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Führungsgerüst für einen Fördergurt Zusatz zum Patent 805145
Die Geschichte
der Fördertechnik beweist, daß für das Bewegen von Schüttgütern über nahe Entfernungen
hauptsächlich der Gurtförderer das ideale Fördermittel ist. Auch im Bergbau unter
Tage vermochte er sich durchzusetzen. Hier gibt es einige Spezialbetriebe, für die
ein Gurtförderer normaler Bauart ungeeignet ist.
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So sind z. B. in den letzten Jahren neuartige Abbauverfahren entwickelt
worden, die ein Fördermittel verlangen, das erstens dem Gewinnungsgerät eine gute
Führung gibt, zweitens eine hohe Förderleistung hat, drittens verhältnismäßig steile
Mulden vertikal und viertens auch horizontale Kurven zu durchfahren vermag. Daß
sich mit diesen Eigenschaften eine große Stabilität und Unempfindlichkeit vereinigen
muß, ist bei den vorliegenden Verhältnissen eine Selbstverständlichkeit.
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Ein Gurtförderer normaler Bauart ist für dieses Gebiet nicht geeignet,
da das Obertrum sich beim Durchfahren steiler Mulden von seiner Unterlage abhebt
und weiter jegliche Horizontalbeweglichkeit fehlt. Der erstgenannte Nachteil, das
Abheben des Gurtes beim Durchfahren steiler Mulden, macht sich besonders unangenehm
bei der Anwendung von Troggurtförderern bemerkbar, die an sich für das genannte
Gebiet sehr gut geeignet wären, weil das von dem Gurt herabfallende Fördergut an
den betreffenden Stellen in kurzer Zeit den nur der Führung des Gurtes dienenden
Trog füllt und damit den ordnungsmäßigen Betrieb stört. Der zweite Nachteil, das
Fehlen der Horizontalbeweglichkeit, wiegt in den Fällen, in denen aus betrieblichen
Gründen eine solche Beweglichkeit verlangt wird, noch schwerer und verschließt dem
Gurtförderer ein Gebiet, das bei weiterer Entwicklung der neuen Abbaumethoden immer
umfangreicher zu werden verspricht.
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Unter Berücksichtigung dieser Nachteile, die dem Gurtförderer ein
wichtiges Gebiet verschließen, ist es verständlich, daß sich der in seinem Ursprung
auf
die Anfange der Fordertechnik zurückgehende Schleppkettenförderer, der sich beliebig
führen läßt und die nötige Robustheit besitzt, das genannte Gebiet eroberte und
heute unter dem Namen Panzerförderer fast ausschließlich beherrscht. Obgleich nun
dieser Förderer in langjähriger Entwicklung den Betriebserfordernissen immer mehr
angepaßt wurde, haften ihm einige Mängel an, die, weil strukturbedingt, auch bei
weiterer Vervollkommnung kaum zu beseitigen sind. Genannt seien: hoher Kraftverbrauch,
die Unmöglichkeit, Fördergut an beliebiger Stelle austragen zu können, und hoher
Verschleiß.
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Die Kenntnis dieser Zusammenhänge führt zu Versuchen, einen Förderer
zu bauen, der die Vorzüge des Gurtförderers mit den guten Eigenschaften des Schleppkettenförderers
verbindet, und es sind in den letzten Jahren manche neuen Vorschläge in dieser Richtung
gemacht worden, ohne daß bisher praktische Ergebnisse vorliegen.
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Während die bekannten Vorschläge die Lösung in einer Kombination
zwischen Gurt- und Schleppkettenförderer suchen, geht der Erfindungsvorschlag nach
Patent 805 I45 grundsätzlich einen andern Weg. In dem Streben nach möglichst einfachen
Formen sieht er die Ideallösung in einem reinen Gurtförderer, der allerdings von
den bisher bekannten Bauarten wesentlich abweicht. Das Neu-und Eigenartige des Fördergurtes
nach der genannten Erfindung besteht im wesentlichen darin, daß er sich, querschnittsmäßig
gesehen, nach beiden Seiten in zwei Schenkel gabelt, deren Innenflächen den Gurt
führen sollen, und zwar im Zusammenwirken mit einem Führungsgerüst.
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Die vorliegende Erfindung unternimmt es nun, ein solches Führungsgerüst
zu schaffen, das alle die in der neuartigen Form des Fördergurtes liegenden Vorteile
voll zur Auswirkung kommen läßt. Bei der Entwicklung und Festlegung der Konstruktionsformen
mußte dem Erfindungsgedanken, der dem Fördergurt zugrunde liegt, dicht gefolgt werden,
um in sjnnvoller Ergänzung des primären Bauelementes ein abgerundetes, harmonisches
Ganzes erstehen zu lassen.
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Vor dem Beginn der eigentlichen Beschreibung sei auf die Abbildungen
der Zeichnung verwiesen, auf die in der Beschreibung fortlaufend Bezug genommen
wird. Es zeigt Abb. I den Querschnitt des Führungsgerüstes, Abb. 2 die Längsansicht
mehrerer zusammengebauter Schüsse, Abb. 3 den Grundriß mehrerer zusammengebauter
Schüsse, Abb. 4 die Längsansicht eines Schusses, Abb. 5 den Grundriß des Grundrahmens,
Abb. 6 die Ausbildung der Nasen der Seitenwangenschenkel als durchlaufende Rollenbänder.
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Gemäß der von dem neuartigen Fördergurt dem Führungsgerüst gestellten
Aufgabe, ihm geeignete Widerlager zu bieten für eine Führung in der Vertikal- und
Horizontalebene, benutzt der Lösungsvorschlag der vorliegenden Erfindung zur Bildung
des Führungsgerüstes Elemente, die an sich bekannt sind, nämlich Rollen und Gleitflächen.
Wenn bei dem bereits mehrfach genannten Fördergurt 1 die Gabelung das wesentlichste
SIerkmal bildet, so kennzeichnen das Führungsgerüst die beiden Seitenwangen 2, die,
beispielsweise aus Stahlblech W-förmig gepreßt, mit ihren beiden Schenkeln in die
Gabeln des Fördergurtes 1 hineinfassen, derart, daß sie sowohl das Ober- als auch
das Untertrum des Gurtes I tragen und führen. Wird also das aus einzelnen Schüssen
bestehende Fördergerüst in Vertikalkurven verlegt, so ist der Gurt gezwungen, sich
diesen Kurven anzupassen (Abb. 2). Beim Durchfahren gerader Strecken und von Sätteln
S wird der Mittelteil des Gurtes hierl)ei in an sich bekannter Weise zusätzlich
unterstützt durch Tragrollen, während beim Durchfahren von Slulden M die Gleitschenkel
der Seitenwangen 2 allein die Führung übernehmen und ein Herausheben des Fördergurtes
aus dem Gerüst verhindern. Es wurde bereits gesagt, daß nur die Gabelschenkel des
Gurtes I auf den Seitenwangen 2 gleiten, der Mittelteil des Gurtes und damit seine
Hauptförderlast aber zusätzlich von Rollen getragen werden.
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Letztere erhalten verhältnismäßig geringe Abstände, damit der Gurt
wie ein starres Brett über sie hinwegrollt und nicht von einzelnen schweren, ihn
mittig belastenden, Stücken des Fördergutes eingedrückt werden kann. Diese Anordnung
verhindert das Eindringen einer unerwunschten Menge des Fördergutes in das Innere
des Gerüstes und gewährleistet somit einen störungsfreien Betrieb. Das Einsickern
einer geringen hlenge feinen Fördergutes läßt sich, wie bei jedem Troggurtförderer,
nicht vermeiden. Es wird durch das Untertrum ausgeschieden.
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Um auch die beim Durchfahren horizontaler Kurven zwischen Gurt und
NViderlager auftretende Reibung auf ein geringstes Ntaß herabzusetzen, sind die
Seitenwangen 2 beiderseits mit Rollen 3 armiert, deren verhältnismäßig schmale,
scheibenartige Körper durch Ausschnitte in den Nasen der Führungswangen hindurchragen,
derart, daß sie den inneren Rand der Seitenwangen 2 so weit überragen, Idaß die
Führungsflächen der Gabelwurzeln des Fördergurtes I an ihnen ihre Widerlager finden,
bevor sie die Nasen der Seitenwangen 2 selbst berühren. Aus diesem Grunde sind die
Rollen 3 möglichst dicht an den Enden der Einzelschüsse angeordnet, weil infolge
der Richtungsänderung des Gurtes in Horizontalkurven die Gefahr der größere Reibung
verursachenden Berührung des Gurtes mit den Schenkelnasen der Seitenwangen nur an
den Stoßenden auftreten kann (Abb. 3).
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Es besteht auch die Alöglichkeit, die Funktion der Rollen 3 Kugel-
oder kollenbändern 4 zu übertragen, deren Tragstege so gestaltet sind, daß sie die
Führungsnasen der Seitenwangen 2 bilden (Abb. 6).
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Es wurde bereits erwähnt, daß ein Strebförderer besonders stabil
gebaut sein muß, soll er den an ihn gestellten Anforderungen genügen. Gemäß dem
Erfindungsvorschlag wird das Führungsgerüst auch in dieser Richtung ausgebildet,
da die der notwendigen Aussteifung dienenden Konstruktionsteile gleichzeitig mehrere
Funktionen erfüllen. So sind erstens
die freien Enden der W-förmigen
Seitenwangen 2 durch U-förmig gepreßte, ebenfalls durchgehende Distauzwangen 5 miteinander
verbunden, die Seitenwangen dadurch nicht nur ausgesteift, sondern auch nach außen
hin abgeschlossen und die innerhalb liegenden Rollen 3 geschützt. Gleichzeitig ist
damit eine Führungsbahn für die evtl. mit dem Förderer zusammenarbeitende Gewinnungsmaschine
geschaffen.
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Das Führungsgerüst ist in an sich bekannter Weise in Einzelschüsse
zerlegt. Die Hauptteile dieser Einzelschüsse, die beiden Seitenwangen 2 und die
Distanzwangen 5, sind durch Aufschrauben auf einen Grundrahmen 6, der seinen Platz
unmittelbar auf dem Liegenden erhält, und durch das Zwischenspannen der oberen Rollenträger
8 zu einem allseitig ausgesteiften Einzelschuß vereinigt. Der Grundrahmen 6, in
dem auch die unteren Gurttragrollen 7 lagern, wird beispielsweise gebildet aus Längs-
und Querwinkeln. Die letzteren sind an den Enden kufenförmig hochgebogen und hier
mit den Längswinkeln verschweißt. Jeder Einzelschuß, und damit der ganze Förderer,
ruht also auf zahlreichen, rechtwinklig zur Längsachse verlaufenden Kufen, auf denen
er leicht zu verschieben ist.
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Die Verbindungsteile der Einzelschüsse sind nicht dargestellt und
beschrieben, weil bei ihrer Ausbildung auf bekannte Ausführungsformen zurückgegriffen
wer(lcn kann.
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Mit den rurgellannten und beschriebenen Bauteilen ist die Grundform
des Führungsgerüstes festgelegt. Je nach dem Verwendungszweck erhält es aber noch
zusätzliche Einrichtungen, die eine schnelle Anpassung an besondere Betriebsansprüche
ermöglichen, ohne daß die Bauteile der Grundform zu wandern sind. Diese sind vielmehr
von vornherein so ausgebildet, daß sich die zusätzlichen Einrichtungen organisch
in die Grundform einfügen. Hauptsächlich wird dieses dadurch ermöglicht, daß die
Distanzwangen 5 jedes Schusses mit einer Anzahl in gleichen Abständen angeordneten
Rohren g versehen sind, die die an den betreffenden Stellen durchbohrten Flansche
miteinander verbinden.
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Dieses verhältnismäßig einfache, die Distanzwangen 5 außerordentlich
versteifende Mittel er möglicht, daß erstens die Distanzwangen 5 mit den Seitenwangen
2 und dem Grund rahmen 6 verbunden und zweitens die zusätzlichen Einrichtungen je
nach Bedarf dübelartig aufgesteckt werden können.
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Als solche zusätzliche Einrichtungen sind beispielsweise zu nennen:
Seitenbracken I0, die zur Vergrößerung des Füllquerschnittes dienen, Lauf-I,zw.
Gleitschienen II, die z. B. einer Schrämmmaschine Führung geben, und Abstreifer
r2, die, an l)el iehiger Stelle aufgesteckt, für das Ausbringen des Fördergutes
sorgen.
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Mit der letztgenannten Möglichkeit ist eine weitere der eingangs
gestellten Forderung erfüllt, die so wichtig ist, daß einige Erläuterungen dazu
gegehell werden sollen. Auch für diesen Betriebsvorgang ist die enge Tragrollenteilung
vorteilhaft, denn dem .Ghstreifer I2 bietet sich der Fördergurt an jeder Stelle
wie ein fester Tisch, der bekanntlich die erste Voraussetzung ist für ein einwandfreies
Austragen des Fördergutes.
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Hierdurch wird, jetzt einmal betriebswirtschaft lich gesehen, im
Streb nicht nur das zweite Fördermittel zum Einbringen der Berge gespart, sondern
überhaupt erst dem billigen Schleuderversatz gegenüber dem kostspieligen Blasversatz
der Anwendungsbereich erweitert. In Verbindung mit dem zweiten zu erwartenden Vorteil,
dem geringeren Kraftbedarf des vorgeschlagenen Förderers gegenüber dem jetzt gebräuchlichen
Schleppkettenförderer (theoretisch etwa ein Drittel), wird bei Einführung des Kurvengurtförderers
gemäß der Erfindung die jetzt so angespannte Luftwirtschaft der Schachtanlagen fühlbar
entlastet werden.
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Bisher ist im Verlauf der Beschreibung des Führungsgerüstes im Hinblick
auf seine Anwendung nur als einem Strebfördermittel die Rede gewesen. Aber auch
als Streckenfördermittel wird das Führungsgerüst gemäß der Erfindung vorteilhaft
anzuwenden sein. Die jetzt gebräuchlichen Streckengurtförderer müssen, sollen sie
betriebssicher arbeiten, genau ausgerichtet verlegt werden, während der vorgeschlagene
Kurvengurtförderer sich der in den meisten Fällen unregelmäßig verlaufenden Strecke
mühelos anzupassen vermag.
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Hinzu kommt als weiterer Vorteil, daß durch Aufsetzen von Bracken
in der oben beschriebenen Weise der Füllquerschnitt des neuartigen Förderers so
vergrößert und damit seine Leistungsfähigkeit so erhöht werden kann, daß er bei
geringerer Breite einen Gurtförderer bisher gebräuchlicher Bauart von größerer Breite
ersetzen kann, ein Moment, das bei Beurteilung der Anschaffungskosten zu berücksichtigen
ist.
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Auch in ::":n Fällen, wo es sich darum handelt, aus konstruktiven
Gründen oder mit Rücksicht auf vorliegende räumliche Verhältnisse besonders enge
Mulden zu durchfahren, ist der vorgeschlagene Förderer vorteilhaft anzuwenden.