DE948000C - Verfahren zur Durchfuehrung von Kernspaltungen - Google Patents
Verfahren zur Durchfuehrung von KernspaltungenInfo
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Description
AUSGEGEBEN AM 23. AUGUST 1956
St 8296 VIIIcIzig
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Durchführen von Kernspaltungen mittels
Neutronen. Die Erfindung findet Anwendung bei der Durchführung beherrschter Kettenreaktionen
in Kernreaktoren, wo als Kernbrennstoff z. B. natürliches Uran verwendet wird oder Uran, das
an Isotopen, die durch langsame Neutronen gespalten werden können, angereichert ist.
Ein solches angereichertes Uran kann beispielsweise natürliches Uran sein, dem eine Menge U235,
Pu239 oder U233 zugesetzt worden ist.
Insonderheit findet das Verfahren nach der Erfindung Anwendung bei den sogenannten thermischen
Reaktoren und Energiereaktoren, in welchen der Neutronenstrom zu hohen Werten ansteigen
kann.
Es ist bekannt, daß sich beim Spalten von Atomkernen durch Neutronen neue Kerne bilden, die mit
großen Geschwindigkeiten fortgeschossen, aber schon bald völlig abgebremst werden. Die so, gebildeten
Atomkerne und die daraus durch weitere Kernreaktionen anfallenden Kerne bleiben als Verunreinigungen
in dem Kernbrennstoff zurück. Diese Verunreinigungen beeinträchtigen die Kettenreaktion,
weil sie die Neutronen wegfangen.
So bilden sich z. B. beim Spalten von U235 über J135 (Halbwertszeit 6,7 Stunden) bzw. Pm149 (Halbwertszeit
47 Stunden), Xe135 und Sm1'49. Letztere
Isotope haben einen sehr großen wirksamen Einfangquerschnitt für langsame Neutronen. Die
Menge Xe135, die nach einiger Zeit vorhanden ist, wird durch den Neutronenstrom bedingt.
Bei einem starken Neutronenstrom, wie dieser bei Energiereaktoren notwendig ist, steigert sich
die Konzentration der Verunreinigungen zu einem hohen Wert, wodurch die Neutronenabsorption
schon bald sehr beträchtlich wird. Es ergab sich, daß bei einem Neutronenstiom von io14 Neutronen
je cm2/Sek. soviel Xe135 und Sm149 vorhanden war,
daß bereits 5,8°/o der vorhandenen Neutronen absorbiert
wurde.
Bei den bekannten Reaktoren, in denen Stäbe von festem Uran oder Uranoxyd angewandt werden,
können diese schädlichen Verunreinigungen nicht kontinuierlich entfernt werden. Dadurch entstehen
in diesen Reaktoren, wenn sie. auf hoher Leistungsstufe arbeiten müssen, große Neutronenverluste.
Außer besagten sich schnell bildenden Verunreinigungen häufen sich auch allmählich stabilere
Spaltprodukte in dem Kernbrennstoff an. Weil auch diese Neutronen absorbieren, müssen sie nach
einer gewissen Zeit entfernt werden. Die damit verbundenen Maßnahmen sind schwierig und kostspielig.
Ähnliche Schwierigkeiten stellen sich ein bei den sogenannten homogenen Reaktoren, bei denen der
Kernbrennstoff in aufgelöstem oder dispergiertem Zustand angewandt wird.
Nach der Erfindung lassen sich die oben angeführten Schwierigkeiten vermeiden und wird eine
kontinuierliche Entfernung unerwünschter Verunreinigungen aus dem Kernbrennstoff ermöglicht,
wenn man als Kernbrennstoff eine stabile Suspension von fester spaltbarer Materie in einer Trägerflüssigkeit anwendet, wobei im wesentlichen alle
Teilchen der Suspension einen größten' Durchmesser aufweisen, der kleiner ist als 15 μ.
Unter »stabile Suspension« wird hier verstanden eine Dispersion von fester Materie in einer Flüssigkeit,
in der die Erscheinung der Agglomeration grundsätzlich nicht auftritt. Es ist in dieser Hinsicht
zu betonen, daß die Erscheinung der Sedimentation der Teilchen, deren Abwesenheit öfter als
Stabilitätsmerkmal für Suspensionen betrachtet wird, bei der erfindungsgemäßen Suspension durchaus
wohl zulässig ist.
Es hat sich nämlich herausgestellt, daß bei der Anwendung einer Brennstoffsuspension wie oben
gekennzeichnet die obenerwähnten Spaltprodukte grundsätzlich die suspendierten Teilchen verlassen
können und darauf von der Trägerflüssigkeit abgebremst und in" diese Flüssigkeit aufgenommen
werden.
Die Erfindung ermöglicht die Entfernung der Spaltprodukte aus dem Kernbrennstoff in einer einfachen,
gegebenenfalls kontinuierlichen Weise, wenn man wenigstens ein Teil der Trägerflüssigkeit
von der Suspension abscheidet und anschließend die abgeschiedene Flüssigkeit mit geeigneten
Mitteln, z. B. Ionenaustauschern oder Adsorptionsmitteln, von den darin enthaltenen Spaltprodukten
befreit.
Wenn erwünscht, können auch die Brennstoffteilchen nach einer etwaigen totalen Abscheidung
der Trägerflüssigkeit einem Reinigungsverfahren unterworfen werden zwecks Entfernung der etwa
an ihrer Oberfläche adsorbierten Spaltprodukte. Die gereinigte Trägerflüssigkeit kann der bei der
-Abscheidung anfallenden eingedickten Suspension wieder zugefügt werden,'oder, falls alle Trägerflüssigkeit
abgeschieden wurde, es können die abgeschiedenen BrennstofFteilchen wieder in der gereinigten
Trägerflüssigkeit dispergiert werden. In dieser, Weise wird nach der Erfindung ein kontinuierliches
Verfahren der beherrschten Kernspaltung ermöglicht, in dem Reaktionsperioden abwechseln
mit Perioden, in denen außerhalb des Kernreaktors eine Reinigung der Brennstoffsuspension stattfindet.
Dieses kontinuierliche Verfahren läßt sich vorteilhaft anwenden in den Fällen, wo man
die Brennstoffsuspension schon für Wärmeabfuhrzwecke zirkulieren läßt.
Bei der Anwendung der erfindungsgemäßen Brennstoffsuspension hat man vorzugsweise" dafür
zu sorgen, daß diejenigen Kerne, die sich durch Neutroneneinfang und darauffolgende /^-Emission
aus dem Kernbrennstoff bilden, z. B. Pu239 oder U233, die Brennstoffteilchen nicht verlassen können.
Es wird darum nach der Erfindung vorzugsweise eine Suspension gebraucht, in der wesentlich alle
Teilchen einen kleinsten Durchmesser aufweisen, der größer ist als ο,οί μ.
Als Beispiele geeigneter Suspensionen können genannt werden: Dispersionen von Oxyden natürlichen
oder nur wenig angereicherten Urans in schwerem Wasser und Dispersionen von angereicherten
Uranyloxyden in gewöhnlichem oder mit schwerem Wasser angereichertem Wasser. In die- go
sen Fällen ist die Trägerflüssigkeit der Suspension gleichzeitig Moderator.
Die obenerwähnte totale oder teilweise Abscheidung der Trägerflüssigkeit .aus der Suspension läßt
sich in bekannter Art und Weise durchführen. Jedoch muß man damit rechnen, daß ein bestimmtes
bekanntes Abscheidungsverfahren zu umständlich sein könnte, namentlich in Hinsicht auf die für eine
genügende Abscheidung erforderliche Zeit, um in der Praxis ein kontinuierliches Verfahren zu ermöglichen.
Es wird in diesem Zusammenhang nach der Erfindung vorzugsweise eine Suspension gebraucht,
in der der mittlere effektive Durchmesser der Teilchen gleich oder größer als ι μ ist. Es hat
sich im allgemeinen erwiesen, daß sich aus dergleichen Suspensionen, insbesondere wenn Hydrozyklone
für die Abscheidung benutzt werden, größere oder kleinere Mengen- Trägerflüssigkeit in
praktisch nutzbaren Zeiten abscheiden lassen.
In dem obenerwähnten kontinuierlichen Verfahren der beherrschten^ Kernreaktion nach der Erfindung
wird z. B. wenigstens ein Teil der zirkulierendejti
Suspension durch mindestens einen Hydrozyklon gepreßt, und die anfallende geklärte Trägerflüssigkeit
wird darauf von Spaltprodukten befreit. Anschließend wird die gereinigte Flüssigkeit
wieder mit der aus dem Hydrozyklon ausgetretenen eingedickten Suspension gemischt und die so erhaltene
Suspension wieder in den Reaktor zurückgeführt.
In der Zeichnung ist eine Anlage zur Durchführung dieses kontinuierlichen Verfahrens schematisch
dargestellt.
In der Figur ist 3 eine Pumpe, mittels welcher die Brennstoffsuspension nach der Erfindung durch
den eigentlichen Reaktor 1 und den Wärmeaustau-
scher 2 umgewälzt wird. Die infolge der Kernspaltung in dem Reaktor 1 entwickelte Wärme wird in
dem Wärmeaustauscher 2 an eine Flüssigkeit abgetreten, beispielsweise Wasser, die dabei in Dampf
übergeht. Dieser Dampf kann zu Heiz- oder Energiezwecken angewandt werden. Ein Teil der
Suspension wird über die Pumpe 4 durch den Hydrozyklon oder eine Batterie von Hydrozyklonen
5* gepumpt, die in solcher Weise angeordnet ist, daß aus dem Überlauf 5a teilchenfreie Trägerflüssigkeit
austritt, während aus dem Ablaß 5& eine einigermaßen eingedickte Suspension gewonnen
wird. Die klare Flüssigkeit wird in einer Reinigungsanlage 6 von Spaltprodukten befreit und anschließend
mit der eingedickten Suspension, gemischt und dem Kreislauf wieder zugeleitet.
Die Anlage ist weiterhin mit einem Reservebehälter 8 versehen, in den die Suspension im Notfall
schnell abgelassen werden kann, indem die Pumpe 3 abgestellt und das Ventil 10 geöffnet wird.
Mittels der Pumpe 9 kann die Suspension in den Kreislauf zurückbefördert werden.
Claims (6)
- PATENTANSPRÜCHE:i. Verfahren zur Durchführung von Kernspaltungen, dadurch gekennzeichnet, daß als Kernbrennstoff eine stabile Suspension von fester spaltbarer Materie in einer Trägerflüssigkeit benutzt wird, in der im wesentlichen alle Teilchen einen größten Durchmesser aufweisen, der kleiner ist als 15 μ.
- 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im wesentlichen alle Teilchen der Suspension einen kleinsten Durchmesser aufweisen, der größer ist als 0,01 μ.
- 3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der mittlere effektive Diameter der Teilchen der Suspension gleich oder größer als ι μ ist.
- 4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kernbrennstoff von Spaltprodukten befreit wird durch Abscheidung wenigstens eines Teils der Trägerflüssigkeit aus wenigstens einem Teil der Suspension und anschließende Reinigung der abgeschiedenen Flüssigkeit.
- 5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens ein Hydrozyklon benutzt wird zur Abscheidung der Trägerflüssigkeit.
- 6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß nach einer totalen Abscheidung der Trägerflüssigkeit die Brennstoffteilchen einer Reinigung unterzogen werden zwecks Entfernung von Spaltprodukten, welche an ihrer Oberfläche adsorbiert sind.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen© 509 628/148 1. (609 589 8.56)
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