Verfahren und Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Gasstrahls
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Gasstrahls.
Eine schnelle On-line-Analytik für gasförmige Proben ist in vielen Bereichen der Forschung aber auch der Industrie eine Herausforderung. Sie könnte zur Erforschung, Überwachung von z.B. Rauchgasen aus Müllverbrennungsanlagen, Röstgasen bei der Kaf- feeröstung, Headspace-Analyse von Mineralölen, Bodenproben und die daraus gewonnenen Erkenntnisse als Parameter zur Prozeßsteuerung benutzt werden. Von besonderem Interesse sind dabei oft Verbindungen mit aromatischen Grundgerüst wie z. B. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Rauchgasen tech¬ nischer Verbrennungsanlagen. Da verschiedene Isomere der einzel¬ nen PAK unterschiedliche Umweltrelevanz bzw. Toxizität besitzen, ist es sinnvoll diese selektiv nachzuweisen.
Für eine schnelle On-line-Analytik bei gasförmigen Proben eignen sich besonders molekülspektroskopische Verfahren unter Verwendung der Überschall-Molekularstrahl-Technik. Dabei wird der Probengasstrahl adiabatisch in ein Vakuum expandiert, was zu einer Abnahme der inneren Energie der Probenmoleküle führt. Diese Abnahme der inneren Energie ist gleichbedeutend mit einer geringeren Temperatur. Die Probenmoleküle werden also durch die adiaba¬ tische Expansion gekühlt. Dies führt zu schmaleren Energiebanden, die im Gegensatz zu ungekühlten Proben nicht überlappen, für die Anregung der Moleküle. Da die zur Anregung benötigte Energie bei verschiedenen Verbindungen und auch bei den verschiedenen Isomeren einer Verbindung unterschiedlich ist, kann diese zum isomerenselektiven Nachweis verwendet werden. Beispielsweise durch die Anregung und anschließende Photoionisation (REMPI) mittels eines schmalbandigen Lasers wird so eine sehr hohe optische Selektivität bis hin zur Isomerenselektivität erreicht.
Üblicherweise wird der Überschall-Molekularstrahl durch die Expansion eines kontinuierlichen oder auch gepulsten Gasstrahls durch eine kleine Düse in ein Vakuum erzeugt. Diese Methode wird bisher vor allem für spektroskopische Fragestellungen verwendet, wo Nachweisempfindlichkeiten keine Rolle spielen. Da sich der Probengasstrahl bei der Expansion schnell ausdehnt, was zu einer starken Abnahme der Probendichte führt, ist die erreichbare Nachweisempfindlichkeit deutlich schlechter als bei alternativen Einlaßtechniken, wie z. B. dem effusiven Gaseinlaß, bei dem keine Kühlung der Probenmoleküle stattfindet. Ziel für den Einsatz der selektiven Überschall-Molekularstrahl-Technik in der On-line-Analytik ist deshalb eine Verbesserung der Nachweisempfindlichkeit.
Ein Vorschlag dafür ist in dem Artikel von S. W. Stiller und M. V. Johnston: "Supersonic Jet Spectroscopy with a Capillary Gas Chromatographie Inlet", Anal. Che . 1987, 59, 567 - 572, beschrieben. Stiller und Johnston entwickelten eine Kopplung von Gaschromatographie (GC) und laserinduzierter Fluoreszenzspektro- skopie (LIF) mit Überschall-Molekularstrahl-Technik (Jet) . Sie benutzten dazu eine Anordnung, bei der eine GC-Kapillare mittig in die konzentrische Führung eines Hilfsgasstrahls ragt. Das über die GC-Kapillare zugeführte Probengas wird in den Kern (Mittelachse) des Hilfsgasstrahls zugegeben. Durch eine sich verjüngende Öffnung werden Hilfsgasstrahl und der im Hilfsgasstrahl entlang der Mittelachse fokussierte Probengasstrahl in ein Vakuum kontinuierlich expandiert, wobei sich ein kontinuierlicher Überschall-Molekularstrahl ausbildet.
Die adiabatische Expansion des Gasstrahls in das Vakuum führt zu einer Kühlung der Hilfsgas- und der Probengasmoleküle. Durch die adiabatische Kühlung entstehen schärfer definierte Banden für die angeregten Zustände der Moleküle. Bei einer scharf definierten Energie (Laserwellenlänge) können dann nur bestimmte Probenmoleküle angeregt werden, was zu einer hohen optischen Selektivität führt. Durch die hohe optische Selektivität können die
Probengasmolekule teilweise sogar isomerenselektiv detektiert werden.
Die sich konzentrisch verjungende Öffnung der Gasstrahlfuhrung zur Vakuumkammer hin bewirkt eine zusatzliche Fokussierung des Probengasstrahls auf die Mittelachse des Hilfsgasstrahls, so daß es bei der Expansion ms Vakuum zu einer verzögerten raumlichen Ausdehnung des Probengasstrahls kommt. Bei der nachfolgenden Ionisation oder Fluoreszenzanregung kann dann ein größerer Anteil der eingelassenen Probenmolekule bestrahlt werden (höhere Empfindlichkeit) , ohne den Wirkungsquerschnitt für die Anregung bzw. die Ionisation durch eine raumliche Aufweitung (geringere Leistungsdichte) des Laserstrahls zu verringern.
Zwar kann durch die von Stiller und Johnston beschriebene Vorrichtung die Probengasdichte im Anregungs- bzw. Ionisationsvolumen erhöht werden, aber durch den kontinuierlichen Gasstrahl werden zum einen die Hochvakuumbedingungen so stark gestört, daß Stoße zwischen den Probenmolekulen bzw. mit den Hilfsgasmoleku- len eine sinnvolle Messung unmöglich machen. Zum anderen werden zwischen den Laserpulsen große Anteile der Probe, die nicht ionisiert und damit nicht nachgewiesen werden, verschwendet.
Eine andere Vorrichtung zur Verbesserung der Nachweisempfindlichkeit bei Anwendung der Uberschall-Molekularstrahl-Technik beschreiben B. V. Pepich, J. B. Callis, J. D. Sheldon Danielson und M. Gouterman m dem Artikel: "Pulsed free jet expansion System for high-resolution fluorescence spectroscopy of capillary gas Chromatographie effluents", Rev. Sei. Instrum. 57 (5), 1986, 878 - 887. Pepich et al. stellen darin eine GC-Uberschallmoleku- larstrahl-Kopplung für die laserinduzierte Fluoreszenzspektroskopie vor. Durch den gepulsten Einlaß wird u.a. eine erste Erhöhung der zur Analyse herangezogenen Probenmenge gegenüber dem effusiven Einlaß erreicht. Um den GC-Fluß durch den gepulsten Einlaß nicht zu unterbrechen, schlagt Pepich vor, die Probe ef- fusiv in eine Vorkammer einzulassen. In diese Vorkammer schießt ein gepulstes Tragergas, das gleichzeitig den für die Expansi- onskuhlung notigen Gasfluß bereitstellt. Dieses Tragergas ko -
primiert dabei das Probengas in der Vorkammer und schiebt es einem Kolben gleich durch eine kleine Öffnung nach unten in eine optische Kammer, wo die Fluoreszenzanregung stattfindet. Durch die pulsierte Kompression und Injektion des Probengases in die optische Kammer kann bei der nachfolgenden Laseranregung eine größere Anzahl von Probenmolekülen erfaßt werden (Erhöhung der Nachweisempfindlichkeit) . Das Ventilöffnen und der Laserpuls müssen dabei zeitlich aufeinander abgestimmt werden, um wirklich den Bereich des komprimierten Probengases im Gaspuls zu treffen.
Durch die Überschall-Molekularstrahl-Technik wird eine adiabatische Kühlung der Probe erreicht, wodurch sich die Selektivität der Methode erheblich steigern läßt.
Der von Pepich et al . gewählte Aufbau ermöglicht also eine repe- titive, zeitlich begrenzte Kompression der Probe in Gasflußrichtung und dadurch eine Verbesserung der Nachweisempfindlichkeit. Er verhindert allerdings nicht das für die Überschall-Molekularstrahl-Technik typische schnelle räumliche Ausdehnen des Probengases, wodurch ein großer Teil des Probengases bei der Anregung oder Ionisation außerhalb des Anregungs- bzw. Ionisationsvolumens ist. Eine Aufweitung des Laserstrahls ist wiederum wegen einer starken Verschlechterung des Ionisationswirkungsquer- schnitts nicht möglich.
Aufgabe der Erfindung ist es, das Verfahren und die Vorrichtung der e.g. Art so auszugestalten, daß eine maximale Teilchendichte erzeugt wird.
Gelöst wird diese Aufgabe durch die Merkmale 1 bis 9. Die Unteransprüche beschreiben vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung und die Ansprüche 15 bis 17 nennen vorteilhalfte Verwendungen der Vorrichtung.
Der gerichtete Gasstrahl kommt nach dem erfindungsgemäßen Konzept dadurch zustande, daß ein geführter Probengasstrahl und ein gerichteter und geführter Hilfsgasstrahl erzeugt werden, wobei der gerichtete, geführte Hilfsgasstrahl vom geführten Proben-
gasstrahl getrennt, aber in gleicher Richtung wie dieser verläuft und anschließend der Hil sgasstrahl und der Probengasstrahl über eine bestimmte Strecke zusammengeführt werden. Die Längen der Hilfsgas-, Probengasstrahlführung und der Strecke für die Zusammenführung beider Gasstrahlen muß dabei den jeweiligen Erfordernissen angepaßt werden. Bei einer längeren Strecke (mehrere Zentimeter) für die Zusammenführung beider Gasstrahlen ko rαt es zu einer stärkeren Durchmischung von Probengas und Hilfsgas als bei einer kürzeren Strecke (mehrere Millimeter) . Je nach dem ob eine Durchmischung erwünscht ist oder gerade vermieden werden soll, muß die Länge der Strecke für die Zusammenführung beider Gasstrahlen verschieden gewählt werden.
Entsprechend dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es von Vorteil, den Hilfsgasstrahl gepulst zu erzeugen, da dadurch möglichst gute Hochvakuumbedingungen aufrechterhalten und so Störeinflüsse durch Stöße der Probenmoleküle untereinander oder mit den Hilfs- gasmolekülen vermieden werden können.
Günstig ist es, wenn nach einer bestimmten gemeinsamen Strecke der zusammengeführte Gasstrahl in seinem Querschnitt verengt wird. Dadurch wird ein schnelles räumliches Ausdehnen der Probe in der Ionisationskammer vermieden und - wie oben ausgeführt - ein größerer Anteil der Probe ionisiert wird, was zu einer Empfindlichkeitssteigerung führt. Falls der Probengasstrahl mit dem Hilfsgasstrahl entlang der Mittelachse des Hilfsgasstrahls zusammengeführt wird, bewirkt die Querschnittsverengung eine stärkere Fokussierung (quer zur Flußrichtung) des Probengases entlang der Mittelachse des Hilfsgasstrahls (höhere Dichte an Probenmolekülen) . Bei einer Fokussierung des Laserstrahls auf die Mittelachse des Hilfsgasstrahls wird durch die Kombination aus Erhöhung der Laserleistungsdichte am Ionisationsort und Erhöhung der Probendichte im Ionisationsvolumen eine Empfindlichkeitssteigerung erreicht.
Besonders vorteilhaft ist weiterhin das Einbetten des Probengasstrahls in einen gepulsten Trägergasstrahl, da dadurch der Probengasstrahl in Flußrichtung des Gasstrahls komprimiert wird.
Gelangt dieser komprimierte Probengaspuls in das Ionisationsvolumen, so wird mit einem Laserpuls ein größerer Anteil der Probengasmoleküle ionisiert, was zu einer effektiveren Ausnutzung der eingelassenen Probenmenge und damit zu einer Empfindlichkeitssteigerung führt.
Ist vorteilhafterweise vorgesehen eine zeitliche Korrelation zwischen den Pulsen des Trägergasstrahls und des Hilfsgasstrahls einzustellen, kann dadurch eine günstige Position des komprimierten Probengaspulses im Trägergaspuls gewählt werden. So kann eine optimale Kombination von Kompression der Probe durch den Trägergaspuls in Gasstrahl-Flußrichtung und Kompression der Probe durch den Hilfsgasstrom quer zur Flußrichtung erreicht werden. Dadurch kann das Probenvolumen dem Ionisationsvolumen im Laserstrahl angenähert werden. Bei einer zusätzlichen zeitlichen Korrelation der Gaspulse mit dem Laserpuls kann der Probenpuls immer nur zu dem Zeitpunkt, zu dem der Laser das Ionisationsvolumen bestrahlt, in das Ionisationsvolumen gebracht werden und so eine Verschwendung von Probenmolekülen zwischen den Laserpulsen (keine Ionisation von Probenmolekülen und damit kein Nachweis) vermieden werden. Dies führt zu einer maximalen Ausnutzung der eingelassenen Probenmenge und damit zu einer erheblichen Empfindlichkeitssteigerung gegenüber herkömmlichen gepulsten Überschal1-Molekularstrahl-Einlaßtechniken.
Vorteilhaft ist es, wenn nach einer Querschnittsverengung der Gasstrahl in ein Vakuum entspannt wird. Durch die Querschnittsverengung reichen schon kleinere Volumenströme und Gas-Reservoirdrücke aus, um einen Überschall-Molekularstrahl auszubilden. In diesem Überschall-Molekularstrahl findet durch adiabatische Expansion des Gasstrahls eine Kühlung der Moleküle statt, was - wie oben ausgeführt - die optische Selektivität des Verfahrens erheblich steigert.
Eine Verengung der Probengasführung vor der Mündung in die Hilfsgasführung wirkt sich zum einen günstig für die Komprimierung des Probengases aus, da sich beim Einlassen des gepulsten Trägergases die Probe an der Mündung in die Hilfsgasführung
staut und nicht wie durch einen Kolben in den Hilfsgasstrahl geschoben wird. Durch das Aufstauen kommt es jedoch auch zu einem langsameren Leeren der Probengasführung, wodurch ein zeitlich breiterer Probengaspuls entsteht. Zum anderen bewirkt die Verengung eine Fokussierung des Probengasstrahls auf die Mittelachse des Hilfsgasstrahls.
Die Verengung des Probengasstrahls und/oder des zusammengeführten Gasstrahls kann verschiedenartig ausgeführt sein. Vorteilhaft erwiesen sich Verengungen in Laval- oder Venturi-Formen. Es können dabei verschiedene Düsenformen für die Mündung der Probengasführung in die Hilfsgasführung und die Mündung der Hilfsgasführung ins Vakuum kombiniert werden.
Es kann auch von Vorteil sein, eine Düse an der Mündung der Hilfsgasführung ins Vakuum aus elektrisch nicht leitendem Material zu benutzen.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen werden, daß inerte Materialien wie zum Beispiel Quarzglas an Oberflächen für alle Gasführungen, mit denen das Probengas in Kontakt kommt, verwendet werden. Dadurch können katalytische Prozesse, die zu einer Umwandlung der Pro- benzusamrαensetzung führen, vermieden werden.
Außerdem ist es von Vorteil, das erfindungsgemäße Verfahren so zu verwirklichen, daß die gesamte Probengaszuführung bis hin zum Auslaß in die Vakuumkammer heizbar ist, so daß Memory-Effekte durch Auskondensieren von Probenbestandteilen in der Probengasführung und -Zuleitung verhindert wird.
Ferner wird die erfindungsgemäße Aufgabe auch durch eine Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Gasstrahls gelöst, wobei ein geführter Probengasstrahl und ein gerichteter, geführter Hilfsgasstrahl, der vom geführten Probengasstrahl getrennt in der gleichen Richtung verläuft, erzeugt wird und der Probengasstrahl mit dem Hilfsgasstrahl anschließend über eine bestimmte Strecke gemeinsam geführt wird.
Die erfmdungsgemaße Vorrichtung bietet den Vorteil, daß der Probengasstrahl im Hilfsgasstrahl so plaziert werden kann, daß er entlang der Mittelachse des Hilfsgasstrahls gefuhrt w rd und dadurch eine schnelle raumliche Ausdehnung des Probengasstrahl bei der Expansion n ein Vakuum weitgehend verhindert wird.
Die Erfindung wird im folgendem anhand eines Ausfuhrungsbei- spiels mit Hilfe der Figuren naher erläutert.
Fig. 1 zeigt einen Schnitt durch eine erfmdungsgemaße Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Gasstrahls. Die Gaszufuh- rungen und die Lage zur Ionenquelle sind dabei nicht mit dargestellt.
Fig. 2 A) zeigt ein mit der erf dungsgemaßen Vorrichtung aus Fig. 1 erhaltenes Spektrum für Benzol.
In Fig. 2 B) und Fig. 2 C) sind die Rotationskonturen der 6°- Bande von Benzol zu zwei verschiedenen Verzogerungszeiten aus Fig. 2 A) dargestellt, woraus sich die Rotationstemperatur der Benzolprobe zu diesen Verzogerungszeiten bestimmen laßt.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der erf dungsgemaßen Vorrichtung, wobei ein Gasstrahl aus Probengas 11 einen Gasstrahl aus Hilfsgas 6 eingebettet wird, besteht aus einer zentralen Probengasfuhrung 7 mit Zuleitung und einer konzentrisch diese umgebende Hilfsgasführung 8 mit Zuleitung, wobei die Probengas- fuhrung 7 in der Hilfsgasführung 8 endet. Das Hilfsgas 6 wird dabei durch ein Pulsvent l 4 mit Pulsventilduse 5 m der Zuleitung f r das Hilfsgas 6 der Hilfsgasführung 8 zugeführt. Die Gaszuleitungen für Hilfsgas 6, Tragergas 3 und Probengas 11 werden durch den Einlaßflansch ms Vakuum gefuhrt.
Eine Verengung an dem Ende der Hilfsgasführung 8, an dem die Probengasfuhrung 7 endet, ist äußerst vorteilhaft, da sich so schon bei relativ niedrigem Gas-Reservoirdruck und geringem Volumenstrom (wichtig für die Aufrechterhaltung guter Vakuumbedin-
gungen) ein Überschall-Molekularstrahl bei der Expansion des Gasstrahls ins Vakuum ausbilden kann. Dadurch kommt es zur adiabatischen Kühlung der Probe und so zu einer Erhöhung der optischen Selektivität bei Photoionisation oder Absorptionsprozessen. Weiterhin bewirkt die Verengung an dem Ende der Hilfsgas¬ führung 8, an dem die Probengasführung 7 endet, ein Einschnüren des gemeinsam geführten Gasstrahls und führt somit zu einem langsameren räumlichen Ausdehnen des Gasstrahls bei der Expansion ins Vakuum. Dadurch wird eine höhere Probendichte im Ionisationsvolumen und deshalb eine Steigerung der Meßempfindlichkeit erreicht.
Eine Kompression des Probengases 11 in Flußrichtung wird durch ein Pulsventil 1 mit Pulsventildüse 2 zur Erzeugung eines Gaspulses aus Trägergas 3 in der Probengasführung 7 erreicht. Durch die Kompression des Probengases 11 kann die Dichte der Probengasmoleküle im Bestrahlungsvolumen des Laserstrahls und dadurch die Meßempfindlichkeit erhöht werden. Um hierbei den Probenfluß nicht zu unterbrechen, kann die Zugabe des Probengases 11 über eine Hilfsleitung 10, die in die Probengasführung 7 mündet, erfolgen.
Durch eine programmierbare Ansteuereinheit für die beiden Pulsventile 1 und 4 ist es möglich, die Pulse von Trägergas 3 und Hilfsgas 6 zeitlich so aufeinander abzustimmen, daß eine optimale Kombination von Kompression des Probengases 11 in Flußrichtung und quer zur Flußrichtung erreicht wird. So kann die räumliche Ausdehnung des Probengasvolumens dem Ionisationsvolumen, das vor allem durch den Laserstrahlquerschnitt gegeben ist, angenähert werden.
Eine (nicht eingezeichnete) Verengung der Probengasführung 7 an der Einmündung in die Hilfsgasführung 8 führt zu einer besseren Fokussierung des Gasstrahls aus Probengas 11 auf die Mittelachse 12 des Gasstrahls aus Hilfsgas 6 und somit zu einer Erhöhung der Probendichte entlang der Mittelachse 12 des Gasstrahls aus Hilfsgas 6. Bei einer Kompression des Probengases 11 durch einen Gaspuls aus Trägergas 3 in der Probengasführung 7 bewirkt die
Verengung an der Einmündung in die Hilfsgasführung 8 eine ver¬ stärkte Kompression des Probengases 11 durch das Aufstauen der Probe vor der Verengung. Außerdem kommt es durch die Verengung zu einem verlangsamte Leeren der Probengasführung 7.
Die Verengung des Gasstrahls aus Probengas 11 und/oder des zusammengeführten Gasstrahls kann verschiedenartig ausgeführt sein. Als vorteilhafte Ausgestaltung für die erfindungsgemäße Vorrichtung erwiesen sich Verengungen in Laval- oder Venturi- Formen. Es können dabei verschiedene Düsenformen für die Mündung der Probengasführung 7 in die Hilfsgasführung 8 und die Mündung 9 der Hilfsgasführung 8 ins Vakuum kombiniert werden.
Besonders geeignet ist die erfindungsgemäße Vorrichtung als Einlaßteil für eine Ionenquelle. Durch die Kompression der Probe längs und quer zur Gas-Flußrichtung wird ein hoher Probenausnutzungsgrad und damit eine gesteigerte Meßempfindlichkeit erreicht.
Vorteilhaft ist die erfindungsgemäße Vorrichtung auch als Einlaßteil für ein Fluoreszenz- oder Absorptionsspektrometer .
Auch für die Erzeugung eines gepulsten Aerosolstrahls ist die erfindungsgemäße Vorrichtung aufgrund der oben beschriebenen Eigenschaften von Vorteil.
Mittels der beschriebenen Vorrichtung zur Erzeugung eines gerichteten Gasstrahl wird das erfindungsgemäße Verfahren wie folgt durchgeführt:
Die erfindungsgemäße Vorrichtung ist in der Vakuumkammer direkt über der Ionenquelle bzw. der optischen Kammer zur Photoanregung so angebracht, daß der Abstand zum Anregungs- bzw. Ionisationsvolumen gerade dem nötigen Abstand zum Erreichen der maximalen Kühlung des Probengases im Überschall-Molekularstrahl (typischerweise 3 - 5 cm; siehe R. Zimmermann, H.J. Heger, E.R. Rohwer, E.W. Schlag, A. Kettrup, U. Boesl: "Coupling of Gas Chro atography with Jet-REMPI Spectroscopy and Mass Spectro-
scopy"; Proceedings of the 8 ) th Resonance Ionization Spectroscopy Symposium (RIS-96) ; AIP-Conference Proceedings 388; 1997; 119 - 122) entspricht.
Die GasZuführungen erfolgen vakuumdicht durch die Vakuumkammer hin zur erfindungsgemäßen Vorrichtung. Der Gas-Reservoirdruck für das Trägergas 3 und das Hilfsgas 6 liegt typischerweise bei 1 - 10 bar (vorzugsweise 1 - 3 bar) , wobei der Trägergasdruck vorzugsweise höher als der Hilfsgasdruck ist.
Die ProbengasZuführung 10 erfolgt vorzugsweise effusiv über eine GC-Kapillare (inerte Oberfläche) . Die Probengasführung 7 besteht vorzugsweise aus Quarzglas, um katalytische Prozesse zu vermeiden. Das effusiv einströmende Probengas 11 füllt kontinuierlich die Probengasführung 7. Durch eine Ansteuereinheit geregelt wird das Pulsventil 4 für den Gasstrahl aus Hilfsgas 4 geöffnet (typische Öffnungszeit 400 μs) . Der Gasstrahl aus Hilfsgas 6 füllt daraufhin die Hilfsgasführung 8. Mit einer zeitlichen Verzögerung (typisch 300 μs) wird das Pulsventil 1 für den Träger- gasstrahl 3 durch eine zweite Ansteuereinheit geöffnet. Das Trägergas 3 strömt in die Probengasführung 7, komprimiert das die Probengasführung 7 füllende Probengas 11 und schiebt es einem Kolben gleich nach unten in die Hilfsgasführung 8. Durch die Lage der Mündung der Probengasführung 7 (auf der Mittelachse 12 der Hilfsgasführung 8) wird das in Gasflußrichtung komprimierte Probengasll entlang der Mittelachse 12 des Gasstrahls aus Hilfsgas 6 angereichert.
Eine (nicht eingezeichnete) Verengung der Mundung der Probengas¬ führung 7 die Hilfsgasführung 8 bewirkt zum einen eine kleinere raumliche Ausdehnung des Probengases 11 (höhere Probengasdichte) entlang der Mittelachse 12 des Gasstrahls aus Hilfsgas 6 und zum anderen eine verlangsamte Leerung der Probengasführung 7 durch das Aufstauen des Probengases 11 und des Tragergases 3 vor der Verengung.
Eine Verengung der Mundung der Hilfsgasführung 8 ms Vakuum, z. B. durch eine Düse mit konischer Einlage 9, fuhrt zum einen zur notigen Druckdifferenz für die Ausbildung eines Uberschall- Molekularstrahls, der eine adiabatische Kühlung der Probenmoleküle bewirkt. Zum anderen fuhrt die Verengung zu einem Einschnü¬ ren des zusammengeführten Gasstrahls. Dadurch komprimiert der den Gasstrahl aus Probengas 11 umhüllende Hilfsgasstrahl 6 diesen quer zur Flußrichtung und bewirkt so eine zusatzliche Fokussierung des Gasstrahls aus Probengas 11 auf die Mittelachse 12 des Gasstrahls aus Hilfsgas 6. Dadurch wird ein schnelles räumliches Ausdehnen des Gasstrahls aus Probengas 11 bei der Expansion ins Vakuum verhindert und so eine hohe Probengasdichte im Ionisationsvolumen erreicht (hohe Meßempfindlichkeit) .
Zur Überprüfung der Kuhlungseigenschaften im Überschall-Molekularstrahl eignet sich Benzol als Probengas 11 hervorragend. Um eine gute Kühlung zu erreichen, wird Argon oder Helium als Tragergas 3 bzw. Hilfsgas 6 verwendet.
Ist der Tragergasdruck großer als der Hilfsgasdruck, kann das Probengas 11 besser in das Hilfsgas 6 eingeschossen werden. Es entsteht so ein zeitlich kürzerer Probengaspuls im Gasstrahl aus Hilfsgas 6.
Um eine optimale zeitliche Korrelation zwischen dem Offnen des Hilfsgas-Pulsventils 4 und dem Offnen des Tragergas-Pulsventils 1 zu finden, wird bei fester Laserwellenlange (Anregungswellen- lange für den Si - S0 - Übergang von Benzol) die Verzogerungszeit zwischen dem Offnen des Hilfsgas-Pulsventils 4 und dem Offnen des Tragergas-Pulsventils 1 variiert und das dazugehörige REMPI-
Signal (Ionisationsausbeute) aufgezeichnet. Aus der Lage des Maximums des REMPI-Signals ergibt sich die optimale zeitliche Korrelation zwischen dem Offnen des Hilfsgas-Pulsventils 4 und dem Offnen des Tragergas-Pulsventils 1.
Für die optimale zeitliche Korrelation des Laserpulses zur Ionisation und den beiden Gaspulsen 6, 3 wird bei fester (optimaler) Korrelation zwischen dem Offnen der Pulsventile 4 und 1 die zeitliche Verzögerung des Laserpulses gegenüber den Gaspulsen variiert. Dabei ergibt sich der in Fig. 2 A) dargestellte Signalverlauf. Nach rechts ist in Fig. 2 A) die Verzogerungszeit des Laserpulses gegenüber dem Offnen des Hilfsgas-Pulsventils 4 in Mikrosekunden und nach oben das dazugehörige REMPI-Signal in willkürlichen Einheiten aufgetragen. Neben dem eigentlichen Signalmaximum bei 1070 μs, das durch den komprimierten Probengaspuls entsteht, fallt bei einer Verzogerungszeit von 850 μs eine weitere kleinere Signaluberhohung auf. Fig. 2 B) zeigt die im Signalmaximum bei 1070 μs Verzogerungszeit aufgenommene Rotationskontur der 6°- Bande von Benzol. Fig. 2 C) zeigt die bei 850 μs Verzogerungszeit (kleine Signaluberhohung) aufgenommene Rotationskontur der 6" -Bande von Benzol. In beiden Abbildungen ist nach rechts die eingestrahlte Laserwellenlange in Nanometer und nach oben das dazugehörige REMPI-Signal m willkürlichen Einheiten aufgetragen. Aufgrund der Rotationskontur in Fig. 2C) laßt sich der Probe im Signalmaximum (Verzogerungszeit 1070 μs) eine Rotationstemperatur von ca. 15 K zuordnen, wahrend die in Fig. 2 B) gezeigte Rotationskontur der einer ungekuhlten Probe entspricht. Rotationstemperaturen von wenigen Kelvin, wie bei einer Verzogerungszeit von 1070 μs, erlauben m vielen Fallen einen isomerenselektiven Nachweis einzelner Zielverbindungen, wahrend bei höheren Rotationstemperaturen (Fig. 2B) die Molekülbanden so stark überlappen, daß meist ganze Substanzklassen nachgewiesen werden.
Durch eine schnelle Experimentsteuerung wäre es also mit der er- findungsgemaßen Vorrichtung möglich, die Verzogerungszeit des Lasers zwischen den einzelnen Laserpulsen oder nach mehreren La-
serpulsen so zu variieren, daß abwechselnd isomerenselektiv (im Signalmaximum) und substanzklassenselektiv (in der kleinen Signalüberhöhung) gemessen wird. Dadurch wäre es möglich mit einer Messung besonders umweltrelevante, aber durch mehrere Isomere einer Verbindung überlagerte Zielverbindungen (z. B. Benzo [a]pyren aus allen Benzpyrenen) isomerenselektiv nachzuweisen und gleichzeitig einen Überblick über ganze Substanzklassen (z. B. alle PAK im Rauchgas einer technischen Verbrennungsanläge) zu bekommen.