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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Behandeln eines Niederschlags,
umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus der Titandioxidproduktion
stammt, wobei in diesem Verfahren die Reaktionstemperatur auf höchstens
eine Temperatur von 120°C
ansteigen gelassen wird, eine Anlage zum Behandeln eines Niederschlags,
umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das Produkt und seine Verwendungen,
wie sie in den Oberbegriffen der eingeschlossenen unabhängigen Ansprüche beschrieben
sind.
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Titandioxid
wird gewöhnlich
unter Verwendung eines Sulfatverfahrens hergestellt, wobei ein Erz,
das Titan und Eisen umfasst, mit Schwefelsäure behandelt wird. Im ersten
Schritt des Verfahrens wird das gemahlene Erz in konzentrierter
Schwefelsäure aufgeschlossen,
wodurch das Titan in dem Erz in lösliches Titanylsulfat umgewandelt
wird.
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Der
feste Sulfatkuchen wird anschließend in schwacher Schwefelsäure gelöst, worauf
die titanhaltige Flüssigkeit
gereinigt wird und so konzentriert wird, dass sie für die Hydrolysierung
bereit ist. Das feste Titansäurepräzipitat
wird von der sauren Mutterlauge mittels Filtration abgetrennt.
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Die
Schwefelsäure-basierte
Mutterlauge, welche nach Konzentrierung für den Aufschluss wiederverwendet
wird, umfasst gelöstes
Eisen und hat eine Säurekonzentration
von 20–25%.
Die Säurekonzentrierung
umfasst die Entfernung des Eisens und mehrere Konzentrierungsstufen.
Das gelöste
Eisen wird zuerst als Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat, d. h. Eisenvitriol
(„copperas"), mittels Kristallisation,
gefolgt von Säurekonzentrierung
mittels Vakuumverdampfern, aus der Schwefelsäure entfernt. Nach diesen Schritten
bzw. Stufen erhält
die Schwefelsäure
eine Säurekonzentration
von etwa 55% und sie umfasst typischerweise einen unlöslichen
ersten Niederschlag, umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat und etwa
20 Gew.-% Säure.
Dieser erste Niederschlag wird abfiltriert und von der 55%-igen Säure abgetrennt.
Nach dem Entfernen des ersten Niederschlags aus der 55%-igen Säure, wird
die verbleibende Schwefelsäure
weiter konzentriert, so dass eine Schwefelsäure mit einer Säurekonzentration
von etwa 70% erhalten wird. Während
dieser zweiten Konzentrierungsstufe wird ein zweiter Niederschlag gebildet,
umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat und etwa 25–30 Gew.-%
Säure.
Der zweite Niederschlag wird ebenfalls abfiltriert und somit von
der 70%-igen Säure
abgetrennt. Beide abgetrennten Niederschläge werden heute mit Kalk zur
Neutralisierung gemischt und in Deponien abgelagert. Die Abfallmengen,
die erzeugt werden, sind enorm und die sichere Deponierung des erzeugten
Abfalls ist problematisch.
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Zement
ist eine Kombination aus Calcium, Silicat, Aluminium, Eisen und
kleinen Mengen anderer Inhaltsstoffe, welche homogen gemischt und
bis zu einem geeigneten Körnigkeitsgrad
(„degree
of coarseness")
vermahlen wurden. Zement umfasst typischerweise auch kleine Mengen
an Chrom(VI)-Verbindungen. Es ist bekannt, dass gelöstes Chrom(VI) allergische
Reaktionen bei Menschen verursacht, und wegen der Arbeitssicherheit
sollte die Menge an Cr(VI) so gering wie möglich sein. Die Menge an Cr(VI)
kann dadurch minimiert werden, dass es zu Chrom(III) reduziert wird.
Chrom(III) ist in Wasser in dem Zement-Wasser-Gemisch praktisch
unlöslich, so
dass es für
die Personen, die mit Zement arbeiten, harmlos ist.
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Es
ist bekannt, getrocknetes Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat zu einem
trockenen Zementgemisch zuzugeben, um Cr(VI) zu Cr(III) zu reduzieren.
Die Verwendung von getrocknetem Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat war problematisch,
da es staubt und einen geringen Schmelzpunkt hat. Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
weist auch eine Tendenz zur Wasserabsorption auf, was Schwierigkeiten
bei seiner Handhabung und Lagerung verursacht.
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WO 96/33133 offenbart ein
Verfahren zum Behandeln von Eisen(II)-sulfat, das als Nebenprodukt
aus der Titandioxidherstellung erhalten wird, um Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
herzustellen, das für
die Chromreduktion bei der Zementherstellung verwendbar ist. In
diesem Verfahren wird das säurehaltige
Eisen(II)-sulfat mit CaO-haltigem Material neutralisiert, wobei
die Menge des CaO-haltigen Materials so ist, dass ein pH-Wert von
1,5 bis 5 für
das Endprodukt erhalten wird. Die Reaktionstemperatur wird auf höchstens
120°C ansteigen
gelassen. Ein unreines Zementgemisch, umfassend z. B. Flugasche,
wird als das CaO-haltige Material verwendet. Einer der Nachteile
besteht darin, dass die Verunreinigungen in dem Zement die Menge
an Eisen in dem Endprodukt verringern. Wenn das Endprodukt als ein
Additiv in der Zementindustrie verwendet wird, wird eine große Menge
an Additiv aufgrund der geringen Eisenkonzentration benötigt, um
das Cr(VI) auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Auch ist das
erhaltene Endprodukt pulverförmig
und schwierig zu handhaben.
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WO 2005/009917 offenbart
ein Verfahren zum Herstellen eines Reduktionsmittels für das lösliche Chromat
in dem Zement. In dem Verfahren wird eine Schwefelsäure aus
z. B. der Titandioxidherstellung konzentriert, um einen Niederschlag
zu erhalten, der Eisen(II)-sulfat enthält. Die Säure, die an dem Niederschlag
gebunden ist, wird durch Waschen oder eine vollständige oder
teilweise Neutralisierung minimiert. Die Entfernung der Säure erfordert
eine teure und komplizierte Ausrüstung.
Weiterhin erzeugt die Neutralisierung leicht pulverförmiges Material, welches
schwierig zu handhaben ist. Andererseits schlägt
WO 2005/009917 einen Zusatz von
Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
zu dem gewaschenen oder neutralisierten Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
vor. Dieses erfordert jedoch eine lange Mischzeit und führt wahrscheinlich
zur Bildung eines harten Kuchens, welcher möglicherweise eine separate
Stufe des Zerdrückens
bzw. Brechens benötigt,
um ein Produkt zu erhalten, das zur Verwendung bei der Zementherstellung
geeignet ist.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Probleme und Nachteile,
die im Stand der Technik bestehen, zu lösen oder zu minimieren.
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Eine
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein einfaches Verfahren
zum Behandeln eines Niederschlags, umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat,
das aus der Titandioxidproduktion stammt, bereitzustellen, so dass
die Menge an Abfall aus dem Verfahren verringert wird.
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Eine
andere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren
bereitzustellen, mit welchem in einer minimalen Zeitmenge ein relativ
homogenes Material in Körnchenform
ohne aufwendige Vorbehandlung der verwendeten Rohmaterialien hergestellt
werden kann.
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Eine
andere Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein granuläres Material
bereitzustellen, das einen hohen Gehalt an löslichem Eisen zeigt und zur
Verwendung als Reduktionsmittel bei der Zementherstellung geeignet
ist.
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Um
die oben genannten Aufgaben zu erfüllen, ist die vorliegende Erfindung
durch das gekennzeichnet, was in den kennzeichnenden Teilen der hierin
nachstehend präsentierten
unabhängigen
Ansprüche
definiert ist.
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In
einem Verfahren zum Herstellen eines granulären Materials mit einem hohen
löslichen
Eisen(II)-Gehalt umfasst das Verfahren die folgenden Schritte:
- – Erhalten
einer Menge eines Rohniederschlags, umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
und Schwefelsäure
aus der Titandioxidproduktion,
- – Vermischen
des genannten Niederschlags und eines Neutralisierungsmittels in
einer Mischapparatur, wobei eine Reaktionsmischung erhalten wird,
wobei es ermöglicht
wird, dass die Temperatur während
des Mischens der Reaktionsmischung bis zu einer Temperatur von maximal 120°C ansteigen
kann,
- – Zumischen
von Wasser zu der Reaktionsmischung in der gleichen Mischapparatur,
und
- – Halten
der Menge des Neutralisierungsmittels, so dass sie ausreicht, um
einen pH von 1,5 bis 3 beim Endprodukt zu ergeben.
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Eine
Anlage gemäß der vorliegenden
Erfindung zur Herstellung von granulärem Material mit hochlöslichem
Eisen(II)-Gehalt und zur Behandlung eines Niederschlags, umfassend
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat,
das aus der Titandioxidproduktion stammt, umfasst
- – eine Mischapparatur
mit hoher Scherrate, die in der Lage ist, flüssiges, pastenartiges und festes Material
zu mischen, und die aufweist:
– eine erste Einspeisungsverbindung
für gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat,
– eine zweite
Einspeisungsverbindung für
das Neutralisierungsmittel,
– eine dritte Einspeisungsverbindung
für Wasser und
– eine Auslassverbindung,
- – Einrichtungen
zum Transport des Materials von der Auslassverbindung zur Mischapparatur,
- – eine
Nachkühlerapparatur.
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Ein
typisches Produkt, erhältlich
durch das Verfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung, weist einen Eisen(II)-Gehalt von 14–18% auf und umfasst Gips,
wobei der Staubwert für
die Produktfraktion mit einem Durchmesser im Bereich von 1–7 mm geringer ist
als 1.000 mg/kg.
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Das
typische Produkt gemäß der vorliegenden
Erfindung wird verwendet bei der Reinigung von Abwasser oder Schmutzwasser,
als Reduktionsmittel bei der Zementherstellung oder als Flockungsmittel.
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Es
wurde nun überraschenderweise
herausgefunden, dass es durch Zugeben von Wasser zu der Reaktionsmischung,
die Neutralisierungsmittel und Rohniederschlag aus dem Titandioxidverfahren
umfasst, und durch sorgfältiges
Einstellen des pH möglich
ist, ein schnelles und effizientes Verfahren zur Herstellung von
granulärem
Material mit hochlöslichem
Eisen(II)-Gehalt
bereitzustellen. Es wurde ebenfalls herausgefunden, dass es nicht
erforderlich ist, die Menge an Säure
in dem Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, welches als Rohmaterial verwendet
wird, vor dem Mischvorgang zu minimieren. Im Gegenteil, die Säure in dem
rohen Eisen(II)-sulfat-Monohydrat erhöht die Konzentration an löslichen
Eisen(II)-Verbindungen im Endprodukt. Zur gleichen Zeit werden die anderen
physikalischen Eigenschaften, wie Staubwert, des Granulats signifikant
verbessert.
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Wenn
die Temperatur während
der Neutralisation der Säure
in dem Rohniederschlag erhöht
ist bzw. wird, wird ein granuläres
Produkt mit hochlöslichem
Eisen(II)-Gehalt während
dem Mischvorgang gebildet, wenn Wasser zu der Mischapparatur zugegeben
wird. Somit wird das Produkt schnell und effizient erhalten und
es sind keine zusätzlichen
Verfahrensschritte zur Minimierung der Säure in dem rohen gefällten Eisen(II)-sulfat-Monohydrat vor dem
Mischvorgang erforderlich. Es besteht keine Notwendigkeit für eine verlängerte Trocknung
des erhalte nen Produkts oder normalerweise besteht auch keine Notwendigkeit
für eine
separate Granulierung des Produkts.
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Nach
der Bildung des granulären
Materials wird das erhaltene Produkt gekühlt und klassiert oder gesiebt,
um die Hauptkornfraktion mit einem Durchmesser von 0,5 bis 9 mm
abzutrennen. Es ist auch möglich,
eine separate Pulvermaterialfraktion zu gewinnen. Als Pulvermaterial
wird hier die Materialfraktion verstanden, die durch ein 0,5-mm-Sieb
hindurchgeht. Als granuläres
Material oder Hauptkornfraktion wird hier die Hauptkornmaterialfraktion
verstanden, die nicht durch ein 0,5-mm-Sieb hindurchgeht. Die Hauptkornfraktion
umfasst > 80 Gew.-%
des erhaltenen Materials, typischerweise > 85 Gew.-% des hergestellten Materials.
Typischerweise umfassen über 80
Gew.-% des Materials Körnchen
bzw. ein Granulat mit einem Durchmesser von mehr als 1 mm, aber
weniger als 7 mm. Vorzugsweise wird die erhaltene Hauptkornfraktion
des erhaltenen Produkts nach Klassieren oder Sieben in geeigneter
Weise für
Lagerung und Transport verpackt. Die Pulvermaterialfraktion kann
als Additiv bei der Herstellung von Mörtel verwendet werden.
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In
der vorliegenden Erfindung wird das Mischen des rohen gefällten Eisen(II)-sulfat-Monohydrats,
des Neutralisierungsmittels und des Wassers in einer Mischapparatur
durchgeführt.
Das bedeutet, dass Mischen, Neutralisation, Trocknen und Granulierung
alle in einer Mischapparatur und teilweise gleichzeitig auftreten.
Das gesamte Verfahren benötigt
typischerweise wenige Minuten zur Durchführung, d. h. das Endprodukt
mit guten physikalischen Eigenschaften, wie Fließeigenschaften, wird innerhalb
weniger Minuten ausgehend vom Beginn des Mischens der unbehandelten
Rohmaterialien erhalten.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung umfasst die Reaktionsmischung rohes gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat,
und zwar typischerweise von 55–95
Gew.-%, noch typischer von 60– 80 Gew.-%,
bevorzugt von 65–70
Gew.-%, und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
von 1–35
Gew.-%, typischer von 15–30
Gew.-%, vorzugsweise von 20–25 Gew.-%.
Rohes gefälltes
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat umfasst
typischerweise 15–30
Gew.-% Schwefelsäure.
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Gemäß einer
besonders bevorzugten Alternative ist das rohe gefällte Eisen(II)-sulfat-Monohydrat,
umfassend Schwefelsäure,
vor seiner Zugabe zu der Reaktions- oder Vorreaktionsmischung nicht
gewaschen, nicht reduziert und nicht neutralisiert. Dies bedeutet,
dass es nicht erforderlich ist, den Niederschlag, der aus der Titandioxidproduktion
erhalten wird, vorzubehandeln, sondern dass er direkt zur Herstellung
des Produkts gemäß der Erfindung
verwendet werden kann. Dies vereinfacht die Anlagenkonstruktion
und spart Produktionszeit, wenn weniger Produktionsschritte erforderlich
sind. Zur gleichen Zeit verringert das Vorhandensein von Säure in dem
Eisen(II)-sulfat-Niederschlag die Möglichkeit einer Umwandlung
des Eisen(II) in Eisen(III) während der
Herstellung des Endprodukts.
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Sowohl
das gefällte
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus dem Konzentrierungsschritt
mit 55%-iger Schwefelsäure
in der Titandioxidproduktion stammt, als auch dasjenige mit 70%-iger
Schwefelsäure
kann in der Erfindung verwendet werden. Gemäß einer Ausführungsform
der Erfindung wird das gefällte
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus dem Konzentrierungsschritt
mit 55%-iger Schwefelsäure stammt,
verwendet, da der Niederschlag aus dem 55%-Säure-Konzentrierungsschritt
eine geringere Menge an Säure
und einen höhere
Menge an Eisen(II) umfasst als Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus
dem Konzentrierungsschritt mit 70%-iger Schwefelsäure stammt.
Typischerweise umfasst der Konzentrierungsschritt mit 55%-iger Schwefelsäure etwa 15–17 Gew.-%
Eisen(II) und 15–25
Gew.-% Säure. Folglich
verringert die Neutralisation des Niederschlags aus dem 55%-Säure-Konzentrierungsschritt auch
die Menge an Neutralisie rungsmittel, die erforderlich ist, und sie
verringert die Reaktionstemperatur. Da die Menge an Säure geringer
ist, wird eine geringere Menge Neutralisierungsmittel benötigt, was zu
einer geringeren Gipskonzentration im Endprodukt und zu einer höheren Eisen(II)-konzentration führt. Es
ist auch möglich,
ein Gemisch aus Niederschlägen
von verschiedenen Konzentrierungsschritten zu verwenden. Ein typisches
Verhältnis
von gefälltem
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus dem Konzentrierungsschritt
mit 55%-iger Schwefelsäure stammt,
zu gefälltem
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, das aus dem Konzentrierungsschritt
mit 70% Schwefelsäure
stammt, beträgt
1:2 bis 1:1. Typischerweise umfasst der Niederschlag aus dem Konzentrierungsschritt
mit 70%-iger Schwefelsäure
etwa 13–15 Gew.-%
Eisen(II) und 25–30
Gew.-% Säure.
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Gemäß der Erfindung
wird das Neutralisierungsmittel zu dem Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
in einer derartigen Menge zugegeben, dass der pH-Wert auf einem
niedrigen Level gehalten wird. Der niedrige pH fördert die hohe Menge an löslichem
Eisen in dem Endprodukt, da ein hoher pH-Wert die Umwandlung von
Eisen(II) zu Eisen(III), welches unlöslich ist, erhöht. Vorzugsweise
wird das Neutralisierungsmittel in einer Menge zugegeben, die ausreichend
ist, um einen pH-Wert von 1,7 bis 2 in dem Endprodukt zu ergeben.
Typischerweise wird das Neutralisierungsmittel zu der Reaktionsmischung
in Mengen von 5–15 Gew.-%
an aktivem Neutralisierungsmittel, typischer 7–11 Gew.-%, am typischsten
8–10 Gew.-%
an aktivem Neutralisierungsmittel, zugegeben. Eine potentiometrische
Messung kann zur Bestimmung des pH-Werts des Produkts in Lösung verwendet
werden. Die Messung kann durchgeführt werden, indem 15,0 g sorgfältig gemischtes
Produkt in ein 200-ml-Kunststoffgefäß abgewogen werden. Anschließend werden
150 ml entionisiertes Wasser zugegeben und das Gemisch wird mit
einem Magnetrührer
20 Minuten lang gemischt. Der Rührer
wird entfernt, Partikel werden sedimentieren gelassen und der pH
wird in der geklärten
Wasserphase gemessen.
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Das
Neutralisierungsmittel, das in der vorliegenden Erfindung verwendet
wird, ist vorzugsweise eine Substanz, die beim Mischen der Reaktionsmischung
Gips bildet. Da Gips einer der „natürlichen" Bestandteile eines Zementgemisches
ist, minimiert dies die Menge an fremden, unnötigen oder schädlichen
Verbindungen, die in den Zement eingebracht werden, wenn das Endprodukt
als Reduktionsmittel bei der Zementherstellung verwendet wird. Geeignete
Neutralisierungsmittel sind zum Beispiel Calciumhydroxid, dehydratisierter
bzw. Branntkalk („dehydrated
lime"), Calciumoxid,
Kalkstein, Dolomit oder ihre Gemische.
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Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform wird
Calcium- oder Magnesiumoxid als Neutralisierungsmittel verwendet.
Die Verwendung von relativ reinem Calcium- oder Magnesiumoxid als
Neutralisierungsmittel erhöht
die Menge an Eisen in dem Granulat, da die Verwendung von relativ
reinem Oxid die Menge an unnötigen
oder sogar schädlichen
Verunreinigungen in dem erhaltenen Produkt minimiert. Somit wird
ein typischer Eisen(II)-Gehalt von 15–17,5 Gew.-% in dem erhaltenen
Endprodukt leicht erreicht und die Herstellung von Granulat mit
gleichförmiger bzw.
einheitlicher Qualität
wird verbessert. Wenn reine Oxide verwendet werden, ist es möglich, kleinere Mengen
an Neutralisierungsmittel zu verwenden, da die relativ reinen Oxide
kleinere Mengen an nicht reaktiven Bestandteilen, wie Silikate oder
Carbonate, umfassen. Somit reagiert das Neutralisierungsmittel wirksam
in dem Verfahren und verbessert die Gesamtleistung des Verfahrens.
Das Neutralisierungsmittel kann 20 bis ca. 100 Gew.-% CaO, typischerweise
70–95
Gew.-% CaO, typischer 80–90
Gew.-% CaO, umfassen.
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Die
Reaktion zwischen dem Rohniederschlag und dem Neutralisierungsmittel
kann sehr heftig und exotherm sein, was das wirksame Trocknen und
die Granulierung der Reaktionsmischung verbessert. Während des
Trocknen der Reaktionsmischung werden signifikante Mengen an Dampf
erzeugt. Dieser Dampf wird vorzugsweise aus der Reaktionsapparatur
abgeführt.
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Wenn
Calciumoxid als Neutralisierungsmittel verwendet wird, ist die Reaktionstemperatur
hoch, gewöhnlich
etw. 105°C,
was zu dem hohen Eisen(II)-Gehalt in dem Endprodukt beiträgt. Wenn
die Reaktionsmischung die Temperatur von etwa 105°C erreicht,
verfestigt sie sich gewöhnlich
rasch.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung resultiert eine verringerte Temperatur von etwa 65°C in einer
feuchten Reaktionsmischung, welche zu Granulaten bzw. Körnchen mit
unregelmäßiger Form
mit einem Durchmesser von 3–10
mm ausgebildet wird.
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Die
Verwendung von Magnesiumoxid als Neutralisierungsmittel resultiert
in einem Endprodukt mit verbesserten Löslichkeitseigenschaften. Während der
Neutralisationsreaktion mit Magnesiumoxid wird kein unlöslicher
Gips gebildet, was die Gesamtcharakteristika des Endprodukts für Verwendungen
verbessert, bei welchen eine hohe Löslichkeit ein Gewinn ist und
bei welchen Gips selbst für
das Verfahren schädlich
ist, z. B. wenn das Endprodukt bei der Wasserbehandlung und/oder
Reinigung von Abwässern
verwendet wird.
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Der
Wassergehalt des Rohniederschlags kann aufgrund der Verfahrensbedingungen
bei der Titandioxidproduktion variieren. Gemäß der vorliegenden Erfindung
kann der Feuchtigkeitsgehalt der Reaktionsmischung durch Zugabe
von Wasser zu der Reaktionsapparatur durch eine Flüssigkeitseinspeisungsverbindung,
die in der Mischapparatur angeordnet ist, eingestellt werden.
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Zum
Beispiel kann Wasser in einer Menge von 10 Gew.-% zu der Reaktionsmischung
vor oder nach, vorzugsweise nach, der Zugabe des Neutralisierungsmittels
zugegeben werden. Bis zu einem bestimmten Ausmaß kann die Granulierung der
Reaktionsmischung durch die Menge an zugegebenen Wasser reguliert
werden. Wenn trockene Materialien verwendet werden, ist das erhaltene
Material pulverförmig
bzw. puderförmig.
In diesem Fall können
Granulate bzw. Körnchen
durch Zugeben einer ausreichenden Menge an Wasser erhalten werden.
Typischerweise liegt der Gehalt an zugegebenen Wasser in der Reaktionsmischung,
der ein granuläres
Material ergibt, in dem Bereich von 0,1–20 Gew.-%, typischerweise
5–15 Gew.-%,
sogar noch typischer 7,5–11
Gew.-%. Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung wird eine kleine Menge Wasser, zum Beispiel 1–3 Gew.-%,
während
dem letzten Mischschritt zugegeben. Diese Zugabe gleicht die möglichen
Unterschiede in dem Wassergehalt der verwendeten Rohmaterialien
aus, wodurch die Notwendigkeit einer aufwendigen Verfahrensanpassung
bzw. -einstellung minimiert wird.
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Wie
oben erklärt,
ist es durch Verwenden des Verfahrens gemäß der vorliegenden Erfindung
möglich,
trockene harte Granulate in einer kontrollierten Weise zu erhalten.
Die vorliegende Erfindung ermöglicht
auch die Kontrolle und Einstellung der Eigenschaften des Endprodukts
durch geeignete Auswahl der verschiedenen Verfahrensparameter. Somit
kann das Endprodukt zumindest teilweise maßgeschneidert werden, um die
spezifischen Anforderungen der letztendlichen Anwendung zu erfüllen. Geeignete Verfahrensparameter,
die eingestellt werden können, sind
zum Beispiel die Qualität
des Mischens, die Mischzeit, die Verhältnisse der verschiedenen Rohmaterialien
und die Eigenschaften der verwendeten Rohmaterialien.
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Eine
der wichtigen Eigenschaften des verwendeten Rohmaterials ist dessen
Wasser- oder Feuchtigkeitsgehalt. Durch Einstellen des Wassergehalts
in der Reaktionsmischung ist es möglich, die Kornbildung zu kontrollieren
und somit die letztendliche Form des erhaltenen Produkts. Wenn die
verwendeten Rohmaterialien einen hohen Wassergehalt aufweisen, ist
die Reaktionsmischung feucht und das erhaltene Endprodukt wird als
weiche und unregelmäßige Körnchen bzw.
Granulate ausgebildet. Ein mittlerer Wassergehalt in der Reaktionsmischung führt zu einer
wirksamen Bildung von trockenen und harten Granulaten. Wenn die
verwendeten Rohmaterialien praktisch trocken sind, liegt das Endprodukt
in Form eines feinkörnigen
pulverförmigen
Materials vor.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung wird eine Menge an Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat, das
aus der Titandioxidproduktion stammt, mit dem Rohniederschlag vor
oder während
der Zugabe des Neutralisierungsmittels gemischt, wobei die Menge
an zugegebenen Heptahydrat 1–35
Gew.-% beträgt.
Das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
kann zu dem rohen gefällten
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
zur gleichen Zeit mit dem Neutralisierungsmittel oder vor der Zugabe
des Neutralisierungsmittels zugegeben werden. Wenn die Temperatur
während
der Neutralisation der Säure
in dem Rohniederschlag erhöht wird,
wird das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat getrocknet und verliert sein
Kristallwasser.
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Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform der
vorliegenden Erfindung wird der Rohniederschlag, umfassend Eisen(II)-sulfat-Monohydrat, zusammen
mit Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat gemischt, um eine Vorreaktionsmischung
zu bilden, bevor das Neutralisierungsmittel zu der erhaltenen Vorreaktionsmischung
zugegeben wird. Vorteilhafterweise werden Eisen(II)-sulfat-Monohydrat und -Heptahydrat
zuerst mechanisch miteinander unter Bildung einer Vorreaktionsmischung
gemischt, welche in Form einer Aufschlämmung oder Suspension vorliegt. Wenn
die Vorreaktionsmischung in Form einer Aufschlämmung oder Suspension vorliegt,
kann die Menge an Neutralisierungsmittel, die zu der Vorreaktionsmischung
zugegeben wird, verringert werden, da das Mischen der Aufschlämmung oder
der Suspension leicht erfolgt und ein homogenes Mischergebnis liefert.
Ein gründlicheres
homogenes Mischen der Rohmaterialien verringert die Menge an Neutralisierungsmittel,
die benötigt
wird, da keine Notwendigkeit für
das Zugeben eines Überschusses
an Neutralisierungsmittel besteht, um das schlechte Mischen der
Rohmaterialien zu kompensieren. Gleichzeitig wird die Reaktionstemperatur
verringert. Die geringe Reaktionstemperatur verringert die Oxidation von
Eisen(II), wodurch hohe Konzentrationen an löslichem Eisen in dem Endprodukt
sichergestellt werden. Das Mischen der Vorreaktionsmischung wird
für eine
relativ kurze Zeit, vorzugsweise für 20 Sekunden bis 2 Minuten,
durchgeführt.
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Wenn
bei der Verwendung von Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat kein separates
Vormischen durchgeführt
wird, wird gefälltes
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat zusammen mit Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat in die Mischapparatur
zugegeben. Danach wird das Neutralisierungsmittel in die Mischapparatur
zugegeben.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird das feuchte gefällte Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
ohne einen Trocknungsschritt vor dem Mischen der Reaktionsmischung
verwendet, d. h. Heptahydrat, das aus Schwefelsäure bei der Titandioxidproduktion
auskristallisiert ist, kann als solches ohne jegliche zusätzliche
Trocknungsschritte nach der Filtration verwendet werden. Es werden
keine speziellen Trocknungsschritte benötigt, da die Wärme der
Neutralisationsreaktion ausreichend ist, um das Produkt bis zu einem
gewünschten
Maß zu
trocknen. Weiterhin beeinflusst die Zugabe von feuchtem Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
die Granulierung in einer positiven Weise. Die Menge an Feuchtigkeit,
die in dem feuchten Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat vorhanden ist,
kann verwendet werden, um die Granulierungsneigung der Reaktionsmischung einzustellen
bzw. anzupassen. Die Granulierung der Reaktionsmischung wird verbessert,
wenn das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
einen hohen Feuchtigkeitsgehalt aufweist. Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
weist typischerweise einen Feuchtigkeitsgehalt im Bereich von 3–7 Gew.-%,
typischer im Bereich von 4–6
Gew.-%, auf. Häufig
weist gefälltes Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
aus einer Säurekonzentrierungsanlage
einen Säuregehalt
bis zu 2 Gew.-% auf.
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Das
Mischen der Reaktionsmischung wird vorzugsweise unter Verwendung
einer Mischapparatur mit hoher Scherrate durchgeführt. Die
Eigenschaften des Endprodukts können
durch Einstellen der Mischzeit kontrolliert werden. Eine längere Mischzeit
beeinflusst die Korngröße dahingehend, dass
es sie verkleinert. Mit anderen Worten, wenn ein Produkt, umfassend
Granulat mit kleinerem Durchmesser, erforderlich ist, wäre es vorteilhaft,
die verwendete Mischdauer zu verlängern.
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Jede
beliebige Mischapparatur mit hoher Scherrate, die zum Mischen von
Flüssigkeiten,
pastenartigen und trockenen Materialien geeignet ist, kann in der
vorliegenden Erfindung verwendet werden. Das Innere der Mischapparatur
sowie die Mischarme und -blätter
sind aus säurebeständigem Material
hergestellt. Vorzugsweise umfasst die Mischapparatur eine Mehrzahl
von Mischblättern,
die an einem Mischarm angeordnet sind. Typischerweise beträgt das Chargenvolumen
der Mischapparatur 500–3.000 kg.
Eine typische Umfangsgeschwindigkeit während des Mischens beträgt > 15 m/s, typischer
12–18
m/s, manchmal sogar > 18
m/s.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung ist die Mischapparatur ein Eirich-Mischer,
vorzugsweise ein Eirich-Mischer vom R-Typ, oder ein Lödige-Mischer.
Vorzugsweise funktioniert eine Mischapparatur basierend auf dem
Prinzip des mechanisch erzeugten Fließbetts bzw. der mechanisch
er zeugten Wirbelschicht. Zum Beispiel können die Blätter der Mischapparatur so
angeordnet sein, dass sie nahe der inneren Wand einer horizontalen,
zylindrischen Trommel der Mischapparatur rotieren, wodurch die zu
mischenden Materialien aus dem Produktbett in den offenen Mischraum
geworfen werden. Die mechanisch erzeugte Wirbelschicht stellt ein
intensives Durchmischen in einer kurzen Zeitdauer sicher.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung beträgt
die Mischgeschwindigkeit typischerweise 200–600 UpM, typischer 350–450 UpM.
Das Mischen kann so durchgeführt
werden, dass die Mischgeschwindigkeit beim Beginn des Mischens schneller,
zum Beispiel 400–500
UpM, und langsamer beim Ende des Mischens, zum Beispiel 250–350 UpM,
ist. Wenn ein Eirich-Mischer verwendet wird, beträgt die Mischgeschwindigkeit
typischerweise mindestens 300 UpM, manchmal bis zu 800 oder 1.000
UpM. Nach der Zugabe des Neutralisierungsmittels wird das Gemisch
für wenige
Minuten gemischt, typischerweise für 2–10 Minuten. In manchem Fall
könnte
es erforderlich sein, auch am Ende des Mischens, während des
so genannten Endmischens, eine höhere
Mischgeschwindigkeit zu verwenden.
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Wenn
die Reaktionsmischung nach der Zugabe des Neutralisierungsmittels
noch zu feucht ist und/oder einen zu großen Partikeldurchmesser aufweist,
kann eine zusätzlich
Dosis Neutralisierungsmittel zu der Mischapparatur zugegeben werden. Wie
oben gefolgert, ist ein anderer oder zusätzlicher Weg zur Korrektur
der Eigenschaften der Reaktionsmischung das Erhöhen der Mischdauer oder Mischgeschwindigkeit
oder von beidem.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung wird der Bearbeitungszyklus der Reaktionsmischung
für 7–30 Minuten,
vorzugsweise für
10–20
Minuten, durchgeführt.
Der Bearbeitungszyklus umfasst das Füllen der Mischapparatur mit
Rohniederschlag, das Mischen des Rohniederschlags mit dem Neutralisierungsmit tel,
die Neutralisation und das abschließende Mischen, das Leeren der
Mischapparatur und das Kühlen
des erhaltenen Materials. Typischerweise wird das Vormischen des
Rohniederschlags für
maximal 1 Minute, die Neutralisationsreaktion für wenige Minuten und das abschließende Mischen
für etwa
2 Minuten durchgeführt.
Die Dauer des Vormischens kann sehr kurz sein, sehr typisch nur
20–30
Sekunden. Somit beträgt
die typische Bearbeitungszyklusdauer etwa 10 bis 15 Minuten. Dies ermöglicht vier
bis sechs Bearbeitungszyklen pro Stunde. Es ist natürlich möglich, das
Verfahren und die Anlage gemäß der vorliegenden
Erfindung als kontinuierliches Verfahren einzurichten. Zum Beispiel können viele
der möglichen
Mischapparaturen mit hoher Scherrate als kontinuierliche Mischapparaturen
betrieben werden.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung umfasst die Anlage eine Mehrzahl von Mischapparaturen
mit hoher Scherung („high
shear mixing apparatuses"),
welche parallel oder in Reihen verbunden sein können.
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Aufgrund
der exothermen Reaktionen, die während
der Mischphase auftreten, ist das Material, das aus der Mischapparatur
kommt, typischerweise heiß.
Das Kühlen
des Endprodukts wird in einer Nachkühlerapparatur, wie einem Trommelkühler, durchgeführt. Vorzugsweise
ist die Nachkühlerapparatur
eine Drehtrommel. Sie kann auch als Granulierungs- und/oder Finishing-Apparatur verwendet
werden, da die Rotationsbewegung der Trommel die Bildung von Granulat
bzw. Körnchen
mit homogener Größenverteilung
verbessert und das abzukühlende Granulat
abrundet und härtet.
Es ist auch möglich, die
Nachkühlerapparatur
mit Einspeisungsverbindungen für
(ein) Binde- oder Beschichtungs- bzw. Überzugsmittel auszustatten.
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Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung werden das Mischen und Granulieren unter Verwendung der
gleichen Ap paratur durchgeführt,
d. h. die Mischapparatur fungiert auch als Granulierungsapparatur.
Gemäß einer
Ausführungsform der
Erfindung kann die Anlage, insbesondere wenn die Nachkühlerapparatur
keine Drehtrommel ist, eine separate Granulierungsapparatur, wie
eine Drehtrommel oder dergleichen, umfassen. In dem Fall wird die
Reaktionsmischung aus der Mischapparatur in die Granulierungsapparatur
hinein entfernt, nachdem die Reaktion zwischen dem Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
und dem -Heptahydrat und dem Neutralisierungsmittel abgeschlossen
ist. In dem Fall, dass die Nachkühlerapparatur
eine Drehtrommel ist, kann sie auch als Granulierungsapparatur fungieren. Es
ist auch möglich,
Binde- und/oder Überzugsmittel durch
geeignete Einspeisungsverbindungen in die separate Granulierungsapparatur
zuzugeben. Die Bindemittel können
z. B. unter Verwendung von Düsen
eingesprüht
werden.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung umfasst die Anlage auch Mittel zum Abziehen bzw. Ablassen
des Dampfes aus der Mischapparatur mit hoher Scherung während des
Mischens zum Entfernen des Dampfes, der während des Trocknens der Reaktionsmischung
erzeugt wird. Die Mischapparatur kann auch Mittel zum Sammeln von
Staub oder feinkörnigem
Material aus der Apparatur umfassen.
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Die
Anlage gemäß der vorliegenden
Erfindung umfasst vorzugsweise eine Klassiervorrichtung, wie ein
Sieb oder einen Sichter, zur Auftrennung des erhaltenen Endprodukts
in Fraktionen mit verschiedener Größe. Das erhaltene Endprodukt wird
dann gelagert und typischerweise als Bulk-Material transportiert.
Der Transport kann unter Verwendung von Frachtschiffen, Lastkraftwagen
oder beiden durchgeführt
werden. Die Anlage kann auch eine Verpackungsapparatur zum Abpacken
des erhaltenen Endprodukts in einer für Lagerung und Transport geeigneten
Weise umfassen. Manchmal wird das Endprodukt in Papier- oder Kunststoffsäcke verpackt.
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Unter
Verwendung des Verfahrens und der Anlage der vorliegenden Erfindung
ist es einfach, Material sowohl in Granulat- als auch Pulverform herzustellen, indem
der Feuchtigkeitsgehalt der Reaktionsmischung angepasst wird. Die
vorliegende Erfindung ermöglicht
somit die Herstellung von granulärem
Material, das gute Eisen(II)-Löslichkeit,
hohen Eisen(II)-Gehalt,
gute Fließeigenschaften
und gute Lagerungsbeständigkeitseigenschaften
zeigt. Das erhaltene Material ist darüber hinaus relativ homogen,
d. h. das Granulat bzw. die Körnchen
weist/weisen eine enge Größenverteilung
auf. Typischerweise beträgt
der lösliches-Eisen(II)-Gehalt
15–18
Gew.-% Das Material ist aufgrund seiner Granulatform leicht zu dosieren,
da die Erzeugung von Staub während der
Handhabung des Produkts minimiert ist. Es kann auch geblasen werden
(„blown") und es schmilzt nicht
während
des Pumpens.
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Wenn
das Endprodukt in Granulatform hergestellt wird, weisen typischerweise
75% des Granulats bzw. der Körnchen
eine Größe > 0,5 mm, gewöhnlich im
Bereich von 1–10
mm, auf. Das granuläre
Material muss nicht von gleichförmiger
bzw. einheitlicher Größe sein.
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Gemäß der Erfindung
ist der Staubwert für die
Kornfraktion mit einem Durchmesser im Bereich von 1–7 mm geringer
als 1.000 mg/kg, typischer geringer als 500 mg/kg, manchmal geringer
als 400 mg/kg und manchmal sogar etwa 300 mg/kg. Staubwerte, die
hierin angegeben werden, werden durch Platzieren von 400 g des Endprodukts
in einer Säule, in
welcher sie durch Saugen 2 Minuten lang fluidisiert gehalten werden,
erhalten. Der Staub, der sich löst bzw.
lose wird, wird auf Filterpapier gesammelt und gewogen. Das Ergebnis
wird in Milligramm pro einem Kilogramm des Endprodukts angegeben.
Dies impliziert, dass das erhaltene Endprodukt leicht zu handhaben
ist, da ein geringes Ausmaß an
Staub erzeugt wird. In der Praxis kann das Endprodukt während normaler
Lagerung, normalem Transport und normaler Verwendung als nahezu
staubfrei angesehen werden.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung beträgt
der Abriebswert für
die Kornfraktion mit einem Durchmesser im Bereich von 1–7 mm weniger als
70 Gew.-% gewöhnlich
15–60
Gew.-% typischerweise etwa 25 Gew.-% Abriebswerte, die hierin angegeben
werden, werden durch Platzierung von 200 g Endproduktgranulat und
Stahlkügelchen
mit einem Durchmesser von 10 mm in einer Trommel, die 30 Minuten
lang gedreht wird, erhalten. Der Abriebswert gibt die Menge an Partikeln
an, die während
der Trommelrotation aufgrund des Abriebs und der Scherung zermahlen
wurden. Ein niedriger Abriebswert zeigt an, dass das erhaltene Endprodukt
während des
Transports und der Handhabung nicht auseinander bricht, wenn es
zum Beispiel mit mechanischen Förderanlagen
transportiert wird.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung beträgt
der Schüttdichtewert
für die
Kornfraktion mit einem Durchmesser im Bereich von 1–7 mm 2–1 kg/l,
typischerweise etwa 1,4 kg/l. Das Produkt zeigt somit gute Fließeigenschaften,
wenn es aus einem Silo eingespeist wird, und es ist während der
Zementherstellung leicht in einen Zementofen einzuspeisen.
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Gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung beträgt
der Druckfestigkeitswert für
die Kornfraktion mit einem Durchmesser im Bereich von 1–7 mm > 20 N, typischerweise
30–150
N, typischer 80–120
N, recht häufig
90–105
N. Druckfestigkeitswerte, die hierin angegeben werden, werden durch Messen
der Kraft in Newton, die zum Zerdrücken eines Partikels einer
bestimmten Größe erforderlich
ist, erhalten. Die Messung wird für 30 einzelne Partikel durchgeführt und
das Ergebnis wird als Mittelwert der Einzelwerte angegeben. Die
Druckfestigkeit ist abhängig
von der Größe des Partikels,
allgemein sind größere Partikel
fester bzw. stabiler als die kleineren. Das Endprodukt gemäß der vorliegenden
Erfindung zeigt eine verbesserte Härte bzw. Festigkeit („hardness"), die es für eine Verwendung
zum Beispiel bei der Zementherstellung geeignet macht. Das Produkt ist
leicht gleichmäßig einzuspeisen,
was die gleichmäßige Verteilung
des reduzierenden Eisen(II) in der Zementmischung verbessert. Normalerweise
wird das Produkt in Granulatform der Zementmischung in einer Mahlvorrichtung
oder einer Klassiervorrichtung nach der Mahlvorrichtung zugegeben.
Das Granulat wird in der Zementmischung im abschließenden Vermahlen
der Mischung vermahlen.
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Alle
hierin angegebenen Werte werden am gut gemischten Endprodukt gemessen.
Die verwendeten Versuchstechniken zum Messen von Druckfestigkeit,
Abrieb und Staubbildung werden auch im Handbuch „Fertilizer Manual", veröffentlicht
durch das International Fertilizer Development Center und die United
Nations Industrial Development Organization (3. Auflage), beschrieben.
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Die
Menge an Säure
im Endprodukt beträgt gewöhnlich weniger
als 5 Gew.-%, gewöhnlich
0,1–3 Gew.-%,
typischer 0,5–2
Gew.-%.
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Material
kann der Mischapparatur in Pulverform mit einer mittleren Partikelgröße von 100 μm oder darunter
entnommen werden. Diese Materialart ist bevorzugt, wenn das Material
als Reduktionsmittel in Zementfabriken verwendet wird, in welchen
das Reduktionsmittel dem Zement in dem Verpackungsschritt direkt
zugesetzt wird.
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Wenn
es als Reduktionsmittel bei der Zementherstellung verwendet wird,
kann das Produkt gemäß der vorliegenden
Erfindung der Zementmischung in ähnlichen
Dosen zudosiert werden wie die bekannten Reduktionsmittel.
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Die
Lagerbeständigkeit
des Produkts gemäß der vorliegenden
Erfindung ist mindestens so gut wie, möglicherweise sogar besser als,
diejenige von reinem Eisen(II)-sulfat. Insbesondere wenn das Produkt in
Granulatform vorliegt, zeigt es verbesserte Lagerungseigenschaften.
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Das
granuläre
Material gemäß der vorliegenden
Erfindung kann auch zur Reinigung von Abwässern, insbesondere von Abwässern, die
hohe Mengen an Cr(VI) umfassen, verwendet werden. Das granuläre Material
kann auch als Flockungsmittel in Schmutzwasserbehandlungsanlagen
anstelle des Sulfat-Heptahydrats verwendet werden.
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BEISPIELE
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In
den folgenden Beispielen 1 bis 6 wurde die Vormischzeit von 30 Sekunden
bis etwa 1 Minute variiert. Nach der Zugabe des Neutralisierungsmittels wurde
das Mischen für
4–5 Minuten
fortgesetzt. Die Mischgeschwindigkeit betrug etwa 350–500 UpM.
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Beispiel 1
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 55% Säure und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
wurden im Verhältnis
2:1 gemischt. Calciumoxid wurde in einer Menge von 105 g/(kg gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat)
zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,1 und einer Reaktionstemperatur
von etwa 100°C
resultierte. Das Endprodukt lag in Granulatform vor, die einen Eisen(II)-Gehalt
von 17–18
Gew.-% zeigte.
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Beispiel 2
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 70% Säure und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
wurden im Verhältnis
3:1 gemischt. Calciumoxid wurde in einer Menge von 166 g/(kg gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat)
zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,1 und einer Reaktionstemperatur
von 110–120°C resultierte.
Das Endprodukt lag in Form kleiner Granulate bzw. Körnchen („granulates") vor, die einen
Eisen(II)-Gehalt von 13,5–14
Gew.-% zeigten.
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Beispiel 3
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 55% Säure, gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat aus dem
Konzentrationsschritt mit 70% Säure
und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat wurden im Verhältnis 35:35:30 gemischt. Calciumoxid
wurde in einer Menge von 133 g/(kg gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat)
zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,1 und einer Reaktionstemperatur von
80–90°C resultierte.
Das Endprodukt lag in Form kleiner Granulate bzw. Körnchen vor,
die einen Eisen(II)-Gehalt von 15–16 Gew.-% zeigten.
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Beispiel 4
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 70% Säure und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
wurden im Verhältnis
4:1 gemischt. Calciumoxid wurde in einer Menge von 166,3 g/(kg gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat)
zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,1 und einer Reaktionstemperatur
von 110–120°C resultierte.
Das Endprodukt lag in Form eines feinen Pulvers vor, das einen Eisen(II)-Gehalt
von 13,5–14
Gew.-% zeigte.
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Beispiel 5
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 55% Säure und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
wurden im Verhältnis
4:1 gemischt. Calciumoxid wurde in einer Menge von 94–95 g/(kg
gefälltes
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat) zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,1 und
einer Reaktionstemperatur von 90–100°C resultierte. Das Endprodukt
lag in Form eines feinen Pulvers vor, das einen Eisen(II)-Gehalt
von 17,5–18,3
Gew.-% zeigte.
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Beispiel 6
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Gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat
aus dem Konzentrierungsschritt mit 55% Säure, gefälltes Eisen(II)-sulfat-Monohydrat aus dem
Konzentrierungsschritt mit 70% Säure
und Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat wurden im Verhältnis 52:26:20 gemischt. Calciumoxid
wurde in einer Menge von 123–124 g/(kg
gefälltes
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat) zugegeben, was in einem pH von 2,0–2,2 und
einer Reaktionstemperatur von 80–90°C resultierte. Das Endprodukt
lag in Pulver- bzw. Puderform vor, die einen Eisen(II)-Gehalt von
15,3 Gew.-% zeigte.
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Beispiel 7
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84
kg gefälltes
Eisen(II)-sulfat-Monohydrat und 21,5 kg Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat
wurden in die Mischapparatur zugegeben. Vor dem Beginn des Vormischens
wurden 4,5 kg Wasser in die Mischapparatur zugegeben. Das Vormischen
dauerte etwa 30 Sekunden.
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Nach
dem Schritt des Vormischens wurden 6,0 kg Calciumoxid beim Beginn
des tatsächlichen Mischvorgangs
mittels einer Schneckeneinspeisevorrichtung direkt in die Mischapparatur
zugegeben. Die Reaktionsmischung wurde für etwa 5 Minuten ge mischt,
worauf das erhaltene Material über
ein Beförderungsmittel
bzw. Förderband
ausgeleert wurde.
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Das
erhaltene Material wurde zu einer Kühltrommel transportiert, worauf
das Material in drei verschiedene Fraktionen gesiebt bzw. klassiert
wurde. Die feinste Fraktion wurde in einen Silo verbracht, woraus
sie, falls erforderlich, in das Verfahren rückgeführt werden könnte, die
Produktfraktion wurde direkt für
Transport und/oder Lagerung vorbereitet und die dritte, gröbste Fraktion
wurde in Säcke
verpackt.
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Beispiel 8
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Der
Rohniederschlag wurde in eine kontinuierlich betriebene Mischapparatur
mit einer Geschwindigkeit von 1.000 kg/h eingespeist. Fein zerteiltes
CaO und Wasser wurden in die gleiche Mischapparatur mit Geschwindigkeiten
von 120 kg/h bzw. etwa 120 kg/h eingespeist. Die Verweildauer in
der Mischapparatur betrug 2–3
Minuten. Granuläres
Material wurde erhalten, wobei die Temperatur bei den Granulaten
100–110°C betrug,
wenn sie aus der Mischapparatur ausgeleitet wurden. Das Verdampfen
des Wassers setzte sich fort, nachdem das granuläre Material aus der Mischapparatur
ausgeleitet worden war.
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Die
Mischapparatur war ein Pflugschar-Intensivmischer („ploughshare
intensive mixer"),
der mit zwei Zerkleinerungsvorrichtungen bzw. Messern ausgestattet
war. Das Volumen des verwendeten Mischers betrug 300 dm3.
Die Rotationsgeschwindigkeit für
die Hauptmischerachse betrug 130 l/min und für die Messer 3.000 l/min. Etwa
500 kg granuläres Material
wurden während
eines Testbetriebs von 30 Minuten erzeugt.
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Das
erhaltene granuläre
Material wurde hinsichtlich des Eisengehaltes und des pH analysiert. Der
Fe(II)-Gehalt betrug 15 Gew.-% und der Fe(III)-Gehalt betrug 0,1
Gew.-% Die Mes sung des pH wurde in einer 10%-igen Fe-Lösung durchgeführt und
der erhaltene Wert war 3,8.
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Es
wurde geschlossen, dass es möglich
war, eine kontinuierlich arbeitende Mischapparatur zum Umwandeln
des Rohpräzipitats
in leicht lösliches granuläres Material
mit hohem Fe(II)-Gehalt zu verwenden.