-
ALLGEMEINER
STAND DER TECHNIK
-
Seit mehr als einem Jahrhundert werden
die so genannten „Ventilmetalle" (d. h. Metalle,
die anhaftende, elektrisch isolierende, anodische Oxidschichten
bilden, wie z. B. Aluminium, Tantal, Niob, Titan, Zirkonium, Silizium
usw.) für
Schichtanwendungen eingesetzt. Diese Anwendungen schließen elektrolytische
Kondensatoren, Gleichrichter, Blitzableiter und Vorrichtungen ein,
in denen die Anodenschicht den Platz der herkömmlichen elektrischen Isolierung
einnimmt, wie z. B. besondere Transformatoren, Motoren, Relais usw.
-
Wenn sie in geeigneten (d. h. nichtkorrosiven)
wässrigen
oder teilweise wässrigen
Elektrolyten positiv vorgespannt werden, werden typische Ventilmetalle,
wie z. B. Aluminium oder Tantal, mit einer dielektrischen Schicht
von gleichmäßiger Dicke
belegt. Bei konstanter Temperatur ist die Schichtdicke der angelegten
Spannung proportional, und die Geschwindigkeit des Schichtwachstums
ist der Stromdichte direkt proportional. Diese Eigenschaften sind
ausführlich
in L. Youngs Buch "Anodic
Oxide Films" (1961,
Academic Press, London) beschrieben.
-
Zudem ist die Dicke anodischer Schichten
bei konstanter Spannung der absoluten (Kelvin-) Temperatur des Elektrolyten
direkt proportional. Dies wurde von A. F. Torrisi ("Relation of Color
to Certain Characteristics of Anodic Tantalum Films", Journal of the
Electrochemical Society, Bd. 102, Nr. 4, April 1955, Seite 176 bis 180)
für Schichten
auf Tantal in dem Temperaturbereich von 0°C bis 200°C und mit angelegten Spannungen von
bis zu 500 Volt, vermutlich mit den Glykol-Borat-Elektrolyten, die
zu der Zeit Verwendung fanden (diese Elektrolyte enthalten immer
etwas freies Wasser, das durch Veresterung gebildet wird, die Sauerstoff
für die Schichtbildung
bereitstellt), gezeigt.
-
Die obigen Verhältnisse von Spannung, Temperatur,
Stromdichte und Dicke der Anodenschicht sind von den Herstellern
elektrolytischer Kondensatoren erfolgreich verwertet worden, um
Anodenschichten verschiedener Dicken entsprechend den Anforderungen
an die Spannung und Kapazität
der fertigen Vorrichtungen zu erhalten.
-
Anodenfolie für Aluminiumkondensatoren wird
gewöhnlich
anodisiert – im
Anschluss an geeignete Ätzverfahren,
um die Oberfläche
zu vergrößern – indem
die Folie langsam durch eine Reihe von Anodisierungstanks hindurchgeführt wird,
von denen jeder zunehmend negativer gegen die Aluminiumfolie vorgespannt
ist. Die geringe Durchgangsgeschwindigkeit der Folie durch jeden
Tank ermöglicht
es, dass die Anodenschicht die Grenzdicke für die Spannungsdifferenz zwischen
der Folie und jedem Elektrolyttank erreicht.
-
Bei der Herstellung von Tantalkondensatoren
werden pulvermetallurgische Techniken benutzt, um blockartige Kondensatorkörper von
einer bedeutend geringeren als der theoretischen Dichte und mit
großer
innerer Oberfläche
herzustellen. Die dielektrische Anodenschicht wird durch Eintauchen
der Kondensatorkörper
in einen Elektrolyten und Anlegen von Strom (gewöhnlich eines konstanten Stroms),
bis die gewünschte
Spannung erreicht ist, und anschließendes Halten der Anodenkörper bei
dieser Spannung für
eine Dauer, die ausreichend lang ist, um eine gleichmäßige Schichtdicke
innerhalb der Zwischenräume
der Anodenkörper
sicherzustellen, hergestellt.
-
Nach Anbringung geeigneter Kathodenkontakte
werden Anodenmaterialien, die mit Anodenschichten bedeckt sind,
wie oben beschrieben, zu positiven Kondensator-"Platten" in polaren Kondensatoren, in denen die
Anodenschicht als das Dielektrikum dient. Diese Vorrichtungen sind
im Vergleich zu elektrostatischen Kondensatoren durch eine verhältnismäßig hohe
Kapazität
pro Einheitsvolumen und verhältnismäßig geringe
Kosten pro Kapazitätseinheit
gekennzeichnet.
-
Diese Vorrichtungen sind auch „polare" Vorrichtungen, die
eine so genannte „Ventil"-Wirkung zeigen, wobei
sie den Strom innerhalb des nominellen Spannungsbereiches blockieren,
wenn das Ventilmetall positiv vorgespannt ist, und den Strom bereitwillig
durchlassen, wenn das Ventilmetall negativ vorgespannt ist (frühe Gleichrichter
waren auf dieser Tatsache basiert und enthielten Aluminium oder
Tantal als das Ventilmetall).
-
Es ist leicht ersichtlich, dass Abänderungen
des Anodisierungsverfahrens, die zu anodischen Oxidschichten mit
hoher Dielektrizitätskonstante
und geringer Schichtdicke pro Volt führen, vorteilhaft sind, da
sie dazu beitragen, die Kapazität
pro Oberflächeninhalt
von Ventilmetall bei einer gegebenen Anodisierungsspannung zu maximieren.
C. Crevecoeur und H. J. DeWit berichten in einem Vortrag mit dem
Titel "The Influence of
Crystalline Alumina on the Anodization of Aluminum" (gehalten beim Treffen
der Electrochemical Society in Seattle, Washington, 21. bis 26.
Mai 1978), dass Aluminium, das in sehr verdünnten Zitronensäurelösungen anodisiert
wird, ein „kristallines" anodisches Oxid
mit einer Dicke von 8 Angström
pro Volt entstehen lässt,
während
die Schicht, die in herkömmlichen
verdünnten
Borat-Elektrolyten erzeugt wird, eine Dicke von 11 Angström pro Volt
aufweist. Dies führt
zu einem ungefähr
30%igen Kapazitätsvorteil
der Schichten, die in der Carbonsäurelösung erzeugt werden.
-
Die dielektrischen Eigenschaften
(d. h. Haltespannung, Dielektrizitätskonstante) der Anodenschicht scheinen
in einem außergewöhnlichen
Maße durch
die Anwesenheit von selbst einer kleinen Menge von kohlenstoffhaltigem
Material, das während
des Anodisierens eingebunden wird, beeinflusst zu werden.
-
Die US-Patentschrift 4,159,927 weist
daraufhin, dass Anodisierungselektrolyte, die zusätzlich zu
dem hauptsächlichen
gelösten
Stoff Borsäure
kleine Mengen an Hydroxycarbonsäuren
(z. B. Weinsäure, Äpfelsäure, Zitronensäure usw.)
enthalten, auf Aluminium Anodenschichten entstehen lassen, die weniger
als 1% Kohlenstoff enthalten, aber völlig verschiedene Diffusionseigenschaften
aufweisen, wie durch ihre im Vergleich zu herkömmlichen Schichten, die keine
kohlenstoffhaltigen Spezies enthalten, viel geringere Reaktionsgeschwindigkeit
mit Wasser, um hydratisierte Spezies zu bilden, angezeigt wird.
In wässrigen
Elektrolyten, die geringfügige
Mengen an Hydroxycarbonsäuren
enthalten, wird die eingebundene kohlenstoffhaltige Spezies aus dem
Kohlenstoff der Carbonsäure
erzeugt. Dies trifft jedoch nicht notwendigerweise für alle Elektrolyte
zu.
-
Lösungen
von Borsäure
in Formamid lassen auf Aluminium bei 60 bis 100°C Anodenschichten entstehen,
die eine bedeutende Menge an eingebundenen kohlenstoffhaltigen Spezies
enthalten ("Properties
and Mechanism of Formation of Thick Anodic Oxide Films on Aluminum
from the Non-Aqueous System Boric Acid-Formamide", S. Tajima, N. Baba und T. Mori, Electro
Chemical Acta, 1964, Bd. 9, Seite 1.509 bis 1.519).
-
In GB 2,168,383A ist ein Anodisierungsverfahren
beschrieben, bei dem Lösungen
von Phosphorsäure oder
löslichem
Aminphosphat in aprotischen polaren Lösemitteln eingesetzt werden,
das unter etwa 30°C
betrieben wird. Es ist gezeigt worden, dass Anodenschichten, die
in diesen Elektrolyten auf Titanabschnitten gebildet werden, eingebundenes
kohlenstoffhaltiges Material enthalten. ("Anodizing Mechanism in High Purity Titanium", H. W. Rosenberg,
M. S. Cooper und Karl Bloss, vorgetragen bei der "Titanium '92", 7. Internationale Konferenz über Titan,
San Diego, Kalif., 1992).
-
Vor kürzerer Zeit haben Ue et al.
gezeigt, dass Anodenschichten auf Aluminium, die in wasserfreien (etwa
10 ppm Wasser) 4-Butyrolacton-haltigen quaternären Ammoniumsalzen anodisiert
werden, eine Verbesserung der Dielektrizitätskonstante auf soviel wie
10- bis 20mal so groß zeigen
wie die, welche mit herkömmlichen
Anodisierungselektrolyten erhalten werden (Japanische Patentschrift
Nr. 8-134693). Diese Autoren haben dieses Anodisierungsverfahren
ausgeweitet, um wasserfreie Lösungen
von quaternären
Ammoniumsalze sauerstoffhaltiger Mineralsäuren in Ethylenglykol einzuschließen, und
haben eine ähnliche,
wenn auch geringer ausgeprägte
Anhebung der Dielektrizitätskonstante
von Anodenschichten auf Aluminium erhalten (Japanische Patenschrift
Nr. 8-134,692). Diese Autoren haben in dem Fachaufsatz, "Anodic Oxidation
of Valve Metals in Non-Agueous Electrolyte Solutions", (Electrochemical
Society Proceedings, Bd. 96–18,
Seite 84 bis 95) auch behauptet, dieses Anodisierungsverfahren auf
Titan, Zirkonium, Hafnium, Niob und Tantal ausgeweitet zu haben,
geben jedoch keine diese Behauptung stützenden Daten an. Das Wachstum
der Anodenschicht in den Elektrolyten von Ue. et al. ist, was die
Anodisierungskinetik anbetrifft, herkömmlich, wobei die Schicht auf eine
Dicke anwächst,
die von der Spannung abhängt.
-
Die erhöhte Dielektrizitätskonstante
von Anodenschichten, die in Lösungen
von Phosphat in 4-Butyrolacton mit geringem Wassergehalt anwuchsen,
wurde in GB 2,168,383A, in Beispiel Nr. 4, offenbart, in dem eine
Dielektrizitätskonstante,
die 8mal so groß ist
wie die von auf herkömmliche
Weise gebildetem Tantaloxid, bei 100 Volt erzeugt wurde. In einer
weiteren bevorzugten Ausführungsform,
offenbart in dem Beispiel Nr. 7, ergab anodisches Titanoxid, hergestellt
bei 500 Volt in einer Lösung
von Phosphat in N-Methyl-2-pyrrolidon, eine Kapazität von mehr
als 30mal so groß wie
die einer gleichgroßen
Oberfläche
von Tantal, das in einem herkömmlichen
Elektrolyten auf 500 Volt anodisiert wurde.
-
Alle obigen Anodisierungsverfahren,
die eine Anhebung der Dielektrizitätskonstante des Anodenoxids herrufen,
weisen leider große
Nachteile oder Einschränkungen
auf, wenn sie bei einem Anodisierungsverfahren im Produktionsmaßstab benutzt
werden. Quaternäre
Ammoniumsalze sind teuer und schwierig zu erhalten. Amine, wie z.
B. Pyridin und die Picoline, die elektrolytlösliche Phosphatsalze bilden,
sind gewöhnlich
giftig und besitzen einen sehr unangenehmen Geruch. Viele der am
besten geeigneten Lösemittel,
wie z. B. 4-Butyrolacton, N-Alkyl-2-pyrrolidone, Dimethylformamid,
Dimethylsulfoxid usw. sind giftig, entzündlich oder aufgrund des Angriffs
auf die Dichtungen der Umlaufpumpe usw. für normale Anodisierungsausrüstung schwierig zu
beinhalten.
-
Zudem ist es sehr schwierig, polare,
auf Lösemittel
basierte Elektrolyte in einer Produktionsumgebung in einem wasserfreien
Zustand zu bewahren. Die Herabsetzung der Durchschlagspannung von
Anodenschichten und der Anodisierungseffizienz für Lösungen von Phosphat in aprotischem
Lösemittel,
die mehr als etwa 2% Wasser enthalten, sind in GB 2,168,383A beschrieben,
während
Ue et al. bei einem Anstieg des Wassergehaltes des Elektrolyten
von 300 ppm einen Unterschied in der Oxiddicke pro Volt mit dem
Faktor drei beschreiben (der vorher zitierte Aufsatz aus Electrochemical
Society Proceedings, Seite 86).
-
In
US
3 496 424 ist ein Verfahren des Herstellens von isolierenden
Oxidschichten beschrieben, die in Glykollösungen gebildet werden, welche
wenig Feuchtigkeit enthalten und bei einer erhöhten Temperatur von 130°C gehalten
werden und die ein in ihnen dispergiertes, chemisch stabiles, leitfähiges Salz,
d. h. KH
2PO
4, aufweisen.
Obwohl die Oxidschichten bei geringer Feuchtigkeit gebildet werden,
beträgt
die wirkliche Menge an Wasser, die in der Lösung enthalten ist, zwischen
5% und 10%.
-
In
US
3 796 644 ist eine Elektrolytlösung offenbart, die durch eine
Kombination einer Anzahl möglicher organischer
Lösemittel
und gelöster
Stoffe hergestellt wird und 0,1 bis 10% Wasser enthält.
-
Das Hilfsmittel, die Anodisierungselektrolyte
einfach auf Temperaturen oberhalb des Siedepunktes von Wasser zu
erhitzen, um die Feuchtigkeit herauszutreiben, ist aufgrund von übermäßiger Lösemittelverdampfung,
erhöhter
Möglichkeit
von Bränden,
Verlust flüchtiger
Amine und Reaktion der Lösemittel
mit den gelösten
Stoffen unzweckmäßig. Bei
höheren
Temperaturen reagiert 4-Butyrolacton mit Aminen und Phosphaten, Dimethylsulfoxid
wird in Dimethylsulfid umgewandelt, und Dimethylsulfon und Alkylamide
reagieren mit Phosphaten und bilden Phosphoramide usw.
-
Das einfache Hilfsmittel, die Verfahren
und Lösemittel
usw. aus GB 2,168,383A einzusetzen und die Phosphorsäure durch
Polyphosphorsäure
zu ersetzen, um den Wassergehalt zu verringern, ist ausprobiert worden
(US-Patentschrift Nr. 5,211,832) und leider ist festgestellt worden,
dass dieses zur Herstellung von Titandioxid-Anodenschichten führt, die
eine Dielektrizitätskonstante
von etwa 20 aufweisen. Dieser Wert ist um ein Mehrfaches geringer
als der, der gemäß GB 2,168,383A
mit Phosphorsäure
erhalten wurde.
-
Es ist erwünscht, einen Anodisierungselektrolyten
oder eine Reihe von Elektrolyten bereitzustellen, welche die Fähigkeit
aufweisen, Anodenschichten zu erzeugen, die hohe Dielektrizitätskonstanten
und wenige Ausbuchtungen aufweisen. Es ist ebenfalls erwünscht, dass
sie eine hohe Wärmestabilität aufweisen,
damit der Wassergehalt allein mit Hilfe von Wärme (d. h. keine Notwendigkeit
für eine
Vakuumbehandlung usw.) auf ausreichend geringe Maße gehalten
werden kann. Außerdem
ist es erwünscht, über sichere
Bestandteile von geringer Giftigkeit und wenig störendem Geruch
sowie von einem nahezu neutralen pH (d. h. eine „arbeiterfreundliche" Zusammensetzung)
und über
billige Bestandteile (um die Massenproduktion erschwinglich zu gestalten)
zu verfügen.
Ebenfalls erwünscht
ist eine der Zusammensetzung eigene Stabilität während der Haltbarkeitsdauer,
um die Notwendigkeit häufiger
Analysen und Bestandteilzusätze,
um die Elektrolytzusammensetzung zu erhalten, zu vermeiden, und
ein verhältnismäßig geringer
spezifischer elektrische Widerstand, um bei variierender Trennung
von Anoden- und Kathodenoberflächen
Anodenschichten von gleichmäßiger Dicke herzustellen.
-
KURZDARSTELLUNG
DER ERFINDUNG
-
Die vorliegende Erfindung ist auf
eine Elektrolytlösung
gerichtet, die Glycerin und zweibasiges Kaliumphosphat umfasst.
Die vorliegende Erfindung ist ferner auf eine Elektrolytlösung gerichtet,
die einen Wassergehalt von weniger als 1.000 ppm aufweist. Die vorliegende
Erfindung ist außerdem
auf eine Elektrolytlösung gerichtet,
die durch Mischen des Glycerins und des zweibasigen Kaliumphosphats
und anschließendes
Erhitzen auf etwa 150 bis 180°C
für etwa
1 bis 12 Stunden hergestellt wird.
-
Die vorliegende Erfindung ist auch
auf ein Verfahren des Anodisierens eines Metalls gerichtet, welches das
Bilden einer Schicht auf dem Metall mit einer Elektrolytlösung umfasst,
die Glycerin und zweibasiges Kaliumphosphat umfasst. Das Metall
ist vorzugsweise ein Ventilmetall, wie z. B. Tantal, und die Schicht
wird bei einer Temperatur von 150°C
oder höher
gebildet.
-
Es versteht sich, dass beide, die
vorstehende allgemeine Beschreibung und die folgende ausführliche Beschreibung
nur beispielhaft und erklärend
sind und die vorliegende Erfindung, wie beansprucht, nicht einschränken.
-
AUSFÜHRLICHE
BESCHREIBUNG DER BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSFORMEN
-
Es wurde festgestellt, dass frisch
hergestellte Lösungen
von zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin, wenn sie als Elektrolyte
benutzt werden, typische Tantaloxid-Anodenschichten bereitstellen.
Die Dicke der Oxidschicht ist der angelegten Spannung proportional,
und die relative Dicke der Schichten pro Volt ist der absoluten
(d. h. Kelvin-) Temperatur des Elektrolyten im Temperaturbereich
von 125 bis 180°C
direkt proportional.
-
Unerwarteterweise wurde entdeckt,
dass Glycerinlösungen
von zweibasigem Kaliumphosphat, die für 1 bis 2 Stunden auf 180°C oder über Nacht
auf 150°C
erwärmt
worden sind, verglichen mit den Lösungen, die nicht wärmebehandelt
wurden, sich sehr unterschiedlich verhielten, wenn sie als Anodisierungselektrolyte
bei 150°C
oder höher
eingesetzt wurden. Im Anschluss an die Wärmebehandlung stellten die
Elektrolytlösungen auf
Tantal und anderen Ventilmetallen Anodenschichten bereit, deren
Dicke nicht entsprechend der Anodisierungsspannung begrenzt waren,
sondern stattdessen weiter anwuchsen, solange die Spannung angelegt
war.
-
Die Elektrolytlösungen von zweibasigem Kaliumphosphat
in Glycerin können
z. B. durch Zusammenmischen des Phosphats und des Glycerins bei
Raumtemperatur, wie z. B. durch Rühren, hergestellt werden. Das
zweibasige Kaliumphosphat wird in Mengen von etwa 0,1 bis 15 Gew.-%,
vorzugsweise von etwa 2 bis 10 Gew.-%, basierend auf dem Gesamtgewicht
der Lösung,
zugegeben. Die Lösung
wird dann für
1 bis 12 Stunden auf etwa 150 bis 180°C erwärmt. Die Menge an Wasser, die
in der Lösung
vorhanden ist, beträgt
weniger als 1.000 ppm, vorzugsweise weniger als 900 ppm.
-
Die Elektrolytlösung der vorliegenden Erfindung
besitzt einen Siedepunkt von etwa 290 bis über 350°C, vorzugsweise über etwa
295°C, und
zeigt bei Temperaturen von 150°C
und höher
einen verhältnismäßig geringen
Dampfdruck und geringen Verdampfungsverlust. Die Elektrolytlösung der
vorliegenden Erfindung besitzt geringe Giftigkeit und weist einen
nahezu neutralen pH (8 bis 9) auf. Außerdem weist die Lösung einen niedrigen
spezifischen elektrischen Widerstand auf und ist beim Stehen bei
erhöhten
Temperaturen von 150°C bis
180°C stabil.
-
Die Elektrolytlösung der vorliegenden Erfindung
kann benutzt werden, um auf den meisten Typen von Metallen, einschließlich „Ventil"-Metallen, wie z.
B. Aluminium, Tantal, Niob, Titan, Zirkonium, Silizium, Anodenschichten
zu erzeugen. Tantal ist das am häufigsten
benutzte Ventilmetall.
-
Anodenschichten, die mit der Elektrolytlösung der
vorliegenden Erfindung hergestellt werden, können bei konstanter Spannung
erzeugt werden, wobei die Schichtdicke der Dauer, bei der bei einer
konstanten Temperatur oberhalb des Bereichs von 125 bis 150°C auf Spannung
gehalten wird, annähernd
proportional ist. Die Geschwindigkeit des Schichtwachstums in diesen
Lösungen
ist eine Funktion von sowohl der angelegten Spannung als auch der
Elektrolyttemperatur. Für
die Dicke einer erfindungsgemäß erzeugten
Schicht gibt es keine bekannte obere Grenze.
-
Wenn die Spannung, die an die Anodenkörper angelegt
wird, als impulsförmiger
Gleichstrom angelegt wird, wobei die positive Vorspannung für annähernd 0,3
Sekunden oder weniger mit einer Periode ohne Vorspannung oder einer
Leerlaufperiode von mindestens 0,3 Sekunden zwischen den Impulsen
andauert, können innerhalb
der Zwischenräume
und auf der Oberfläche
von pulvermetallurgischen Kondensatoranoden aus Tantal Schichten
von verhältnismäßig gleichmäßiger Dicke
erzeugt werden. Wechselstrom, Halbwellen-Wechselstrom, sägezahnförmige Wellenformen usw. können anstelle
von impulsförmigem
Gleichstrom ebenfalls verwendet werden, um in diesen Elektrolyten
gleichmäßige Anodenschichten
zu erhalten.
-
Die Wachstumsgeschwindigkeit der
Schicht hängt
bei den Elektrolyten und Anodisierungsbedingungen der vorliegenden
Erfindung von der angelegten Spannung ab. Pulvermetallurgische Kondensatoranodenkörper aus
Tantal, die bei konstanter Spannung und mit Gleichstrom anodisiert
werden, führen
zu der Bildung einer äußeren Anodenschicht,
die viel dicker ist als die Anodenschicht, welche die inneren Anodenoberflächen bedeckt
(d. h. auf den inneren Oberflächen
wächst
die Anodenschicht aufgrund des Spannungsabfalls durch den Elektrolyten
hinweg innerhalb der Zwischenräume
der Anodenkörper
mit einer geringeren Geschwindigkeit). Diese Differenzierung der
Schichtdicke, wobei eine dickere Anodenschicht die äußere Umhüllung des Anodenkörpers bedeckt,
kann vorteilhaft für
die Zwecke eingesetzt werden, die in der US-Patentschrift Nr. 4,131,520
umrissen sind, die hiermit durch Bezugnahme eingebunden wird, nämlich die
Herstellung einer dickeren äußeren Schicht,
die gegen mechanische Beschädigung
und Belastungen durch das elektrische Feld beständig ist, während eine verhältnismäßig geringe
Dicke der inneren Schicht erhalten bleibt, um die Kapazität der Vorrichtung
zu maximieren.
-
Für
die Elektrolytlösung
der vorliegenden Erfindung gibt es unbegrenzte Anwendungen, einschließlich der
Herstellung von elektrolytischen Kondensatoren, Gleichrichtern,
Blitzableitern und Vorrichtungen, in denen die Anodenschicht den
Platz herkömmlicher
elektrischer Isolierung einnimmt, wie z. B. besondere Transformatoren,
Motoren, Relais usw. Außerdem
kann die Elektrolytlösung
der vorliegenden Erfindung – bedingt
durch die Gleichmäßigkeit,
die mit der vorliegenden Erfindung erhalten wird – bei der
Herstellung von chirurgischen Implantaten eingesetzt werden, wo
ein Minimum an induzierten Strömen
wünschenswert
ist. Die hohe Wachstumsgeschwindigkeit, die mit der vorliegenden
Erfindung erzielt wird, ermöglicht
ebenfalls die Herstellung von praktischen Trennbeschichtungen für Verbindungsstücke und
Sanitärinstallationen,
die aus Ventilmetallen und -legierungen hergestellt werden.
-
Die Schicht besitzt eine hohe Wärmestabilität, die mit
dem Phosphat-Dotieren von Ventilmetalloxiden (Phosphor, vorliegend
als eingebundenes Phosphat, vermindert die Sauerstoffdiffusion bei
hohen Temperaturen um Größenordnungen)
verknüpft
ist. Somit kann die vorliegende Erfindung benutzt werden, um gegen thermische
Oxidation beständige
Beschichtungen für
Titan und andere Ventilmetalle herzustellen, die für Luftfahrzeug-
oder Luft- und Raumfahrtanwendungen nützlich sind.
-
BEISPIELE
-
Die Erfindung wird durch Bezugnahme
auf die folgenden Beispiele ausführlicher
beschrieben werden. Diese Beispiele sollten keinesfalls als die
Erfindung einschränkend
angesehen werden.
-
Beispiel 1
-
Der spezifische elektrische Widerstand
der Lösung
gegen die Temperatur für
eine Lösung
von 10 Gew.-% zweibasiges Kaliumphosphat in Glycerin ist wie folgt:
-
Die Werte des spezifischen elektrischen
Widerstands bei Temperaturen von 90°C bis 180°C fielen in den Bereich der
spezifischen elektrischen Widerstände, die für herkömmliche Elektrolyte typisch
sind, die benutzt werden, um Tantal-Kondensatoranoden gewerblich zu anodisieren.
Siehe: Melody et al., "An
Improved Series Of Electrolytes For Use In The Anodization Of Tantalum
Capacitor Anodes",
Proceedings of the 1992 Capacitor and Resistor Technology Symposium,
Tucson, Arizona, 17. März
1992.
-
Die extreme Stabilität dieses
Elektrolyten wird wiedergegeben durch den unveränderten spezifischen elektrischen
Widerstand bei 1 kHz (d. h. 130 Ohm. cm) und 125°C nach dem Aussetzen für mehrere
Tage an der freien Luft bei 150°C.
Die einzige Zugabe zu der Lösung
im Verlauf dieses Versuches war eine kleine Menge Glycerin, um Verdampfungsverluste
auszugleichen.
-
Beispiel 2
-
Der spezifische elektrische Widerstand
einer verdünnteren
Lösung,
die 2 Gew.-% zweibasiges Kaliumphosphat in Glycerin enthielt, wurde
bestimmt.
-
-
Die Werte des spezifischen elektrischen
Widerstands bei Temperaturen von 90°C bis 180°C fielen in den typischen Bereich
für Elektrolytlösungen,
die gewerblich benutzt werden, um Tantal-Kondensatoranoden zu anodisieren.
Die Stabilität
der Lösung
war der jener ähnlich,
die höhere
Konzentrationen an gelöstem
Stoff besitzen, der spezifische elektrische Widerstand bei 130°C blieb nach
dem Aussetzen einer Temperatur von 150°C an der freien Luft für mehrere
Tage eigentlich unverändert.
-
Beispiel 3
-
Dieses Beispiel zeigte die einzigartige
Verbindung von hoher Löslichkeit
von zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin und hoher Wärmebeständigkeit
der resultierenden Lösungen.
Unten sind Ergebnisse von Löslichkeitsversuchen
bei Raumtemperatur des Salzes in Anodisierungselektrolytlösemitteln
von unterschiedlichen Potentialen aufgeführt.
-
-
Die Ethylenglykollösung ergab
beim Erwärmen
auf 100°C
eine große
Menge an Niederschlag. Von den geprüften Lösemitteln bildete nur Glycerin
Lösungen,
die von Raumtemperatur bis über
180°C stabil
waren.
-
Beispiel 4
-
Das Verhalten des Bildens einer Anodenschicht
ohne Grenzdicke wurde bei einer frisch hergestellten Glycerinlösung von
10 Gew.-% zweibasigem Kaliumphosphat als eine Anomalie der „Abnahme
mit dem Alter" des
Stroms während
des Anodisierens eines 1 Inch breiten Tantalabschnitts, der bis
zu einer Tiefe von 2,54 cm (1 Inch) in den Elektrolyten eingetaucht
und einer Spannung von 20 Volt ausgesetzt wurde, beobachtet.
-
-
Beim herkömmlichen Anodisieren sollte
der Strom mit der Zeit nur abnehmen. Die Oxid-Interferenzfarbe zeigte
eine Schichtdicke an, die der gleich war, die unter normalen Anodisierungsbedingungen
bei 150 Volt bei 85°C
oder bei 120 Volt bei 180°C
erzeugt wird, anstelle der erwarteten Farbe, die 25 Volt bei 85°C oder 20 Volt
bei 180°C
anzeigt (d. h., die Schicht scheint 6mal so dick zu sein, wie für normale
Bedingungen erwartet wurde).
-
Beispiel 5
-
Um die Anodenschichtdicke gegen die
Zeit für
Schichten, die in dem wärmebehandelten
Elektrolyten gebildet werden, quantitativ zu bestimmen, wurde eine
Gruppe von 1 Inch breiten Tantalabschnitten in eine Lösung von
2 Gew.-% zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin bei annähernd 180°C eingetaucht.
An die Gruppe von Abschnitten wurden 20 Volt angelegt, und ein Abschnitt
wurde alle 30 Minuten herausgenommen, insgesamt 6 Abschnitte. Der
Elektrolyt wurde vor dem Beginn des Experimentes für etwa eine
Stunde bei 180°C
wärmebehandelt.
Der Strom wurde für
die Gruppe vor dem Entfernen jedes Abschnitts abgelesen, und die
Ergebnisse zeigten an, dass sich die Geschwindigkeit des Schichtwachstums
bei der Spannung tatsächlich mit
der Zeit erhöhte.
-
Die Anodenschichten auf den Abschnitten
wurden dann dem Ionenmahlen unterworfen, um die Schichten im Profil
zu sehen, und die Dicken wurden unter Benutzung eines Rasterelektronenmikroskops (REM)
gemessen.
-
-
Die nominale Dicke von Tantaloxid-Anodenschichten,
die bei 80 bis 90°C
gebildet wurden, betrug 20 Angström/Volt, so dass die Dicke von
2.300 Angström,
die für
die herkömmlichen
Schichten bei 100 Volt erhalten wurde, eine Genauigkeitsgrenze von
annähernd ± 15% für die Dickenwerte
anzeigt. Somit besaß die Schicht,
die durch Aussetzen für
190 Minuten bei 20 Volt in dem Elektrolyten von 180°C erzeugt
wurde, eine Dicke, die einer Schicht entspricht, die in herkömmlichen
Anodisierungselektrolyten bei annähernd 870 Volt bei 85°C erzeugt
wird.
-
Die Karl-Fischer-Analyse zeigt, dass
frisch hergestellte Lösungen
annähernd
3.000 ppm Wasser enthielten, wohingegen Lösungen, die für ausgedehnte
Zeiträume
bei 150°C
gealtert worden waren, annähernd 1.000
ppm oder weniger Wasser enthielten.
-
Beispiel 6
-
Um den Wassergehalt und die Temperatur
der Lösung
als die regulierenden Parameter für den Mechanismus normaler
gegenüber
der Schichtwachstumskinetik ohne Grenzdicke zu bestätigen, wurde
eine Reihe von Experimenten durchgeführt, in denen Tantalabschnitte
in Lösungen
von zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin bei verschiedenen Temperaturen
und unterschiedlichen Gehalten von anwesendem Wasser anodisiert
wurden.
-
Es wurde festgestellt, dass die ungefähre Temperatur,
bei der die Schichtwachstumskinetik ohne Grenzdicke für zweibasige
Kaliumphosphatlösungen
in Glycerin, die wärmebehandelt
wurden, um den Wassergehalt auf weniger als etwa 1.000 ppm Wasser
zu verringern, einsetzte, zwischen 125°C und 150°C lag. Dies wurde durch den
Strom angezeigt, der während
der Anodisierung (bei 20 Volt) von 1 cm breiten Ta-Abschnitten, die
ungefähr
3 cm in den Elektrolyten eingetaucht wurden, beobachtet wurde.
-
-
Die Schichtfarbe bei 125°C zeigte
23 bis 25 Volt/85°C
an.
-
Die Schichtfarbe bei 150°C zeigte
70 bis 75 Volt/85°C
an.
-
Beispiel 7
-
Um nachzuweisen, dass die Gegenwart
von Wasser in Konzentrationen von bedeutend höher als etwa 1.000 ppm in Lösungen von
zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin ein Verhalten des Begrenzens
der Dicke hervorrief, wurde während
des Anodisierungslaufs, der in Beispiel 6 beschrieben ist, Wasser
zu der Zelle hinzugegeben, die den Elektrolyten von 150°C enthielt.
Die Auswirkung auf den Stromfluss durch die Zelle ist unten aufgeführt.
| Dauer
bei der Spannung bei 150°C | Strom |
| 150
Minuten | 0,00036
Amp. |
| 0,5
ml zugegebenes Wasser – Lösung mit
annähernd 4.000
ppm Wasser | |
| 160
Minuten | 0,00009
Amp. |
| 0,5
ml zugegebenes Wasser – Lösung mit
annähernd 7.000
ppm Wasser | |
| 195
Minuten | 0,00004
Amp. |
-
Der Wassergehalt ist eindeutig ein
entscheidender Faktor, der bei der Herstellung von Anodenschichten
ohne Grenzdicke stört.
-
Beispiel 8
-
Um die umkehrbare Natur der Hemmwirkung
von Wasser auf die Kinetik der Herstellung von Anodenschichten ohne
Grenzdicke zu veranschaulichen, wurde ein Tantalabschnitt zuerst
bei 150°C
in einem Glycerinelektrolyten, der 2 Gew.-% zweibasiges Kaliumphosphat
und ungefähr
0,4% Wasser enthielt, auf 20 Volt anodisiert. Der Elektrolyt wurde
dann durch Erhitzen auf 170 bis 200°C für 3 Stunden „getrocknet". Der Abschnitt wurde
dann in den Elektrolyten von 150°C
zurückgegeben,
und erneut wurden 20 Volt angelegt.
- 1) wasserhaltiger
Elektrolyt
- – Strom
nach 3 Stunden = 0,000021 Amp.
- – Oxidfarbe
23 bis 25 Volt/85°C
anzeigend
- 2) „getrockneter" Elektrolyt
- – Strom
nach weiteren 1,5 Stunden = 0,000276 Amp.
- – Oxidfarbe
80 Volt/85°C
anzeigend
-
Beispiel 9
-
Um zu bestimmen, ob das Wasser, das
in dem Elektrolyten vorhanden ist, durch einfachen Kontakt mit der
Anodenschicht als eine molekulare Spezies oder aufgrund der Wirkung
des Feldes als eine ionische Spezies in die Schicht eintritt, wurde
ein Tantalabschnitt 2 Stunden lang bei 20 Volt in einer „getrockneten" Lösung von
2 Gew.-% zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin bei 150°C anodisiert.
-
Der Abschnitt wurde dann 30 Minuten
lang in eine Lösung
von 150°C
und 2 Gew.-% zweibasigem Kaliumphosphat in Glycerin, die 4 Gew.-%
Wasser enthielt, eingetaucht (der große Überschuss an Wasser wurde benutzt,
um jegliche Wirkung des Wassers zu verstärken). Der Abschnitt wurde
dann in den ursprünglichen, „trockenen" Elektrolyten von
150°C zurückgegeben,
und erneut wurden 20 Volt angelegt. Es wurde festgestellt, dass
die Stromdichte dieselbe war wie die vor dem 30minütigen Einweichen
in der wasserhaltigen Lösung.
-
Beispiel 10 Um die Dielektrizitätskonstante
für Anodenschichten
zu bestimmen, die mit dem Elektrolyten und den Verfahren der vorliegenden
Erfindung auf Tantal gebildet wurden, wurde ein 1 cm breiter Tantalabschnitt
in einen Elektrolyten eingetaucht, der aus 2 Gew.-% zweibasigem
Kaliumphosphat, in Glycerin gelöst,
bestand. Dieser Elektrolyt war vorher durch Erhitzen über Nacht
auf 150°C
auf einen Feuchtigkeitsgehalt von unter 1.000 ppm Wasser „getrocknet" worden.
-
Der Tantalabschnitt wurde dann bei
155 bis 156°C
2 Stunden und 18 Minuten lang auf 20 Volt anodisiert. Die Schichtfarbe
zeigte eine Schichtdicke an, die der entsprach, die bei 80 bis 90°C in einem
herkömmlichen
Elektrolyten bei 95 Volt erhalten wurde. Die Kapazität der Schicht
wurde unter Benutzung eines Gen Rad Model 1692 RLC Digibridge in
Verbindung mit einem 600-ml-Becher, ausgestattet mit einer Tantalkathode mit
einer sehr großen
Oberfläche,
gemessen, wobei der Kreis durch Salpetersäure von 20 Gew.-% vervollständigt wurde.
-
100-Hz-Kapazität von 7 cm2 =
4,34 Mikrofarad (VF = 6,3%). Somit 1 cm2 =
0,62 Mikrofarad bei 95 Volt entspricht Dicke bei 85°C, C. V =
58,9 Mikrofarad Volt/cm2.
-
In herkömmlichen Elektrolyten von 80
bis 90°C
ergeben Tantaloberflächen
ein C.V-Produkt von 11,2 Mikrofarad Volt/cm2.
Die Anwendung der vorliegenden Erfindung stellt also eine Anodenschicht
bereit, die eine Dielektrizitätskonstante
besitzt, die der normalen Dielektrizitätskonstante (d. h. 28) mal
dem Verhältnis
der C.V-Produkte/cm2 gleich ist. (58,9/11,2)(28)
= ungefähr 147,
mehr als 5mal so groß wie
die normale Dielektrizitätskonstante.
-
Beispiel 11
-
Aufgrund des verhältnismäßig hohen VF (Verlustfaktors),
der bei der Schicht beobachtet wurde, die in Beispiel 10 beschrieben
ist, wurde angenommen, dass die erhöhte Dielektrizitätskonstante
das Ergebnis der Nichtstöchiometrie
des Oxids aufgrund der Gegenwart eines Überschusses an Tantalionen
in der Schicht (aufgrund der verhältnismäßig hohen Geschwindigkeit der
Tantalionen-Einimpfung in die Schicht während des Anodisierens mit
Elektrolyten der vorliegenden Erfindung) sein könnte. Um jegliche mögliche Nichtstöchiometrie zu
korrigieren, wurde der Abschnitt aus Beispiel 10 in einen herkömmlichen
Anodisierungselektrolyten von 85°C
eingetaucht.
90 Volt wurden 25 Minuten lang angelegt.
Anfangsstrom
= 0,82 Milliamp.
Nach 25 Minuten, Strom = 0,12 Milliamp.
-
Die Kapazität wurde dann wie in Beispiel
10 gemessen:
100-Hz-Kapazität
= 1,058 Mikrofarad (VF = 2,88%).
oder
21% über
dem normalen Wert, der für
anodisches Tantaloxid erhalten wurde.
-
Die REM-Untersuchung von Anodenschichten,
die mit den Elektrolyten und Verfahren der vorliegen Erfindung gebildet
wurden, zeigt, dass diese Schichten verhältnismäßig glatt, gleichmäßig und
im allgemeinen frei von den blasenartigen Ausbuchtungen sind, die
in Schichten vorhanden sind, die in herkömmlichen Elektrolyten gebildet
wurden. Dies gilt ganz besonders für dickere Schichten, deren
Herstellung mit herkömmlichen Elektrolyten
und Anodisierungstechniken Potentiale von Hunderten Volt erfordern
würden.
-
Beispiel 12
-
Um die Benutzung der vorliegenden
Erfindung für
die schnelle Herstellung von dicken Oxidschichten auf Ventilmetallen
zu veranschaulichen, wurde ein Abschnitt der Klasse I, handelsübliches
reines Titan, in einem Elektrolyten anodisiert, der aus 2 Gew.-%
zweibasigem Kaliumphosphat, gelöst
in Glycerin, bestand. Die Temperatur wurde zwischen 125°C und 190°C variiert.
Die Anodisierungsdauer betrug 6 Stunden, 3,5 Stunden davon bei 150°C oder höher. Die
angelegte Spannung betrug 100 Volt, um ein schnelles Schichtwachstum
zu erhalten, und diese Spannung einem ungefähr 10mal so großen Strom
wie dem, der mit Tantal bei 20 bis 30 Volt über den Temperaturbereich von
150°C bis
180°C erhalten
wurde. Diese 10mal so große
Geschwindigkeit des Schichtwachstums führte zu der Herstellung einer
sehr dicken Schicht (annähernd
10mal so groß wie
die maximale Dicke für
Beispiel Nr. 5). Die REM-Untersuchung der Anodenschichtoberfläche enthüllte die
Abwesenheit von Blasen oder größeren Defekten,
was für
eine dielektrische Schicht dieser Dicke bemerkenswert ist.
-
Beispiel 13
-
Eine Lösung von 98 Gew.-% Glycerin
und 2 Gew.-% zweibasigem Kaliumphosphat wurde 2 Stunden lang bei
180 bis 185°C
vorgetrocknet. Auf einem Tantalabschnitt wurde durch Eintauchen
des Abschnitts in die wärmebehandelte
Lösung
und Anlegen von 30 Volt für
3,5 Stunden eine Anodenschicht wachsen lassen. Die Temperatur der
Lösung
wurde bei 180 bis 185°C
gehalten. Es wurde festgestellt, dass die Dicke der Oxidschicht
größer war
als 40.000 Angström
oder > 2.000 Volt
bei 85°C
entsprach. Mit herkömmlichen
Be schichtungsverfahren konnte diese Dicke nicht erzielt werden.
Bei herkömmlichen
Beschichtungsverfahren werden erfolgreich höchstens 600 bis 700 Volt erzeugt.
Die vorliegende Erfindung ermöglicht
funktionelle Beschichtungen, die mindestens 3mal so dick sind wie
die vorheriger Verfahren.