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Fachgebiet
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Die
Erfindung betrifft eine Antithrombin III-unabhängige, Heparin-Cofaktor II
(im Folgenden HCII)-vermittelte Hemmung der Thrombinerzeugung sowie
die Hemmung der alternativen klassischen und terminalen Wege der
Komplementaktivierung; insbesondere betrifft die Erfindung ein chemisch
sulfatiertes Dermatansulfat, das hauptsächlich aus disulfatierten Disaccharid-Dermatanketten besteht,
die die Thrombinerzeugung und Komplementaktivierung hemmen.
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Hintergrund
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Zustände oder
Krankheiten, die durch eine übermäßige Thrombinerzeugung
gekennzeichnet sind, wie tiefe Venenthrombose (im Folgenden DVT)
oder destruktive vaskuläre
glatte Muskelzellen (im Folgenden VSMC)-Proliferation, können lebensbedrohlich sein
und erfordern eine wirksame Behandlung. Das Trauma führt sowohl
zu Gefäßschädigung als
auch VSMC-Proliferation,
was Gefäßstenose,
Restenose und Hyperplasie sowie Aktivierung der Blutkoagulation
verursacht. Gefäßrestenose,
Hyperplasie und Aktivierung der Blutkoagulation können lebensbedrohlich
sein beim Auftreten nach Gefäßtransplantation,
Herztransplantation, Ballon- oder Laser-Angioplastie, traumatischer Arterienverletzung,
Reparatur von Muskel-Arterien
nach chirurgischem Eingriff, Langzeitverbleib von Arterienkathetern, invasiven
arteriellen Diagnoseverfahren, Nieren-, Lungen- oder Lebertransplantaten
oder Bypass-Operationsverfahren.
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Beispielsweise
tritt DVT häufig
vor einer lebensbedrohlichen Komplikation, der Lungenembolie (im Folgenden
PE), auf. Der Großteil
der PE(s) und insbesondere der Großteil von tödlichen PEs folgen einer asymptomatischen
DVT. Die epidemiologischen Daten zeigen, dass die DVT-Quote jedes
Jahr etwa 160 pro 100.000 in der allgemeinen Bevölkerung beträgt, wobei
die Quote der tödlichen
PEs etwa 60 pro 100.000 beträgt.
Somit ist die medizinische Fachwelt bestrebt, DVT zu behandeln und
seine Komplikationen zu verhindern. Idealerweise verhindert eine
zufrieden stellende Behandlung von DVT PE, die Ausweitung des Thrombus,
des venösen
Gangräns
und der Gelenkverluste, das symptomatische Wiederauftreten von Thrombose, das
schwere postthrombotische Syndrom und das progressive Anschwellen
des Beins aufgrund eines verstärkten
Kompartimentdrucks, der zu anschließender Phlegmasia caerulea
dolens führt.
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Als
Beispiel für
die Schwere des Problems tragen Patienten, die eine Art von gewählter Operation
erfahren, ein hohes Risiko der Entwicklung eines postoperativen
venösen
Thromboembolismus. Es ist bekannt, dass ohne präoperative Prophylaxe eine hohe
Inzidenz für
DVT, vielleicht so hoch wie 50 %, den Hüften-Totalersatz mit einer
in der Folge hohen PE-Quote begleitet. Allerdings sind Antikoagulantien
zur Prävention
von Morbidität
und Mortalität
bei der Behandlung von DVT wirksam (European Consensus Report; 1992),
da es bekannt ist, dass Antikoagulantien im Allgemeinen und Heparin
im Besonderen DVT und tödliche
PE bei Operationspatienten im Allgemeinen reduzieren können. Heparin,
ein Glycosaminoglycan (im Folgenden GAG) mit potenten gerinnungshemmenden
Eigenschaften, ist ein heterogenes Gemisch von variabel sulfatierten
Polysaccaridketten mit einem Molekulargewicht zwischen etwa 5.000
bis etwa 30.000 Dalton, die aus Widerholungseinheiten von D-Glucosamin
und entweder L-Iduron- oder D- Glucuronsäureresten
bestehen. Darum gibt eine gut durchdachte Verfahrensweise vor, dass
der Patient vor dem operativen Eingriff eine gerinnungshemmende
Prophylaxe, im Allgemeinen Heparin, erhält, die typischerweise 7 bis
10 Tage postoperativ fortgeführt wird.
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Weitere
lebensbedrohliche Komplikationen treten nach dem operativen Eingriff
zur Reparatur von Gefäßschäden auf.
Eine schwerwiegende Form von Gefäßschäden, die
Atherosklerose, verursacht nahezu 50 % der gesamten Mortalität in Nordamerika,
aufgrund einer verschiedenartigen Ansammlung von Krankheiten, einschließlich Herzanfall,
Schlaganfall und Gangrän
der Extremitäten.
Im Allgemeinen verursacht eine übermäßige inflammatorisch-fibroproliferative
Reaktion auf verschiedene Formen von Endothel- und Arterienwandverletzung
die atherosklerotischen Läsionen.
Häufig
ist die Behandlung der Wahl zur Bekämpfung von Atherosklerose der
chirurgische Eingriff, was zu über
1,5 Millionen Bypass-Transplantations-, Endarterektomie- und perkutanen
transluminalen Angioplastie- (im Folgenden PCTA)-Verfahren führt, die
jährlich
in Nordamerika durchgeführt
werden. Leider reduziert, obwohl die unmittelbaren Wirkungen des
Verfahrens für
den Operationspatienten günstig
sind, in vielen Fällen
die spätere
Beschleunigung des arteriosklerotischen Prozesses nach dem Eingriff
stark die Langzeitwirksamkeit des operativen Eingriffs. Insbesondere
die VSMC-Proliferation in der Intima führt häufig zu Stenose und Okklusion
des Lumens des Gefäßes. Beispielsweise
ist die Restenose-Quote nach PCTA in den ersten drei bis sechs Monaten
nach dem Verfahren so hoch wie 40 %. Im Falle der über 200.000
Bypass-Transplantate, die jährlich
durchgeführt
werden, versagen innerhalb von fünf
Jahren zwischen 40 bis 60 % aufgrund proliferativer und okklusiver
Veränderungen,
die die VSMC-Proliferation
einschließen.
Ferner ist die VSMC-Proliferation für mehr als 50 % des Herztransplantat-Versagens
innerhalb von fünf
Jahren verantwortlich. Demnach besteht ein Bedarf für Zusammensetzungen
und Verfahren zur Verminderung der Beschleunigung der nach kardiovaskulären Verfahren
auftretenden arteriosklerotischen Prozesse.
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Arzneimittel
oder andere Behandlungen, die in die Wachstums-beschleunigende Aktivität, die eine
VSMC-Proliferation verursacht, eingreifen, würden den Fortschritt des atherosklerotischen
Prozesses verlangsamen. Da es bekannt ist, dass Thrombin eine sehr
wirksame VSMC-Wachstums-beschleunigende
Aktivität
ausübt
und unter bestimmten Bedingungen innerhalb der Gefäßwand vorhanden
sein kann, sind Thrombin-Inhibitoren
die ersten Kandidaten zur Verlangsamung des atherosklerotischen
Prozesses. Unter den Zusammensetzungen, die die Wirkung von Thrombin
beeinflussen, sind handelsübliche
Heparine (Castellot, J.J. J. Cell Biol. 102: 1979–84 (1986)),
die Thrombin sowohl in vitro als auch in vivo hemmen. Heparin wird
auch als sehr wirksames Antiproliferativum betrachtet, das Thrombin
besser hemmt, als jedes andere GAG in vitro (Castellot, J.J. J.
Cell Biol. 90: 3722 (1981)). Allerdings existieren nur wenige Beweise,
die letztere Möglichkeit
in der klinischen Fassung zu stützen.
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Ferner
unterliegt Heparin vielen Einschränkungen, hauptsächlich aufgrund
seiner potenten gerinnungshemmenden Aktivität. Beispielsweise verursachen
die hohen Dosen an Heparin (>200
Einheiten/kg (im Folgenden U/kg), die > 3 Antithrombin-Einheiten/ml Plasma erzeugen),
die zur Durchführung
der erfolgreichen kardiopulmonalen Bypasses (im Folgenden CPB)-Operation
und zur Aufrechterhaltung der CPB-Pumpen-Durchgängigkeit erforderlich sind,
eine lokale oder ausgiebige Hämorrhagie,
die zur Patienten-Morbidität beiträgt. Ein übermäßiger postoperativer
Blutverlust und das sich daraus ergebende Erfordernis der Bluttransfusion
sind gut dokumentierte Nebenwirkungen, an denen Patienten leiden,
die sich einer CPB-Operation unterziehen. (Woodman, R.D., Harker,
L.A., Bleeding Complications Associated with Cardiopulmonary Bypass, Blood
76(9): 1680 (1990); Dietrich, W., et. al., The Influence of Preoperative
Anticoagulation on Heparin Response during Cardiopulmonary Bypass,
J. Thorac. Cardiovasc. Surg. 102: 505 (1991)). Lebensbedrohliche Blutungen
werden bei zwischen 5 bis 25 % der Fälle berichtet, und es wird
geschätzt,
dass die operierenden Ärzte
etwa 3 % der CPB-Patienten aufgrund von operativen Blutungen wieder öffnen müssen. Die
Blutungskomplikationen beruhen nicht nur auf operativen Blutungen,
sondern auch auf einer Verdrängung
von Heparin aus verschiedenen Plasmaproteinen, was zu einer verlängerten
systemischen Koagulationshemmung und zu einer inhibitorischen Wirkung
von Heparin auf die Plättchenfunktion
führt.
Die Verabreichung einer exakten Menge von Heparin-Antagonist in
Form von Protamin kehrt die gerinnungshemmende Wirkung von Heparin um
und verhindert einen übermäßigen Blutverlust
zum Zeitpunkt der Kanülen-Entfernung.
Allerdings ist die Protaminverabreichung in kritischer Weise Dosis-empfindlich,
und auch eine Protaminverabreichung in einem moderaten Überschuss
verursacht zahlreiche alarmierende und potentiell tödliche Nebenwirkungen,
einschließlich
Thrombozyten-Aggregationshemmung,
Verlängerung
der aktivierten partiellen Thromboplastindauer (im Folgenden APTT)
und Verlängerung
der systemischen Hypotension und der pulmonalen Hypertension. (Ireland,
H., Rylance, P.B., Kesteven, P., Heparin as an Anticoagulant During
Extracorporeal Circulation, Heparin, David A. Lane and Ulf Lindahl
(Hrsg.); 549–74
(1989)). Eine Umfrage von 1985 unter Perfusions-Experten gab die "Protaminreaktion" als häufigsten
Perfusionszwischenfall bei CPB-Verfahren an, die bei zweidrittel der
Fälle vollständig festgestellt
wurde. (Kuruz, 6th Annual Meeting of Pathophysiology
and Extracorporeal Technology, San Diego, CA (1986)). Darum stellt
CPB ein ausgezeichnetes in vivo Modell zur Bewertung des Beitrags,
den die Kandidaten-Verbindungen oder -Verfahren auf die Verschlimmerung
oder Verbesserung der antithrombotischen Aktivität und der Blutungskomplikationen
ausüben,
bereit.
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Heparin
wurde bisher auch zur Behandlung von Komplementsystem-Anomalien eingesetzt.
Das Komplementsystem spielt bei der Wirtsabwehr sowohl durch Zerstörung von
eindringenden Organismen als auch durch Entzündungsmediation bei der Wirtsabwehr
eine fundamentale Rolle. Komplement-Anomalien sind ungewöhnliche
Zustände,
die durch einen Mangel oder durch eine Dysfunktion eines der mehr
als neunzehn, normalerweise sich gutartig verhaltenden Proteine,
die etwa 10 % der Globuline in normalem menschlichem Serum ausmachen,
gekennzeichnet sind. Patienten mit Komplementfehlern oder mit komplementären Dysfunktionen
können
als Ergebnis von übermäßigen entzündlichen
Reaktionen auch gegenüber
Gewebsverletzungen empfindlich sein. Außerdem löst die Komplementaktivierung
im Laufe der Genesung von einer zeitweisen Blutgefäß-Okklusion
oder bei der Reaktion auf einen kardiopulmonalen Bypass während einer
Herzoperation Gewebeschäden über diejenigen
hinaus aus, die durch die Initialverletzung verursacht werden. Es
hat sich gezeigt, dass Heparin die Aktivität der alternativen klassischen
und terminalen Komplementwege durch Regulierung von C1, C1-Inhibitor,
C4-Bindungsprotein, C3b, Faktor H und Protein S in einem Modell
hemmt, das die in vivo Komplementhemmeigenschaften vorhersagt. (Edens,
R.E., Lindhardt, R.J., Bell, C.S., Weiler, J.M., Heparin and Derivatized
Heparin Inhibit Zymosan and Cobra Venom Factor Activation of Complement
in Serum, Immunopharmacol. 27: 145153 (1994)). Allerdings trägt die gerinnungshemmende
Aktivität
von Heparin zu einem erhöhten
Blutungsrisiko, Risiko von Elektrolyt-Verschiebungen und zu Thrombozytopenie
bei.
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Bei
einem Versuch, der Thrombusbildung und Blutung, die durch die systemische
Verabreichung von Heparin während
der CPB-Operation verursacht werden, entgegenzuwirken, wurden Verfahren
für die
ortsspezifische Verabreichung von Heparin entwickelt, die das Aufbringen
von antithrombotischen Verbindungen auf mit Blut wechselwirkende
Biomaterialien umfassen. Die antithrombotische Verbindung kann entweder
ionisch oder kovalent auf eine polymere Biomaterialoberfläche gebunden
sein. Ein Hauptnachteil mit Polymeren, die mit den derzeit erhältlichen
Heparinformulierungen beschichtet sind, ist die begrenzte Wirksamkeit
von Heparin. Darum ist es von Bedeutung, neue Beschichtungszusammensetzungen
zu entwickeln, die die antithrombotische Aktivität optimieren, während sie
zufrieden stellend und reproduzierbar auf eine Vielzahl von Materialien,
wie natürliche
Polymere und synthetische Kunststoffe, aufgebracht werden. Idealerweise
führen
solche neuen Zusammensetzungen zu einer vollständigen Bedeckung der mit Blut
wechselwirkenden Oberflächen
eines medizinischen Gegenstands.
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Heparin
ist ein Naturprodukt und, wie es auf viele Produkte zutrifft, die
aus verschiedenen biologischen Quellen erhalten werden, kann Heparin
in seiner Struktur, insbesondere im Sulfatierungsgrad variieren.
Die selektive O-Sulfatierung
verstärkt
die Aktivität
von einigen Heparinen und Heparin-artigen GAGs. Das Wal-Heparin,
mit beispielsweise einem geringen O-Sulfatierungsgrad, kann als Tributylammoniumsalz
in Dimethylformamid selektiv 6-O-sulfatiert werden (Uchiyama, H.,
Metori, A., Ogamo, A., Nagasawa, K.J. Biochem. 107: 377 (1990);
Ogamo, A., Metori, A., Uchiyama, H., Hagasawa, K. Carboh. Res. 193:
165–172
(1989)), um seine gerinnungshemmende Aktivität zu erhöhen. Pyridiniumsalze von Heparinsulfat;
ein weiteres GAG mit einem geringen N- und O-Sulfatierungsgrad, wurden zur Erhöhung der
biologischen Aktivität
ebenfalls bereits sulfatiert (Ofosu, F.A., Modi, G.J., Blachman,
M.A., Buchanan, M.R., Johnson, E.A. Biochem. J. 248: 889 (1987)). Alternativ
wurden auch GAGs, die in Wasser oder in Formamid löslich sind
(Kiss, J. Helv. Chimica. Acta. 50: 1423 (1967); Griffin, C.C., Stevenson,
J.R., Foley, K.M. XIVth Int. Carbohydr. Symp., Stockholm (1988)),
durch Behandlung mit Pyridin oder Trialkylaminschwefeltrioxidkomplexen,
wobei Letztere aufgrund ihrer Stabilität bevorzugt sind, sulfatiert.
(Levy, L., Petacek, F.J. Proc. Soc. Exp. Biol. Med. 109: 901 (1962)).
Die Erhöhung des
Sulfatierungsgrades verbessert die katalytischen Wirkungen von Dermatansulfat
(im Folgenden DS) auf die Hemmung von Thrombin durch HCII im Plasma.
(Ofosu, F.A., Modi, G.J., Smith, L.M., Cerskus, A.L., Hirsch, J.,
Blajchman, M. A. Blood 64: 742–47
(1984)). Andere Studien haben ein Potential als antithrombotische
Arzneimittel für
leicht übersulfatierte
Dermatansulfat-Derivate nahe gelegt. (Maaroufi, R.M., Tapon Bretaddiere,
J., Mardigurian, J., Sternberg, C., Dautzenberg, M.D., Fischer,
A.M., Influence of the Oversulfation Method and the Degree of Sulfation
on the Anticoagulant Properties of Dermatan Sulfate Derivatives.
Thromb. Res. 59: 749–758
(1990)). Allerdings hat keines dieser übersulfatierten GAGs gezeigt,
dass es die für
Heparin in der klinischen Einstellung vorstehend aufgezeigten Schwierigkeiten
behebt.
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Neuere
Studien stellen weiteren Praktiken zum Ersatz von Heparin als Thrombin-Inhibitor
bereit. Beispielsweise kann Thrombin in vitro an Fibrin binden.
Dieses Binden beeinträchtigt
die Fähigkeit
von Heparin zur Katalyse der Thrombinhemmung signifikant (Hogg,
D.J., Jackson, C.M., Fibrin Monomer Protects Thrombin from Inactivation
by Heparin antithrombin III: Implications for Heparin Therapy, Proc.
Natl. Acad. Sci. 86: 3619–238
(1989)), da Heparin sowohl an die hochaffine Stelle auf ATIII als
auch an die anionische Thrombin-Exo-Stelle – die gleiche Stelle, an die
Thrombin Fibrin bindet -, um die Thrombinhemmung zu katalysieren – binden
muss. Darum beeinträchtigt
an Fibrin gebundenes Thrombin den Zugang der Exo-Stelle zu Heparin/ATIII
und vermindert die Wirkung von Heparin als Thrombin-Inhibitor sehr
stark.
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Die
Verwendung von Heparin gestattet komplexe vaskuläre operative Verfahrensweisen.
Allerdings ist, wie aus der obigen Diskussion gesehen werden kann,
Heparin insbesondere bei systemischer Verabreichung nicht der ideale
Arzneimittelkandidat zur Hemmung der Thrombose, Prävention
von beschleunigter Arteriosklerose, die ein VSMC-Wachstum einschließt, oder
Hemmung der Komplementaktivierung, die die vaskulären Verfahren
und Organtransplantate begleitet.
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Ein
viel versprechender Ersatzkandidat für Heparin ist Dermatansulfat,
ein Heparin-artiges GAG, auch als Heparin- oder Chondroitinsulfat
B bekannt. Dermatansulfat ist ein Polysaccharid, bestehend aus sich
wiederholenden Uronsäure->N-Acetyl-D-galactosamindisacchariden,
die über
alternierende 1,3- und 1,4-Verknüpfungen
verbunden sind. In Abhängigkeit
von seinem Ursprung und seinem Herstellungsverfahren kann es ein
Molekulargewicht von so hoch wie 50.000 Dalton aufweisen. Ursprünglich wird
es als Polymer gebildet, das aus sich wiederholenden Uronosyl->N-Acetyl-D-galactosamindisaccharid-Einheiten,
die an das Kernprotein über
eine Glucuronosyl->Galactosyl->Galactosyl->Xylosyl-Verknüpfungsregion
angeknüpft
sind, besteht. Da die Monomerkomponenten von Dermatansulfat Saccharide
sind, sind sie der Epimerisierung zugänglich. Insbesondere bei der
Biosynthese von Dermatansulfat werden einige der D-Glucuronsäurereste
an C-5 epimerisiert, was sie in L-Iduronsäurereste überführt, worauf die O-Sulfatierung von
N-Acetyl-D-Galactosamin, hauptsächlich
am C-4, allerdings auch am C-6, folgt. Dermatansulfat besitzt typischerweise
Schwefel- und Stickstoffgehalte zwischen etwa 6,2 bis 6,9 % bzw.
zwischen etwa 2,4 bis 2,9 % (Seikagaku America, Inc. 3 (1989)), was
strukturell ein monosulfatiertes Dermatandisaccharid, das hier als
Dermatansulfat (DS) bezeichnet wird, widerspiegelt.
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Es
wurde gezeigt, dass allein die Dermatansulfat- und Chondroitinsulfatkomponenten
im Knorpel für das
Kationenbindungsvermögen
verantwortlich sind, dass die Kationenbindungsreaktionen vom Ionenaustauschertyp
sind und dass verschiedene Kationen unterschiedliche Affinitätsgrade
gegenüber
Knorpel aufweisen. (Dunstone JR, Ion-Exchange Reactions Between
Acid Mucopolysaccharides and Various Cations. Biochem J. 85: 336–351 (1962)).
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In
Tiermodellen hat sich gezeigt, dass DS ein sehr wirksames antithrombotisches
Mittel mit geringem Hämorrhagie-Risiko
ist. (Fernandez, F., Van Rijn, J., Ofosu F.A., Buchanan, M.R., The
Hämorrhagic
and Anthrombotic Effects of Dermatan Sulfate, Brit. J. Haematol.
64: 3 (1986)). Eine Dosis von 500 μg/kg DS hemmt die Thrombusbildung
genauso wie eine 70 μg/kg
Dosis an Heparin. Bei höheren
Dosen war die Blutungsmenge aus einem standardisierten Einschnitt
in einem Kaninchenohr mit Heparin viel stärker als mit DS, was zeigt, dass
DS als Antikoagulans wirksamer und sicherer ist als Heparin, was
nahe legt, dass DS klinisch geeignet ist, um die Thrombusbildung
zu hemmen, ohne eine massive Hämorrhagie
auszulösen.
Zusätzlich
besitzt DS eine geringe in vitro Wirkung auf die Plättchen,
und es kann das bis zu 40-Fache der antithrombotischen Dosis von
DS in Kaninchen injiziert werden, ohne dass sich die Blutung verstärkt. (Fernandez
F., Van Rijn, J. Ofosu, F.A., Hirsch, J., Buchanan, M.R., The hämorrhagic
and antithrombotic effect of dermatan sulfate. Br. J. Haematol.
64: 309-1 (1986)). Ferner hat sich gezeigt, dass DS die Hemmung
von Thrombin in vitro wirksam katalysiert, ohne Rücksicht
darauf, ob es Fibrin-gebunden oder frei ist (Okwusidi, J.I., Anvari,
N., Kulczycky, M., Blajchman, M.A., Buchanan, M.R., Ofosu, F.A.,
In vivo Catalysis of Thrombin Inhibition by Antithrombin III or Heparin
Co-factor II and Antithrombotic Effect: Differential Effects of
Unfractionated Heparin and Dermatan Sulfate, Thomb. Haemorrh. Disorders.
1: 77-8013 (1990)), und dass es in vivo sowohl das Thrombin- als
auch das Fibrin-Wachstum auf vorgeformten Kaninchenthrombi effektiver
hemmt als Heparin. DS (30 U/kg) hat auch gezeigt, dass es die Hyperplasie
der primären
und sekundären
Verletzung der Karotidarterien in einem Kaninchenmodel, in dem Heparin
(150 U/kg) keine Wirkung besaß,
hemmt (Buchanan M.R., Brister S.J. Inhibitor of Injured Vessel Wall
Restenosis with Acute Thrombin Inhibtion. Relative Effects Of Heparin
and Dermatan Sulfate. Bk of Abst. Joint Conf Arteriosklerosis, Thrombosis,
Vascular Biol, Salt Lake City, UT. S. 18 (18.–20. Feb 1987)).
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DS
aktiviert spezifisch HCII, ein Plasmaprotease-Inhibitor, der Thrombin
hemmt, allerdings keine anderen an der Hämostasis beteiligten Proteasen.
(Tollefsen, D.W., Majerus, D.W., Blank, M.K., Heparin Cofactor II.
Purification and Properties of a Heparin – Dependent Inhibitor of Thrombin
in Human Plasma, J. Biol. Chem. 257:2162-9 (1982)). HCII wird durch
die DS-Fraktionen,
die 12 oder mehr Reste lang sind, die eine Octasaccharidsequenz
enthalten, die zum Binden an den Inhibitor erforderlich ist, aktiviert.
Eine Hexasaccharidkomponente in DS mit hoher Affinität gegenüber HCII
wurde bereits identifiziert. (Tollefsen, D.M., In: Lane, D.A., Bjurk,
I., Lindahl, U (Hrsg.), Heparin and Related Polysaccharides. Plenum
Press, New York, Ss. 167-7 (1992)).
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DS
hemmt Thrombin über
einen ATIII-unabhängigen
Weg durch die beschleunigte HCII-abhängige Hemmung von Thrombin.
Ofosu., F.A., Modi, G.J., Blachman, M.A., Buchanan, M.R., Johnson,
E.A. Biochem. J. 248: 889 (1987)). DS enthält eine gewisse Menge an übersulfatierten
Sequenzen (IdoA2S-GaINAc4S) und (IdoA-GaINAc4S6S), neben der monosulfatierten
Disaccharid-Hauptsequenz (IdoA-GaINAc4S). Die Konzentration der übersulfatierten
Sequenzen in natürlich
vorkommendem DS korreliert mit der HCII-vermittelten Hemmung von
Thrombin. (Mascellani, G., Liverani, L., Prete, A., Guppola, P.A.,
Bergonzini, G., Bianchini, P., Relative Influence of Different Disulphate
Disaccharide Cluster on the HCII-mediated Inhibition of Thrombin
by Dermatan Sulfates of Different Origins, Thromb. Res. 74: 605-1517 (1994)). Es
wurde nahe gelegt, dass der L-Iduronsäuregehalt in DS mit der verstärkten Thrombinhemmung
korreliert. (Whinna H.C., Choi H.U., Rosenberg L.C., Church F.C.
Interaction of Heparin Cofactor II with Biglycan and Decorin, J.
Biol Chem. 268: 3920 – 3924
(1993), DS weist eine geringere spezifische gerinnungshemmende Aktivität als Heparin
auf, wie durch einen Vergleich ihrer Aktivitäten gezeigt. Im Vergleich mit
Heparin, 150 U/mg, besitzt DS eine Aktivität von weniger als 5 U/mg, wie
durch APTT gemessen. (Thomas, D.P., Merton, R.E., Barrowcliffe,
T.W., Relative Efficacy of Heparin and Related GAGs as Antithrombotic
Drugs, Ann. N. Y. Acad. Sci. 556: 313–22 (1989)). Es hat sich gezeigt,
dass DS ein wirksames Antikoagulans ist zur DVT-Prophylaxe bei Patienten,
die sich einer orthopädischen
Wahl-Operation unterziehen, zur Prävention der Thrombusbildung
bei Patienten, die sich einer Hämodialyse
unterziehen, und im Experiment zur Durchführung eines erfolgreichen kardiopulmonalen
Bypasses bei erwachsenen Schweinen. (Van Rijn, J., McKenna, J.,
Dermatan Sulfate: A New Concept in Antithrombotic Therapy, Diss.
Abstr. Int. B 53: 5662 (1993)); (Ryan, K.E. Lane, D.A., Flynn, A.,
Ireland, H., Boisclair, M., Sheppard. J., Curtis, J.R., Antithrombotic
Properties of Dermatan Sulfate (MF701) in Haemodialysis for Chronic
Renal Failure. Thom Haemostas 68: 563 (1992); (Brister S.J., Ofosu,
F.A., Heigenhauser G.L.F., Gianese, F., Buchanan M.R., Is Heparin
the Ideal Anticoagulant for Cardiopulmonary Bypass? Dermatan Sulphate
May Be an Alternate Choice. Thom Haemostas 71: 468–73 (1994)).
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Wie
wirksam DS auch immer im Labor ist, verursacht es leider praktische
klinische Probleme aufgrund seiner geringen spezifischen biologischen
Aktivität,
kombiniert mit hoher Viskosität
und schlechter Löslichkeit. Darum
ist die Verabreichung von DS mühsam
und unpraktisch.
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Es
wurde nun gefunden, dass die biologische Aktivität von DS typischerweise mit
einer Sulfatgruppe pro Disaccharid durch Addition einer weiteren
Sulfatgruppe wesentlich erhöht
werden kann. Es wurde ferner gefunden, dass die resultierende Zusammensetzung,
Dermatandisulfat (im Folgenden DDS), die hauptsächlich aus sich wiederholenden
disulfatierten Disaccharidresten besteht, nicht nur ein wirksamer
Thrombininhibitor in vivo ist, sondern auch die Komplementaktivierung
wirksam hemmt und die Gefäßwand-Hyperplasie dämpft. Dies
trifft besonders für
DDS zu, das hauptsächlich
aus L-Iduronsäure->4,6-Di-O-sulfatierten-N-acetyl-D-galactosamin-Einheiten
(IdoA-GaINAc4S6S) besteht. Außerdem
wurde gefunden, dass DDS während CPB
die Thrombinerzeugung wirksamer hemmt als Heparin.
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Wie
bereits festgestellt wurde, umfasst DS hauptsächlich monosulfatierte Monomere,
obwohl einige Monomere in natürlich
vorkommendem DS übersulfatiert
sind. Diejenigen DS-Polymere mit hohem L-Iduronsäuregehalt wurden mit der erhöhten Thrombinhemmung
korreliert. (Whinna, H.C., Choi, H.U., Rosenberg, L.C., Church,
F.C., Interaction of Heparin Cofactor II with Biglycan and Decorin,
J. Bio. Chem. 268: 392S3924 (1993)). Es wurde weiterhin vorgeschlagen,
dass die Erhöhung
des Sulfatierungsgrades von DS die katalytischen Wirkungen der Hemmung
von Thrombin durch HCII im Plasma verbessert. (Ofosu, F.A., Modi,
G.J., Smith, L.M., Cerskus, A.L., Hirsch, J., Blajchman, M.A. Blood
64: 742–47
(1984)). Weitere Studien an leicht übersulfatierten Derivaten von
DS haben ihr Potential als antithrombotische Arzneimittel nahe gelegt.
(Maaroufi, R.M., Tapon Bretaddiere, J., Mardiguian, J., Sternberg,
C., Dautzenberg, M.D., Fischer, A.M., Influence of the Oversulfation
Method and the Degree of Sulfation on the Anticoagulant Properties
of Dermatan Sulfate Derivatives, Thromb. Res. 59: 749–758 (1990)).
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Eine
lineare Korrelation wurde im Gehalt der disulfatierten Disaccharidreste
und der HCII-vermittelten Aktivität für die Dermatansulfatfraktionen,
die bis zu 20 % 2,4-O-disulfatierte Disaccharide (IdoA2S-GaINAc4S) enthalten,
festgestellt. Wenn allerdings der Gehalt von 2,4-O-disulfatierten
Disaccharidresten gering war, vermochten es auch beträchtliche
Konzentrationen an 4,6-O-disulfatierten Disaccharidresten (IdoA-GaINAc4S6S) nicht,
zur Antithrombinaktivität
beizutragen. (Mascellani, G., Liverani, L., Prete, A., Bergonzini,
G., Bianchini, P., Torri, G., Bisio, A., Guerrini, M, und Casu,
B., Quantitation of Dermatan Sulfate Active Site for Heparin Cofactor
II by H-Nuclear Magnetic Resonance Spectroscopy, Anal. Biochem.
223: 135–141
(1994)). Andere Studien schreiben Dermatansulfatfraktionen, die
etwa 3 % 4,6-O-disulfatierte Dissacharidsequenzen enthalten, prinzipiell
eine hohe HCII-vermittelte Hemmung der Thrombinerzeugung zu. (Linhardt,
R.J., Desai, U.R., Liu, J., Pervin, A., Hoppensteadt, D., Fareed,
J., Low Molecular Weight Dermatan Sulfate as an Antithrombin agent,
Biochem. Pharmcol. 47: 1241-1252 (1994)). Neuerdings wurde nahe
gelegt, dass die 4-O-Sulfatierung der N-Acetyl-D-galactosaminreste für die gerinnungshemmende
Aktivität
von DS wesentlich ist und dass die Struktur, die an HCII bindet,
die 4-O-sulfatierten-L-Iduronsäure->4-O-sulfatierten-D-Galactosaminsequenzen
wiederholt. Pavao, M.S.G., Mourao, P.A.S., Mulloy, B., Tollefsen,
D.M., J. Biol. Chem. 270: 31027–36
(1995)).
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Rindermucosa
und Schweinehaut sind die Hauptquellen für kommerzielle Dermatansulfat-Präparationen,
die 2,4-O-disulfatierte Disaccharidreste enthalten (Mascellani,
G., Liverani, L., Prete, A., Bergonzini, G., Bianchini, P., Torri,
G., Bisio, A., Guerrini, M. und Casu, B., Quantitation of Dermatan
Sulfate Active Site for Heparin Cofactor II by H-Nuclear Magnetic
Resonance Spectroscopy, Anal. Biochem. 223: 135–141 (1994)). Aus Schweinemucosastammende
Dermatansulfate besitzen typischerweise auch 4,6-O-disulfatierte Disaccharidreste
(Mascellani, G., Liverani, L., Prete, A., Bergonzini, G., Bianchini,
P., Torri, G., Bisio, A., Guerrini, M, und Casu, B. Anal. Biochem.
223: 135–141
(1994); Linhardt, R.J., Desai, U.R., Liu, J., Pervin, A., Hoppensteadt,
D., Fareed, J., Low Molecular Weight Dermatan Sulfate as an antithrombin
agent, Biochem. Pharmcol. 47: 1241–1252 (1994)). Ein GAG aus
Tintenfischknorpel, das auch als Chondroitinsulfat E bekannt ist,
besteht hauptsächlich
aus 4,6-O-disulfatierten Disaccharidresten. Allerdings besteht es
hauptsächlich
aus D-Glucuronsäure->4,6-O-disulfatierten
N-Acetyl-D-galactosamineinheiten (Kawai, Y., Seno, N., Anno, K.,
J. Biochem. 60: 317 (1966)) statt aus L-Iduronsäure->4,6-O-disulfatiertem N-Acetyl-D-galactosamin
(IdoA-GaINAc4S6S).
-
Der
Sulfatierungsgrad ist eine bedeutende funktionelle Eigenschaft,
die wesentlich zu der gerinnungshemmenden Wirkung von DS und anderen
Heparin-artigen GAGs beiträgt.
In DS ist die Galactosamineinheit typischerweise O-sulfatiert, und
O-Sulfatgruppen sind oft in der 4-Position und gegebenenfalls in
der 6-Position zugegen. Die 2- und/oder 3-Position von Iduronsäure sind
gegebenenfalls ebenso sulfatiert.
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FR-A-2,584,728
offenbart die Herstellung von Fragmenten von Dermatansulfatnatriumsalz.
Offenbart ist außerdem
auch die Herstellung von sulfatiertem Dermatansulfatnatriumsalz.
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Offenbarung der Erfindung
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Es
wurde nun gefunden, dass Dermatansulfat (DS) typischerweise mit
einer Sulfatgruppe pro Disaccharid mindestens ein ebenso wirksames
Antikoagulans ist wie Heparin, dass es die Thrombinerzeugung wirksamer
verhindert als Heparin und die intimale Hyperplasie wirksamer dämpft als
Heparin. Wir fanden, dass diese biologischen Aktivitäten durch
die Addition einer zusätzlichen
Sulfatgruppe wesentlich verbessert werden können. Es wurde ebenfalls gefunden,
dass das resultierende Dermatandisulfat (DDS), das hauptsächlich aus sich
wiederholenden L-Iduronsäure->4,6-O-disulfatierten Disaccharidresten
besteht, nicht nur ein wirksamer Thrombininhibitor ist, sondern
auch die Komplementaktivierung wirksam hemmt.
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Ein
Aspekt der Erfindung besteht in einem Verfahren zur Hemmung der
Thrombinerzeugung durch Verabreichung einer Zusammensetzung, die
eine wirksame Menge von Dermatandisulfat (DDS) enthält, das aus
sich wiederholendem L-Iduronsäure->N-acetyl-D-galactosamindisaccharid
mit mehr als 2 Sulfatgruppen pro Disaccharid besteht.
-
Ein
weiterer Aspekt der Erfindung ist eine Zusammensetzung, die eine
wirksame Menge an Dermatandisulfat (DDS) enthält, das aus mehr als etwa 75
% sich wiederholenden L-Iduronsäure->4,6-O-disulfatierten N-Acetyl-D-galactosamindisaccharid-Einheiten
und einem Molekulargewicht zwischen etwa 5.000 und etwa 30.000 Dalton
besteht.
-
Ein
weiterer Aspekt der Erfindung ist eine Formulierung, die eine wirksame
Menge an Dermatandisulfat (DDS) enthält, das aus sich wiederholenden
L-Iduronsäure->N-Acetyl-D-galactosamindisaccharid-Einheiten
mit mehr als 2 Sulfatgruppen pro Disaccharid besteht.
-
Kurze Beschreibung der
Zeichnungen
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Die
Einzelheiten unserer Erfindung werden im Zusammenhang mit den beigefügten Zeichnungen
beschrieben. Es zeigen:
-
1 ein
Diagramm der chemischen Zusammensetzung eines typischen Disaccharids
in der erfindungsgemäßen DDS-Zusammensetzung;
-
2 das
H-NMR-Spektrum bei 500 MHz in D2O der DS-Zusammensetzung;
-
3 das
H-NMR-Spektrum bei 500 MHz in D2O der erfindungsgemäßen DDS-Zusammensetzung;
-
4 eine
graphische Darstellung der Komplementhemmung in Prozent vs. Konzentration
durch DS, DDS und Heparin;
-
5 eine
graphische Darstellung der aktivierten Gerinnungszeiten (ACT) in
Schweinen, die 400 U/kg Heparin, 25 U/kg Heparin und DDS erhielten,
während
und nach CPB;
-
6 graphische
Darstellungsänderungen
in den TAT- und T/HCII-Spiegeln
vs. Zeit in einem Schwein, das eine CPB mit DDS-Gerinnungshemmung erfuhr;
-
7 eine
graphische Darstellung der Antithrombinaktivität vs. Zeit in einem Schwein,
das 400 U/kg Heparin, 25 U/kg Heparin und DDS erhielt, während und
nach CPB; und
-
8 eine
graphische Darstellung der Antithrombinaktivität (Anti-IIa) vs. Zeit, während CPB
bei Schweinen, die entweder Heparin oder DDS erhielten.
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Beste Weise zur Durchführung der
Erfindung
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Dermatansulfat
(DS) bezieht sich auf eine Präparation,
die auf die herkömmliche
Weise zur Herstellung von DS aus Geweben erhalten, anderweitig synthetisiert
oder aus dem Handel erhalten wurde. DS ist dadurch gekennzeichnet,
dass es eine geringe oder keine ATIII-verwandte Aktivität und in
vitro eine HCII-verwandte gerinnungshemmende Aktivität aufweist.
Die Biosynthese epimerisiert einige der D-Glucoronsäurereste
an C-5 und wandelt sie in L-Iduronsäurereste um. Anschließend wird
N-Acetyl-D-galactosamin
primär
an C-4 und sekundär
an C-6 O-sulfatiert. Die Fachwelt versteht die Abfolge der an der
biosynthetischen Epimerisierung und Sulfatierung beteiligten Schritte
gut. Säugergewebe,
beispielsweise Säugerhaut,
die, falls gewünscht,
menschliches Gewebe einschließt,
dient als Quellen für
DS. Im Allgemeinen sind vaskularisiertes Gewebe und Haut vom Schwein
oder Rind als Quellen für
DS bevorzugt, wobei die Darmmucosa die bevorzugte kommerzielle Quelle
für DS
bereitstellt. Im Allgemeinen wird das DS-Ausgangsmaterial aus der
gewählten
Gewebequelle dadurch hergestellt, das man das Gewebe einer Hydrolyse
unterzieht und die Polyanionen durch Anionenaustauscherchromatographie
und anschließendes
selektives Ausfällen
von DS mit Kupfersulfat sammelt.
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Unter
Bezugnahme auf 1 ist nun ein erfindungsgemäßes Dermatandisulfat
(DDS) gezeigt, das ein Gemisch von Dermatanpolymerketten umfasst,
die hauptsächlich
verknüpfte
disulfatierte Disacchariddimere enthalten, die durch chemische Sulfatierung
von nativem DS erhalten wurden. Vorzugsweise umfassen die erfindungsgemäßen Polymere
sich wiederholende L-Iduronsäure->N-Acetyl-D-galactosamindisaccharid-Einheiten
mit mehr als 2 Sulfatgruppen pro Disaccharid. Es ist auch bevorzugt,
dass die erfindungsgemäßen Polymere
sich wiederholende L-Iduronsäure->N-Acetyl-D-galactosamin-4,6-O-disulfatierte Disaccharideinheiten umfassen.
Vorzugsweise besitzen die erfindungsgemäßen Polymere ein Molekulargewicht
im Bereich zwischen etwa 5.500 bis etwa 37.500 Dalton, vorzugsweise
zwischen etwa 5.000 bis etwa 30.000 Dalton, entsprechend etwa 16
bis etwa 100 Monosaccharideinheiten in den Polymerketten.
-
DDS
mit einem Molekulargewicht von weniger als etwa 30.000 Dalton wird
vorzugsweise durch Spalten längerkettiger
Polysaccharide entweder (1) durch Sulfatierung eines Fragments des
nativen Dermatansulfats (DS) oder (2) durch Depolymerisation des
DDS erhalten.
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Die
Dermatanketten werden durch eine Vielzahl von enzymatischen und
chemischen, der Fachwelt bekannten Verfahren depolymerisiert, einschließlich derjenigen,
wobei (1) Chondroitinase die nativen Dermatansulfatverknüpfungen
zwischen N-Acetylgalactosamin und Uronsäure unter Bildung von Oligosacchariden,
die 4,5-ungesättigte
Uronsäurereste
am nicht reduzierenden Ende tragen, spaltet (Linhardt, R.J., In:
Current Protocols in Molecular Biology, A Varki, Hrsg. 2:17.13.17-17.13.32 (1995);
(2) Ester der Iduronsäure-Carboxylgruppen
von Dermatan der Eliminierung (Kiss, J., Adv Varbohydr Chem. Biochem,
29:229-303 (1974)) bei alkalischem pH (Mardiguian, J.S., U.S. Patentschrift
4.440.926 (1984)) unter Bildung von 4,5-ungesättigter Uronsäure am nicht-reduzierenden Ende
unterzogen werden; (3) nicht sulfatierte Uronsäurereste von Dermatanen durch
Oxidation mit Periodat gespalten und anschließend die resultierenden Dialdehyde
mit Borhydrid reduziert und unter milden sauren Bedingungen hydrolysiert
werden (Wolfrom, M.L., Wang, P.Y., Honda, S., Carbohydr Res. 11:179
(1969)), wodurch somit mit dem Rest der nicht sulfatierten Uronsäure Endgruppen
erzeugt werden; (4) die glycosidischen Bindungen der Dermatane durch
einen Radikalmechanismus unter Verwendung von Wasserstoffperoxid
gespalten werden, was als oxidative reduktive Depolymerisation bekannt
ist (Gilbert, D.L., Gershman, R., Ruhm, K.B., Price, W.E., J. Gen
Physiol, 41:989 (1958)); (Pigman, W., Hawkins, W., Grauling, E.,
Rizi, S., Holley, H., Arch Biochem Biophys, 89:184 (1960)); (Pigman,
W., Rizi, S., Biochem Biophys Res Comm 1:39 (1959)), was zu Fragementen
mit reduzierenden Endgruppen führt
und (5) Dermatanketten gleichzeitig mit der Sulfatierung durch die
Wirkung eines Gemisches von Schwefelsäure und Chlorsulfonsäure gespalten
werden (Naggi, A., Torri, G., US-Patentschrift 4,727,063 (1988)).
Die erfindungsgemäßen Polymere
besitzen eine nennenswerte ATIII-unabhängige Antithrombinaktivität, die durch
die Wirkung von HCII vermittelt wird.
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Im
Allgemeinen wird DDS vorzugsweise durch Sulfatieren von nativem
Dermatansulfat (DS) synthetisiert. Handelsüblich erhältliches DS, gelöst in einem
polaren Lösungsmittel,
vorzugsweise einem polarem Lösungsmittel,
wie Wasser oder Formamid, oder einem aprotischen polaren Lösungsmittel,
wie Dimethylformamid, wird mit einem Sulfatierungsmittel, Vorzugsweise
einem milden Sulfatierungsmittel, wie Tri-Niederalkylamin-Schwefeltrioxidkomplex,
wobei Niederalkyl hier im Folgenden so definiert ist, dass es Alkylreste
von fünf oder
weniger Kohlenstoffatomen einschließt, bei einer Temperatur zwischen
etwa –20° bis 100 °C zwischen etwa
einer bis 48 h behandelt. Sämtliche
Iduronsäurereste,
die nicht entweder 2-Sulfat oder 3-Sulfat oder beides enthalten, und Galactosaminreste,
die kein 4-Sulfat oder 6-Sulfat enthalten, wären darum gegenüber der Sulfatierung
empfindlich; allerdings werden die empfindlichen Galactosaminreste
viel schneller als die Iduronsäurereste
sulfatiert, was der Reaktion einen hohen Selektivitätsgrad verleiht.
Dieser Selektivitätsgrad
gestattet die Herstellung besonders aktiver DDS-Antikoagulans-Formulierungen.
Das hergestellte DDS kann ein Salz bilden. Bevorzugte Kationen für die Salzbildung
sind aus der Gruppe ausgewählt,
umfassend Barium-, Calcium-, Kupfer-, Lithium-, Natrium-, Kalium-,
Zink- und Ammoniumionen, ausgewählt
aus der Gruppe, die aus NR1R2R3R4 + besteht,
wobei die R-Gruppen die gleichen oder verschiedene Niedrigalkylgruppen
oder Wasserstoff sein können.
Es ist bevorzugt, dass das Reaktionsgemisch durch Ladungsdichtefraktionierung
gereinigt wird. DDS kann auch zum Einbau reaktiver Gruppen derivatisiert
werden, um sein Binden an mit Blut wechselwirkende Vorrichtungen
durch reduktive Aminierung zu ermöglichen. Bei einer Ausführungsform
ist es bevorzugt, dass DDS mit einem Amin, vorzugsweise mit einem
Amin, das Strahlungspfropfen auf mit Blut wechselwirkende Biomaterialien
gestattet, komplexiert wird.
-
DDS
kann durch elektrostatische Mittel zum "Kleben" an Biomaterialien gebracht werden.
Quaternäre Ammoniumsalze
können
an adsorptive Oberflächen
binden und können
darum zum Überziehen
von Biomaterialien, die mit Blut in Kontakt kommen, verwendet werden.
Die positiven Aminreste von primären,
sekundären und
tertiären
Aminen und quaternären
Ammoniumverbindungen binden die negativen Sulfatreste von DDS elektrostatisch.
Quaternäre
Ammoniumsalze, die aus der Gruppe ausgewählt sind, die aus NR1R2R3R4 + besteht, wobei
zwischen einer und vier der R-Gruppen
die, gleichen oder verschiedene Arylgruppen, Alkylgruppen sein können, mit
der Maßgabe,
dass mindestens eine Gruppe ein Alkyl mit mehr als 8 Kohlenstoffatomen oder
Wasserstoff ist. Quaternäre
Ammoniumsalze, wie Benzalkoniumchlorid ein Alkyldimethylbenzylammoniumchlorid,
wobei die Alkylgruppe von C8 bis C18 reicht, sind für diese
Funktion bevorzugt. Alkylreste mit 16 bis 18 Kohlenstoffatomen besitzen ähnliche
Bindungseigenschaften, ohne Rücksicht
darauf, welche anderen Reste an die Amingruppe gebunden sind. Die
Verminderung der Anzahl von Kohlenstoffen an den Alkylgruppen auf
12 ergibt eine wesentliche Abnahme im Grad der Tensid-Kunststoffoberflächen-Fixierung.
Mit quaternären
Ammoniumsalzen komplexierte DDS binden aufgrund ihrer sehr wirksamen
oberflächenaktiven
Eigenschaften physikalisch an adsorptive Oberflächen und können somit verwendet werden,
um künstliche
Materialien, die den Blutstrom kontaktieren, zu überziehen. Copolymere von Aminen
und DDS können
durch Gammastrahlen, ein aus der Technik bekanntes Verfahren der
Strahlungspfropfung, ebenfalls irreversibel an Polymere gebunden
werden.
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Bei
einer bevorzugten Synthese wird ein Reaktionsgemisch in Formamid
gelöst,
das im Handel erhältliches
DS in einer Konzentration zwischen etwa 2,5 % bis 25 % (Gew./Vol.),
allerdings vorzugsweise von etwa 7,5 (Gew./Vol.) enthält, und
mit dem Trimethylaminschwefeltrioxidkomplex für mehr als 4, vorzugsweise
mehr als 6 h inkubiert wird. Während
die Reaktion bei etwa 10 °C
und 30 °C,
vorzugsweise bei etwa Raumtemperatur gut abläuft, kann eine niedrigere Temperatur
zur Verstärkung
der Reaktionsselektivität
bevorzugt sein. Der bevorzugte Bereich von Temperaturen kann im
Bereich zwischen etwa –10 °C und 60 °C liegen.
Die resultierende Zusammensetzung enthält modifizierte disulfatierte
(und trisulfatierte) Disaccharide von Molekulargewichten im Bereich
zwischen etwa 5.000 bis 35.000 Dalton mit einer mittleren Kettenlänge zwischen
etwa 16 bis 100 Monosaccharid-Einheiten, wobei mindestens 75 % der
Reste mehr als 2 Sulfatgruppen pro Disaccharid aufweisen, und einer
HCII-vermittelten
in vitro Antithrombinaktivität,
je nach mittlerem Molekulargewicht, von etwa 25 bis 125 U/mg. In
einer typischen Präparation
wird die HCII-vermittelte
Antithrombinaktivität
der im Handel erhältlichen
DS-Präparation,
die für
die Synthese verwendet wird (im Allgemeinen etwa <10 U/mg), mehr als
zweifach, vorzugsweise mehr als 8-fach auf zwischen etwa 25 bis
125 U/mg, je nach Molekulargewicht, erhöht. Die Hemmung der Thrombinerzeugung
und Komplementaktivierung durch die Präparation ist auf gravimetrischer
Grundlage größer als
diejenige des ursprünglichen
nativen DS.
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Die
so synthetisierte Zusammensetzung DDS ist als allgemeines Antikoagulant
für Blut
geeignet und kann somit bei der Sammlung und Analyse von Blut in
vitro als Überzug
auf Biomaterialien, die Blut kontaktieren, oder therapeutisch, wobei
die Hemmung der Thrombinerzeugung und/oder die Hemmung der Komplementaktivierung
erwünscht
ist, verwendet werden. DDS besitzt vorzugsweise eine Anti-IIa-Aktivität im Bereich von
zwischen etwa 25 bis 125 U/mg, und mehr bevorzugt von größer als
75 U/mg.
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Die
antithrombotischen erfindungsgemäßen DDS-Zusammensetzungen
sind bei therapeutischen Anwendungen zur Behandlung von Zuständen oder
Krankheiten geeignet, die durch eine übermäßige Erzeugung von Thrombin- und Komplementaktivierung
gekennzeichnet sind. Diese Zustände
treten häufig
auf, wo das Individuum einem Trauma ausgesetzt war, wie im Falle
von Operationspatienten. Das durch Wunden oder Operation verursachte
Trauma führt
nicht nur zu einer Gefäßschädigung und
sekundären
glatten Muskelzellproliferation, die zu vaskulärer Restenose und Hyperplasie
führt,
sondern auch zur Aktivierung der Blutgerinnung.
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Diese
unerwünschten
Ergebnisse können
nach einer Gefäßtransplantation,
traumatischer penetrierender Herzverletzung, postoperativer Reparatur
von Muskelarterien, Langzeitverbleib von Arterienkathetern, invasiven
arteriellen Diagnoseverfahren, Nieren-, Lungen- oder Lebertransplantaten
und Bypassoperationsverfahren auftreten. Die Wirksamkeit von DDS
zur Behandlung der oben aufgeführten
Zustände
kann unter Anwendung von Schweine- und/oder Kaninchenmodellen getestet
werden.
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Die
Wirkungen von DS und Heparin auf Hyperplasie wurden beispielsweise
folgendermaßen
getestet: Kaninchen-Karotidarterien wurden durch Fluiddruck-Dilatation
verletzt. Die Hälfte
der Tiere wurde während zwei
Stunden vor/nach der Verletzung mit 30 U/kg DS oder mit 150 U/kg
Heparin behandelt. Vier Wochen später wurden die Tiere getötet und
der Grad der verletzten Gefäßwand-Hyperplasie
wurde unter Anwendung eines computergestützten Bildanalysators histologisch
bestimmt. Die andere Hälfte
der Tiere wurde zum Zeitpunkt der ersten Verletzung nicht behandelt,
sie wurden allerdings genesen gelassen. Zwei Wochen später wurden
diese Tiere anästhesiert
und beide verletzten Karotidarterien (nun aufgrund von Hyperplasie
okkludiert) wurden isoliert. Eine Karotid-Endarterektomie wurde
an jedem okkludierten Gefäß unter
Wiederherstellung des Blutflusses durchgeführt. Zum Zeitpunkt der zweiten
Verletzung wurde jedes Tier mit DS oder Heparin, wie vorstehend
beschrieben, behandelt und für
weitere vier Wochen genesen gelassen. Diese Tiere wurden getötet und
die Gefäßwand-Hyperplasie wurde
bestimmt. DS dämpfte
die Gefäßwand-Hyperplasie
in beiden Verletzungsmodellen. Heparin besaß keine Wirkung.
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Für alle diese
Krankheiten und Zustände
ist die Verabreichung von geeigneten Mengen der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen
geeignet. Bevorzugte Verabreichungsweisen umfassen die in vivo Verabreichung
durch parenterale Verabreichung, adventitiale Verabreichung, intraluminale
Verabreichung an die Gefäßwand und
Implantation der Zusammensetzung. Sie kann auch ex vivo angewandt
werden. Die Verabreichung erfolgt über typische Wege und umfasst
allgemein die systemische Verabreichung, wie durch Injektion. Besonders
bevorzugt ist die intravenöse
Injektion, da eine kontinuierliche Injektion über lange Zeiträume leicht fortgeführt werden
kann. Ebenfalls bevorzugt ist das Einbringen in das Gefäßsystem über intraluminale
Verabreichung oder durch adventitiale Verabreichung unter Verwendung
osmotischer Pumpen. Typische Implantate enthalten biologisch abbaubare
Materialien, wie Kollagen, Polyacetat und Polylactat/Polyglycosidgemische, die
vorzugsweise als Pflaster oder Perlen formuliert sind.
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Die
typische Dosierung reicht von etwa 0,1 – 5 mg/kg/h auf konstanter
Basis während
eines Zeitraums zwischen etwa 5 bis 30 Tagen, vorzugsweise zwischen
etwa 7 bis 14 Tagen. Die besonders bevorzugte Dosierung beträgt etwa
0,3 mg/kg/h, oder es können
im Falle eines 70 kg schweren Erwachsenen auch andere konventionellere
Verabreichungsweisen angewandt werden. Die subkutane oder intramuskuläre Injektion
bei geringerer Dosis oder die orale Verabreichung bei einer etwas
höheren
Dosis als die intravenöse
Injektion oder die transmembranöse
oder transdermale oder eine andere topische Verabreichung für eine lokale
Verletzung kann ebenfalls wirksam sein. Die lokale Verabreichung über eine
kontinuierlich freisetzende Vorrichtung, wie eine Trägermatrix,
vielleicht eingeschlossen in ein Gefäß-Transplantatmaterial ist
besonders geeignet, wo die Stelle des Traumas zugänglich ist.
Formulierungen, die für
die zuvor genannten Verabreichungsweisen geeignet sind, sind aus
der Technik bekannt, und ein geeignetes Kompendium von anderen Formulierungen
wird bei Remington's
Pharmaceutical Sciences, Mack Publishing Company, Easton, PA, neuste
Ausgabe, gefunden.
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Die
erfindungsgemäßen DDS-Zusammensetzungen
können
auch unter Anwendung herkömmlicher Verfahren,
einschließlich
von radioaktivem Markieren, Fluoreszenzmarkieren, Chromophore oder
Enzyme, biologisch markiert werden. Die DDS-Zusammensetzungen können auch
in einem kompetitiven Test auf die antithrombotische Menge in einer
biologischen Probe verwendet werden. Antikörper, die mit DDS spezifisch
immunreaktiv sind, können
durch gut bekannte herkömmliche
Verfahrensweisen hergestellt und zweckmäßigerweise als Markierungen
für die
obigen Tests eingesetzt werden.
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BEISPIELE
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Die
Erfindung kann unter Bezugnahme auf die folgenden erläuterten
Beispiele der bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung besser verstanden werden. Die Beispiele sollen die
Erfindung erläutern
und den Umfang der Erfindung keinesfalls einschränken.
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BEISPIEL 1
-
Dieses
Beispiel zeigt die Herstellung von Dermatandisulfat (DDS).
-
Unter
konstantem Rühren
wurden 67 g natives Dermatansulfat (Celsus Laboratories, Cincinnati,
Ohio, Chargen Nr. D1-10494) mit einem mittleren Molekulargewicht
von 36.000 Dalton und einer optischen Rotation von –62° einem Heparintest
von 5 U/mg und einer HCII/Anti-IIa-Aktivität von 7 U/mg in 900 ml Formamid,
das zuvor über
4-Å-Molekularsieben
getrocknet wurde, solubilisiert. Anschließend wurden dem Reaktor 100
g (32 mmol) Trimethylaminschwefeltrioxid zugesetzt, der mit einem
Calciumchloridtrockenrohr vor Feuchtigkeit geschützt war. Das Gemisch wurde
24 h bei 60 °C
umgesetzt. Das Reaktionsprodukt wurde in 1 l 95 % Ethanol übergeführt und
30 min vor Zugabe von 5 bis 10 l 1 % wässriger Natriumchloridlösung 30
min gehalten. Der pH-Wert wurde auf neutral eingestellt und die
Lösung
sterilisiert, entfärbt
und gegen 5 Volumina 1 % wässriges Natriumchlorid
(bis sämtliches
freies Trimethylamin aus dem Reaktionsgemisch entfernt war) und
anschließend
mit 2 Volumina gereinigtem Wasser diafiltriert. Das Produkt wurde
konzentriert und lyophilisiert und ergab 58 g DDS. Tabelle 1 zeigt
die Eigenschaften des aus der Reaktion isolierten DDS. TABELLE
1 (Typische
Eigenschaften von Dermatandisulfat)
| mittleres
MW | 28.000 |
| optische
Rotation | –41,3 ° |
| Heparintest,
U/mg | 10 |
| Stickstoff,
% | 1,80 |
| Gesamtschwefel,
% | 8,24 |
| Anti-IIa,
U/mg | 88 |
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Anti-IIa-Aktivität – Die HCII-vermittelte
Antithrombinaktivität
von DDS wurde durch 180 s Inkubieren bei 37 °C von 80 μl einer Probenlösung, die
0,3 ml Probe (5,345 μg/ml)
und 0,1 PEU gereinigten menschlichen Heparincofaktor II (verkauft
von Celsus Laboratories, Cincinnati, Ohio, Katalog-Nr. 44405) enthielt,
mit 20 μl gereinigtem
menschlichen Thrombin (7,5 NIH-Einheiten/ml) bestimmt. Anschließend wurden
50 μl chromogenes
Substrat (2,5 μmol/ml
Ethyl-Malonyl-Pro-Arg-pNA, verkauft von Celsus Laboratories als
Chromogenic THII, Cat.Nr. 01505) zugesetzt, und die amidolytische
Thrombinaktivität
wurde bei 405 nm gemessen. Die Messungen wurden an einem ACL 300
Plus (Instrumentation Laboratory, Lexington, MA) durchgeführt und
als Vergleich zu dem USP-Heparinreferenzstandard K-3 (U.S. Pharmakopö-Konvention,
Inc., Rockville MD) berechnet.
-
Mittleres
Molekulargewicht – Das
mittlere Molekulargewicht wurde durch Auflösen von Proben bis 0,8 % Gew./Vol.
in 0,5 M Natriumchlorid bestimmt. Die Auslaufzeit in Sekunden wurde
mit einem Ostwald-Kapillarviskosimeter in einem auf 25 °C äquilibrierten
Wasserbad gemessen, und das Molekulargewicht wurde wie bereits beschrieben
berechnet.
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Stickstoff
und Schwefel – Der
Stickstoff- und Schwefelgehalt wurden durch Elementaranalyse (ASTM 5291
bzw. D4239) von Galbraith Laboratories (Knoxville, TN) bestimmt.
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NMR-Analyse – Proben
von DS und DDS wurden für
H-NMR vor einer etwa 5 % (Gew./Vol.)-Verdünnung mit D2O
(Deuteriumoxid) ausgetauscht. Die H-NMR-Spektren wurden mit einer digitalen
Auflösung
von 0,24 Hz und bei 60 °C
aufgezeichnet, um zu verhindern, dass das HOD-Signal die breiten
Signale von δ 4,64 bis
4,74 überlappt.
Die Spektren von DS und DDS sind in den 2 bzw. 3
gezeigt. Obwohl im Allgemeinen ähnlich,
unterscheiden sich die beiden Spektren bei 4,1 und stellen für DDS einen
erhöhten
Gehalt von 4,6-O-disulfatiertem-N-acetyl-D-galactosamin dar. 2 zeigt,
dass DS ein typisches natives DS ist, das nur Iduronsäurereste
enthält
und anscheinend vollständig
4-O-sulfatiert ist. 3 zeigt, dass DDS ebenfalls
vollständig
4-O-sulfatiert ist (δ 4,9),
allerdings auch fast vollständig
6-O-sulfatiert ist
(δ 4,1)
und eine kleine Menge 2-O-sulfatierte Iduronsäure (δ 5,25) und eine Spur 2,3-di-O-sulfatierte
Iduronsäure
(δ 5,48)
enthält.
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BEISPIEL 2
-
Dieses
Beispiel zeigt die in vitro Antithrombin III- und HCII-vermittelte
Hemmung der Thrombinerzeugung in Gegenwart von DDS oder Heparin.
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Blut
wurde aus menschlichen gesunden Freiwilligen gesammelt und in getrennte
Röhrchen,
die jeweils 25 Anti-IIa U/ml DDS oder Heparin enthielten, abgegeben.
Die in vitro Thrombinerzeugung war für beide Verbindungen ungefähr die gleiche.
Allerdings war die Mehrheit der Anti-IIa-Aktivität von DDS mit HCII verknüpft, während die
Mehrheit der Anti-IIa-Aktivität von Heparin
mit ATIII zusammenhing. Siehe Tabelle 2.
-
TABELLE
2 (erzeugtes
Thrombin in pmol)
-
BEISPIEL 3
-
Dieses
Beispiel zeigt die Komplement-inhibitorische in vitro Aktivität von DDS.
Heparin, DS und DDS wurden auf ihre Fähigkeit zur Regulierung des
klassischen Komplementweges, wie bereits beschrieben, getestet und
wurden in verschiedenen Konzentrationen von 0,15 bis 40 μg in 100 μl halbisotonischer
Veronal-gepufferter Salzlösung,
pH 7,5, enthaltend 0,1 Gelatine, 0,15 M Calcium, 0,5 mM Magnesium
und 2,5 % Dextrose (DGVB++), hergestellt
und in Röhrchen
auf Eis gegeben. Anschließend
wurde Meerschweinchen C2 (C2gp) vortitriert, um einen Durchschnitt
von 1 hämolytischem
Ereignis pro Zelle (Z/Lyse) zu erzeugen, zu jedem Röhrchen in
100 μl DGVB++
zugesetzt. Zuletzt wurden jedem Röhrchen 1 × 107 Schaf-Erythrocyten, die
Oberflächen-C1
und -C4 (EAC1,4b) enthielten, in 100 μl DGVB++ zugesetzt, und die
Röhrchen
wurden sofort in einem geschüttelten
Wasserbad bei 30 °C,
10 min (tmax) inkubiert. Sodann wurden jedem Röhrchen 0,3 ml Meerschweinchenkonzentrat
(GPC), verdünnt
in Gelatine-Veronal-gepufferter
Salzlösung,
die 40 mM Ethylendiamin enthielt, als Quelle der terminalen Komplementwegkomponenten
zugesetzt, und die Inkubation wurde 60 min lang bei 37 °C fortgesetzt.
Schließlich
wurden jedem Röhrchen
1,5 ml Salzlösung
zugesetzt (mit der Ausnahme der 100-%-Lyseröhrchen, die Wasser erhielten),
die Röhrchen
wurden geschüttelt
und zentrifugiert, und die Lyse wurde durch Bestimmung der Hämoglobinfreisetzung
bei 414 nm bewertet. Die Röhrchen,
die kein GAG oder keine GAG-Derivate enthielten, wurden als nicht-inhibierte
Kontrolle bezeichnet und waren so beschaffen, dass sie etwa 1 hämolytisches
Ereignis pro Zelle (1Z der Lyse) aufwiesen. Die Reagens-Blindprobe
und die 100-%-Lyseröhrchen
erhielten weder GAGs noch C2. Die Hemmung wurde auf der Basis der
Lyse der Zellintermediate (Z) in der Testprobe im Vergleich mit
den nicht gehemmten Kontrollröhrchen
berechnet.
-
Unter
Bezugnahme auf 4 ist nun ein Vergleich von
vier verschiedenen Arten von Antikoagulantien gezeigt. Es kann gesehen
werden, dass DDS im Wesentlichen die gleiche inhibitorische Aktivität wie Heparin, allerdings
beträchtlich
mehr Aktivität
als DS aufweist.
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BEISPIEL 4
-
Dieses
Beispiel zeigt die Verwendung von DDS im Vergleich zu Heparin und
DS bei einem CPB-Vorgang in einem erwachsenen Schwein.
-
Erwachsene
Yorkshire-Schweine (60–70
kg) wurden mit Ketamin anästhesiert,
intubiert und beatmet (Tidenvolumen 15 mg/kg, Rate 12–16 pro min).
Die Angemessenheit der Ventilation wurde kontinuierlich durch Messen
von pH-, pCO3- und pCO2-Spiegel
in Blutproben, die während
des Experiments nacheinander gesammelt wurden, aufgezeichnet. Die
Anästhesie
wurde mit Ethrane (Anaquest, Mississauga, Ontario) und intravenösem Somnotol
(MTC Pharmaceutical Cambridge, Ontario) aufrechterhalten. Die Paralyse,
wenn notwendig, wurde mit intravenösem Pancuronium (Abbott STD,
Abbott Laboratories, Saint Laurent, Quebec) aufrechterhalten. Die
bilateralen Femoralarterien- und Venenleitungen wurden zur Überwachung
des Blutdrucks inseriert, um zusätzliche
Blutproben zu sammeln und um Fluide und die Testverbindung zu verabreichen.
-
Der
CPB-Kreislauf bestand aus Polyethylenschlauch und Kanülen (Baxter
Health Care, Bentley Division, Irvine, CA), einem Membran-Oxygenator
mit Venenreservoir (Cobe CML, Cobe Canada Ltd., Scarborough, Canada)
und einem arteriellen Inlinefilter (Pall Stat Prime Blood filter,
Pall Biomedical Inc., Figuerido, Puerto Rico). Der Kreislauf wurde
mit Ringers Lactat initialisiert. Der Blutfluss wurde unter Verwendung
einer Sarns-Walzenpumpe (Modell-Nr.
5000, Sarns Inc. Ann Arbor, Michigan) reguliert, und die Körpertemperatur wurde
unter Verwendung eines Sarns 3M HeaterCooler (Modell-Nr. 48103)
aufgezeichnet.
-
Die
Schweine wurden anästhesiert
und wie vorstehend beschrieben, präpariert. Ihre Brustkästen wurden über eine
mediane Sternotomie geöffnet.
Anschließend
wurde den Schweinen entweder eine Bolusdosis (400 U/kg) Heparin
oder DDS verabreicht, das entweder als Bolus oder als Bolus plus
Infusion gegeben wurde. Die Verbindung wurde auch der Pumpeninitialisierung
in einer der erwartenden Plasmakonzentration entsprechenden Konzentration
zugesetzt, um jeden mit dem Start von CPB zusammenhängenden
Plasma-Verdünnungseffekt
zu vermeiden. Als nächstes
wurden die aortale und atriale Kanüle an Ort und Stelle befestigt,
und der CPB wurde gestartet.
-
Die
gerinnungshemmenden Aktivitäten,
der arterielle Widerstand, die Kreislauf-Okklusion und der Blutverlust
wurden wie folgt bewertet: Gerinnungshemmende Aktivitäten – Die gerinnungshemmende
Aktivität wurde
gemessen als i) Verlängerung
der aktivierten Gerinnungsdauer (ACT) und ii) Antithrombin und Antifaktor-Xa-Aktivitäten (U/ml)
in Blutproben, die unmittelbar vor der Injektion der Verbindung
gesammelt wurden, und in Blutproben, die während und bis zu 120 min post-CPB
nacheinander gesammelt wurden. Die ACT wurde in einem Hämocron R-400
(International Technidyne Corp., New Jersey) gemessen. Die Antithrombin-
und Antifaktor-Xa-Aktivitäten wurden
unter Verwendung von chromogenen Standardtests gemessen.
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Blutverlust – Der gesamte
Blutverlust an der operativen Eingriffsstelle in die Thoraxhöhle vor
und nach der Kanülen-Entfernung
wurde gesammelt und sein Volumen gemessen. Sämtliche Schwämme, die
zum Packen des Brustraumes post-CPB verwendet wurden, wurden in
1 l Wasser gegeben, um die roten Blutzellen zu lysieren. Anschließend wurde
die Menge an Blut durch Messen der Menge des in dem Wasser vorhandenen Hämoglobins
spektralphotometrisch bestimmt. Der gesamte Blutverlust wurde als
Summe dieser beiden Messungen berechnet.
-
Bewertung
der Thrombusbildung – Am
Ende des CPB und nach der Kanülen-Entfernung
wurde der CPB-Kreislauf von Blut abgetropft, und sämtliche
Komponenten wurden auf sichtbare Thrombi- und Fibrinstränge untersucht.
-
Thrombin/ATIII
(TAT)-Komplexe – Thrombin
ist ein Schlüsselenzym
bei der Pathogenese der Thrombose und wird gebildet, wenn Prothrombinase
Prothrombin in Thrombin- und Prothrombinfragmente spaltet. Nach
der Bildung im Plasma wird Thrombin durch eine natürlich vorkommende Antiproteinnase,
ATIII, unter Bildung eines Komplexes von Thrombin/ATIII (TAT) gehemmt
(Teitel, J.M., Bauer, K.A., Lau, H.K., Rosenberg, R.D., Studies
of the prothrombin activation pathway utilizing radioimmunoassay
for the F2/F1+2-fragment and thrombin-antithrombincomplex, Blood
59: 1086–97
(1990)). Es wurde gezeigt, dass die präoperativen TAT-Spiegel mit
dem Risiko der Entwicklung von DVT nach einer größeren Operation korrelieren.
Für die
Tests wurde Blut in ein Vacutainer-Rohr (Becton Dickinson-Nr. 6416);
Becton Dickinson, Mountain View CA), das 0,105 gepuffertes Citrat
enthielt, aufgezogen. Das Plasma wurde durch Zentrifugation bei
1700 × g
für 15
min bei 22 °C
sofort von den Zellelementen abgetrennt und bis zur Durchführung der
Chargen-Tests bei –70 °C in Aliquoten
eingefroren. Die TAT-Spiegel wurden unter Verwendung eines im Handel
erhältlichen
ELISA-Kits (Behringwerke, Marburg, Deutschland) gemessen.
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Thrombin/Heparin
Cofaktor II-Komplexe (T/H/CII) – Der
Heparin Cofaktor II (HCII) ist ein zweiter endogener Inhibitor von
Thrombin im menschlichen Plasma. Die DS/HCII-abhängige Hemmung von Thrombin unterdrückt die
Thrombusbildung, das Thrombuswachstum und die Hyperplasie in Kaninchen
wirksamer als Heparin/ATIII. Studien haben nahe gelegt, dass HCII
ein wirksamerer Inhibitor von Thrombin ist, das im Extravaskulärraum kompartimentalisiert
oder an die Oberfläche
einer verletzten Gefäßwand, eines
gebildeten Thrombus oder an eine künstliche Oberfläche gebunden
ist (VanRyn-McKenna J., Ofosu F.A., Gary E., Hirsh J., Buchanan
M.R. Effects of dermatan sulfate and heparin on inhibition of thrombus
growth in vivo, Ann NY Acad Sci; 556: 304 (1989)); (Ofosu F.A.,
Fernandez F., Gauthier D., Buchanan M.R. Heparin Cofactor II and other
endogenous factors in the mediation of the antithrombotic and anticoagulant
effects of heparin and dermatan sulfate. Semin Throm Haemost; 11:
133 (1985)); (Okwusidi J.I., Anvari N., Kulczycky M., Blajchman M.A.,
Buchanan M.R. Fibrin moderates the catalytic action of heparin but
not that of dermatan sulphate on thrombin inhibition in human plasma.
J Lab Clin Med; 117: 359 (1991)). Für die Tests wurde das Blut
auf die TAT-Spiegel untersucht.
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Bezogen
auf die spezifische (ATIII- + HCII-vermittelte) Anti-Thrombinaktivität von 10
Einheiten wurde ein 0,8 mg/kg Bolus von DDS (Charge-Nr. OD-00195, Celsus Laboratories,
Cincinnati, Ohio) an erwachsene Schweine (67 – 70 kg) und anschließend 2,4
mg/kg/h-Infusionen von DDS während
CPB für
90 min verabreicht, wobei somit insgesamt 4,4 mg/kg DDS verabreicht
wurden (dies ist mit einer typischen Dosis von 2,67 mg/kg Heparin
mit einer Aktivität
von 150 U/mg vergleichbar). Der CPB wurde trotz einer mäßigen Verlängerung
der aktivierten Gerinnungsdauer (ACT) auf 270 s während CPB
erfolgreich durchgeführt.
Diese ACT war mit minimalen Antithrombinspiegeln und nicht nachweisbaren
Anti-Faktor-Xa-Spiegeln verbunden. Wichtiger kehrte die ACT schnell
auf die Grundlinienmessungen zurück,
wenn die Infusion angehalten wurde (siehe 4). Die
Masse des während
CPB erzeugten Thrombins wurde durch HCII gehemmt, wie durch die
erhöhten
Spiegel von Thrombin/HCII (T/HCII)-Komplexen in 6 gezeigt.
Dies steht im deutlichen Gegensatz zu dem klinisch und experimentell
mit Heparin Festgestellten, wenn die ACTs um mehr als 700 s verlängert sind und
die TAT-Spiegel für
mindestens 24 h erhöht
bleiben, während
beim Absetzen von DDS sowohl die TAT- als auch T/HCII-Spiegel auf
die Grundlinie zurückkehrten.
Dieser Abfall in den TAT- und T/HCII-Spiegeln post-CPB legt nahe, dass DDS/HCII-Thrombin
wirksamer als Heparin/ATIII hemmt.
-
Vergleichsbeispiele – Insgesamt
12 Tieren wurden ein CPB angelegt, und ihnen wurden vor CPB-Beginn
1 bis 3 Behandlungen verabreicht.
| Serie
1 | DDS
25 |
| n=4 | Dermatindisulfat
25 U/kg Bolus, (2,5 mg/gk) (Celsus Laboratories, Cincinnati, Ohio,
Chargen-Nr. OD-00195) |
| Serie
2 | HEP
25 |
| n=4 | Heparin
25 U/kg Bolus (17 mg/kg) (Organon, Canada, Ltd., Toronto, Canada) |
| Serie
3 | HEP
400 |
| n=4 | Heparin
400 U/kg Bolus (2,7 mg/kg) (Organon, Canada, Ltd., Toronto, Canada)
(Dies ist die bei CPB, bei Menschen verwendete Standarddosis.) |
-
CPB
war sowohl in den mit hochdosiertem Heparin behandelten Tieren als
auch in den mit DDS behandelten Tieren erfolgreich; es waren nämlich während CPB
keine makroskopischen Gerinnsel in den Kreisläufen zu sehen, das Blut verblieb
post-CPB fluide, und die Tiere litten an keinen ungünstigen
Wirkungen. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu CPB in den mit
niedrig dosiertem Heparin behandelten Tieren, in denen während CPB
Gerinnsel sichtbar waren, das Blut in dem Kreislauf gerann, wenn
die Flüsse
beim Ablösen
des CPB herabgesetzt wurden, wodurch eine Rückkehr des CPB, falls notwendig,
unmöglich
gemacht wurde. Diese Notwendigkeit tritt etwa in 30 % der Fälle klinisch
ein. Ferner ist das geronnene Blut für den Patienten verloren, wodurch
sich das Risiko des post-operativen Blutens und die Verwendung von
homologen Blutprodukten erhöhen.
Der Blutverlust war in DD25- oder HEP25-Tieren im Vergleich zu HEP400-behandelten
Schweinen geringer. Siehe Tabelle 3.
-
TABELLE
3 (Brustkorbwandblutung,
ml/2h)
-
In
den DDS-behandelten Tieren überstieg
die ACT während
CPB 270 s nicht und kehrte innerhalb der zweistündigen Überwachungsdauer (5)
in den DDS behandelten Tieren auf normal zurück. Diese ACT hing mit einer
minimalen zirkulierenden Antithrombinaktivität zusammen (7).
Die TAT- und T/HCII-Spiegel erhöhten sich
während
der Dauer des CPB nicht (8). In den HEP25-behandelten
Tieren waren die Ergebnisse ähnlich.
Die ACT überstieg
während
CPB 260 s nicht (5), und wiederum hing sie mit
der minimalen zirkulierenden Antithrombinaktivität zusammen (7).
In HEP400 (menschliche klinische Standarddosis)-behandelten Tieren
war die ACT deutlich über
die Basislinie erhöht,
wie in der klinischen Situation gesehen. Dies hing mit einer nennenswerten
Antithrombinaktivität
zusammen (7). Die TAT- und T/HCII-Spiegel
erhöhten sich
während
CPB, waren allerdings sowohl in DDS25- als auch HEP25-behandelten
Tieren geringer (8).
-
Diese
Daten legen nahe, dass 1) DDS/HCII Thrombin wirksamer hemmt als
Heparin/ATIII; da mit DDS ein erfolgreicher CPB bei einer geringeren
systemischen gerinnungshemmenden Dosis erreicht wird und die Thrombinerzeugung
post-CPB mit DDS verbessert war, wohingegen dies mit Heparin nicht
der Fall war; und 2) diese Wirkung mit einer geringeren gerinnungshemmenden
Dosis erreicht werden kann, wodurch das Blutungsrisiko vermindert
wird.
-
BEISPIEL 5
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Dieses
Beispiel zeigt wie andere Salzformen von DDS gebildet werden.
-
Wie
es der Fachwelt bekannt ist, bestimmt die Salzform die Affinität für bestimmte
ionisierte Elektrolyten im Blut, die bei der Bestimmung der Blutgas-Bestandteile
kritisch sein können.
Das Natriumsalz der DDS-Zusammensetzung
von Beispiel 1 wird mit dem Chlorid eines unterschiedlichen Kations
zur Herstellung von anderen Salzformen oder Mischungen von verschiedenen
Salzen umgesetzt. Ein solcher Ionenaustausch mit der DDS-Zusammensetzung
kann durch Überleiten über ein
zuvor geladenes Kationenaustauscherharz, Aufschlämmen mit einer Chloridlösung und
anschließendes
Lösungsmittel-Ausfällen oder
Diafiltration gegen eine wässrige
Lösung,
die ein unterschiedliches Chlorid enthält, erreicht werden.
-
Alternativ
wird die erfindungsgemäße DDS-Zusammensetzung,
die im Allgemeinen in einer Natriumform vorliegt, als Ergebnis der
Neutralisation mit verdünntem
kaustischem Soda während
der Herstellung mit gereinigtem Wasser auf eine Konzentration zwischen
etwa 1 und 15 %, vorzugsweise etwa 7 % verdünnt und der Diafiltration über eine
Membran mit einem Molekulargewichtsausschluss von 1000 Dalton (PCAC
of Millipore Corporation, Bedford MA) in einem geeigneten Gerät (Pellican,
Millipore Corporation, Bedford, MA) unterzogen. Die Konzentration
an DDS wird durch kontinuierliche Zugabe von etwa 0,5 – 2,0 M
Calciumchlorid (eingestellt mit Calciumhydroxid auf pH 7,4) konstant
gehalten. Jeder Überschuss
an Calciumchlorid wird durch Diafiltration durch kontinuierliche
Zugabe von gereinigtem Wasser entfernt, und das Calciumsalz von DDS
wird durch Lyophilisation gewonnen. Eine typische Ausbeute bei der
Umwandlung ist größer als
90 %, mit mehr als 9,5 % Calcium und einem Natriumgehalt von weniger
als 1000 ppm, wie durch Flammenphotometrie bestimmt.
-
Der
gleiche Weg wird bei der Herstellung von anderen Salzen, einschließlich der
Ammonium-, Barium-, Kupfer-, Lithium-, Kalium- und Zinksalze, verwendet.
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BEISPIEL 6
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Dieses
Beispiel zeigt die Herstellung eines Fragments von Dermatansulfat
(DS).
-
Oxidative-reduktive
Depolymerisation von Dermatansulfat – 50 g natives DS (Celsus Laboratories, Cincinnati,
Ohio Charge Nr. DI-10394) mit einem mittleren Molekulargewicht von
35.000 Dalton, einem Schwefel- und einem Stickstoffgehalt von 2,0
bzw. 6,59 % und einem Heparintest von 4 U/mg wurde mit gereinigtem Wasser
auf eine Konzentration von 10 % (Gew./Vol.) verdünnt. Unter Rühren wurde
Duolite C-20 (Rohm & Hass,
Philadelphia, PA), das zuvor mit Chlorwasserstoffsäure regeneriert
wurde, zur Herabsetzung des pH-Wertes auf 2,5 zugesetzt, wonach
das Harz durch Filtration über
einen Büchnertrichter
entfernt wurde. Die DS-Lösung
wurde dann unter Rühren
auf 75 °C
vorgeheizt, und 10 ml 35 % Wasserstoffperoxid wurden zugesetzt,
anschließend
wurde 15 min bei 159 kPa (23 psi)-Druck sterilisiert. Nach Abschluss
des Zyklus wurde die Lösung
aus dem Sterilisator genommen, auf unter 40 °C abgekühlt und der pH mit kaustischem
Soda auf 6,5 – 7,0
eingestellt. 1 Volumen Ethanol wurde zur Ausfällung von DS zugesetzt. Der
Niederschlag wurde durch Trocknen in vacuo entfernt. Das depolymerisierte
DS hatte die folgenden Eigenschaften: TABELLE
4 (Typische
Eigenschaften eines Fragments von DS)
| Gewinnung,
g | 40 |
| mittleres
Molekulargewicht | 5,600 |
| Test,
U/mg | <2 |
| Stickstoff,
% | 2,42 |
| Gesamtschwefel,
% | 6,49 |
-
BEISPIEL 7
-
Dieses
Beispiel zeigt ein Verfahren zur Herstellung eines Fragments von
Dermatandisulfat (DDS).
-
DDS
kann an seinen Uronsäure-Carboxylgruppen
verestert und durch kontrollierte Eliminierung unter alkalischen
Bedingungen unter Anwendung dem Fachmann bekannten Vorgehensweisen
gespalten werden. Bei diesem Verfahren wird DDS durch Kontakt mit
einem hydrophoben quaternären
Ammoniumsalz, wie Hyamine 1622, in eine organische Lösungsmittellösliche Form übergeführt. Eine
Lösung
des Hyaminesalzes von DDS in einem Lösungsmittel, wie Dimethylformamid,
Benzyl (oder einem zweckmäßig substituierten
Benzyl)-chlorid wird zugesetzt, und die Substanzen werden 3 Tage
bei Umgebungstemperatur in Kontakt belassen.
-
Anschließend wird
ein gleiches Volumen einer 10%igen Natriumacetatlösung in
Methanol zugesetzt, und der gebildete Niederschlag wird durch Filtration
abgetrennt, mit Methanol gewaschen und unter Erhalt des Natriumsalzes
des DDS-Esters in vacuo getrocknet. Das Produkt wird durch die UV-Absorption
der Benzylgruppe bei etwa 200 nm charakterisiert. Der Benzylester
wird sodann unter Bedingungen, die der Fachwelt gut bekannt sind,
der alkalischen Eliminierung unterzogen.
-
Alternativ
wird DDS in 0,15 M Acetat – 0,15
M NaCl – 0,005
M CaCl – pH
6,9 gelöst.
Nach Zugabe von Polysaccharidlyase wird das Gemisch bei Umgebungstemperatur
inkubiert, bis die mittlere Molekülmasse des Disulfats auf etwa
5000 Dalton reduziert ist. Die Depolymerisation wird durch Erhöhung der
UV-Absorption bei 232 nm (aufgrund der Erzeugung einer Doppelbindung
am nicht reduzierenden Ende des Saccharids) und durch Messen der
mittleren Molekülmasse
des Polymergemisches durch Viskosimetrie aufgezeichnet.
-
BEISPIEL 8
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Dieses
Beispiel zeigt die Herstellung von Dermatansulfat (DS)- und Dermatandisulfat
(DDS)-Fraktionen.
-
Natives
Dermatansulfat (DS) kann fraktioniert und anschließend sulfatiert
werden. Die aus der Fachwelt bekannten Fraktionierungstechniken,
die auf DS und andere strukturell verwandte Glycosaminoglycane angewandt
werden (Lindhardt, R.J., Desai, U.R., Liu, J., Pervin A., Hoppensteadt
D., Fareed J., Low Molecular Weight Dermatan Sulfate As An Antithrombotic
Agent, Biochem Pharmacol 49: 1241:1252 (1994)), umfassen Lösungsmittelfraktionierung,
Ultrafiltration und Ionenaustausch, Affinitäts- und Gelchromatographie.
-
Ladungsdichtefraktionierung
von DS – Eine
7,5'' × 50''-Säule, die
Anionenaustauscherharz (Lewatit S-6238-A, Bayer, Pittsburgh PA)
enthielt, wurde mit Chlorwasserstoffsäure regeneriert, mit gereinigtem
Wasser, USP, sorgfältig
gespült
und mit 29 l 0,5 M NaCl äquilibriert.
Anschließend
wurden 400 g DS (Chargen-Nr. DI-10094, gelöst in 19 l 0,5 M NaCl) bei
einer Fließgeschwindigkeit
von 200 ml/min auf die Säule
aufgegeben. Anschließend
wurde die Säule
mit zusätzlichen
12 l 0,5 M NaCl gewaschen. Anschließend wurden 28 l DF-104-1 bei
200 ml/min gesammelt, gegen gereinigtes Wasser, USP, bis zu einer
Leitfähigkeit
von weniger als 200 S diafiltriert, durch einen qualitativen Molischtest
(Dische Z. General color reactions. Mtds Carbohydr Chem 1963;I:
478–81)
auf Kohlehydrate identifiziert, durch Ultrafiltration konzentriert
und gefriergetrocknet. Andere Untertraktionen wurden auf ähnliche
Weise durch Aufgeben von 28-ml-Inkrementen
von 1,2, 1,6 und 2,0 molalem NaCl auf die Säule zum Sammeln der Fraktionen
DF-104-2 bis DF-104-4 eluiert. Siehe Tabelle 5.
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TABELLE
5 (Fraktionen
von nativem Dermatansulfat, erhalten durch Ladungsdichtefraktionierung)
-
Ladungsdichtefraktionierung
von DDS – 5
g OD-00195 wurden in 750 ml 0,5 M NaCl gelöst und auf eine 4,4 × 43 cm
Säule, äquilibriert
mit 0,5 M NaCl bei einer Fließgeschwindigkeit
von 100 ml/h aufgegeben. Die Säule
wurde mit einem Säulenvolumen
von 0,5 M NaCl gewaschen. Der Durchbruch vereinigt mit den 1,4-M-
und 1,6-M-Eluaten wurde als 001951 gesammelt. Ein 2-M-NaCl-Eluat
wurde als 001952 gesammelt. Nach Stoppen der Säule wurde ein zweites 2-M-Eluat
als 001953 gesammelt. Das Haupteluat mit 2,5 M NaCl wurde als 001954
gesammelt. Nach Anhalten der Säule über Nacht
wurde ein zweites 2,5-M-NaCl-Eluat als 001955 gesammelt. Nach Anhalten über Nacht
wurde die Säule
sodann gewaschen. Die Elution mit 3 M NaCl vermochte kein zusätzliches
Material zu eluieren. Die in Tabelle 5 gezeigten Daten legen nahe,
dass die Ladungsdichte ein wirksames Verfahren der Optimierung der
Anti-IIa-Aktivität
von DDS ist.
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TABELLE
6 (Fraktionen
von DDS, erhalten durch Ladungsdichtefraktionierung)
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BEISPIEL 9
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Dieses
Beispiel zeigt die Herstellung eines auf Dermatandisulfat basierenden
thrombusresistenten Überzugs.
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DDS
in Wasser wird mit einem stöchiometrischen Überschuss
einer wässrigen
Lösung
eines hydrophoben quaternären
Ammoniumsalzes, wie Benzalkoniumchlorid, Tridodeceylmethylammoniumchlorid
oder eines anderen dem Fachmann bekannten Salzes vermischt. Das
resultierende quaternäre
Ammoniumsalz von DDS wird durch Vakuumfiltration gesammelt, ausgiebig
mit Wasser gewaschen und in vacuo getrocknet. Dieses Salz, das in
Wasser oder verdünnter
Salzlösung
unlöslich
ist, wird in Ethanol, Isopropanol oder einem anderen geeigneten
organischen Lösungsmittel
gelöst
und zum Überziehen
künstlicher
Oberflächen
verwendet, die mit dem Blutstrom in Kontakt kommen können.
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BEISPIEL 10
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Dieses
Beispiel zeigt das kovalent immobilisierte Dermatandisulfat.
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Copolymere
von Aminen und DDS können
durch Gammabestrahlung, ein aus der Technik bekanntes Verfahren
der Strahlungspfropfung, irreversibel an Polymere angeknüpft werden.
-
Alternativ
wird DDS in wässriger
Lösung
bei pH 3 und 4 °C
mit einer stöchiometrisch
begrenzten Menge von Natriummetaperiodat 24 h reagieren gelassen.
Während
dieses Zeitraums wird eine kleine Portion der unsulfatierten Uronsäurereste
in DDS mit Periodat gespalten, und die neu gebildeten Aldehydgruppen
werden nachgewiesen und durch den MBTH-Test quantifiziert (Sawicki, E., T.R.,
Stanely, T.W. und Elbert, W. Anal. Chem. 33, 93–96 (1961)). Das gespaltene
DDS-Derivat wird durch Ausfällen
mit 3 Volumina 95 % Ethanol, Abdekantieren und Auflösen in 1
M Natriumchlorid gewonnen. Anschließend wird das Derivat durch
Widerausfällen
mit 3 Volumina 95 % Ethanol gereinigt, durch Abdekantieren oder
Filtrieren gesammelt, nacheinander mit 95 % Ethanol und Aceton durch
Verreiben mit dem Lösungsmittel
dehydratisiert, und der Feststoff wird durch Dekantieren oder Filtrieren
gesammelt. Die eingeschlossenen Lösungsmittel werden in vacuo
entfernt, um einen weißen
Feststoff zu ergeben. Das aktivierte DDS-Derivat kann nun kovalent durch eine
Schiff-Basenbildung und Reduktion mit Natriumcyanoborhydrid unter
Anwendung von der Fachwelt hinreichend bekannten Bedingungen kovalent
an Amin-tragenden Materialien immobilisiert werden.
-
Obwohl
die Erfindung hauptsächlich
bezüglich
spezifischer Beispiele und Ausführungsformen
davon beschrieben wurde, ist es offensichtlich, dass die vorhergehende
Beschreibung der Fachwelt viele alternativen Modifikationen und
Variationen nahe legt.