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Geschoß zum Durchschlagen von Panzerplatten Beim Beschuß von Panzerplatten
mit Geschossen und Geschoßkernen mit ovigaler Spitze hat man beobachtet, daß die
Wirkung unverhältnismäßig hinter der bei normaler Anstellung der Platte zur Schußrichtung
zurückbleibt, wenn die Plattenoberfläche schräg zur Schußrichtung steht. Diese mangelhafte
Wirkung ist vornehmlich auf _die ovigale oder ähnlich ausgewölbte Form der Geschoßspitze
zurückzuführen; sie sei an Hand der Abb. i geschildert. Beim beginnenden Eindringen
des Kerns in den Panzer (Stellung a) wird durch die weit stärkeren Reaktionskräfte
von rechts her die Kernspitze nach links gedrückt. Diese Linksdrehung wird dadurch
unterstützt, daß das weiter vordringende Geschoß in der vorgeformten Fläche f gewissermaßen
eine Kurve vorfindet, die der Krümmung der Geschoßspitze entspricht. Das Geschoß
gleitet in diese Kurve hinein, erweitert sie nach vorn, begünstigt damit eine weitere
Linksdrehung (Stellung b), so daß der Kern nur wenig in die Panzerplatte p eindringt
und dann von ihr zurückprallt.
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Gegenstand der Erfindung ist nun eine solche Form der Geschoßspitze,
daß ihr Abdrehen aus der Schußrichtung beim Eindringen in schräge Platten weit weniger
möglich ist. Erfindungsgemäß wird -dies dadurch erreicht, daß die Oberfläche der
Spitze nicht wie bisher ausgewölbt, sondern wenigstens iiber etwa die halbe vordere
Spitzenlänge eingewölbt ist. Eine solche Spitze mit der charakteristischen, zur
Geschoßachsekonvexen Ausladung ist beispielsweise in Abb. z beim Eindringen in einen
Panzer p veranschaulicht. Auch hier überwiegen naturgemäß die Reaktionskräfte von
der rechten Seite her, so daß auf die Spitze ein Drehmoment nach links einwirkt.
Zum Unterschiede gegenüber der ovigalen Spitze nach Abb. i findet jedoch hier der
weiter vordringende Spitzenteil keine vorbereitete Kurve vor, die der Spitzenkrümmung
entspricht, sondern der nachdringende ausladende Teil h trifft gewissermaßen auf
eine widerstehende Schulter s. Das Ergebnis ist die Tendenz, die- =Spitze um diese
Schulter als Widerlager nach rechts zu drehen. Das ursprünglich linksdrehende Moment
wird also teilweise ausgeglichen; die Geschoßabweichung bleibt geringer.
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Geschosse mit S-schlagförmigem Spitzenprofil sind bereits wegen ihrer
vorteilhaften aerodynamischen Wirkung vorgeschlagen worden. Außer ihrem Zweck war
aber auch die Art der Ausladung abweichend von der erfindungsgemäßen Ausführung.
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So kann die Aufrichtwirkung nicht mit einem Geschoß erreicht werden,
das etwa auf die halbe vordere Spitzenlänge ausgewölbt, und zwar ovigal gestaltet
ist und die konvexe Ausladung erst kurz vor dem Übergang in den eigentlichen zylindrischen
Geschoßkörper besitzt. Beim Eindringen in einen schräg zur Schußrichtung angestellten
Panzer genügt die halbe ovigale Spitzenlänge durchaus, uni dem Geschoß eine weitgehende
Ablenkung zu erteilen und es seitlich vom Panzer abrutschen
zu lassen,
bevor die nachfolgende geringfügige konvexe Ausladung sich entgegengesetzt drehend
auswirken kann.
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Andererseits ist es bereits bekannt, bei Panzergeschossen durch besondere
Formung der Geschoßspitze ein aufrichtendes Moment beim Schrägaufschlag auf das
Geschoß hervorzurufen. Diese Formung weicht jedoch sowohl in ihrer Gestaltung des
Spitzenprofils als auch der angestrebten Wirkungsweise grundsätzlich von der Erfindung
ab. Als Beispiel sei der Vorschlag erwähnt, die Spitzenoberfläche von Geschossen
mit scharfrandigen Nuten zu versehen, die beim Eingriff in einen Panzer -ein Abgleiten
des Geschosses verhindern und mit ihrem eingedrungenen Randteil als Drehpunkt einer
Aufrichtbewegung wirken. Der Unterschied im Spitzenprofil gegenüber der Erfindung
besteht in der Verwendung scharfer, und zwar konkav zur Geschoßachse gerichteter
Vorsprünge. Die Wirkung dieser Geschosse ist infolge der Verzahnung des Plattenmaterials
mit den Geschoßnuten naturgemäß geringer als bei einem` Geschoß nach der Erfindung,
bei der das widerstehende Plattenmaterial an der konvexen Einwölbung abgleiten kann.
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Eine Vorbedingung für die angestrebte Aufrichtwirkung der Geschosse
nach der Erfindung ist die Fertigung der Spitze aus hartem, druckfestem Material.
Diese Wirkung ist daher nicht zu erzielen mit Kappengeschossen, bei denen nur die
weiche Kappe die erfindungsgemäße Spitzenkontur aufweist. Die Kappe würde beim Aufschlag
sofort nachgeben und so zwar ein Abgleiten des Geschosses verhindern, aber die Eindringrichtung
der ovigalen Spitze und ihre Ablenkung gemäß Abb. z nicht beeinflussen können.
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Im Gegensatz zu den erwähnten älteren Vorschlägen S-schlagförmiger
Spitzenkontur hat die dicht an der Spitze angeordnete konvexe Ausladung einmal den
eingangs aufgeführten Vorteil, daß sofort mit dem Eindringen in eine Panzerplatte,
also bevor eine nennenswerte Ablenkung eintreten kann, die aufrichtende Wirkung
einsetzt, und ferner den Vorzug jedes hohlgeschliffenen Keiles, ungewöhnlich leicht
vorzudringen. Wenn die Spitze etwa zur Hälfte in die Deckung eingedrungen ist, hat
sie genügend Führung auf allen Seiten, um dem nachteiligen Drehmoment zu widerstehen.
Da anderseits eine erheblich über die halbe Spitzenlänge hinaus erstreckte konvexe
Ausladung infolge zunehmend steiler, zur Achse angestellter Krümmungstangente nur
das Vordringen in den Panzer erschweren würde, läßt man vorteilhaft die vordere
konvexe Ausladung allmählich flacher und schließlich in eine zur Achse konkave Auswölbung
zum Übergang in den zylindrischen Geschoßkörper verlaufen.
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Besonders für große Kaliber, z. B. Granaten mit aufgesetzter Panzerkappe,
ist eine bereits an der Spitze des eigentlichen harten Geschosses oder Kernes beginnende
konvexe Ausladung wegen der Bruchgefahr beim Aufschlag bedenklich. Aus diesem Grunde
ist die Spitzenform nach Abb. 3 vorzuziehen, bei der die konvexe Einwölbung nicht
unmittelbar an der Spitze sondern erst kurz dahinter beginnt. Der vorderste Teil
mag gerade abgeschnitten, rund oder ovigal gewölbt oder auch gemäß Abb. q. eingestülpt
sein, er mag in der oben beschriebenen Weise beim Aufbrechen des Panzers eine Ablenkung
der Spitze veranlassen; die unmittelbar nachfolgende längere Einwölbung verhindert
ein weiteres Abdrehen, so daß die Gesamtabweichung von der Schußrichtung in erträglichen
Grenzen bleibt.