-
Verfahren zum Leimen von Faserstoff Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zum Leimen von Faserstoff, der zur Herstellung von Papier, Pappe oder Gegenständen
verwendet werden kann.
-
Das Verfahren nach der Erfindung besteht darin, daß der lediglich
vorzerkleinerte Rohfaserstoff, z. B. in Schnitzel- oder Häckselform, bei einer i
2, 5 % nicht unterschreitenden Stoffdichte, insbesondere bei 25 bis 50% Stoffdichte,
vor oder während seiner durch mechanische Mittel bewirkten Zerfaserung mit schmelzbaren
Leimungsmitteln, insbesondere Kohlenwasserstoffen, wie Paraffin oder Rohvaselin,
vermischt und die Zerfaserung bei einer Temperatur von über ioo° C, insbesondere
bei i5o bis 200° C, sowie einem absoluten Druck von über i Atm. vorgenommen wird.
-
Der Erfindung liegt also die Erkenntnis zugrunde, daß zum Hineinarbeiten
des Leimungsmittels in den Stoff die mechanische Zerfaserungsarbeit vorteilhaft
nutzbar gemacht werden kann, wenn dabei die vorstehend gekennzeichneten Bedingungen
beachtet werden.
-
Die bisher bekannten Leimverfahren zeigen weder diese Erkenntnis noch
die besonderen Regeln, die durch die Erfindung gegeben sind.
-
So ist es an sich bekannt, die Leimungsmittel bei Über- und/oder Unterdruck
mit der Faser in einem Holländer zu durchmischen, jedoch spielt bei einem derartigen
Verfahren die Temperatur keine wesentliche Rolle, da die Bindemittel nicht in geschmolzenem
Zustand mit den Fasern vermischt werden. Außerdem wird nach diesem bekannten Verfahren
bei niedriger Stoffdichte gearbeitet und als Ausgangsmaterial bereits zerfaserter
Stoff verwendet, der wie üblich lediglich vermahlen und gleichzeitig geleimt werden
soll.
-
Es sind zwar ferner Verfahren bekannt, bei denen auch die Temperatur
eine gewisse Rolle spielt. So ist @es bekannt, gefeuchteten, breiigen, aber nicht
fließenden Papierstoff mit geschmolzenen Bindemitteln, wie Bitumen oder Kunstharz,
in einer Knetmaschine zu vermischen, oder verdünnten Faserbrei mit geschmolzenem
Bitumen bei einer Temperatur über ioo° C zu vermahlen. Nachdem Verfahren der Erfindung
dagegen soll gleichzeitig mit dem Zerfasern des lediglich vorzerkleinerten Rohfaserstoffes
die Faser mit dem Bindemittel vermischt werden, und zwar zu Leimungszwecken, wozu
nur Leimungsmittel in geringer Menge erforderlich sind.
-
Schließlich ist vorgeschlagen worden, Zellstoff unmittelbar nach der
Kochung mit einem wachsartigen Leimungsmittel zu versehen, ohne die die vorliegende
Erfindung kennzeichnenden Bedingungen zu erfüllen, ganz abgesehen davon, daß auch
hierbei kein
unzerfaserter Rohfaserstoff, sondern Zellstoff als
Ausgangsmaterial verwendet wird.
-
Wie oben angegeben, gestaltet sich dae Verfahren der Erfindung ganz
besonders v' teilhaft bei Anwendung von Temperaturer, von iSo bis zoo° C und einem
diesen Tegi peraturen entsprechenden Druck während der' Zerfaserung. Bei solchen
Temperaturen wird das schmelzbare Leimungsmittel teilweise vergast oder auf jeden
Fall leichtflüssig und verteilt sich dann sehr gleichmäßig auf den Fasern.
-
Bei einem praktisch durchgeführten Versuch wurden Holzspäne als Rohmaterial
verwendet und als Leimungsmittel Paraffin mit einem Schmelzpunkt von etwa 5o° C.@
Die Menge des zugesetzten Leimungsmittels betrug- 2 % des Trockengewichts des Rohmaterials.
Diese Masse wurde bei einer Temperatur von 1¢o bis 15o° C in einem Zerfaserer mit
schnell umlaufenden Zerfaserungswerkzeugen zerfasert.
-
Der so erhaltene Stoff wurde dann bei einer- Temperatur von io bis
2o° C mit Wasser aufgeschwemmt, bis die .erwünschte Konsistenz erzielt wurde und
daraus eine- unter mäßigem Druck getrocknete Scheibe geformt. Es zeigte sich, daß
diese Scheibe bei einem :24stündigen Aufenthalt in Wasser eine Wassermenge aufnahm,
die nur 140/0 ihres Gewichtes entsprach, während eine gleiche, aber aus nicht geleimten
Fasern hergestellte Scheibe in der gleichen Zeit io5% ihres Gewichtes an Wasser
aufnahm.
-
Dieser Versuch wurde mit verschiedenen Stoffen, wie Stroh, Bambus
usw., wiederholt, und es zeigte sich in jedem Fall, daß, das Erzeugnis aus nach
der Erfindung geleimtem Faserstoff bedeutend stärker widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit
war als andere Produkte.
-
Es zeigte sich auch, daß der Grad der Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit
mit der Menge des je Einheit des Rohmaterials zugesetzten Leimungsmitttels schwankte.
Kleine Mengen unter o, i bis 0,30/0 hatten kaum eine Wirkung. Größere Mengen
von o,5 bis i Zizeigten eine sehr ausgeprägte Wirkung und a [ rften für die meisten
Zwecke vollkommen A ch end sein, ob g leich in besonderenFäl-2 1*"' -'Mengen von
1,5 bis 40/0 zugesetzt werden «sen, um die beste Wirkung zu erzielen.
-
Es zeigte sich ferner, daß der Zusatz von Paraffin den Zerfaserungsvorgang
weder erleichterte noch erschwerte, was offenbar darauf zurückzuführen ist, daß
das Leimungsmittel in verhältnismäßig geringer Menge und außerdem in leichtflüssiger
oder sogar vergaster Form vorhanden ist.
-
Auch andere schmelzbare Leimungsmittel, wie Harze, Wachse usw., können
mit Vorteil verwendet werden, und zwar in den gleichen Mengen, wie oben angegeben.
-
Wichtig ist ferner, wie erwähnt, daß das Rohmaterial, dem das schmelzbare
Leimungsmittel zugesetzt wird, kein freies Wasser enthält, daß also höchstens
7 kg Feuchtigkeit je Kilogramm trockenes Fasergut vorhanden sind, was einer
Stoffdichte von i 2, 5 % entspricht, da sonst das Leimungsmittel von dein Faserstoff
abgestoßen werden würde.