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Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft einen neuen Test zum Messen des Vorgangs
der Dimerisierung von HIV-1-reverser Transkriptase (RT). Die Erfindung
betrifft insbesondere ein neues Verfahren, das sich zur Anpassung
dieses Vorgangs an ein Screening mit hohem Durchsatz eignet.
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Hintergrund der Erfindung
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Reverse
Transkriptase (RT) des humanen Immunschwächevirus vom Typ 1 (HIV-1)
spielt eine Schlüsselrolle
bei der Replikation von HIV durch Umwandlung von einzelsträngiger genomischer
RNA in doppelsträngige
provirale DNA und stellt eines der Hauptziele für die Entwicklung einer AIDS-Therapie
dar. Die meisten Inhibitoren von RT, die in den vergangenen Jahren
beschrieben wurden, zielen unabhängig
davon, ob es sich um Nucleosid-Analoge oder um Nichtnucleosid-Inhibitoren handelt,
auf die Polymerase-Aktivität
von RT ab, sind aber mit einigen Einschränkungen verbunden, wozu die
Toxizität
und das Auftreten von resistenten Stämmen gehören.
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Die
biologisch relevante und aktive Form von HIV-RT, die in infektiösen Virionen
auftritt, ist ein Heterodimeres, das zwei Polypeptide, nämlich p66
und p51, enthält.
Das letztgenannte Produkt entsteht aus dem erstgenannten Produkt
durch proteolytische Spaltung der C-terminalen Domäne während der
viralen Reifung. Die beiden Untereinheiten der 66- und 51 kDa-Form
sind in einem Verhältnis
von 1:1 vorhanden. Diese heterodimere RT wird in einem zweistufigen
Dimerisierungsprozess gebildet, dessen Kinetik die rasche Assoziation
der beiden Untereinheiten zu einem unreifen Dimeren umfasst, wonach
sich eine langsame Konformationsänderung
unter Bildung der vollständig
aktiven Form anschließt
(p66 + p51 → p66/p51
unreif → p66/p51
aktiv; Divita et al., J. Mol. Biol., Bd. 245 (1995), S. 508-521,
12, 13).
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Die
DNA-Polymerase- und RNase H-Aktivitäten von HIV-1-RT sind von der
dimeren Struktur des Enzyms abhängig
(Restle et al., J. Mol. Biol. Chem., Bd. 265 (1990), S. 8986-8988;
Restle et al., FEBS Letters, Bd. 300 (1992), S. 97-100). Da die
Dimerisierung dieser Untereinheiten für die enzymatische Aktivität erforderlich
ist, könnte
eine Störung
der Dimerisierung von HIV-1-RT ein geeignetes Ziel für die Entwicklung
von anti-HIV-Verbindungen darstellen. Ein Beispiel: synthetische
Peptide aus der Daumendomäne
der p51-Untereinheit von RT hemmen den "Reifungsprozess" (Morris et al., Biochemistry, Bd. 38
(1999), S. 15097-15103). Verbindungen, die die Bildung und/oder
Stabilität
des RT-Dimeren hemmen, könnten
daher eine neuartige Klasse von antiviralen Verbindungen bilden.
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Mehrere
Veröffentlichungen
beschreiben Assoziations-Dissoziations-Tests zum Messen der Kinetik des
p51-p66-Dimerisierungsvorgangs (Cabodevilla et al., Eur. J. Biochem.,
Bd. 268 (2001), S. 1163-1172; Morris et al., J. Biol. Chem., Bd.
274 (35) (1999), S. 24941-24946; Divita et al., Biochemistry, Bd.
34 (1995), S. 16337-16346; Divita et al., J. Biol. Chem., Bd. 269
(18) (1994), S. 13080-13083; Divita et al., FEBS Letters, Bd. 324
(2) (1993), S. 153-158; Becerra et al., Biochemistry, Bd. 30 (1991),
S. 11707-11719). Dabei wird durchweg die Dimerisierung gemessen
durch: Größenausschluss-HPLC;
Messen der RNA-abhängigen DNA-Polymerase-Aktivität der Probe;
Immunopräzipitation;
oder Überwachung
der intrinsischen Fluoreszenzemission des Proteins. Keine dieser
Veröffentlichungen
beschreibt einen Bindungstest, der sich für das HTS-Format eignet.
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Tachedjian
et al., PNAS, Bd. 97 (12) (2000), S. 6334-6339, beschreiben ein
Hefe-2-Hybridsystem zur Untersuchung des Assoziations-Dissoziations-Vorgangs
der RT-Dimerisierung. Jedoch ist dieses System nicht leicht einem
Test mit hohem Durchsatz zur Bestimmung einer großen Anzahl
von potentiellen Inhibitoren zugänglich.
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Howard
et al., J. Biol. Chem., Bd. 266 (34) (1991), S. 23003-23009, schlagen
ein Testsystem zur Überwachung
therapeutischer Mittel vor, das durch eine Verhinderung der Dimerbildung
wirkt. Auch diese Veröffentlichung
beschreibt keinen Bindungstest, der für ein Screening mit hohem Durchsatz
ausgestaltet werden kann und sich für die Identifizierung von potentiellen
Inhibitoren der Heterodimerisierung eignet.
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Zusammenfassende Darstellung der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung stellt einen Test mit hohem Durchsatz bereit,
der sich zum Testen einer großen
Anzahl von Verbindungen auf ihre Aktivität gegen die Dimerisierung von
HIV-RT eignet. Das allgemeine Prinzip des erfindungsgemäßen Tests
beinhaltet die Dissoziation eines p66/p66-RT-Homodimeren (in geeigneter Weise mit
einem nachweisbaren Rest markiert und/oder affinitätsmarkiert)
in Gegenwart von limitierenden Konzentrationen eines Dissoziationsmittels
(d. h. eines Denaturierungsmittels, wie Harnstoff), das Kontaktieren
mit der p51-RT-Untereinheit und das Inkubieren des Gemisches in
Gegenwart von überschüssigem,
von Denaturierungsmittel freiem (oder mit einem verringerten Gehalt
an Denaturierungsmittel) Puffer, um die Reassoziation der RT-Untereinheiten zu
ermöglichen,
wonach etwaiges rekonstituiertes p51/p66-RT-Heterodimeres aufgrund von Affinität abgefangen
wird. Nach Waschen zur Entfernung von ungebundenem Material wird
die Menge des affinitätsassoziierten
Materials bestimmt, indem man die Konzentration eines nachweisbaren
Restes misst (oder alternativ indem man die rekonstituierte RT-Polymerase-Aktivität misst,
wobei in diesem Fall die p66-Untereinheit nicht notwendigerweise
einer Markierung bedarf), wobei der Wert proportional zur Menge
des markierten p66/p51-RT-Heterodimeren ist, das durch Affinität gebunden
ist. Dieser Test wird in Gegenwart oder Abwesenheit einer Testverbindung
durchgeführt,
wobei eine Modulation (Abnahme/Zunahme) der Bindung der p66-Monomeruntereinheit
an die p51-Untereinheit in Gegenwart der Testverbindung im Vergleich
zur Kontrolle ein Anzeichen dafür
darstellt, dass es sich bei der Testverbindung um einen Modulator der
RT-Dimerisierung handelt.
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Gemäß einem
ersten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Messen der Heterodimerisierung von HIV-RT bereitgestellt, das die
folgenden Stufen umfasst:
- a) Bereitstellen
einer ersten Lösung,
die p66-Untereinheit-Homodimere in Gegenwart eines Dissoziationsmittels
umfasst;
- b) Kontaktieren der ersten Lösung
mit p51-RT-Untereinheiten und Inkubieren in Gegenwart eines Reassoziationspuffers,
um die Assoziation eines Komplexes von p66/p51-RT-Untereinheiten
zu ermöglichen,
wobei eine der Untereinheiten eine Affinitätsmarkierung umfasst und die
andere der Untereinheiten eine detektierbare Markierung umfasst;
- c) Kontaktieren des Inkubationsgemisches von Stufe b) mit einem
Affinitätsmedium
unter Bedingungen, die es dem p66/p51-Komplex ermöglichen,
an das Affinitätsmedium
zu binden; und
- d) Bestimmen der Menge des gebildeten Komplexes durch Messen
der Konzentration der an das Affinitätsmedium gebundenen detektierbaren
Markierung (oder durch Messen der rekonstituierten RT-Polymerase-Aktivität).
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Gemäß einem
zweiten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Modulation der HIV-RT-Heterodimerisierung
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Ausführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei die Bildung des modulierten p66/p51-Komplexes in der
Testverbindungsprobe ein Anzeichen für die Fähigkeit dieser Verbindung zur
Modulation der Heterodimerisierung ist.
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Gemäß einem
dritten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Störung der HIV-RT-Heterodimerisierung
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Durchführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei eine verringerte Bildung des p66/p51-Komplexes in der
Testverbindungsprobe ein Anzeichen für die Fähigkeit dieser Verbindung zur
Hemmung der Heterodimerisierung ist.
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Gemäß einem
vierten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Verstärkung der HIV-RT-Heterodimerisierung
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Durchführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei die erhöhte
Bildung des p66/p51-Komplexes in der Testverbindungsprobe ein Anzeichen
für die
Fähigkeit dieser
Verbindung zur Verstärkung
der Heterodimerisierung ist.
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Gemäß einem
fünften
Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Messung
der Homodimerisierung von HIV-RT bereitgestellt, wobei das Verfahren
folgendes umfasst:
- a) Bereitstellen einer ersten
Lösung,
die erste p66-Untereinheit-Homodimere in Gegenwart eines Dissoziationsmittels
umfasst;
- b) Kontaktieren der ersten Lösung
mit zweiten p66-Untereinheit-Homodimeren
in Gegenwart eines Dissoziationsmittels und inkubieren in Gegenwart
eines Reassoziationspuffers, um die Assoziation eines RT-Komplexes
von p66/p66-RT-Untereinheiten zu ermöglichen, wobei eine der Untereinheiten
eine Affinitätsmarkierung
umfasst und die andere der Untereinheiten eine detektierbare Markierung
umfasst;
- c) Kontaktieren des Inkubationsgemisches von Stufe b) mit einem
Affinitätsmedium
unter Bedingungen, die es dem p66/p66-Komplex ermöglichen,
an das Affinitätsmedium
zu binden; und
- d) Bestimmen der Menge des gebildeten Komplexes durch Messen
der Konzentration der an das Affinitätsmedium gebundenen detektierbaren
Markierung (oder durch Messen der rekonstituierten RT-Polymerase-Aktivität).
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Gemäß einem
sechsten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Modulation der HIV-RT-Homodimerisation
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Durchführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei die Bildung des modulierten p66/p66-Komplexes in der
Testverbindungsprobe ein Anzeichen für die Fähigkeit dieser Verbindung zur
Modulation der Homodimerisierung ist.
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Gemäß einem
siebten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Störung der HIV-RT-Homodimerisierung
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Durchführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei eine verringerte Bildung des p66/p66-Komplexes in der
Testverbindungsprobe ein Anzeichen für die Fähigkeit dieser Verbindung zur
Hemmung der Homodimerisierung ist.
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Gemäß einem
achten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum
Identifizieren von Verbindungen, die zur Verstärkung der HIV-RT-Homodimerisierung
befähigt
sind, bereitgestellt, wobei das Verfahren folgendes umfasst:
das
Durchführen
der vorstehenden Stufen a) bis d) in Gegenwart oder Abwesenheit
einer Testverbindung; und
- e) das Vergleichen
der Testverbindungsprobe mit einer Kontrollprobe, in der diese Verbindung
fehlt, wobei die erhöhte
Bildung des p66/p66-Komplexes in der Testverbindungsprobe ein Anzeichen
für die
Fähigkeit dieser
Verbindung zur Verstärkung
der Homodimerisierung ist.
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Gemäß einem
neunten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Kit zum Testen
von Verbindungen, die potentiell die HIV-RT-Heterodimerisierung
modulieren, bereitgestellt, wobei das Kit eine Mehrzahl von affinitätsmarkierten
p66-Untereinheit-Homodimeren, eine Mehrzahl von markierten p51-RT-Untereinheiten, ein Dissoziationsmittel,
einen Reassoziationspuffer und ein Affinitätsmedium umfasst.
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Gemäß einem
zehnten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Kit zum Testen
von Verbindungen, die potentiell die HIV-RT-Homodimerisierung modulieren,
bereitgestellt, wobei das Kit eine Mehrzahl von affinitätsmarkierten
p66-Untereinheit-Homodimeren, eine Mehrzahl von markierten p66-RT-Untereinheiten, ein Dissoziationsmittel,
einen Reassoziationspuffer und ein Affinitätsmedium umfasst.
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Weitere
Ziele, Vorteile und Merkmale der vorliegenden Erfindung ergeben
sich beim Studium der folgenden, nichtbeschränkenden Beschreibung von bevorzugten
Ausführungsformen
unter Bezugnahme auf die beigefügten
Zeichnungen, wobei diese Ausführungen
beispielhaft sind und nicht als eine Beschränkung des Schutzumfangs der
Erfindung anzusehen sind.
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Kurze Beschreibung der Zeichnungen
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Im
Anschluss an die vorstehende allgemeine Beschreibung wird auf die
beigefügten
Zeichnungen Bezug genommen, in denen eine bevorzugte Ausführungsform
der Erfindung dargestellt ist.
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1 erläutert den
Einfluss der Harnstoffkonzentration auf die Struktur des HIV-1-p66/p66-RT-Proteins.
Das Feld A erläutert
die Veränderung
der maximalen Wellenlänge
der intrinsischen Protein-Fluoreszenzemission als Funktion der Harnstoffkonzentration.
Die Zunahme des F350/335-Verhältnisses
zeigt eine erhöhte
Exposition von normalerweise "verborgenen" Tryptophanresten
mit wässrigem
Lösungsmittel.
Das Feld B erläutert
die Ergebnisse von Zirkulardichroismus-Analysen. Die Zunahme der
molaren Elliptizität
bei 222 nm stellt ein Maß für den Verlust
an sekundärer
RT-Struktur dar. Das Feld C zeigt die Veränderung der 8-Anilino-1-naphthalinsulfonsäure (ANS)-Bindung
an RT, die mit der Unversehrtheit der Untereinheit des RT-Dimeren korreliert.
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2 erläutert den
Dimerisierungszustand der p66-Untereinheit als Funktion der Harnstoffkonzentration
bei Bestimmung durch Größenausschluss-Chromatographie.
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3 erläutert die
Optimierung der Harnstoffkonzentration zur Verwendung im TRF-Test
(zeitlich aufgelöster
Fluoreszenztest) zur Bildung des HIV-1-RT-p66/p51-Heterodimeren.
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4 erläutert das
spezifische TRF-Signal als eine Funktion der Zeit im Anschluss an
eine Verdünnung
von mit Harnstoff denaturierter Hisox-p51-RT-Untereinheit und Eu-NI-Iodacetamidochelat-markierter p66-RT-Untereinheit
in "Untereinheitsassoziationspuffer" mit einem Gehalt
an 100 mM MgCl2. Die Einzelheiten sind in
den Beispielen beschrieben.
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5 erläutert das
Testkonzept (Feld A) und die Hemmung der HIV-1-RT-Dimerisierung durch TSAO-m3T und anderen NNRTIs (Feld B) bei Messung
durch TRF.
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Ausführliche
Beschreibung der bevorzugten Ausführungsformen
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Definitionen
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Wenn
nichts anderes angegeben ist, haben sämtliche technischen und wissenschaftlichen
Ausdrücke, die
hier verwendet werden, die gleichen Bedeutungen, wie sie üblicherweise
dem Fachmann auf dem einschlägigen
Gebiet geläufig
sind.
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Die
hier verwendeten Ausdrücke "Markierung", "detektierbare Markierung" oder "detektierbarer Marker" beziehen sich auf
beliebige Gruppen, die mit p66 oder p51 verknüpft sein können, um entweder direkt oder indirekt
die Erkennung der Untereinheit zu ermöglichen, so dass sie nachgewiesen,
gemessen und quantitativ bestimmt werden kann. Zu Beispielen für derartige "Markierungen" gehören (ohne
Beschränkung
hierauf) fluoreszierende Markierungen, chemilumineszierende Markierungen,
kolorimetrische Markierungen, enzymatische Marker, radioaktive Isotope
und Affinitätsmarkierungen,
wie Biotin. Derartige Markierungen werden gemäß bekannten Verfahren an p66
oder p51 angebracht. Eine Markierung oder mehrfache Markierungen
gemäß der Erfindung
können
in einer beliebigen Position in p66 oder p51 eingeführt werden.
Beispielsweise kann die Markierung entweder am C- oder am N-Terminus
oder innerhalb der Hauptkette des Proteins eingeführt werden.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Affinitätsmarkierung" bezieht sich auf
eine Markierung, die spezifisch von einem komplementären Affinitätsliganden
eingefangen wird. Zu Beispielen für Paare von Affinitätsmarkierung/Affinitätsligand
gehören
(ohne Beschränkung
hierauf) Maltose-Bindungsprotein (MBP)/Maltose; Glutathion S-transferase
(GST)/Giutathion; Streptavidin-Markierung/Streptavidin oder Neutravidin;
oder Histidin (His)/Metall. Das als Affinitätsligand verwendete Metall
kann aus der Gruppe ausgewählt
werden, die aus Kobalt, Zink, Kupfer, Eisen und Nickel besteht (Wong
et al., Separation and Purification Methods, Bd. 20(1) (1991), S.
49-106). Die erfindungsgemäße Affinitätsmarkierung
kann an einer beliebigen Position von p66 oder p51 eingeführt werden,
beispielsweise kann die Markierung entweder am C- oder am N-Terminus
oder innerhalb der Hauptkette des Proteins angebracht werden, wobei
es vorzugsweise am N-Terminus
des Proteins angebracht wird. Vorzugsweise handelt es sich beim
gewählten
Metall um Nickel. Der Affinitätsligand
kann in fester Phase dargereicht werden, z. B. in Form von Perlen,
Vertiefungen von Mikroplatten oder Säulen, um die Trennung durch
Affinitätschromatographie
zu erleichtern. Derartige Affinitätsmarkierungen können nach
bekannten Verfahren auf rekombinantem Wege in p66 oder p51 eingeführt werden.
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Die
Ausdrücke "Monomeres" und "monomeres" p66 oder "monomere" Untereinheit beziehen
sich auf eine einzelne Untereinheit von dimerem p66. Die monomere
Untereinheit kann eine genaue Kopie der natürlich auftretenden monomeren
Untereinheit darstellen oder es kann sich entweder um ein biologisch
aktives Analoges oder um ein biologisch inaktives Analoges (negative
Dominante) handeln.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Untereinheit" bedeutet bei Bezugnahme
auf p66 oder p51 einen oder zwei Bestandteile von homodimerem RT
(p66/p66) oder von heterodimerem RT (p66/p51).
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Der
hier verwendete Ausdruck "Homodimeres" bezieht sich auf
ein dimeres Molekül,
wobei beide Untereinheiten gleich sind, z. B. p66/p66.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Homodimerisierung" bezieht sich auf
den Vorgang, durch den gleiche Untereinheiten nämlich p66, dimerisieren.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Heterodimeres" bezieht sich auf
ein dimeres Molekül,
bei dem die beiden Untereinheitsbestandteile verschieden sind, z.
B. p66 und p51.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Heterodimerisierung" bezieht sich auf
den Vorgang, durch den zwei verschiedene Untereinheiten, nämlich p66
und p51, dimerisieren.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Dissoziationsmittel" bezieht sich auf
eine Substanz, die dazu befähigt ist,
die Dissoziation eines Komplexes aus mehreren Bestandteilen in seine
einzelnen Untereinheiten zu bewirken.
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Der
Ausdruck "Reassoziationspuffer" bezieht sich auf
einen Puffer, der die Assoziation von einzelnen Untereinheiten zu
einem Multikomponentenkomplex begünstigt.
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Der
hier verwendete Ausdruck "denaturierungsfrei" bezieht sich auf
Bedingungen, bei denen das Dissoziationsmittel nicht mehr in Mengen
vorhanden ist, die zur Verhinderung der Assoziation des Großteils der Untereinheiten
ausreichen.
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Der
hier verwendete Ausdruck "Affinitätsmedium" bezieht sich auf
einen festen Träger,
wie Vertiefungen von Mikroplatten, Perlen oder Säulen, die mit einem Affinitätsliganden
beschichtet sind, der sich zum Abfangen einer Affinitätsmarkierung
eignet.
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Bevorzugte Ausführungsformen
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sGemäß einem
ersten bevorzugten Aspekt der ersten Ausführungsform wird ein Verfahren
zum Messen der Heterodimerisierung von HIV-RT bereitgestellt, wobei
vorzugsweise die erste Lösung
in Stufe a) einen Puffer umfasst, der aus Tris-HCl, HEPES oder Bis-Tris
ausgewählt
ist. Insbesondere handelt es sich beim Puffer um Tris-HCl in einer
Konzentration von 0 mM bis 50 mM. Ganz besonders handelt es sich
beim Puffer um Tris-HCl in einer Konzentration von 25 mM.
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Vorzugsweise
umfasst die erste Lösung
in Stufe a) ferner ein Salz, das aus Na2SO4 oder MgCl2 ausgewählt ist.
Insbesondere handelt es sich beim Salz um MgCl2 in
einer Konzentration von 0 mM bis 100 mM.
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Gemäß einem
bevorzugten Aspekt der ersten Ausführungsform von Stufe a) wird
das Dissoziationsmittel aus Harnstoff, Guanidinium-HCl oder Acetonitril
ausgewählt.
Insbesondere handelt es sich beim Dissoziationsmittel um Harnstoff
in einer Konzentration von 1 bis 3,5 M.
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Vorzugsweise
handelt es sich beim Reassoziationspuffer in Stufe b) um den gleichen
Puffer wie er zur Dissoziation der p66/p66-Untereinheiten verwendet
wird, der aber vorzugsweise frei von Denaturierungsmittel ist. Insbesondere
ist der Reassoziationspuffer in einer im Verhältnis zum Denaturierungspuffer überschüssigen Menge
vorhanden, um das Dissoziationsmittel in ausreichendem Maße zu verdünnen, um
eine Reassoziation von p66- und p51-Untereinheiten zu ermöglichen.
Insbesondere wird der Reassoziationspuffer in einem 10-fachen Überschuss
zum Dissoziationspuffer zugegeben.
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Vorzugsweise
umfasst der Reassoziationspuffer in Stufe b) ferner ein Salz, das
aus Na2SO4 oder MgCl2 ausgewählt
ist. Insbesondere handelt es sich beim Salz um Na2SO4 in einer Konzentration von 0 mM bis 100
mM. Ganz besonders handelt es sich beim Salz um Na2SO4 in einer Konzentration von 50 mM.
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Vorzugsweise
ist das p51 in Stufe b) affinitätsmarkiert
oder weist eine nachweisbare Markierung auf. Insbesondere ist das
p51 in Stufe b) affinitätsmarkiert.
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Vorzugsweise
weist das p66 in Stufe b) eine nachweisbare Markierung auf oder
ist affinitätsmarkiert. Insbesondere
weist das p66 in Stufe b) eine nachweisbare Markierung auf.
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Vorzugsweise
wird die Affinitätsmarkierung
in Stufe b) aus der Gruppe ausgewählt, die aus einer Hexahistidin-Markierung,
FLAG, T7, HA, GST oder Biotin besteht. Insbesondere handelt es sich
bei der Affinitätsmarkierung
um Hexahistidin.
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Gemäß einem
weiteren bevorzugten Aspekt der ersten Ausführungsform in Stufe b) ist
die nachweisbare Markierung aus der Gruppe ausgewählt, die
aus folgenden Bestandteilen besteht: eine fluoreszierende Markierung
(z. B. Fluorescein, Oregon-Grün,
Rhodamin, Texas-Rot, Phycoerythrin oder Eu3+),
ein radioaktives Atom (wie 3H oder 125I), eine chemilumineszierende Markierung
(wie Luciferase), ein nachweisbarer Antikörper, der spezifisch für p66 oder
spezifisch für
eine an p66 angebrachte Markierung ist (vorzugsweise wird die Markierung
an p66 aus der Gruppe ausgewählt,
die aus einer Hexahistidin-Markierung, FLAG, T7, HA, GST oder Biotin
besteht) und ein enzymatischer Marker (z. B. β- Galactosidase oder Meerrettich-peroxidase).
Insbesondere handelt es sich bei der Markierung um eine fluoreszierende
Markierung, die aus der folgenden Gruppe ausgewählt ist: Fluorescein, Oregon-Grün, Rhodamin,
Texas-Rot, Phycoerythrin und Eu3+). Insbesondere
handelt es sich bei der fluoreszierenden Markierung um Eu3+ Vorzugsweise wird die nachweisbare Markierung
in Stufe b) an einen Cysteinrest addiert, der auf rekombinantem
Wege anstelle eines Prolinrestes am N-Terminus von p66 angebracht
wird.
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Die
nachweisbare Markierung wird durch geeignete Mittel gemessen, z.
B. mit einem Fluorimeter, einem Radioaktivitätszählgerät, einem Kolorimeter oder einem
Chemiluminometer, wie es für
den Fachmann leicht ersichtlich ist.
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Bei
einem weiteren bevorzugten Aspekt der ersten Ausführungsform
handelt es sich in Stufe c) beim Affinitätsmedium um eine feste Phase,
z. B. um Vertiefungen von Mikroplatten oder Perlen, die mit einem
Affinitätsliganden
beschichtet sind, der sich zum Abfangen der Affinitätsmarkierung
eignet. Insbesondere sind die Vertiefungen der Mikroplatte mit einem
Rezeptor beschichtet, der aus der Gruppe ausgewählt ist, die aus Ni2+, anti-Markierungs-Antikörpern, Glutathion oder Streptavidin
besteht. Insbesondere sind die Vertiefungen der Mikroplatte mit
Ni2+ markiert und vorzugsweise handelt es
sich bei der Affinitätsmarkierung
um eine Histidinmarkierung. Für
den Fachmann sind geeignete Kombinationen von Affinitätsmarkierung
und Affinitätsliganden
ersichtlich.
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Bei
einem bevorzugten Aspekt der ersten Ausführungsform umfasst die Stufe
d) ferner eine Waschstufe, um ungebundenes Material zu entfernen,
wobei die Menge an mit der Markierung assoziiertem Affinitätsmedium
auf geeignete Weise gemessen wird (oder wobei die Polymerase-Aktivität der rekonstituierten
RT gemessen wird), wobei am Affinitätsmedium gebundenes Material
proportional zur Menge an markiertem p51/p66-RT-Heterodimeren ist.
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Wie
für den
Fachmann leicht ersichtlich ist, kann die Abfolge der Ereignisse
beim Test, der zur Inkubation des p66-Monomeren und des p51 führt, unter
Erzielung des gleichen Ergebnisses modifiziert werden. Beispielsweise
kann die p51-RT-Untereinheit an einer festen Phase immobilisiert
werden, bevor sie mit der p66-Untereinheit inkubiert wird. Gleichermaßen kann
die Verdünnung
des Puffers, der die Assoziation der Untereinheit fördert, zum
gleichen Zeitpunkt wie das Vermischen der p66- und p51-Untereinheiten
stattfinden oder sie kann erfolgen, nachdem die p66-Lösung in
Kontakt mit p51 gebracht worden ist.
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Gleichermaßen kann
der Kontakt der Testverbindung in einer unterschiedlichen Reihenfolge
vorgenommen werden, ohne dass das Testprinzip beeinträchtigt wird.
Beispielsweise kann die Testverbindung zur Lösung des p66-Homodimeren gegeben
werden, bevor die Zugabe des Dissoziationsmittels erfolgt; bevor
das Vermischen mit der p51-Untereinheit erfolgt; bevor die Verdünnung mit
dem Reassoziationspuffer erfolgt; oder gleichzeitig mit der Verdünnung mit
dem Reassoziationspuffer.
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Beispiele
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Materialien und Methoden
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1. RT-Expressionsplasmide
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Das
Gen für
die 51 kDa-Untereinheit von HIV-1-RT (HXB2-Stamm) wurde in das prokaryontische pBAD-HisB-Expressionssystem
(Invitrogen) zwischen die XhoI- und HindIII-Restriktionsstellen
kloniert, wodurch man pBAD-HisRT51 erhielt. Dieses Konstrukt ermöglicht die
durch Arabinose induzierbare Expression der p51-Untereinheit von
RT als ein N-terminales Polyhistidin (oxHis)-Fusionsprotein im Anschluss
an eine Transformation eines geeigneten bakteriellen Stammes (z.
B. E. coli JM109).
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Um
für die
spezifische Markierung der 66 kDa-RT-Untereinheit mit Reagenzien,
die einen fluorimetrischen Nachweis ermöglichen, zu sorgen, wurde eine
positionsgerichtete Mutagenese unter Verwendung des Quick ChangeR-positionsgerichteten
Mutagenese-Kits (Stratagene) zur Bildung von P2C/C38S/C280S-RT durchgeführt. Dadurch
wurden die beiden Cys-Reste von WT (Wildtyp)-RT (C38, C280) beseitigt
und ein einziger Cys-Rest nahe des N-Terminus der Untereinheit wurde inseriert.
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Die
Gene für
den WT und die P2C/C38S/C280S (SEQ ID NO: 1)-66 kDa-Untereinheit von
HIV-1-RT wurden in den prokaryontischen pKK223-3-Expressionsvektor (Amersham Pharmacia
Biotech) zwischen die EcoRI- und HindIII-Restriktionsstellen kloniert,
wodurch man pKK-RT66-WT bzw. pKK-RT66-P2C erhielt. Diese Vektoren sorgen für die IPTG-abhängige Expression
der nicht-HIS-markierten
66 kDa-RT-Untereinheit.
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2. Reagenzien für den TRF-Test der RT-Dimerbildung
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Delfia-Eu-N1-Iodacetamido-Chelat
und Eu3+-Standard, Delfia Enhancement Solution
und Delfia-Waschkonzentrat wurden von der Fa. Perkin Elmer bezogen.
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Ultrareiner
Harnstoff, Tris-(hydroxymethyl)-aminomethan und Wasser wurden von
der Fa. Fluka bezogen. Magnesiumchlorid (SigmaUltra) und Diethylentriaminpentaessigsäure (DTPA)
wurden von der Fa. Sigma bezogen.
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Ni-NTA-HisSorb-Platten
mit 96 Vertiefungen (weiß)
wurden von den Firmen Qiagen oder Pierce bezogen. Fluoreszenzmessungen
wurden mit einem SpectraMAX GeminiXS-Mikroplatten-Fluorimeter (Molecular Devices)
durchgeführt.
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3. Expression und Reinigung des RT-p51-Untereinheit-Monomeren
und des RT-p66/p66-Homodimeren
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E.
coli JM109, das mit pBAD-HisRT51 transformiert war, wurde bei 37 °C in "Terrific broth" bis zur mittleren
logarithmischen Phase (0D600 von 0,5) gezüchtet. Die
Expression von p51-RT wurde sodann durch Zusatz von 1% Arabinose
induziert. Nach weiterer 3-stündiger
Inkubation wurden Zellen durch Zentrifugation geerntet und unter
Verwendung des BugBusterR-Proteinextraktionsreagenz
(Novagen) lysiert. Die p51-RT wurde aus dem Lysat durch Ni2+-NTA-Affinitätschromatographie
unter Verwendung von His-Bind Resin (Novagen) gereinigt. Sowohl
die Lysis als auch die Extraktion wurden gemäß den Angaben des Herstellers
durchgeführt. Nach
Flution aus Ni2+-NTA-Harz wurde p51-RT einem
Pufferaustausch in 50 mM Tris-HCl (pH-Wert 7,5, 4 °C) mit einem
Gehalt an 60 mM MgCl2 und 50% Glycerin durch
zwei Passagen über
eine NAPR25-Säule (Amersham
Pharmacia Biotech) unterzogen. Die endgültige Proteinprobe wurde in
Aliquotmengen bei –80°C aufbewahrt.
Gereinigte p51-RT kommt vorwiegend als ein Monomeres vor.
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Die
Expression von WT- und mutanter p66-RT wurde durch Zugabe von 1
mM IPTG zu 1 Liter von etwa bis zur mittleren logarithmischen Phase
transformierten E. coli-JM109-Zellen (gezüchtet in "Terrific broth" bei 37 °C) induziert. Nach Zugabe von
IPTG wurde die Züchtung
der Bakterien bei 32 °C
für weitere
5 Stunden fortgesetzt. Die Zellen wurden durch Zentrifugation geerntet.
Die Reinigung der p66-RT wurde gemäß Literaturangaben durchgeführt (Fletcher
et al, "Single step
purification of HIV-1 recombinant wild type and mutant reverse transcriptase", Protein Expression & Purification,
Bd. 7 (1996), S. 27-32). Gereinigte p66-RT liegt vorwiegend als
ein Homodimeres vor.
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4. Alkylierung von P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT
mit dem Eu3+-N1-Iodacetamido-Chelat
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Gereinigte
P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT wurde bei Raumtemperatur in etwa 20 μM (~2,5 mg/ml)
in 50 mM Tris-HCl-Puffer (pH-Wert 7,9, 20 °C) mit einem Gehalt an 100 mM
NaCl und 1 mM TCEP-HCl (Tris-(2-carboxyethyl)-phosphinhydrochlorid
(Pierce)) eingeengt. Eine Aliquotmenge von Eu-N1-Iodacetamido-Chelat-Protein-Modifikationsreagenz
(hergestellt als eine 5 mM Vorratslösung in DMSO) wurde zugesetzt, um
einen etwa 20-fach molaren Überschuss
relativ zur p66-Untereinheit-Konzentration zu erreichen. Man ließ die Alkylierungsreaktion
6 Stunden bei Raumtemperatur ablaufen. Alternativ kann die Umsetzung über Nacht bei
4 °C durchgeführt werden.
Nach Beendigung der Umsetzung wurde überschüssiges DTT zugesetzt, um nicht-umgesetztes
Eu-N1-Iodacetamido-Chelat
zu verbrauchen. Die alkylierte p66/p66-RT wurde vom DTT-Reagenz- Konjugat durch zwei
Passagen über
eine NAPR 25-Säule, die mit einem 25 mM Tris-HCl-Puffer (pH-Wert
7,5, 20 °C)
mit einem Gehalt an 60 mM MgCl2 und 50%
Glycerin äquilibriert
worden war, abgetrennt. Die Stöchiometrie
der Markierung lag im allgemeinen zwischen 0,7 und 1 mol Eu-N1-Iodacetamid
pro mol p66-RT-Untereinheit
(d. h. 1,5-2 mol/mol p66/p66-RT-Homodimeres).
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Die
kinetische Charakterisierung der mutanten und der chemisch modifizierten
RT-Proteine zeigte, dass die P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT eine vergleichbare
RNA-abhängige,
spezifische DNA-Polymerase (RDDP)-Aktivität des WT-p66/p66-homodimeren
Enzyms aufwies (Daten nicht aufgeführt). Die P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT,
die chemisch mit dem Eu-N1-Iodacetamido-Chelat alkyliert worden
ist, behält etwa
80% der RDDP-Aktivität
des unmodifizierten Proteins (Tabelle 1). Ferner ist die modifizierte
RT gleichermaßen
empfindlich gegenüber
einer Hemmung durch TSAOe
3T (Tabelle 2)
wie die unmodifizierte P2C/C38S/C280S-p66/p66-Mutante, die ihrerseits
die gleiche Empfindlichkeit wie WT-p66/p66-RT aufweist (Daten nicht
aufgeführt).
Somit scheinen die genetischen und chemischen Manipulationen von
RT, die zur Herstellung von Reagenzien für den Dimerisierungstest erforderlich
sind, nur einen geringen Einfluss auf die Reaktion des Enzyms innerhalb
der Parameter des Testverfahrens auszuüben. Tabelle 1 Spezifische RNA-abhängige DNA-Polymerase (RDDP)-
und DNA-abhängige DNA-Polymerase
(DDDP)-Aktivität
von P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT
| Polymerase-Substrat | %
Aktivität
relativ zu unmarkiertem p66/p66 |
| | Eu3+-markiertes p66/p66 |
| Poly
rC:dG | 80 |
| Poly
rA:dT | 77 |
| Poly
dC:dG | 73 |
Tabelle 2 Hemmung von P2C/C38S/C280S-p66/p66-RT
durch HIV-RT-Inhibitoren
| Inhibitor | IC50 (μM) |
| | unmarkiertes
p66/p66 | Eu3+-markiertes p66/p66 |
| Nevirapin | 1 | 1 |
| TSAOe3T | 3 | 3 |
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5. Mikroplattentest zur Überwachung
der p66-p51-RT-Dimerisierung
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Das
allgemeine Prinzip des Tests beinhaltet das Vermischen von Hisox-p51
mit fluorophormarkierter p66-RT in Lösung unter anschließendem Festphasen-Abfangen des erhaltenen
His6x-p51/fluorophormarkiertem p66-RT-Heterodimeren an Ni2+-NTA-Mikroplatten. Nach Waschen zur Entfernung
von ungebundenem Material wurde die Menge an mit der Mikroplatte
assoziierter Fluoreszenz mit einem geeigneten Fluoreszenz-Plattenlesegerät gemessen.
Altemativ kann die Polymerase-Aktivität der rekonstituierten RT durch
Verwendung eines fluoreszierenden RNA-DNA-Interkalators, wie PicoGreenR, bestimmt werden.
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Während gereinigte,
rekombinante p51-RT als ein Monomeres vorliegt, ist gereinigte p66-RT
vorwiegend dimer. Da die Assoziationsenergie der Untereinheit des
p66/p66-RT-Homodimeren nur geringfügig kleiner als die des p51/p66-RT-Heterodimeren ist,
wäre die
Bildung des Heterodimeren im Anschluss an ein einfaches Vermischen
von p51- und p66/p66-RT zu langsam, um in zweckmäßiger Weise einen Test mit
hohem Durchsatz zu ermöglichen.
Demzufolge wurde eine Untersuchung angestellt, um den optimalen
Typ und die optimale Konzentration des Denaturierungsmittels zu
bestimmen, die zur Erzielung der Dissoziation des p66/p66-Homodimeren
ohne erheblichen Einfluss auf die sekundäre Proteinstruktur notwendig
ist. Es wurde festgestellt, dass Harnstoff ein gegenüber Guanidiniumchlorid überlegenes
Denaturierungsmittel darstellt. Der Einfluss der Harnstoffkonzentration
auf die p66/p66-Dissoziation und auf die Proteindenaturierung (Veränderung
der sekundären
Proteinstruktur) ist in 1 dargestellt. Eine Optimierung
der Harnstoffkonzentration in Bezug auf eine Maximierung des TRF-Signals
im Dimerisierungstestsystem ist in 3 dargestellt.
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Eine
Harnstoffkonzentration von 1-3,5 M wurde als optimal festgestellt,
und zwar auf der Grundlage einer Vielzahl von Daten, darunter die
in den 1, 2 und 3 dargestellten
Daten. Es gibt eine große Anzahl
von Tryptophanresten an der Untereinheitsgrenzfläche von HIV-1-RT. Diese sind
im wesentlichen "verborgen" und fluoreszieren
daher bei etwa 335 nm, wenn RT bei Wellenlängen von 280-295 nm angeregt
wird. Wie aus 1A ersichtlich ist,
unterliegen diese Reste mit steigenden Harnstoffkonzentrationen
einer zunehmenden Lösungsmittelexposition,
wie sich durch die Rotverschiebung von λmax em auf 350 nm zeigt. Bei 3,5 M Harnstoff
ist diese Rotverschiebung etwa halbmaximal. Gleichzeitig hat jedoch
diese Konzentration von Harnstoff nur einen geringen Einfluss auf
die molare Elliptizität
von RT (1B), was zeigt, dass die sekundäre Proteinstruktur
nicht signifikant verändert
wird (d. h. es ist keine signifikante "Denaturierung" des Proteins eingetreten). Dies lässt darauf
schließen,
dass die erhöhte
Lösungsmittelbelastung
der Protein-Tryptophanreste sich vorwiegend aus einer Dissoziation
der RT-Untereinheiten ergibt. Die Veränderungen in Bezug auf die ANS-Bindung
an RT als eine Funktion der Harnstoffkonzentration (1C)
stimmen mit dieser Interpretation überein.
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2 zeigt
die Veränderung
des Dimerisierungszustands von p66/p66-RT als Funktion des Harnstoffes,
bestimmt durch Größenausschlusschromatographie.
Dabei erscheint die Dissoziation des Homodimeren bei 2 M Harnstoff
im Wesentlichen vollständig
und es findet offensichtlich eine zunehmende Denaturierung/Aggregation
des p66-Monomeren statt, da sich der Peak mit steigenden Harnstoffkonzentrationen
langsam zu höheren
Molekulargewichten verschiebt. 3 zeigt
das beim zeitlich aufgelösten
RT-Untereinheits-Reassoziationstest
erhaltene Signal, wenn markiertes RT-p66/p66-Homodimeres und His-markiertes
p51-Monomeres in Harnstoffkonzentrationen von 0 bis 6 M inkubiert
wurden, bevor das Gemisch auf die mit Nickel beschichteten Mikroplatten
aufgesetzt wurde. Somit wurde eine Harnstoffkonzentration von 1-3,5
M als Konzentrationsbereich gewählt,
der vermutlich den höchsten
Grad der Reassoziation bei einem geringstmöglichen schädlichen Einfluss auf die sekundäre RT-Struktur
ergibt.
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Weitere
Experimente zeigen, dass eher die Verwendung von 50 mM Na
2SO
4 als von 100
mM MgCl
2 im Renaturierungspuffer in signifikanter
Weise das TRF-spezifische Signal gegenüber dem Hintergrund beim Test
verstärkt
(Tabelle 3). Tabelle 3 Signal/Rausch-Verhältnis beim RT-Dimerisierungstest
als Funktion der Salzzusammensetzung des Renaturierungspuffers
| Markierung
an p66-RT | Salz | Signal/Rausch-Verhältnis |
| Tetramethylrhodamin | 100
mM MgCl2 | 2,0 |
| Oregon-Grün | 100
mM MgCl2 | 3,2 |
| Eu-N1-Iodacetamid
(TRF) | 100
mM MgCl2 | 6,5 |
| Eu-N1-Iodacetamid
(TRF) | 50
mM Na2SO4 | 10,8 |
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6. Antivirale Aktivität von RT-Untereinheitsunterbrechern
und RT-Untereinheitsassoziationsinhibitoren
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Testverfahren
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Das
Konzept des Tests ist in 5A dargestellt.
In einem Gesamtvolumen von 20 μl
bleiben 100 pmol gereinigte Hisox-p51-RT-Untereinheit und 200 pmol
Eu-N1-Iodacetamido-Chelat-markierte p66-RT-Untereinheit (d. h. 100
pmol RT-p66/p66-Homodimeres)
mit Harnstoff vermischt (hergestellt in 25 mM Tris-HCl, pH-Wert
7,5, 20 °C,
mit einem Gehalt an 100 mM MgCl2), wodurch
sich eine Endkonzentration von 3, 5 M Harnstoff ergibt. Das Gemisch
wird 1 Stunde bei Raumtemperatur inkubiert.
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Die
Lösung
wird in 200 μl
einer Lösung
der Verbindung von Interesse mit 10 μM (in 25 mM Tris-HCl, pH-Wert
7,5, 20 °C,
mit einem Gehalt an 50 mM Na2SO4),
die in einer Vertiefung einer Ni-NTA-HiSorb-Platte mit 96 Vertiefungen
enthalten ist, verdünnt.
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Die
Verdünnungsstufe
ergibt eine 10-fache Verdünnung
zur Verringerung der Harnstoffkonzentration von 3,5 M auf 0,35 M,
wodurch die Bildung des RT-p66/p51-Heterodimeren
ermöglicht
wird. Man lässt
die Dimerbildung 6 Stunden ablaufen. Anschließend werden die Platten 3-mal
mit Delfia-Waschpuffer mit einem Gehalt an 200 μM DTPA gewaschen. Nach dem Waschen
wird jede Vertiefung mit 200 μl
Delfia-Verstärkungslösung versetzt,
wonach 30 Minuten bei Raumtemperatur inkubiert wird. Fluoreszenzmessungen
werden unter Verwendung eines Molecular Devices SpectraMAX-GeminiXS-1nstruments
unter Verwendung von Anregungs-, Emissions- und Ausschlusswellenlängen von
335 nm, 615 nm bzw. 530 nm vorgenommen. Unter Anwendung dieses Formats
verringert TSAOm3T das Signal im erfindungsgemäßen Test
(5B). TSAOm3T
ist ein Mitglied der TSAO-Familie, von dem angenommen wird, dass
es die RT-Dimerisierung
in ähnlichem
Ausmaß wie
TSAOe3T hemmt. Ferner sind Nevirapin und
Efavirenz zwei Nichtnucleosid-Inhibitoren der reversen Transkriptase,
die das Enzym nicht über
eine RT-Dimerisierung hemmen. Tatsächlich wird berichtet, dass
diese beiden NNRT-Inhibitoren chemische Verstärker der Dimerisierung der
HIV-1-RT sind, was eine Hemmung der Polymerase-Aktivität durch
nachteilige Konformationsänderungen
bewirkt (Tachedjian et al., PNAS, (2001), S. 7188-7193). In diesem
speziellen Testformat ergibt das prozentuale Signal relativ zur
Kontrolle, das in 5B dargestellt ist,
eine Stütze
dieser Hypothese und trägt
zur Eignung des vorstehenden Tests zum Identifizieren von Inhibitoren/Verstärkern des
HIV-RT-Dimerisierungsvorgangs bei.
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Alternativ
kann die Polymerase-Aktivität
der rekonstituierten, reversen p66/p51-Transkriptase gemessen werden.
Bei diesem Format werden die erforderlichen Substrate (Templat-Primer,
Nucleotid, Magnesiumchlorid) in einem geeigneten Puffer (Tris, pH-Wert
7,8, mit einem Gehalt an DTT, GSH & Chaps) direkt in die Vertiefungen
gegeben, woran sich eine 1-stündige
Dimerisierungsstufe und eine 1-stündige Inkubation anschließen, wonach
das Ausmaß der
Polymerisation durch Zugabe eines fluoreszierenden RNA/DNA-Interkalators bestimmt
wird. Nachstehend wird ein Beispiel aufgeführt: Das Homodimere p66/p66
(10-20 pmol) wird in Gegenwart von HIS-p51 (25-50 pmol) in 1 M Harnstoff
(hergestellt in 20 mM Tris-HCl, pH-Wert 8,0, mit einem Gehalt an 250
mM NaCl) in einem Endvolumen von 10 μl 1 Stunde inkubiert, um die
Dissoziation des Homodimeren zu ermöglichen. Anschließend wird
eine anfängliche
5-fache Verdünnung
(Endvolumen 50 μl)
in Reassoziationspuffer (50 mM Tris-acetat, pH-Wert 8,0, 500 mM
NaCl, 0,05% Tween-20, 0,01% BSA) mit einer Testverbindung im Assoziationspuffer
1 bis 2 Stunden durchgeführt,
um die Bildung des Heterodimeren durch Verringerung der Harnstoffkonzentration
auf 200 mM zu ermöglichen.
Die letzte Stufe besteht im Abfangen der rekonstituierten His-markierten
Heterodimeren, indem man die Probe in die Vertiefungen einer Nickelplatte
mit einem Gehalt an 100 μl
Reassoziationspuffer überträgt und 1
Stunde inkubiert. Nach 3 Waschzyklen wird ein Polymerase-Testcocktail
zugegeben und die Umsetzung wird 1 bis 2 Stunden bei 37 °C durchgeführt, bevor die
elongierten RNA/DNA-Produkte mit dem fluoreszierenden Interkalator
PicoGreenR nachgewiesen werden.
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7. Alternatives Testformat
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Die
biologisch relevante und aktive Form von HIV-RT, die in infektiösen Virionen
auftritt, ist ein Heterodimeres mit einem Gehalt an den zwei Polypeptiden
p66 und p51. Das letztgenannte Produkt leitet sich vom erstgenannten
durch proteolytische Spaltung seiner C-terminalen Domäne durch
HIV-Protease während
der viralen Reifung ab. Die beiden Untereinheiten mit 66 und 51
kDa sind in einem Verhältnis
von 1:1 vorhanden. Es wird angenommen, dass diese heterodimere RT
in einem zweistufigen Dimerisierungsvorgang gebildet wird, dessen
Kinetik die rasche Assoziation der p66- und p51-Untereinheiten zu
einem unreifen Dimeren beinhaltet, woran sich eine langsame Konformationsänderung
anschließt,
die zur vollständig
aktiven Form führt (p66
+ p51 → p66/p51
(unreif) → p66/p51
(aktiv): Divita et al., J. Mol. Biol., Bd. 245 (1995), S. 508-521,
12, 13).
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Jedoch
lassen neuere Hinweise auch auf einen alternativen Mechanismus für die Bildung
von RT schließen,
der zunächst
die Homodimerisierung der p66-Untereinheiten
zu einem p66/p66-Homodimeren beinhaltet, wonach sich die HIV-Protease-Spaltung
zum p66/p51-Heterodimeren anschließt (mündlicher Vortrag, Retrovirus
2001, Cold Spring Harbor, NY, 26. Mai 2001). Zu diesem Zeitpunkt
ist unklar, welcher Mechanismus während der viralen Replikation
vorherrscht. Screeningtests, die zur Prüfung der einzelnen Wege konzipiert sind,
können
neue therapeutische Wege eröffnen.
Es stellt daher einen weiteren Aspekt der Erfindung dar, Verbindungen
zu prüfen,
die potentiell die Homodimerisierung von p66-Untereinheiten stören. Sequenzprotokoll