DE661164C - Verfahren zur Wiedergewinnung von reinem Papierstoff aus Altpapier - Google Patents
Verfahren zur Wiedergewinnung von reinem Papierstoff aus AltpapierInfo
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Description
; hid* Litern
.gQ JfUL 1938
AUSGEGEBEN AM
13. JUNI 1938
13. JUNI 1938
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren
zur Wiedergewinnung von reinem Papierstoff aus Altpapier, das mit einer Farbe, insbesondere Kohlenstoffarbe, bedruckt ist,
die ein oxydationsfähiges Öl, ζ. Β. Leinöl, als flüssigen Bestandteil enthält.
Es ist schon vorgeschlagen worden, die Leimbestandteile von zerschnitzeltem Altpapier
mittels Alkali oder einem Lösungs-' mittel zu verseifen oder aufzulösen. Ebenso
. hat man. schon vorgeschlagen, Altpapier mit einer alkalischen Flüssigkeit, z. B. Sodalösung,
zu behandeln und ein Oxydierendes und bleichendes oder die Aufschließung begünstigendes
Gas, ζ. Β. Luft oder Sauerstoff, durch die Flüssigkeit hindurchzublasen. Endlich
ist vorgeschlagen worden, rohe cellulosehaltig« Stoffe, z. B. Lumpen, mit Alkali nur
anzufeuchten und dann der Behandlung mit Luft zu unterwerfen, um sie zu veredeln. Indessen
betreffen alle diese Vorschläge nicht die Probleme, welche bei der Entfernung der
Farbteilchen von Altpapier auftreten, das mit einer Farbe bedruckt ist, die ein oxydationsfähiges
Öl, wie z. B. Leinöl, enthält.
Mit derartigen Druckfarben bedrucktes Papier bietet bei der Entfernung der Druckfarbe
beträchtliche Schwierigkeiten. Der Grund hierfür ist der Ölbestandteil der Druckfarbe, der nach der Trocknung durch
Oxydation eine zähe, lederartige Haut oder einen Film über und unter der Druckfarbe
bildet, wodurch die Loslösung der Druckfarbe von der Oberfläche des Papiers sehr
erschwert wird, besonders wenn das von der Druckfarbe zu befreiende Papier Teile aufweist,
die mit Illustrationen oder Anzeigen unter Verwendung mehr oder weniger großer Typen bedruckt sind.
Um diesen oxydierten Ölfilm zu vernichten, ist es notwendig, daß derselbe weiter oxydiert
wird, bis er in einem Ausmaß verwittert ist, daß er zerfällt, in welchem Zustand sich die
Druckfarbe leicht vom Papier abtrennen läßt. Aber eine solche weitere Oxydation des Ölfilms
verläuft im Rahmen der bisher bekannten Verfahren, selbst nach dem eingangs an
zweiter Stelle als bekannt vorausgesetzten Verfahren, wonach mit Alkali unter gleichzeitiger
Anwendung von Sauerstoff gearbeitet werden kann, zu langsam.
Es wurde nun gefunden, daß diese weitere Oxydation des Ölbestand teiles der Druckfarbe
beschleunigt werden kann, nachdem das Papier der üblichen Anfangsbehandlung zur Löslichmachung seiner Leimbestandteile durch
Verseifen, z. B. mittels Alkali, oder Auslaugen, z.B. mittels Alkohol, unterworfen wurde. Hierbei
können zwei Verfahren angewendet werden, von denen das an zweiter Stelle erläuterte
Verfahren das bessere ist, da es schneller verläuft.
Das erste Verfahren besteht darin, daß das
zerschnitzelte Altpapier zunächst, wie an sich bekannt, durch ein Leimlösungs-. oder Verseifungsmittcl
entlehnt, die die Leimbestandteile enthaltende Flüssigkeit abgetrennt und
der so vorbehandelte Papierstoff in Gegenwart einer schwach alkalischen und gegebenenfalls
erwärmten Flüssigkeit der Einwirkung von Sauerstoff, z. B. durch Hindurchtreiben
ίο von Sauerstoff oder Luft, ausgesetzt wird, bis sich die Druckfarbenbestandteile durch gelindes Reiben entfernen lassen, worauf die
Schnitzel zerfasert und die Druckfarbenbestandteile von den Fasern getrennt werden.
Das zweite Verfahren ist dadurch, gekennzeichnet, daß die Schnitzel nach dem Entfernen
der die aufgelösten Bestandteile •enthaltenden Flüssigkeit aufgelockert, mit der
schwach alkalischen* Flüssigkeit nur angefeuchtet und in diesem Zustand der Luft ausgesetzt
werden, bis braune Oxydationsflecken auf den Schnitzeln erscheinen, worauf diese
mit der schwach alkalischen Flüssigkeit so lange bedeckt werden, bis die Druckfarbenbestandteile
durch gelindes Reiben entfernt, die Schnitzel zerfasert und die Druckfarbenbestandteile
von den Fasern getrennt werden können.
Beide Verfahren umfassen also, kurz gesagt,
das Zerschnitzeln des Papiers, das Auflösen des Leimbestandteiles, das Oxydieren
des durch die Druckfarbe gebildeten Ölfilms, bis die Farbe leicht entfernt werden kann,
das Entfasern der Schnitzel und schließlich das Entfernen der Druckfarbenteile von denselben.
Das erste Verfahren kann beispielsweise . folgendermaßen ausgeführt werden: 1 t lufttrockenen
Altpapiers wird nach Überführung in Schnitzel zunächst mit einer alkalischen Flüssigkeit, die aus 18 bis 27 kg NaOH oder
ihren Äquivalenten sowie 13 bis 25 Gewichtsteilen
Wasser je Gewichtsteil lufttrockenen Papiers bestehen kann, auf etwa 90 bis 950
erwärmt. Die Flüssigkeit wird dann entfernt, worauf die Schnitzel, welche noch eine beträchtliche
Menge Alkali enthalten, feucht gehalten und der Luft zur weiteren Oxydation des Ölfilms ausgesetzt werden, bis braune
Oxydationsflecken auf den Schnitzeln erscheinen. Dann müssen die Schnitzel mit einer
schwach alkalischen Lösung bedeckt werden, die höchstens 9 kg NaOH je Tonne und 18
bis 25 Gewichtsteile Wasser je Gewichtsteil des lufttrockenen Papiers enthält. Die
Schnitzel werden gänzlich mit der Flüssigkeit überdeckt, um eine weitere unmittelbare Berührung
mit der Luft auszuschließen. Dieser Vorgang wird so lange fortgesetzt, bis Teile
der Druckfarbe, die auf aus der Lösung ent-' nummenen Schiiitzelproben enthalten sind.
leicht durch schwaches Zerreiben, z.-B. mit
den Fingerspitzen, entfernt werden können. Die erwähnte Durchführung der Oxydation
des Ölfilms erfordert etwa 48 Stunden. Die' Entfernung der Druckfarbe wird dann durch
Zerfaserung der Schnitzel und Entfernung der Druckfarbenteilchen von ihnen durch eine geeignete
weitere Behandlung vervollständigt. Der letztere Vorgang kann in einem Auswaschen
oder Ausschwemmen bestehen.
Wenn eine Ausschwemmung angewendet wird, ist es ratsam, daß der bei der Verseifung
des Leinöles und des Leimes entstandene Seifenrückstand in der behandelten Papiermasse
vor der Zerfaserung durch Filtrierung oder Entwässerung und darauffolgendes Auswaschen auf eine für die Ausschwemmung geeignete
Menge verringert wird, um unerwünschte Schaumbildung zu vermeiden.
Das zweite Verfahren kann wie folgt durchgeführt werden: Schnitzeln des Papiers, Verseifen
seiner Leimbestandteile mittels einer alkalischen Flüssigkeit und Ablassen der Flüssigkeit
in ähnlicher Weise, wie es oben mit Bezug auf diesen Vorgang bei dem erst.311
Verfahren beschrieben worden ist.
Der nächste Vorgang nach dem Entfernen der Flüssigkeit besteht in einem Bedecken der·
Schnitzel mit einer zweckmäßig lauwarmen schwach, alkalischen Lösung, die nicht mehr
als 9 kg NaOH je Tonne und 18 bis 25 Gewichtsteilen
Wasser je Gewichtsteil des behandelten lufttrockenen Papiers enthält. Die
schwach alkalische Lösung kann erfindungsgemäß auch in der Weise erhalten werden,
daß man für den Verseifungsvorgang eine • alkalische Flüssigkeit, deren Menge über die
zur Verseifung des Leimes erforderliche Menge hinausgeht, derart zur Einwirkung auf die
Schnitzel bringt, daß nach Abtrennung der die verseiften Leimbestandteile enthaltenden
Lauge die bei der sich hieran anschließenden Sauerstoffeinwirkung weiterhin erforderliche
schwach alkalische Flüssigkeit durch Behandeln der mit Alkali durchtränkten Schnitzel
mittels Wasser erzeugt "werden kann. Das erforderliche Ausmaß ist eingehalten, wenn
die alkalische Flüssigkeit, welche für den anfänglichen Verseifungsvorgang verwendet no
wird, aus 27 kg NaOH oder deren Äquivalent
je Tonne des behandelten lufttrockenen Papiers besteht und mit 13 bis 25 Gewichtsteilen Wasser auf einen Gewichtsteil des lufttrockenen
Papiers vermischt ist; die Flüssigkeit wird, wie erwähnt, dann abgezogen, und
18 bis 25 Gewichtsteile Wasser werden auf einen Teil des lufttrockenen Papiers hinzugefügt, so daß die Schnitzel vollständig mit
der hierbei entstehenden schwach alkalischen Lösung bedeckt sind.
Die nun folgende Sauerstolfeinwirkung auf
6Gl
die mit der schwach alkalischen Flüssigkeit
bedeckten Schnitzel bewirkt die gewünschte Oxydation des Ölbcstaiidleiles der Druckfarbe
und macht dieselbe krümelig, so daß sie, wie erwähnt, leicht von den Papierschnitzeln entfernt
werden kann. Während des Oxydationsvorganges müssen die Schnitzel in einem aufgelockerten
Zustand erhalten werden, d.h. am Absetzen zu einer zusammenhängenden Masse
ίο gehindert werden, damit sowohl die schwach
alkalische Lösung wie der durch dieselbe hiiidurchtrcten.de
Sauerstoff in eine innige Berührung mit den Schnitzeln gelangen kann.
Ein einfacher Weg zur Erreichung dieses Zweckes besteht darin, den Sauerstoff, wie
an sich bekannt, durch Hindurchtreiben von Luft unter Druck auf die alkalische Flüssigkeit
einwirken zu lassen, wobei gleichzeitig ein ausreichendes Aufrühren erzielt wird. Dieser
Vorgang muß fortgesetzt werden, bis eine aus der Lösung entnommene Scluiitzelprobe zeigt,
daß die Schnitzel mürbe sind und daß die Druckfarbenteilchen durch leichtes Zerreiben,
etwa mit den Fingerspitzen, schnell zu entfernen sind. Die Schnitzelproben zeigen gewöhnlich,
daß ihr Gefüge mehr Oder weniger erhalten geblieben ist, und ebenso kann der
Druck auf den Schnitzeln noch erkennbar sein; aber trotzdem können die Druckfarben-.
30 teilchen, wenn die Oxydation des Ölbestandteiles des Druckfarben films bis zum richtigen
Grade durchgeführt wurde, durch schwaches Reiben leicht entfernt werden.
Das zweite Verfahren nimmt, wenn die • 35 schwach alkalische Flüssigkeit lauwarm gehalten
wird, etwa 45 Minuten in Anspruch. Der Endvorgang besteht dann in dem Zerfasern der Schnitzel und dem Entfernen d;r
Druckfarbenteilchen von ihnen mittels irgend-
4.0 einer Behandlung, wie Waschen oder Ausschlämmen,
wie dies in der Beschreibung des ersten Verfahrens erwähnt ist.
Die beschriebenen Vorgänge zur Durchführung der Erfindung, sowohl des ersten wie
auch des zweiten Verfahrens, können bewirkt werden durch Verwendung irgendeiner Vor- j
richtung, wie sie in Papierfabriken angetroffen wird. Es sollte aber weder bei der Zerfaserung
der Schnitzel noch bei der Abtrennung der Druckfarbenteilchen eine Einrichtung· benutzt
werden, die die Neigung besitzt, die Druckfarbenteilchen in die Fasern einzulagern.
Z. B. wird lebhaftes Rühren in einem Behälter
mit einem Rührer nach Art einer Schiffsschraube die vollständige Zerfaserung der Schnitzel bewirken und die Druckfarbenteilchen
von den Fasern lösen; hingegen wer· den Reiniger, die mehr auf einer Schlagwirkung
beruhen, dazu neigen, die Teilchen in die Oberfläche der Fasern hineinzudrücken.
Auf diese Weise würden die Druckfarbenteilchen in den Fasern mechanisch verankert und
ihre spätere Abtrennung von den Fasern verhindert werden.
Claims (3)
1. Verfahren zur Wiedergewinnung von reinem Papierstoff aus Altpapier, das mit
einer ein Oxydationsfähiges Öl enthaltenden Farbe bedruckt ist, dadurch gekennzeichnet,
daß das zerschnitzelte Altpapier durch ein Leimlösungs- Oder -verseifungsmittel
entleimt, die die Leimbestandteile enthaltende Flüssigkeit abgetrennt und der so vorbehandelte Papierstoff in Gegenwart
einer schwach alkalischen und gegebenenfalls erwärmten Flüssigkeit der Einwirkung
von Sauerstoff, z. B. durch Hindurch.-treiben von Sauerstoff oder Luft, ausgesetzt
wird, bis sich die Druckfarbenbestandteile durch gelindes Reiben entfernen lassen, worauf die Schnitzel zerfasert und
die Druckfarbenbestandteile von den Fasern getrennt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schnitzel nach
dem Entfernen der die aufgelösten Leimbestandteile enthaltenden Flüssigkeit aufgelockert,
mit der schwach alkalischen Flüssigkeit nur angefeuchtet und in diesem Zustand der Luft ausgesetzt werden, bis
braune Oxydationsfleckc auf den Schnitzeln erscheinen, worauf diese mit der schwach alkalischen Flüssigkeit so
lange bedeckt werden, bis die Druckfarbenbestandteile durch gelindes Reiben entfernt, die Schnitzel zerfasert und die
Druckfarbenbestandteile von den Fasern getrennt werden können.
3. Verfahren nach Anspruch 1 unter Verwendung einer alkalischen Flüssigkeit als
Entleimungsmittel, dadurch gekennzeichnet, daß die alkalische Flüssigkeit in einer
Menge, die über die zur Verseifung des Leimes erforderliche Menge hinausgeht, derart zur Einwirkung auf die Schnitzel
gebracht wird,' daß nach Abtrennung der die verseiften Leimbestandteile enthaltenden
Lauge die bei der sich hieran anschließenden Sauerstoffeinwirkung weiterhin erforderliche schwach alkalische Flüssigkeit
durch Behandeln der mit Alkali durchtränkten Schnitzel mittels Wasser erzeugt werden kann.
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