DE86875C - - Google Patents
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Classifications
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- C—CHEMISTRY; METALLURGY
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 18: Eisenerzeugung.
Die direkte Erzeugung schmiedbaren Eisens hat bisher zu keinem wirthschaftlicheh Erfolge
geführt, weil man bei langer Gangdauer und grofsem Kohlenverbrauch nur zu einem mit
Schlacken durchsetzten Eisenschwamm gelangte, dessen weitere Bearbeitung nicht nur umständlich
und kostspielig war, sondern auch die vorzügliche Qualität des Erzeugnisses der nicht auszuschli eisenden oxydirenden Einwirkungen
wegen in unzulässiger Weise herabsetzte. Zur Beseitigung dieser Mängel bedarf es einer Ofenfeuerung, welche das erzeugte
Eisen im Reductionsraum in neutraler Atmosphäre zum Schmelzen bringt, den eigentlichen
Reductionsvorgang aber in kurzer Zeit bei so niedriger Temperatur vollendet, dafs die unvergleichliche
Reinheit des Eisens gewahrt bleibt und dafs zugleich der Verschlackung vorgebeugt
wird. Durchaus zu verwerfen ist die jetzige Anschauung, dafs eine Mischung von Eisenerz
und Kohle in hoher Temperatur, einer direkten Reduction unterliegt, d. h. dafs der Kohlenstoff
unmittelbar an den Sauerstoff des Erzes herantritt. Der Vorgang ist vielmehr dahin aufzufassen,
dafs die Reduction, wie schon bei ähnlichen Processen angenommen wird, durch
zuvor gebildetes Kohlenoxydgas vermittelt wird. Damit offenbart sich als ein Fehler des alten
Verfahrens, dafs man das Kohlenoxydgas in offener Feuerung hoch erhitzt ungehindert
expandiren und so in ungenügender Dichte auf das Erz einwirken liefs. Schon im Hinblick
hierauf kann bei der Verbesserung des Verfahrens nur eine Feuerung in Frage kommen,
bei welcher Verbrennung und Reduction sich unter Druck vollziehen. Ist damit ein mit
comprimirter Luft betriebener Ofen gegeben, so ist zugleich die Bedingung der Schmelzung
des Eisenschwammes erfüllt, da in solchen Oefen, wie aus Bessemer's Versuch bekannt
ist, sich schon bei einem Ueberdruck von ι Atmosphäre höchste Schmelztemperatur schnell
und sicher erreichen läfst. Die Dissociation des Eisenoxyds, d. h. die Zerlegung desselben
durch Zuführung derjenigen Wärmemenge, welche bei der Bildung des Oxyds aus metallischem
Eisen und Sauerstoff entbunden wurde, kann nicht ohne Leistung äufserer Arbeit erfolgen, da der in den gasförmigen
Aggregatzustand zurückkehrende Sauerstoff den Druck der Atmosphäre zu überwinden hat.
Bei Beschränkung dieser, einen besonderen Wärmeaufwand bedingenden Arbeitsleistung
durch höheren Druck hält man die der unvollführten Arbeit äquivalente Wärme als solche
zurück und nöthigt dieselbe, diejenige Wärmemenge decken zu helfen, welche bei Zersetzung
des noch unzerlegt gebliebenen Erzvorrathes absorbirt werden mufs. Das Wärmemanco,
welches bei Herstellung atmosphärischer Pressung im weiteren Verlaufe des Verfahrens entsteht,
deckt sich bei dem schnellen Sinken der Temperatur in dem expandirenden Gase später, mit
Leichtigkeit aus der Abhitze. Unter Druck wird also ein Theil der letzteren noch für die
Reduction verwendbar, was ökonomisch wichtig ist. In demselben Mafse, in welchem zur
Beschleunigung der Gangdauer die Wärme-
erzeugung im Hochdruckofen gesteigert wird, nimmt der Wärmeverbrauch der durch den
Druck geförderten Reduction zu, es braucht also diejenige mäfsige Ofenhitze, welche Bedingung
der direkten Eisenerzeugung und des Verbleibens von Silicium, Schwefel und Phosphor
in der Schlacke ist, nicht überschritten zu werden. Der Anforderung vermehrter Wärmeabgabe wird der Ofen im Wesentlichen
gerecht, nicht durch Steigerung des pyrometrischen, sondern des absoluten Wärmeeffects
der Feuergase, welche — auf den Raum bezogen — verdichtet eine gröfsere Wärmemenge
aufnehmen als im expandirten Zustande. Uebrig bleibt nur noch, das Reductionsgefäfs
so zu gestalten, dafs der Sammelraum des zu erzeugenden Flufseisens der comprimirten
Flamme nahe ist, d. h. sich in derjenigen durch den Druck beschränkten Ofenzone befindet, in welcher die höchste zum
Schmelzen des Eisenschwammes hinreichende Temperatur besteht. Im allgemeinen wird
letztere erst eintreten, wenn der Wärmeverbrauch der Reduction nachlasst, also am
Schlüsse des Processes. Ein Schmelzbad an betreffender Stelle vorzusehen, ist vortheilhaft.
Läfst man solches aus hochgekohltem Eisen hervorgehen, so ist damit die Stahlerzeugung
erreicht. Besonders wirthschaftlich wird das neue Verfahren, sobald man die abziehenden
comprimirten Essengase nach Popp'scher Art zum Betriebe von Druckluftmotoren verwendet
oder deren treibende Kraft auf sonstige Weise ausnutzt, wozu die Gasentbindung bei der
Reduction nach obiger Darlegung besonders auffordert. Es kann dies geschehen nach Herabsetzung
der Temperatur der Gase durch Beimischung kalter Luft oder durch Anordnung von Kammern, in welchen man, die Abhitze
auf gröfsere Körpermassen vertheilend, Wärme verbrauchende oder verlangende Processe sich
vollziehen läfst, z. B. das Cementiren von Stabeisen oder das Tempern von Roheisen. Ohne
Frage wird die meisten Vortheile ein Hochdruckofen bieten, dessen Gasfeuerung zur Herstellung
jeder gewünschten Temperatur leicht regulirbar ist und in welchem selbst äufserste
Temperaturen mit dem geringsten Brennstoffaufwande erreicht werden können. Ein solcher
für die direkte Eisen- und Stahlerzeugung im Kleinen brauchbarer, dem Patent Nr. 62017
nachgebildeter Ofen ist in der beiliegenden Zeichnung dargestellt. Derselbe ist durch das
Rohr E mit einer vorausgesetzten Druckluftleitung verbunden und von einem auf der
Grundplatte P durch Verschraubung befestigten Mantel umgeben, welcher einem inneren Druck
von mehreren Atmosphären zu widerstehen vermag. Aus dem Generator G G1, in welchen
der auf dem Wege u U1 vorgewärmte Unterwind tritt, führen die Gasabzugskanäle gg zum
Feuerraum d, in welchen weiter oberhalb auch der aus den vier Düsen O2 austretende Oberwind
mündet. Der durchbohrte konische Körper c, welcher mit der Basis in einer
durch χ mit O1 in Verbindung stehenden Luftkammer
k steckt, läfst sich mit Hülfe der durch eine Tropfbüchse gehenden Stange C1 zur Herstellung
der nöthigen Zuggeschwindigkeit bei zunehmendem Druck in den Kanal unterhalb d
schieben. Die aufsteigende Flamme entwickelt sich unter dem Tiegel T, welcher in feuerfeste
Formsteine derartig eingesetzt ist, dafs der spiralförmig aufsteigende Heizkanal h entsteht.
Die Tiegelöffnung ist den seitwärts abziehenden Feuergasen gegenüber geschlossen. Ein lose
aufliegender, nicht hermetisch schliefsender Deckel gestattet dem entwickelten Kohlenoxydgase
den Austritt aus dem Tiegel. Aus dem Gasabfang R gelangt dasselbe durch den Kanal s
in den Gasabzug des Generators. Das Rohr r führt die abziehenden comprimirten Feuergase
den Kammern B B1 zu, welche zur Herabstimmung
der Temperatur der Abhitze in verschiedener Weise, beispielsweise durch Einsetzen
von Cementirungskasten AA1, beschickt
werden können. Durch T1 strömen die Feuergase
bei offenem Ventil \ schliefslich in das Reservoir, aus welchem die aufserhalb angeordneten,
in der Zeichnung nicht dargestellten Druckluftmotoren gespeist werden. Eine Beimischung
kalter Druckluft ist bei r2 möglich. Die Inbetriebsetzung des Ofens geschieht in
folgender Weise: Nachdem der Mantel zur Freilegung des inneren Ofenbaues abgehoben
und letzterer durch Entfernung der Decke DRN und der Einsatzstücke e O1 e3 zugänglich gemacht
ist, erfolgt die Beschickung und Anfeuerung desselben. Die Füllung des Tiegels T besteht
aus einem möglichst innigen Gemisch von Erz und Kohle mit den zur Bildung einer flüssigen
Schlacke erforderlichen Zuschlägen, event, noch aus einem Bodeneinsatz von Eisenbrocken zur
Herstellung eines Schmelzbades. Sind alle benutzten Oeffnungen wieder geschlossen, so wird
der Mantel herabgelassen und mit der Grundplatte, dicht verschraubt, worauf die Oeffhung
der Ventile ν und V1 erfolgt, um durch E bei
vorläufig geschlossenem Rohr T1 Druckluft einzulassen,
die sich in Ober- und Unterwind theilt. Letzterer steigt durch das Rohr u nach
oben und gelangt, sechsmal im Halbkreise abwärts sich bewegend, aus den Düsen U1 U1
austretend, erheblich vorgewärmt von unten in den Generator, während der Oberwind, der
in ähnlicher Weise geführt wird, zunächst in den Ringkanal O1 tritt, um demnächst durch
die vier Oeffnungen 0., und durch die Bohrung des Kegels c — mit den aus g g ausströmenden
Gasen gemischt — in den Feuerraum d zu gelangen. Der Gang der Feuerung kann
durch eine Glimmerlinse am Ende eines Schau-,
rohres beobachtet werden, so dafs es leicht ist, den Kegel c zur Regulirung der Zuggeschwindigkeit
auch dann noch richtig einzustellen , wenn nicht einfach den Druckveränderungen gefolgt werden kann. Da die
Anfangstemperatur eine mäfsige sein mufs und ferner die Generatorgase durch das Kohlenoxyd
des Reductionsprocesses einen Zuwachs erhalten, ist der Oberwind zunächst verstärkt zu halten,
dann aber allmälig zu vermindern, bis endlich eine intensive Verbrennung ohne Luftüberschufs
erfolgt, welche die Schmelzung des gebildeten Eisens sichert. Ist der Procefs damit vollendet,
was die steigende Temperatur der Abhitze erkennen läfst, so wird der Ofen — nach Abschliefsung
des Ventils bei E und Beseitigung des noch vorhandenen Druckes — geöffnet,
um den Tiegel zur Ausführung des beabsichtigten Gusses nach Abschöpfen der Schlacke
herausnehmen zu können.
Claims (2)
1. Ein Verfahren zur direkten Eisen- und Stahlerzeugung in einem von aufsen befeuerten,
den Feuergasen gegenüber geschlossenen Reductionsgefäfs, dadurch gekennzeichnet,
dafs innerhalb und aufserhalb desselben eine Hochdruckatmosphäre unterhalten
und das im Reductionsraum erzeugte Gas der Feuerung zugeführt wird.
2. Zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch ι ein Hochdruck ofen, bei welchem
über dem Tiegeldeckel (N) eine Haube (R) angeordnet ist, welche die im Tiegel erzeugten
Gase durch den Kanal s zum Brenner c d leitet.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE86875C true DE86875C (de) |
Family
ID=358883
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT86875D Active DE86875C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE86875C (de) |
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