Verfahren und Vorrichtung zum Betreiben eines Direktreduktionsreaktors zur Herstellung von direktreduziertem Eisen aus Eisenerz
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Betreiben eines Direktreduktionsreaktors zur Herstellung von direktreduziertem Eisen aus Eisenerz. Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich dabei im Vergleich zu bekannten Verfahren zur Herstellung von direktreduziertem Eisen insbesondere durch eine erhöhte Prozessökonomie aus, dadurch, dass konventionell erforderliche Verfahrensschritte eingespart werden können, sowie durch eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Verfahrensführung.
Stand der Technik
Im Stand der Technik wird direktreduziertes Eisen insbesondere durch das
ENERGIRON ZR-Verfahren (HYL-I Ii-Verfahren) oder durch das MIDREX-Verfahren gewonnen. Bei beiden vorgenannten Verfahren werden stückige Eisenerze nach dem Gegenstromprinzip von einem Reduktionsgasgemisch reduziert. Der wesentliche Unterschied zwischen dem ENERGIRON ZR-Verfahren und dem MIDREX-Verfahren besteht dabei darin, dass das Reduktionsgasgemisch bei dem ENERGIRON ZR-Verfahren durch Spaltung von Erdgas direkt in dem
Direktreduktionsreaktor erzeugt wird, während die Reduktionsgaserzeugung im MIDREX-Verfahren in einem dem Direktreduktionsreaktor vorgeschalteten
Gasreformator erfolgt.
Das bei der Herstellung von direktreduziertem Eisen in dem Direktreduktionsreaktor entstehende Gichtgas wird gemäß dem ENERGIRON ZR-Verfahren zum Abtrennen des enthaltenen Wassers gequenscht und dabei herabgekühlt. Nach einem weiteren Reinigungsschritt wird mit Hilfe von Aminen das im Gichtgas enthaltene CO2 herausgewaschen.
Gemäß dem MIDREX-Verfahren wird zwar auf den Schritt der CO2-Wäsche verzichtet, dafür ist bei diesem Verfahren allerdings ein zusätzlicher Schritt für die
Spaltung des eingesetzten Erdgases und des rückgeführten, CO2-haltigen Prozessgases in einem separaten Reformator erforderlich.
Ebenfalls bekannt, jedoch nicht im Zusammenhang mit der Herstellung von direktreduziertem Eisen, ist das Verfahren der Co-Elektrolyse in einer Festoxid- Elektrolysezelle. So wird beispielsweise in Journal of The Electrochemical Society, 159 (8) F482-F489 (2012) die Co-Elektrolyse von H2O und CO2 zu H2, CO und O2 beschrieben.
Aufgabe der Erfindung
Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, ein alternatives Verfahren zum Betreiben eines Direktreduktionsreaktors zur Erzeugung von direktreduziertem Eisen sowie eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens bereitzustellen, wobei sich das
Verfahren bevorzugt durch einen gegenüber konventioneller Verfahrensführung reduzierten Energiebedarf sowie durch einen geringeren Bedarf an fossilen
Brennstoffen und durch eine geringere CO2-Emission auszeichnet.
Allgemeine Beschreibung der Erfindung
Die Erfindung löst diese Aufgabe bezüglich des Verfahrens mit den Merkmalen der Ansprüche 1 bis 7 insbesondere durch Bereitstellung eines Verfahrens zum
Betreiben eines Direktreduktionsreaktors zur Herstellung von direktreduziertem Eisen aus Eisenerz, wobei das bei der Herstellung von direktreduziertem Eisen
entstehende CO2- und H2O-haltige Gichtgas aus dem Direktreduktionsreaktor entfernt und einer Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt wird, in welcher mittels Co-Elektrolyse CO und H2 enthaltenes Synthesegas und Sauerstoff erzeugt werden. Eine erfindungsgemäße Vorrichtung wird durch die Merkmale 8 bis 9 und eine Verwendung des erfindungsgemäß erzeugten Sythesegases durch Anspruch 10 angegeben.
In dem erfindungsgemäßen Verfahren wird Eisenerz wie auch in konventionellen Verfahren zur Herstellung von direktreduziertem Eisen von oben in einen
Direktreduktionsreaktor gegeben und im Gegenstrom mit Reduktionsgas, insbesondere Erdgas und/oder Synthesegas kontaktiert. Infolge der Reduktion des Eisenerzes zu direktreduziertem Eisen wird das Reduktionsgas selbst oxidiert, im Wesentlichen zu CO2 und H2O, welche im oberen Teil des Reaktors als Gichtgas aus diesem entfernt werden. Das CO2- und h O-haltige Gichtgas enthält in der Regel außerdem noch H2, CO, N2 sowie CH4. Es weist eine Temperatur von ca. 450 °C und einen Druck von ca. 6-8 bar auf.
Anders als bei konventionellen Verfahren wird das CO2- und h O-haltige Gichtgas nach dem Verlassen des Direktreduktionsreaktors erfindungsgemäß jedoch nicht zwecks Wasserentfernung gequencht und auch nicht zwecks CO2-Entfernung einer Aminwäsche unterzogen, sondern das CO2- und h O-haltige Gichtgas wird in dem erfindungsgemäßen Verfahren einer Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt, in welcher aus dem CO2- und h O-haltigen Gas mittels Co-Elektrolyse Synthesegas, d.h. CO und H2, sowie Sauerstoff erzeugt werden.
Die Hochtemperaturelektrolysezelle ist bevorzugt eine Festoxid-Elektrolysezelle, welche einen Elektrolyten aufweist, der bei höheren Temperaturen, insbesondere bei Temperaturen oberhalb von 800-900 °C ionenleitfähig ist. Insbesondere ist der Elektrolyt bei den vorgenannten Temperaturen leitfähig für Sauerstoffionen.
Optional wird das CO2- und H2O-haltige Gichtgas vor der Zuführung zur
Hochtemperaturelektrolysezelle vorgereinigt, z.B. in einer Einrichtung zur
Vorreinigung. Bei der Vorreinigung werden insbesondere Staubpartikel entfernt, weshalb die Einrichtung zur Vorreinigung bevorzugt ein Staubfilter ist.
Da das CO2- und H2O-haltige Gichtgas beim Verlassen des Direktreduktionsreaktors eine Temperatur von etwa 450 °C aufweist, wird dieses vor der Zuführung zur Hochtemperaturelektrolysezelle vorzugsweise erwärmt, insbesondere auf
Temperaturen oberhalb von 800 °C, z.B. auf 850-1000 °C und bevorzugt auf etwa 900-950 °C. Die Erwärmung des CO2- und H2O-haltigen Gichtgases kann z.B. in einer Einrichtung zur Nacherwärmung erfolgen, welche über eine Rohrleitung mit dem Direktreduktionsreaktor verbunden ist.
Das Druckniveau des aus dem Direktreduktionsreaktor kommenden CO2- und H2O- haltigen Gichtgases wird bevorzugt bis zu dessen Zuführung zur
Hochtemperaturelektrolysezelle erhalten. Dies sind in der Regel 6-8 bar.
In der Hochtemperaturelektrolysezelle erfolgt die Co-Elektrolyse des optional vorgereinigten und/oder nacherwärmten CO2- und H20-haltigen Gichtgases, vorzugsweise bei Temperaturen zwischen 850 und 950 °C. An der Kathode werden dabei unter Anlegen von elektrischem Strom CO2 und H2O zu CO und H2 umgesetzt. Die bei der Umsetzung freiwerdenden Sauerstoffionen wandern durch den
Elektrolyten, welcher insbesondere ein Festoxid umfasst oder daraus besteht, und werden an der Anode zu Sauerstoff oxidiert. Die bei einem erfindungsgemäßen Verfahren in der Hochtemperaturelektrolysezelle durch Co-Elektrolyse des CO2- und H2O-haltigen Gichtgases entstehenden Produkte sind somit CO, H2 und O2.
Das in der Hochtemperaturelektrolysezelle gebildete Synthesegas kann
anschließend in verschiedenen Verfahren eingesetzt werden, insbesondere in der chemischen Industrie, z.B. als Ausgangsstoff in der Methanolherstellung, oder in der Stahlindustrie, z.B. in Feuerungsanlagen oder als Reduktionsgas.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das an der Kathode der Hochtemperaturelektrolysezelle gebildete Synthesegas anschließend wieder als Reduktionsgas dem Direktreduktionsreaktor zugeführt. Auf diese Weise muss deutlich weniger Erdgas / Synthesegas von extern als
Reduktionsgas in den Direktreduktionsreaktor geleitet werden, wodurch natürliche Ressourcen geschont werden. Außerdem wird durch das erfindungsgemäße
Verfahren auch die CO2-Emission reduziert, da das in dem Gichtgas enthaltene CO2 nicht wie in herkömmlichen Verfahren abgetrennt wird, sondern in der
Hochtemperaturelektrolysezelle zu CO umgesetzt wird.
Das in der Hochtemperaturelektrolysezelle erzeugte Synthesegas weist beim
Verlassen der Elektrolysezelle bevorzugt eine Temperatur zwischen 850 und 950 °C auf. Bevor es gemäß der bevorzugten Ausführungsform wieder als Reduktionsgas in den Direktreduktionsreaktor geleitet wird, wird das Synthesegas vorzugsweise in
einer Einrichtung zur Gaserwärmung auf ca. 1000 °C erwärmt und von dort in den Reaktor geleitet.
Der in der Hochtemperaturelektrolysezelle entstehende Sauerstoff kann
vorteilhafterweise ebenfalls für verschiedene industrielle Prozesse genutzt werden, so zum Beispiel im Hüttenwerk zum Betreiben eines Konverters oder eines
Hochofens. Alternativ kann der Sauerstoff auch wieder zum Beheizen des
Direktreduktionsreaktors verwendet werden.
Gemäß einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der in der Hochtemperaturelektrolysezelle erzeugte Sauerstoff zum Beheizen der Einrichtung zur Gaserwärmung verwendet, in der das in den
Direktreduktionsreaktor einzubringende Synthesegas und/oder Erdgas auf ca. 1000 °C erwärmt wird. In der Einrichtung zur Gaserwärmung, bevorzugt einem
Gaserhitzer, wird das Reduktionsgas dabei insbesondere mittels eines mit reinem Sauerstoff betriebenen Oxyfuel-Brenners erhitzt, was nicht nur den Vorteil mit sich bringt, dass auf diese Weise höhere Temperaturen erreicht werden können als bei Verbrennung mit Luft, sondern auch, dass kein Stickstoff in das System eingeführt wird. Das in der Einrichtung zur Gaserwärmung entstehende Abgas besteht daher in dieser Ausführungsform im Wesentlichen aus H2O und CO2 und enthält keine Stickoxide. Daher wird das in der Einrichtung zur Gaserwärmung entstehende Abgas bevorzugt auch wieder der Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt, optional nach vorheriger Nacherwärmung.
Der Kohlenstoff, der in Form von Reduktionsgas in den Direktreduktionsreaktor eingebracht wird, wird in einem erfindungsgemäßen Verfahren daher bevorzugt im Wesentlichen im Kreis gefahren: Im Direktreduktionsreaktor wird der im Erdgas und/oder CO enthaltene Kohlenstoff zu CO2 umgesetzt, das anschließend in der Hochtemperaturelektrolysezelle wieder zu CO reduziert wird und so wieder zusammen mit dem ebenfalls gebildeten H2 als Reduktionsgas für weitere
Reduktionsprozesse im Direktreduktionsreaktor zur Verfügung steht. In diesem Kohlenstoff-Kreislauf wird lediglich ein geringer Anteil des Kohlenstoffs in Form des hergestellten direktreduzierten Eisens gebunden, welches in der Regel einen Kohlenstoffgehalt von 1 bis 4 Gew.-% aufweist. Um diesen geringen Verlust an
Kohlenstoff auszugleichen, muss ein geringer Anteil einer Kohlenstoffquelle in das Verfahren eingeführt werden, z.B. in Form von Erdgas, welches in den
Direktreduktionsreaktor geleitet wird.
Neben den bereits genannten Vorteilen, die das erfindungsgemäße Verfahren im Hinblick auf die Umwelt mit sich bringt, zeichnet sich das Verfahren überdies durch ein hohes Energieeinsparpotential aus. Zum einen können nämlich mehrere bei konventionellen Verfahren erforderliche Verfahrensstufen entfallen, so insbesondere die im ENERGIRON ZR-Verfahren zwecks H20-Entfernung erforderliche Abkühlung des CO2- und H20-haltigen Gichtgases, die anschließende Trocknung sowie die zur Entfernung von CO2 erforderliche Aminwäsche oder die im MIDREX-Verfahren erforderliche Dampfreform ierung in einem separaten Reformator. Zum anderen wird die in dem erfindungsgemäßen Verfahren entstehende Abwärme sehr effizient genutzt. Denn das CO2- und H20-haltige Gichtgas, das den Direktreduktionsreaktor mit einer Temperatur von etwa 450 °C und einem Druck von etwa 6-8 bar verlässt, wird erfindungsgemäß nicht abgekühlt, sondern unter Erhaltung des Druckniveaus auf etwa 800-1000 °C erhitzt, bevor es der Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt wird. Das die Hochtemperaturelektrolysezelle in dem erfindungsgemäßen Verfahren verlassende Synthesegas hat eine Temperatur von etwa 900-950 °C und muss nur vergleichsweise geringfügig erhitzt werden, bis es mit etwa 1000 °C wieder dem Direktreduktionsreaktor zugeführt werden kann.
Da das in einem erfindungsgemäßen Verfahren erzeugte Synthesegas gemäß der bevorzugten Ausführungsform wieder als Reduktionsmittel dem
Direktreduktionsreaktor zugeführt wird, betrifft die Erfindung auch die Verwendung des in einem erfindungsgemäßen Verfahren erzeugten Synthesegases als
Reduktionsmittel für die Reduktion von Eisenerz in einem Direktreduktionsreaktor.
Außerdem betrifft die Erfindung auch eine Vorrichtung zum Betreiben eines
Direktreduktionsreaktors zur Herstellung von direktreduziertem Eisen aus Eisenerz, die einen Direktreduktionsreaktor und eine Hochtemperaturelektrolysezelle umfasst, wobei der Direktreduktionsreaktor mit der Hochtemperaturelektrolysezelle über eine Rohrleitung zum Transport des Synthesegases verbunden ist.
In dem Direktreduktionsreaktor erfolgt die im Zusammenhang mit dem
erfindungsgemäßen Verfahren beschriebene Reduktion des Eisenerzes durch Reduktionsgas, das insbesondere CO und H2 enthält oder daraus besteht. Das dabei entstehende CO2- und h O-haltige Gichtgas verlässt den Reaktor durch eine
Rohrleitung, mittels derer der Reaktor mit der Hochtemperaturelektrolysezelle verbunden ist. Da das CO2- und h O-haltige Gichtgas vor der Zuführung zur
Hochtemperaturelektrolysezelle bevorzugt vorgereinigt und/oder nacherwärmt wird, ist in der Rohrleitung zwischen dem Direktreduktionsreaktor und der
Hochtemperaturelektrolysezelle bevorzugt auch eine Einrichtung zur Vorreinigung und/oder eine Einrichtung zur Nacherwärmung angeordnet. Die optionale Einrichtung zur Vorreinigung ist dabei insbesondere ein Staubfilter und die optionale Einrichtung zur Nacherwärmung ist bevorzugt eingerichtet, das CO2- und H2O-haltige Gichtgas auf eine Temperatur oberhalb von 800 °C zu erwärmen, insbesondere auf etwa 850- 950 °C. Die Rohrleitung, mittels derer der Direktreduktionsreaktor mit der
Hochtemperaturelektrolysezelle verbunden ist, kann daher faktisch aus mehreren Leitungsstücken bestehen, z.B. aus einem Leitungsstück zwischen dem
Direktreduktionsreaktor und der Einrichtung zur Vorreinigung, einem weiteren
Leitungsstück zwischen der Einrichtung zur Vorreinigung und der Einrichtung zur Nacherwärmung und noch einem weiteren Leitungsstück zwischen der Einrichtung zur Nacherwärmung und der Hochtemperaturelektrolysezelle.
Das in der Hochtemperaturelektrolysezelle erzeugte Synthesegas wird, wie
vorstehend beschrieben, bevorzugt wieder als Reduktionsgas dem
Direktreduktionsreaktor zugeführt. Daher ist die Hochtemperaturelektrolysezelle in der erfindungsgemäßen Vorrichtung bevorzugt noch über eine weitere Rohrleitung mit dem Direktreduktionsreaktor verbunden, durch welche Synthesegas von der Hochtemperaturelektrolysezelle in den Direktreduktionsreaktor geleitet wird. Im Strang dieser Rohrleitung ist vorzugsweise eine Einrichtung zur Gaserwärmung zwischengeschaltet, welche das Synthesegas auf ca. 950-1000 °C erhitzen kann.
Die Gaserwärmung kann auf unterschiedliche Weise mittels folgender
Energiequellen erfolgen:
a) Strom
Die benötigte Wärmeenergie kann mittels Heizspule, elektrischem Heizregister oder anderen Strom in Wärme wandelnden Apparaturen, aus elektrischem Strom ohne jeglichen Kohlenstoffeintrag oder Kohlenstoffemissionen am Ort der Wärmeerzeugung bereit gestellt werden. Bevorzugt wird der eingesetzte Strom mittels regenerativer Energieanlagen erzeugt, so dass auch am Ort der Stromerzeugung keinerlei Kohlenstoffemissionen frei gesetzt werden.
b) Extern zugeführte kohlenstoffhaltige Gase
Die benötigte Wärmeenergie kann durch Verbrennung von aus externen Quellen zugeführten, kohlenstoffhaltigen Gasen wie bspw. Erdgas, Biogas oder Kuppelgasen aus herkömmlichen Stahlerzeugungsanlagen bereit gestellt werden.
c) Intern erzeugtes Synthesegas
Die benötigte Wärmeenergie kann durch Verbrennung des erfindungsgemäß in der Hochtemperaturelektrolysezelle erzeugten Synthesegases bereit gestellt werden.
d) Kohle
Die benötigte Wärmeenergie kann auch durch Verbrennung von Kohle oder Kohlenstaub bereit gestellt werden. Das Verbrennungsgas enthält gegenüber den zuvor aufgeführten Wärmequellen vergleichsweise viel Kohlenstoff in Form von CO2, egal, ob die Verbrennung der Kohle/des Kohlenstaubs mit Umgebungsluft oder reinem Sauerstoff erfolgt.
Bevorzugt umfasst die Einrichtung zur Gaserwärmung einen Oxyfuel-Brenner, der vorteilhaft mit stickstoffarmen Brennstoffen (wie z.B. Synthesegas, kohlenstoffhaltige Gase, Kohle, etc.) betrieben wird, mit dem das Synthesegas vor der Einleitung in den Reaktor erwärmt wird. Der zum Betreiben des Oxyfuel-Brenners erforderliche
Sauerstoff ist bevorzugt der in der Hochtemperaturelektrolysezelle durch Co- Elektrolyse erzeugte Sauerstoff. Dementsprechend ist die
Hochtemperaturelektrolysezelle in dieser Ausführungsform über eine Rohrleitung mit dem Oxyfuel-Brenner verbunden.
Für den Fall, dass die Erwärmung des Synthesegases in der Einrichtung zur
Gaserwärmung mittels eines Oxyfuel-Brenners erfolgt, das in der Einrichtung zur Gaserwärmung entstehende Abgas im Wesentlichen aus H2O und CO2 besteht und
insbesondere keinen Stickstoff enthält, kann das CO2- und h O-haltige Abgas wieder zwecks Co-Elektrolyse der Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt werden. Dazu ist die Einrichtung zur Gaserwärmung in dieser Ausführungsform über eine weitere Rohrleitung mit der Hochtemperaturelektrolysezelle verbunden.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung weist weiterhin noch eine Zuführeinrichtung, zum Beispiel eine Rohrleitung oder ein Transportband, für die Einbringung einer
Kohlenstoffquelle in das System auf. Denn auch wenn der im System befindliche Kohlenstoff erfindungsgemäß als CO zurückgewonnen wird und so für weitere Reduktionsprozesse zur Verfügung steht, wird doch immer ein geringer Anteil an Kohlenstoff in dem gebildeten direktreduzierten Eisen gebunden und muss aus externer Quelle ersetzt werden. Die Zuführeinrichtung mündet entweder direkt in den Direktreduktionsreaktor oder bevorzugt in die Einrichtung zur Gaserwärmung.
In Anlehnung an die oben erläuterten Möglichkeiten der Synthesegas-Erwärmung, kann die Zuführung des benötigten Kohlenstoffs im Direktreduktionsreaktor erfindungsgemäß auch vorteilhaft durch die Einbringung von kohlenstoffhaltigen Verbrennungsprodukten zur Aufheizung des Gichtgases hinter dem
Direktreduktionsreaktor vor Eintritt in die Hochtemperaturelektrolyse realisiert werden. So kann die benötigte Wärme, die zur Aufheizung des CO2- und H2O- haltigen Gichtgases, das den Direktreduktionsreaktor mit einer Temperatur von etwa 450 °C verlässt und auf etwa 800-1000 °C erhitzt werden muss, aus den zuvor beschriebenen Wärmequellen zur Verfügung gestellt und der
Hochtemperaturelektrolysezelle zugeführt werden.
Genaue Beschreibung der Erfindung
Die Erfindung wird nun genauer anhand von Beispielen und mit Bezug auf die Figuren beschrieben, in denen
- die Figur 1 ein Prozessschaubild für die Herstellung von direktreduziertem
Eisen mittels eines konventionell betriebenen Direktreduktionsreaktors zeigt,
- die Figur 2 ein Prozessschaubild für die Herstellung von direktreduziertem Eisen mittels eines nach einem erfindungsgemäßen Verfahren betriebenen Direktreduktionsreaktors zeigt, und
- die Figur 3 ein Prozessschaubild für die Herstellung von direktreduziertem Eisen mittels eines nach einem weiteren erfindungsgemäßen Verfahren betriebenen Direktreduktionsreaktors zeigt.
Die Figur 1 zeigt ein Prozessschaubild für die Herstellung von direktreduziertem Eisen mittels eines konventionell betriebenen Direktreduktionsreaktors,
beispielsweise nach dem ENERGIRON ZR-Verfahren.
In dem konventionellen Direktreduktionsprozess wird Eisenerz 3 in einen
Direktreduktionsreaktor 1 gegeben und zur Reduktion im Gegenstrom mit
Reduktionsgas 16 kontaktiert, welches vorher in einer Einrichtung zur
Gaserwärmung 9 unter C02-Emission auf ca. 925 °C erhitzt wurde. In dem
Direktreduktionsreaktor 1 entsteht dabei direktreduziertes Eisen 2. Im oberen Teil des Reaktors 1 wird das bei der Reduktion entstehende CO2- und H20-haltige Gichtgas 4 aus dem Reaktor 1 entfernt. Zwecks Kühlung des Gichtgases 4 zur Abtrennung des enthaltenen Wassers wird dieses durch einen Wärmetauscher 17 und anschließend durch einen Lufttrockner 13 geleitet. Nach Durchströmen eines Prozessgaskompressors 14 durchläuft das Gichtgas eine C02-Wäsche 15. Der nach Entfernung des CO2 übrigbleibende CO- und H2-haltige Gasstrom wird in der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 vortemperiert und anschließend wieder in den Direktreduktionsreaktor 1 geleitet.
Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Betreiben eines
Direktreduktionsreaktors 1 können wesentliche Verfahrensschritte des in Fig. 1 schematisch dargestellten konventionellen Prozesses zur Herstellung von
direktreduziertem Eisen 2 eingespart werden, wie anhand der Figuren 2 und 3 ersichtlich ist.
Figur 2 zeigt das Prozessschaubild zur Durchführung eines beispielhaften erfindungsgemäßen Verfahrens. Wie auch in dem konventionellen
Direktreduktionsprozess wird Eisenerz 3 in einen Direktreduktionsreaktor 1 gegeben
und zur Reduktion im Gegenstrom mit Reduktionsgas 16 kontaktiert. Das dabei entstehende CO2- und h O-haltige Gichtgas 4, welches eine Temperatur von etwa 450 °C und einen Druck von 6-8 bar aufweist, wird über die aus mehreren
Leitungsstücken bestehende Rohrleitung 11 aus dem Reaktor 1 entfernt und unter Erhalt des Druck- und Temperaturniveaus optional zunächst einer Einrichtung zur Vorreinigung 8 zugeführt, die vorzugsweise ein Staubfilter ist. Anschließend wird das CO2- und h O-haltige Gichtgas 4 weiter optional einer Einrichtung zur
Nacherwärmung 12 zugeführt, in der es auf ca. 850-950 °C erwärmt wird, bevor es der Hochtemperaturelektrolysezelle 5 zugeführt wird. Anstelle der separaten
Einrichtung zur Nacherwärmung 12 kann das CO2- und h O-haltige Gichtgas 4 auch mittels der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 auf eine Temperatur von ca. 850-950 °C erwärmt werden. Hierzu wird der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 Heiz- oder Brenngas 18 zugeführt.
In der Hochtemperaturelektrolysezelle 5, die bevorzugt einen Elektrolyten aufweist, der ein Festoxid umfasst oder daraus besteht, werden durch Co-Elektrolyse des CO2- und H20-haltigen Gichtgases 4 bei ca. 950 °C Synthesegas 6 und Sauerstoff 7 erzeugt. Das Synthesegas 6 wird wie auch von extern zugeführtes Reduktionsgas 16 mittels der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 noch weiter erwärmt, insbesondere bis auf ca. 1000 °C, bevor es als Reduktionsmittel für weitere Reduktionsprozesse wieder in den Direktreduktionsreaktor 1 geleitet wird. Der in der
Hochtemperaturelektrolysezelle entstehende Sauerstoff 7 wird ebenfalls dem
Direktreduktionsreaktor 1 wieder zugeführt.
In Figur 3 ist ein Prozessschaubild zu einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens gezeigt. Dieses unterscheidet sich von der schematisch in Fig. 2 gezeigten Verfahrensführung im Wesentlichen dadurch, dass der in der Hochtemperaturelektrolysezelle 5 entstehende Sauerstoff 7 zum Erhitzen des Synthesegases 6 mittels eines Oxyfuel-Brenners in der Einrichtung zur
Gaserwärmung 9 verwendet wird. Da der Oxyfuel-Brenner mit reinem Sauerstoff betrieben wird, besteht das in der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 entstehende Abgas im Wesentlichen aus CO2 und H2O und enthält insbesondere keine
Stickoxide, sodass das CO2- und H20-haltige Abgas 10 aus der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 wieder zwecks neuer Co-Elektrolyse der Hochtemperatur-
elektrolysezelle 5 zugeführt werden kann, optional nach Erwärmung in der
Einrichtung zur Nacherwärmung 12. Das CO2- und h O-haltige Abgas 10 aus der Einrichtung zur Gaserwärmung 9 kann daher zunächst mit dem CO2- und H2O- haltigen Gichtgas 4 vereint und dann der Einrichtung zur Nacherwärmung 12 zugeführt werden, in der das Gas wieder auf ca. 850-950 °C erhitzt wird und anschließend der Hochtemperaturelektrolysezelle 5 zugeführt wird. Dadurch, dass der CO2 Kreislauf annähernd geschlossen ist, wird im Vergleich mit dem Stand der Technik deutlich weniger CO2 in die Atmosphäre abgegeben.
Die in der vorstehenden Beschreibung, in den Figuren sowie in den Ansprüchen offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln als auch in beliebigen Kombinationen für die Verwirklichung der Erfindung in ihren verschiedenen
Ausführungsformen wesentlich sein.
Bezugszeichenliste:
1 Direktreduktionsreaktor
2 Direktreduziertes Eisen
3 Eisenerz
4 CO2- und H20-haltiges Gichtgas
5 Hochtemperaturelektrolysezelle
6 Synthesegas
7 Sauerstoff
8 Einrichtung zur Vorreinigung
9 Einrichtung zur Gaserwärmung
10 CO2- und H20-haltiges Abgas
1 1 Rohrleitung
12 Einrichtung zur Nacherwärmung
13 Lufttrockner
14 Prozessgaskompressor
15 C02-Wäsche
16 Reduktionsgas
17 Wärmetauscher
18 Heiz- oder Brenngas