-
Die Erfindung bezieht sich auf einen Schischuh,
der im wesentlichen aus einem unteren Teil in Form
einer den Fuss und die Ferse umgebenden Schale mit
variablem Volumen und aus einem Schaft in Form einer
Gamasche besteht, die an der Schale angelenkt ist, wobei
Schale und Manschette mit Mitteln zum Schliessen und
Spannen versehen sind.
-
Dieser wohl bekannte Schuhtyp ist z. B. in den
Patenten EP 0 358 599, EP 0 371 915 und EP 0 379 836
beschrieben.
-
Beim Schilaufen spielt der Schuh in gewisser Weise
die Rolle einer Übergangsfläche (Interface) zwischen
dem Schi und dem Bein des Schiläufers. Damit die
Reaktion des Schis auf die Schneeoberfläche sofort und
genau auf das Bein übertragen wird und damit umgekehrt
die vom Schiläufer mittels des Beins und der
Übergangsfläche auf den Schi übertragenen Befehle ebenfalls
sofort und genau übertragen werden, müssen der Fuss und
der Unterschenkel in vollkommener Weise vom Schuh
gehalten werden, dessen Sohle ihrerseits durch die
Bindung starr mit dem Schi verbunden ist. Das Ideal wäre
natürlich, dass der Schuh mit dem Fuss und dem
Unterschenkel einen Körper bildet. Der Schuhschaft müsste
dann zwei wenig verträgliche Forderungen erfüllen,
nämlich einerseits eine grosse Steifigkeit haben, um die
Kräfte des Beins bestmöglichst auf den Schuh zu
übertragen und umgekehrt, und andererseits zwecks Öffnens
hinreichend biegsam sein, um den Schuh anziehen und
ausziehen, ihn schliessen und um das Bein spannen zu
können und um ein Beugen des Beins zu erlauben. Bei
den im allgemeinen einteilig ausgebildeten Manschetten
musste ein Kompromiss eingegangen werden, um diese
beiden Forderungen zu erfüllen, und das auf Kosten der
Genauigkeit der Schikontrolle.
-
Bei Wettbewerben erwies sich diese Genauigkeit
rasch als ungenügend, und man suchte nach Mitteln,
diese zu verbessern. So wurde 1980 ein Schuh unter dem
Warenzeichen MUNARI vorgeschlagen, dessen Manschette aus
drei Teilen besteht, nämlich einer Vorderzunge, die
sich ebenfalls über der Schale erstreckt, einer an der
Schale angelenkten unteren Halbmanschette und einer
oberen Halbmanschette, die den Unterschenkel umgibt und
hinten mit der unteren Halbmanschette verbunden ist.
Die untere Halbmanschette ist mit einer über den
Fussspann verlaufenden Schnalle versehen, die eine
diagonale Spannung in Richtung der Ferse gewährleistet. Die
aus drei Teilen bestehende Manschette erlaubt es, Teile
unterschiedlicher Steifigkeit zu haben, wobei die
untere Halbmanschette steifer als die obere Halbmanschette
sein kann, ohne dass das Öffnen der Manschette zum
Anziehen und Ausziehen des Schuhs zu stark behindert
würde. Die Lage der Schnalle der unteren
Halbmanschette, die so angeordnet ist, dass ein diagonales Spannen
des Schuhs längs einer durch den Spann und die Ferse
verlaufenden Diagonalen ermöglicht wird, ist derart
gewählt, dass beim Beugen des Beins die untere
Halbmanschette sofort gegen die Schale drückt und unter der
Wirkung der trotz allem weiter gehenden Beugung dieser
Druck auf die Schale gerade unterhalb des Spanns eine
transversale Ausbuchtung bzw. Ausdehnung der Schale zur
Folge hat, welche den Halt des Fusses verringert und
dadurch die Kontrolle des Schis beeinträchtigt.
-
Es sei hier bemerkt, dass das diagonale Spannen
der Ferse eine Art Mythos wurde, der mit dem Erscheinen
von Schuhen mit sogenanntem rückwärtigem Einstieg
entstanden zu sein scheint; diese Schuhe haben eine Schale
mit festem Volumen, in welcher der Halt des Fusses
durch inneres diagonales Spannen mittels eines
Formstücks gewährleistet wird, das sich auf dem Spann
abstützt und durch ein Seil in Richtung der Ferse gezogen
wird. Dieser Mythus ist derart ausgeprägt, dass der
Käufer eines Paares von Schischuhen, wenn er ein Paar
Schuhe anprobiert, die Ferse anzuheben versucht, um den
Halt des Fusses zu kontrollieren. Nun entspricht
jedoch die sehr punktförmige diagonale Spannung der Ferse
nicht der modernen Schitechnik, bei welcher sich eine
gleichmässig um den Fuss verteilte Spannung als
vorteilhaft erwiesen hat.
-
Unter dem Warenzeichen DOLOMITE ist übrigens ein
Schuh aus dem Jahr 1983 bekannt, dessen Schaft aus
einer Manschette besteht, die die Vorderseite des Beins
im wesentlichen über dem Spann umgibt und dessen Schale
mit variablem Volumen einen Riemen hat, der einerseits
auf dem Spann und andererseits hinter der Schale über
der Ferse und unter der Schale verläuft. Dieser Riemen
erlaubt es, eine gute diagonale Spannung der Schale in
Richtung der Ferse zu erhalten, jedoch hat seine
niedrige Lage keinen Einfluss auf den Halt in Höhe des
Unterschenkels. Ausserdem ist das Gelenk der Manschette
nach unten oben versetzt, so dass es überhaupt nicht
mehr dem natürlichen Beingelenk in Höhe der Knöchel
entspricht.
-
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe
zugrunde, den Halt des Unterschenkels durch eine
Manschette zu verbessern, die den Schaft eines Schuhs
bil
det, ohne dass es nötig wäre, die offensichtliche
Steifigkeit der Manschette, d. h. die Steifigkeit, die der
Benutzer beim Anziehen und Ausziehen des Schuhs
feststellen kann, zu erhöhen und ohne dass die Möglichkeit
des Beugens nach vorn, verglichen mit einer
konventionellen Manschette, verringert würde und ohne dass ein
Ausbuchten begünstigt würde.
-
Der Schuh nach der Erfindung ist dadurch
gekennzeichnet, dass die Manschette einen Unterschenkelriemen
aufweist, der die Schale oberhalb des
Manschettengelenks umgibt und welcher mit einer Schliess- und
Spannschnalle versehen ist, deren Spannrichtung gerade über
dem erwähnten Gelenk verläuft.
-
Dieser Riemen kann aus einem zusätzlichen Teil
bestehen und wird vorzugsweise von den Achsen des
Schaftgelenks auf der Schale durchquert, damit er so gehalten
wird; er könnte aber auch durch andere Mittel an Ort
und Stelle gehalten werden.
-
Der Riemen kann auch einen Teil der Manschette
bilden, insbesondere den unteren Manschettenteil, und
zwar bei einer aus zwei Materialien unterschiedlicher
Steifigkeit bestehenden Manschette, die nach dem
Verfahren der Zweifachspritzung hergestellt wurde.
-
Ausserdem verläuft die Spannrichtung der
Riemenschnalle vorzugsweise leicht nach hinten geneigt, so
dass die Spannkraft eine Komponente in Richtung der
Sohle hat. Diese Komponente wirkt mit einer
Reaktionskomponente infolge der die Rückseite der Schale
umhüllenden Form zusammen, wobei diese beiden Komponenten
dazu beitragen, die Ferse gegen die Schuhsohle zu
drücken.
-
Die beigefügte Zeichnung zeigt beispielsweise eine
Ausführungsform der Erfindung.
-
Fig. 1 zeigt einen Schuh in geschlossener
Stellung, von der Aussenseite des Fusses gesehen.
-
Fig. 2 zeigt den Unterschenkelriemen.
-
Der dargestellte Schuh hat eine Schale 1 mit
variablem Volumen, die eine Sohle aufweist und den Fuss
und die Ferse umgibt. Auf der Schale ist ein aus einer
Manschette 2 bestehender Schaft in bekannter Weise an
zwei näherungsweise in Höhe der Knöchel liegenden
Punkten angelenkt, von denen ein Punkt 3 auf der Zeichnung
sichtbar ist. Dieses Gelenk besteht aus einer
metallischen Achse, die z. B. von einem Niet gebildet wird. Die
Schale 1 ist mit zwei Spannschnallen 4 und 5 versehen:
die Schnalle 5 hat hier eine besondere Form, die eine
sich nach vorn erstreckende Verlängerung aufweist. Die
Manschette 2 ist mit einer Schliess- und Spannschnalle
6 versehen, die gerade unter ihrem oberen Ende liegt,
welches ferner einen Schliessriemen 7 mit
VELCRO-Verschluss (eingetragenes Warenzeichen) aufweist, der sich
vorn auf einer Zunge 8 eines Komfort-Innenschuhs 9
abstützt, um in bekannter Weise die Abstützung des
Schienbeins zu gewährleisten.
-
Der Schuh ist ausserdem mit einem Riemen 10
versehen, der die Manschette 2 gerade unterhalb ihres
Gelenks 3 auf der Schale umgibt; der Riemen 10 umgibt
also auch die Schale. Im betrachteten Beispiel erstreckt
sich der Riemen in einem Bereich, der ungefähr 4 cm
über dem Mittelpunkt des Gelenks 3 liegt. Dieser Riemen
10 ist mit einer Schliess- und Spannschnalle 11
versehen, die ähnlich wie die Schnalle 6 ausgebildet ist und
deren Spannrichtung oberhalb des Gelenks 3 verläuft.
Die Spannrichtung ist leicht nach hinten geneigt. Im
betrachteten Beispiel beträgt diese Neigung ungefähr
8º; vorzugsweise beträgt diese Neigung 5º bis 15º. Der
Riemen 10 wird von den Gelenken 3 durchquert und auf
diese Weise auf der Schale 1 und der Manschette 2 von
diesen Gelenken gehalten.
-
In Fig. 2 ist der Riemen 10 allein dargestellt.
Man sieht, dass er mit zwei kreisförmigen Löchern 12
und 13 zum Durchgang der Gelenke der Manschette 2 auf
der Schale 1 versehen ist.
-
Der Riemen 10 übt eine Spannkraft auf die
Vorderseite des Beins mit einer Kraft F aus, die leicht nach
hinten mit einer Neigung von etwa 8º geneigt ist. Diese
Kraft hat eine quer zur Manschette gerichtete
Komponente F1 und eine in Richtung der Sohle orientierte
Komponente F2. Wegen der die Schalenrückseite umhüllenden ·
Form erzeugt die Spannkraft eine Reaktionskraft mit
einer Komponente F3, die schräg in Richtung der Sohle
orientiert ist. Die Komponenten F2 und F3 haben die
Tendenz die Ferse gegen die Sohle zu drücken. Der
Riemen 10 erfüllt somit vollständig seine Funktion, den
Halt des Unterschenkels zu verbessern, wobei er
gleichzeitig vollkommen ausreichend zum Halt der Ferse im
Schuh beiträgt.
-
Der Riemen 10 könnte eine von der dargestellten
Neigung abweichende Neigung haben. Diese Neigung
beträgt vorzugsweise zwischen 5º und 15º. Der Riemen 10
könnte jedoch auch horizontal liegen und immer noch
seine Stützfunktion für den Unterschenkel erfüllen.
-
Der Unterschenkelriemen muss nicht
notwendigerweise von den Manschettengelenken auf der Schale
durchquert werden. Tatsächlich könnte er vertikal auf der
Manschette 2 durch andere Mittel gehalten werden, z. B.
hinten durch einen Niet oder einen Vorsprung oder
seitlich durch eine Auskehlung oder durch Anschläge.
-
Der Unterschenkelriemen könnte in Kombination mit
einem Verstärkungsband 14 verwendet werden, das durch
die Manschettengelenke unter dem Riemen 10 hinter der
Schale verläuft und sich schräg nach vorn beiderseits
der Schale in Richtung der Sohle erstreckt. Ein solches
Band 14, das aus steifem Kunststoffmaterial besteht,
verhindert beim Beugen des Beins ein Ausbauchen bzw.
eine Ausdehnung der Schale infolge des von der
Manschette auf die Schale ausgeübten Drucks. Ein
derartiges Band wird im Patent EP 0 380 444 der Anmelderin
beschrieben.
-
Wie weiter oben angedeutet, könnte der Riemen ein
Teil der Manschette sein, wenn diese aus zwei
Materialien besteht. In diesem Falle bildet der Riemen
vorteilhafterweise den gesamten Unterteil der Manschette,
welcher den oberen Teil der Schale umgibt und von den
Gelenkachsen der Manschette auf der Schale durchquert
wird.