-
Meßstativ zum Nehmen von Körpermaßen, insbesondere für Schneider Zum
Maßnehmen für Schneider, zur Körperkontrolle für Ärzte usw. sind Meßstative bekannt,
bei denen waagerechte Meßarme auf einem senkrechten Gerüst verschiebbar geführt
sind. Mit den bisher bekannten Meßstativen war es jedoch nicht möglich, alle Körpermaße
und insbesondere auch die Körperhaltung zu ermitteln, wie :sie z. B. beim Maßnehmen
für Schneider wichtig sind. Außerdem sind die bisher bekannten Meßg eräte ziemlich
umständlich und unhandlich und haben dadurch keine praktische Verwendung finden
können.
-
D.er Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, alle Hilfsmaße unter Verwendung
von Hilfsmitteln zu nehmen, die mit Sicherheit alle Unebenheiten und Körperhaltungen
leicht ermitteln lassen und dadurch Schnitt- sowie Sitzfehler und in vielen Fällen
auch Anproben ausschalten und dadurch zeitraubende Arbeiten vermeiden. Gemäß der
Erfindung sind auf einem mit Ausschnitten für die Füße der zu messenden Person versehenen
Sockel zwei parallele senkrechte Schienen befestigt, die als Grundlinie für die
Messung dienen und auf denen in senkrechter Lage nach oben und unten umschwenkbare,
bei Gebrauch waagerecht stehende Meßarme verschiehbar geführt sind. Durch die beiden
Ausschnitte für die Füße wird die Körpermitte und durch die Schienen die Grundlinie
der zu messenden Person genau festgelegt. Die Meßarme sind vorzugsweise an waagerechten
Querarmen schwenkbar angebracht, die auf den Schienen des Gerüstes gleitend geführt
sind. Vor Durchführung der Messung wird zunächst der übliche Taillengürtel der zu
messenden Person angelegt. Dann wird das Meßstativ mit den nach oben oder unten
umgeschwenkten Meßarmen an die zu messende Person herangeschoben, was leicht durchgeführt
werden
kann. Durch die umschwenkbare Ausbildung der Meßarme nimmt das Meßstativ außerdem
bei Nichtgebrauch nur wenig Raum ein. Zweckmäßig sind die oberen, in Wirbelpunkthöhe
der zu messenden Person eingestellten Querarme miteinander vereinigt und tragen
in der Mitte einen senkrechten Meßwinkel zur Ermittlung der Körpergröße. In der
Mitte der oberen Querarme sind vorteilhaft ein zur Ermittlung der Körperhaltung
im Wirbelpunkt dienender waagerechter Meßstab und an einem der unteren Meßarrne
ein weiterer Meßstab für den Körperabstand von der Grundlinie in der Taillenhöhe
angebracht.
-
Durch diesen in Wirbelpunkthöhe angesetzten Meßstab können in Verbindung
mit einem hieran befestigten Maßband alle oberen Körper- und Längenmaße festgestellt
werden, wobei die Längenmaße zweckmäßig tabellenmäßig der Moderichtung entsprechend
nach der Körpergröße ermittelt werden.
-
Durch das Heranschieben des in der Mitte des oberen Querarmes angebrachten
waagerechten Meßstabes an den Wirbelpunkt erhält man das Maß des Körperabstandes
von der durch die beiden senkrechten Schienen bestimmten Grundlinie sowie das Längenmaß
,bis zur Armlochtiefenlinie; die vorher durch die an den unteren Querarmen angebrachten
waagerechten Meßarme festgestellt worden ist. Diese beiden letzteren Meßarme sind
getrennt voneinander beweglich, so daß beispielsweise 'bei einseitig hängender Schulter
der Höhenunterschied leicht abgelesen werden kann.
-
An den auf dem oberen Querarm angebrachten Meßarmen kann mittels eines
Schiebers, der bis an die Ansatzstelle des Kragens geführt wird, der Halsdurchmesser
`festgestellt und an einer Skala abgelesen werden, die zweckmäßig vom Wirbelpunkt
ab nach beiden Seiten zählt. An diesem Schieber kann noch ein seitwärts schwenkbarer
Meßstab zur Ermittlung der Länge und Lage der Achselnaht angebracht sein. An ,den
unteren, getrennt voneinander beweglichen Meßarmen sind zweckmäßig Maßbänder befestigt,
durch die die Brustweite, Ärmellänge und weitere für das Maßnehmen erforderliche
Maße leicht festgestellt werden können. -Es empfiehlt sich, sämtliche ermittelten
Maße in einem vorgedruckten Maßzettel tabellenartig aufzuzeichnen, durch den der
systematische Verlauf des Arbeitsganges im Maßnehmen festgelegt wird.
-
Weitere Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der Zeichnung,
in der ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt ist, und zwar zeigt Fig.
i die Vorderansicht des Meßstativs und Fig. 2 die Seitenansicht des Meßstativs mit
der zu messenden Person.
-
Ein Sockel i, der an der Unterseite zweckmäßig mit Rollen oder Gleitnägeln
zum leichten Verschieben versehen ist, ist mit zwei Ausschnitten 2 versehen, die
die Füße der zu messenden Person aufnehmen. Die beiden Ausschnitte 2 weisen in der
Mitte einen Ansatz 3 auf, durch den die Körpermute festgelegt wird. Auf dem Sockel
i sind zwei senkrechte parallele Schienen 4. und 5 befestigt, auf denen ein durchgehender
waagerechter Querarm 6 sowie zwei sich nach links b-zw. rechts erstreckende, voneinander
getrennte waagerechte Querarme 7 und 8 gleitend geführt sind. In der Mitte des oberen
Querarmes 6 ist ein senkrechter Meßwinkel g, io befestigt, der zur Ermittlung der
Körpergröße der zu messenden Person dient. Der obere Teil der beiden Schienen q.
und 5 ist mit einer Skala versehen; ebenfalls trägt der senkrechte Teil 9 des Meßwinkels
i o eine Skala, zum Ablesen der Körpergröße. Auf dem oberen Querarm 6 sind zwei
Meßarme i i und i z gelagert, die entsprechend den punktierten Linien in die senkrechte
Lage nach oben verschwenkt werden können. In der Mitte des Querarmes 6 ist ein waagerechter
Meßstab- 13 befestigt, an dem ein Maßband i ¢ drehbar befestigt ist.
-
Auf dem sich nach linkserstreckenden Querarm 7 ist ein Meßarm 15
und auf dem rechten Querarm 8 ein M eßarm 16 gelagert. Beide Meßarme 15
und
16 sind entsprechend den punktierten Linien nach unten verschwenkbar und
mit je einer beweglichen Skala :sowie zwei Schiebern 25 und 26 versehen, durch .die
der Armlochdurchmesser ermittelt werden kann. An beiden Meßarmen 15 und 16
sind ferner die nach unten. hängenden Maßbänder 17 und 18 befestigt. An dem inneren
Ende des Querarmes 8 ist ein waagerechter Meßstab 13' angebracht, durch den der
Taillenabstand von der Grundlinie ermittelt wird. An dem inneren Ende des Querarmes
7 ist das obere Ende eines Maßbandes 20 befestigt, das mit seinem unteren Ende in
eine an der Schiene q. oberhalb des Sockels i angebrachte, zweckmäßig mit einer
Aufzugsfeder versehenen Trommel 21 ;geführt ist. An dem Querarm 7 ist noch ein nach
,oben gerichteter Meßstab i g angebracht, der die Fortsetzung des Maßbandes 2o bildet
und von dem inneren Ende des rechten Querarmes 8 bestrichen wird. Auf den Meßarmen
i i und 12 befinden sich die Schieber zza und 22, die zur Ermittlung .des Halsdurchmessers
dienen. An dem Schieber 22a ist -ein seitwärts schwenkbarer Meßstab 23 mit Skala
angebracht, durch den die Lage und Länge der Achselnaht gekennzeichnet wird. Auf
der Schiene q. ist noch der Schrittmesser 2q. ,gelagert, mittels dessen an dem Maßhand
2o die Leibhöhe und Schrittlänge ermittelt werden kann.
-
Zu Beginn der Messung wird der zu messenden Person in Taillenhöhe
der übliche Meßgürtel angelegt. Hierauf wird der Querarm 6 in Verbindung mit dem
Meßstab i3 in Wirbelpunkthöhe der zu messenden Person angesetzt, an deren Wirbelpunkt
ein mit einer Skala, versehener loser Halsmeßbüge128 mit der gekennzeichneten Mitte
angelegt wird. Dieser Bügel schließt sich federnd um den Hals, wobei das Maß der
Halslochspitze von der Skala .abgelesen wird, wodurch ein sicherer Anhaltspunkt
für weitere Hilfsmaße gegeben ist. Durch Heranschieben des Meßstabes 13 an den Wirbelpunkt
erhält man das Maß des Körperabstandes von der durch die beiden Schienen q. und
5 bestimmten Grundlinie. Nachdem der Meßstab- 13 auf
die Grundlinie
zurückgezogen ist, wird von dort das Maß bis zu der durch die Meßarme 15
und 16 ermittelten Armlochtiefenlinie abgelesen, welches Maß gleichzeitig
die Grundlinie für die Schnittzeichnung darstellt. Durch die Gegenüberstellung des
Armlochtiefenmaßes auf der Grundlinie und des durch den Meßstab 13 bestimmten Armlochtiefenmaß
es wird der Differenzbetrag bei geneigter Körperhaltung oder der Grad der Verwölbung
bei gerundetem Rücken ermittelt. Dieses Maß wird dann auf die Schnittzeichnung übertragen.
Die Taillenlänge und die ganze Länge werden von dem Wirbelpunkt ab durch das Maßband
i q. gemessen. Die Rückenbreite wird von der Rückenmitte, die durch den am Querarm
8 angebrachten Meßstab i 3a festgelegt ist, bis zum Ausgangspunkt für den Armlochdurchmesser
mit einem Maßband, z. B. mit 14, gemessen. Bei einseitig hängender Schuster kann
der Unterschiedsbetrag an dem Meßstab ig bzw. dem Maßband 2o abgelesen werden. Zur
Ermittlung des Halsdurchmessers werden die Schieber 22 und 22a bis an die Ansatzstelle
des Kragens geführt. Das Maß des Halsdurchmessers kann an einer auf der Rückseite
des Querarmes 6 angebrachten Skala .abgelesen werden, die vom Wirbelpunkt ab nach
beiden Seiten zählt. An dem Schieber 22 sitzt der seitwärts schwenkbare Meßstab
23 zur Ermittlung der Länge und Lage der Achselnaht.
-
Um das einwandfreie Überschultermaß, wie es im fertigen Stück vorhanden
sein muß, schon beim Maßnehmen zu gewinnen, empfiehlt es sich, die Schulter der
zu messenden Person mit nach Größen geordneten Wattekissen modisch auszugleichen,
die mit den Meßarmen ii und 12 gehalten werden. Das Überschultermaß wird mit dem
Maßbandf.i7 von dem vorderen Schieber 26 bis zum rückwärtigen Schieber 25 des Meßarmes
15 geteilt und bis zu der durch den Meßstab, 23 festgelegten Achselnahtlage
ermittelt. Bei dieser Einstellung der Meßarme 15
und 16 ist am Maßband i q.
gleichzeitig die rechte und linke Kugelhöhe abzulesen. Das Schultermaß ergibt sich
vom Meßstab 23 bis zum Querarm 7. Zwischen den Schiebern 25 und 26 wird der Armlochdurchmesser
abgelesen. Vom Halsmeßbügel z8 bis senkrecht in die Höhe des Meßarmes
15 wird die vordere Arml;ochtiefe festgestellt. Die Seitenmaße ergeben sich
vom vorderen Schieber 26 bis senkrecht zum in Taillenhöhe liegenden Meßgürtel. Die
vordere Armlänge wird mittels der Maßbänder 17 und 18 festgestellt.
-
Nach diesen Messungen ist an dem Meßarm 15
bei 26 ein senkrechter
Hilfsmeßstab 27 mit Skala anzusetzen, wodurch in der Schnittzeichnung die Armlochvortrittslinie
:gegeben wird. In Taillenhöhe bildet der Hilfsmeßstab 27 mit dem Meßgürteleinen
Kreuzungspunkt, von dem bis zur Leibmitte der Leibvortritt zu messen ist. In der
Verlängerung der Armlochvortrittslinie läßt sich leicht von -dieser aus die Armhaltung
ermitteln und in die Schnittzeichnung einsetzen. Nach Einstellung der Meßarme 15
und
16 in Taillenhöhe wird der Hilfsmeßstab 27. gemäß Fig.2 angesetzt und somit besonders
bei Frauen ein sicherer Ausgangspunkt der Hüftausmessung gegeben, womit die Maße
des Hüftabstandes, der Verlauf der Rundung sowie eine unterschied:iche Hüftentwicklung
gemessen werden können. Im Rücken wird der Körperabstand von der Grundlinie in Taillenhöhe
durch den Meßstab, i3 a gemessen. Oberweite, Unterweite, Bundweite; Gesäßweite,
Vorder- und Rückenbüste können zweckmäßig mit einem Maßbrand gemessen werden. Den
Durchmesser der Brust, der Taille und des Gesäßes erhält man leicht, wenn man das
Meßstativ von der Seite :an die zu messende Person ansetzt und die entsprechenden
Maße abliest. Hierbei können auch die vordere Armlochtiefe und -weite bis zur Taille
mittels des Meßgürtels sowie die Vorderbüste und Rückenbüste g emessen werden, wobei
man von der durch den Halsmeßbügel gefundenen Achselspitze ausgeht.
-
Zur Messung der Seitenlänge der Hose werden die beiden Meßarme 15
und 16 in Höhe des Meßgürtels eingestellt, worauf die Seitenlänge der Hose
am Maßband 2o unten an einem Schlitz der Trommel 2 i abgelesen werden kann. Dieser
Schlitz wird zweckmäßig so eingestellt, daß die Entfernung der Trommel 2I bis zum
Hosensaum berücksichtigt ist. Zur Ermittlung der Schritthöhe dient der Schrittmesser
2q..
-
Mit dem vorgeschlagenen Meßstativ können sämtliche für die Maßanfertigung
notwendigen Körper-und Hilfsmaße mit großer Genauigkeit und geringem Zeitaufwand
festgestellt werden, so daß ein guter Sitz des Kleidungsstückes auch ohne zeitraubende
Anproben gewährleistet ist.