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Vorrichtung zum schnellen Lösen von Teilen, z. B. abwerfbaren Fahrgestellen,
aus Luftfahrzeugen Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zum schnellen
Lösen von Teilen, z. B. abwerfbaren Fahrgestellen, aus Luftfahrzeugen durch Heraustreiben
der zugehörigen, in ihren Lagerungen mechanisch gesicherten Befestigungsbolzen mittels
der Explosionsgase eines Sprengstoffsatzes.
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Um Teile irgendwelcher Art von Flugzeugen zu lösen, wurden bisher
mechanische oder hydraulische Auslösungsvorrichtungen zur Anwendung gebracht. Diese
sind zum Teil sehr umständlich und die erforderliche Anzahl an Rohrleitungen, Pumpen
o. dgl. vielfach schwer, umfangreich und leicht zu Betriebsstörungen neigend. Die
Herstellung einwandfrei und betriebssicher arbeitender Anlagen bereitet besonders
dann große Schwierigkeiten, wenn große und schwere Teile, wie etwa das Fahrgestell,
der Motor o. dgl., von einem Flugzeug zu lösen und abzuwerfen sind. Hierbei ist
noch besonders die Schwierigkeit zu beachten, daß ein vollständig gleichzeitiges
Auslösen mehrerer Anschlußverbindungen, wie sie beim Fahrgestell oder Motor eines
Flugzeuges in Frage kommen, erreicht wird.
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Ferner ist es bekanntgeworden, gewisse Teile bei Luftfahrzeugen, die
aber selbst nicht Teile des Luftfahrzeuges an sich sind, wie Abwurfwaffen, Fallschirme
o. dgl., durch den Explosionsdruck entzündeten Sprengstoffes abzuwerfen oder zur
Auslösung zu bringen.
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Schließlich ist bereits eine Bombenabwurfvorrichtung bekanntgeworden,
bei der die
mechanischen Sicherungsmittel für den Befestigungsbolzen
außerhalb desselben angeordnet sind und nicht durch die Explosionsgase, sondern
vor Zündung des Sprengstoffes von Hand gelöst werden müssen. Die Sicherung des Befestigungsbolzens
erfolgt in diesem Falle mittels einer am Führungsgehäuse des Bolzens angreifenden,
durch Drehung lösbaren Sicherungsscheibe, die nach Art einer Klauenkupplung in die
Gehäusewand eingreift. Naturgemäß ist eine derartige.Vorrichtung mit einer Reihe
von Mängeln behaftet, die ihre Verwendung für den gleichzeitigen Abwurf mehrerer
Teile als ungeeignet erscheinen lassen. So ist es z. B. in diesem Falle erforderlich,
vor Zündung des Sprengstoffes die mechanischen Sicherungsvorrichtungen zu entfernen,
was wiederum einen erheblichen Aufwand an zusätzlichen Hilfsmitteln erfordert. Beschränkt
man sich jedoch auf eine Entfernung der Sicherungsmittel von Hand vor dein Fluge,
so besteht zwar die .Möglichkeit, durch gleichzeitige Zündung mehrerer Sprengsätze
verschiedene Haltepunkte gleichzeitig zu lösen. Dagegen entfällt in diesem Falle
die während des Fluges angestrebte Sicherung der geschilderten Haltevorrichtung,
so daß dieselbe einem etwaigen vorzeitigen Lösen infolge von Stößen o. -dgl. ausgesetzt
ist.
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Demgegenüber beseitigt die Vorrichtung nach der Erfindung die aufgezeigten
Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten, indem erfindungsgemäß zunächst die in Ausnehmungen
des den abwerfbaren Teil haltenden Befestigungsbolzens selbst untergebrachten mechanischen
Bolzensicherungsmittel durch den Druck der Explosionsgase gelöst und dann zusammen
mit dein Befestigungsbolzen aus dessen Lagerung herausgetrieben werden. So ist es
durch diese Vorrichtung möglich, alle' nur denkbaren Teile, besonders aber schwere
und mit mehreren Anschlußpunkten versehene Teile, wie vor allem das Fahrgestell,
den Motor oder sonstige Lasten, vorn Flugzeug sicher zu lösen und abzuwerfen.
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Besonders in Verbindung mit elektrisch erfolgender Zündung der Sprengstoffladung
ist man in der Lage, insbesondere einen an mehreren Punkten aufgehängten Gegenstand,
z. B. ein Fahrgestell, durch zeitlich gleiches Lösen aller Anschlußverbindungen
sicher von dem Flugzeug zii lösen, ohne befürchten zu müssen, daß bei zeitlich ungleicher
Lösung der Befestigungsteile der abzuwerfende .Gegenstand um die noch nicht gelösten
Befestigungsbolzen herurnschwingt und dabei diese Defestigungen beschädigt oder
so stark belastet; daß die Auslösungen nicht mehr arbeiten, wodurch ein vollständiges
Abwerfen uninöglich würde. Die Zündung des Sprengstoffes kann auf jede nur mögliche
Weise, also elektrisch, durch Reißzündung, Schlagbolzen, Zündschnur u. dgl., erfolgen.
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Die Erfindung ist in der Zeichnung beispielsweise veranschaulicht,
und zwar zeigen Abb. r eine Ausführungsform der Erfindung vor dem Auslösen, Abb.
2 dieselbe Ausführungsform unmittelbar nach dem Auslösen, Abb. 3 und 4 zwei weitere
Ausführungsformen der Erfindung vor dem Auslösen. Der Teil a., der von dem Flugzeug
zu lösen ist, wird durch den Befestigungsbolzen b in seiner Lage gehalten. Der Bolzen
b ist beispielsweise in dem Gabelteil c, der fest an dein Flugzeug angeordnet ist,
gelagert und durch Kugeln d; die in radialen Bohrungen e
des Bolzens
b beweglich sind, gesichert. Die Kugeln d sind so in den Bohrungen
e des Bolzens b angeordnet, daß sie nicht aus ihnen herausfallen können.
Die Kugeln e sind so stark gehalten, daß sie die Wandung des Bolzens b in jedem
Falle nach außen oder nach innen durchragen. Der Bolzen b ist in besonderen Buchsen
f und g, die fest an dem Gabelteil c angeordnet sind, gelagert. Die Buchse f weist
eine eingedrehte Rille h auf, in die die Kugeln d, durch einen in dem Bolzen axial
beweglich angeordneten _Verriegelungskolben i verdrängt, eingreifen. Hierdurch wird
die Sicherung des Bolzens b erzielt. In dem Bolzen b ist weiterhin der Treibkolben
k axial beweglich gelagert, der mit dem Verriegelungskolben i fest verbunden ist
und diesen unter Wirkung einer Feder Z in Verriegelungsstellung hält.. Die Lagerbuchse
g ist mit einer einen Sprengstoffsatz aufnehmenden Kapsel in versehen, in die die
Zuleitungsdrähte t, die den Glühdraht o tragen, hineinragen. Die Zuleitungsdrähte
iz sind mit einer Stromduelle p und einem Unterbrechungsschalter q verbunden.
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Die Wirkungsweise dieser Vorrichtung nach der= Erfindung ist folgende:
Durch Niederdrücken des Schalters q wird der Stromkreis geschlossen, und der Glühdraht
o beginnt zu glühen. Hierdurch wird der Sprengstoffsatz der Kapsel m entzündet.
Die sich bildenden Explosionsgase des Sprengstoffes erteilen zunächst dem Treibkolben
k und dein mit ihm verbundenen Verriegelungskolben i entgegen der Kraft der Druckfeder
l eine Axialbewegung. Hierdurch werden die Kugeln d' frei, so dar sie unbehindert
in den Bohrungen e des Bolzens b beweglich sind. Die mechanische Sicherung
des Bolzens b ist damit gelöst. Die Explosionsgase drücken nun den Kolben k bis
zum Anschlag und treiben den Bolzen b aus seinen Lagerungen f
und g heraus
(Abb. z), wodurch der Teil a
frei wird. Die dem Kolben h vorgelegte
Feder Z wirkt gleichzeitig in gewissem Maße als Stoßdämpfer.
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Die Wirkungsweise der baulich etwas abgewandelten Ausführungsbeispiele
nach den Abb. 3 und q. ist grundsätzlich die gleiche wie beim ersten Ausführungsbeispiel.
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Gemäß der A'bb. q. sind im rechts liegenden Ende des Befestigungsbolzens
b und außerdem in der Lagerbuchse g Schlitze angeordnet. Durch diese Schlitze treten
die im Bolzeninnern entstehenden Explosionsgase hindurch und gelangen somit auch
auf die Außenseite der Sicherungskugeln d. Hierdurch wird also ein Druckausgleich
im Sinne des leichteren Lösens der Sicherungskugeln erzielt.
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Um die Bolzensicherung ohne Entzünden des Sprengstoffes lösen und
den Bolzen b von Hand herausziehen zu können, kann, wie es z. B. Abb. i zeigt, in
dem Verriegelungskolben i ein Gewinde y o. dgl. vorgesehen sein, in
das ein entsprechendes Werkzeug eingeschraubt werden kann. Durch Herausziehen des
Kolbens i werden die Sicherungskugeln freigegeben, und somit kann auch der Bolzen
b aus seinen Lagerbuchsen f und g herausgezogen werden.
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Die bauliche Ausbildung der Vorrichtung nach der Erfindung kann selbstverständlich
auch von den beschriebenen und in den Abbildungen dargestellten Ausführungsformen
abweichen. So kann z. B. die Kugelsicherung durch eine andere, ähnlich wirkende
Sicherung ersetzt werden.