Technisches Gebiet
-
Die vorliegende Erfindung betrifft generell Hörprothesen
und insbesondere Hörprothesen, die mittels eines
Programmiersystems einstellbar sind.
Stand der Technik
-
Hörprothesen werden verwendet, um die Hörcharakteristik des
von einem Benutzer des Hörgeräts empfangenen Schalls zu
modifizieren. Normalerweise besteht der Zweck der Prothese
zumindest teilweise darin, eine Hörbeeinträchtigung des
Benutzers oder Trägers auszugleichen. Hörhilfen, welche einem
Träger ein akustisches Signal im hörbaren Bereich liefern,
sind hinreichend bekannt und ein Beispiel für eine
Hörprothese bzw. ein Hörgerät. Seit kurzem werden
Cochlea-Implantate, welche den Gehörnnerv mit einem elektrischen
Reizsignal stimulieren, zur Verbesserung des Hörvermögens eines
Trägers verwendet. Weitere Beispiele für Hörprothesen sind
implantierte Hörhilfen, welche die Hörempfindlichkeit des
Trägers durch einen mechanischen Reiz des Mittelohrs
stimulieren, und Prothesen, welche den Benutzer anderweitig auf
elektromechanischem Wege stimulieren.
-
Beeinträchtigungen des Hörvermögens sind von einem Menschen
zum anderen recht unterschiedlich. Ein Hörgerät, welches
die Hörbeeinträchtigung bei einem Menschen ausgleicht, kann
für einen anderen vielleicht nicht von Vorteil oder sogar
störend sein. Hörgeräte müssen deshalb einstellbar sein, um
den Bedürfnissen eines individuellen Benutzers oder
Patienten gerecht zu werden.
-
Der Prozeß, mit dem ein individuelles Hörgerät so
eingestellt wird, daß es dem Benutzer oder Patienten optimalen
Nutzen bringt, wird im allgemeinen als "Anmessen" oder
"Anpassen" bezeichnet. Anders ausgedrückt, das Hörgerät muß
seinem individuellen Benutzer "angepaßt" sein, um diesem
Benutzer oder Patienten einen maximalen Nutzen zu bringen.
Durch das "Anmessen" des Hörgeräts erhält dieses geeignete
Hörcharakteristika, um so für den Benutzer vorteilhaft zu
sein.
-
Der Prozeß des Anmessens beinhaltet die Messung der
Hörcharakteristika des Hörvermögens der betreffenden Person, die
Berechnung der Art der akustischen Kennwerte, z.B. die
akustische Verstärkung in vorgegebenen Frequenzbändern, die
zum Ausgleich der jeweils gemessenen Hörfehler erforderlich
ist, die Einstellung der Hörcharakteristika des Hörgeräts,
damit das Hörgerät die geeigneten akustischen Kennwerte,
z.B. die akustische Verstärkung in vorgegebenen
Frequenzbändern, liefern kann, und die Überprüfung, ob dieser
bestimmte akustische Kennwert den festgestellten Hörschaden
ausgleicht, indem das Hörgerät zusammen mit der
betreffenden Person betrieben wird. In der Praxis erfolgt die
Einstellung der akustischen Kennwerte bei herkömmlichen
Hörhilfen durch Auswahl der Komponenten während des
Fertigungsprozesses, sog. "kundenspezifischer" Hörhilfen, oder
durch Justierung der dem Anmessungsspezialisten, im
allgemeinen einem Otologen, Audiologen, einem Hörgeräte-Händler,
einem HNO-Arzt oder einem sonstigen Arzt oder Facharzt zur
Verfügung stehenden Potentiometer.
-
Manche Hörhilfen sind zusätzlich zu ihrer Einstellbarkeit
programmierbar. Programmierbare Hörhilfen speichern
Einstellparameter in einem Speicher, auf die die Hörhilfe
zugreifen kann, um eine bestimmte Hörcharakteristik
bereitzustellen. Typischerweise handelt es sich bei dem Speicher um
einen elektronischen Speicher, z.B. ein Register oder einen
Speicher mit wahlfreiem oder direktem Zugriff, es können
jedoch auch andere Speichertypen, wie z.B. programmierte
Karten, Schaltereinstellungen oder andere veränderbare
Mechanismen mit Speicherfähigkeit vorgesehen werden. Ein
Beispiel einer programmierbaren Hörhilfe mit einem
elektronischen Speicher, eigentlich mit einer Vielzahl von
Speichern, ist in dem US-Patent Nr. 4,425,481, Mangold et al.,
beschrieben. Bei einer programmierbaren Hörhilfe mit einem
elektronischen Speicher kann diese mit einer neuen
Hörcharakteristik oder einem neuen Satz akustischer Parameter
durch einen Hostrechner bzw. ein Host-Programmiergerät,
welches über einen Mechanismus für die Kommunikation mit
der zu programmierenden Hörhilfe verfügt, ausgestattet
werden.
-
Solche programmierbaren Hörhilfen können spezifisch
programmiert werden, um eine Hörcharakteristik
bereitzustellen, die hoffentlich die gemessene Hörbeeinträchtigung des
Benutzers ausgleichen wird. Während jedoch die
Programmierung solcher Hörhilfen digital und damit sehr präzise sein
kann, kann die tatsächliche Signalverarbeitungsschaltung
der Hörhilfe durchaus analog arbeiten. Da es Abweichungen
zwischen den individuellen analogen Komponenten gibt, die
zumindest teilweise auf Halbleiterprozeßschwankungen
zurückzuführen sind, kann die von einer gegebenen
individuellen Hörhilfe bereitgestellte Hörcharakteristik etwas von
der tatsächlich durch das Programmiersystem
"vorgeschriebenen" verschieden sein. Des weiteren können
andere Kennwerte der individuellen Hörhilfe, z.B. die
Modellnummer, die Revisionsnummer, der Code des
Herstellungsdatums, die Seriennummer und optionale tatsächlich in der
Hörhilfe enthaltene Merkmale für das Programmiersystem der
Hörhilfe von Bedeutung sein und müssen durch das
Programmiersystem manuell in den Anmeßprozeß eingegeben werden.
Ein solche manuelle Eingabe ist nicht nur unbequem, sondern
auch eine Fehlerquelle, die ein Anpassen unter dem Optimum
verursachen könnte.
-
Das US-Patent Nr. 4,548,082, Engebretson et al., "Hearing
Aids, Signal Processing Systems For Compensating Hearing
Deficiencies, and Methods", beschreibt die Verwendung von
"Kalibrier"-Informationen, die bei der Programmierung einer
digitalen Hörhilfe in dem Speicher der Hörhilfe gespeichert
werden können (Spalte 16, Zeilen 13-22). Die von
Engebretson et al. beschriebenen "Kalibrier"-Informationen sind
Übertragungsfunktionen (Spalte 24, Zeile 57 bis einschl.
Spalte 25, Zeile 6), die eine fabrikseitige Schätzung der
Schnittstelle zwischen Hörhilfe/Sondenmikrophon/Gehörgang
bereitstellen, auf die im Zusammenhang mit dem "ear volume"
verwiesen wird (Spalte 14, Zeile 28 bis einschl. Spalte 16,
Zeile 12). Um diese Daten nutzbar zu machen, müssen sie so
angeglichen werden, daß sie anstelle der fabrikseitigen
Daten die tatsächlichen Daten der Schnittstelle zwischen
Hörhilfe und Patient unter Verwendung des "standard coupler"
berücksichtigen (Spalte 16, Zeilen 23-36). Engebretson et
al. speichern eine ausreichende Übertragungsfunktion, d.h.
einen ausreichenden Satz akustischer Beziehungen vom
Eingang zum Ausgang der Hörhilfe, die bei vier verschiedenen
Frequenzen bestimmt werden. Da die ausreichenden
Übertragungsfunktionsdaten eine große Datenmenge umfassen, können
die Daten von nur vier bestimmten Frequenzen gespeichert
werden. Die akustische Beziehung des Eingangs und Ausgangs
muß dann aus diesen Daten interpoliert werden.
Offenbarung der Erfindung
-
Die vorliegende Erfindung stellt eine Hörprothese, wie etwa
eine Hörhilfe bereit, die ein Kalibriergerät besitzt, das
Informationen verwendet, die für das betreffende
individuelle Hörgerät einzigartig und intrinsisch sind.
-
Das Kalibriergerät umfaßt einen Speicher, in dem
Informationen gespeichert sind, die für dem individuellen Hörgerät
intrinsische Informationen charakteristisch sind, und einen
Mechanismus, durch den diese Informationen von dem Hörgerät
oder dem Programmiersystem eines solchen Hörgeräts genutzt
werden können. Die gespeicherten Informationen müssen
außerdem entweder repräsentativ für einen ausreichenden Satz
von Einstellparametern sein, die zur Berechnung einer
Beziehung zwischen dem Höreingangssignal und einem
Ausgangssignal sind, oder die Herstellungsinformationen des
Hörgeräts darstellen.
-
Die Speicherung von für das individuelle Hörgerät
intrinsischen Kalibrierinformationen, die entweder einen
ausreichenden Satz von Einstellparametern, die zur Berechnung der
Beziehung zwischen dem Eingang und dem Ausgang erforderlich
sind, d.h. die Übertragungsfunktion, oder
Herstellungsinformationen repräsentieren, liefern ein sehr viel anderes
Ergebnis als das von Engebretson et al. Bei Engebretson et
al. werden Daten, die die Übertragungsfunktion der Hörhilfe
repräsentieren, bei vier verschiedenen Frequenzen erfaßt.
Die Beschränkung auf nur vier Frequenzpunkte ist notwendig,
da die Speicherung der die Übertragungsfunktion bei allen
Frequenzen repräsentierenden Daten einen großen Speicher
erfordern würde. Die vorliegende Erfindung speichert nur
die Einstellparameter, die zur Berechnung der
Übertragungsfunktion erforderlich sind, und nicht die gesamte
Übertragungsfunktion selbst. Somit stellen die
Kalibrierinformationen ohne Schätzungen oder Interpolationen zwischen
Frequenzen einen ausreichenden Informationssatz der
individuellen intrinsischen Informationen der Hörcharakteristik des
Hörgeräts oder der Herstellungsinformationen des
individuellen Hörgeräts bereit, ohne große Mengen von Speicherplatz
zu beanspruchen. Die Kalibrierinformationen der
vorliegenden Erfindung liefern dem Programmiersystem potentiell
hochvariable ausreichende Informationen über die
einzigartigen Kennwerte des individuellen Hörgeräts. Das
Programmiersystem kann diese Informationen dann zur Optimierung
der Einstellung der akustischen Parameter heranziehen, ohne
dazu das individuelle Hörgerät zu benutzen.
-
Da Informationen, die die ausreichende tatsächliche
Leistung der individuellen analogen Komponenten oder die
tatsächliche Leistung des analogen Schaltung in ihrer
Gesamtheit repräsentieren, in dem Hörgerät selbst gespeichert
werden können und diese Informationen dem Programmiersystem
zur Verfügung stehen, kann das Programmiersystem diese
Informationen berücksichtigen, um Einstellparameter nicht nur
für das Hörgerät des betreffenden Typs allgemein
bereitzustellen, sondern es kann auch spezifische Einstellparameter
liefern, die für das individuelle Hörgerät speziell
angeglichen werden. Somit kann jedes individuelle Hörgerät
exakt, und nicht einfach innerhalb der normalen Toleranzwerte
der analogen Schaltung, programmiert werden.
-
Da Informationen, die die tatsächlichen individuellen
Fertigungskennwerte des individuellen Hörgeräts
repräsentieren, wie z.B. Modellnummer, Revisionsnummer, Code des
Herstellungsdatums, Seriennummer und optionale Merkmale,
tatsächlich in der Hörhilfe enthalten sind, können diese
Informationen von dem Programmiersystem des Hörgeräts
automatisch ausgelesen werden, wodurch die Notwendigkeit der
manuellen Eingabe dieser Informationen und das Fehlerrisiko
entfallen. Somit können die aktuelle Version des in der
Programmierung befindlichen Hörgeräts und seine
individuellen Idiosynkrasien für das Programmiersystem "transparent"
sein.
-
Gemäß der vorliegenden Erfindung wird ein Hörgerät
bereitgestellt mit einer Signaleingangseinrichtung
bereitgestellt, die in Abhängigkeit von einem Höreingangssignal ein
elektrisches Eingangssignal absetzt, einer
Signalverarbeitungseinrichtung, die in Abhängigkeit von dem elektrischen
Eingangssignal das elektrische Eingangssignal entsprechend
einem Satz von Einstellparametern verarbeitet und ein
verarbeitetes elektrisches Signal erzeugt, wobei die
Einstellparameter durch ein Programmiersystem verstellbar sind, und
einer Wandlereinrichtung, die in Abhängigkeit von dem
verarbeiteten elektrischen Signal das verarbeitete elektrische
Signal in ein Ausgangssignal umwandelt, das für eine Person
wahrnehmbar ist, so daß zwischen dem Höreingangssignal und
dem Ausgangssignal eine vorbestimmte Beziehung besteht,
dadurch gekennzeichnet, daß Kalibriereinrichtungen zur
Speicherung von Kalibrierinformationen vorgesehen sind, welche
für die dem individuellen Hörgerät eigenen Informationen
charakteristisch sind, wobei die Kalibrierinformationen
auch einen Bestandteil des Satzes von Einstellparametern
darstellen, der ausreicht, um die Beziehung ohne
Interpolation zu berechnen, wobei die Kalibrierinformationen in der
Kalibriereinrichtung vor der Programmierung durch das
Programmiersystem gespeichert werden, und wobei die
Kalibrierinformationen von dem Programmiersystem verwendet
werden, um die Einstellparameter zu verstellen.
-
Somit wird ein Hörgerät offenbart, das eine Beziehung
zwischen einem Höreingangssignal und einem Ausgangssignal hat,
und das durch ein Programmiersystem einstellbar ist und
einen Signaleingabemechanismus besitzt, der auf ein
Höreingangssignal anspricht, um eine elektrisches Eingangssignal
zu liefern, einen Signalverarbeitungsmechanismus, der auf
das elektrische Eingangssignal anspricht, um das
elektrische Eingangssignal in Übereinstimmung mit
Einstellparametern zu verarbeiten und ein verarbeitetes elektrisches
Signal zu erzeugen, wobei die Einstellparameter von dem
Programmiersystem verstellbar sind, und einen
Wandlermechanismus, der auf das verarbeitete elektrische Signal anspricht,
um das verarbeitete elektrische Signal in das
Ausgangssignal zu wandeln, das so ausgelegt ist, daß es für eine
Person wahrnehmbar ist. Das Hörgerät hat des weiteren einen
Kalibriermechanismus zur Speicherung von dem individuellen
Hörgerät eigenen Kalibrierinformationen, wobei die
Kalibrierinformationen entweder einen ausreichenden Satz von
Einstellparametern repräsentieren, die zur Berechnung der
Eingangs-/Ausgangsbeziehung erforderlich sind, oder die
Herstellungsinformationen darstellen, wobei der
Kalibriermechanismus von dem Programmiersystem bei der Änderung der
Einstellparameter gelesen und verwendet werden kann.
-
Außerdem wird eine programmierbare Hörhilfe offenbart mit
einer Beziehung zwischen einem Höreingangssignal und einem
Ausgangssignal, die durch die Verwendung digitaler
Einstellparameter von einem Programmiersystem programmierbar
veränderlich ist, und die ein Mikrophon besitzt, welches
auf das Höreingangssignal anspricht und dieses in ein
elektrisches Eingangssignal wandelt, mit einem auf das
elektrische Eingangssignal ansprechenden Signalprozessor zur
Verarbeitung des elektrischen Eingangssignals in
Übereinstimmung mit digitalen Einstellparametern und zur Erzeugung
eines verarbeiteten elektrischen Signals und mit einem
Empfänger, der auf das verarbeitete elektrische Signal
anspricht, um dieses in ein Ausgangssignal zu wandeln, das so
ausgelegt ist, daß es für eine Person wahrnehmbar ist. Die
programmierbare Hörhilfe hat außerdem einen
Kalibriermechanismus zur digitalen Speicherung von dem individuellen
Hörgerät eigenen Kalibrierinformationen, welche entweder einen
ausreichenden Satz von Einstellparametern, die zur
Berechnung der Eingangs-/Ausgangsbeziehung erforderlich sind,
oder Herstellungsinformationen darstellen, wobei der
Kalibriermechanismus von dem Programmiersystem bei der Änderung
der Einstellparameter gelesen und verwendet werden kann.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
-
Die obigen Vorteile, der Aufbau und die Funktionsweise der
vorliegenden Erfindung werden aus der nachfolgenden
Beschreibung und der beiliegenden Zeichnung offensichtlich,
wobei die Figur ein Blockdiagramm des Hörgeräts der
vorliegenden Erfindung ist, welches das Kalibriergerät der
vorliegenden Erfindung beinhaltet.
Ausführliche Beschreibung
-
Das US-Patent Nr. 4,425,481, Mangold et al., "Signal
Processing Device", beschreibt einen
Signalverarbeitungsmechanismus für ein Hörgerät oder eine Hörhilfe, der in
Verbindung mit der vorliegenden Erfindung genutzt werden könnte.
Der Singalprozessor bei Mangold et al. wird von einem
ausgewählten Satz von Einstellparametern gesteuert, die
innerhalb des Signalverarbeitungsgeräts selbst gespeichert sind.
Der Auswahlprozeß wird durch den Benutzer gesteuert oder
erfolgt automatisch. Da diese Einstellparameter innerhalb
des Signalprozessors digital gespeichert sind, können sehr
präzise Spezifikationen für diese Einstellparameter auf
Basis eines Anmeßprozesses entwickelt werden, der die
geeignete Anmessung eines Hörgeräts unter Verwendung des
Signalprozessors bestimmt, der in Verbindung mit der
individuellen Hörbeeinträchtigung des Benutzers zu verwenden ist.
-
Während jedoch die Programmierung des Signalprozessors
digital und damit sehr präzise sein kann, kann die
eigentliche Signalverarbeitungsschaltung des Signalprozessors
analog sein. Da es innerhalb der individuellen analogen
Komponenten Abweichungen geben kann, die zumindest teilweise auf
Halbleiterprozeßschwankungen zurückzuführen sind, kann die
von einem gegebenen individuellen Signalprozessor
gelieferte tatsächliche Hörcharakteristik etwas von der durch
das Programmiersystem tatsächlich vorgeschriebenen
verschieden sein. Des weiteren können andere Kennwerte des
individuellen Signalprozessors, wie z.B. die Modellnummer,
die Revisionsnummer, der Code des Herstellungsdatums, die
Seriennummer und optionale tatsächlich in dem
Signalprozessor enthaltene Merkmale für das Programmiersystem des
Signalprozessors von Bedeutung sein und müssen durch das
Programmiersystem manuell in den Anmeßprozeß eingegeben
werden. Ein solche manuelle Eingabe ist nicht nur unbequem,
sondern auch eine Fehlerquelle, die dazu führen könnte, daß
das Anmessen nicht ganz optimal ist. Selbst dann, wenn der
Signalverarbeitungsabschnitt des Hörgeräts digital wäre,
sind einige analoge Komponenten, wie Wandlerkomponenten,
z.B. Mikrophon und Empfänger, die eine variable
Hörcharakteristik haben, immer noch unvermeidlich.
-
Ein Kalibriergerät 8 der vorliegenden Erfindung ist in dem
Blockdiagramm der Figur in Betrieb mit einem Hörgerät 10
dargestellt. Ein Mikrophon 14 empfängt einen Höreingang 16
und wandelt diesen Höreingang 16 in ein elektrisches
Eingangssignal 18, das an einen Signalprozessor 20 geliefert
wird. Obwohl die vorliegende Erfindung anhand eines
analogen Signalprozessors 20 beschrieben worden ist, liegt es
auf der Hand, daß die vorliegende Erfindung ebenso auf
einen digitalen Signalprozessor 20 anwendbar ist. Der
Signalprozessor 20 verarbeitet das elektrische Eingangssignal
entsprechend einer Hörcharakteristik, wie sie durch
Einstellparameter 22 vorgegeben ist, und liefert ein
verarbeitetes elektrisches Signal 24 an einen Empfänger 26, unter
dem in der Terminologie der Hörprothetik ein
elektroakustischer Wandler, z.B. ein Lautsprecher, zu verstehen ist.
Obwohl sich diese Beschreibung generell auf Hörhilfen und
somit auf einen Empfänger bezieht, liegt es auf der Hand, daß
die vorliegende Erfindung ebenfalls für andere Formen von
Hörprothesen nützlich ist, z.B. für Cochlea-Implantate, wo
der Wandler in einem solchen Fall eine Elektrode oder ein
Elektrodenpaar wäre, implantierte Hörhilfen, wo der Wandler
in diesem Fall eine elektromechanischer Wandler wäre und
taktile Hilfsmittel, wobei in diesem Fall der Wandler ein
vibrotaktiles Gerät wäre. Die Einstellparameter 22 sind in
der Figur allgemein dargestellt. Es liegt auf der Hand, daß
diese Einstellparamter, die zwar vorzugsweise digital sind,
auch analog sein und einen einzigen Satz von
Einstellparametern darstellen könnten, die einen einzigen Hörkennwert
vorgeben, oder die eine Reihe variierende Sätze von
Einstellparametern darstellen könnten, die individuell oder
kombiniert durch den Signalprozessor 20 gewählt und genutzt
werden könnten.
-
Das Kalibriergerät 8 arbeitet in Verbindung mit dem Rest
des Hörgeräts 10, indem es Kalibrierinformationen
speichert, die charakteristisch für die dem betreffenden
individuellen Hörgerät eigenen Informationen sind. Diese
Informationen sind in einem Kalibrierinformationsspeicher 28
gespeichert. Die Kalibrierinformationen im
Kalibrierinformationsspeicher 28 werden über einen Eingangs-
/Ausgangsmechanismus 30 geliefert und können von einem
Programmiersystem 32 gelesen werden. Der Eingangs-
/Ausgangsmechanismus 30 stellt ein herkömmliches, digitales
Standard-Eingangs-/Ausgangsport dar. Der
Kalibrierinformationsspeicher 28 ist ein digitaler Speicher, z.B. ein RAM
oder ein Register, der die Speicherung digitaler
Informationen gestattet, und ist ebenfalls herkömmlich. Bei dem
Programmiersystem 32 handelt es sich um ein
Programmiersystem, das ein automatisch arbeitendes Computersystem oder
ein von einer Person bedientes Computersystem sein kann,
welches mit einem Hostrechner gekoppelt ist, wie sie
allgemein bekannt und zur Programmierung digitaler Hörgeräte im
Einsatz sind. Ein Beispiel eines Anpaß- oder Anmeßsystems,
wie es für die Anpassung des Systems 32 verwendet werden
kann, ist das DPS (Digital Programming System), das sich
des SPI- (Speech Programming Interface)-Programmiergeräts
bedient, und wird von Cochlear Corporation, Boulder,
Colorado, angeboten. Dieses System ist für die Zusammenarbeit
mit dem WSP (Wearable Speech Processor) konzipiert, der
ebenfalls von der Cochlear Corporation angeboten wird.
-
Die in dem Kalibrierspeicher 28 des Kalibriergeräts 8
gespeicherten Informationen können jederzeit während der
Lebensdauer des Hörgeräts gespeichert werden. Beabsichtigt
und bevorzugt ist jedoch, daß die Kalibrierinformationen in
dem Kalibrierspeicher 28 überwiegend zum Zeitpunkt der
Herstellung,
des Verkaufs und/oder der Reparatur des Hörgeräts
bestimmt und gespeichert werden. Das Hörgerät 10 kann bei
Abschluß der Herstellung getestet werden, um die jeweiligen
Hörcharakteristika der analogen Komponenten des
Signalprozessors 20 oder anderer Komponenten des Hörgeräts, die zur
Hörleistung des Hörgeräts beitragen, zu bestimmen. Die
Werte solcher Schaltungscharakteristika können dann im
Anschluß an die Herstellung in den Kalibrierinformationen des
Kalibrierspeichers 28 gespeichert werden. Die Speicherung
solcher Kalibrierinformationen im Kalibrierspeicher 28 hat
den zusätzlichen Vorteil, daß die elektrischen Daten des
Hörgeräts 10 in digitale, aussagekräftige Terme gewandelt
werden, so daß das Programmiersystem 32 die akustischen
Parameter des Hörgeräts 10 in Bitmuster für das Hörgerät 10
übersetzen kann. So kann beispielsweise ein gewünschter
Schalldruckpegel trotz Schwankungen in der Empfindlichkeit
des Mikrophons 14, des Signalprozessors 20 oder des
Empfängers 26 erzielt werden.
-
Eine weitere Aufgabe der Kalibrierinformationen im
Kalibrierspeicher 28 ist die Speicherung von Informationen über
die Herstellungskonfiguration des Hörgeräts 10. So kann
beispielsweise ein Universal-Elektronikmodul in
Hörprothesen, insbesondere Hörhilfen, eingesetzt werden, das
beinhaltet, ob es sich bei der betreffenden Hörhilfe um eine
"hinter dem Ohr" oder "in dem Ohr" zu tragende handelt.
Solche Geräte verfügen entweder über eine Telespule oder
nicht, über einen Lautstärkeregler oder nicht usw. Durch
Speicherung der Kalibrierinformationen im Kalibrierspeicher
28 des individuellen Hörgeräts 10 kann das
Programmiersystem 32 in dem Hörgerät 10 aktiv werden, ohne daß das
Programmiersystem 32 die Modellnummer, Revisionsnummer, den
Code des Herstellungsdatums, die Seriennummer und optionale
Merkmale, die tatsächlich in dem Hörgerät enthalten sind,
identifizieren muß. Außerdem können interne Änderungen, wie
z.B. Verbesserungen der Schaltungskonfiguration, die
während
der Herstellung oder am Anschluß an diese vorgenommen
werden, in den Kalibrierinformationen im Kalibrierspeicher
28 gekennzeichnet werden, und das Hörgerät 10 kann durch
das Programmiersystem 32 geeignet und auf eine Weise
programmiert werden, die für das Programmiersystem 32
"transparent" ist.
-
Eine weitere Anwendung der Kalibrierinformationen 28 ist
ein Fehlerprüf- oder Fehlerkorrekturcode, der die Erkennung
eines Fehlers durch das Programmiersystem 32 und, im Falle
eines Fehlerkorrekturcodes, die Korrektur dieses Fehlers
gestattet, um eine fehlerhafte Programmierung des Hörgeräts
10 zu vermeiden.
-
Ein spezielles Beispiel der betreffenden in dem
Kalibrierinformationsspeicher 28 für eine bestimmte Hörhilfe
gespeicherten Informationen ist nachstehend angegeben,
wobei die entsprechende Anzahl der jedem Informationselement
zugeordneten binären Bits aufgelistet ist:
Informationselement
Binäre Bits
Tiefpaßdämpfung MPO 8
Tiefpaß-AVR-Code MPO-10 6
Tiefpaßverstärkung bei 60 dB Schalldruckpegel 6
Hochpaßdämpfung MPO 8
Hochpaß-AVR-Code MPO-10 6
Hochpaßverstärkung bei 60 dB Schalldruckpegel 6
Überschneidungsfrequenzcode 8
Mikrophonverstärkung bei 3% Gesamtklirrfaktor, 90 dB 5
Max. Telespulenverstärkung ohne Rückkopplung 4
Informationselement
Binäre Bits
Telespuleneinstellung für Abgleich mit Mikrophon bei Standardeinstellungen 4
Kalibrierung Ausgangsverstärker 5
Schwellspannung 3
Referenzeinstellungen Testverstärkung
Mikrophonverstärkung 5
Tiefpaßverstärkung 8
Hochpaßverstärkung 8
Ausgang 5
Seriennummer 24
Revisionsstand 4
Montageort 2
Datumscode 16
Telespule vorhanden 1
SUMME KALIBRIERBITS 142
-
Nachstehend folgt ein Beispiel einer Kalibrierprozedur, die
angewendet werden kann, um die Kalibrierinformationen 28 zu
erhalten, die in Zusammenhang mit einem bestimmten Hörgerät
10 oder einer Hörhilfe heranzuziehen sind. Diese
Kalibrierprozedur umfaßt folgende Schritte:
-
(Schritt 1) Der Eingang der Hörhilfe ist auf einen
Schalldruckpegel von 90 dB bei 2,5 kHz eingestellt. Die Hochpaß-
AVR ist linear eingestellt, wobei eine Freigabezeit auf die
längste verfügbare Einstellung eingestellt ist. Die
Tiefpaß-AVR ist linear eingestellt, wobei die
Tiefpaß-AVR-Freigabezeit auf ihren längsten Wert eingestellt ist. Die
Tiefpaß- und Hochpaßdämpfungen sind auf 10 dB eingestellt. Die
Filterübetschneidung ist auf einen Nennwert von 1000 Hz
eingestellt. Der Ausgang der Hörhilfe wird akustisch vom
Empfänger gemessen. Die Mikrophonverstärkung ist auf einen
Wert eingeregelt, bei dem ein Klirrfaktor von 3% am Ausgang
erhalten wird. Dieser Wert ist ein Kalibrierwert für die
Mikrophondämpfung.
-
(Schritt 2) Bei dem wie zuvor eingestellten Eingang der
Hörhilfe wird die Hochpaßdämpfung so eingeregelt, daß ein
Schalldruckpegel von 128 dB am Ausgang erhalten wird. Der
Wert der Hochpaßdämpfung ist somit die Referenz-Dämpfungs
einstellung für den Hochpaßkanal. Bei einem bestimmten
Hörgerät beträgt der Auslegungswert ca. 10 dB.
-
(Schritt 3) Bei der wie zuvor eingestellten Hörhilfe ist
das Eingangssignal auf 2,5 kHz, 60 dB Schalldruckpegel
einzustellen; der Ausgangspegel wird gemessen. Der
Eingangspegel wird dann auf 90 dB Schalldruckpegel erhöht, und die
AVR-Schwelle wird so eingeregelt, daß derselbe
Ausgangspegel erhalten wird wie mit dem Eingang von 60 dB
Schalldruckpegel. Der erhaltene Wert ist die
Referenz-AVR-Dämpfung für den Hochpaßkanal.
-
(Schritt 4) Der in Schritt 2 beschriebene Prozeß wird
nunmehr wiederholt, jedoch mit einem Eingangssignal von 250
Hz, 90 dB Schalldruckpegel, und die Tiefpaßdämpfung wird
für einen Schalldruckpegel von 120 db eingeregelt. Dies ist
die Referenz-Dämpfungseinstellung für den Tiefpaßkanal. Bei
einem bestimmten Hörgerät beträgt der Auslegungswert ca. 10
dB.
-
(Schritt 5) Die Hörhilfe wird nunmehr in dem Zustand
eingestellt, den sie am Ende des Schrittes 4 hatte. Das
Eingangssignal wird auf 250 Hz, 60 dB Schalldruckpegeleingang
eingestellt. Der Ausgangspegel wird gemessen. Nun wird der
Eingangspegel auf 90 dB Schalldruckpegel erhöht, und der
AVR-Schwellwert wird so eingeregelt, daß man denselben
Ausgangspegel erhält wie bei 60 dB Schalldruckpegel. Dies ist
Referenz-AVR-Dämpfungseinstellung für den Tiefpaßkanal.
-
(Schritt 6) Die Tiefpaßdämpfung wird nunmehr auf den
Referenzwert und die Hochpaßdämpfung auf den Maximalwert
eingestellt. Die Signalquelle wird auf 250 Hz bei einem
Schalldruckpegel von 90 dB eingestellt. Der Ausgangspegel wird
bei 250 Hz gemessen, und der Signaleingang wird erhöht, bis
der Ausgang 3 dB unterhalb des Pegels bei 250 Hz liegt.
-
(Schritt 7) Die Hochpaßdämpfung wird nunmehr auf den
Referenzwert und die Tiefpaßdämpfung auf den Maximalwert
eingestellt. Die Signalquelle wird auf 2,5 kHz bei einem
Schalldruckpegel von 90 dB eingestellt. Der Ausgangspegel wird
bei 2,5 kHz gemessen. Die Frequenz des Eingangssignals wird
nun verringert, bis der Ausgang 3 dB unterhalb des Pegels
bei 2,5 kHz liegt. Sind die in Schritt 6 und 7 erhaltenen
Abwärtspunkte von 3 dB für das Hoch- bzw. Tiefpaßfilter
gleich, so reicht die Messung aus. Ist dies nicht der Fall,
so ist iterativ zu verfahren, bis die Frequenz gefunden
ist, bei der die Ausgangspegel jedes Kanals gleich sind.
Dies ist der Kalibrierfrequenzwert für die
Überschneidungsfrequenz zwischen den Tiefpaß- und Hochpaßkanälen.
-
Der im Kalibrierinformationsspeicher 28 zu speichernde
Überschneidungsfrequenz-Kalibrierfaktor wird berechnet als
der Wert der in Schritt 7 gemessenen Frequenz, dividiert
durch 10.
-
Die im Kalibrierinformationsspeicher 28 gespeicherten
Kalibrierkonstanten sind die oben bestimmten Werte, und jeder
entspricht dem zur Erzielung einer spezifischen
Kalibrierbedingung erforderlichen Bitcode. Die detailliert
beschriebene Prozedur betrifft eine hinter dem Ohr zu tragende
Ausführung einer Hörhilfe. Der Wert der Schwellspannung wird
während der Produktion gemessen und wird im Rahmen des
akustischen Kalibrierprozesses nicht geändert. Dieser Wert
wird einfach im Kalibrierinformationsspeicher 28
gespeichert.
-
Die Referenz-Testverstärkungsposition ist die Einstellung,
die sich bei einem Ausgang 17 dB unterhalb des HFA-SSPL90
ergibt, d.h. die Position, die bei 1,0, 1,6 und 2,5 kHz
einen durchschnittlichen Ausgang 17 dB unterhalb ihres
Wertes bei voller Verstärkung ergibt, gemessen unter
Verwendung eines Eingangssignals mit 60 dB Schalldruckpegel. In
der Referenz-Testposition sollte die Hörhilfe auch in ihren
nichtautomatischen Verstärkungsregelmodus eingestellt
werden, da bei Hilfen mit automatischer Verstärkungsregelung
die Referenz-Testverstärkung identisch ist mit der vollen
Verstärkung.
-
Es ist also ersichtlich, daß ein neues Hörgerät, wie etwa
eine ein Kalibriergerät enthaltende Hörhilfe, dargestellt
und beschrieben worden ist. Es versteht sich jedoch von
selbst, daß Fachleute verschiedene Änderungen,
Modifikationen und Substitutionen der Form und der Einzelheiten der
vorliegenden Erfindung vornehmen können, ohne den Rahmen
der Erfindung, wie er durch die nachfolgenden Ansprüche
definiert ist, zu verlassen.