Kugelförmige magnetische Partikel
Die Erfindung betrifft kugelförmige magnetische Partikel auf der Basis von monodispersen Si02-Partikeln, ihre Herstellung und ihre Verwendung.
Die Verwendung magnetischer Partikel für die Immobilisierung und Trennung von biologischen Materialien gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im allgemeinen bestehen diese Partikel aus einem magnetischen Kern und einer Schutzschicht aus einem Metalloxid, auf der sich eine Polymer- schicht befindet, die eine reversible Bindung des biologischen Materials an die magnetischen Partikel ermöglicht.
US 4 343 901 beschreibt magnetische Partikel für die Immobilisierung von Enzymen, die aus einem anorganischen Oxid und ferromagnetischen Partikeln bestehen, die durch eine Sol-Gel-Technik erhalten werden. Die Oberfläche der kalzinierten Partikel ist mit einem vernetzten Polyamin und Glutaraldehyd imprägniert.
US 4 152 210 beschreibt eine biochemisch aktive Substanz, die aus ferro- magnetischen Partikeln und einen daran haftenden Enzym besteht. Die Partikel bestehen entweder aus mit Nickel beschichtetem Eisen oder aus gefälltem Eisenoxid. In beiden Fällen sind sie mit Aminopropyltriethoxy- silan und Glutaraldehyd beschichtet. Die Partikel werden zur Abtrennung von biologisch aktivem Material aus Fermentationslösungen eingesetzt.
US 4 280 918 beschreibt eine Dispersion magnetischer Partikel, die durch Mischen einer Dispersion von je Fe203 oder Kobalt dotiertem Fe30 mit positiver Ladung mit kolloidalem Si02 mit negativer Ladung und nachfolgender Behandlung mit Ultraschall hergestellt wird.
EP 0 343 934 beschreibt magnetische Partikel, die aus einem Kern aus einem magnetischen Material und einer Hülle aus einem anorganischen Oxid bestehen. Die Herstellung erfolgt durch Emulgieren der Lösung eines Salzes oder eines wäßrigen Sols des magnetischen Materials und einer Lösung eines Salzes oder eines wäßrigen Sols des anorganischen Oxids
in einer mit Wasser nicht mischbaren Flüssigkeit, wobei diskrete Tropfen gebildet werden. Durch Einleiten von Ammoniak werden die Tropfen in eine Gel umgewandelt, anschließend von der flüssigen Phase getrennt, entwässert und kalziniert. Die erhaltenen Partikel haben überwiegend eine kugelförmige Gestalt.
Die aus dem Stand der Technik bekannten magnetischen Partikel haben den Nachteil, daß sie keine einheitliche Größe besitzen, Agglomerate nicht verhindert werden können und das Masseverhältnis zwischen magnetischem Kern und Hüllschicht Schwankungen unterworfen ist.
Dadurch zeigen die Partikel kein einheitliches Verhalten im Magnetfeld, was sich negativ auf den Trennprozeß auswirkt.
Aufgabe der Erfindung ist es, monodisperse magnetische Partikel mit einer weitestgehend einheitlichen Größe und einem einstellbaren Verhältnis zwischen magnetischem Material und übrigen Bestandteilen bereitzustellen.
Diese Aufgabe wird gemäß der Erfindung gelöst durch monodisperse magnetische Partikel einer Teilchengröße von 50 bis 1500 nm, mit einem kugelförmigen Kern aus Siliciumdioxid, der punktuell mit Magnetikpartikeln einer Teilchengröße von maximal 60 nm beschichtet ist und eine Deckschicht aus Siliciumdioxid besitzt. In einer besonderen Ausführungsform sind die magnetischen Partikel in bekannter Weise silanisiert.
Weiterhin wird diese Aufgabe gemäß der Erfindung gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung der magnetischen Partikel, indem in einer ersten Stufe Kieselgel-Monospher in vollentsalztem Wasser bei 20 °C dispergiert und durch Zugabe einer Lösung aus Eisen(ll)-sulfat und Eisen(lll)-sulfat mit einer Dosiergeschwindigkeit von 0,05 bis 3 mg Fe30 pro Min. und pro m2 Oberfläche der Monospher, wobei durch gleichzeitige Zugabe einer Base ein pH-Wert von 8 eingehalten wird, mit Fe304 punktuell beschichtet werden und in einer zweiten Stufe zu der Suspension der beschichteten Monospher eine wäßrige, essigsaure Tetraethylorthosilanlösung mit einer Geschwindigkeit von 0,1 bis 5 mg Si02 pro Min. und pro m? Oberfläche
der unbeschichteten Monospher zudosiert wird, anschließend innerhalb von 30 Min. durch Zugabe einer Base die Suspension auf einen pH-Wert von 9 eingestellt und nachfolgend auf 75 °C erwärmt wird und danach die erhaltenen magnetischen Partikel (Monospher-Magnetbeads) abgetrennt, mit Wasser gewaschen und bei 60 bis 100 °C, gegebenenfalls im Vakuum, getrocknet werden.
Gegebenenfalls können die erhaltenen Monospher-Magnetbeads in einer dritten Stufe nach bekannten Verfahren silanisiert werden.
Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung der erfindungsgemäßen magnetischen Partikel für die Isolierung von Nucleinsäuren und Biotin sowie biotinylierter Proteine aus wäßrigen Lösungen.
Die als Ausgangsmaterial zu verwendenden kugelförmigen monodispersen Si02-Partikel sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt.
Die grundliegenden Reaktionsbedingungen zur Herstellung von Si02- Partikeln durch hydrolytische Polykondensation sind beispielsweise aus den Publikationen von W. Stöber et al. in J. Colloid and Interface Science 26, 52(1968) und 30, 568(1969) sowie dem US-Patent 3,634,588 zu entnehmen. Die so hergestellten Partikel zeigen aber oft große Standardabweichungen für die Teilchendurchmesser und weisen eine gewisse Porosität auf.
Für die Herstellung von hochmonodispersen, unporösen, kugelförmigen Sι02-Partιkeln, die eine Standardabweichung von nicht mehr als 5 % aufweisen, wird auf EP 0 216 278 hingewiesen, die ein entsprechend abgestelltes Herstellungsverfahren auf Basis von hydrolytischer Poly- kondensation offenbart. Kern dieses Verfahrens, das für die Herstellung der Sι02-Partιkel gemäß vorliegender Erfindung bevorzugt wird, ist eine zweistufige Vorgehensweise Hierbei wird zunächst durch hydrolytische Polykondensation von Tetraalkoxysilanen in wäßπg-alkahsch-ammonia- kahschem Medium ein Sol bzw eine Suspension von Pπmarteilchen gebildet, die man daran anschließend durch dosierte Zugabe von weiterem Tetraalkoxysilan auf die gewünschte Endgröße bringt.
Das Verfahren zur Herstellung von hoch monodispersen, unporösen kugelförmigen Siθ2-Partikel erfolgt in zwei Schritten.
In einem ersten Schritt wird zunächst ein Sol von Primärteilchen herge- stellt. Hierzu wird das Tetraalkoxysilan in ein wäßrig-alkoholisch-ammo- niakalisches Hydrolysegemisch gebracht und innig durchmischt. Als geeignete Tetraalkoxysilane können alle problemlos hydrolysierbaren Kieselsäureorthoester aliphatischer Alkohole eingesetzt werden. In erster Linie kommen hierbei die Ester aliphatischer Alkohole mit 1-5 C-Atomen in Betracht wie etwa von Methanol, Ethanol, n- oder i-Propanol sowie der isomeren Butanole und Pentanole. Diese können einzeln, aber auch im Gemisch eingesetzt werden. Bevorzugt sind die Kieselsäureorthoester der CrC3-Alkohole, insbesondere Tetraethoxysilan. Das Hydrolysegemisch sollte neben aliphatischen Alkoholen einen Gehalt von etwa 0,5 bis etwa 8 mol/l Ammoniak und von etwa 1 bis etwa 15 mol/l Wasser auf wei seo Als Alkoholkomponente sind geeignet, aliphatische CrC3-Alkohole, bevorzugt CrC3-Alkohole wie Methanol, Ethanol sowie n- oder i-Propanol. Diese können einzeln, aber auch im Gemisch miteinander im Hydrolysegemisch vorliegen Die Zugabe des Tetraalkoxysilans zum Hydrolysegemisch erfolgt vorzugsweise in einer Portion, wobei der Reaktand in reiner Form oder auch in Lösung in einem der genannten Alkohole vorliegen kann. Zur Erzeugung der Pnmärteilchen kann eine Konzentration von Tetraalkoxysilan im Hydrolysegemisch zwischen etwa 0,01 bis etwa 1 mol/l gewählt werden. Nach dem Zusammenbringen der Reaktanden setzt die Reaktion sofort oder nach wenigen Minuten ein, was sich durch eine alsbaldige
Opaleszenz bzw. Trübung des Reaktionsgemisches durch die entstehenden Teilchen zeigt Nach im allgemeinen nicht mehr als 15-30 Minuten, in ungünstigen Spezialfallen auch langer, ist die Reaktion abgelaufen. Je nach Wahl der Reaktanden sowie ihrer Konzentrationen im Reaktions- gemisch lassen sich in Übereinstimmung mit bekannten Verfahren Teilchen mit mittlerem Durchmesser zwischen etwa 0,01 und etwa 2 μm erhalten
Bevorzugt wird in diesem ersten Schritt des erfindungsgemäßen Verfahrens mit Reaktionsgemischen gearbeitet, die 3-13 mol/l Wasser, 0,5 bis 4,5 mol/l Ammoniak, 10 bis 25 mol/l Alkohol und 0,1-0,5 mol/l Tetraalkoxysilan enthalten. Man erhält hierbei Primärteilchen mit mittleren Durch- messern zwischen 0,01 und 1 μm. In diesem Stadium können dem Sol von Primärteilchen Proben entnommen werden, um die Teilchen beispielsweise mit Hilfe der Elektronenmikroskopie auf ihre Teilchengröße, Formtreue und Teilchengrößenverteilung zu untersuchen.
Durch Isolation von Teilchenproben besteht die Möglichkeit, die Porosität der Primarteilchen beispielsweise durch Gasadsorptionsmessung zu bestimmen.
Als vorteilhaft hat sich erwiesen, die Reaktion zur Erzeugung der Primär- teilchen bei höherer Temperatur durchzuführen. Günstig sind hierbei Temperaturen zwischen 35 und 75 °C, vorzugsweise zwischen 40 und 65 °C. Es zeigte sich, daß bei erhöhter Temperatur die Teilchengrößenstreuung abnimmt, allerdings auch die mittlere Teilchengröße. Bei niedrigeren Temperaturen, d.h. um Raumtemperatur, erhält man bei sonst gleichen Bedin- gungen größere Teilchen mit höherer Größenstreuung. Weiterhin ist hier auch vermehrt unerwünschte Agglomeratbildung zu verzeichnen.
Im zweiten Schritt des Verfahrens erfolgt bei gleichmäßiger Durchmischung ein langsames, kontinuierliches Zudosieren von weiterem Tetra- alkoxysilan zu dem Sol von Primärteitchen. Hierbei ist es wesentlich, daß die Geschwindigkeit des Zudosierens so gesteuert wird, daß ein sofortiges, vollständiges Abreagieren mit den im Sol vorliegenden Teilchen erfolgt, ohne daß ein Überschuß Tetraalkoxysilan entsteht, aus dem sich Keime für neue Primärteilchen bilden können. Unter dieser Verfahrens- maßnähme des nach Maßgabe des Abreagierens kontrollierten Zudosierens von Tetraalkoxysilan wird ein gesteuertes Nachwachsen der Teilchen im Sol erreicht, wobei sich die letztendlich zu erzielende Teilchengröße nach der Menge des insgesamt zugesetzten Tetraalkoxysilans richtet. Die Menge des insgesamt zuzusetzenden Alkoxysilans ist im Prinzip unkri- tisch, solange das Hydrolysegemisch im Überschuß vorhanden ist, bzw.
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durch eventuelles Nachgeben von Hydrolysegemisch im Überschuß gehalten wird. Ein zeitliches Limit bei der Zugabe des Tetraalkoxysilans ist nicht gesetzt; die Zugabe kann sich über Stunden bis Tage erstrecken. Auch Unterbrechungen und Wiederaufnahme des Nachwachsens sind möglich, da die Teilchen in allen Stadien ihres Wachstums stabil sind.
Auch im Nachwachsvorgang wird bevorzugt bei erhöhter Temperatur, etwa um 40 °C, gearbeitet.
Nach diesem Verfahren können monodisperse kugelförmige Kieselsäure- Partikel mit einer Partikelgröße von 50 bis 1500 nm hergestellt werden, wobei eine gewünschte Größe sehr genau einstellbar ist, da die Standardabweichung vom mittleren Teilchendurchmesser nur 2 bis 5 % beträgt.
Die punktförmige Beschichtung der Kieselsäure-Monospher mit Magnetit erfolgt durch Ausfällen aus einer Lösung von Eisen(ll)- und Eisen(lll)- salzen, bevorzugt aus einer Lösung von Eisen(ll)- und Eisen(lll)-sulfat. Das Mol-Verhältnis zwischen dem zweiwertigen und dreiwertigen Eisensalz ist 1 :1. Es ist zu beachten, daß die Fällungslösungen vor Oxidation geschützt werden müssen. Während der Fällung ist die Gegenwart von Oxidations- oder Reduktionsmitteln nicht erforderlich.
Der pH-Wert der Monospherdispersion wird für die Fällung des magnetischen Fe304 (Magnetit) auf Werte zwischen 7 bis 9, bevorzugt 7,5 bis 8,5 eingestellt. Der pH-Wert wird während der Fällungsreaktion durch Zugabe einer Base konstant gehalten, bevorzugt wird 25%ige wäßrige Ammoniaklösung verwendet. Die Temperatur der Suspension wird auf 0 bis 40 °C eingestellt.
Die Dosiergeschwindigkeit der Eisen(ll)-Eisen(lll)-salzlösung liegt zwi- sehen 0,05 bis 3 mg Fe304 pro Min. und pro ms Oberfläche, bevorzugt zwischen 0,2 bis 1 mg Fe304 pro Min. und pro ms Oberfläche der Monospher.
Unter den angegebenen Bedingungen erfolgt eine punktförmige Abscheidung des Magnetits auf der Oberfläche der Monospher. Die Größe der Magnetitpartikel beträgt maximal 60 nm.
Die weitere Beschichtung der magnetischen Partikel mit Si02 erfolgt durch
Hydrolyse von Tetraalkylorthosilanen, bevorzugt Tetraethylorthosilan. Hierfür wird die Suspension der mit Magnetit beschichteten Monospher auf eine Temperatur von 0 bis 40 °C, bevorzugt 10 bis 30 °C eingestellt und bei einem pH-Wert von 7 bis 9, bevorzugt 7,5 bis 8,5 eine wäßrige, essig- saure Lösung von Tetraethylorthosilan zudosiert. Die Konzentration des
Silans in der Lösung beträgt 10 bis 50, bevorzugt 20 bis 40 g Si02/l. Die Dosiergeschwindigkeit wird auf 0,1 bis 5 mg Si02 pro Min. und pro m2 Oberfläche der unbeschichteten Monospher, bevorzugt 1 bis 2 g Si02 pro Min. und pro m≥ Oberfläche eingestellt. Nach dem Beenden des Zu- dosierens wird die Suspension auf 60 bis 90 °C, bevorzugt 70 bis 80 °C erwärmt und der pH-Wert innerhalb von 30 Min. auf 8 bis 10 mit 25%iger Ammoniaklösung angehoben und die Suspension 30 Min. bei dieser Temperatur und bei diesem pH-Wert gehalten. Nach Abkühlen auf Raumtemperatur werden die mit Si02 beschichteten magnetischen Partikel abge- trennt und mit vollentsalztem Wasser salzfrei gewaschen. Anschließend werden sie in vollentsalztem Wasser redispergiert.
Die erfindungsgemäßen magnetischen Partikel bestehen aus einem Si02-Kern, beschichtet mit 5 bis 60, bevorzugt 20 bis 40 Gew.-% Magnetit, bezogen auf den Si02-Kern und einer Si02-Nachbeschichtung von 5 bis
30, bevorzugt 10 bis 20 Gew.-% Si02, bezogen auf den Si02-Kern.
In einer besonderen Ausführungsform kann die Oberfläche der magnetischen Partikel durch kovalent gebundene organische Gruppen modifiziert werden. Die hierfür verwendeten Silane sind so konstruiert, daß sie funk- tionelle Gruppen aufweisen, mit denen sich eine reversible Bindung des abzutrennenden Materials an die magnetischen Partikel erreichen läßt. Geeignete Silanisierungsmittel sind Verbindungen der Formel I
[R"R2R3]Si-(CH2)ι-X-R4 (I)
worin
Ri Cl oder Alkoxy mit 1-6 C-Atomen
R2, R3 Alkyl mit 1-6 C-Atomen oder die Bedeutung von R'
1 die Zahlen 1-6
X eine Einfachbindung, O, NH, CONH, NHCONH
I
(CH2) -C-Z o
Z = OR oder zwei Reste Z gemeinsam -o- • / NR und m, n die Zahlen 0-6,
oder
CR'R" II -C-COOR
wobei
X eine Einfachbindung ist,
mit R, R*. R" = H oder Alkyl mit 1 -6 C-Atomen.
Die auf den magnetischen Partikeln befindliche Deckschicht aus Si02 besitzt freie oder hydratisierte Element-O- oder Element-OH-Gruppen an der Oberfläche, die einer chemischen Reaktion mit dem Silanisierungsmittel unter Ausbildung kovalenter Silicium-Sauerstoff-Siliciumverbin- düngen zugänglich sind. Die magnetischen Partikel werden in einer wäßrigen-alkoholischen Suspension, wobei das Verhältnis von Wasser zu Ethanol 2,5:1 ,5 beträgt, mit dem Silanisierungsmittel umgesetzt. Einzelheiten der Silanisierung können DE 42 33 396 und DE 43 16 814 entnommen werden, aus denen auch die obengenannten Silanisierungsmittel bekannt sind.
Die erfindungsgemäßen magnetischen Partikel können für die Isolierung von Nucleinsäuren aus wäßrigen Lösungen und für die Isolierung und Aufreinigung von Biotin und biotinylierten Proteinen aus wässrigen Lösungen verwendet werden.
Da Nucleinsäuren direkt an Siliciumdioxid gebunden werden, ist eine Nachbeschichtung der magnetischen Partikel, beispielsweise mit Silanen, nicht erforderlich.
Für die Extraktion von DNA aus Agarose-Gel wird ein Stück des mit Ethi- diumbromid behandelten Gels in ein geeignetes Gefäß überführt und ein Silica bindender Puffer mit einem pH-Wert von 8,0 zugegeben. Das Gel wird resuspendiert und mit magnetischen Partikeln vermischt. Nach Erwär- men der Suspension auf 50 °C für 10 Min. werden mit Hilfe eines Magneten die Partikel an die Gefäßwand gezogen und die verbleibende Flüssigkeit entfernt. Nach einmaligem Redispergieren und Waschen der magnetischen Partikel mit der obengenannten Pufferlösung wird das Waschen mit einem Ethanol enthaltenden Puffer mit einem pH-Wert von 7,2 wieder- holt. Anschließend werden die magnetischen Partikel getrocknet, in einem
Tris-HCI Puffer mit einem pH-Wert von 8,0 resuspendiert und nach Erwärmen auf 50 °C für 5 Min. elυiert. Die magnetischen Partikel werden von der Pufferlösung, die die DNA enthält, im Magnetfeld abgetrennt.
Die Pufferlösungen, die für die Abtrennung von DNA aus wäßrigen Lösungen mit Hilfe magnetischer Partikel benötigt werden, werden von der Merck KGaA angeboten. Sie enthalten als wesentlichste Bestandteile NaCI04, Tris-HCI und EDTA. Dieses Trennverfahren ist von folgenden Autoren näher beschrieben worden: Vogelstein, B.; Gillespie, D. (1979).
Preparative and analytical purification of DNA from agarose. Proc. Natl. Acad. Sei. USA 76, 615-619; Yang, R.C.A.; Lis, J.; Wu, B. (1979). Elution of DNA from agarose gels after electrophoresis; Methods Enzymol, 68, 176-182; Boom, R.; Sol, C.J.A.; Salimans, M.M.M.; Jansen, C.L; Wertheim-van Dillen, P.M.E.; van der Noordaa, J. (1990). Rapid and simple method for purification of nucleic aeids. J. Clin. Microbiol. 28, 495-503.
Für die Isolierung und Aufreinigung von Biotin und biotinylierten Proteinen oder Nucleinsäuren aus wäßrigen Lösungen mit Hilfe von magnetischen Partikeln, an die Streptavidin gekoppelt ist, ist eine Modifizierung der Oberfläche der magnetischen Partikel mit organischen Gruppen notwendig. Hierfür sind die oben erwähnten Silane, beispielsweise γ-Aminopro- pylsilan, geeignet. Die Kopplung von Streptavidin wird noch verbessert, wenn nach der Silanisierung der Si02-Oberfläche noch eine Modifikation mit Aziacton erfolgt. Dieses Verfahren für die Gewinnung von Biotin und biotinylierten Proteinen oder Nucleinsäuren aus wäßrigen Lösungen wird von folgenden Autoren näher beschrieben: Hultman T, Stahl S, Hornes E, Uhlen M. Direct solid phase sequencing of genomic and plasmid DNA using magnetic beads as solid support. Nucleic Aeids Research 1989; 17(13):4937-4946; Ahmed ARH, Olivier GWJ, Adams G, Erskine ME, Kinsman RG, Branch SK, Moss SH, Notarianni LJ, Pouton CW. Isolation and partial purification of a melaπocyte-stimulating hormone receptor from B16 murine melanoma cells; A novel approach using a cleavable biotiny- lated photoactivated ligand and streptavidin-coated magnetic beads.
Biochem J 1992;286:377-382; Wahlberg J, Hultman T, Uhlen M. Solid phase sequencing of PCR produets in: McPherson MJ, ed. PCR II - A Practical Approach. Oxford: IRL Press, Oxford University Press, 1994; Danilo A. Tagle, Manju Swaroop, Michael Lovett and Francis S. Collins (1993). Magnetic bead capture of expressed sequences encoded within large genomic segments(Nature 361 m 751 -753.
Mit Streptavidin gekoppelte magnetische Partikel werden von der Merck KGaA unter der Bezeichnung "Bio Beads Streptavidin" angeboten.
Die Bindekapazität der erfindungsgemäßen magnetischen Partikel liegt für DNA bei ca. 5 μg/mg Beads. Für die Streptavidin beschichteten Partikel ist die Bindekapazität sehr stark abhängig von der zu isolierenden Substanz.
Die erfindungsgemäßen kugelförmigen magnetischen Partikel haben den Vorteil, daß sie monodispers, unporös und in verschiedenen Größen her- stellbar sind. Die Standardabweichung vom mittleren Durchmesser beträgt weniger als 5 %. Das Masseverhältnis zwischen dem magnetischen Material und den übrigen Bestandteilen ist in engen Grenzen einstellbar. Dadurch zeigen die Partikel ein gleiches Verhalten im Magnetfeld.
Die nachfolgenden Beispiele sollen die Erfindung erläutern, ohne sie zu begrenzen.
Beispiel 1
700 g Monospher (bez. auf Si02-Gehalt) mit einem mittleren Teilchendurchmesser von 500 nm werden unter Rühren in 1500 g vollentsalztes Wasser eingeführt und das Gemisch eine Stunde mit einem Ultra-Torrax dispergiert. Anschließend wird mit 1 1800 g vollentsalztem Wasser die Dispersion auf einen Si02-Gehalt von 5 % eingestellt und auf 20 °C terπpe- riert.
210 g Eisen(ll)-sultat-heptahydrat (Artikel-Nr. von Merck KGaA: 1.03965) und 380 g Eisen(lll)-sulfathydrat 80 % (Artikel-Nr. von Merck KGaA: 3926) werden unter Rühren in 4500 g vollentsalztem Wasser gelöst und in ein verschließbares Vorratsgefäß gegeben.
Weiterhin wird eine 10%ige wäßrige Ammoniaklösung zur Konstanthaltung des pH-Wertes in ein geschlossenes Vorratsgefäß überführt.
Die Eisensulfatlösung wird nun innerhalb von 2 Stunden zu der auf 20 °C temperierten Monospherdispersion zudosiert, wobei durch gleichzeitige Zugabe der Ammoniaklösung der pH-Wert auf 7,7 eingestellt wird. Nach einer halben Stunde Nachreaktion wird mit der Si02-Beschichtung begon- nen.
350 g Tetraethylorthosilan werden unter Rühren in einer geschlossenen Apparatur in einem Gemisch aus 290 g Eisessig und 2275 g vollentsalztem Wasser innerhalb von 30 Min. gelöst. Die erhaltene Lösung wird mit einer Geschwindigkeit von 120 ml/Min. der Dispersion der mit Magnetit beschichteten Monospher zudosiert. Danach wird innerhalb von 30 Min. der pH-Wert mit der wäßrigen Ammoniaklösung auf 9,0 angehoben und die Dispersion auf 75 °C erwärmt und für 30 Min. auf diesem Wert gehalten. Nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur wird die Dispersion aufgearbeitet.
Innerhalb von 8 Stunden wird die Dispersion fünfmal dekantierend mit 6 I vollentsalztem Wasser gewaschen, wobei die Sedimentationsgeschwindigkeit der magnetischen Partikel durch Anlegen eines Magnetfeldes beschleunigt wird. Die erhaltene Dispersion wird auf einen Massegehalt von 20 % eingestellt.
Beispiel 2
Zu 400 ml einer nach Beispiel 1 erhaltenen Suspension magnetischer
Partikel werden 190 ml Ethanol zugesetzt, um ein Volumenverhältnis von Wasser zu Ethanol von 2,5:1 ,5 einzustellen. Dann wird ein Gemisch von 57,5 g γ-Aminopropyltriethoxysilan in 57,5 g Ethanol zugesetzt. Es wird noch 10 Stunden am Rückfluß gekocht, danach das Lösungsmittel ent- fernt, die Partikel mit Ethanol gewaschen und in Wasser redispergiert, wobei der Gehalt an Trockensubstanz auf 20 Gew.-% eingestellt wird. Die magnetischen Partikel besitzen an der Oberfläche gebundene endständige Amino-Gruppen. Die weitere Verwendung der magnetischen Partikel erfolgt in Form der wäßrigen Dispersion.