Walzenpresse oder -mühle
Die Erfindung bezieht sich auf eine Walzenpresse oder -mühle nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Bei Preßgütern, die einen hohen Luftanteil haben, beispielsweise feinkörnigen Gütern, die durch den natürlichen Lufteinschluß ein fluidähnliches Verhalten haben, aber auch bei Gütern, die im Gut¬ bett einer Walzenpresse zerkleinert und dabei in feste Agglomerate überführt werden, kommt es vielfach zu Schwierigkeiten bei der Entlüftung des Gutes. Luft, die von dem Gut eingeschlossen in den Walzenspalt gelangt, wird mit dem zu verpressenden Gut hoch kom¬ primiert. Dies kann dann bei der Entspannung nach Verlassen des Walzenspaltes zu einer Zerstörung der mit der Walzenpresse herge¬ stellten Agglomerate in Form von Schülpen oder Briketts führen. Eingeschlossene Luftmengen können aber auch dazu führen, daß eine Schülpenbildung oder auch die Bildung einwandfreier Briketts un¬ möglich wird.
Eine Lösung für diese Probleme bildet eine ausreichende Entlüftun des zu verpressenden Gutes. Hierfür sind Vorschläge bekannt.
Bei einer Walzenpresse der gattungsbildenden Art (US-PS 3 029 723) ist im Füllschacht senkrecht über dem Walzenspalt eine Kammer an¬ geordnet, die mit ihrem unteren Ende, das luftdurchlässig ausge¬ bildet ist, in den Walzenspalt hineinragt und die durch die stirn¬ seitigen Wandungen des Zuführschachtes hindurch mit Luftausla߬ leitungen verbunden ist. Derartige innerhalb des Füllschaσhtes an geordnete Entlüf ungsvorriσhtungen haben den Nachteil, daß sie de Gutstrom behindern. Die hierbei erforderlichen sehr kleinen Luft¬ einlaßöffnungen am unteren Ende der Kammer in der Größenordnung von 1/10 mm und kleiner führen dabei leicht zu Verstopfungen der Öffnungen, die die Vorrichtung unwirksam machen.
Es ist weiter bekannt, bei Schneckenförderern an die Füllschächte, in denen die Schnecken umlaufen, mit Filtermedien abgedeckte Öff¬ nungen oder Räume vorzusehen, an die ein Sauggebläse angeschlossen ist. Bei einer Walzenpresse nach der US-PS 3 114 930 ist hierbei oberhalb der Schnecke eine durch eine sich quer zur Achse der Füllschnecke erstreckende durchlässige Wand ein Raum abzutrennen, an den das Sauggebläse angeschlossen ist. Bei einer weiteren be¬ kannten Anordnung nach der US-PS 3 269 611 sind in der konischen Füllschachtwandung oberhalb der Schnecke mit Filtermedien abge¬ deckte Saugöff ungen vorgesehen. Hierbei sollen die Oberflächen der Filtermedien durch mit der Schneckenwelle verbundene Kratzer offengehalten werden.
Alle diese bekannten Vorrichtungen haben den gemeinsamen Nachteil, daß zusammen mit der abzuführenden Luft zwangsläufig die feinen Fraktionen des Preßgutes von der austretenden bzw. abgesaugten Luft mitgerissen werden. Diese feinen Fraktionen der Stoffe führen aber zu besonders schwer zu beseitigenden Verstopfungen des Fil¬ termediums.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Walzenpresse der gattungsge¬ mäßen Art so auszugestalten, daß eine zuverlässige Entlüftung er¬ reicht wird, ohne daß es zu Problemen durch Verstopfung der Wege kommt, über die die Luft austreten kann.
Diese Aufgabe wird bei einer Walzenpresse der gattungsgemäßen Art durch die Erfindung gelöst durch die im kennzeichnenden Teil des Patentanspruches 1 herausgestellten Merkmale.
Zweckmäßige Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
Die Erfindung ist in der Zeichnung beispielsweise veranschaulicht und nachstehend im einzelnen anhand der Zeichnung beschrieben.
Fig. 1. zeigt schematisch eine Walzenpresse gemäß der Erfindung im Querschnitt durch die Walzenachse.
Fig. 2 . zeigt die Anordnung nach Fig. 1 in Draufsicht.
In der Zeichnung sind von der Walzenpresse lediglich die beiden horizontal nebeneinander liegenden Walzen 2, 4 dargestellt. Diese Walzen sind mit ihren Walzenzapfen 2', 2" bzw. 4', 4" mit Lagern versehen, mit denen sie in Lagergehäusen gelagert sind, die in dem nicht dargestellten Pressenrahmen zwischen einem oberen und einem unteren Rahmenteil angeordnet sind. Eine der Walzen ist dabei üblicherweise mit ihren Lagergehäusen gegen eine nachgiebige Ab- stützung verschiebbar.
Der Walzenspalt ist bei derartigen Walzenpressen, die auch als Walzenmühlen eingesetzt werden, in bekannter Weise einstellbar. Der Einzugswinkel α0 ist vom Walzendurchmesser abhängig.
Die Walzenpresse ist mit einem Füllsαhacht 6 versehen, der sich mit seinem unteren Ende in den Walzenspalt 8 erstreckt. Der Füll¬ schacht ist hier mit einer ZwaEigsförderung des Gutes mittels einer Preßschnecke 10 dargestellt. In den Füllschacht 6 wird das Preßgut über eine seitliche Zuführung 12 eingeleitet. Wie in Fig. 2 dar¬ gestellt, sind in Aσhsrichtung der Walzen mehrere Füllschnecken nebeneinander angeordnet, wobei die Schnecken in jeweils zuge¬ hörenden Gehäuseabschnitten 14 umlaufen, die jeweils das untere Ende des Füllschachtes 6 bilden. Der obere Teil .des Füllschachtes 6 kann für alle nebeneinander liegenden Füllschächte gemeinsam • sein, wobei ein oder mehrere Zu ührschächte 12 vorgesehen werden können.
Der Füllschacht 6 kann auch in bekannter Weise als Füllschacht einer Schwerkraftzuteilung ausgebildet sein, wobei das Material dann senkrecht von oben in diesen Füllschacht eingespeist wird.
Einzelheiten solcher Füllschächte sowohl für die Schwerkraftför¬ derung als auch für Zwangsförderung mittels Füllschnecken sind allgemein bekannt. Normalerweise ist das untere Ende des Füll-
Schachtes mit einer Abdeckplatte versehen, die gegen den Umfang der Walzen 2, 4 anliegt und- den Walzenspalt über den Umfang der Walzen 2, 4 weitgehend abdichtet.
Gemäß der Erfindung sind beidseitig des Füllschachtes 6 Kammern 16, 18 vorgesehen. Diese Kammern erstrecken sich im wesentlichen achsparallel über die Breite der Preßflächen der Walzen 2, 4. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist der untere Bereich 20, 22 der Kammern 16, 18 durch die sich im wesentlichen achsparallel erstreckenden Wände des unteren Bereiches des Füllschaσhtes bzw. bei einer Mehrzahl von Füllschnecken der Füllschächte. Diese Wand kann dabei eine gerade Wand, sie kann aber auch entsprechend der Außenkontur des unteren Bereiches der das untere Ende des Füll- schachtes bildenden Schneckengehäuse gewellt ausgebildet sein. Die Wandungen 20, 22 begrenzen mit ihrem unteren Ende sich im wesent¬ lichen über die Breite der Preßflächen der Walzen erstreckende Durchlässe 28, 30 zwischen sich und dem äußeren Umfang der Walzen 2, 4. Die Höhe der Durchlässe kann durch höhenverstellbare Schie¬ ber 21 , 23 einstellbar sein, die in der Zeichnung schematisch dar¬ gestellt sind und hier an der Außenseite der Füllschachtwandung höhenverstellbar angeordnet sind.
Die gegenüberliegenden Längswände 24, 26 sind an ihrem unteren Ende bis an den Umfang der Walzen 2, 4 herangeführt, so daß hier eine weitgehende Abdichtung vorliegt. Gegebenenfalls können hier auch gesonderte Dichtungsmittel vorgesehen werden.
Die Kammern 16, 18 sind an ihren axialen Enden geschlossen. Diese Abschluß kann wenigstens im unteren Bereich beispielsweise auch durch die üblichen Stirnwanddichtplatten für den Walzenspalt ab¬ gedichtet sein.
Die Kammern, die durch DeckelWandungen 32, 34 geschlossen sind, weisen Luftauslässe auf, an die vorzugsweise Staubabscheider an¬ geschlossen sind. Diese Staubabscheider können mechanische Staub¬ abscheider sein, beispielsweise solche, mit denen der Staub durch Fliehkraft abgeschieden wird, beispielsweise Zyklonfilter oder
Wirbelkammerfilter, wie in der Zeichnung rechts dargestellt. Hier¬ bei sind an die Kammern jeweils Luftleitungen 36 angeschlossen, über die die Verbindung zu Zentrifugalfiltern 38 oder dergleichen hergestellt wird, denen Gebläse 40 vor- oder nachgeschaltet werden können.
Es können aber auch Filter mit einem Filtermedium, beispielsweise Filtertüchern oder dergleichen, vorgesehen werden, wie in der Zeichnung links dargestellt. An Öffnungen in den Deckeln 34 sind hier jeweils Filter 35 mit einem Filtermedium angeschlossen. Von diesen können über die Länge der Kammern verteilt eine Mehrzahl vorgesehen werden, wie in Fig. 2 dargestellt.
Die oben beschriebenen Kammern 16, 18 arbeiten wie folgt.
Luft, die von dem Preßgut in den Walzenspalt gefördert wird, also beispielsweise in dem Gut enthalten ist, das am unteren Ende der Füllschnecke aus dem Füllschacht in den Walzenspalt gelangt, soll soweit wie möglich beim Komprimieren des Materials durch die Wal¬ zen nach Erreichen des im wesentlichen vom Walzendurchmesser ab¬ hängigen Einzugswinkels α0 der Walzenpresse aus dem Gut ausgetrie¬ ben werden. Sie kann dabei gemäß der Erfindung auf kurzem Wege seitlich ausweichen und gelangt durch die Zwischenräume 28, 30 in die Kammern 16 und 18. Dabei kann und wird auch von dieser Luft mitgerissenes Preßgut mit in die Kammern übertreten.
In die Kammern eingetretenes Gut kann von den Walzen wieder in den Walzenspalt transportiert werden, wo es dann im Walzenspalt kom¬ primiert wird. Zu beachten ist dabei, daß dem Übertreten von Gut in die Kammern jeweils die sich dem Eingang in die Kammer entgegen drehenden Walzenoberflächen entgegenwirken, so daß ein exzessives Entweichen von Gut in die Kammern verhindert werden kann.
Da die Luft durch Kompression aus dem Preßgut ausgetrieben wird, •wird sich in den Kammern 16, 18 ein Luftüberdruck aufbauen, durch den die in den Kammern gesammelte Luft aus diesen Kammers ausge¬ trieben wird. Diese Luft wird somit unter Überdruck durch die in
der Zeichnung links dargestellten Filter 35 gedrückt und dabei von dem mitgeführten Staub befreit. Eine derartige Entstaubung durch Filterelemente mit-einem Filtermedium erfordert damit keine zu¬ sätzlichen Mittel zur Luftförderung. Andererseits müssen derartige Filterpatronen gewartet, d. h. in regelmäßigen Abständen entspre¬ chend ihrer Verschmutzung gewechselt werden. In Fällen, in denen ein erheblicher Staubanfall zu erwarten ist, kann es daher zweck¬ mäßig sein, mechanische Filter mit Fliehkraftabsσheidung zu ver¬ wenden, beispielsweise die erwähnten Zyklon- oder Wirbelkammer¬ filter, wobei zum Betrieb derartiger mechanischer Filter dann eine Luftabsaugung aus den Kammern vorzusehen ist.
Um eine Überfüllung der Kammern mit Preßgut zu vermeiden, können die Kammern mit in der Zeichnung nicht dargestellten Füllstands¬ sensoren versehen sein. Von diesen Füllstandssensoren kann dann eine Regelung der Gutzufuhr in den Füllsσhacht durchgeführt wer¬ den, durch die die Zufuhr kurzfristig vermindert wird, so daß von den Walzen das in den Kammern 16, 18 befindliche Preßgut aus diesen abgezogen wird. Die Förderung des Preßgutes aus diesen Kammern heraus erfolgt dabei, wie auch während des normalen Be¬ triebes, durch Schwerkraft und durch die normalerweise profilier¬ ten Oberflächen der Walzen.