-
Halogensilber-Kolloidschicht für Strich- und Rasteraufnahmen Bei der
Herstellung von photographischen Auf-
zeichnungen. auf Halogensilber-Gelatineschichten
für Reproduktionszwecke steht man vor der Aufgabe, Strichzeichnungen und Schriften
originalgetreu und scharfrandig wiederzugeben und bei gerasterten Aufzeichnungen
die Punkte ebenfalls scharf randig und inbestimmtenGrößen zu erzeugen. Gleichzeitig
wird. die Forderung gestellt, daß die geschwärzten Bildelemente eine möglichst große
Dichte aufweisen, welche nur erreicht wird, wenn die Bildelemente möglichst tief
in die Schicht hineinreichen.
-
Da in jeder Halogensilberschicht gleichzeitig mit dem Eindringen des
Lichtes in die Tiefe zwangsläufig eine seitliche Streuung verknüpft ist, ist auch
der Eindringtiefe des Bildes eine Grenze gesetzt, da man immer an eine bestimmte
Breite der einbelichteten Bildelemente gebunden ist.
-
Dieser Umstand wirkt sich besonders bei der Herstellung von Strich-
und Rasterkopiervorlagen nachteilig aus.
-
Man hat diese seitlicheLichtstreuung (Diffusionslichthof) zu bekämpfen
besucht durch Anfärben der Emulsionsgelatine mit Schirmfarbstoffen. Es hat sich
gezeigt, daß die Schirmfarbstoffe wohl die seitliche Lichtstreuung unterdrücken,
zugleich aber das Eindringen der Lichtstrahlen in die Schichttiefe hindern.
-
Die Erfindung bezweckt, Schichten herzustellen, ,welche nur die seitliche
Lichtausbreitung unterdrücken, dabei aber das Eindringen der Lichtstrahlen in die
Schichttiefe nicht hindern. Um dieses
zu erreichen, werden in die
sensibilisierte oder unsensibilisierteHälogensilher-GelatineschichtSchirmfarbstoffe
und/oder desensibilisierende Schirmfarbstoffe und/oder Desensibilisatoren .und/oder
ändere Stoffe, welche die Lichtempfindlichkeit der Schicht vermindern und/oder die
seitliche Lichtstreuung unterdrücken, nach dem Verfahren der sogenannten »kontrollierten
Diffusion« in,der Weise eingebracht, daß sich ihre Konzentration von.Lichteintrittsseite
kontinuierlich zur Licbtaustrittsseite ändert.
-
Werden z. B. Schirmfarbstoffe ohne desensibilisierende Eigenschaft
in nichthomogener Verteilung eingebracht, so ist die Lichtabsorption in den weniger
gefärbten Schichtlagen, also an: der Seite des Lichtaustritts, ,geringer als in
den stärker gefärbten Schichtlagen des Lichteintritts. Den bekannten homogen gefärbten
Schichten gegenüber stellen solche Schichten bereits eine Verbesserung dar.
-
Werden in sensibilisierte Schichten Schirmfarbstoffe mit desensibilisierenden
Eigenschaften eingebracht, so tritt in den Schichtzonen des Lichteintritts eine
Verminderung der Lichtempfindlichkeit hinzu. Die Seite des Lichtaustritts wird dadurch
der Seite des Lichteintritts gegenüber lichtempfindlicher. Dasselbe wird erreicht
durch Verwendung von ausgesprochenen Desensibilisatoren. Vorteilhaft ist es dabei,
wenn man die Färbung bzw. Desensibilisierung nicht ganz bis zum Schichtträger eindringen
läßt, so daß in der untersten Zone der Schichtdicke (etwa z ,u), soweit eben technisch
möglich, nur ein Bruchteil der ursprünglichen Lichtempfindlichkeit erhalten bleibt.
Die Farbstoffe od. dgl. müssen diffusionsfest in das Kolloid eingebettet sein" damit
beim Lagern keine Änderung ihrer Verteilung durch Diffusion stattfinden kann. Es
dürfen deshalb keine Farbstoffe zur Anwendung kommen, welche schon bei geringem
Feuchtigkeitsgehalt diffundieren; da die meisten organischen Farbstoffe mehr oder
weniger auch Desensibilisatören sind, steht eine groß.- Auswahl zur Verfügung. Die
Erzielung einer verlaufenden Färbung wird weiterhin gefördert durch Verwendung eines
Gemisches von Farbstoffen, welche unterschiedlich von der Gelatine absorbiert werden.
Gute Resultate werden erzielt durch mehrere Farben, welche durch Mischung ein mehr
oder weniger neutrales Grau ergeben-.
-
Ein weiterer Vorteil `der erfindungsgemäßen Schichten besteht darin,
daß, zur Herstellung von. z. B. Strich- und Rasterkopiervorlagen Schichtdicken von
nur q. bis 5 ;u eine gleich starke Dichte ergeben wie gewöhnliches Material mit
z- bis 3facher Schichtdicke; weil das Silber von oben bis zum Schichtträger hindurch
gleich stark reduziert wird.
-
Um einwandfreie Strich- und R'aster.auswaschreliefs herstellen zu
können, ist es notwendig, däß Belichtung und gerbende Entwicklung bis zum Schichtträger
vordringen, was nur mit den erfindungsgemä'BenSchichten möglich ist. Das gleiche
gilt für dieHerstellung vonStrich- undRasterätzreliefs, bei welchen ein Ausätzen
der belichteten Bildelemente nur möglich ist, wenn dieselben Abis zum Schichtträger
hindurch gleichmäßig stark reduziertes Silber enthalten.
-
Photographische Aufzeichnungen auf Halogensilber-Gelatineschichten-zeigen
im Querschnitt, daß sich Linien oder Rasterpunkte von der Lichteinfallseite nach
der Schichttiefe zu verjüngen. Diese -Eigenschaft trägt neben der seitlichen Lichtstreuung
dazu bei, daß Linien, insbesondere aber Rasterpunkte; von der Mitte nach dem Rande
zu an Deckkraft verlieren und diese einen Verlauf bildet. Bei Verwendung von erfindungsgemäß
angefärbten Schichten zur Herstellung von Kopiervorlagen wird durch das Unterdrücken
der seitlichen Lichtausbreitung an der Schichtoberfläche auch die Verjüngung der
Bildelemente verhindert, wodurch scharfrandige Linien bzw. Punkte entstehen. In
Fällen, in denen die Belichtung durch den Schichtträger hindurch, um z. B. seitenverkehrte
Bilder zu erhalten, erfolgt, muß naturgemäß die Abstufung der Schichtempfindlichkeit
umgekehrt sein, d. h. der unempfindlichere Teil muß sich am Schichtträger befinden.
Es wird das erreicht, wenn auf den Schichtträger nur wenig sensibilisierte oder
unsenbilisierte Emulsion vergossen wird und die Schicht dann mit Serisibilisatoren
in einer der beschriebenen Weisen so behandelt wird, daß der oder die Sensibilisatoren
kontinuierlich verlaufend eindringen. Ausführungsbeispiele I. Eine auf einen Schichtträger,
z. B. Filmpapier oder Glas, vergossene, sensibilisierte Halogensilber-Kolloidschicht
wird entweder im getrockneten oder im angetrockneten oder im noch nassen aber erstarrten
Zustand. mit Schirmfarbstoff und/oder desensibilisierenden Stoffen behandelt, z.
B. getränkt. Durch Variierung der Viskosität der Kolloidschicht, der Konzentration
und der Art des zur Verwendung kommenden Farbstoffes bzw. der verwendeten Lösungsmittel
und/oder Desensibilisators sowie mit dessen Einwirkungsdauer und Einwirkungstemperatur
sind dabei die Mittel gegeben, die Diffusion des Farbstoffes in der gewünschten
Weise zu regeln. In eine noch nasse aber erstarrte Kolloidschicht dringt der Farbstoff
z: B. weniger ein als in eine weniger feuchte oder trockene Kolloidschicht. Man
kann den Effekt auch erzielen, indem man die Emulsionsschicht in einem Farbstoff
und/oder Desensibilisator badet, dem zur Verzögerung der Diffusion Verdickungsmittel
oder in .die Gelatine nicht eindringende organische Lösungsmittel zuggesetzt werden:
II. Eine auf einem Schichtträger vergossene Halogensilber-Gelatineschicht wird,
vorzugsweise noch im nassen erstarrten Zustand; mit einer dünnen Gelatineschicht
überzogen, welche den Schirmfarbstoff oder Desensibilisator u. dgl. beigem,enat
enthält. Von der Überzugsschicht diffundieren dann Teile des Farbstoffes mit abnehmender
Konzentration in die Halögensilberschicht hinein. und ergeben in letzterer eine
verlaufend..- Anfärb.unn bzw. Empfindlichkeit. Im trockenen Zustand dient die Überzugsschicht
in bekannter Weise als Schutz für
die Halogensilberschicht und weiterhin,
wenn sichtbare Farbstoffe beigemengt waren., als Filter. Der Gedanke der Verwendung
eines gefärbten Überzuges als Lichtfilter hat auch selbständige Bedeutung, ist aber
'in Verbindung mit dem Gedanken der erfindungsgemäßen Einlagerung von Schirmfarbstoff
besonders vorteilhaft.
-
Für die erfindungsgemäßen Schichten besteht eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten,
z. B. können aus Dünnschichten Kopiervorlagen hergestellt werden, wie Strichaufnahmen,
Rasteraufnahmen und Kontaktkopien sowie Ätzreliefs und Auswaschreliefs in Strich
und Raster. Besonders die letzteren zeichnen sich gegenüber bekannten durch außerordentlich
gute Dichten in den Rasterpunkten. und Strichen aus, während die transparenten Teile
absolute Klarheit besitzen. Diese Kopiervorlagen sind für alle Druckverfahren vorteilhaft
verwendbar, insbesondere für den Offset-und autotypischen Tiefdruck. Sollen Schichten
von normaler Dicke bis auf den Schichtträger durchbelichtet werden, so eignen sich
die erfindungsgemäßen Schichten besonders gut dafür, so z. B. für die Herstellung
vonHoch- undTiefdruckformen aus Halogensilber-Kolloidschichten., wobei von diesen
Formen entweder selbst weggedruckt wird oder diese durch kaltes oder warmes Abprägen,
stereotypische oder galvanische Abformung weiterverarbeitet werden.