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Preßmasse
Die zur Gewinnung widerstandsfähiger Preßstücke verwendeten
Preßmassen enthalten als Füllstoffe irgendeinen organischen oder anorganischen Bestandteil,
wie Textil-, Zellstoff- oder Asbestfasern, Bahnen, Streifen oder Stückchen aus Geweben,
auch solchen aus Zellstoff oder Asbest, und als Bindemittel ein meist härtbares,
also im Wege des bekannten Hitze-Druck-Verfahrens in einen unveränderbaren Zustand
überführbares Kunstharz. Die Bindemittel üblicher Art werden als Kondensationsprodukte
aus einem Phenol, aus Harnstoff oder Thioharnstoff oder Harnstoff und Thioharnstoff
oder auch aus Dicyandiamid mit einem Aldehyd, insbesondere Formaldehyd, gewonnen.
Man legt Wert darauf, daß der Füllstoff mit dem Bindemittel möglichst durch und
durch getränkt wird.
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Die Steigerung der an solche Preßstücke gestellten mechanischen Anforderungen
führte zu dem Vorschlag, metallene Einlagen in Form von Drähten oder Blechen einzupressen.
Dies begegnet aber deshalb Schwierigkeiten, weil das Bindemittel naturgemäß den
Metallteil nicht durchtränkt und überdies nur wenig an ihm haftet. Es genügt also
nicht, in eine Schichtung aus mit Kunstharz getränkten Papierbahnen Blecheinlagen
einzufügen, weil dann der geschichtete Preßling alsbald aufspalten würde, und zwar
auch dann, wenn man die Blechplatten zwecks Durchdringung mit Bindemittel durchlocht.
Man hat daher vorgeschlagen,
aus mit Metalleilllagen versehenen
Asbestfäden, z. B. solchen, die eine Seele aus Messingdraht aufweisen, ein Band
zu weben oder zu wirken, dieses auf die Größe des herzustellenden plattenförmigen
Stückes zurechtzuschneiden, mit Kunstharz zu tränken und dann mehrere der in dieser
Weise vorb2ereiteten - Stücke geschichtet zu beispielsweise Brems- oder Kuppelbelägen
zu verpressen. Das Anfertigen anderer als plattenförmiger Gebilde aus solchen mit
Kunstharz imprägnierten Asbestdrahtgeweben ist nicht möglich, weil bei Preßstücken,
die ein höheres Fließvermögen der Preßmasse erfordern, der Preßdruck die Drähte
zerreißen würde. Dabei löst sich dann die faserige Umhüllung vom Draht, an diesem
haftet das Bindemittel nicht, es kommt zu einem Lockern des Gefüges im Innern und
zu Rißbildungen an der Oberfläche des Preßlings, der dadurch unbrauchbar wird. Nach
einem weiteren Vorschlag sollen Asbestfäden mit NIessingeinlage innig mit einer
spirituösen Lösung eines Phenolglycerinkondensationsproduktes verknetet, die so
erhaltene Masse auf Bleche ausgebreitet und in einem Ofen getrocknet werden; aus
solcher Masse sollen sich Preßstücke verschiedenster Abmessungen und beliebiger
Krümmungen im Hitze-Druck-Verfahren herstellen lassen. Aber gerade das Kneten der
Masse, das offenbar dem Bereiten metallfreier künstlicher Massen entlehnt ist, wirkt
sich bei Gegenwart von Metalldrähten schädlich aus. Die langen Drähte werden durch
die Knetflügel mehrfach gebogen, schließlich gewaltsam auseinandergerisssen und
dadurch von ihrer Umhüllung befreit, der gleiche Nachteil muB beim Aufteilen des
getrockneten Massekuchens in die einzelnen Preßportionen in Erscheinung treten,
so daß Riß- und Hohlraumbildungen im Preßling unvermeidlich sind.
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Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, eine Preßmasse aus mit
Kunstharz getränktem Faserstoff umhüllten Metalidrähten zu schaffen, die weder bei
ihrem Herstellen noch bei ihrer Verarbeitung die erwähnten Nachteile erkennen läßt,
sondern zu Preßlingen höchster Festigkeit führt und sich im übrigen mittels der
gleichen Einrichtungen und unter Ausnutzung der gleichen Erfahrungen weiterverarbeiten
läßt, wie beispielsweise Preßmassen. die kunstharzgetränkte Leinenschnitzel oder
Papierstreifen als Füllstoffe aufweisen. Die Preßmasse nach der Erfindung kennzeichnet
sich dadurch, daß die umhüllten Metalldrähte eine Länge von etwa 2 bis 3 cm besitzen.
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Eine solche Preßmasse läßt sich sowohl zu plattenförmigen als auch
zu formgepreßten Werkstücken ohne Schwierigkeiten verarbeiten. Die kurze Länge der
Drahtstücke gestattet diesen, sich ohne nennenswertes Verbiegen dem Verlauf der
Preßformwandungen anzupassen, es erfolgt also auch bei scharfkantigen Wandungen
kein Zerreißen der Drahtenden. Die Befürchtung, daß kurze Drahtstücke die mechanische
Festigkeit des Preßstückes herabsetzen würden, erweist sich als irrig, denn gerade
die geringe Länge der Drahtstücke führt unter der Einwirkung des Preßdruckes ohne
große Umbiegungen zu einer ungeordneten Verkettung der Einzelteilchen mit besonders
festem Zusammenhalt. Vorteilhaft ist auch, daß die Masse zufolge der geringen Länge
der Drahtenden vor dem Einfüllen in die Preßform außerordentlich handlich ist, leicht
aus -der Hand fließt, genau abgemessen werden kann, was bei den bekannten Preßmassen
mit Drahteinlagen nicht der Fall ist. Auch ein Entmischen der Preßmasse tritt selbst
bei längerem Lagern oder beim Versand nicht ein. Jedes Drahtstückchen ist und bleibt
auf seiner ganzen Länge mit einer gleichmäßigen Schicht kunstharzgetränkten Faserstoffes
umhüllt. Der fertige Preßling unterscheidet sich äußerlich kaum von solchen, die
aus kunstharzhaltigem Faserstoff gewonnen worden sind.
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Das Herstellen der Preßmasse nach der Erfindung geschieht wie folgt
Man umspinnt lange Drähte aus' Eisen, Aluminium, Zink, Kupfer, Messing od. dgl.
mit einem möglichst saugfähigen Faden, wie Baumwolle, Zell wolle, Asbestgespinst,
oder umwickelt den Draht mit einem Papierband in ähnlicher Weise, wie z. B. die
isolierten Drähte für den Bau elektrischer Maschinen hergestellt werden. Diese umsponnenen
oder sonstwie mit faserigem Stoff umhüllten Drähte werden in der gleichen Weise
mit Kunstharz behandelt, wie dies beispielsweise beim Herstellen von mit Kunstharz
getränkten Papier- oder anderen Faserstoffbahnen bekannt ist. Man zieht also die
mit Faserstoff umhüllten langen Drähte durch eine Tränklösung, z. B. eine Lösung
von Kunstharz in Spiritus oder durch eine wäßrige Lösung des Kunstharzes. Man kann
die Durchtränkung auch in der Harzschmelze vornehmen. Anschließend werden die so
behandelten Drähte durch einen Trockenofen geführt, in dem das Lösungsmittel verdampft.
Darauf werden die Drähte zerkleinert, zweckmäßig in Stücke von etwa 2 bis 3 cm oder
auch länger oder auch kürzer, was je nach dem gewollten Verwendungszweck zu bestimmen
ist. Die günstigste Länge hängt z. B. von der GröBe und Gestalt des Werkstückes
ab.
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Beim Anfertigen von kleineren Preßteilen mit scharfen Abbiegungen,
vorspringenden Flanschen oder Rippen wird man kürzeren Drahtlängen von I cm und
darunter den Vorzug geben, während für große Werkstücke mit regelmäßigerem Formverlauf
hingegen nrahtlängen von mehr als 4 cm in Frage kommen werden. Hier gelten annähernd
die gleichen Gesichtspunkte, wie beim Verarbeiten von beispielsweise Leinenschnitzelmasse.
Die zerkleinerten Drahtstücke mit ihrer kunstharzhaltigen Umhüllung sind ohne weiteres
als Preßmasse verwendbar. Man hat es in der Hand, das Verhältnis zwischen Metalleinlage
und dem mit Kunstharz getränkten Füllstoff beliebig zu wählen. Man kann entweder
dicken oder dünnen Draht, z. B. auch Litzen, umspinnen, man kann andererseits den
Draht mit einer oder mehreren Lagen faserigen Stoffes umhüllen und auf die eine
oder andere Weise den Anteil an metallenem und faserigen Füllstoff an der gesamten
Preßmasse regeln. Es ist ferner auch möglich, die Umhüllung vor dem
Aufbringen
auf die Drähte mit Anlagerungen von feinverteilten, schmelzbaren Harzbestandteilen
zu versehen, wie dies z. B. möglich ist, wenn man der Papiermasse zum Herstellen
von Isolierfäden bereits im Holländer fein gepulvertes Harz zusetzt.
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Es wäre auch möglich, das Tränken des faserigen Stoffes vorzunehmen,
bevor er auf den Metalldraht aufgebracht wird. Das Verfahren des Herstellens der
Preßmasse nach der Erfindung ist dann aber etwas umständlicher, weil es naturgemäß
leichter gelingt, bereits umhüllte Metalldrähte durch die Tränklösung und anschließend
durch den Trockenofen hindurchzuziehen als bloße Fasern. Man kann auch den Metalldraht
nach dem Umhüllen mit faserigem Stoff zunächst zerkleinern und dann mit einer Kunstharz
lösung tränken, dann ist es aber schwierig, ein Wiederabwickeln der Umhüllung zu
verhindern, es wäre damit zu rechnen, daß der Draht an einigen Stellen bloßgelegt
wird. Wenn man aber die Drähte zunächst umhüllt und alsdann, also vor dem Zerkleinern,
zuerst tränkt und dann trocknet, so kann sich die Umhüllung nicht mehr vom Draht
lösen, sie verklebt vielmehr in sich durch das Tränken und Trocknen und bildet eine
feste, innig am Draht anliegende Hülle, die den Draht auch nach dem Zerkleinern
allseitig umgibt.