise Lacz, Green Fluorescence Protein, Luciferase, Chloramphenicol Acetyltransferase) leicht identifizieren.
Weitere geeignete Substanzen für die erfindungsgemäße Verwendung sind solche, die mit dem für den Transkriptionsstart II (TSII) verantwortlichen Promotor spezifisch interagieren, insbesondere solche die die Transkription spezifisch beeinflussen, ins- besondere solche, die sie vermindern. Spezifisch bedeutet auch hier im Vergleich zum für den Transkriptionsstart I (TSI) verantwortlichen Promotor ein Unterschied um mindestens den Faktor 5, bevorzugt um mindestens den Faktor 10 und besonders bevorzugt um mindestens den Faktor 25.
Als mit dem Promotor interagierende Substanzen sind solche zu verstehen, die an eine oder mehrere Komponenten, beispielsweise DNA-Sequenz oder Protein, des Transkriptionsinitiationskomplexes binden und dadurch eine Veränderung der Transkription verglichen mit dem Zustand ohne interagierende Substanz bewirken. Die
Transkription kann durch solche mit dem Promotor interagierende Substanzen verstärkt (sog. up-regulating) oder abgeschwächt werden (sog. down-regulating) bis hin zur vollständigen Unterdrückung der Transkription.
Ein weiter Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von Substanzen, die spezifisch die mRNA von p75TNFRic inaktivieren. Dies kann beispielsweise dadurch erfolgen, daß die mRNA von p75TNFRic spezifisch gespalten wird, beispielsweise durch Sequenz-spezifische Ribozyme. Eine andere Art der Inaktivierung ist die spezifische Bindung durch anti-sense-Moleküle, die die Translation der mRNA verhindern.
Durch die oben geschilderten Möglichkeiten kann gezielt auf den Gehalt an p75TNFR, der durch p75TNFRic codiert wird, eingewirkt werden. Dadurch, daß der Gehalt gezielt verändert - erhöht oder erniedrigt -wird erreicht man intrazellulär eine veränderte TNF-a Wirkung, die zur Behandlung von TNF-a vermittelten Erkrankungen wie beispielsweise Sepsis, Colitis, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis, akute und chronische Entzündungen, Autoimmun- erkrankungen, Multiple Sklerose, Malaria ausgenutzt wird.
TNF-a vermittelte Erkrankungen, die beispielsweise durch ein Überschießen des endogenen TNF-a gekennzeichnet sind, lassen sich beispielsweise prophylaktisch und therapeutisch behandeln indem man den Gehalt an p75TNFRic codiertem Rezeptor erniedrigt.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung liegt darin, daß bei Individuen der Gehalt an p75TNFRic codiertem Rezeptor bestimmt wird und diese Information für die Diagnose und Prognose von TNF-vermittelten Erkrankungen verwendet wird. Beispielsweise kann sich eine Anfälligkeit für TNF-vermittelte Erkrankungen dadurch manifestieren, daß ein Individuum gegenüber einer Referenzkollektiv erhöhte Werte von p75TNFRic codiertem Rezeptor aufweist.
Die Bestimmung des Gehalts kann dabei auf verschiedene Methoden erfolgen, beispielsweise durch Bestimmung der entsprechenden mRNA durch Hybridisierung oder quantitative PCR-Techniken. Es kann aber auch direkt der Proteingehalt durch übliche Verfahren wie ELISA oder RIA ermittelt werden. Bevorzugt erfolgt die Bestimmung über die p75TNFRic-mRNA bzw. -cDNA.
Abbildung 1 zeigt die schematische Darstellung des p75TNFR-gens (a) , sowie die daraus entstehende transmembrane (b) und cyclo- plasmatische Form des p75TNFR. TS, Transkriptionsstart; SP, Signalpeptid; ED, Extrazelluläre Domäne; TM, Transmembran Domäne; ID, Intrazelluläre Domäne.